Ankunft in Genua [Matteo]

[Oktober '16]

Moderatoren: Toma Ianos Navodeanu, Acacia

Benutzeravatar
Vergonzo Faro
Nosferatu
Beiträge: 733
Registriert: Mi 5. Okt 2016, 16:29

Ankunft in Genua [Matteo]

Beitrag von Vergonzo Faro » Mo 24. Okt 2016, 16:35

Vergonzo erreichte Genua an diesem recht milden Abend. Wie immer schritt er langsam hinkend durch das Stadttor, die Kaputze weit ins Gesicht gezogen. Der Vorteil war das man sein entstelltes Gesicht nicht sah, der Nachteil war das er die Bauten hier nur von weitem bestaunen und begutachten konnte. Sobald er nah genug heran gekommen war, konnte er den Kopf nur selten heben um genauer hinzuschauen,…die Gefahr entdeckt oder genau gesehen zu werden war zu groß.

Also schritt er gemäßigten Schrittes, also ziemlich langsam, durch die ersten Gassen Genuas.
Er war früh genug aufgebrochen und hatte daher noch eine Stunden Zeit bis er sich zum Schloß des Grafen von Mailand aufbrechen musste. Er sollte aber die Zeit in seinem größeren Auge behalten, da das Schloß etwas ausserhalb Genuas lag.

Die Zeit reichte aus um sich Genua und ihre Bewohner aber auch Gassen und Architektur etwas anzuschauen. Auch wenn er sehr gespannt war auf das Schloß und den Hof der weißen Prinzessin, so würde es ihm dennoch gut tun sich umzuschauen und sich zu aklimatisieren.
Man soll bauen, als wollt man ewig leben, und leben, als sollt man morgen sterben.

Benutzeravatar
Matteo
Toreador
Beiträge: 812
Registriert: Mi 17. Feb 2016, 21:35

Re: Ankunft in Genua [Matteo]

Beitrag von Matteo » Di 25. Okt 2016, 09:42

Irgendwann würden seine langsamen Schritte den Nosferatu zum Hafen führen, wo ihm ein einzelner Mann auffallen mochte. Eindeutig an Kleidung und Haltung als ein Mann hoher Geburt zu erkennen, umgab ihn eine hoheitliche Aura.
Der leichte Wind zerrte an seinem Mantel und offenbarte die darunterliegende erlesene und neue Kleidung in schwarzer Farbe und güldenen Akzenten. Selbst von schlanker Gestalt und hochgewachsen, hatte der scheinbar junge Mann sein Gesicht dem an der Mastspitze eines Schiffes flatternden Banner zugewandt. Das schwarze, zum Zopf gebundene Haar, die dunkle Kleindung und die dunklen, grünen Augen brachten im Zusammenspiel die äußerst starke Blässe der scharf geschnittenen Gesichtszüge zur Geltung.

Seltsam fokussiert, als würde er jede vom Wind geschlagene Falte und Wölbung des flatternden Stoffes genau analysieren und mit irgendetwas im Geiste abgleichen, wurde Matteo der Anwesenheit des hinkenden erst einige Momente später gewahr. So hatte dieser genug Zeit ihn zu betrachten.
"Die Sonne lehrt alle Lebewesen die Sehnsucht nach dem Licht. Doch es ist die Nacht, die uns alle zu den Sternen erhebt." - Khalil Gibran

Benutzeravatar
Vergonzo Faro
Nosferatu
Beiträge: 733
Registriert: Mi 5. Okt 2016, 16:29

Re: Ankunft in Genua [Matteo]

Beitrag von Vergonzo Faro » Di 25. Okt 2016, 18:50

Es dauerte nicht allzu lang als dann der Hafen vor Vergonzo auftauchte. Hier herrschte die Ruhe des Meeres und die Wellen untermalten die Geräuschkulisse als sie an die Kaimauer schwappten. Der Duft der Freiheit und der Abenteuerlust war hier ebenso prägnant wahrzunehmen, wie das Gefühl der Heimkehr.
Die Architektur hier war pragmatisch und einfach gehalten, dennoch schmiegte sie sich passend in das Bild das er erwartet hatte. Auffallend jedoch, wenn auch nicht auf den ersten Blick sofort zu bemerken, war die Gestalt die reglos etwas abseits stand und scheinbar Löcher in die Luft starrte. Ihre schlanke aristokratische Erscheinung und die gehobene Kleidung fiel beim näheren betrachten allerdings auf.
Solch eine Erscheinung zu dieser Tageszeit war ungewöhnlich für einen Ort an dem sonst nur Arbeiter und ein paar Handelsleute zu gegen waren.

