Feindschaft verbindet [Fluff; Brimir, Sousanna]

Fluff und Briefe

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Sousanna
Ravnos
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Feindschaft verbindet [Fluff; Brimir, Sousanna]

Beitrag von Sousanna » So 29. Okt 2017, 12:37

Wer kam auf die Idee diese Mission ins Leben zu rufen? Nein. Wer kam auf die Idee sie mit gemeinsam mit ihm loszuschicken, um diese Mission zu einem Ende zu führen? Man konnte ihr nicht trauen. Nicht einmal Acacias Wort vermochte Brimirs Meinung diesbezüglich ändern: Ravnos waren keine Geschöpfe der Nacht, die so etwas wie Vertrauen verdienten. Und doch waren sie nun hier: Sousanna und er. Alleine. Was würde sie davon abhalten sich von dem Plan zu verabschieden sobald sie hatten, was sie brauchten?

Wieso zur Hölle hatten sie nicht einen der anderen Krieger nehmen können? Warum war es dieser eine Hund, der am besten schnüffeln konnte? Der eine, der sich in ihrer persönlichen Rangliste der unbeliebtesten Kinder der Nacht den ersten Platz mit dem Seneschall teilte. Nichts und zwar gar nichts hielt ihn davon ab, sie im Feindeslager allein zu lassen, nachdem sie ihren Teil der Aufgabe erfüllt hatte. Sousanna war sich sicher, dass er es mit Freuden getan hätte, würde er nicht fürchten, dass sie dem Feind einfach alles erzählen würde, um sich selbst zu retten. Bei dem Gedanken verzog sich das schöne Gesicht zu einer frustrierten Grimasse. Manchmal konnte ein schlechter Ruf einem doch nützlich sein. Dennoch trat die Ravnos ungewöhnlich blass vor den Nordmann und schenkte ihm ein respektvolles Nicken. Ihr war nicht nach großen Reden. Zu sehr schlug ihr das tote Herz bis zur Brust und zu heftig schnürte ihr die Furcht vor dem Scheitern dieser Mission die Kehle zu.

Der Nordmann hingegen malte sich ein Gemetzel aus, für den Fall, dass die Ravnos ihn betrügen würde. Erst wäre die Karawane dran, die Ziel ihres gemeinsamen Auftrags war und im Anschluss würde er mit Vergnügen seine Fänge in ihren Körper vergraben. Und die Gedanken sah man seinem grimmigen Nicken zur Begrüßung an. “Also… Acacia sagte, dass du mich da rein bringen kannst. Lass uns keine Zeit vergeuden… … und… wehe du denkst auch nur daran mich zu hintergehen.”

Ihr Blick war nicht weniger grimmig. Überraschend eigentlich, dass die dunklen Rehaugen, die er bisher fast immer nur in purer Unschuld hatte schimmern sehen, zu einem so düsteren Ausdruck fähig waren. Auch hatte ihre warme Stimme jede Wärme verloren. Alles, was Sousanna noch an Charme versprühte, war eine dunkle, kalte Ausstrahlte, die vielleicht etwas mehr an das Raubtier erinnerte, das wohl doch tief in ihrem Innern schlummerte. “Ich hab nicht vor, dich zu hintergehen. Dummheit ist nicht die unseren Clan auszeichnende Fähigkeit.”, erwiderte sie dunkel und verzog das Gesicht. “Ich bin aufgeschmissen ohne dich und du ohne mich… und ja, wir haben nicht viel Zeit. Deswegen sag ich das nur einmal: Damit das klappt, musst du tun, was ich sage. Sonst kann ich dich nicht schützen.” In einem anderen Moment hätte sie es genossen, dem Nordmann diesen Umstand unter die Nase zu reiben. Doch heute war die Lage zu ernst. Heute stand für dumme Spielereien zu viel auf dem Blick. Das sagten die ernsten Blicke und das Fehlen jeder Freude in ihrer Stimme.

Brimir nickte nur angeekelt bei ihrer Anweisung ihren Worten zu folgen. “Ich geb dir gleich ‘Machen, was du sagst’. Ich mach das was ich für Richtig halte. Also sollte dein Plan lieber gut durchdacht sein und mich überzeugen.”

