Das Mitternachtsurteil [Prozess]

[November 16]

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Il Canzoniere
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Re: Das Mitternachtsurteil [Prozess]

Beitrag von Il Canzoniere » Fr 23. Dez 2016, 16:00

Der Allesfresser trug den Kelch vorsichtig hinüber zu der Tafel der Ehrengäste, nachdem er ihn von Titus in Empfang genommen hatte. Eine von einem Diener gebrachte hölzerne Schale war auf der Tafel aufgestellt worden. Direkt vor den beiden Ahnen, aber auch ersichtlich für alle anderen im Raum.

Viele Blicke folgten dem beleibten Il Onnivorno auf seinem Weg. Nur Brimir selbst starrte auf den Boden vor sich, als ob er an den Geräuschen der anderen erraten wollte wie der Schuldspruch ausgehen würde.

Nach einem Nicken Aurores senkte sich der Kelch über die hölzerne Schüssel und drei Perlen rollten heraus. Weiß - Weiß - Schwarz. Unklar.

Ein sanfmütiges Lächeln huschte auf das Gesicht der weißen Prinzessin, deren Farbe sich gegen die Schwärze Siziliens durchgesetzt hatte. Der Mann neben ihr verschränkte die Arme vor der Brust, blickte die Geschworenen einen Moment skeptisch an und fixierte, während Aurore sich erneut erhob, Melissa.

Die helle Stimme der heute so arg in Mitleidenschaft gezogenen Prinzessin ergoss sich wie klares Wasser durch den Raum: "Ich stelle fest: die Geschworenen sind zu keinem eindeutigen Urteil gekommen. Jedoch spricht sich die Mehrheit für die Unschuld des Gangrels aus. Mein Urteil lautete daher: Freispruch." einen Moment gab sie dem Mann neben sich die Chance abschätzig von ihr abzuwenden. Was er auch umstandslos tat.

"Er soll umgehend freigelassen werden." mit einem Wink gab sie Anweisung den Gangrel aus seinen Ketten zu entlassen.

Dann wandte sie sich an alle Anwesenden, etwas lauter als noch zuvor beendete sie den Hof des Jahres 986 mit folgenden Worten: "Neben meinem Dank für euer Erscheinen heute Nacht, habe ich noch ein paar letzte Worte an euch, meine alten und meine neuen Vasallen, an die Gäste der Domäne und die dieses Hofes:

Diejenigen von euch die Stein auf Stein die Stadt wieder aufgebaut haben, die die Gärten mit Obst und die Plätze mit Lachen gefüllt haben, diejenigen die dem Volk Gerechtigkeit und meiner Herde Wohlstand bringen, die habe ich nicht vergessen. Wenn die Nacht endet, wird jede gute Tat sich auszahlen. Und jede schlechte vergolten. Ob am Ende Leben oder Tod steht das entscheidet niemand von uns. Sondern eine Waage."

Leicht und dankend verneigte sie sich vor der versammelten kainitischen Schar während sich auf der anderen Seite die beiden geschlossenene Torflügel öffneten und ein prächtiges Sternenzelt die nächtlichen Heimkehrer in Empfang nahm.

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Acacia
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Re: Das Mitternachtsurteil [Prozess]

Beitrag von Acacia » Fr 23. Dez 2016, 16:16

Wie festgefroren lag der Blick der Lasombra auf den Geschworenen, während diese ihre Wahl trafen und hätte sie noch etwas wie einen Herzschlag gehabt, er wäre wohl gestockt. Sekunden dehnten sich zu Stunden und ihre Finger schlossen sich fester um das Pult vor ihr, während der Ghul schrecklich langsam zum Tisch der Ahnen hinüberschritt. Es war alles getan. Sie hatte jeden Verrat begangen, hatte jeden miesen Trick gespielt, hatte alles in die Waagschale geworfen und selbst wenn das Warten nur kurz anhielt, war es doch grausam.
Es war schließlich die süße Stimme der Prinzessin, die pure Erleichterung auf die Züge der sonst so kalten Lasombra malte. Ihre Schultern sackten für einen Moment nach vorn und sie schloss die Augen. Der Krieg war geschlagen – und gewonnen. Zumindest für den Moment.

