Geschichten von Blut und Dunkelheit

Fluff und Briefe

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Amalia
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Geschichten von Blut und Dunkelheit

Beitrag von Amalia » Sa 7. Okt 2017, 22:31

Neue Augen für die Mutter

Albanien 980

Wut. Pure Wut durchströmte ihren Körper als sie die Nachricht vernahm. Sie war häufiger Ungestüm doch dieses Mal war ihr Tier am aufbegehren. Es wollte reißen, zerfetzten und gierte nach Blut. Die Ruhe die sie sonst stet‘s behielt wich nun den strömenden Wogen des Hasses. Das Ziel ihres Zornes kauerte wimmernd vor ihr in der Ecke und bettelte um Gnade. Würde Sofias zarte Hand nicht auf ihrer Schulter liegen, hätte Amalia den Mann ohne großes Überlegen in Stücke gerissen, dafür dass er es wagte, ihnen solche Botschaften überbrachte. „Kontrollojë veten Amalia. Nëna e madhe nuk ka vdekur në vendin e tij“ („Beherrsche dich Amalia. Der großen Mutter liegt nichts an seinem Tod“) hörte sie die sanfte Stimme der Obersten. Ein lieblicher Klang, welcher es alleinig schaffte sie zu besänftigen, aber ihr Blutdurst war geweckt und musste gestillt werden. Sie befanden sich im Keller von Sofias Anwesen, dem Hauptsitz des Kultes um die große Weltenmutter. Sofia erhob erneut die Stimme doch diesmal richtete sie sich an den Mann, welcher gerade seinen langen Freund verraten hatte. „Kjo ju nderon shumë, për të na tregoni. Jo të gjithë do të bëjë këtë dhe kjo na tregon se besimi juaj është me të vërtetë e fortë. Kthehu mbrapa me gruan tuaj, ne do të na këshillojë dhe Nënë e Madhe do të vendosë.“ („Es ehrt dich sehr, uns dies mit zu teilen. Nicht jeder würde dies tun und es zeigt uns, dass dein Glaube wahrlich stark ist. Kehre zurück zu deiner Frau, wir werden uns beraten und die Große Mutter wird entscheiden.“) Der Mann verneigte sich dankend und flüchtete mehr, als das er wirklich hinaus ging.

Lange herrschte Stille zwischen den beiden Frauen, welche nun alleine im Raum saßen ehe Sofia sanft über Amalias verbrannte Wange strich. „Motra gjykimi i nënës është e sigurt. Gjej njeriun dhe dënimin e tij në emrin e saj. Familja e tij të të sjell përsëri. Ne do të testojë ato dhe nëse nëna do të, ata do të jetojnë.“ („Schwester das Urteil der Mutter steht fest. Finde den Mann und strafe ihn in ihren Namen. Seine Familie bringst du zurück. Wir werden sie testen und wenn die Mutter so will, werden sie leben.“) Amalia blickte ihre Glaubensschwester an, ein durchdringender Blick, in welchem ein Feuer brannte. Ihr saphirblaues Auge war geweitet und voller Freude, während ihr Mundwinkel nach oben ging und ihr Gesicht zu einer grauenvollen Fratze wandelte. „Një nder Oh zë të madh. Nënë e Madhe na sjell mirësi dhe ata që nuk do të pranojë shkatërruar nga në zjarr të ndezur fort. Unë do të largohet menjëherë.“ („Eine Ehre, Oh große Stimme. Die große Mutter bringt uns Güte und jene die sie nicht annehmen werden von ihr im lodernden Feuer vernichtet. Ich werde sofort aufbrechen und die Verblendeten zurück in ihre liebevollen Arme bringen.“) Sofia nickte und Amalia erhob sich. Die Wut und der Wille den Befehl der Göttin zu befolgen beflügelten ihre Schritte. „Vrasës, Zemërin!“ rief sie mit energischer Stimme. Es dauerte keine Minute als die beiden Kampfhunde zu ihrer Herrin kamen und sie nach draußen begleiteten, wo sie schnell die Spuren der Flüchtigen fand. - Ein Mann, eine Frau, zwei Kinder. Wenn die Mutter ihnen hold ist, sind es Mädchen – dachte Amalia für sich und folgte den Spuren der Familie. Sie waren zwar vor dem Einbruch der Nacht geflohen, doch sie hatten zwei Kinder und eine Ausdauer, welche nicht ewig halten würde.

Nach ungefähr zwei Stunden kamen die Verfolger zu einem kleinen Gutshof in der Nähe, der Besitzer war der Mann, welcher ihnen von den Taten des Familienmannes berichtete. Er selbst hatte mit seiner Frau den Gutshof in der Nacht verlassen, da er um den Zorn wusste, welchen seine Botschaft heraufbeschwor. Die Ketten von Amalias Hunden klierten sanft im Wind, welcher an Stärke zunahm. Sie näherte sich der Tür und langsam erhob sich ihre Faust um zu klopfen.

BummBummBumm – Das Hämmern ihrer Faust an dem Holz der Tür mischte sich unter das Tösen des Windes. Schritte näherten sich der Tür welche sich einen Spalt weit öffnete. Mehr brauchte sie nicht und noch ehe der Mann handeln konnte hatte sie ihm die Tür entgegen getreten. Ein leichtes Knacken war zu hören und in der Kombination mit dem Blut, welches sich aus seiner Nase ergoss zeigte Amalia, dass sie seine Nase gebrochen hatte. Er blickte sie wütend an, doch als er sah, wen er vor sich hatte, wich der Zorn purer Angst. Seine Augen waren weit aufgerissen und seine Züge erstarrt. Amalia genoss seine Reaktion und die Angst in seinem Gesicht. Er war alleine, doch seine Familie konnte nicht weit sein. „Zoti na ndihmoftë.“ („Gott steh uns beit.“) stotterte der Mann als er die entstellte Fratze des Armes sah, welche sich ihn Schritt für Schritt und langsam wie ein tödlicher Schatten näherte. „Zot?“ („Gott?“) ertönte Amalias Stimme. Sie war ruhig – viel zu ruhig – Dann blickte Amalia nach oben gen Himmel, fast so als würde sie darauf warten, dass ein Blitz vom Himmel fährt und sie erschlägt, um den Mann vor ihr zu retten. Nach ein paar Minuten lächelte sie lauernd und blickte den Mann durchdringend an. Ihr Gesicht war dem seinen nun sehr nahe und er konnte sich in dem Weiß ihres blinden Auges spiegeln. Dann sagte sie kraftvoll: „Ai nuk do të kënaq. Askush nuk do të të dëgjojë. Nuk ka Perëndi - vetëm vdekje dhe dhimbje.“ („Er wird dich nicht hören. Niemand wird dich hören. Es gibt hier keinen Gott - nur den Tod und den Schmerz.“)

Schmerz – Etwas ähnliches fühlte sie gerade und als sie hinab blickte sah sie dessen Ursache. