Die Nacht der vielen Toten [Hof / Alle]

[November 16]

Moderatoren: Toma Ianos Navodeanu, Acacia

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Acacia
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Re: Die Nacht der vielen Toten [Hof / Alle]

Beitrag von Acacia » Do 17. Nov 2016, 17:19

Noch als die letzten Kainskinder ankamen und Acacia leise mit Matteo und Caterina sprach, betrat eine weitere Gestalt die Halle. Der Ghul hatte den Einzug der Könige begleitet und war auch sonst stets an der Seite seiner Herrin. Doch diesmal führte ihn sein Weg nicht zu der blassen, bildschönen Lasombra. Viel mehr bewegte er sich am Rande des Raumes entlang und umging geschickt die hohen Damen und Herren und bewegte sich dabei so unauffällig, dass offensichtlich war, dass er das nicht zum ersten Mal tat. Sein Ziel mochte so manchen verwundern. Waren es doch die drei Nonnen, welche sich in der Betrachtung der Statue des Apolls ergingen und dabei von den Ghulen der Drachin obszön belagert wurden. Für ein derartiges Verhalten hatte der augenscheinlich junge Mann nur einen verachtenden Blick übrig, ehe er sich der Anführerin des kleinen Zirkels zuwand.
Höflich verbeugte er sich und sprach dann leise mit ihr, ehe die beiden nach einigen gewechselten Worten ein paar Schritte weitergingen und die anderen beiden Kuttenträgerinnen als Abschirmung nutzten. Was immer der Ghul mit der Jägerin zu besprechen hatte schien ihm wichtig zu sein, denn seine Gesten waren eindringlich, wenn auch nicht aggressiv oder zornig. Ein paar Minuten ging die Unterhaltung und als Alberico sich schließlich abwenden wollte, wurde er jedoch von Maria aufgehalten. Was immer sie zu ihm sagte sorgte dafür, dass ihm für einen Augenblick die Gesichtszüge vor Überraschung entgleisten, er sich aber schnell wieder unter Kontrolle hatte und nickte, ehe er sich zurückzog.

Acacia indes hatte all den Neuankömmlingen eine Rolle zugewiesen und wandte sich den Vorstellungen zu um diesen interessiert zu lauschen. Matteo, Seinfreda und Gaius waren keine Überraschung und auch ihre Gaben waren aus ihrem Blickwinkel erwartbar gewesen. Toma jedoch war deutlich interessante, zumal sie noch nie eine so gekonnt entstellte Person gesehen hatte. Doch jeder Gedanke daran verschwand, als ihr Bruder im Blut nach vorn trat. Fest pressten sich ihre Lippen zusammen und es wirkte beinah so als wolle sie verzweifelt den Kopf schütteln. Beinah konnte man ihre Zähne knirschen hören, so fest biss sie diese zusammen.
Der darauf folgende Nosferatu hob immerhin die Stimmung der Prinzessin und weckte mit seiner angepriesenen Kunstfertigkeit zumindest die Neugier der Lasombra.

Schweigend trat sie vor, sobald Maximinianus ausgesprochen hatte und für einen Moment trafen sich ihre Blicke. Stumm tauschten sie ihre Meinungen aus. Sie wusste, was er getan hatte und er was sie davon hielt. Immerhin tanzten sie diesen Tanz schon sehr lange miteinander. Kurz nickte sie dem neben ihr stehenden Ancilla und dann auch der Tzimisce zu, ehe sie wartete bis die Reihe an ihr war. Gewohnt elegant und ohne einen Zoll ihrer Würde zu verlieren sank sie in einen tiefen Knicks und sprach den Eid. Doch als es an ihr war das Blut zu trinken hob sich ihr Blick und richtete sich auf den Ahnen ihres Blutes. Beinah provozierend glitt die schwere, berauschende Macht des uralten Blutes über ihre Lippen, ehe sie die Schale absetzte und den Blick wieder senkte.
Wir sind wie Eisblumen, wir blühen in der Nacht. Wir sind wie Eisblumen viel zu schön für den Tag.
Wir sind wie Eisblumen, kalt und schwarz ist unsere Macht.
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Maria Penthesilea
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Re: Die Nacht der vielen Toten [Hof / Alle]

Beitrag von Maria Penthesilea » Do 17. Nov 2016, 19:06

Die Nonnen traten nicht vor. Blieben einfach stehen. Und sahen zu.

