Rosenknospe [Matteo]

[Oktober '16]

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Caterina
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Re: Rosenknospe [Matteo]

Beitrag von Caterina » So 9. Okt 2016, 00:29

Froh darum, dass ihr die peinliche Situation des Herumstreifens erspart blieb lächelte die Toreador das hübsche Mädchen an: „Buonanotte, ich würde mich gern frisch machen.“ Dann zeigte eine Handbewegung von Kopf bis Fuß, während die Frau fortfuhr: „So kann ich mich unmöglich dem Hausherrn zeigen.“
Caterina würde dem Mädchen folgen, wohin auch immer es huschte.

Draußen kam die schlacksige Gestalt Sandros in Sicht der Villa. Es missfiel dem Ghoul sichtlich sich in diesen seltsam leeren Straßen aufzuhalten.
Diese ganze Sache war absurd. Seine geliebte Herrin würde sich doch niemals einem fremden Mann hingeben. Sicher hatte sie etwas geplant.
Während er dem verhassten Hühnen immer näher kam, betrachtete der Mailänder die Villa.
Lächelnd dachte er bei sich, dass dies dann doch Caterinas Stil war und fragte sich unweigerlich, was die Schönheit vorhatte.

Einige Zeit später wurde die eisige Stille der zwei Ghoule vom fröhlichen Gehopse und Gesumme Lucas gebrochen. Im Gegensatz zu seiner Mama fand er es ganz dolle lustig in der Nacht durch die breiten Straßen zu spazieren.
Warum sich Barbara so fürchtete, das war dem kleinen Ghoul überhaupt nicht klar, in Wirklichkeit war ihm das auch vollkommen egal.
Die liebe Caterina hatte ihn eingeladen, sicher um was lustiges zu machen. Vielleicht ärgerten sie ja Michael wieder gemeinsam?
Der ist sowieso viel toller als der Papa. Der Papa, der kann überhaupt nicht kämpfen, nicht so wie der große Michael, der Luca vorgestern sogar sein echtes Schwert halten ließ. Das war vielleicht schwer.

Mit einem knappen „Buonanotte“ begrüßten sich die Erwachsenen. Lucas Haare wurden von beiden Männern leicht grob durchwuschelt, sodass der kleine Ghoul kicherte.
Ja, für den Jungen war alles noch ein Spiel.

Schließlich war auch deren Herrin im Inneren der Residenz fertig. Dank der vielen Utensilien und der Hilfe des Mädchens fühlte sich die Toreador fast neuwertig.
Heute begann wohl ein neuer Abschnitt in Genua. Nunja, schlimmer als die Audienz beim aufgeblasenen Kleriker konnte die folgende Vernehmung wohl nicht werden.
Sich innerlich Mut zusprechend ließ sich die Kainitin vom Mädchen zum Herrn des Hauses führen.
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Matteo
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Re: Rosenknospe [Matteo]

Beitrag von Matteo » So 9. Okt 2016, 14:30

"Das Mädchen wartete geduldig und würde auf Verlangen auch Caterina zur Hand gehen. Die jedoch schnell merken würde keine ausgebildete Zofe vor sich zu haben. Einmal, als ihr eine Bürste entglitt und zu Boden fiel, fluchte sie sogar auf eine Art und Weise die empfindlicheren Gemütern die Schamesröte ins Gesicht trieb.

Schließlich würde sie Caterina zu ihrem Herrn bringen. Dieser empfing sie in einem kleinen behaglichen Raum, der einen kleinen Kamin besaß. Dort glomm sogar ein kleines kontrolliertes Feuer. Matteo saß auf einem schweren mit Schnitzereien verzierten Stuhl hinter einem massiven Tisch, auf welchen Schreibutensilien zu finden waren.
Die vermeintliche Dienerin verneigte sich und verschwand, die Tür hinter Caterina schließend. Matteo, in seine üblichen dunklen Gewänder gehüllt deutete mit einer Geste seinem Mündel näherzutreten.
In einer dunklen Ecke des Raumes, neben einem leeren, schlichten Stuhl stand der bärtige Gherardo, gerüstet und wachsam.

