La Bella e la Bestia [Sousanna]

[November 16]

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Fabrizio
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La Bella e la Bestia [Sousanna]

Beitrag von Fabrizio » Di 22. Nov 2016, 00:22

Emilio Sarto prüfte den Stoff. Und sein Gespür für Geld befand, dass er gut ward.

"Das ist Müll..." sagte er bitter schneidend und spie aus, direkt vor die Füße des kleinen Mannes mit schütterem Haar der recht eingeschüchtert wirkte.
"Damit kann ich mir vielleicht den Arsch abwischen, mehr nicht." Emilio kniff die Lippen zusammen und legte den feinen Stoff wieder hin, entgegen seiner Worte penibel darauf achtend ihn ja nicht zu beschädigen.
"Du schuldest mir was? Zehn Dinare? - Du bekommst noch einen Monat Aufschub, ich bin großzügig. Und das hier... naja, ich will mal nicht so sein und behalte es als so etwas wie eine Anzahlung. Du darfst gehen."

Als der kleine Mann sich gerade halb rückwerts strauchelnd umgedreht hatte und von zwei sehr kräftig aussehenden Kerlen hinaus eskortiert wurde, rief Emilio ihm noch trocken hinterher. "Das ganze dann zum üblichen Zinssatz natürlich, immerhin muss ich nun noch einen Monat auf mein Geld verzichten."

Innerlich brach der Mann zusammen, seine Existenz war verloren, er hatte keine Hoffnung, die letzte Kraft war gewichen. Erbarmungslos schleiften ihn die brutalen Aufpasser nach draußen und stießen ihn in den Dreck.
Da lag er nun vor der Schneiderei. Eine schöne große Schneiderei. Die prächtigste Schneiderei Platealongas. Die größte Schneiderei ganz Genuas. Prächtig, groß, aber vor allem berüchtigt.

Emilio Sarto - Schneider, Ratsherr, Betrüger - er trug alle Bezeichnungen mit demselben Stolz.
Ein Mann in der Blüte seines Lebens, bestens vernetzt mit der ebenfalls berüchtigten Spinola-Sippe, ein Mann ohne Gewissen.
Ein Mann an dessen Namen man nicht vorbei kam in Platealonga, jedenfalls wenn man auch nur im entferntesten irgendetwas zu schaffen hatte mit Geldverleih, Wucherei, Bankrotterie, Erpressung, Aufkauf... - ach ja, und nebenbei verkaufte er natürlich einige der teuersten und erlesensten Stoffe ganz Genuas.

Wenn man gewisse Kontakte suchte, dann war man genau hier richtig, und an einer der ersten Adressen der Stadt.
Jedenfalls wenn man den Mumm hatte jetzt direkt über die dreckige Straße zu gehen, an der elenden Seele vorbei zu schreiten die gerade vor einem hinausgeworfen wurde und es einem irgendwie gelang die beiden schwergewichtigen Muskelberge an der Tür davon zu überzeugen, dass man wichtig genug wäre den Schneider von Platealonga zu treffen.

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Re: La Bella e la Bestia [Sousanna]

Beitrag von Sousanna » Di 22. Nov 2016, 12:43

Die schmutzige Straße schreckte Sousanna nicht im Geringsten - es ganz bedeutend schlimmere Orte in dieser Stadt. Ganz zu schweigen von den Plätzen, die sie auf ihrer Reise hierher gesehen hatte. Natürlich machte es nie Freude durch derartige Straßen zu schreiten, doch es war zugleich auch stets ein kleines Abenteuer, dass sie stets mit einem aufgeregten Kribbeln erfüllte - vor allem wenn man diese Straße mit der Aussicht auf ein Treffen mit einem solch faszinierenden Herrn betrat. Ihre Nachforschungen hatten ergeben, dass dieser Emilio Sarto der richtige Geschäftspartner war, wenn man danach strebte, eine Stadt mit schönen und nützlichen Dingen zu versorgen, selbst wenn an ihnen die eine oder andere Sünde klebte. Zwar war dieser Mann bestimmt nicht der einfachste Verhandlungspartner, da seine Stellung innerhalb dieser Stadt bereits so gefestigt war. Doch Geduld und die richtigen Argumente würden auch einen solches Gegenüber davon überzeugen, dass eine Kooperation mit Sousanna nutzbringend für beide Seiten sein konnte.

Kurz schenkte sie dem Mann, der dort noch immer im Dreck kauerte und ganz offensichtlich sehr viel Geld verloren hatte, ein mitleidiges Lächeln. Diese Welt war schlicht nicht für die Schwachen geschaffen - und er hatte sich wohl mit einer stärkeren Macht angelegt, als ihm bewusst gewesen war. Oder aber es war ihm bewusst gewesen und er hatte von Anfang an nicht die Stärke besessen, sich dem Strudel der Niederlage zu entziehen... In beiden Fällen war er zwar bedauernswert, doch es half nichts. Es war ja nicht so, dass sie selbst diese Fehler noch nie begangen hatte. Doch Sousanna hatte sich zumindest danach wieder aufgerappelt und war nicht in Selbstmitleid ertrunken. Jedes Spiel hatte Regeln und wer die Regeln unterschätzte oder nicht kannte, der musste unweigerlich verlieren. Dagegen half auch Trauer und Klage nichts.

So wandte sie sich an die beiden Wächter vor der Eingangstüre, die das Ergebnis ihres nicht gerade sanftmütigen Rauswurfs immer noch mit verachtender Gleichgültigkeit beobachteten. "Verzeiht, aber wäre es möglich den Herrn des Hauses zu sprechen?", fragte sie mit einem sanften, weichen Tonfall und bedachte die beiden Kolosse mit einem Blick, der der Unschuld eines Lammes in nichts nachstand. Nichts an ihrer Erscheinung strahlte irgendeine Form von Gefahr aus. Eine junge Frau, mit großen dunklen Augen und einem entschuldigenden Lächeln auf den Lippen. Die Wangen vielleicht von der langsam aufziehenden Kühle der Nacht gerötet, vielleicht auch vor Verlegenheit sich tatsächlich an solch beeindruckende Exemplare von Männern gewandt zu haben. Für eine solche Umgebung war sie eindeutig zu gut gekleidet, zwar nicht prunkvoll, doch mit einem Sinn für Qualität und Ästhetik. Im Augenblick hätte die Ravnos viel eher in eine Abendandacht gepasst als hierher vor zwei offensichtlich skrupellose Kerle, die wie Wachhunde vor einer Tür herumlungerten.
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Re: La Bella e la Bestia [Sousanna]

Beitrag von Fabrizio » Di 22. Nov 2016, 18:45

Der Prachtkerl von einem genueser Grobian war kahlrasiert und die Nase war offenbar nicht nur einmal nacheinander gebrochen und schlecht wieder zusammengeheilt. Unanständig lange starrte er die junge hübsche Frau stumpf an, dann kratzte er sich an der Nase.

"Kommt drauf an, wer das fragen tut!"

Der andere holte ungeniert seinen eigenen Prachtkerl hervor, drehte sich aber dankbarer Weise zur andern Seite hin, bevor er fröhlich und reichlich in den Schlamm der Straße urinierte.

Gerade rechtzeitig hatte der Rausgeschmissene sich noch aufgerafft um zumindest dieser Demütigung zu entgehen und mit einem letzten Rest von menschlicher Würde klammheimlich davon zu schleichen zu igendeiner kurzzeitigen Rettung, seien es Alkohol, Frauen oder ein weiteres Glücksspiel vielleicht...

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Re: La Bella e la Bestia [Sousanna]

Beitrag von Sousanna » Di 22. Nov 2016, 19:59

Es fiel Sousanna tatsächlich schwer nicht amüsiert zu grinsen. Solch ein Verhalten war so unwahrscheinlich typisch wie unangebracht. Dennoch erwiderte sie den Blick des sich nicht gerade entblößenden Kerls mit einem stolzen Ernst, während sie gnädig den Anderen ignorierte. Dass der eine so glotzen musste, war bei seinem Aussehen und Gebaren tatsächlich kein Wunder. Dass sie ihm überhaupt ein bisschen Bewunderung heuchelte, war tatsächlich das Höchstmaß. Wobei ihre Bewunderung tatsächlich eher seinem Herrn galt, dass er einen solch hochgelobten Laden mit derartig hässlichen Mistkerlen verschandelte. Dazu gehörte in gewisser Hinsicht Stil.

"Mein Name ist Sousanna von Konstantinopel - und ich bin auf der Suche nach dem Mann mit den besten Stoffen in ganz Genua.", erklärte sie dann mit einer ganz kleinen Frage in der Stimme als würde sie anzweifeln, dass sie hier doch richtig war. "Man hatte mir berichtet, dass ich ihn hier finden könnte. Allerdings, wenn ich ihn hier falsch, dann muss ich wohl die anderen Schneidereien besuchen."

Gequält seufzte sie und sah sich in der Straße um als bestünde die Chance, dass mit einem Mal hier irgendwo ein Schneider auftauchen und sie endlich mit Freuden einlassen würde, um ihr gegen Geld alle Wünsche zu erfüllen...
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Re: La Bella e la Bestia [Sousanna]

Beitrag von Fabrizio » Di 22. Nov 2016, 20:42

Der Mann überlegte... So nannten sich doch nur echte Adlige. Und so hübsch zu sein konnten sich auch nur echte Adlige leisten. Er grinste und versuchte dabei höflich zu wirken. Es blieb natürlich bei dem Versuch.
"Na dann seit ihr richtig, Hohe Herrin, hier gibts die besten Stoffe..."

Aber der andere ließ ihn nicht weiter reden sondern fuhr ihm über die Schulter streng ins Wort.

"Sei nicht dämlich, das ist keine Adlige. Herrschaften kommen nicht allein. Herrschaften kommen nicht um diese Zeit, um sich Stoffe zeigen zu lassen. Herrschaften machen dir keine schönen Augen, sondern lassen sich ankündigen und geben Befehle. - Die hier will irgendwas anderes." Damit drehte er sich wieder um und musterte sie sehr skeptisch und durchdringend routiniert.

Im Zwielicht weiter hinten im Laden, saß ein Mann. Leise hatte er sich mit Emilio unterhalten, der extra zu ihm herangetraten war, nachdem er den letzten Besucher hinauskomplimentiert hatte und ein paar fleißige Handlanger damit beauftragt waren die neuen Stoffe zurechtzumachen und im Lager einzuordnen.
Der Mann machte einen Wink zum Eingang und Emilio wirkte im ersten Moment etwas irritiert, aber dann ebenso neugierig. Er trat vor und lehnte sich wieder lässig an sein Pult.
"Ich will sehen wer das ist. Lasst sie rein."

Mit reinlassen war dann wohl gemeint, dass die beiden Wachen Sousanna etwas unsanft und direkt in den Eingang hineinschoben und sich hinter ihr aufbauten.
Noch ein flüchtiger Blick nach Draußen ob es Beobachter gab? Dann schlossen sie einfach die Tür hinter ihr.

Emilio musterte seinen unbekannten Gast überraschend souverän und fachmännisch. Er war wohl ein anderes Kaliber, kein einfacher Gauner von der Straße. Aber er sagte ersteinmal nichts.
Sousanna würde vielleicht auch die Blicke des anderen Mannes spüren, der weiter unbeweglich hinten im Zwielicht saß und dort nicht recht zu erkennen war.

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Re: La Bella e la Bestia [Sousanna]

Beitrag von Sousanna » Di 22. Nov 2016, 22:29

Sie hatte diese Vorstellung und das nicht allzu sanfte Hereinführen ein halbwegs stoisch über sich ergehen lassen. Als mit den beiden alleine war, viel etwas von dem heiteren, ein klein wenig mädchenhaften Verhalten von ihr ab. Ihre Haltung wurde bedeutend ruhiger und noch einmal aufrechter. Sie begegnete dem Blick dessen, der wohl Emilio war, und trat noch etwas mehr in die Mitte des Raumes.

Mit einem leichten, allerdings bedeutend weniger süßlicheren Lächeln deutete sie eine kleine Verneigung an. "Es freut mich sehr, dass ihr mich vorgelassen habt.", erklärte sie und sah die beiden Männer an. "Ich habe tatsächlich gehört, dass ihr hier eine der besten Schneidereien Genuas betreibt - und dazu noch ein äußerst faszinierendes ... Zweitunternehmen. An diesem bin ich tatsächlich bedeutend interessierter als an den all den wertvollen Stoffen."
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Re: La Bella e la Bestia [Sousanna]

Beitrag von Fabrizio » Di 22. Nov 2016, 22:57

Die beiden Wächter waren weiterhin direkt hinter ihr geblieben, nur statt ihr den Einlass zu versprerren, versperrten sie ihr jetzt offensichtlich den Ausgang...
Eine geschlossene Tür, des Nachts an einem zwielichtigen Ort, zwei unbequeme Zeitgenossen außerhalb des direkten Sichtfeldes im Rücken - eine Szene die verunsichern sollte. Oder auch nicht, wie es wohl bei Sousanna der Fall war und was Emilio selbstverständlich registrierte. Denn er warf einen seltsamen Blick zu der immer noch im Dunkeln bleibenden zweiten Gestalt.

Der kahl geschorene Wächter räusperte sich.
"Sie nennt sich Sousanna von Konstantinopel." Erklärte er, offensichtlich stolz darauf etwas wichtiges beitragen zu können.

Emilio lächelte, geschäftig. Mit überlegenem Unterton aber nicht herablassend ließ er sich ersteinmal auf das Spiel ein.
"Und was sollte das genau für ein Unternehmen sein, an dem ihr so interessiert seit? Wolltet ihr nicht eben noch teure Stoffe kaufen? - Ihr solltet mich jetzt besser angenehm überraschen, damit auch ich erfreut bin, dass ich euch vorgelassen habe."

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Re: La Bella e la Bestia [Sousanna]

Beitrag von Sousanna » Di 22. Nov 2016, 23:15

Natürlich empfand es die Ravnos als mehr als unangenehm solche Rüpel hinter sich zu haben, aber es half nichts. Für eine Flucht durch reine Kraft oder Schnelligkeit war das hier aber ohnehin nicht der Ort. Sie begab sie aus Prinzip nicht in solche solche Situationen - immerhin hatte sie tatsächlich keine Chance in derartigen Begebenheiten. Und sie war nicht so versessen auf Leid und Niderlagen, als dass sie es darauf anlegen würde.

Sie zuckte ein wenig nachdenklich die Schultern als suche sie nach den richtigen Worten für solch faszinierende Geschäfte. "Ich vermute, dass man es auf den armen Kerl herunterbrechen könnte, der jetzt hoffentlich sein Elend in Unmengen von Alkohol ertränkt.", erklärte sie und lächelte ein leises, aber bestimmtes Lächeln. "Also gehe ich davon aus, dass es auf jeden Fall mit Fällen von Erpressung und Kreditwucher handelt. - Wenn man den Gerüchten glauben darf, dann umfassen sie noch mehr."

Einen Moment lang sah sie sich scheinbar interessiert im Raum um. Fast als würde sie nach weiteren Anhaltspunkten suchen, dann aber zeigte sie ihm ein kleines verschlagenes Grinsen: "Nicht dass mich diese Art der Wertschaffung stört, nicht im Geringsten - und ja, ich bin unter anderem auch an Stoffen interessiert. Allerdings nicht, um sie selbst zu tragen. Mich hat An- und Verkauf schon immer begeistert. Und ich denke, dass ihr der richtige Partner für meine Dienste sein könntet."
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Re: La Bella e la Bestia [Sousanna]

Beitrag von Fabrizio » Mi 23. Nov 2016, 00:09

Emilio lachte etwas ungläubig.
"Erpressung? Wucher? So redet man also auf der Straße über mich. Und du kommst hier herein um mich derart zu beleidigen?"

Fabrizio erhob sich aus dem Halbdunkel. Ein junger Mann, nicht sonderlich beeindruckend, aber irgendetwas hatte er an sich. War maritim gekleidet, gut aber nicht edel, vielleicht ein Schiffsoffizier auf Landgang.
Wie beiläufig trat er dazu und mischte sich einfach in das Gespräch ein.

"Wir hoffen natürlich, dass der arme Kerl sich nicht im Wein ertränkt - sondern so bald wie möglich in der Lage sein wird, Herrn Sarto sein Geld zurückzugeben, welches er ihm schließlich in seiner Milde geliehen hat."
Wie der Seefahrer Sprach, hatte es etwas eindringliches und war doch unglaubwürdig wie eine Scharade.

Emilio winkte ab und wurde dann ziemlich direkt.
"Was mich interessiert ist Geld. Was mich begeistert ist Geld. Wie bringen deine Dienste mir Geld? Hoffe du hast dir was gutes überlegt, sonst überlege ich mir nämlich etwas wie du mir Geld einbringst."

Fabrizio indess nutzte diesen Moment nun um Sousanna ganz genau zu beobachten. Er kannte nur wenige, die es sich erlaubten mit so einem vordergründig unbegründetem Selbstbewusstsein irgendwo als Fremde reinzuspazieren. Die waren entweder dumm und lebten nicht lange, oder sie hatten einen ganz genauen Plan von dem was sie taten und lebten für immer...