Man hätte meinen können, dass die kleine, zierliche Frau vor dem Gangrel tatsächlich darüber nachdachte, ihn zu treten. Ihre Augen blitzten wütend, doch sie zwang sich offensichtlich dazu ruhig zu erklären: “Ich werde dich und mich als Wachen tarnen. Damit die uns nicht dazwischen funken, schaltest du sie aus. Dann kannst du auf die Suche nach dieser … Botschaft oder was auch immer ... gehen.” Hier hob sich ihr Finger und noch mehr Ernst trat in ihren Blick. “Aber du musst dich so bewegen wie es abgesprochen ist. Ich lege nur das Bild der Wache über dich, wie einen Schleier. Deswegen müssen wir uns auf eine Bewegung einigen und du musst dich unbedingt daran halten. Sonst hat die Figur plötzlich zwei Köpfe und wir fliegen auf.”

Die Augen des Nordmannes hoben sich spöttisch. DAS war der Plan? Sich bewegen, wie sie das sagte? Und dann? Sich bewegen wie eine Marionette? Das konnte die Ravnos nicht ernst meinen. Brimir schnaubte abfällig. “Das ist ja ein… … toller Plan.” Der Nordmann schüttelte den Kopf. Widerwille stand in seinen Augen geschrieben. “... … wenn wir auffliegen war deine Tarnung nicht gut genug. Das sollte sie besser sein, wenn du mithalten willst. Ansonsten schleiche ich mich alleine da rein.”

Sie rollte die Augen. Bei den großen Rehaugen eine durchaus eindrucksvolle Geste. “Oh, du willst das alleine schaffen?”, zischte Sousanna und wirkte sehr entnervt. Was mussten dieses Gangrel immer stur sein wie die Esel? Vielleicht sollte sie ihm eine Karotte anbieten. “Mich zieht es nicht ins Feindeslager und dein Leben zu beschützen ist nun wirklich nicht mein größter Traum. Also wenn du willst, dann tu es allein. Ich verlang nicht viel von dir. Nur dass du keine Bewegung machst, die wir nicht abgesprochen haben - es sei denn es würde dich in Gefahr bringen. Solange das funktioniert bemerkt niemand unsere Anwesenheit.”

Brimir knurrte leise, um niemanden auf sich aufmerksam zu machen und dennoch bedrohlich zu wirken. “Wir werden sehen.” kam es mehr als widerwillig. Wäre nicht Acacia gewesen, Brimir würde in das Lager stürmen und die Mission alleine vollenden. “Fang schon an… wir vertrödeln nur unsere Zeit.”

Na bitte, es ging doch. Kaum diskutierte man Stunden schon nahm der Hund Vernunft an. Vielleicht hätte Sousanna etwas Schnippisches erwidert, doch ihr Respekt vor dem Krieger war doch zu groß. So nickte sie nur zu den sacht flackernden Punkten in der Dunkelheit hinüber. “Dir gebührt die Ehre unser heutiges Aussehen auszusuchen.”, murmelte sie. “Sobald wir sicher sind, dass wir nicht plötzlich Doppelgänger kriegen, bin ich bereit.”

Na also. Es ging doch. Warum musste die Ravnos erst stundenlang diskutierten bevor es losgehen konnte? Der Nordmann schielte auf zwei Wachen am Feuer und war kurz davor die beiden nieder zu schlagen und… Spuren zu hinterlassen. Nein. Er war nicht so alt geworden, weil er dumm war. Brimir schloss die Augen und spitzte die Ohren. Dann deutete er Sousanna an ihm zu folgen. Kurz darauf fanden sie sich in einem Zelt wieder, in dem zwei Männer schliefen. Brimir deutete auf die Beiden und schwieg.

Sousanna war ihm brav gefolgt und nickte nun leicht. Dann war sie daran, die Augen zu schließen. Oh, hoffentlich erfuhr ihr lieber Blutsvater nie, dass sie im Angesicht eines Gangrel die Augen geschlossen hatte. Das hübsche Gesicht wurde stark konzentriert. Alles an ihr wurde zu einem einzigen Ding: Zu purem Willen. Und so wurde der Nordmann zu einer anderen Gestalt. Das Angesicht eines Wächters legte sich über ihn. Etwas größer zwar als es der wirkliche Mann gewesen war, - was musste Brimir auch so ein Monstrum sein? - doch es half nichts. “Also nur bewegen, wie wir es gesagt haben”, rief sie ihm zischend in Erinnerung. “Ich patrouilliere währenddessen.” Und damit war auch ihre Gestalt mit einem Mal die eines grobschlächtigen Wächters mit triefenden Augen. Fast augenblicklich begann sie sich auch zu bewegen. Die Konzentration für eine frei bewegende Gestalt hatte leider der Gangrel abbekommen.