Der Toreador hielt den Brief Macininianus' in der Rechten und sagte zunächst nichts, wartete.
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Re: Rosenknospe [Matteo]

Beitrag von Caterina » So 9. Okt 2016, 19:33

Das Mädchen amüsierte die Kainitin. Welch erquickendes Personal!
Ob wohl alle Angestellten des Grafen so waren?
Mit dem Blick auf Gherado schien sich diese Frage geklärt zu haben.
Nach einem kurzen Abendgruß schritt Caterina langsam in den Raum und beachtete die Umgebung beiläufig.
Vielmehr strebte sie auf den neuen Vormund zu und blieb in gebührendem Abstand stehen.

Als die Frau den Brief erblickte war sie froh, gestern noch hergeilt zu sein.
Caterina war sowieso schon eine Bittstellerin, wäre sie noch nach der Botschaft eingetroffen hätte dies ein noch erbärmlicheres Bild abgegeben.

Weder Überraschung noch Furcht spiegelten sich in den Gesichtszügen der Mailänderin. Ein leises Interesse, ja das bestand. Immerhin wusste die Frau nicht exakt, wie sie sich geschlagen hatte. Der Seneschall tobte ja schon nach einigen Worten. Es kam Caterina gar nicht in den Sinn, dass sie alles falsch gemacht haben konnte.

„Der werte Seneschall ließ keine Zeit verstreichen.“, die Worte klangen wie eine Bestätigung.
Caterina war wieder sie selbst, ihre Fassung war wieder erlangt.
Mit klarem Kopf konnte sich die Mailänderin nun diesem Gespräch widmen.
Doch wie beginnen? Als das Mündel darüber nachdachte, runzelte sich die Stirn. Schließlich fragte sie: „Was wünscht ihr von mir?“
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Re: Rosenknospe [Matteo]

Beitrag von Matteo » So 9. Okt 2016, 22:57

Mitnichten. Gherardo stand zwar still und gehorsam da, die dunklen Augen des bärtigen Söldner jedoch zogen die Toreador förmlich mit Blicken aus. Etwas das Matteo zwar registrierte und auch nicht unbedingt begrüßte, aber die Natur des Söldlings würde sich wohl nicht mehr ändern.

Matteo legte den Brief beiseite und deutete Gherardo den Stuhl neben Caterina zu stellen. Dann sagte der Hausherr freudlos lächelnd:


"Setzt euch Caterina. Ich schätze es ist mein Wunsch, dass Ihr weiterexistiert, sonst hätte ich mich nicht darauf eingelassen."Er seufzt vornehmlich und sah sie dann abwartend an. "Nun als erstes erzählt mir von Euch, wer Ihr wart. Warum Euer Erzeuger, Totto nicht wahr, euch erwählte und in welchem Jahr ihr den Kuss erhieltet."

Diese Dinge, sehr grundlegende, schienen für Matteo von außerordentlicher Bedeutung zu sein. Er würde geduldig zuhören, für einen Aristokraten erwies er sich als guter Zuhörer.
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Re: Rosenknospe [Matteo]

Beitrag von Caterina » Mo 10. Okt 2016, 00:54

Die gierigen Blicke des Ghoules waren nichts Ungewöhnliches für die Toreador. Normalerweise wäre Caterina darauf eingegangen, doch schien ihr das hier mehr als unangebracht. Schade, es wäre interessant, wie Blut eines solchen Wurms schmeckte. Ausnahmsweise taten ihre Wünsche einmal nichts zur Sache. Die Mailänderin existierte zu gern.

Elegant setzte sich die Frau schließlich. Wie gewöhnlich in Gesellschaft war die Haltung zwar aufrecht aber nicht steif. Die Hände wurden nicht züchtig gefaltet im Schoß niedergelegt, sondern ruhten fast parallel auf den Oberschenkeln.