Vergonzo stockte kurz, ging dann aber näher an die Gestalt heran. Immer wieder versuchte er den Blick des Fremden zu verfolgen. Was gab es dort zu sehen?
Er ging wieder näher, und schätzte die Richtung des Blickes erneut ab.
Dieses Spielchen ging so weiter bis er, immer noch in adäquatem Abstand, neben dem Fremden stand und in die selbe Richtung starrte.
Scheinbar fokussierte er ein Banner am Mast des Schiffes das hier vor Anker lag.

„Guten Abend, verzeiht die Frage, ist dies euer Schiff?“ fragte er dann freundlich immer noch auf das Banner schauend.
Man soll bauen, als wollt man ewig leben, und leben, als sollt man morgen sterben.

Benutzeravatar
Matteo
Toreador
Beiträge: 812
Registriert: Mi 17. Feb 2016, 21:35

Re: Ankunft in Genua [Matteo]

Beitrag von Matteo » Mi 26. Okt 2016, 08:26

Die Stimme des Fremden riss ihn aus seiner Betrachtung des Spiels von Wind und Stoff und Matteos Aufmerksamkeit fokussierte sich nun auf diese. Die noch immer geschärften Sinne, allen voran das Sehen, nahmen die Details der äußeren Erscheinung des Anderen wahr, soweit diese den Blicken nicht verborgen blieben, denn durch Kapuze und Umhang konnte der Toreador nicht blicken.

"Nein, leider nicht. Dieses hier gehört einer Person die ich gut kenne, mein eigenes Schiff wird kleiner, aber auch wendiger und schneller sein."

Noch einmal musterte er die Gestalt des Fremden, dessen unförmige Konturen. Der Nachhall alter, fast vergessener Empfindungen streifte sein Gemüt, Mitleid? Bedauern? So schnell es gekommen war verging es wieder. Stattdessen kam Neugier auf, was tat dieser Mann hier des Nachts? War er ein ausgemusterter Seemann? Über schlimme Unfälle an Bord hatte auch Matteo schon Geschichten vernommen.

"Seid ihr zur See gefahren guter Mann?"
"Die Sonne lehrt alle Lebewesen die Sehnsucht nach dem Licht. Doch es ist die Nacht, die uns alle zu den Sternen erhebt." - Khalil Gibran

Benutzeravatar
Vergonzo Faro
Nosferatu
Beiträge: 733
Registriert: Mi 5. Okt 2016, 16:29

Re: Ankunft in Genua [Matteo]

Beitrag von Vergonzo Faro » Mi 26. Okt 2016, 11:20

Es war wie immer etwas erleichternd nicht mit angewiderten Blicken, Abscheu oder ähnlichem begrüßt zu werden. Und auch wenn es seinen äußerlichen Eindruck nicht verbesserte, so grinste er freundlich als der Fremde ihn Ansprach.

Da Vergonzo sich hier neu aufhielt und zu dieser Zeit kaum Menschen unterwegs waren, hatte er darauf verzichtet sich im Verborgenen zu halten. So zog er langsam und Vorsichtig seine Kaputze ein paar Zentimeter zurück, langsam um sein Gegenüber nicht zu überfordern. Er hielt diese Geste außerdem für einen Akt der Höflichkeit. Sich in einem Gespräch zu verstecken verweigerte dem Gegenüber zu sehen mit wem er redete genauso wie es ihm verweigerte die eventuellen Absichten zu deuten.

„Wenn ich mich vorstellen dürfte, mein Name ist Vergonzo Faro.“

Er verneigte sich leicht und ruhig. Auf die meisten Leute macht e er diesen unnatürlich ruhigen Eindruck, er lief langsam, sprach langsam, bewegte sich langsam und trotz seiner abgrundschönen Hässlichkeit waren seine Gesten ebenso gemächlich und weich.

„Es ist ein stattliches Schiff, daher nahm ich an es gehöre zu Ihnen. Aber mit dieser Art der Baukunst kenne ich mich leider nicht besonders gut aus. Was mich zu ihrer Frage führt, nein, ich bin weder zur See gefahren noch wäre ich dort von nutzen. Ich beschränke mich lieber darauf meine bescheidenen Fähigkeiten auf die Erschaffung von Monumenten der Jahrhunderte zu richten.“

Bei dem Gedanken an ein neues Werk konnte er ein kurzes Aufglucksen der Freude nicht verhindern.
Man soll bauen, als wollt man ewig leben, und leben, als sollt man morgen sterben.

