[1007] Die wilde Jagd (Sousanna)

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

Moderatoren: Toma Ianos Navodeanu, Acacia

Benutzeravatar
Livia
Jünger des Seth
Beiträge: 587
Registriert: Do 23. Nov 2017, 22:04

[1007] Die wilde Jagd (Sousanna)

Beitrag von Livia » Fr 13. Apr 2018, 20:59

"Bist du sicher, dass du gar keine Kleidung für die Jagd anziehen willst, meine Liebe?" Fragte Livia die schöne Sousanna, während sie sich selbst aus einer weichen aber knapp geschnittenen ledernen Hose herausschälte. "Mit gefällt das Stück hier, ich nehme es auf jeden Fall mit... man weiß ja nicht, wie weit es in den Wald geht." Sie grinste fein.
"Aber ich verstehe schon... du meinst, die wahre Spannung bleibt sowieso im Lager zurück?" Grinsend hob sich eine ihrer leicht nachgezogenen Brauen empor. "Die stolzesten Männer werden sich eine wilde Hatz doch nicht entgehen lassen...
Auch wenn eine Frau im Kleidchen im Wald sicherlich auch ihren Reiz hat."

Raubtierhaft schlenderte sie zu der sitzenden Freundin, die ihre exotischen Schminkutensilien vor dem Silberspiegel sortierte. Livia kniete sich zu der sitzenden hinab und legte ihren Kopf an ihre Schulter. "Ich sehe geradezu burschikos aus, im Vergleich zu dir...
Womöglich sollte ich doch dir die Kleidungswahl für mich überlassen?" Fragte sie herausfordernd grinsend und trat einen Schritt zurück. Sie war kaum - mehr - bekleidet, nur ein feines Unterkleid aus dünnster Seide zierte sie noch.
Das Gesicht wurde weicher.
"Oh ja, gerne will ich deine Puppe sein... wähle für mich! Ich bitte dich, kleide mich ein!" Bat sie in höher werdender, jugendlich femininer Stimmlage, während sie ihren Arm über das Ankleidezimmer schweifen lies, das in allen Ecken mit den verschiedensten Kleidungsstücken der zwei und der Hausherrin befüllt war. Ein gespanntes Beben huschte schaudernd über den zierlich sehnigen Leib der Merkurianerin, während sie auf ihre Zehenspitzen ging, die Arme ausbreitete und verharrte...

Benutzeravatar
Sousanna
Ravnos
Beiträge: 1990
Registriert: Mo 14. Nov 2016, 21:12

Re: [1007] Die wilde Jagd (Sousanna)

Beitrag von Sousanna » Fr 13. Apr 2018, 21:35

Mit ruhiger Hand zog der Lockenkopf den Strich an ihrem Lid zu Ende. Wie durch übernatürliche Kräfte schienen die großen, braunen Augen noch größer, da sie zu ihrer Freundin emporblinzelte.
"Gar keine Kleidung fände ich sogar durchaus charmant.", grinste sie sie breit an und legte dann den Kopf zur Seite, ehe das Grinsen zu einem nur schlecht gespielten, beschämten Ausdruck wurde. "Aber das wäre nichts, was eine Dame tun könnte."
Die gespreizten Finger fuhren durch die noch offene Lockenpracht, während sie sich elegant drehte, um sich zu Livia hinüber zu drehen. Ihr seidenes Unterkleidchen verhüllte ihre Schönheit kaum. Viel eher unterstrich es die überbordende Verlockung, die ihr Körper zu bieten hatte. "Und es gibt gewiss einen netten Herrn, der mich im Wald retten wollen würde."
Das verschmitzte Grinsen wurde vom Spiegel reflektiert, der ihr Gesicht wiederspiegelte. Mit einer Hand hielt sie ihn empor, mit der anderen tupfte sie sich Röte auf die Lippen. Eine Geste wie bei einem Ritual zu Ehren einer alten, heidnischen Gottheit.