„So beginne ich wohl bei meiner Geburt.“, das folgende Lachen war herzlich und angenehm tief tönend.
„Ich wurde als einzige Tochter des großen mailändischen Fabers Alfredo Carlucci geboren.“, begann die Frau voller Stolz zu erzählen.
Ihre Augen glänzten, als sie Erinnerungen preisgab: „Da ich ein Schmuckstück ohne Gleichen war, wurde ich auch so behandelt. Immerhin sollte das Haus Carlucci noch ruhmreicher werden.“
Bei den letzten Worten wurde die Mimik der Frau ernst.

Dann begann Caterina von der Kindheit und Jugend zu erzählen: „Als kostbares Gut und Aushängeschild meines Vaters wurde mir dementsprechend Bildung zuteil.
Als ich dann soweit war, wurden Bankette, Bälle und sonstigen gesellschaftliche Ereignisse zu meiner Heimat und die gewünschten Verehrer ließen nicht lange auf sich warten.“

Kurz lächelte die Toreador in Gedanken, dann fuhr sie mit wieder ernsten Miene fort: „Schließlich wurde ich dem reichen Händler Tebalducci zur Frau gegeben.“
Caterina verschwieg, dass es ein alter, geifernder Sack war. Zu sehr ärgerte sie diese Begebenheit noch immer.
Stattdessen kam sie auf andere Delikatessen des damaligen Lebens zu sprechen: „ Leider hatte der Herr Tebalducci Freude an schmerzhaften Praktiken während des Beischlafs. Was mich junges Ding dazu trieb mir Erleichterungen und ausgleichende Amüsements zu suchen.“

Ohne Details zu nennen folgten auch sofort die weiteren Erklärungen: „Nunja, was soll ich sagen? Mein Wissen über den menschlichen Körper und dessen Funktionen wuchsen schnell.
Und wie ihr euch denken könnt, erfreute dies nicht nur meinen Ehemann“
Ein Augenzwinkern begleitete den letzten Satz. Matteo konnte sich wohl zusammenreimen, was unausgesprochen blieb.

„Leider hatte mein etwas ins Alter gekommene Ehemann ein schwaches Herz. Er verstab viel zu früh.“, gekünsteltes Bedauern wurde nur halbherzig gespielt.
Der Graf konnte ein schelmisches Grinsen erhaschen.
Dass ein nettes Giftsüppchen Caterinas dem gierigen Händler den Gar aus machte, nunja, das musste Matteo nicht schon heute erfahren.

„Zum Glück trat schon kurz vorher mein Erzeuger Totto in mein Leben.“, ehrliche Worte über ihren Meister. Doch wie sollte die Geschichte nun weitererzählt werden?
War es angebracht, von den vielen Folterungen zu sprechen? Würde Matteo die Schönheit von gequälten Seelen erkennen können?
Caterina entschied sich gegen diese Offenbarung, wurde sie des öfteren davor gewarnt, damals, vor dem Alptraum.

Als die Mailänderin bemerkte, dass sie zu lange nachgedacht hatte, entschuldigte sie sich und fuhr dann fort: „Wir waren uns gegenseitig bei einem seiner Besuche in Mailand aufgefallen. Er ließ sich von mir umgarnen und stellte mit Vergnügen fest, wie ich versuchte, ihm meinen Willen subtil aufzudrängen. Auch von ihm bekam ich natürlich Geschenke, doch waren diese das erste Mal nicht materiell.
Kein Gold glänzte als er mich die ersten Gebote seines Weges lehrte. Auch keine feinen Stoffe glitten durch die Finger, während sich mir die Schönheit der Sünde immer mehr offenbarte.“
Die letzten Worte waren immer leiser geworden, immer sehnsüchtiger und schließlich in Erinnerungen gefangen.

