[1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

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Sousanna
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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Sousanna » Mo 11. Dez 2017, 21:16

Verständnis lag in ihrem Blick, als Livia ihr von ihrer Wandlung berichtete, und die Byzantinerin nickte mit einem leicht mitleidsvollen Blick. Die ihre war in den ersten Augenblicken tatsächlich wirklich begeisternd und angenehm gewesen - und sie hatte erst begriffen, was mit jenem Angebot gemeint gewesen war, als der Tod sie unaufhaltsam ereilen würde.

Auch ihre Miene schien überrascht. Dann musste sie kichern. "So wie es aussieht könnten wir uns uns tatsächlich gekannt haben, hätte unser Schicksal das gewollt.", erwiderte sie und schien darin einen Witz zu erkennen, der sich nicht unbedingt jedem zu offenbaren vermochte.
Doch seufzend legte sich die Schöne dann zurück und wandte den Blick wieder zur Decke als würde sich dort die Weisheit der Alten offenbaren. "In meinem Fall hat Caspar es mir verraten.", murmelte sie, doch etwas lag in ihrem Ton, das zwar von tiefer Zuneigung aber doch leichtem Frust erzählte. "Aber wirklich verstehen ... nein, das kann ich nicht. Aber wie soll ich, die noch kein Jahrhundert alt ist solche Entscheidungen eines so alten und so mächtigen Unsterblichen auch verstehen?"

Ein tiefes Seufzen hob und senkte ihre Brust, ehe sie sich wieder zu einem Lächeln durchrang und der Setitin wieder ihre volle Aufmerksamkeit schenkte. "Es ehrt mich, dass ihr mich so seht. Und es lässt mich euch noch deutlicher in meinen Räumen willkommen heißen. Wann auch immer ihr hier her kommt, werdet ihr mein Gast sein. Nach allen Regeln der Gastfreundschaft unserer geliebten Seelenheimat.", lud sie die Rothaarige ein und schmunzelte ebenso erfreut über die Erwähnung der Profite.

"Helfen?", wiederholte sie dann und ihre Klarheit kehrte mit einem Schlag zurück. Auch war da mit einem Mal tiefe Leidenschaft in ihren Rehaugen. Beinahe hatte das düstere Funkeln in den großen, braunen Seelenspiegeln etwas Obszönes. "Ihr könntet mit in meine Geschäfte einsteigen - ich brauche fähige Kräfte. Gerade weil zwar das Verhandeln, aber nicht die Verwaltung meine Stärke ist. Aber gemeinsam, könnten wir etwas großes Erschaffen. Etwas, das uns und unseren Clanen Ehre bringen wird."
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Livia
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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Livia » Mo 11. Dez 2017, 21:59

Welch ein Glück, Einsicht in die Wünsche und Pläne der Ältesten zu haben... "Es muss auch eine Belastung sein?" Fragte Livia etwas aus dem Zusammenhang. "Also eh, jenes Wissen, weswegen ihr Erzeugt wurdet - Wissen, das ihr selbst noch nicht voll nachvollziehen könnt?"

Als Sousanna eine Partnerschaft vorschlug, schluckte Livia den Rauch herunter - zum Glück hatten die Untoten keinen Hustenreflex mehr, das hätte peinlich sein können. "Ich... ich wäre erfreut, mit euch kooperieren zu können. Ja, ich könnte mir durchaus auch vorstellen, Teil eurer Geschäfte zu sein. Auf lange Sicht, fänden wir sicherlich Wege, die zu beider Zufriedenheit laufen." Sie lächelte sanft, aber die Augen waren etwas vergrößert, einerseits schien sie wie rasend zu denken, andererseits eine Art Freude nicht zu sehr durchbrechen lassen zu wollen.
"Ich möchte mir nicht die Illusion machen, dass wir ohne feste Basis auf einmal Voll und in kompletten Vertrauen agieren können - weder bin ich so naiv, das zu erhoffen, noch wärt ihr mit derartiger Einstellung soweit gekommen." Sie atmete langsam aus, blieb aber auf ihre zurückhaltende Art fiebrig lächelnd.
"Aber ich sehe, dass wir uns nicht nur in menschlichen und kainitischen Ähnlichkeiten gefunden haben, sondern auch in gemeinsamen... Schwächen." Das Lächeln wurde wieder breiter. "Wünschen, Träumen, Sehnsüchten, Schranken und Qualen im Leben...
Und ich bin gerne bereit, mit euch zusammen zu kooperieren, in eure Geschäfte hier einzusteigen und sie mit Sicherheit zu bereichern, in der Hoffnung ein wahres Vertrauensverhältnis zu entwickeln - beidseitig, natürlich." Die Augen fixierten Sousanna wieder etwas schlangenhaft, schlossen sich dann langsam, wie bei einer Katze.