Sobald ihre Herrin die Erlaubnis gab, löste sich Acacia von ihrem Platz und schritt auf den Gangrel zu um vor ihm in die Knie zu gehen. Blut rauschte süß durch ihre Adern und die schmalen, so zerbrechlich wirkenden Finger schlossen sich um das das Eisen, welches ihn hielt. Grausam kreischte das Metall unter ihren Fingern, als sie die Schellen, die den wilden Mann gefesselt hatten, aufbrach. Geschmeidig kam sie wieder auf die Füße und reichte ihm die Hand. Einen Moment sahen sie sich in die Augen, ehe der Gangrel sich an der dargebotenen Hand hochzog und die schmale, elegante Lasombra kurzerhand in seine Arme zog. Anstatt zu zögern legte sich ihre Hand auf seinen Hinterkopf und sie neigte den Kopf, so dass ihre Stirn für einen Moment auf seiner Schulter ruhte. Leise konnte man das dunkle Murmeln des Nordmannes vernehmen, wenn man nicht allzu weit entfernt war und über sehr scharfe Sinne verfügte. Die Worte jedoch waren selbst dann undeutlich. Ebenso wie die leise Antwort der Lasombra, die sich erst dann wieder von Brimir löste, dessen Mimik noch einen Moment ein beinah fassungslos erleichtertes Lächeln zeigte.
Wir sind wie Eisblumen, wir blühen in der Nacht. Wir sind wie Eisblumen viel zu schön für den Tag.
Wir sind wie Eisblumen, kalt und schwarz ist unsere Macht.
Eisblumen blühen in der Nacht.

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Gaius Marcellus
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Re: Das Mitternachtsurteil [Prozess]

Beitrag von Gaius Marcellus » Fr 23. Dez 2016, 16:35

Die Miene des Liktors erhellte sich ebenso in purer Erleichterung, als das Urteil über den Nordmann gesprochen war...
Nicht weil er von dessen Unschuld überzeugt war... der Prozess hatte dazu nichts sachdienliches hervorgebracht.
Nicht weil die Präzedenz geschaffen war, die den Liktoren und Geißeln in Ausführung ihres Amtes und in Bedrohung ihres Lebens ein gutes Maß mehr Eigenständigkeit verlieh.
Nicht weil er den Nordmann einfach sympatisch fand und hoffte, ihn bald kennen lernen zu dürfen, vor allem für seine Gefährtin Seinfreda.
Nicht einmal weil er die Kampfkraft eines mächtigen Gangrel für die Domäne gegen die Lasombra von großem Wert hielt...

Lediglich weil die Prinzessin es also doch gewagt hatte... den Schauprozess abzuwehren und ein eigenes Urteil aus eigenem Recht und als klare Botschaft zu senden. Da sie sich nicht ein weiteres Mal unterordnete, sondern ihren Vasallen auch gegen die Drohungen eines solch mächtigen Feindes in Schirm nahm...
Sie hatte ihre Herrenpflicht erfüllt, sich geweigert ein solch wertvolles Mitglied ihrer Domäne der politischen Furcht zu opfern und stärke gezeigt als letztes Wort dieses Hofes... Damit war ihr Hof gerettet.

Ein fast schon dankbarer Blick lag auf der Verteidigerin und dem wieder auferstandenen Gangrel... und Gaius hoffte inständig, dass viele der Domäne ebenso ihre Blicke ruhen ließen... dass dieser Hoffnungsspruch der Prinzessin, diese diplomatische Kampfansage, dass sie sie alle wieder einen würde... nach den Seperationen dieses unsäglichen Prozesses. Einen als junge aber mutige Domäne unter einer bewunderswerten Herrin...
Ich hab heut Nacht vom Tod geträumt,
er stand auf allen Wegen,
er winkte und er rief nach mir so laut.

Er sprach mein Leben sei verwirkt,
ich sollt mich zu ihm legen,
ein frühes Grab sei längst für mich gebaut,
ein frühes Grab sei längst für mich gebaut.

