[1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Sousanna » Mo 16. Apr 2018, 21:36

Auch Sousanna schien der Gedanke mit Unbehagen zu erfüllen. Zumindest ließ ihr leichtes Schaudern darauf schließen. "Er meinte, sein Vater im Blute hätte ihm so etwas beigebracht.", erklärte sie und biss die vollen Lippen zusammen, um ihren leicht angewiderten Ausdruck bei diesen Worten zu verbergen. Allein beim Gedanken, gebunden zu werden, schien die Ravnos tiefen Ekel zu empfinden. "Ich bin mir aber nicht sicher, ob es wirklich einen Wahnsinnigen gibt, der so etwas behaupten würde."
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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Seresa » Di 17. Apr 2018, 01:23

„Nun es ist nicht ungewöhnlich, dass Streitigkeiten zwischen den Nachfahren meiner Blutlinie mitunter hitziger diskutiert - und dabei auch körperlicher - werden. Es ist dabei fürwahr nichts Ungewöhnliches, dass der Überlegene danach sich um den Unterlegenen kümmert.“

Seresa schwieg für einige Momente nachdenklich.

„Dennoch werden hierfür meist Tiere verwendet. Bei großem Respekt für sein Gegenüber auch Menschen. Jemanden jedoch gegen seinen Willen das Band aufzuzwingen, wird wo ich herkomme, nicht gerne gesehen.“

Sie schwieg einen kurzen Moment, bevor sie mit den Schultern zuckte.

„Dennoch kann es vorkommen. Meist jedoch nur, wenn es einen triftigen Grund dafür gibt. Eben jener Grund fehlt mir beim Vorgehen meines werten Bruder im Blute Ramon gegenüber Adelchis.“
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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Sousanna » Di 17. Apr 2018, 13:37

"Ich hoffe, dass so etwas nirgendwo gern gesehen wird.", erwiderte die Ravnos und noch immer lag der dumpfe Schauder über diese Vorstellung in ihrer Stimme.
Dann aber zuckte sie die schmalen Schultern. "Aber wir wissen wohl alle, dass unser Mütter und Väter im Blute uns wirklich seltsame Verhaltensweisen anerziehen können - deren Verständnis sich anderen häufig entzieht." Nun lächelte sie wieder liebevoll, als erinnere sie sich an alte, schöne Dinge, die andere vielleicht ebenfalls nicht verstehen konnten.
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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Seresa » Di 17. Apr 2018, 20:06

Die Brujah nickte leicht, während auch sie für einen Moment in Gedanken zu versinken schien. Im Gegensatz zur Ravnos lächelte sie jedoch nicht, sondern behielt einen eher nachdenklichen und verbissenen Blick bei.

„Wie dem auch sei.“

Seresa riss sich aus den Gedanken zurück in die Realität der Nacht und schüttelte leicht den Kopf.

„Es bleibt dennoch seltsam, weshalb die verehrte Acacia eine Entschuldigung forderte, der werte Ramon offensichtlich seinen Stolz überwunden hatte und es dennoch nicht zur Entschuldigung bei Adelchis kam.“

Mit einem leichten Kopfschütteln verwarf sie jedoch auch diesen Gedankengang.

„Ich hoffe, ich werde mich nicht - bei allem geboten Respekt deiner verehrten Freundin gegenüber - eines Nachts einer ähnlichen Situation wiederfinden wie der werte Ramon, nur weil ich in ihren Augen mich dir gegenüber nicht ausreichend entschuldigt habe.“
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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Sousanna » Di 17. Apr 2018, 20:24

Die Sünderin nickte leicht. "Männerseelen sind schwierige, kleine Dinger.", urteilte sie schließlich mit einem halben Lächeln, das genauso gut ein gequälter Ausdruck hätte sein können.. "Ich fürchte, man müsste hunderte und aberhunderte Jahre studieren, um ihre Logik von Stolz und Ehre verstehen zu können. Ich finde es also leichter, ihnen hübsche Augen zu machen und zu versuchen, das Schlimmste zu verhindern."

Dann lachte Sousanna hell und offensichtlich amüsiert. "Du hast mich nicht gebunden und im Gegensatz du Adelchis bin ich solche Arten von Behandlung gewohnt.", erklärte sie vergnügt und mit einem verschwörerischen Zwinkern.
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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Seresa » Di 17. Apr 2018, 20:51

Ein leises Lachen war über Seresas Lippen gekommen, welches in ein amüsiertes Kichern übergegangen war, als Sousanna davon gesprochen hatte, lieber hübsche Augen zu machen und versuchen das Schlimmste zu verhindern.

„Womöglich sollte ich Nachhilfe bei dir nehmen, Sousanna.“

Seresa hatte dabei nur den Kopf geschüttelt, als wäre sie die sturen, blinden Männer selbst nur allzu leid.

„Wie dem auch sei. Ich hoffe, du meinst damit, dass du den liebevollen und traumschenkenden Biss unsereins gewohnt bist. Nicht die Tatsache in Raserei angefallen zu werden oder einen fremden Willen aufgezwungen zu bekommen.“
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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Sousanna » Di 17. Apr 2018, 21:09

"Ich kann es versuchen - aber ich denke, du hast ohnehin schon gute Voraussetzungen.", gab sie zurück und würde ernster hinzufügen. "Hin und wieder ist es das einzige, das jemand wie ich tun kann, darum muss man es besonders gut können."

"Nein", erwiderte sie dann allerdings mit schiefgelegtem Kopf und gerunzelten Brauen, als fiele ihr gerade erst ein Umstand auf, den sie bisher übersehen hatte. Das Nein klang sogar etwas nachdenklich. "Nein, ich bin eher das angegriffen und zu Dingen gezwungen zu werden gewohnt. Es passiert dank solchen Kindern der Dunkelheit wie eurem Drachenfreund immer wieder - inzwischen bin ich gut darin, es zu verhindern, aber ... den liebevollen Biss mag ich immer noch nicht leiden." Gleichgültig zuckte sie die Schultern.
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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Seresa » Di 17. Apr 2018, 22:45

Seresa wirkte für einen Moment nachdenklich, bevor sie den Kopf schüttelte. Männer.

„Gelegentlich ist es das Einzige, was wir tun können und ich würde gerne von dir lernen. Denn wie ich bereits sagte: Ich lerne viel durch meine Arbeit für dich und ich bereue es nicht dir zu dienen.“

Sie nickte der Ravnos respektvoll zu.

„Sofern du Interesse hast, könnte ich dir im Gegenzug dafür beibringen, wie du dich gegen körperliche Angriffe besser erwehren könntest.“

Die Brujah schwieg für einen kurzen Moment, bevor sie mit den Schultern zuckte.

„Gelegentlich ist es von Nöten sich auch körperlich zu behaupten. Gerade in einer Welt wie der unseren. Zu schnell werden wir sonst übersehen oder nur als kleine, unscheinbare Pflänzchen gesehen und übergangen.“

Das leise Knurren in ihrer Stimme legte offen, dass sie, die nicht dem Idealbild einer Brujah entsprach, besonders oft mit dieser Tatsache zu kämpfen hatte.

„Und selbst wenn du dich nicht körperlich behaupten kannst oder willst, hilft es mitunter, wenn man weiß, wie man verhindert, dass man geschlagen wird. Es gelingt nicht immer, aber zumindest treffen die Schläge dann weniger gut.“

Das Knurren war aus ihrer Stimme verschwunden.

„Und ab und an reicht es schon sie vorzuführen, indem man unter ihren Schlägen wieder und wieder ausweicht. Was ich allerdings nur bedingt empfehlen kann. Die Wenigsten empfinden dies als amüsant und es kränkt ihren Stolz mehr, als sie jemals zugeben wollen würden. Die Schläge die du dir dafür letzten Endes einfängst, sind mitunter die schlimmsten deines Lebens.“

Seresa grinste dennoch fröhlich und breit, als sie weitersprach.

„Aber mitunter ist es den Preis einfach wert.“

Die Brujah zuckte leicht mit den Schultern.

„Ebenso wie den des liebevollen Bisses.“

Dann schüttelte sie jedoch leicht den Kopf, bevor ihr Blick wieder ernster wurde.

„Aber sag, Sousanna, wie kommst du darauf, dass der wohlwerte Toma mein Freund sei?“
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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Sousanna » Mi 18. Apr 2018, 21:41

"Dann freue ich mich, eine gelehrige Schülerin gefunden zu haben.", lächelte Sousanna ihre Schreiberin ruhig an. "Die wenigsten sehen es als Kunst. - Aber dass es anstrengend sein kann und dass jedes einzelne Zucken einer Wimper ein geübtes Schauspiel ist. Dass jedes Lächeln Stunden der Übung brauchte. Dass jeder verständnislose Blick bei politischen und sozialen Fragen Kraft braucht. Diese Dinge sehen die wenigsten. - Es freut mich, dass du verstehst, dass man es lernen kann und muss. Damit gehörst du zu den wenigen Kindern der Nacht in Genua und anderswo." Anerkennend neigte sie ihr Haupt und zeigte ein ehrliches Lächeln.
"Also ja, ich will dich gern unterrichten, wenn du willst auch mehr als nur durchs zusehen."

Tatsächlich errötete die Ravnos über dieses Angebot. Vielleicht war es tatsächlich ein wunder Punkt, den Seresa hier gerade getroffen hatte. Doch es war schnell vorbei, denn die Ausführung über das Ausweichen, ließ ein leises Kichern erklingen. Es brach sich in kleinen, sich steigernden Wellen Bahn, die sich in glasklares Gelächter steigerten. Ein Lachen wie die warmen Wellen des Mittelmeers, die auf weiche Strände trafen.
"Das klingt nach einer Kunst, die ich lernen will.", stellte sie immer noch mit amüsiert funkelnden Augen fest.

Schließlich wurde auch ihre Miene wieder ernster. Ja, beinahe schlich sich Bedauern in ihren Blick. "Er hat für dich vorgesprochen - und nicht ganz so grauenerregend über dich gesprochen, wie er es sonst gern tut. Vor allem, da er Kontrollverluste nicht sehr zu schätzen weiß.", erklärte sie schließlich schulterzuckend.
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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Seresa » Do 19. Apr 2018, 23:46

„Ich gestehe, ich bin gespannt dich als Harpyie Genuas zu erleben und wie die Reaktionen der anderen unserer Art darauf sind. Ich vermute sie werden erst verstehen lernen müssen, bevor sie wahrlich begreifen, welche hervorragende Wahl in deiner Person getroffen wurde.“

Seresa nickte der Ravnos tief und respektvoll zu.

„Also ja, ich würde gerne von dir lernen dürfen, Sousanna. Sowohl durch reines zusehen, wie auch gerne durch mehr. So wie es mir eine Ehre ist, dich meine Kunst zu lehren.“

Erneut nickte sie Sousanna zu, bevor ihr Blick gegen Himmel ging und ernster wurde.

„Was jedoch den wohlwerten Toma angeht, Sousanna, so versteh mich bitte nicht falsch, ich bin dankbar über die Worte, welche er sprach. Dennoch hatte er ohne jedweden Zweifel seine eigenen Gründe, weshalb er tat was er tat.“
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