"Ich hörte." Sie zögerte noch einmal - sollte sie es ansprechen? Ja. "Hörte, die niederen Clane seien in Genua zwar nicht so geachtet, wie bei uns in Byzanz... aber doch auch nicht so verachtet, wie in manch anderer Domäne.
Womöglich... womöglich könnte eine Kooperation zweier Vertreter derer Clane, die in den Augen vieler Anderer die Niedersten der Niederenn scheinen, die zugleich als Prinzessinnen geboren waren... hier den geistigen Einfluss der Idee Byzanz, der Träume des Erzengels, ausweiten... nicht politisch, freilich, aber Ideell..." Ein kindischer Traum, ein so untypischer Traum für die Ihrigen, aber ein Traum, den die junge Seele noch nicht abstreifen konnte.

"Auch das gehört zu dem Sucht erregenden Kuss Byzanzens... die Tochter Babylons lockt nicht nur in Dekadenz, sondern auch in Freiheit..." Sie atmete langsam aus. Die Worte schienen sie selbst etwas zu verzaubern.

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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Sousanna » Di 12. Dez 2017, 15:11

Sousanna zuckte seufzend die Schultern. "Es setzt in jedem Fall Erwartungen fest, die man natürlich erfüllen möchte.", erklärte sie schließlich und schüttelte mit einem melancholischen Lächeln, das die Schwere nicht ganz überspielen konnte, welche wohl auf ihr lastete. "Schwer wird es, wenn man sich nicht vollauf sicher ist, ob man diesen Erwartungen gerecht werden kann. - Immerhin schätze ich meinen Vater im Blute sehr und ihn zu enttäuschen, wäre mir eine Schande."
Einen Augenblick lang schien sie in ihrer Gedankenwelt zu verweilen, ehe sich ihr Haupt kurz, aber energisch schüttelte. "Nein, ihr hab Recht, werte Freundin", murmelte sie dabei und bändigte mit einer Hand ihr Haar, das sich inzwischen widerspenstig aus ihrem Zopf löste. "Solche Dinge sind keine Themen für einen schönen Abend."

Diese Zusage dann ließ die Schöne strahlen, wenn es auch durch jene düstere Freude, die die Unschuld aus den großen Augen zu vertreiben schien, weniger sonnig, sondern viel mehr tiefgründig, ja vielleicht sogar eine Spur lasziv zu sein schien. Sie nickte leicht, ehe sie sich gemütlich zurücklehnte. Ein kleines, aber deutliches Zeichen dafür, dass sie zumindest offensichtlich genug in Sicherheit wägte, um sich auch in Gegenwart eines anderen Raubtiers die Blöße der Entspannung zu geben.
"Ich bin mir sicher, dass diese Zusammenarbeit, so wir einmal Vertrauen gefasst haben, sehr fruchtbar und erfüllend sein kann. Dass sie uns ein Stück näher an unseren ehemaligen Stand bringen kann.", erwiderte sie leise und mit einem rauen Unterton in der warmen Stimme, der von Sehnsucht und beinahe dem Wunsch nach Revolution sprach. "Während andere uns nicht vertrauen, wissen wir um unsere Stärken und Schwächen. Wir kennen unser beider Clane Ruf und wissen gewissermaßen worauf wir uns einlassen."
In einer fließenden Geste, reichte sie Livia die zarte, feingliedrige Hand, die von einer Zeit erzählte, in der sie mit einem Wink ihres Fingers Vermögen hatte verschieben können, das Familien ein Jahr ernährt hätte. "Ich schwöre euch die Schwesternschaft, werte Livia. Meine Vertrauten übertölple ich nicht. So wie es die gute Sitte meines Bluts verlangt."