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Melissa
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Re: Das Mitternachtsurteil [Prozess]

Beitrag von Melissa » Fr 23. Dez 2016, 16:37

Der Drache schien unter dem Blick des Ahnen von Sizilien zu schrumpfen, wagte es nicht, seinem Blick zu begegnen. Als das Urteil verkündet wurde, senkte sie den Kopf. Atem zwang sich durch ihre Lungen, strömte aus ihren Nüstern wie aus einem Hochofen. Sie seufzte. Mit ihrem letztem Atemzug für diese Nacht fiel auch die Last von ihr ab, die Aufmerksamkeit, die sie die ganze Zeit getragen hatte.
Ein Lächeln huschte über ihre Lippen, als sie wieder aufblickte, in die Augen des Ahn vom Clan der Schatten. Ihre nadelspitzen Zähne brachen unter dem Fleisch hervor, in ihren Blick kehrte das Leben zurück und sie richtete sich wieder auf. Sicherheit kam zurück in ihre Bewegungen, in ihre Haltung.

Sie verneigte sich ein letztes Mal vor der Prinzessin, ehe sie zu der Verteidigerin und dem - jetzt - Unschuldigen hinüber ging.
Belanglose, aber süße Worte der Versöhnung, der Glückwünsche, der Freude folgten. Hübsch und glaubwürdig und elegant gratulierte sie Acacia zu ihrem Sieg, Brimir zu seinem Leben. Sie sprach davon, dass sie beide über alle Maßen gerne in ihrer Zuflucht begrüßen würde. Trotz allen Giftes und aller Galle, die sie in den Stunden zuvor versprüht hatte, gab Melissa sich als die sportliche Verliererin.
Bis sie sich demonstrativ zu Ferrucio gesellte.

Sie lächelte, als sie auf das Tier und die Königin blickte. Das selbe Lächeln wie immer: Verschlossen. Sie lächelte auch noch, als Ferrucio ihr ebenso etwas zuflüsterte. Es gab für sie ohnehin kaum einen Zweifel, wer die schwarze Kugel hinein gelegt hatte. Melissa schüttelte den Kopf, legte ihm beruhigend eine Hand auf den Oberarm.
Ihr Blick blieb nicht lange auf dem Paar liegen, schwenkte herum zu Fabrizio, noch einmal zu Lydiadas, dann zu Godeoc.
Sie hatte bekommen, was sie wollte.
La famiglia é il nido dell'uomo.
- Giovanni Faldella

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Angelique
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Re: Das Mitternachtsurteil [Prozess]

Beitrag von Angelique » Fr 23. Dez 2016, 16:48

Roger grinste breit, fast hätte er gejubelt, als sein alter Gegner und doch hochgeehrter Hauptmann der Ascommannen freigesprochen wurde. GOtt hatte Gerechtigkeit wallten lassen, wo vorher Satans Schergen sich gegenseitig bepöpelten und einen höhnischen Mummenschanz auf die Heiligen Gerichte aufführten.

Dann sah er wieder voll Mitleid auf seine Angelique herab, die gebrochen aufsah.

Die, die sie für die dämonischsten Diener der Finsternis gehalten hatte, Brimir und Acacia, ausgerechnet die fielen einander in urchristlichster Liebe, für alle Monster am Hofe zu erkennen, in die Arme. Erstaunen und Verwunderung breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Sie wollte wegschauen, konnte es aber nicht. Dort war all das, was für sie und Alerio hätte sein können!

Es brach ihr endgültig das Herz, aber sie hatte keine Tränen mehr...
"I'm a mighty thesaurus! Rawr!"

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Re: Das Mitternachtsurteil [Prozess]

Beitrag von Brimir » Fr 23. Dez 2016, 17:07

Das Urteil war gesprochen. Ein Urteil, dass er von Aurore so erhofft hatte, war doch alles was er tat in dem Versuch geschehen ihr zu dienen.

Noch während die Lassombra ihn von der einen Seite der Ketten befreite, knirschte das Metall an dem anderen Arm des Nordmannes, als dieser ebenfalls an den Ketten riss und sie abstriff, als wären sie Spielzeuge, die es nicht würdig waren einen Krieger gefangen zu halten. Ein Symbol der Stärke, besonders, wenn man bedachte, dass er dies während des gesamten Prozesses hätte tun können. Wie es wohl geendet hätte, wenn der Nordmann verurteilt geworden wäre?