Wieder und wieder waren ihre Blicke über die Kainiten gewandert, waren auffällig oft an einem gewissen Triarchen hängengeblieben. Maria Penthesilea hatte die Stirn gerunzelt, die anderen beiden Nonnen hatten leise miteinander gesprochen.

Acacias Ghul wurde mit einem Stirnrunzeln empfangen, aber als er sich nicht wie Melissas Diener obszönen Beleidigungen hingab, wurden seine Worte ruhig angehört und mit einem Nicken quittiert. Dann sprach Maria Penthesilea. Leise und konzentriert, die Köpfe abgewandt vom Rest des Raumes, fand der kurze Austausch statt.

Als Alberico die Gruppe der Nonnen verließ, zog Maria Penthesilea den Mundwinkel hoch. Ein Ausdruck der Verwunderung.

Endgültig verwirrt schienen die Jägerinnen jedoch, als Adelchis vortrat und sprach. Die eine Nonne legte der anderen die Hand auf den Arm und Maria Penthesilea biss die Zähne aufeinander, die Lippen leicht geöffnet. Sie blickte nicht auf Adelchis. Sondern auf Acacia.

Dies war nicht die Welt der Nonnen, das merkte man deutlich.

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Toma Ianos Navodeanu
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Re: Die Nacht der vielen Toten [Hof / Alle]

Beitrag von Toma Ianos Navodeanu » Do 17. Nov 2016, 20:56

Nachdem er sich nach seiner Vorstellung wieder zurück an den Rand gestellt hatte betrachtete Toma, mit gewissem Interesse, die beiden weiteren Vorstellungen.
Der Lasombra legte nicht gerade viel Geschick zu Tage, wurde aber überraschenderweise dennoch aufgenommen. Interessant war vor allem seine Aufgabe. Toma durfte die Herde der Prinzessin nicht anrühren, aber der Lasombra das Gesindel "unschädlich machen." Um einige Bevölkerungsteile würde es also demnach nicht Schade sein...

Der Nosferatu war auch nicht uninteressant für ihn. Ein Baumeister. Jemand der etwas vom Schaffen und Handwerk verstand. Womöglich ein guter Gesprächspartner, auch wenn ihn dessen Antlitz wahrlich abstieß.

Als der Seneschall alle Versammelten zum Schwur aufrief, rührte der Drache sich nicht. Er weilte nicht groß mehr als eine Woche in der Stadt. Es wäre unpassend, geradezu anmaßend sich als Vasall zu sehen; und in seinen Augen vor allem kriecherisch, sich der Prinzessin direkt so zu unterwerfen.

Äußerst interessiert beobachtete er aber, wie die anderen Kainiten sich in einer Reihe aufstellten. Eine Rangordnung. Wussten die hiesigen Vampire wo sie sich aufzustellen hatten oder würde das später böses Blut geben?

Dann wanderten die großen schwarzen Augen über die anderen stehengebliebenen. Vergonzo und Adelchis waren nicht überraschend, waren sie doch auch erst neu aufgenommen in der Domäne. Angelique hingegen... sie war ja schon länger hier, warum weigerte sie sich wohl?
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La Vedova
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Re: Die Nacht der vielen Toten [Hof / Alle]

Beitrag von La Vedova » Fr 18. Nov 2016, 13:28

Die Nordländerin war zur Linken Gaius nach vorne getreten. Somit stand sie als zweitunterste in der Rangfolge rechts außen.
Das Knien geschah in einer flüssigen schon oft vollführten Bewegung, die demütige Haltung stand ihr gut und nichts deutete darauf hin, dass sie sich dabei unwohl fühlte. Sie knickste zuerst tief, ob dabei mit beiden Händen ihr Kleid, kniete dann jedoch ganz nieder wie zum Gebet…
Den Blick hatte sie die ganze Zeit zu Boden gesenkt, richtete ihn erst als sie an der Reihe war auf die Prinzessin, bewundernd, andächtig, hoffnungsvoll…und noch etwas schwang mit….Erwartung?

Dann begann sie zu sprechen. Ihre Stimme war tiefer als gewohnt, rollender als sonst, wie Meereswogen auf gurgelndem Kies. „Meine Prinzessin. So will ich den Schwur in der Sprache meiner Ahnen sprechen, so die Weisheit der Tradition ihn durchdringe-

"Viðurgefendr ok endrgefendr erusk lengst vinir,
ef þat bíðr at verða vel.
In sínum skal maðr vinr vera ok gjalda gjöf við gjöf.
Veiztu, ef þú vin átt, þann er þú vel trúir,
ok vilt þú af hánum gótt geta,
geði skaltu við þann blanda ok gjöfum skipta,
ey sér til gildis gjöf; betra er ósent en sé ofsóit.
Svá Þundr of reist…“

Die Rothaarige verharrte weiter auf den Knien, der Blick lag jedoch fest und entschlossen auf der Schönheit vor sich.

„Ich erkenne Aurore vom Geblüte Alexanders von Paris als Stellvertreter Kains und Jarla in der Domäne Genua an.
Ich beuge mich ihrem Urteil über die Traditionen des dunklen Vaters, der mir mein Blut und alle Gesetze schenkte.
Ich schwöre die Domäne Genua und all ihr Blut – sterblich oder nicht – zu beschützen.“

Dann führte sie das Blut an die Lippen wie den Messwein nach der Andacht…bloß bedurfte es hier keiner Wandlung, keines Wunders, sondern bloß Hingabe…

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Fabrizio
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Re: Die Nacht der vielen Toten [Hof / Alle]

Beitrag von Fabrizio » So 20. Nov 2016, 20:44

Mit nur halbherzig geheucheltem Interesse sah Fabrizio sich die schier endlosen Prozedur der Vorstellungen an. Das Meiste verstand er sowieso nicht, weil er nunmal der, je nach Vorliebe sakralen oder antiken, Sprache nicht mächtig war. Nur hier und da einen Brocken verstand er, der sich als Lehnwort in sein geliebtes vulgäres italienisch geschlichen hatte, oder ein paar Eigennamen wohl. Erinnerte ihn an seine Kindheit und Jugend, wenn er sich jede Woche und zu allen wichtigen Anlässen der Gemeinde hinten in die überfüllte Kirche zwängen musste. Er verstand die Worte nicht, die Feinheiten des Ritus waren ihm auch nicht ganz klar - aber immerhin hatte er den immer gleichen Ablauf soweit verinnerlicht, dass er wusste wann er was zu machen hatte...

Aber selbst das hatte er dann wohl in dieser Nacht vergessen, denn während viele sich lösten wie nach einem geheimen Protokoll und in den Halbkreis vor die Prinzessin einreihten, blieb der fremd gekleidete Lasombra einfach stehen.
Natürlich, Gier blitzte in seinen Zügen, als seine Sinne sich nach dem schweren düsteren Abendmahl verzehrten. Neid, als die anderen sich daran labten. Und doch bewegte der Kainit sich nicht und verharrte stumm im Schatten der Gebote.

Am Rande jener zurückbleibenden, die nicht zum inneren Zirkel gehörten. Am Rande der Gesellschaft. Neben jagenden Nonnen und gefallenen Priestern. Neben entstellten Aussätzigen und verrückten Pilgerkindern.
Ein jeder von ihnen würde seine eigene Geschichte haben, die ihn hier an diesen Platz gesetzt hatte. Ein jeder hier würde seine eigenen Gedanken haben, während er die blutige Kommunion der Prinzessin verfolgte...

Fabrizio hatte seinen Preis bezahlt. Er blieb in den Schatten.

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Il Canzoniere
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Re: Die Nacht der vielen Toten [Hof / Alle]

Beitrag von Il Canzoniere » Mi 23. Nov 2016, 11:19

Auch einige der anderen bewegten sich. Eine Frage der Rangordnung kam dabei überhaupt nicht auf, denn Godeoc machte keine Anstalten sich von seinem Beobachtungsplatz weiter hinten zu entfernen und Benedetto der sich rechts neben den Seneschall stellte. Die beiden Ancillae nahmen die Schale entgegen, nahmen einen kräftigen Schluck und sprachen den Schwur. Der Ventrue feierlich, der Kappadozianer rezitierend.

Melissa schenkte Matteo ein Lächeln, als dieser ihr so bereitwillig Platz machte und warf erst Titus und dann Benedetto einen strafenden Blick zu ehe sie sich der Zeremonie zuwandte, auf den Platz rechts neben Titus verbannt sah man ihr einen Moment an das dies noch ein Nachspiel haben würde. Auch sie trank und schwor, reichte die Schale an den rechts neben ihr knieenden Toreador weiter.

Auch Ferrucio reihte sich ein. Ans Ende der Reihe, ganz rechts führten ihn seine Schritte, mumrlend und betend kam er zum stehen, dann bekreuzigte er sich und sank auf den Boden. Mit gierigem Blick den Schritten des Allesfresser folgend und den letzten Rest der Schale leerend sprach er den Schwur mit lauter, euphorisierter und sich überschlagender Stimme. Hochgenuss wie diese uralte kainitische Vitae war der bescheiden lebende Priester offenbar nicht gewohnt.

Furfur schien sich seinerseits nicht an dem Ritual beteiligen zu wollen. Schweigend fuhr sein Blick die Reihe entlang. Lautlos bewegten sich die Lippen des Salubris, wie zum Gebet.

Ein jeder von Ihnen hatte kosten dürfen, das süße, dicke Blut aus der Nähe riechen und fühlen dürfen. Zäh und dick war es ihnen in die Münder geschwappt, ihre Zungen mit seinem Geschmack betäubt. Worte, diese Vollmundigkeit, diese Ekstase und die ganze Vielfältigkeit zu beschreiben, gab es in keiner der jungen Sprachen dieser Welt.
Das pulsierende Leben einer Million Seelen, die Schwärze einer mehrhundertjährigen Finsternis, der Stolz ihr erhobenen Hauptes entgegen zu treten – danach noch schmeckte das Blut der Aurore am ehesten.
Nichts von dem kostbaren Rot blieb auf ihren Lippen und ihren Mündern zurück. Fast als hätte die Flüssigkeit einen eigenen Willen, als strebte sie danach, in ihre untoten, parasitischen Herzen zu sickern, floss sie leicht wie Milch über ihr kaltes Fleisch und versickerte darin.

All die Neugeborenen, die hier vor der Prinzessin, vor ihrer Prinzessin versammelt waren - sie alle waren nun 'von Genua'.
Die Prinzessin sagte nichts, sondern ging zu ihrem Thron zurück, wo sie sich mit der ganzen Grazie einer Göttin niederließ. Mit einem kurzen Wink entließ sie die beiden Ancilla, die sich erhoben und sich einige Schritte entfernten. Dann ging die weiße Prinzessin die knieende Reihe Kainiten mit dem Blick ab und begann zu sprechen, auf profanem italienisch. Als ob ihre Worte von allen verstanden werden sollten. Auch wenn ihr die Profanität der Sprache eine missbilligende Note auf das Gesicht zauberte:

"Ihr seid nun meine Vasallen, Angehörige meiner Domäne, verbunden mit mir durch den heiligsten Eid unserer Art."
Nach einer kurzen Pause fuhr sie fort.
" Ich ernannte auf dem letzten Hof die Klauen Genuas... Antigonos Kydones, Alerio Cesari und Ymirus von Nordland zu Liktoren. Und vielleicht habe ich mir zuviel versprochen als ich mich damals von ihren eigenen Worten haben überzeugen lassen sie mit Ämter auszustatten. Daher verlasse ich mich dieses Mal auf meine Berater...." ein kurzer Blick wanderte zu Benedetto und Maximinianus hinüber "... und ernenne Titus von Neapel, Matteo von Mantua und Gaius Marcellus Palatino von Poitiers zu Liktoren.
Ihr habt Mut, Kraft und Willen zur Ordnung gezeigt. Ich verleihe euch die heilige Pflicht, diese einzusetzen.
Ich gebe euch das Recht, einen jeden meiner Vasallen in euren Kreis aufzunehmen.
In meinem Namen werdet ihr über die Traditionen der Stille und der Vernichtung wachen. In meinem Namen den Anklagen meiner Gäste nachgehen und die Beschwerden meiner Vasallen umfänglich prüfen.
Ihr werdet mir diese Fälle sortiert und geordnet vorlegen, auf dass ich über sie richte. Außerdem werdet ihr herausfinden was mit euren Vorgängern passiert ist."


Sie nickte den genannten Kainiten jeweils zu und schenkte jedem von ihnen einen längeren, intensiven Blick. Dann sah sie nach hinten zu den stehenden Anwesenden. Jenen die nicht geschworen hatten.... und winkten die beiden anwesenden Nonnen heran.

"Den Kult der Jagd, der ebenfalls den Vasallenschwur abgelegt hat und der in den letzten Nächten mein Vertrauen in ihn mehr als zurückgezahlt hat, ernenne ich zur Geissel Genuas. Ihr habt Hartnäckigkeit, Tapferkeit und Zielstrebigkeit bewiesen.
Ich verleihe euch die heilige Pflicht, diese zu nutzen.
In meinem Namen werdet ihr über die Grenzen meiner Domäne wachen. In meinem Namen ungebetene Gäste, Wilderer an meiner Herde und Blutsgejagte aufspüren und vernichten, falls ihr sie nicht festnehmen und mir oder dem Seneschall vorführen könnt."


Kurz nahm sie noch Ehrerbietungen zur Kenntnis, dann wandte entließ sie die vor ihr knienden Vasallen. Der an die Seite ihres Thrones zurückgekehrte Seneschall wandte sich daraufhin mit lauter Stimme an alle im Saal:

"Ihre Majestät nimmt nun Bittgesuche von Vasallen und Gästen entgegen." einladend bat er die Runde vor den Thron. Offenbar sollte man einzeln vortreten.

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Acacia
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Re: Die Nacht der vielen Toten [Hof / Alle]

Beitrag von Acacia » Fr 25. Nov 2016, 16:51

Es waren die nachtschwarzen Röcke der Ältesten unter den Lasombra, die sich zuerst bewegten, als sie sich aus der Reihe der Neugeborenen löste und vortrat. Erneut sank sie in einen tiefen Knicks, richtete sich aber sogleich wieder auf. Den Kopf stolz erhoben blickte sie zu ihrer Herrin auf, deren Blut die unheilige Liebe in ihrem Herzen entfacht hatte.