Als wären diese verzauberten Worte ihr direkt ins Herz gefahren, stöhnte die Ravnos leise und voller Sehnsucht auf. "Mir scheint ihr könnt meine tiefsten Träume lesen und sie in so gewandte Worte fassen, als wären die Ideen Edelsteine, die ihr durch Gold und Silber noch veredelt." Nun war es endgültig die Sehnsucht, die die Gestalt der scheinbar so jungen Frau zu überstrahlen schien. Eine Sehnsucht, die nicht nach Gold oder Lust gierte, sondern nach einem Gefühl, einem ihr unerreichbar scheinenden Zustand. "Würde es mir die Freiheit schenken, würde ich die Dekadenz mit einem Lachen loslassen. Doch in diesen Zeiten bringt die Dekadenz die Freiheit. Und ja, ich wäre gern daran beteiligt, die Träume des Erzengels auch in dieser Stadt bekannter zu machen."
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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Livia » Do 14. Dez 2017, 20:30

Livia nickte lächelnd. "Eine besondere Chance..." Ihr Lächeln wurde inniger, als sie Sousannas Worte und Blicke spürte. Ihr Lächeln wurde breiter, als Sousanna die Hand zum Bunde - zur Schwesternschaft - erhob. Ihre Augen funkelten ebenso kurz.
"Welch eine Nacht!" Langsam streckte auch sie ihren schlanken Arm aus, reichte Sousanna die geschickten Finger, wie einzelnd tänzerisch. Hand legte sich in Hand. Feine Glieder spürte Kälte. "So schwöre auch ich euch die Schwesternschaft, Sousanna. Meine Vertrauten übertölple ich nicht. So es die gute Sitte auch meines Bluts verlangt. Mögen wir Gemeinsam die Unbillen unseres Geschlechts und Blutes vergessen machen!" Lachte sie kurz auf und griff etwas fester zu - viel Kraft lag nicht in ihrer Hand... aber wie ein Streicheln in langfingrigem Griff.

"Dekadenz! Was für ein Wort... Leben. Nennen wir es Leben? Wohlwerte Schwester?" Lächelte Livia die neu gewonnene Partnerin an, während sie sich etwas aufrichtete und nun vorübergebeugt in Sousannas Richtung saß, den Körper leicht katzenhaft gekrümmt, gestützt auf die Linke. Gerade aus der Nähe sah sie noch etwas schöner aus - im Vergleich zur perfekten Sousanna war Livia wenig auffällig... aber im leicht schwimmernden Licht, einem Raum voller Wasserpfeifenrauch und der Erinnerung eine feine Klänge... konnte man die Lautstärke der Gaststätte rasch vergessen und sich in diesen Augen verlieren. Wie auch sie es beim Anblick des Leibes der Ravnos oft kurzzeitig tat.

Die restlichen schönen Träume der Ravnos nahm sie auf. Ob sie die Wahrheit sprach? Ob Livia wirklich so tief in Sousanna blicken konnte... vielleicht konnte sie womöglich wirklich vieles Spüren - da sie aus dem gleichen Leben kam - nur noch viel frischer... womöglich hatte sich vor Sousannas eigenen Bedürfnissen bereits eine Art Schleier gebildet? Ein Schleier, den man Lüften könnte? Oder alles eine wunderschöne Illusion?
Aber solange sie beide profitierten...

"Sousanna! Lass uns diese Dekadenz einen weiteren Moment lang leben... anstoßen, auf unseren Schwur! So, wie es kaum passender sein könnte..." Lächelte sie wie verführerisch. "Lass uns zusammen Beute machen... nicht irgendwelche. Einen stolzen Mann, lass ihn uns nutzen" Missbrauchen wollte sie nicht sagen. "Indem er all die Rauschmittel aufnimmt, nach denen wir uns sehnen... auf dass wir sie ihm rauben mögen. Sanft." Und spielerisch... doch das musste nicht gesagt werden. Würde die nicht mehr ganz so Fremde Jägerin dem Zustimmen? Trotz ihrer Schwäche? Eine riskante Idee, aber so reizvoll, so ein schöner Gedanke, und ein Messer war an manche Männer nicht verschwendet...