Kurz wurden die Augen geschlossen. Mit einem seeligen Lächeln machte Caterina einen tiefen Atemzug. Danach sah sie ihr Gegenüber wieder an und erzählte weiter:
„Als sich mein Meister schließlich sicher war, bot er mir das größte Geschenk an. Er nahm mich mit nach Rapallo und küsste mich, wie es kein sterblicher Mann vermag“
Ein Seufzer entrang sich der rosigen Kehle, danach nahm das Gesicht wieder einen konzentrierten Zug an. Noch immer in der schönen Vergangenheit ergänzte die Toreador: „Das war vor 3 Jahren. Fast genau 3 Jahren.“

Von einem Moment auf den anderen war die Frau schließlich wieder in der Gegenwart. Die Erzählung wurde wieder sachlich: „Bis zur Nacht des Wahnsinns, der mich nach Genua trieb, durfte ich von Totto lernen. Ich lernte die Schönheit in ihrer Volkommenheit zu erkennen. Ebenso half er mir zu verstehen, was es bedeutet, die Fesseln der Sterblichkeit hinter sich zu lassen.“

Während der letzten Sätze war eine Locke zwischen Caterinas Finger gewandert, welche nun gedreht und gezwirbelt wurde. Kurz schien es, als würde sich die Frau nur darauf konzentrieren. Doch ein paar Sekunden später schnurrte die Mailänderin fast, als die Erzählung fortgesetzt wurde: „Schließlich durfte ich Informationen und Gefallen auf delikate Weise einholen. Auch wurden meine Augen und Sinne für Kunststücke wohl eingesetzt.“
Die Brust vor Stolz herausgereckt wurde nun auch von der Locke abgelassen. Schelmisch grinsend erklärte Caterina weiter: „Keine Kopie eines Kunstwerks ging unerkannt durch meine Prüfung. Auch entdeckten meine Augen jeglichen Fehler der Nachlässigkeit.
Es ist doch wahrhaftig grausam, was sich so mancher Möchtegern getraut zu schaffen und auch noch Geld dafür zu verlangen“

Angewidert schüttelte sich die Frau kurz, bevor sie wieder nachdachte.
Was fehlte noch? Die Fragen Matteos gingen noch einmal durch den hübschen Kopf.
Nein, sie schien vorerst alles beantwortet zu haben.
Zufrieden mit sich selbst stellte sie dem Grafen die selbe Frage: „Sagt, habe ich etwas vergessen?“
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Re: Rosenknospe [Matteo]

Beitrag von Matteo » Mo 10. Okt 2016, 10:01

Ihre Worte, ihre Erscheinung und Gebaren, all dies fand Matteos Wohlgefallen, auch wenn ein wenig Schliff noch fehlte. Aber Caterina war noch jung, so jung... Um so bedauerlicher, auf welchen Weg dieser Totto sie geführt hatte, einen Weg der irgendwann dazu führen würde, dass sich die liebliche Rose an ihr Tier verlor.
Doch noch war nicht aller Tage Abend, vielleicht würde Caterina in fünfzig oder hundert Jahren diese Phase hinter sich lassen. Viel wusste Matteo selbst aber nicht über den Weg der Sünde.


"Euer Weg durch die Nacht preist die Schönheit der Sünde? Erzählt mir davon, der Weg den unsereins wählt ist von höhster Bedeutung."

Sonst schien Matteo vollauf zufrieden, lediglich als Caterina vom dahinscheiden Ihres Ehemanns sprach und ihr geheucheltes Bedauern kaum verschleierte, hob sich eine Braue und der Toreador lächelte hintersinnig. Informationen auf delikate Weise einholen? Sein Lächeln wurde eine Spur breiter, so war das also.

Einen Augenblick lang drohte Matteo sich im Anblick des hübschen Gesichtes, ihrem Spiel mit den dunklen Locken, zu verlieren...


Selbstbeherrschung: [dice seed=40853 secure=28cdb10f_0]4d10[/dice]

Als er sich wieder gefangen hatte deutete Matteo kurz auf den vor Ihm liegenden Brief ud sah Caterina mit einem Hauch von Mitleid an. Es war schwer den geliebten Erzeuger zu verlieren, er wusste das aus eigener Erfahrung.