Benutzeravatar
Matteo
Toreador
Beiträge: 812
Registriert: Mi 17. Feb 2016, 21:35

Re: Ankunft in Genua [Matteo]

Beitrag von Matteo » Mi 26. Okt 2016, 13:49

Der feine Hauch des Bedauerns wich nicht vollends, kam vielleicht auch erst wieder auf, als der Fremde sich Wesen der Nacht offenbarte, vermutlich vom Blut der Nosferatu. Kein Mensch könnte derartig entstellt sein. Welche Bürde für alle Ewigkeit...

Erschrecken oder Ekel suchte man in der Miene des Toreador jedoch vergeblich, selbst wenn eine solch menschliche Empfindung sein Herz noch berühren würde, wäre Matteo viel zu beherrscht um solche Schwäche zu zeigen.
Dann jedoch trat ein Ausdruck der Freude in die grünen Augen und ein Lächeln blitzte auf. Ein Baumeister, noch dazu von solchem Ruf.


"Vergonzo Faro, der Baumeister? Aus Parma, richtig? Es ist mir eine Freude euch kennenzulernen, ich bin Matteo Floravante di Ventura, Neugeborener vom Blut Arikels, Kind der Lucrezia Neroni die Ancilla der Rosen in Mantua war.
Bis nach Mantua sprach man von euren Werken. Was führt euch nach Genua werter Herr Faro? Habt Ihr gar vor eure Kunst hier auszuüben?"


Ein Funken Hoffnung, Hoffnung, dass mehr Ästhetik in das Stadtbild Einzug erhalten würde, erblühte in dem Toreador.
"Die Sonne lehrt alle Lebewesen die Sehnsucht nach dem Licht. Doch es ist die Nacht, die uns alle zu den Sternen erhebt." - Khalil Gibran

Benutzeravatar
Vergonzo Faro
Nosferatu
Beiträge: 733
Registriert: Mi 5. Okt 2016, 16:29

Re: Ankunft in Genua [Matteo]

Beitrag von Vergonzo Faro » Mi 26. Okt 2016, 15:26

Vergonzo glaubte den Hauch von Mitleid im Gesicht von Matteo zu erkennen und das sprach in gewisser Weise für den Charakter dieses Mannes, dennoch empfand Vergonzo das eigene Unleben gänzlich anders. Das merkte man als Matteo ihn scheinbar erkannte, und zwar nicht am Äußeren sondern da seine Taten und Werke bekannt waren.

„Verehrter Herr, ihr schmeichelt mir. Aber ja der bin ich und es bereitet mir große Freude zu hören, dass einige meiner Werke bis hin nach Mantua bekannt sind. Aber die Freude ist ganz meinerseits. Kenner wissen allerdings, das mitunter das beste Marmor aus Mantua stammt. In der Tat gedenke ich mich, so es mir heute Abend gestattet wird, in Genua niederzulassen. Es ist eine der interessantesten Städte dieser Zeit. Doch wem gehört dieses Schiff mit diesem mir unbekannten Banner?“

Vergonzo überlegte kurz ob die kommenden Fragen zu weit gingen, entschied sich aber dennoch das Wagnis einzugehen.

„Bitte verzeiht falls dies nun zu Neugierig ist, aber ihr sagtet eure Erzeugerin war die Ancilla der Rosen in Mantua, was ist passiert?“


Innerlich machte er sich darauf gefasst das diese Frage dazu führte direkt am ersten Abend in Genua Probleme zu bekommen.
Man soll bauen, als wollt man ewig leben, und leben, als sollt man morgen sterben.

Benutzeravatar
Matteo
Toreador
Beiträge: 812
Registriert: Mi 17. Feb 2016, 21:35

Re: Ankunft in Genua [Matteo]

Beitrag von Matteo » Do 27. Okt 2016, 10:02

"Es würde mich freuen, wenn Ihr hier heimisch würdet. Falls Ihr dann für etwaige Bauvorhaben Marmor oder anderes Gestein benötigt, wendet euch an mich. Mein Haus handelt damit.
Werdet Ihr bereits erwartet? Falls dem nicht so ist, kann ich euch beim verehrten Herrn Seneschall gern ankündigen, ich treffe ihn gleich.
Das Schiff mit den schwarzen Segeln, die "Esperanza", gehört wie gesagt einer von mir sehr geschätzten Person, ohne deren Einverständnis ich jedoch nicht mehr offenbaren möchte."