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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Sousanna » Fr 15. Dez 2017, 13:59

Ungewöhnlich warm war die Hand der Hehlerin, beinahe ebenso warm wie die einer Menschenfrau. Auch ihr Griff war nicht fest, doch unwillkürlich schienen ihre von Diebstahl und anderen Missetaten geübten Finger die Hand der anderen zu liebkosen. Als sei ihr ganzer Leib nur dazu geschaffen, Freude zu bringen und Lust zu schaffen.
"Es ist das Schöne an dieser Verbindung, dass unser beider Blut zwar einen grauenhaften Ruf besitzt.", schmunzelte sie leise. "Wir aber beide wissen, dass wir doch strengen Kodizes folgen. Und dass gerade im Ehrlosen die Ehre am meisten zählt. Zwei Betrügerinnen werden sich nicht gegenseitig betrügen, da wenn sie sich zusammen tun, noch viel mehr Schabernack getrieben werden kann."

Wieder lachte sie hell und die dunklen Augen schienen sich in der Betrachtung der Rothaarigen zu verlieren, ihn zu genießen. "Ist Leben nicht allein schon durch sein Sein dekadent?", wiederholte sie leise und ein angenehm rauer Ton ließ ihre Stimmer markanter, verführerischer werden. "Wir erblühen wie die Rosen, verschwenden unser Sein wie im Rausch ... Und wir, wir glücklich Unglückseligen, wir wissen, dass wir nicht vergehen. So ist es unsere Aufgabe der Dekadenz, dem Prunk, dem Leben zu frönen. Wir sind dazu gemacht zu verschleudern, den Puls des Lebens zu spüren, ja ihn tief in uns aufzunehmen. Wir sind die Herren der lebendigen Dekadenz und werden es immer sein. Gleich ob nun in einer dreckigen Gasse oder hohen Hallen. Wir sind mit unserem Fluch damit gesegnet, die unendliche Macht die im Leben steckt zu hüten und zu mehren." Wild wogte ihre Brust auf und nieder und tiefe Leidenschaft ließ Sousannas Blick noch intensiver, noch brennender. Ihre gesamte Gestalt schien mehr Traum denn Wirklichkeit zu sein. Sie war wie jene unheilige Tänzerin, die in wunderschöner und verdammter Leidenschaft, einst dem heiligen Johannes sein Haupt geraubt hatte.

Livias Angebot, ließ die Schöne dann leicht lächeln und man konnte erahnen, dass sie wahrlich eine Jägerin war. Ebenso gerissen wie mutig. Doch dann löschte Melancholie die Leidenschaft und das gierig brennende Feuer erstarb. "Gern würde ich das tun, Livia, doch mein Körper nimmt die Verwandlung nicht an. Ich mag gestorben sein, mag alles aufweisen, was eine Tochter Kains ausmacht, - doch die Fänge, unser wichtigstes Werkzeug, bleiben mir bis heute versagt.", gab sie leise - beinahe mit beschämt errötenden Wangen zu. "Ich jage gern mit dir, doch musst wissen, dass ich die Adern mit einem Messer öffnen."
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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Livia » Fr 15. Dez 2017, 16:19

"Die Lobpreisungen der Dekadenz!" Titelte Livia Sousannas Vortrag. "Poesie... ich werde mir deine Worte merken! Ein kleiner Diebstahl am Rande." Lachte sie kurz keck in sich hinein. "Unsere Existenz ist eine Art der Dekadenz. Ja. Welchen Nutzen haben wir für Gottes Plan, für die Existenz seiner Abbilder? Wir sind hier, weil sich die Schöpfung das leisten konnte... ein Fleck dunkler Dekadenz und schamvoll glänzender vernichtender Schönheit!"