"An was könnt Ihr euch erinnern? Was war auffällig und warum sprecht Ihr von Wahnsinn in Rapallo? Habt Ihr gespürt als Totto vernichtet wurde?"
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Re: Rosenknospe [Matteo]

Beitrag von Caterina » Mo 10. Okt 2016, 16:28

„Euer Weg durch die Nacht preist die Schönheit der Sünde? Erzählt mir davon, der Weg den unsereins wählt ist von höhster Bedeutung."
Während die Worte des Mannes nachhallten studierte Caterina ihn aufmerksam. Matteo schien ehrlich interessiert. Seine Haltung zu diesem Weg blieb der Frau jedoch verborgen, was die Mailänderin zusätzlich irritierte.
Die Toreador, welche bisher den Weg der Kainitin kreuzten waren emotionaler. Normalerweise war es nicht schwer ihre Körperhaltung und Mimik zu entziffern, zumindest nicht für Caterina.

Immerhin schien er nicht verärgert. Oder überspielte der Adlige dies nur?
Hier tat sich ein interessantes Rätsel auf.
„Es ist schwer zu erklären, doch sind die nächtlichen Kinder der Nacht wohl am ehesten fähig, die Vollkommenheit der Sünde zu verstehen.“, um der richtigen Worte ringend begann Caterina zu erklären.

Charisma + Vortrag (3)
@Caterina rolled 18. (6 + 10 + 2 = 18)

Da fiel der Sünderin ein gutes Beispiel ein. Schelmisch lächelnd war die Beschreibung leicht melodisch gesprochen: „Nehmen wir eine Rosenknospe. Ihre Schönheit lässt sich erst erahnen.“
Die rechte Hand der Frau formte eine Knospe, die wachen Augen schienen sich völlig darauf zu konzentrieren, während die Worte weiterhin mit solcher Betonung gesprochen wurden, dass der Gesang zu erahnen war: „Darf sich die Pflanze jene Nahrung nehmen, die sie möchte und wachsen wie ihr der Sinn steht, entwickelt sie die wunderbarste Blüte.
Muss sie sich jedoch an das halten, was ihr vorgesetzt wird und muss die Scherze zu oft erdulden, so ist das Ergebnis im schlimmsten Fall verkümmert.“

Mit dem Ende der Erklärung blickte Caterina ihren Blutsbruder erwartungsvoll an.
Ob er diese Metapher verstand?
Schließlich widmete sie sich dem unangenehmen Teil.

Rapallo, nicht nur die Männer wollten wissen, was geschehen war. Caterina selbst hatte des öfteren alles revue passieren lassen.
Doch auch nach nunmehr mehreren Wochen wollte sich keinerlei Erinnerung einstellen.
Frustriert seufzte die Toreador, schließlich begann sie alles aufzuzählen, was ihr einfiel. Wie auch bei der gestrigen Audienz gestand die Frau ihr Versagen ein, denn etwas anderes konnte es nicht sein:
„Meinem Meister und mir mussten durch die eigenen Anliegen die Vorzeichen entgangen sein.
Ich sah keinerlei Anzeichen und auch Totto wirkte normal.“

Die Mimik wurde betrübt, bevor der ernst gewordene Ton wieder erklang: „Dann kam die Nacht des Wahnsinns.
Einerseits weil meine Erinnerung wie weggefegt zu sein scheint, andererseits, weil selbst meinem erfahrenen Kämpfer die Blässe ins Gesicht steigt, wenn er davon erzählen soll.
Michael“
Stirnrunzelnd unterbrach sich Caterina.
Erst jetzt wurde sie gewahr, dass sie ja allein in diesem Raum war.

„Der Ghoul, den ihr gestern an meiner Seite saht, kämpfte uns aus Rapallo raus.
Doch ist er seither anders und redet nur unter Zwang darüber.
Mir selbst bleiben nur Fetzen übrig: Der Krieger, der sich erhobenen Schwert auf mich stürzt, manche rauhen Schreie kann ich ebenfalls hören.
Ansonsten ist es schwarz. Erst die Nacht darauf war ich wieder bei Bewusstsein.“, leise knurrend wurden diese Erinnerung preisgegeben.
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Re: Rosenknospe [Matteo]

Beitrag von Matteo » Mo 10. Okt 2016, 23:07

Sich zurücklehnend lauschte Matteo ihren Ausführungen, unterbrach Caterina nicht ein mal. Seine Emotionen hatte er in der Tat gut unter Kontrolle, aber das ging wohl mit dem Weg dem Matteo folgte einher.
Ihre Allegorie mit der Rosenknospe, mit frei wachsenden Pflanze, musste er schmunzeln und sich zusammennehmen nicht seinerseits zu kontern. Rosen mussten ab und an beschnitten und gestutzt werden um ihre volle Pracht zu entfalten... Aber er verstand.