Geheimnisvoll lächelte Sousanna die Tochter des Merkurs an und blickte einmal an ihr auf und nieder. Für einen Moment waren ihre Blicke die einer gekonnten Schneiderin. Dann sprang sie mit dem Elan einer Gazelle auf und nahm die Hand der Rothaarigen, um sie einmal herumzuwirbeln.
Ihr Strahlen war kaum zu ertragen. So schön übermütig war es. "Oh Schwesterchen, das wäre traumhaft.", jubilierte sie, um schließlich wie ein glückliches Mädchen oder ein sehr munteres Vögelchen durch ihr Zimmer zu hüpfen, um mal hier, mal dort eins der feinen Stücke aufzuheben, es fallen zu lassen und mit einem munteren Liedchen auf den Lippen weiterzuschweben.

Schließlich aber schien sie ihre Auswahl getroffen zu haben, denn sie hielt ein Kleid aus feinster, satt grüner Seide und mit kunstfertigen Stickereien aus Gold an den schmalen Leib der Rothaarigen. "Es bringt deine Augen zum Strahlen, meine Hübsche.", stellte sie ruhig klar und würde sie an ihren ehemaligen Platz ziehen, um sich dort an ihr Werk zu machen. Mit geschickten Fingern, würde sie die Vorzüge der hübschen Bardin noch herausarbeiten.
Sacht ruhte ihre Hand an ihrer Wange, während sie die seidene Haut streichelte und färbte. "Was glaubst du, welche der hohen Herren heute kommen wird? Vielleicht sogar der hübsche Evangelos?", stürzte sie sich ins fröhliche Geplapper. "Und was ist mit der edlen Xenia? Sie hatte letztens dieses großartige Kleid an. Mit Perlen... Ach, so eines hätte ich auch gern." Sie seufzte sehnsüchtig.
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
Die dem lieben Griechenlande rann,
Lasst, o Parzen, lasst die Schere tönen,
Denn mein Herz gehört den Todten an!
Friedrich Hölderlin

Benutzeravatar
Livia
Jünger des Seth
Beiträge: 587
Registriert: Do 23. Nov 2017, 22:04

Re: [1007] Die wilde Jagd (Sousanna)

Beitrag von Livia » Mi 18. Apr 2018, 23:32

Livia grinste wie eine kleine Prinzessin, als die unersättliche Ravnos ihr erneut schmutzige Gedanken in den Kopf setzte... vor einem solchen Abend unter Menschen war ihr das nur recht.
"Dieser Herr müsste aber erst einmal mich ausstechen, also übertrumpfen, sonst wäre ich noch deine Retterin im Walde!" Fügte sie frech an, die Hand emporreißend.

Als Sousanna ihr ein Kleid ausgewählt hatte, betrachtete die Merkurianerin es einen Moment skeptisch, dann jedoch lächelte sie breit. "ja.... du hast recht. Es hat sogar eine gewisse Ähnlichkeit.
Ach, es ist nicht leicht mit dem Rotstich meiner Haare!" Sie seufzte theatralisch.

"Also die Kleiderwahl, der Rest, der ist manchmal viel zu leicht." Hatte sie dabei gerade Sousannas Sprachduktus imitiert? Parodiert nicht, aber wohl angenommen... war die Ravnos für sie schon ein geflügeltes Wort und Vorbild geworden, wenn es um zu erobernde Männerherzen ging?

"Ich bin fast sicher, dass der hübsche Evangelos da sein wird. Die olle Xenia wird sicherlich auch kommen - sie ist ja hinter Evangelos her." Livia schüttelte gespielt pikiert den Kopf. "Will ihn teilhaben lassen, an all diesen Perlen... zumindest einer.
Er scheint aber eher generell alle Perlen zu wollen." Ergänzte sie mehrdeutig grinsend.

"Auch sehr gespannt bin ich ob des Majawendi Sarivur und des Satrapen von Ginzka... sie sollen fabulouse Jäger sein, exotische Wilde aus dem Orient, Stiergötzen anbetend!" Die grünen Augen der Schlangentochter glänzten beim Gedanke an noch weitere Exotik. "Sie tragen die Federn eines Vogels an ihrem Turban... den es nur in ihrem Lande am Euphrat gibt! Sicherlich der Phönix. Das Rätsel gilt es zu lösen..."

Kurz überlegte sie, ehe sie weiter schwärmte.
"Was hälst du denn von der alten Geschichtenerzählerin Kassandris... sie gibt sich ja immer so, als habe sie alle Vergangenheit selbst mit erlebt. Aber womöglich ist daran ja etwas..." Sie grinste breit. Blickte zu Sousanna. Ach, welch eine Zeit!