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Re: La Bella e la Bestia [Sousanna]

Beitrag von Sousanna » Mi 23. Nov 2016, 11:47

Sousanna hatte abgewartet. Sie ließ sich erst einmal gelassen auch von dem Seemann mustern, während ihr Blick noch immer an dem Schneider haftete. An ihrer Erscheinung war zunächst einmal kein bisschen Irritation oder Aufregung zu erahnen. Es schien, als hätte sie nichts von den Geschehnissen in diesem Raum noch nicht erlebt oder wäre irgendwie nervös. Erst auf seine indirekte Frage hin, antwortete sie schließlich mit ruhiger Stimme und einem kleinen Lächeln: "Ich habe diese direkten Worte gewählt, weil ich mir denken kann, dass Ihr Euch viel mit Speichelleckern herumschlagen müsst - und ich gehe davon aus, dass meine Ehrlichkeit bedeutend sinnstiftender ist als irgendwelcher Honig, mit dem ich derartige Geschäfte beschönigen könnte."

Kurz und wieder mit ihrem bedeutend weicheren Lächeln wandte sie sich schließlich an den anderen Mann. "Das bleibt zu hoffen. Ich persönlich wünsche das sowohl ihm als auch euch - dazu würde ich hoffen, dass er ein wenig Verstand oder bedeutend mehr Frömmigkeit bekommt.", sinnierte sie leise und begann wieder ein wenig mit ihrer Kleidung zu spielen. Es war nicht auffällig, doch solch aufmerksamen Beobachtern, wie ihren beiden Gegenübern würde es unweigerlich auffallen. Innerlich hoffte sie, dass diese Geste nicht als Schwäche ausgelegt werden würde, doch sie konnte sich so schlicht und ergreifend viel besser konzentrieren. "Zumindest irgendeine Eigenschaft, die ihm einbläut, dass es sinnvoll ist, zu seinem Wort zu stehen und seine Schulden zu bezahlen."

Nach diesem kleiner kleinen Ablenkung wandte sich ihre volle Aufmerksamkeit wieder Emilio zu und nun war ihr Gebaren komplett ernst. Da war ein aufmerksames Funkeln in ihren Augen und kaum mehr etwas von dem Lächeln zu sehen. Sie war angespannt, doch offensichtlich nicht so wie jemand, der bedrängt wurde oder sich nicht wohl fühlte - viel eher wie jemand, der den Ernst einer Lage durchaus einschätzen konnte und nun jede Handlung seines Gegenübers in sich aufsaugen konnte.

"Ich komme aus Konstantinopel und war dort mit dem Handel von Waren beschäftigt, die die einen um jeden Preis loswerden wollten und die anderen um jeden Preis zu bekommen versuchten... Ich habe Euch Ehrlichkeit versichert und dieses Versprechen halte ich auch, wenn es um meine Person geht. Ich war Hehlerin, sehr talentiert, mit vielen Ambitionen und vielleicht ein wenig zu viel Eifer - inzwischen habe ich einiges an Erfahrung gemacht, was mich noch einmal bedeutend klüger und damit erfolgreicher agieren lässt.", erklärte sie langsam und eindringlich. Nun suchte sie den direkten Blickkontakt. "Da mich ein ungünstiger Zufall hierher verschlagen hat, bin ich auf der Suche nach neuen Aufgabenbereichen in meinem Feld. Und da bin ich auf Euch gekommen. Ich bin in der Lage euch fast alles zu verschaffen, was ihr Euch wünscht - und ich könnte ebenso alles gewinnbringend verschwinden lassen, was Ihr gerne aus dem Sinn haben wollt."

Ein kleiner amüsierter Ausdruck huschte über ihre Züge und sie zuckte die Schultern. "Ich bin nicht so vermessen, von Euch zu erwarten, dass ich hier aufkreuze und Ihr mir sofort vertraut oder an meine Fähigkeiten glaubt. Darum würde ich Euch schlicht und ergreifend einen kleinen Handel oder sagen wir eine Wette vorschlagen: Ihr nennt mir zunächst eine Ware, die ihr gerne loshaben oder besitzen möchtet - und ich werde mein Bestes tun, Euch diesen Wunsch zu erfüllen. Wenn ich das schaffe, könnten wir möglicherweise über eine Partnerschaft nachdenken." Eine kurze Pause entstand, bevor sie mit ernster Stimmer fortfuhr. "Wenn nicht, dann, ja dann wäre ich Euch so einiges schuldig und würde Euch mit meiner Existenz zu Diensten sein und natürlich meine Schulden begleichen."
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
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