Vater, Mutter, Kind [Gaius, Seinfreda, Angelique]

[Oktober '16]

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Gaius Marcellus
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Vater, Mutter, Kind [Gaius, Seinfreda, Angelique]

Beitrag von Gaius Marcellus » Mi 12. Okt 2016, 22:04

Einige Nächte waren an den Klippen Genuas zerborsten, der Frühling ins Land gezogen und die Stadt wieder ein wahrer Freudentaumel... zumindest gutes Wetter gab es, Tagsüber angeblich viel Sonnenschein.

Moosbewachsen lagen die Steine der vergessenen Zeiten auf dem Boden vor der Stadt, mittlerweile war hier wirklich so gut wie nichts mehr, nur noch grün und blitzendes Grau.

Gaius seine zwei liebsten Damen eingeladen, eine Platonsche Nacht auf einem gemütlichen großen Felsen, weit entfernt vom Trubel der Stadt, einsam und unbedeutend thronend über den Ruinen vergangener Zeiten und doch mit dem rauschen des Meeres für die geschärften Sinne im Hintergrund.

So saß er auf dem Felsen, das Schwert lag gemütlich auf dem Stein, er selbst trug nur gewöhnliche graubraune Tuniken und derartig ziviles. Das Haar war offen und frei, die Beine überschlagen. Hätte er noch einen guten Schluck dabei, wäre dies der perfekte auftakt für ein romantisches Picknick bei schwachem Mondenschein...
Ich hab heut Nacht vom Tod geträumt,
er stand auf allen Wegen,
er winkte und er rief nach mir so laut.

Er sprach mein Leben sei verwirkt,
ich sollt mich zu ihm legen,
ein frühes Grab sei längst für mich gebaut,
ein frühes Grab sei längst für mich gebaut.

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Re: Vater, Mutter, Kind [Gaius, Seinfreda, Angelique]

Beitrag von Angelique » Mi 12. Okt 2016, 23:18

Nach einer Weile erschien auch Angelique am Ort des Treffens. Sie trug Novizenkluft anstelle ihres Pilgergewands.

"Sei gegrüßt, mein väterlicher Freund", sprach sie den Salubri brav an.
Zuletzt geändert von Toma Ianos Navodeanu am Do 13. Okt 2016, 10:13, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Pferd
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Re: Vater, Mutter, Kind [Gaius, Seinfreda, Angelique]

Beitrag von Gaius Marcellus » Mi 12. Okt 2016, 23:26

"Sei willkommen, werte Angelique. Komm herauf. Wie ich dir versprochen habe, bald wir die Werte Seinfreda hier sein." er blickte verträumt in die Ferne "Das könnte ein spannender Abend werden, bedauerlich nur, dass der Mond so verhangen steht. Meinte er fast verträumt.

Zusammen würden sie den Mond anschweigen, fast entrückt, bis La Vedova auch den Weg gefunden hätte...
Ich hab heut Nacht vom Tod geträumt,
er stand auf allen Wegen,
er winkte und er rief nach mir so laut.

Er sprach mein Leben sei verwirkt,
ich sollt mich zu ihm legen,
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Re: Vater, Mutter, Kind [Gaius, Seinfreda, Angelique]

Beitrag von La Vedova » Do 13. Okt 2016, 04:07

Die Witwe war gehüllt in dunkle wehende Stoffe und Schleier aus Gischt, als sie den Steilen Lippenweg vom Meer hinauf stieg. Ihr Rock war durchnässt von den Pfützen und nassen Felsen, die die Wogen an den Klippen hinterließen. Wo die Luft tagsüber von Vogelschreien geschwängert war, konnte man nun nur das laute Rauschen des Meeres hören, das man in der Dunkelheit in der Tiefe wusste. Der Wind spielte mit ihren Locken, ließ sie in unterschiedilchste RIchtugen treiben, beinahe als wäre sie unter Wasser.
Ein Lied hatte sie angestimmt in einer fremden Sprache voller gurgelnder, rollender Laute, Zischen und Hauchen, wie eine Mischung aus Wind und Wogen. Eine harte Sprache mit nicht so viel Melodie wie das Italienische, dennoch getragen von rhytmischen Reimen.
Als sie sich den Sitzenden mit gerafften Röcken näherte veränderten sich die Worte, ihre Stimme wurde wärmer, nun verstand man, was sie sang.