Als die Melancholie Sousanna übermannte, biss sich Livia kurz wie entschuldigend - oder wie verführt? - auf die Lippen. Jeder hatte sein Kreuz zu tragen, sie nur wohl etwas mehr als Andere...
Sie legte ihrer neuen Freundin den linken Arm sanft auf die Schulter. "Du hast eine wunderschöne täuschende Figur eines Menschen - wie eine tödliche Venusfliegenfalle, die ihre Beute durch schönste Gerüche und Tarnung anlockt... du musst sie nicht erlegen wie ein Bär... eine solche Jagd, sie kann wahre Kunst sein! Und muss nicht überall zerfetzte Leichen hinterlassen" Fügte sie wie eine ästhetische Ergänzung an.
Dann schüttelte Livia sanft den Kopf. "Auch meine Jagd ist eingeschränkt... schöne Freundin. Wir müssen uns eben gemeinsame und umgehende Wege suchen.
Ich reiße dir einen taumelnd trunkenen Hals auch gerne sanft auf, auf dass du das unverfälschte Blut genießen kannst, das schwache Fleisch mit deiner sanften Zunge zerteilend..." Ein Schauer der Erregung leitete sich über Livias Körper über ihre Hand zu Sousanna über. Derart brutale Ideen waren ihr wohl sonst fern, aber mit einer gewissen Neugierde versehen.

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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Sousanna » Fr 15. Dez 2017, 21:10

Die Ravnos kicherte leise. "Über diesen Diebstahl kann ich hinweg sehen.", erwiderte sie und lehnte sich vergnügt nach vorne. "Du beherrscht das Lob der Existenz allerdings auch in Perfektion meine Liebe. Dunkle Dekadenz und schamvoll glänzende Vernichtung..." Kurz klangen ihre Worte nach, ehe ein sehr schelmischer, verschwörerischer Ausdruck ihre Züge zu einem wahren Sinnbild eines Gesprächs zwischen zwei jungen, übermütigen Frauen. "Sollte jemand jemals ein Lied über mich schreiben, wünsche ich mir, dass er euch diese beiden Ausdrücke verwendet." Tatsächlich gewann sie in diesem Augenblick an Röte, als wäre es schon lange ein Traum von ihr, der so noch nie über ihre Lippen gekommen war.

Dankbar sah Sousanna die Setitin schließlich an und sacht, wie unbewusst legte sich ihre Hand auf die der anderen Tochter der Nacht. Langsam wie eine Blume, die beim ersten Sonnenstrahl erblühte, erblühte ein Lächeln in ihrem Gesicht. Dankbarkeit und Verlegenheit spiegelten sich darin, zwei Gefühle, die sich wohl selten bei ihr zeigten und dadurch umso ehrlicher wirkten. "Er freut mich, dass du das so sagst.", murmelte sie und zupfte immer noch verlegen an ihrem Ärmel. "Ich selbst versuche die Jagd zu einer Kunst zu erheben - auch wenn" Ihr Gesicht verzog sich schmerzlich. "Ich hin und wieder, gerade in schlechten Zeiten auf etwas brachialere Methoden angewiesen bin."
Dann erwähnte Livia ebenfalls einen Mängel und Interesse, ja sogar Hoffnung schien in der Hehlerin zu erstehen und sie gespannt die Rothaarige mustern. Gab es so etwas wie sie noch einmal? Oder war es etwas anderes? Die unschuldige Neugier sprach aus ihren Blick. "Ich weiß, dass es schrecklich unhöflich ist, so etwas zu fragen", brachte sie sich nur mit Mühe zu einem Rest Anstand zwingend hervor. "Aber wie ist deine Jagd eingeschränkt?"
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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Livia » So 17. Dez 2017, 13:56

Livia schmunzelte breit und lehnte sich ebenso zurück, sie nickte nur leicht und nahm einen weiteren tiefen Zug.

"Unhöflich..." Sie kicherte. "Stimmt... aber es gehört mit zur ausgleichenden Schwesterlichkeit. Ich selbst... nun... ich habe noch kein Jagdrecht." Setzte sie zeurst das relativ profane an, hatte aber ein füchsisches Grinsen noch im Gesicht. "Also für die Stadt selbst... und ich gedenke den Wunsch der Prinzessin höchsselbst natürlich ehren." Kurz pausierte sie. "Außerdem... reagiere ich wohl etwas deutlich besser auf edleres und qualitativeres Blut und dafür deutlich schlechter auf jenes Blut, dass in den Ärmsten fließt..." Kurz hob sie die Schultern. Wirkte auch unwissend dabei. Ihre fehlte schlicht Erfahrung. "Womöglich Reste meiner menschlichen Herkunft... oder eine Gegenreaktion des Schicksals, gegen meinen Clan." Sie blickte betrübt zu Boden. "Nicht ganz einfach...
Nun und... es wird nicht einfacher dadurch, dass ich natürlich versuche, so selten wie möglich zu töten." Jetzt blickte sie eher entschuldigend, die junge Kainitin hatte hierfür wohl schon öfter Schelte oder Hohn bekommen und es war nicht einfach, es so offen auszusprechen. Gerade da Livia sich hier auch von Sousanna nicht viel Verständnis erhoffen konnte, nach dem, was sie heute in der Frühnacht bezeugt hatte... aber womöglich etwas.
"Und die Kombination aus Oberschicht und vor der Stadt ohne zu töten..." Sie zuckte etwas traurig mit den Schultern. "Aber wenn ich erst einmal Beute gewittert habe... dann bin ich eine sehr gute Jägerin!" verkündete sie etwas trotzig stolz. Mehr sich selbst oder dem Schicksal gegenüber.

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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Sousanna » So 17. Dez 2017, 14:35

Ruhig lauschte die Ravnos dem Bericht ihrer jungen Freundin und es war keine Verachtung oder irgendeine Ablehnung in ihrer Miene oder den Blicken zu erkennen. Viel eher nickte sie nur, als hätte Livia ihr so eben berichtet, dass sie blaue Kleider lieber mochte als weiße. Da sie selbst so eingeschränkt in ihrem Jagdverhalten war, schien es ihr völlig fern zu liegen, sich ein Urteil über das Jagen anderer Kinder der Nacht zu bilden.
"Ich habe so etwas noch nie gehört.", gab die Byzantinerin schließlich ehrlich zu ehe sie ein verlegenes Lächeln aufsetzte. "Aber wenn die Natur Raubtiere ohne Fänge hervorbringt und Tote unter den Lebenden wandeln lässt, erscheint mir das auch nicht sonderlich unwahrscheinlich."

Dann grinste Sousanna breit und neigte sich so verschwörerisch zu der Setitin, als verrate sie ihr ein staatstragendes Geheimnis. "Dann, meine Liebe, jagen wir doch einfach gemeinsam. Wir suchen uns zwei Herren der hohen Stände, berauschen sie und laden sie auf einen Spaziergang außerhalb der Mauern ein. Ich biete dir meine Rauschmittel und Überredungskünste und du leihst mir für einen Moment deine Fänge.", schlug sie mit einem Grinsen vor, das ihrem Clan alle Ehre machte.
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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Livia » So 17. Dez 2017, 15:13

Livia nickte von der Idee angetan. "Oh ich will dir nicht allein den Hof überlassen, den es zu machen gilt, wenig ist verführerischer als eine wunderschöne Frau wie du, außer womöglich eine wunderschöne Frau in Geleit anderer hübscher Dinger." Sie kicherte langsam. "Zumindest für das männliche Geschlecht. Sehen sie zwei von uns auf einem Flecken, so vergehen ihnen sofort die Sinne." Auch wenn es ihr wohl auch manchmal selbst so ging.

"Aber ja, deine Kooperationsidee klingt vortrefflich! Es wird mir eine Freude sein, dir bei der Jagd zuzusehen und dir meine Fänge zu leihen..." Kurz schlechte sich die Setitin, mit ihrer reichlich gewöhnlichen, wenn auch hübschen und gewandten, Zunge über die Oberlippe. Irgendwo zwischen Lust und Hunger. Auch eine Geste, die jeder Mann sofort falsch verstehen würde...

"Welcher Kleidungsstil ist eigentlich dein Liebster? Wir alle schätzen wohl die Vielfalt." Schmunzelte sie über diese Selbstverständlichkeit. "Aber liebst du die luftigen Abendkleider der Seide? Oder die schweren festlichen Gewänder aus Brokat und Samt? Oder doch eher die tarnenden Gewänder der Bürgerlichen und Händlerinnen?" Dabei zupfte sie kurz an ihrer eigenen wenig prachtvollen Tracht. Es war nur eine Nacht, bisher konnte sie Sousannas Stil in der Tat nicht einschätzen.

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