[1003]Stille Asche[Sousanna/Titus]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Titus
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[1003]Stille Asche[Sousanna/Titus]

Beitrag von Titus » Mi 6. Dez 2017, 11:27

Titus war in dieser Nacht in Domus unterwegs. Er war allein, doch wie fast immer, wenn er des Nachts Burgus oder die Martinsfeste verließ, gerüstet und bewaffnet. Ein weiter schwarzer Wollmantel sollte ihn von der Kälte der Nacht schützen und die weite Kapuze schützte sein totenbleiches Gesicht vor den Blicken der Sterblichen.

Doch in dieser Nacht so kurz nach dem Krieg waren nur sehr selten Menschen auf den Straßen und die, die es waren, führten Böses im schilde. Diese waren aber zumeist klug genug um Titus einen großen Bogen zu machen.

Titus blieb an den Ruinen des Domus Medicorum stehen und betrachtete diese nachdenklich. Nach einer Weile betrat er die Überreste, die von einem Feuer völlig zerstört danieder lagen. Hier und da konnte Titus in der kalten Asche Hinweise dafür finden, dass hier einst Menschen gelebt hatten.
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Sousanna
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Re: [1003]Stille Asche[Sousanna/Titus]

Beitrag von Sousanna » Mi 6. Dez 2017, 14:27

Ach die Ravnos hatte es in dieser Nacht nach draußen getrieben. Unruhe umfing sie seit dem Ende des Krieges und seit jeher war es ihre Strategie gewesen bei Unruhe durch die Stadt streifen. Gleich ob in Byzanz oder in Genua. Sie war ein Kind der großen und kleinen Straßen, der Menschenmengen und des Heulens des Windes in den Gassen. Hier fühlte sie sich frei und wenn sie einfach dem Weg folgte, den ihre Beine von alleine fanden, konnte sie am Besten denken.

So war sie halbwegs überrascht, als sie am Domus Medicorum ankam und das erste Mal wirklich dazu kam, das Ausmaß der Zerstörungen zu betrachten. Es war ein erschütternder, schrecklicher Anblick. Dennoch zog es die junge Frau in die Ruine hinein, fast als könnten so alte Erinnerungen wieder zum Leben erwachen.
Ohne sich um die Asche zu stören, suchte sie sich ihren Weg durch die Überreste einstmals frohen Lebens. Nachdenklich strichen ihre Hände über zurückgebliebene Mauerstücke, ehe sie erstarrte. War da ein Schemen, der sich ihr näherte? Welches Unheil streifte durch diese Ruinen. Ohne groß darüber nachzudenken, presste sich Sousanna gegen eine der Wände und verharrte still.

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Titus
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Re: [1003]Stille Asche[Sousanna/Titus]

Beitrag von Titus » Mi 6. Dez 2017, 15:08

Titus hatte sich gerade hingehockt, um etwas auf dem Boden zu untersuchen. Überreste eines Bettes, die in einer Ecke der Grundmauern lagen. Sein Kopf, der unter der Kapuze verbogen war zuckten kurz in die Richtung aus der er glaubt Geräusche zu hören. Unbewusst spannte sich sein Körper an, scheinbar versuchte sich jemand anzuschleichen. Einen kurzen Augenblick lang überlegte er, ob er sein Schwert ziehen sollte, doch entschied er sich dagegen. Doch offenbar schien sich da jemand an ihn heran zu schleichen.

"Es ist keine besonders weise Idee, sich an mich heran zu schleichen. Was führst Du im Schilde?"

[Wahrnehmung + Aufmerksamkeit = (5 9 9 8 5, 3 successes) = 3]
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Re: [1003]Stille Asche[Sousanna/Titus]

Beitrag von Sousanna » Mi 6. Dez 2017, 15:22

Die Stimme war ihr grauenhaft bekannt. Wieso musste dieser blasse Blutsauger immer dann auftauchen, wenn sie gerade ihre Ruhe haben wollte? Und wieso musste er immer so klingen als würde er im nächsten Augenblick etwas in Stücke hacken wollen?
Stumm und still drängte sich Sousanna weiter in die Schatten, der halb zusammengebrochenen Mauer, atmete nicht und hoffte, dass der Gotteskrieger bald verschwunden sein würde. In Gedanken beschwor sie ihn, endlich weiter zu ziehen. Immerhin war sie doch gar nicht hier.

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Re: [1003]Stille Asche[Sousanna/Titus]

Beitrag von Titus » Mi 6. Dez 2017, 15:31

Titus erhob sich und zog die Kapuze vom Kopf zurück, um besser hören zu können. Die Umgebung um das zerstörte Haus war fast vollkommen still. Irgendwo weiter weg kreischte eine Katze, um sich gegen eine Rivalin zu erwehren und dann war es wieder still. Die schweren Schritte näherten sich langsam der Stelle, an der sich Sousanna versteckt hatte. Eine Hand hatte der Kappadozianer auf den Griff seines Schwertes gelegt.
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Re: [1003]Stille Asche[Sousanna/Titus]

Beitrag von Sousanna » Mi 6. Dez 2017, 16:50

Sie verharrte, wo sie war, und übte sich in der Kunst des "gar nicht da"-Seins. Unterdessen stellte sie sich vor, dass Schatten ihre Gestalt verschleiern und vertuschen würden. Und je mehr die Schöne sich darin hinein steigerte, dass der Schatten der Mauer ihre schlanke Gestalt verschleierte, desto schwieriger wurde es, sie zu erkennen (-1 WK, Chimären 1) Es war als umschmeichelten sie die Ravnos wie Liebhaber und umhüllten sie sicher in ihren Armen.