„Meine Herrin, seit Jahrzehnten stehe ich Euch treu zur Seite, richtete Eure Stadt Stein um Stein wieder auf, nachdem die fürchterlichen Heiden sie schändeten und in die Knie zwangen. Ich gab Eurer Herde Kleidung, Essen und Arbeit. Ich jagte Eure Feinde und warf sie zu Euren Füßen, ich sammelte Schiffe aus allen Herren Ländern, damit Eure Hand strafend auf Eure Feinde herabfallen konnte. Ich nahm Eure großzügigen Gaben und vermehrte sie, so dass Genua sich dieser Tage eine wahre Seemacht nennen kann und die schwarzen Männer aus dem Süden niemals wieder einen Fuß an Eure Küste setzen können. Die Stolze erhebt sich aus den Schatten glänzend von Gold und Seide.
Stets diente ich Euch als Euer Ädil und es erfüllt mein totes Herz mit Stolz dies auch weiterhin tun zu dürfen. In diesem Moment möchte ich Euch in Eurer Großzügigkeit um eine Gabe von höchstem Wert bitten. Vor nicht allzu langer Zeit fiel mein Blick auf einen menschlichen Mann, der große Klugheit besitzt und einen noch wacheren Geist. Mit seinen Händen vermag er mächtige Schiffe zu bauen, die ein jedes mir bekannte in den Schatten zu stellen vermögen. Mir erscheint er als würdiger Kandidat um meine Blutlinie weiterzuführen und Eure Stadt als weiterer treuer Diener zu stärken. So bitte ich Euch um das Recht der Zeugung für jenen Sterblichen der sich Giacomo di Nicolo nennt.“


Ihre klare Stimme verstummte und ließ die Worte ein wenig nachhallen, während ihre gesamte Gestalt in die unnatürliche Ruhe der Untoten verfiel, wo sie wenige Momente zuvor noch den Raum mit ihrer schieren Präsenz vermochte zu füllen.

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Wir sind wie Eisblumen, wir blühen in der Nacht. Wir sind wie Eisblumen viel zu schön für den Tag.
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Re: Die Nacht der vielen Toten [Hof / Alle]

Beitrag von Il Canzoniere » Do 1. Dez 2016, 10:23

Der Blick der weißen Prinzessin lag ungewöhnlich lang auf der Ältesten der Lasombra. Als ob sie selbst diese Entscheidung gut abwog. Immerhin war sie selbst, in all ihren langen Jahren, niemals Trägerin einer solchen Entscheidung gewesen. Grübelnd versank das schöne Gesicht in Überlegungen. Sekunden wurden zu Minuten. Zu einer kamen zwei..drei...fünf...zehn. Erst eine Bewegung Lucio il Onnivornos ließ die Herrscherin aufblicken, die mit einem Mal eine bedrückende Schwere in ihrem Gesicht erkennen ließ.

Sie nickte knapp. Und beinahe schien es als ob sie nichts weiter dazu sagen wollte. Dann schien sie sich dennoch dazu aufraffen zu können: "Du sprichst wahr, wenn du sagst das du viel für Genua...viel für mich getan hast und so will ich dir deinen Wunsch nicht verwehren. Auch wenn ich es mit Bedauern sehe das ein weiterer sorgloser Sterblicher mit dem ältesten aller Flüche belegt und in die ewige Nacht gezogen wird. Ich will es dir nicht verwehren. Also gestatte ich es dir." mit ernster Miene blickte sie auf, wand sich nun an alle.

"Es sei vermerkt, das Acacia della Velanera, Neugeborene aus dem Blute Lasombras die Erlaubnis erhält den Sterblichen Giacomo di Nicolo zu einem von uns zu machen. Als erstes Kind welches unter meiner Herrschaft gezeugt wurde."

Mit einem Nicken entließ sie Acacia. Der Gedanke an das Kind schien sie jedoch noch einige Augenblicke zu beschäftigen. Und auch von weiter hintern wurde die Lasombra nachdenklicher Mine beobachtet. Wenn Genua sicher genug war um ihre Art zu vermehren, dann war viel passiert in den letzten Dekaden.

Es dauerte einige Momente bis das nächste Kainskind vortrat um seine Mitte vorzubringen. Wohl um die nachdenkliche Prinzessin nicht unntöig zu stören.
Ferrucio Erminio, gehüllt in Lumpen und barfuss war das krasse Gegenbeispiel der Hüterin der Elysien. Nicht nur was das Äußere anging. Der Prophet neigte das Haupt, beugte das Knie vor der weißen Prinzessin bevor er sich langsam wieder aufrichtete. Sein unglaublich intensiver Blick wurde durch kein Blinzeln gestört und seine gewaltige Stimme sprach klar und gut vernehmlich:

"Euer Gnaden, auch ich stehe euch seit Jahrzehnten zur Seite, umsorge eure sterbliche Herde, kümmere mich um ihr geistiges und seelisches Wohlempfinden und ihren Glauben. Ich geben den Hungrigen Brot, den Armen Obdach, den Hoffnungslosen Glauben, den Waisen Zugehörigkeit und den Kranken Heilung. All dies tue ich von Borgio Incrociati, von Kreuzdorf aus. Der Freiherr von der Kreuzung, der Priester der Kirche des heiligen Stephan und viele der dort Ansässigen sind treue Gefolgsleute und trinken seit Jahren mein Blut. Ich bitte euch daher meinem Blute und mir Kreuzdorf als Jagdgebiet zuzuerkennen."

Wieder überlegte die weiße Prinzessin einen Moment und nickte schließlich "Das Landleben tut dir offenbar gut, Ferrucio. Ich habe schon lange keine Beschwerden mehr über dein Betragen gehört. Und auch deine Bescheidenheit ehrt dich. Ich stimme also deiner Bitte zu, Borgio Incrociati zum Jagdgebiet für die Kinder Malkavs zu nutzen. Du bist jedoch nicht von den Regeln ausgenommen die der Mondsenat in den kommenden Jahren ausarbeiten wird. Es ist ein Vorschuss an Vertrauen den ich in dich setzte. Enttäusche mich nicht."

Dann entließ sie den sich abermals verneigenden Malkavianer mit einer Geste. Wartete auf den nächsten Bittsteller.

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Re: Die Nacht der vielen Toten [Hof / Alle]

Beitrag von Matteo » Do 1. Dez 2016, 10:51

Nachdem Acacias Bitte vorgetragen und entsprochen worden war und auch Ferrucio vorgetreten war, fasste Matteo sich und trat sicheren Schrittes vor den Thron. Dort ging er auf ein Knie und senkte demütig sein Haupt, wartete auf eien Geste sprechen zu dürfen. Was er dann auch mit sanfter und dennoch tragender Stimme tat.

"Eure hochverehrte Majestät, Aurore, Prinzessin Genuas, Enkelin seiner Gnaden Alexander, König Paris und Kind des Ventrue, heute Nacht trete ich vor Euch mit der demütigen Bitte die sterbliche Tochter meiner Nichte an Eurem Hofe aufzunehmen, auf dass sie dort diene und lerne. Maria Aurelia ist ein verständiges Kind, aufmerksam und zurückhaltend. Sie wird Euch keine Schande machen und gute Dienste leisten."

Erwartungsvolle Stille folgte und Matteo harrte der Worte der Weißen Prinzessin, seiner Lehnsherrin. Etwaige Verdienste seinerseits trug Matteo nicht vor, übte sich in Bescheidenheit. Würde sie der Bitte entsprechen?
"Die Sonne lehrt alle Lebewesen die Sehnsucht nach dem Licht. Doch es ist die Nacht, die uns alle zu den Sternen erhebt." - Khalil Gibran

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Re: Die Nacht der vielen Toten [Hof / Alle]

Beitrag von Il Canzoniere » Fr 2. Dez 2016, 12:34

Die strahlend helle Gestalt der Prinzessin neigte sich leicht vor. Musterte den Toreador abschätzend.

"Auch wenn der Seneschall gut von dir spricht.... ich kenne dich nicht. Deine Bescheidenheit ehrt dich. Aber ich habe selten die Zeit mich ausgiebig mit deinen wahren Motiven befassen zu können. Du solltest also deine Taten sprechen lassen, damit ich einen Teil meiner gedeihenden Domäne im Geiste deinem Tatenwerk zuordnen kann." mit gütigem Unterton formulierte sie die Worte freundlich und mit einem gewissen Amüsement, auch wenn es wohl ein aufkommender Gedanke war der sie zum schmunzeln brachte, kein Fehlverhalten des äußerst korrekt auftretenden Königs vor ihr.

Auffordernd blickte sie ihn an.

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