Auch der Geschichte um Rapallo, Totto und ihrer Flucht hörte Matteo zunächst schweigend zu, stellte nur zum Abschluss fest:
"Mit eurem Ghul werde ich noch reden müssen. Seid Ihr euch seiner sicher? Spricht er die Wahrheit oder verbirgt er etwas vor euch?"

Ihre Antwort zunächst abwarten wandte sich Matteo dann einem schwerwiegenderem Thema zu, dabei sah er Caterina bedeutungsschwer in die Augen.

"Nun, da Ihr mein Mündel seid, solltet Ihr eure Sünden im verborgenen ausleben so ihr sie nicht unterdrücken könnt. Blamiert mich vor den Kainiten Genuas und ich werde euch dafür bestrafen. Brecht Ihr eine unserer von Kain gegebenen Traditionen, so wird es mich treffen. Vermutlich werde ich hart bestraft und verliere mein Gesicht, ihr aber würdet den endgültigen Tod finden. Durch meine Hand falls nötig. Falls euch die Traditionen nicht geläufig sind werde ich sie euch erläutern.
Des weiteren gibt es ein paar Regeln auf welche ich bestehe solange Ihr mein Mündel seid. Erstens: Behandelt mich mit Respekt und stellt mich nicht vor anderen infrage, wenn ihr zweifelt dann fragt wenn wir allein sind. Zweitens: Verhaltet euch stets angemessen und würdevoll. Und Drittens: Ihr jagt solange ich für euch verantwortlich bin keine Kinder, sie sind tabu."


Sicher würden im Laufe der Zeit weitere Regeln hinzukommen, aber zunächst waren diese sehr wichtig und Matteo achtete genau darauf ob Caterina bei bestimmten Regeln besonderen Widerwillen zeigte. Dann sagte er noch recht überraschend: "Wenn es etwas gibt, dass Ihr über mich wissen möchtet, so fragt. Und wenn Ihr Glück habt bekommt Ihr sogar eine Antwort."
Nur ein feines, seine Lippen umspielendes Lächeln zeugte davon, dass Matteo durchaus so etwas wie Humor besaß.
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Re: Rosenknospe [Matteo]

Beitrag von Caterina » Di 11. Okt 2016, 01:00

Konnte die Frau Michael trauen? Sie konnte den Wurm noch nie leiden, doch war er bis auf seine Frechheiten immer loyal. Zumindest seinem wahren Herrn gegenüber.
„Nein, ich weiß es nicht.“, begann Caterina daher. Sofort folgte die Erklärung dazu: „Michael verhielt sich immer loyal, doch trank er einige Jahrzehnte die Vitae meines Meisters.
Erst seit dem Überfall besteht eine Bindung zu mir.“

Einige Momente verstrichen, als die Toreador nachdachte: „Der Kämpfer ist keinesfalls dumm und es ist ihm wohl bewusst, welche Chancen ein Ghoul ohne seinen Herrn hat. Doch werde ich mich nicht für ihn verbürgen.“

Etwas milder kamen die letzen Einschätzungen über die Lippen der Mailänderin: „Wenn ich mir noch eine Bemerkung dazu erlauben darf?
Mein Meister vertraute voll und ganz auf ihn. Auch wenn Michael ein störrischer alter Mann ist, so erfüllte er seine Pflichten immer ordentlich.“

Wenig Zeit, in der Matteo das Gesagte anscheinend verarbeitete, verstrich ehe die wunderbar grünen Augen ihren Blick fesselten.
Den folgenden Worten folgte das Mündel jedoch konzentriert, bis Matteo schließlich endete und das feine, unscheinbare Lächeln erblicken lies.
Welch bezaubernde Geste, erst recht für einen Adeligen!