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Re: [1003]Stille Asche[Sousanna/Titus]

Beitrag von Titus » Do 7. Dez 2017, 13:23

Plötzlich stand Titus genau vor ihr, bedrohlich ragte er über ihr auf. Die rechte Hand lag auf dem Heft seines Schwertes und die Linke griff nach ihr ... doch offenbar konnte er sie nicht sehen. Einige Zentimeter über ihrem Kopf berührte Titus die Mauer.

Titus war sich sicher, dass er etwas gehört hatte, schien aber die Ravons, die in Wirklichkeit direkt vor ihm stand, nicht sehen. Titus brummt missmutig und lauschte in die Stille hinein. Eine quälend lange Minute blieb er genau dort stehen, bis er sich schließlich abwand und weiter die Ruinen untersuchte. Doch er blieb wachsam, schärfte seine Sinne.
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Re: [1003]Stille Asche[Sousanna/Titus]

Beitrag von Sousanna » Do 7. Dez 2017, 22:30

Sie musste ihre Hand vor den Mund schlagen, um keinen Laut von sich zu geben. Einem Kaninchen gleich, das auf die Schlange starrte, haftete Sousannas Blick an dem Krieger. Jene quälende, schreckliche Minute lang schienen ihre Gedanken zu rasen. Offenbarten ihr all jene Schrecklichkeiten, die er mit ihr anstellen konnte. Allein beim Gedanken an Weihwasser wurde ihr schier übel.
Doch er wandte sich ab, ließ sie tatsächlich in Frieden und machte sich wieder daran, irgendetwas zu suchen. Was das wohl war? Sie hatte ihn lange nicht mehr gesehen. Erst wieder auf jener mailändischen Lichtung. Hatte er etwas mit den Schrecken zu tun, die hier geschehen waren?

Wieder einmal siegte die Neugier der Ravnos - und statt das Weite zu suchen, wie es klug gewesen wäre, folgte sie ihm leise. Jahre der Diebstähle und anderen Schandtaten ließen sie rasch und beinahe ungesehen über die Asche huschen, wobei sie sich stets bemühte, in jedem Fall aus seiner Reichweite zu bleiben.

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Re: [1003]Stille Asche[Sousanna/Titus]

Beitrag von Titus » Do 7. Dez 2017, 23:31

Titus schien die Ravons nicht zu bemerken. Durch einen Mauerspalt, der einst eine Tür war ging er in einen weiteren Teil der Grundmauern. Dort schien er etwas zu sehen und kniete sich hin, um mit den Händen in der Asche zu wühlen. Er förderte den Teil eines verkohlten Schädels zu Tage und hob ihn ein wenig hoch, um diesen im seichten Mondlicht zu betrachten.

Titus griff zu seinem Rosenkranz und küsste das silberne Kreuz. Dann zeichete er mit einem Finger ein Kreuz auf die Stirn des Schädels und legt ihn wieder vor sich in die Asche. Schließlich bekreuzigte er sich und begann dann mit deutlicher Stimme auf Latein ein Gebet zu sprechen.


"Memento, Domine, famulorum
famularumque tuarum ,qui nos
praecesserunt cum signo fidei, et dormiunt in
somno pacis. Ipsis, Domine, et omnibus in
Christo quiescentibus, locum refrigerii, lucis et
pacis, ut indulgeas, deprecamur. Per eumdem
Christum Dominum nostrum. Amen. "


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Re: [1003]Stille Asche[Sousanna/Titus]

Beitrag von Sousanna » Fr 8. Dez 2017, 13:23

Sousanna wusste ja nicht viel über solche Kriegermönche, doch dass in der Ruine eines niedergebrannten Hauses mit Schädeln zu sprechen, gewiss keine ihrer gewöhnlichen Beschäftigungen war, konnte sie sich zumindest denken. Vielleicht lag es im Wesen des Clans der Kappadozianer mit der Zeit zum Wahnsinn zu neigen? Denkbar war es - immerhin gab es ja auch diese Spukgeschichten, dass sie mit der Zeit verfielen. Möglicherweise war von so etwas ja auch der Verstand ebenfalls betroffen.
Jedoch hielt das den Leichtsinn der Byzantinerin nicht davon ab, nun doch näher zu treten, zumindest so, dass man sie sehen konnte und sich mit einer Hand auf die Hüfte gestemmt zu positionieren. Hier im silbrigen Mondlicht schien die junge Frau einmal mehr eher Elfe als Mensch zu sein - und der Schabernack irrlichterte wild und faszinierend wie ein Buschfeuer in ihrem hübschen Gesicht.

"Guten Abend", grinste sie schließlich seinen Rücken an, da er sein Gebet beendet hatte - man war immerhin nicht ganz pietätlos. "Ein seltsamer Ort für den Nachtspaziergang eines frommen Mannes. Findet ihr nicht auch?"

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