Als die schweren Ketten zu Boden fielen und Brimir Acacia lange anblickte, lag dort eines in diesem Blick, neben Erleichterung. Dankbarkeit. Ehrliche Dankbarkeit. Und so griff der stolze Nordmann die Hand und ließ sich auf die Beine helfen, nicht als Zeichen der Schwäche, sondern für Einigkeit. Was auch immer die Beiden dort austauschten war schon Bald verstummt und Brimir löste sich von Acacia. Sein Blick streifte die anderen Anwesenden. Angefangen bei den Gästen - über Melissa - bis hin zu den Geschworenen. Diese schaute Brimir fragend an, als würde er versuchen wollen herauszufinden, wer von ihnen seinen Tod wünschte. Doch letztlich fixierte er den Piraten und sein Gesicht verdunkelte sich das erste Mal heute Abend merklich.

Und dann mit einem Mal, wendete er sich von Fabrizzio ab, als sei dieser nur Dreck und Aurora zu, senkte den Blick und ging vor ihr, wie schon so oft zuvor, aufs Knie, ohne dabei den Stolz des Kriegers zu verlieren. Er wartete, ob sie ihm die Gelegenheit gab, noch etwas zu sagen und dann erhob er die trockene und heisere Stimme.

"Ich danke euch, Herrin Genuas, für dieses Urteil. Und ich erneuere meinen Schwur, Euch und die Euren, zu schützen und meine Kraft in eure Dienste zu stellen. So es euer Wunsch ist, werde ich meine Aufgabe als Liktor wieder auf nehmen... oder jede andere Aufgabe, die ihr mir zugedenkt."
"Eines Jeden Rücken ist ungeschützt, es sei denn, er hat einen Bruder."
Grettirs Saga

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Matteo
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Re: Das Mitternachtsurteil [Prozess]

Beitrag von Matteo » Mo 26. Dez 2016, 08:22

Den jeweiligen Schlussworten von Anklage und Verteidigung, dem Urteil, der Empfehlung der verbliebenen Geschworenen und auch dem Urteil über den Nordmann selbst, war Matteo bar jeder sichtbaren Emotion gefolgt. Die abschließenden Worte Aurores aber sorgten für eine gewisse Erleichterung zusammen mit der Befreiung Brimirs von seinen Ketten.
Insbesondere die Reaktionen Gaius' und Melissas beobachtete Matteo genau, gaben sie doch möglicherweise Aufschluss...

Er, Matteo Floravante di Ventura, hatte sich vorführen lassen und würde die Konsequenzen tragen. Mit Würde. Doch auch sein Blick auf die anderen Vasallen war ein anderer geworden, zurückhaltend waren sie alle gewesen, im Guten wie im Schlechten.
Matteo wandte sich von den zuvor beobachteten Kainiten ab, Brimir und Acacia zu und neigte anerkennend sein Haupt in Richtung der erfolgreichen Verteidigerin.

Mit dem Freispruch des Gangrel, seines zukünftigen Kollegen, war der Prozess, die verlustreiche Schlacht gewonnen, doch der Krieg hatte gerade erst begonnen.
"Die Sonne lehrt alle Lebewesen die Sehnsucht nach dem Licht. Doch es ist die Nacht, die uns alle zu den Sternen erhebt." - Khalil Gibran

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Vergonzo Faro
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Re: Das Mitternachtsurteil [Prozess]

Beitrag von Vergonzo Faro » Mi 28. Dez 2016, 18:00

Vergonzo beobachte einige Personen des Raumes intensiver als andere. Er begann allmählich einige Beziehungen untereinander zu verstehen, oder zumindest Beziehung unterschiedlicher Art zu vermuten.
Er sah freudig aber auch konzentriert durch die Reihen der Anwesenden, hier und da reckte er sich etwas,um die jeweilige Person zu erkennen. Immerhin überragten ihn alle hier, abgesehen von Angelique.
Man soll bauen, als wollt man ewig leben, und leben, als sollt man morgen sterben.

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