Drache sucht Drache (Melissa)

[November 16]

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Toma Ianos Navodeanu
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Drache sucht Drache (Melissa)

Beitrag von Toma Ianos Navodeanu » Mi 19. Okt 2016, 21:48

Nordbroglio, das war das Jagdgebiet von Melissa. Da hatte Toma besonders aufgehorcht, als der Seneschall sie vom Clan des Drachen nannte. Er hatte sich daraufhin noch einmal umgesehen gehabt, doch mit Bedauern festgestellt, dass keine der anwesenden Personen optisch von seinem Blute schien. Beim Prozess war er sich schließlich sicher gewesen, wer Melissa war und dass sie wohl nicht demselben Wege folgte. Keine körperlichen Verbesserungen, kein äußeres höheres Selbst. Ein normaler Frauenleib, soweit er sehen konnte. Überaus bedauerlich.

Doch machte es ihn umso neugieriger herauszufinden, nach was sie wohl strebte, wenn schon nicht nach der Perfektion von Geist und Körper. Was trieb sie wohl durch die Nacht und auch nach Genua? Woher kam sie?

Er wollte sie finden, von den ganzen Kainiten, die er gesehen hatte, war sie eine der wenigen, die ihn wirklich interessierte. Die Wichtigste. Sein vermutlich einziges Blut in Genua? .Auf dem Hof, hatte er leider nicht die Möglichkeit gehabt sie direkt anzusprechen.

Da Melissa ein Jagdgebiet erhalten hatte, musste sie wohl ein hohes Maß an Einfluss in der Domäne haben. Sicher würden einige der Mächtigen und Reichen ihre Diener sein. Er hatte Gerüchte gehört, von der „roten Lissi“ und Valentino Trucca. Es war einen Versuch wert.

So stand also eines Tages sein Ghul Jakob von Ebersberg vor dem Heim der Truccas und fragte die Wachen, ob sie ihrem Hern eine Nachricht überbringen könnten. Er wäre ein Händler aus Ostarrichi und an einem geschäftlichen Gespräch mit dem ehrenwerten Senator interessiert. Er hinterließ seine Adresse für eine etwaige Antwort und machte sich sogleich wieder von Dannen. Er sollte sich das Viertel ansehen und später berichten.
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Re: Drache sucht Drache (Melissa)

Beitrag von Melissa » Mo 24. Okt 2016, 14:45

Der Mann, der die Antwort des ehrenwerten Händlers Valentino Trucca - jüngst in einer überraschenden Wende des politischen Glücks um sein Amt als Nachfolger seines Vaters betrogen - kam in der Kleidung seines eigenen Amtes.

Er trug eine lederne Rüstung, die an manchen Stellen von stählernen Schuppen übersäht war, die das Herz bedeckten, die Seiten seines Bauches und seinen Oberschenkel. Von dem Speer, den er locker über der Schulter trug, wehte das scharlachrote Kreuz des Heiligen Georgs, der im Kaiserreiches der Römer verehrt wurde als Drachentöter. Seinen Kopf bedeckte ein Helm aus dunklem Eisen, nicht sonderlich filigran getrieben - ein schlichter Spangenhelm mit einem Federbusch darauf.
Das prächtigste an ihm war aber der Mantel, der ihm von den Schultern fiel. Er glitzerte im Sonnenlicht in tausend Farben, schillerte prächtig, denn er war aus Schuppen von Tieren gefertigt. Hunderte, tausende winzige Schuppen von Schlangen waren darauf genäht worden und erweckten den Schein, dass er selbst ein geschupptes Tier war, das sich durch den Nachmittag auf der Strata Romana nach Domus schob.

Der Hauptmann der Miliz von Broglio, begleitet von drei einfachen Soldaten.
Ein seltsamer Scherz, den der Drache von Broglio sich erlaubte. Ein Senator überbrachte Nachrichten im Namen eines Bürgers.

