Blutgetränkte Nacht

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Amalia
Salubri
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Blutgetränkte Nacht

Beitrag von Amalia » Di 12. Dez 2017, 08:38

Allein in der Dunkelheit

Schwärze. Vollständige Schwärze umgab die Zweigesichtige. Nie enden wollende Dunkelheit herrschte für diesen Moment der Unendlichkeit. Agonie und Pein gebarden ein wundervolles Lied, den süßen Klang der Verzweiflung tragend. Als Amalia ihr saphirblaues Auge öffnete rann eine sanguine Träne ihre Wange herab, so berührt war sie von der Magie und der Schönheit dieses Momentums. Das warme Blut floss sanft ihre Hand hinab, umspielte die Finger wie ein Liebhaber, welcher nach Äonen der Einsamkeit wieder zu seiner Liebsten fand. Der Sänger dieser wundervollen Ode, war ein Soldat genuesischer Herkunft gewesen. Entkommen aus Heerlager der Mailänder, hatten ihn seine Füße zu jenem blasphemischen Orte getragen, an welchem das Ungesicht sich zurückzog, um seine unheilige Zeremonie abzuhalten. Die Angst floss noch aus seinen kalten, starren Augen. Jene Angst die er verspürte, als er ihren nackten, entstellten Leib erblickte. Jene Angst, welche wuchs mit jedem Schritt den die Bestie tat – Näher, immer näher, bis jede Hoffnung verloren war und er bettelnd auf die Knie sank.

Seine Schreie verstummten und als seine letzten Tränen im Boden versanken und das Leben röchelnd aus seinem Leibe wich, beugte sich Amalia zu ihm und küsste seine Stirn „Ich danke dir, für diesen magischen Moment.“ Sagte sie auf Albanisch, noch immer die blutige Spur an der Wange. Sie löste ihre Berührung und der leblose Leib sank zu Boden. Amalias Blick haftete noch für einige Minuten an den Malen der Strafe ehe sie selbst zu Boden glitt. Der Griff zum Messer erfolgte im Trance die Augen wieder geschlossen und alleine in der Finsternis der blutgetränkten Nacht. Sie hatte viele Leben beendet und jedes wurde genommen für die Große Mutter. So kniete sie, versunken in ihrem stillen Gebet. Zu wahrhaftig um es Worte zu fassen. Zu heilig um es auszusprechen. So kniete sie und als die Minuten verstrichen und zur Unendlichkeit wurden, setzte sie den kalten Stahl an ihre Brust. Weiterhin gehüllt in der Schwärze öffnete sie Augen erst als die ersten Schnitte ihr Fleisch zierten. Immer wieder setzte sie die Klinge an – Schnitt für Schnitt, Narbe für Narbe – Die Sünderin musste es tun, wollte es tun. Mehr Blut für die Große Mutter – Ihr Blut für die Große Mutter. Sie spürte wie das Blut durch ihren Körper pumpte – ein berauschendes Gefühl. Einfache Schnitte reichten nicht. Einfache Schnitte wären eine Beleidigung für die Großartig und die Heiligkeit der Großen Mutter. Amalia lächelte euphorisch, als sie spürte, wie ihr eigenes Blut ihre Brust hinabfloss. Als Amalia ihre Ritual beendet hatte sank sie komplett zu Boden und betete. So verharrte sie – betend und blutverschmiert doch mit einem Lächeln auf den Lippen, welches pure Glückseligkeit versprach. Als sie sich wieder erhob heilte sie ihre Wunden und betrachtete die Narben – Wundervoll, pure Eleganz und Schönheit.

Lächelnd zog sie sich wieder ihre Rüstung an und verstaute das Messer. Den Toten lies sie achtlos zurück, was kümmerte sie schon das unwerte Schicksal eines Mannes, welcher sie bei der Heiligsten aller Zeremonien störte? Die ungleiche Schönheit begab sich nun zurück zum Heerlager. Ihr blieb nicht mehr viel Zeit um sich vorzubereiten, denn bald schon würde sie ihren Treueschwur ablegen … und zwei neue Narben würden ihren Körper zieren.
"Ich kann deine Angst fühlen Mensch. Sie ist spürbar gegenwärtig. Ich kann mit den Fingern darüberstreichen und ihr krankes Aroma schmecken. Ist dieses Entsetzen Nährboden für Hass, dann lass mich daran laben und dich dabei völlig auslöschen."