Benutzeravatar
Sousanna
Ravnos
Beiträge: 1990
Registriert: Mo 14. Nov 2016, 21:12

Re: [1007] Die wilde Jagd (Sousanna)

Beitrag von Sousanna » Do 19. Apr 2018, 23:28

Das zunächst nur andeutungshaft anzügliche Grinsen der Ravnos wurde nun eindeutig zweitdeutig. Für einen Moment räkelte sie sich gekonnt auf ihrem Sitz, ehe sie schnurrte: "Hmmm, das würd ich gern sehen. Vor allem, wenn ihr dann um mich streiten würdet. Vielleicht in einem hübschen Duell..." Sie grinste listig. "Vielleicht würde ich sogar mitkämpfen."

Aufmerksam hatte sie ihre Freundin betrachtet, als diese so skeptisch dreingeblickt hatte. Dann aber trat ein liebevoller Ausdruck auf ihre ebenmäßigen Züge und zärtlich strichen ihre schlanken Finger über das rote Haar. Ein verzaubertes Seufzen kam über die vollen Lippen. "Ach, meine Hübsche, es gibt Frauen, die würden alles geben für dein Haar. Was würde ich nicht tun, wenn mein Haar nicht einmal wie das Fell eines garstigen, dunklen Widders wäre?" Sie kicherte leicht, ließ eine ihrer Locken zurückspringen und imitierte ein Blöken. "Ich schaue in einen Spiegel und muss fürchten, dass ich eines Tages anfange Gras zu fressen."
Schmollend sah sie zu Livia empor, ehe sie liebevoll lächelte. "Deine sehen aus wie wunderhübsches, rotes Gold. Wie Kupfer... und sie sind bestimmt ein Traum zum Frisieren."

Wieder grinste sie. "Ja, es wär ja auch schlimm, wenn der Rest genauso schwer wäre... Stell dir vor, man müsste sich genauso konzentrieren wie bei der Auswahl eines Kleides. Das Leben wäre so, wie die Priester es predigen." Ein gespieltes Schaudern durchfuhr Sousannas zierlichen Leib. "Brr, wie schauderlich wäre das?"

Das Lachen der Händlerstochter mochte einem wohlige Schauer über den Rücken jagen. Sie musste sogar den Kohlstift einen Moment absetzen, um der Merkurianerin keine hässlichen Male ins Gesicht zu zaubern. "Jaja und dabei sollte sie einmal die hässlichen Pusteln besser verstecken. Dann klappt das auch mit den Perlen." Sie grinste gehässig.
"Aber Evangelos hatte doch schon alle Perlen dieser Stadt. Also fast. Hat er dir schon mal gezeigt, wie er mit Perlen umgeht? Vor die Säue passt da doch ganz gut." Leichtfertig zuckte sie die Schultern. "Aber bei dem Aussehen muss er sich auch nicht anstrengen. Da schmelze sogar ich dahin."

Neugierig funkelten die großen Rehaugen. Vielleicht war es der Reiz des Fremden, der sie doch noch anzog. "Stiere - und Phönixe", wiederholte sie beinahe schon verträumt. "Du warst doch reisen. Hast du so einen Phönix schon einmal gesehen? Ich hab gehört, sie leben im Feuer. Unheimlich... aber so zauberhaft." Einen Augenblick sah sie aus dem Fenster vor dem sich die Stadt ausbreitete wie ein Teppich aus brodelnder Lebenskraft.
Mit geschickten Fingern zog sie sich schließlich selbst ihr Kleid an und spielte mit einem halben Lächeln mit der Schnürung. Hände, die geübt waren, allerlei Verschlüsse zu öffnen, waren offensichtlich ebenso begabt darin, alles perfekt zu verknoten. "Ach, ich liebe Geschichten... vor allem so gut erzählte.", säuselte Sousanna. "Sie hat die Zeiten sicher erlebt. Wie könnte sie das sonst so gut erzählen? Natürlich schmückt sie sie aus, aber das kann man nur, wenn man Teile der Wahrheit kennt." Es klang wie eine Tatsache.
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
Die dem lieben Griechenlande rann,
Lasst, o Parzen, lasst die Schere tönen,
Denn mein Herz gehört den Todten an!
Friedrich Hölderlin

Antworten