An dem Haus, das Jakob von Ebersberg als Adresse angegeen hatte, gab er sich als Lamberto 'Capobanda', Hauptmann der Miliz von Broglio, zu erkennen. Er sei im Namen seines lieben Freundes Valentino Trucca dort, um sich diesen "Herrn von Ebersberg" einmal anzusehen.
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Re: Drache sucht Drache (Melissa)

Beitrag von Toma Ianos Navodeanu » Sa 29. Okt 2016, 15:34

Als die Herren an der Tür klopften, dauerte es eine Weile, bis man Schritte heran eilen hörte und die Tür von einer Frau in einem langen grünen Kleid und mit hellbraunem Haar geöffnet wurde. Sie blickte die Männer aus gräulich blauen Augen überrascht an.

"Buongiorno ?" grüßte oder eher fragte sie mit unsicherer Stimme. Das war dann auch schon fast das einzige, was sie auf italienisch sagen konnte. Verwirrt und überfordert blickte sie zwischen den Männern umher und auch sichtlich eingeschüchtert, ob des Auftretens der Gerüsteten.

Als der Hauptmann nach ihrem Mann fragten, schien sie jedoch etwas erleichterte, verstand sie doch immerhin seinen Namen.
Welch ein Glück, dass Jakob nach dem Mittagsmahl noch nicht wieder aufgebrochen war, sondern ein Nickerchen gemacht hatte.

Sie hob die Hand um den Männer zu verstehen zu geben, dass sie warten sollten. "Einen Moment." sagte sie auf deutsch und schloss die Tür wieder.
Nach einigen Minuten öffnete sich diese dann wieder und der Herr von Ebersberg blickte den Männern entgegen.

"Ah Signore...Capobanda...?" Jakob schien sich daran zu erinnern, von ihm gehört zu haben. "Der Hauptmann der Miliz von Broglio und...Senator ?, wenn ich diesmal richtig liege... Verzeiht ich scheine letztens einiges durcheinander gebracht zu haben. "
"Ihr seid ein Freund des ehrenwerten Signore Trucca?"

Mit gerunzelter Stirn schaute er die übrigen Soldaten besorgt an.
"Gibt es ein Problem?"
Warum hatte der Händler Soldaten geschickt?
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Re: Drache sucht Drache (Melissa)

Beitrag von Melissa » So 11. Dez 2016, 22:52

Der Hauptmann lächelte, fast versöhnlich, nach langer, fast unerträglich langer Pause.
¨Kein Problem mit euch, mein Herr. Aber in der Tat ist Valentino einer meiner Freunde - wie es auch die Herren Serpico, Fieschi und Magro sind¨, zählte der Gerüstete die Senatoren des Viertels auf.

¨Und mir liegen die Gäste meiner Freunde sehr am Herzen. Wir hatten in den letzten Jahren einige hässliche Vorkommnisse in der Stadt - ihr habt vielleicht davon gehört - da nehme ich die mir vom Volke anvertraute Pflicht, für Sicherheit zu sorgen, doppelt ernst.¨
Die drei Soldaten neben ihm, die Hände am Speerschaft, den Blick auf die Straße gerichtet - wie um Schaulustige zu verscheuchen - straften ihn zwar nicht Lügen. Sie fügten seinen Aussagen aber einen bitteren Beigeschmack hinzu, wie Tollkirsche im Wein.
¨Valentino Trucca jedenfalls¨, fuhr der Capobanda fort, ¨lässt euch mitteilen, dass er euch gerne empfangen wird, um über...Geschäfte zu reden. Er lädt euch am Samstagabend zu einem Essen ein, wenn es euch genehm ist, bei dem auch der Konsul des Viertels anwesend sein wird - der ihm durch Ehe wie ein Bruder verbunden ist, müsst ihr wissen. Ein rechter Ort und eine gute Zeit, um über Geschäftliches zu sprechen.¨

Einen Augenblick lang musterte der Hauptmann den Händler. Dann, wie beiläufig, strich er mit der behandschuhten Hand er seine Brust, polierte die Drachenschuppen über seinem Herz. Wie beiläufig schwenkte er die Fahne des Drachentöters an seinem Speer, als er sie gegen seine Brust lehnte, und zog sein Schuppenkleid enger um sich. Trotz der Wärme.
¨Begleitung ist euch natürlich freigestellt, mein Herr, und sogar höchst erwünscht. Mein Freund und seine teuerste Gemahlin, die allertüchtigste und fleißigste, sind großzügig und stets erfreut, neue Bekanntschaften zu schließen.¨
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Re: Drache sucht Drache (Melissa)

Beitrag von Toma Ianos Navodeanu » Fr 16. Dez 2016, 22:48

Der Hauptmann bereitete ihm unbehagen und das tat er vermutlich ganz bewusst. geradezu geschickt. Es war wohl sicher nicht nur Schutz der Bevölkerung der ihn hier her gebracht hatte. Viel mehr wurde Jakob wohl gerade begutachtet und schon mal gezeigt, wer hier was zu sagen hatte. Obwohl dies Sesterie hier ja nicht mal in seinen Zuständigkeitsbereich fiel.

Jakob gab sich freundlich. Er sollte Kontakt herstellen, also tat er das.
"Es ist gut, zu sehen, dass sich so pflichtbewusst um die Sicherheit gekümmert wird." sagte er anerkennend.

Ein Essen... Ungünstig für seinen Herrn, aber er konnte auch nicht absagen. Und nur das Essen abzulehnen, würde auch seltsam anmuten und reichlich unhöflich wirken, wer schlug sowas schon aus. Bevor er zu lange zögerte, sagte er zu:

"Es wäre mir eine Ehre den Herren und der Dame zu Gast zu sein. Richtet eurem Freund doch bitte herzlichen Dank aus.
Welche Zeit, wäre denn genehm?"


Während er auf die Antwort wartete musterte er die Erscheinung des Gerüsteten. Seine glänzende Rüstung, das Banner.
und runzelte die Stirn. Dieser Mann wirkte mehr wie ein Feldherr, als ein Miliz-Anführer. Doch Jakob hatte schon bemerkt, dass der Hauptmann sich anscheinend gern hervortat. Wie viel davon war mehr Schein als sein?
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Re: Drache sucht Drache (Melissa)

Beitrag von Melissa » Sa 17. Dez 2016, 11:36

Der Hauptmann nickte auf das Lob hin, sagte aber nichts.
"Meine Freunde speisen gerne spät und ausgiebig", erklärte er, ohne den Blick abzuwenden von dem Händler vor ihm. "Es ist für Sie ein willkommener Anlass, den Tag im Kreis der Familie noch einmal zu erleben. Wenn es zur neunten oder zehnten Abendstunde schlägt etwa werden sie euch erwarten."

Capobanda lächelte zum Abschied, nickte dem Mann vor ihm zu. Es war ein freundliches Lächeln tatsächlich, das nur ein wenig schief geworden war. Ein jahrzehnte altes Lächeln aus einer anderen Zeit, das überlagert worden war von Gewalt und Brutalität, die ihn auf dem Weg zu seinem Posten begleitet hatten.
"Es war mir eine Freude. Gehabt euch Wohl - und sollten euch je Probleme plagen, so steht das Haus der Miliz euch offen."

Er und seine Truppe machten auf dem Absatz kehrt, wühlten sich ohne großen Aufwand durch die Menge zurück auf dem Weg nach Broglio.
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Re: Drache sucht Drache (Melissa)

Beitrag von Toma Ianos Navodeanu » Sa 17. Dez 2016, 12:15

Ein Essen. Einer der unsinnigsten Zeitvertreibe, denen Jakob hätte zustimmen können. Normalerweise ließ er ihn allein zu solchen Veranstaltungen gehen, ging es doch meist nur um geschäftliche Gespräche. Doch diesmal war der Sinn Melissa zu finden. Alles sprach dafür, dass sie die Frau des Trucca war. Die allerfleißigste, wie der Hauptmann wohl gesagt hatte. Die rote Lissi, die Hexe von Broglio...
Doch würde sie auch anwesend sein? Er hoffte es, sonst würde dieser Abend sich kaum lohnen.
Er hätte Jakob allein gehen lassen können, ihn vorschicken und eine Nachricht überbringen lassen können, aber dann entschied Toma sich doch direkt selbst mitzukommen. Sich selbst anzusehen, was seine Verwandte hier aufgebaut hatte.

An besagtem Samstagabend zwischen der 9. und 10. Abendstunde trafen Toma und Jakob bei dem Sitz der Trucca ein, wo der Ghul sich Tage zuvor das erste mal sich vorgestellt hatte. Beide trugen die beste Kleidung, die sie besaßen. Jakob farbenfroher in blau und grau und Toma in dunklem grau und schwarz.Wie stets unter Sterblichen hielt sich der Tzimisce komplett verhüllt, mit Handschuhen und Maske. Es war die selbe Maske, die er auf dem Weg zum Hof getragen hatte. dunkles Holz mit eingeschnitzten menschlichen Gesichtszügen.

Zu gesellschaftlichen Anlässen wäre es für Jakob gemeinhin auch angebracht gewesen seine Frau mitzunehmen, doch das war an diesem Abend eher nicht angebracht und verstehen konnte sie ohnehin kein Wort, das gesprochen wurde.
Der Ghul sprach die Wachen an, dass er geladen wäre und nannte ihre Namen. Jakob von Ebersberg und Toma Ianos.
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Re: Drache sucht Drache (Melissa)

Beitrag von Melissa » So 18. Dez 2016, 12:23

Die drei Wachen vor dem Eingangstor zur Villa Trucca begrüßten Jakob von Ebersberg. Seinen Begleiter beäugten sie zwar misstrauisch, starrten ihn aus den Augenwinkeln an, während sie die beiden durch die Villa in den Innenhof führten, aber sie kommentierten seine Maskerade nicht. Überhaupt sprachen sie nicht viel mit ihm, sondern begrüßten ganz allgemein die Gäste, sagten, dass man sie erwartet habe und dass das Essen in kleinem Kreise im Hauptsaal stattfinden würde, nicht im Innenhof.

Die Villa war in den letzten Wochen offenbar erst renoviert worden. Die Farben an den Wänden leuchteten noch in grellen Ocker und Rottönen, frisches Holz hatte hier und dort die alten Balken ersetzt, die Dielen waren mancherorts erst neu geschliffen worden. Anzeichen, dass man in letzter Zeit erst größere Umbaumaßnahmen vorgenommen hatte - vielleicht um eine Vielzahl neuer Bewohner aufzunehmen.

Sie kamen rasch direkt in die Haupthalle im Westflügel - im Flügel der Familie Trucca -, die sich nur dadurch auszeichnete, dass sie etwa so lang war wie drei gewöhnliche Räume und einer überaus langen Tafel mit mehreren, kürzeren Bänken Platz bot. Öllampen hingen an den Wänden und verströmten einerseits einen süßen, schweren Duft, der sich wie Nebel durch die Halle zog, und andererseits einen schwachen Schein an die Wände warf. Vor jedem Platz war ein Sortiment von Bechern und Löffeln aufgereiht, diverse Schalen mit Früchten und Nüssen und einige Teller. Alle aus schlichtem Metall geschlagen.
Es gab nur einen echten Stuhl mit hoher Lehne, der den Hauptplatz am Kopfende der Tafel einnahm. Der Rest musste mit Bänken vorlieb nehmen, auf denen einige Kissen drapiert waren.

Melissa war nirgendwo zu sehen. Stattdessen erhob sich ein Mann von seinem Platz am hinteren Ende, wo er von einigen Kindern umgeben gesessen und ihnen irgendeine Art von Geschichte erzählt oder sie noch erzogen hatte, ehe das Abendessen begann.
Er schickte die Wache wieder fort, bot zuerst Jakob von Ebersberg und dann Toma Ianos seine Hand an.
"Seid herzlich willkommen, meine Herren!", begrüßte er sie überschwänglich und mit einem Lächeln. "Willkommen in meinem bescheidenen Heim. Wie überaus erfreulich, dass sie unserer Einladung nachgekommen sind, welch Ehre für uns, Besuch aus dem Norden willkommen zu heißen! Bitte, bitte, setzen Sie sich, es wird gleich aufgetischt. Wir haben nur auf euch gewartet, werte Gäste. Ich hoffe niemand hat euch belästigt auf eurem Wege?"
Er führte die Gäste dabei zum Kopfende der Tafel, wo sie gebeten wurden, auf den Ehrenplätzen neben dem Lehnsessel Platz zu nehmen.
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Re: Drache sucht Drache (Melissa)

Beitrag von Toma Ianos Navodeanu » Mo 19. Dez 2016, 23:11

Dass ihn die Wachen nicht ansprachen, jedoch misstrausich beobachteten, nahm er zwar wahr, aber ignorierte es auch. Natürlich misstrauten sie ihm, er kannte das bereits, doch das war ihm auch recht, er hatte kein Interesse daran mit diesen Menschen ein Wort zu wechseln.
Wie viel mehr Furcht sie haben würde, wenn er sein Gesicht zwigen würde...

Als sie durch das Anwesen geführt wurden, betrachtete Toma die Umgebung aufmerksam und interessiert. Musterte die Arbeiten die hier stattfanden. Ein gutes Zeichen. Fortschritt, Besserung, Wandel.

Als sie den Hauptraum betraten, wo das Essen angerichtet werden würde, schaute Toma vor allem nach Melissa, aber sie war nicht da...wäre es doch umsonst gewesen hier her zu kommen?
Aber abgesehen von dem Mann, der ihnen entgegegn schritt und die Kinder da hinten, waren auch noch gar keine anderen Gäste da. Oder würden keine mehr kommen?

"Zu viel der Ehre" sagte Jakob fröhlich und winkte ab, nachdem der Herr des Hauses sie begrüßt hatte. "Ich bin nur ein kleiner Händler, der in der Fremde sein Glück sucht. Viel mehr danke ich...danken wir euch, dass Sie uns in euer herrliches Heim eingeladen haben. Verzeiht, wenn Ihr warten musstet."
Entschuldigte er sich und wies dann mit einer Hand auf Toma, um ihn vorzustellen.
"Das ist Toma Ianos, begnadeter Handwerker und Bildhauer. Grund meiner Geschäfte...weswegen ich mit euch sprechen wollte."
Toma schüttelte die Hand des Menschen, mit einem deutlichen festen Händedruck, den der Mann noch eine Weile spüren würde. "Sehr erfreut." Sagte er und natürlich konnte keiner feststellen ob er dabei lächelte, doch die Worten klangen höflich neutral.

"Leider werde ich euer Mahl aussetzen müssen." sagte er weiter, während sie zu den Plätzen gingen, die ihnen gewiesen wurden. "Wie ihr seht, zeige ich mein Gesicht ungern in Gesellschaft. Dem Essen beiwohnen, werde ich aber gern."
Er warf einen Blick über die Tafel und zu den Kindern, ignorierte sie dann aber, während Jakob ihnen sogar fröhlich zuwinkte.
"Werden denn noch weitere Gäste erwartet?....und eure Gattin? Der verehrte Hauptmann hatte ja einige lobende Worte für sie."
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Re: Drache sucht Drache (Melissa)

Beitrag von Melissa » Di 20. Dez 2016, 00:42

Valentino Trucca rieb sich nach dieser kräftigen Begrüßung eine Weile die Hand. Er schüttelte bedauernd den Kopf.
"Zu schade", sagte er, "Unsere Köche haben etwas zauberhaftes bereitet für heute Abend, wie ich höre. Biber, mit einer Kräuterkruste und Honig gebacken. So zart, dass ihr ihn von den Knochen lecken könntet, das garantiere ich euch. Aber sei es drum, wir wollen unseren Gast nicht in Verlegenheit bringen.
Der Rest wird gleich eintreffen. Samuele ist sie bereits holen gelaufen. Wahrscheinlich sitzen sie ohnehin alle ungeduldig in ihren Zimmern und zerreißen sich bereits das Maul über den neuen Gast des Abends."

Trucca lächelte konspirativ und setzte sich zur linken Hand der Stirnseite auf die Bank, gegenüber von Jakob und Toma.

Und wirklich dauerte es auch nicht lange, bis ein buntes Gemisch des Viertels im Hauptsaal eintraf.
Die Männer begrüßten die beiden Gäste jeweils mit einem Handschlag, wobei derjenige eines Greisen erstaunlicherweise am kräftigsten ausfiel zusammen mit dem des Hauptmannes. Die Frauen begrüßten sie mit einem höflichen Knicks und dezent gesenkten Blicken.
Wie es sich für einen guten Gastgeber gehörte, verlor Valentino Trucca zu jedem von ihnen einige Worte. Dieser war der bereits bekannte Hauptmann der Wache, jener der ehrwürdige und greise Senator Isaia Magro. Ihm gehörte eine Reihe von Gasthäusern, dieser war Konsul Luca Fieschi - Vetter des Bürgermeisters und außerdem Großbauer - und der letzte war ein Händler mit einigen Kontakten nach Norditalien. Ihre Frauen waren allesamt hübsch, aber wenig bemerkenswert.
Sie alle starrten für einige Sekunden die Maske des Tzimisce an, fanden aber rasch ein ordentliches Maß an Haltung - genug, um ihn nicht darauf anzusprechen und wieder ein Lächeln aufzusetzen.

Trucca fand Ausreden für seine Frau, für die auch er noch einige lobende Worte fand. Angefangen von ihrem unermüdlichen Fleiß, der sie noch bis spät in den Abend arbeiten ließ, bis hin zu einem wachen Verstand, der in der Lage war, sich völlig in dieser Arbeit zu vertiefen.
Er versicherte aber, dass sie noch nie ein Essen mit der Familie ausgelassen hätte und dies auch sicherlich nicht in Anwesenheit von Gästen das erste Mal tun würde.

So lange rauschte eine handvoll Diener durch die Halle, die den Tisch mit einer Anzahl an kalten Speisen bedeckten, Wein ausschenkten und in die Becher füllten, die Schalen mit den Süßigkeiten austauschten und allerlei für ein großes Essen nötige Hilfsmittel heran schafften, während sich Trucca über die Heimat von Jakob erkundigte und was diesen zu der weiten Reise bewogen hatte.
Niemand am Tisch aß.

Bis Melissa in der Tür erschien.
Einen Augenblick lang stutzte sie als ihr Blick sich auf Navodeanu legte. Als hätte sie ihn erwartet, im Groben und Ganzen, aber vielleicht nicht an diesem Abend, nicht in dieser Begleitung. Als hätte sie ihn vielleicht nächste Woche erwartet mit einem rumänischen Titanen voll wunderlicher Namen oder letzten Samstag mit einem byzantinischen Eunuchen und einer amazonischen Kriegerin. Als hätte sie in ihrem Kopf recht eindeutige Vorstellungen gebildet davon, wie die bizarre Kreatur, die sich Blut des Drachen nannte, das erste Mal mit ihr aufeinandertreffen würde. Und als wären alle diese Vorstellungen abenteuerlich und extravagant gewesen und hätte nichts mit der Gewöhnlichkeit dieser Szenerie gemein.

Dann aber nahm sie wieder Haltung an, setzte ein Lächeln auf und nahm Platz an der Stirnseite der Tafel, zwischen Trucca und ihre exotischen Gäste. Sie nickte den beiden zu, begrüßte sie mit ihren Namen und hieß sie in ihrer Zuflucht willkommen, ehe sie sich an die anderen Gäste an der Tafel wandte. Ihr Blick glitt über sie, musterte jeden einzelnen von ihnen wie, als erwarte sie eine ausführliche Erzählung über den Tag und was jeder von ihnen heute getan hätte.
Niemand schien sich an diesem Vorgang zu stören.

Sie nickte schließlich - ohne irgendwen befragt zu haben - und die anderen Gäste begannen das Essen, während Melissa sich Toma Ianos zuwandte. Die am Eingang positionierten Diener brachten rasch die warmen Speisen herein und zogen sich dann zurück, um im nötigen Fall weitere Getränke zu bringen.

"Wie überaus schön, euch begrüßen zu dürfen", sagte Melissa zu Toma. Ihre Stimme war nicht so trittsicher, wie sie beim Hof gewirkt hatte, ihre Haltung nicht so überzeugt. Viel mehr schien sie selbst noch nicht recht zu wissen, wie ab diesem Augenblick zu verfahren sei.
"Ich hatte mich schon gefragt, wann Ihr mir einmal einen Besuch abstatten würdet."
Sie lächelte, zu gleichen Teilen verlegen und spöttelnd.
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