Matteo zuckte entschuldigend mit den Schultern, aber er würde wohl nicht weiter auf die Frage eingehen. Die nächste Frage Vergonzos, die nach dem Schicksal seiner Erzeugerin, verdüsterte Matteos Miene.

"Sie wurde ermordet. Fiel einer Intrige zum Opfer."

Fast hätte er noch mehr offenbart, doch er wusste nichts über die politischen Verstrickungen des Nosferatu, welchem Bund Norditaliens er näherstand falls überhaupt.
"Die Sonne lehrt alle Lebewesen die Sehnsucht nach dem Licht. Doch es ist die Nacht, die uns alle zu den Sternen erhebt." - Khalil Gibran

Benutzeravatar
Vergonzo Faro
Nosferatu
Beiträge: 733
Registriert: Mi 5. Okt 2016, 16:29

Re: Ankunft in Genua [Matteo]

Beitrag von Vergonzo Faro » Do 27. Okt 2016, 20:12

Auf das Angebot hin geschäftlich mit Matteo in Kontakt zu kommen neigte Vergonzo dankend leicht den Kopf.

„Es wäre mir eine Freude und ein Bedürfnis das benötigte Marmor von euch zu beziehen. Über eine zukünftige Handelsbeziehung wäre ich sehr froh. Habt Dank.
Ich habe mich vorab ankündigen lassen und mir wurde zugestanden am heutigen Hofe vorstellig zu werden. Wenn ihr den Herrn Seneschall seht könntet ihr ihm meinen Dank ausrichten das er sich meiner so schnell angenommen hat.“


Dann schaute Vergonzo nochmals zum Schiff und betrachtete den Gesamteindruck. Schwarze Segel, das Banner, die Bauform und Größe sowie den Namen Esperanza.

„Selbstverständlich verstehe ich es, wenn ihr nicht auf die Frage des Schiffseigners antwortet. Ich wollte euch auch keinesfalls in eine unbehagliche Situation bringen. Es spricht für euch das ihr so handelt.“

Er lächelte anerkennend. Nach einer kurzen Pause wurde seine Mine allerdings von einem Schatten des Selbstvorwurfs belegt.

„Es tut mir leid das ich euch an dieses schlimme Ereignis erinnert habe.“

Er presste die Lippen aufeinander um nicht mehr als nötig dazu zu sagen und wandte den Blick zu Boden.

„Dennoch möchte ich dazu noch sagen, das ich es in den meisten Fällen als ein Zeichen der eigenen Unzulänglichkeit, wenn nicht sogar Unfähigkeit, einer Person ansehe, eine eingefädelte Intrige derart enden zu lassen.“

Mit dieser Aussage gab er viel Preis und man könnte es beinahe als Selbstüberschätzung ansehen, aber Vergonzo nickte zu seiner Aussage und sah dabei alles andere als von sich selbst überzeugt aus. Im Gegenteil war es eher Demut und Trauer in seinem Gesicht. Seine Augen sprachen allerdings von hohen Zielen die er sich scheinbar selber setzte. Und würde er diese Ziele auch nur im Ansatz irgendwann erreichen können, wäre das vermutlich schon viel.
Man soll bauen, als wollt man ewig leben, und leben, als sollt man morgen sterben.

Benutzeravatar
Matteo
Toreador
Beiträge: 812
Registriert: Mi 17. Feb 2016, 21:35

Re: Ankunft in Genua [Matteo]

Beitrag von Matteo » Fr 28. Okt 2016, 08:07

"Ihr habt recht, eine Intrige derart enden zu lassen ist nicht besonders kunstvoll. Der endgültige Tod ist zudem eine Gnade die ich ihrem Mörder nicht zu erweisen gedenke."

Zumindest nicht sofort, erst würde Matteo ihm alles nehmen was ihm im Unleben halt gab, etwas bedeutete. Doch das lag in ferner Zukunft, noch müsste er wachsen. An Macht, Einfluss und Erfahrung, dessen war sich Matteo bewusst. Einer der Vorteile der Unsterblichkeit war jedoch, dass Rache ein Gericht war das Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte kalt serviert werden konnte...


"Lasst mich euch einen guten Rat mitgeben, der auch mir zuteil wurde. Wenn ihr zu Ihrer hochverehrten Majestät sprecht, tut dies in der Sprache Roms. Als Baumeister beherrscht ihr gewiss das Latein."
Wandte sich der Toreador wieder unverfänglicheren Themen zu.
"Die Sonne lehrt alle Lebewesen die Sehnsucht nach dem Licht. Doch es ist die Nacht, die uns alle zu den Sternen erhebt." - Khalil Gibran

Gesperrt