„Wogenfahrt nach West
Wagte ich zum Fest,
Eichschiff eilt stolz
Da das Eis zerschmolz.
Süß quillt mir, seht,
hier Suttungs Met
Kaum Liedes Last
Geistes Langschiff fasst…“

Sie hatte eine schöne Singstimme, die jedoch nicht ausgebildet war. Sie trat zu den beiden und betrachtete das Kind vor sich genauer. Es entsprach dem, was Gaius ihr beschrieben hatte und sie schenkte Angelique ein freundliches Lächeln, hörte jedoch nicht auf, zu singen.

„Schön will ich melden
-schweigt, ihr Helden-
Was auf Fahrten
Fern wir gewahrten…“

Seinfreda spürte Bedauern über das Schicksal des kleinen Wesens vor ihr, das für immer in diesem Körper gefangen war. Sie musterte das Kind von oben bis unten. Ein Gefängnis aus Fleisch und Knochen, ging ihr durch den Kopf, und ein Gesicht gemeißelt aus Unschuld…

„Gereihte Leichen
Raben streichen
Vom blutig bleichen
Berg nicht weichen!
Am Schnabel schwellen
Schwertstroms Wellen
Wolf die Wunde
Wühlt in der Runde…“

Wie alt sie wohl tatsächlich sein mochte? Seinfreda befreite sich von ihren schwerfälligen Gedanken und sank in einen kurzen Knicks vor dem Kind.
„Buonanotte Angelique.“, sagte sie dann freundlich „Wie schön, dass wir uns endlich kennenlernen.“

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Re: Vater, Mutter, Kind [Gaius, Seinfreda, Angelique]

Beitrag von Angelique » Do 13. Okt 2016, 10:58

Angelique hatte einige Zeit stumm den Mond betrachtet, an Gaius gelehnt. Sie sah ihn trotz Obskurität klar und hell. Das blinde, milchige Auge wie das eines Toten, dem die Wölfe huldigten und das den Gezeiten und der Frauen Fruchtbarkeit befahl. Für sie barg es ungezählte Mysterien, obwohl oder gerade weil es den Nachthimmel dominierte. Wie klein und unbedeutend die Engelsschar der Sterne dagegen wirkte.

Angelique stand auf, als sie des Gesangs gewahr wurde. Es klang im Altitalienischen seltsam verfremdet und doch hörte sie die unverkennbaren Merkmale der ascomannischen Dichtkunst heraus. Zulange hatte sie Kontakt zu Grimsteinn und Brimir gehabt, um das nicht heraushören zu können. Und auch die alten Wiegenlieder, die ihr Roger manchmal zum Einschlafen am Morgen sang, erinnerten an diese Kunst.

Seinfreda schien eine Ascomannin zu sein. Oder so alt, daß sie mit den heidnischen Franken gekommen war, als die alten Weisen noch in Fürstensitzen klangen und nicht nur in traurigen Dorfhütten.

Als sie die Todesfee Gleiche erblickte, vertiefte sich der Eindruck nur. Zudem schien eine Melancholie über den Ort sich zu legen, als die Mitglieder eines gefallenen und zweier zum Fallen verdammter Klane sich an diesem Orte versammelten.

Hätte Luna weinen, hätte sie es wohl nun getan.

"Schiavo, wohlwerte Seinfreda von den hohen Kappadokiern", antwortete Angelique und verneigte sich ehrfürchtig,"die Freude ist ganz auf meiner Seite."
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Re: Vater, Mutter, Kind [Gaius, Seinfreda, Angelique]

Beitrag von Gaius Marcellus » Do 13. Okt 2016, 20:32

"Seid willkommen, meine Damen. Vorgestellt seid ihr nun ja bereits. Lasst uns eine schöne Nacht gemeinsam genießen und aus dieser dunklen Metropole der Unsicherheiten ausbrechen gemeinsam." er lächelte mild bei den dunklen Worten

"Wie ist es euch ergangen die letzten Nächte, haben sich interessante Fragen aufgetan? Spannende Antworten eingestellt? Ich...
wie schlaft ihr eigentlich? Habt ihr Träume?" fragte der Salubri die Banalität unverhofft...als belaste das Thema
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Re: Vater, Mutter, Kind [Gaius, Seinfreda, Angelique]

Beitrag von Angelique » Mi 19. Okt 2016, 21:57

Angelique wagte es, der Kappadokierin zuvorzukommen, und sagte:

"Ich schlafe häufig in Rogers Armen ein, wenn er mich in den Schlaf wiegt. Oder erfreute mich... meines verstorbenen Geliebten Nähe, wenn ich bei ihm weilte. Und Träumen tue viel und oft. Träume sind Fenster in die anderen Reiche und manchmal erhascht man die Zukunft darin wie Josef, der dem Pharao weissagte und Träume deutete."
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Re: Vater, Mutter, Kind [Gaius, Seinfreda, Angelique]

Beitrag von La Vedova » Fr 28. Okt 2016, 00:55

Seinfreda lauschte interessiert als es um Traumdeutung ging. „Ein interessantes Feld, die Traumdeutung. Manche glauben ja auch , dass die Alben uns die Träume einfüstern…Zwerge und Gnome, die uns düstere Bilder bringen…“, sie warf Angelique einen langen Blick zu „Doch egal wer sie uns sendet, Träume haben oft tiefere Bedeutungen…Wer hat Euch die Kunst des Zeichendeutens gelehrt?“

Sie runzelte die Stirn "Meine Mutter war eine bekannte Seherin, müsst Ihr wissen. Leider habe ich ihre Gabe nicht geerbt, doch mitbekommen habe ich als Kind vieles..."

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Re: Vater, Mutter, Kind [Gaius, Seinfreda, Angelique]

Beitrag von Angelique » Fr 28. Okt 2016, 09:55

Angelique faltete die Hände, schloß die Augen und wiegte sich wie zu ungehörter Melodie hin und her. "Oh, die Gabe hatte ich schon, seit ich denken kann. Und, wie sagt ihr, diese Alben -so nennen die Ascomannen doch die Fada, nicht wahr? Ich sah sie, wo andere nur Wolken, Bäume und Lavendelfelder sahen. Und sie warnten mich vor Unheil mit Zeichen: vor den Wölfen im Wald, wenn man Reisig sammelte, vor den heidnischen Sklavenjägern, deren - bitte um Verzeihung - Drachen- oder Sarazenensegel ich weit vorher sah, bevor sie am Horizont auftauchten." Sie lächelte spitzbübisch bei der Erinnerung. "Und wie enttäuscht sie bei meinem leeren Dorf waren, selbst das sah ich." Sie schaute etwas traurig. "Hier in Genua sehe ich sie nur selten, so als fürchteten sie die Ansammlung derer, die nicht nur wie sie ins Grau, sondern ins tiefste Schwarz gefallenen Engel des Allerhöchsten."

Dann wurde sie wieder fröhlicher. "An solchen Orten wie diesem aber sieht man sie häufig und all des Demiurgen Bosheit kann sie nicht besiegen. Wenn Wälder weichen, wohnen die Fata in dem Wogen des Getreide- und Lavendelmeeres."

Sie sinnierte etwas. "Richtig geschult hat mich erst meine Erzeugerin. Sie hat mir auch erklärt, dass meine Gabe geschwunden wäre, wenn ich in Mutterschaft geführt oder ich älter und für unseren Dorfpriester oder Lehnsherrn interessanter geworden wäre. Mit der Unschuld stirbt die Gabe, hat sie gesagt. Und so hat sie mich konserviert, ein Trick des Renarts würdig: ewig unschuldig zu sein und gleichzeitig erzsündig. Mein Schicksal wird wohl wahrlich grauenhaft sein, nicht wahr?"

Die Normannin sah kein Verzagen im Antlitz der kleinen Vampirin, sondern Bereitschaft das wütende Geschick zu erdulden wie ein Held des nordischen Erzählkreises im Angesicht von Odins unweigerlichen Verrates am Ende des Lebens.
Einzig ein unausgesprochenes "so wahrlich grauenhaft wie Euer Schicksal" war für die mit der Gabe Geschlagenen in den fiebrigen großen Augen zu lesen.
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Re: Vater, Mutter, Kind [Gaius, Seinfreda, Angelique]

Beitrag von La Vedova » Fr 28. Okt 2016, 11:08

Fasziniert betrachtete Seinfreda das Wesen in Kindsgestalt vor sich. Als diese von Lavendelmeeren sprach, griff sie ein wenig gedankenverloren in eine Rocktasche und zerbröselte die zuletzt gesammelten Lavendelsamen zwischen den Fingern. Lavendelmeere…

Ein grauenvolles Schicksal? Hatten sie das nicht alle vor sich? Betreten begegnete dem fiebrigen Blick Angeliques, hing einem Gedanken nach und antwortete dann aber, als wolle sie von diesem Thema ablenken.
„Eure Herrin war…gewitzt“, bemerkte sie zu den Konservierungsversuchen. War das leises Amüsement in ihrer Stimme? „ Und die Gabe lässt sich tatsächlich derartig austricksen? Wie spannend…Ist es demnach diese Gabe, die Eure Linie sucht und trägt und erbt?“ als sie letzteres Fragte, wurde ihre Miene etwas finsterer, als wäre ein ungeliebter Gedanke in dem Meer ihrer Erinnerungen an die Oberfläche getrieben worden.

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