Brimir seufzte und entblößte seine Fänge, was aber unter dem Bild des Wachmannes nicht zu sehen war. Dann drehte er sich herum, ohne auch nur auf den Kommentar der Ravnos zu reagieren. Schon jetzt war das erste Mal die Schulter des Nordmannes zu erkennen, doch noch bevor Sousanna irgendetwas sagen konnte, war Brimir aus dem Zelt getreten und machte sich auf das Lager zu erkunden. Dieses Papier, was sie suchten, in diesem Durcheinander zu finden war unmöglich. Und deshalb war Brimir hier. Sie wussten, dass Maximinanus jede seiner Nachrichten mit Blut vermengter Tinte schrieb. Und nun hatten sie die Hoffnung, dass sein Erzeuger ihm diese Eigenheit in die Wiege gelegt hatte. Doch dieser Mantel behinderte Brimir. Immer wieder erwischte er sich dabei, wie seine Instinkte ihn von den abgesprochenen Bewegungen ab brachten. Mal ruckte sein Kopf. Mal bewegte sich sein Arm. Und es dauerte. Wie sollte man unter all den Gerüchen etwas finden das so fein war, dass keine menschliche Nase aufnehmen konnte und selbst ein Kainit sie nur aus der Nähe riechen konnte?

Wieder ruckte der Kopf herum, als er die Fährte entdeckte. Bestimmt gingen seine Schritte auf einen Karren zu und die Augen fixierten eine Kiste. Brimir ging näher und näher. Und mit jedem Schritt war er sich sicherer das Ziel gefunden zu haben. Der Kopf ruckte wieder herum und er fand sich Auge in Auge mit einem Esel wieder. “Psssscchttt…” machte der Nordmann und dann folgte ein Schritt zurück. Noch einer. Und noch einer. Bis das Tier davon absah los zu iiiaaaahhhh’n. Aber das war nicht wichtig im Vergleich zu der einfachen Tatsache. Er hatte die Nachricht gefunden. Und ohne ihn wäre die Ravnos aufgeschmissen gewesen.

Schon beim ersten Patzer des Kriegers hätte Sousanna liebend gern geflucht, hätte sie nicht ihre stumpfsinnigen Runden unter der Tarnung des grobschlächtigen Wächters weiter drehen müssen. Es konnte doch nicht wahr sein. Man hatte ihr gesagt, dass die vom Clan des Tieres besonders geschickt waren - und dieses Exemplar schien ihr so absolut unbegabt, dass sie sich sicher war, dass er das mit purer Absicht machte. Immerhin konnte sie es in den meisten Fällen korrigieren, aber dennoch Sousannas Vorurteile gegenüber den Gangrel wuchsen in diesen aufreibenden Minuten. Er ließ sie schuften, verpatzte es und würde gewiss nicht einsehen, dass sie es war, die die Mission gerettet hatte.

Und dann lief er auch noch direkt in diesen Esel hinein. Es brauchte einiges an Selbstbeherrschung von Seiten der Byzantinerin, um sich nicht frustriert die Haare zu raufen. Gerade noch rechtzeitig, ließ sie die Chimäre ebenfalls zurückweichen. Sorgte dafür, dass dieser Hohlkopf nicht einfach aus seinem Mantel herauslief und alles versaute. Was glaubte der den, was der Esel getan hätte, wenn plötzlich ein vierbeiniges Monster vor ihm gestanden wäre?! Doch immerhin schafften sie es aus dem Lager heraus. Niemand hatte sie bemerkt, kein Esel hatte geplärrt und der Bluthund behauptete eine Spur gefunden zu haben. Wenigstens etwas. Solange er sich darin geschickter angestellt hatte, als er es bei einfachen Bewegungen getan hatte, hoffte sie, dass ihre Mühen sich gelohnt hatten. So oder so. Die Ravnos verließ das Lager als stumme Heldin.