Schließlich besann sich Caterina wieder und erklärte ernst: „Wie ich schon sagte, bin ich für eure zuvorkommenden und existenz rettende Hilfe überaus froh. Nicht im Traum würde es mir einfallen, euch in Verlegenheit zu bringen.
Ich versuche mein bestes bezüglich meiner Sünden.“
Ein schelmisches Lächeln, das quasi von Ohr zu Ohr ging breitete sich auf dem hübschen Gesicht aus, während sie ein Angebot machte: „Wenn ihr es wünscht, sollen sie natürlich etwas anderes als euer Schaden sein.“
Matteo kannte die Geschichte der Toreador und seiner weiblichen Mitglieder, er würde verstehen.

„Die sechs Regeln des Kains beherrsche ich und ich hatte nie vor eine davon zu brechen. Sind sie doch einleuchtend“, verteidigte sich die Mailänderin schließlich.
„Wie eure Regeln“, begann der nächste Satz, bevor Caterina zögerte.
Die Toreador tat es nicht gerne, doch schien es vernünftiger, Luca sofort anzusprechen.
"Unter meinem kleinen Gefolge ist ein Junge von nun 7 Jahren. Seine Mutter ist ebenfalls gebunden, doch nicht so stark wie ihr Sohn.
Ich werde mich natürlich ab so fort an eure Regeln halten, doch für ihn wäre es eine grausame Qual, ihm die Vitae zu entziehen. Auch da ich seine Familie unterstütze.", gestand die Frau, während sie Matteo genau beobachtete.

Die folgenden Reaktionen des neuen Vormunds würde sie über sich ergehen lassen. Ändern konnten nun beide nichts mehr daran. Caterina wollte das auch gar nicht, doch dass musste man dem Grafen nicht unter die Nase binden.
Ganz zum Schluß bat sie sich aus, die Fragen über Matteo aufzusparen. Im Moment wären die Fragen töricht.
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Re: Rosenknospe [Matteo]

Beitrag von Matteo » Di 11. Okt 2016, 23:12

Was Matteo über diese Ghul Michael hörte schien ihm zu gefallen, ein loyaler Gefolgsmann der das Kind seines Herrn über dessen Tod hinaus beschützte. Was jedoch den Jungen betraf...

"Der junge darf gern in eurem Gefolge bleiben, mir geht es darum, dass Ihr euch so lange Ihr mein Mündel seid nicht von ihm nährt und ihn auch nicht über Gebühr misshandelt. Lasst ihn wachsen, lasst ihn reifen."


Ihr Grinsen, als sie von Sünden sprach die ihm von Nutzen sein konnten, fand weder Zustimmung noch Ablehnung, zumindest keine offensichtliche.

"Soweit mir euer sündiges Treiben keinen Schaden zufügt und ihr es im Geheimen tut, soll es mich nicht stören. Und ich denke wir werden auch passende Möglichkeiten finden eure Talente und Neigungen zu nutzen, für euch wie für mich."

Ein Nicken bestätigte, dass Matteo durchaus gewillt war Caterina auch zu einem späteren Zeitpunkt zu beantworten. Dann jedoch sah er sein Mündel an und legte nachdenklich einen Finger an sein Kinn. Schließlich sprach der Toreador:

"Eure Diener werden ebenfalls hier Ihr Quartier finden, genau wie Ihr. Wenn Ihr etwas benötigt oder es Euch nach etwas bestimmten verlangt, werdet Ihr es, innerhalb vernünftiger Grenzen, erhalten.
Bald schon werden wir eine passende erste Aufgabe für euch finden. Solltet Ihr sie zu meiner Zufriedenheit erfüllen werdet Ihr eine Belohnung erhalten. Etwas von dem ich glaube, dass es euc viel Freude bereiten würde Caterina."
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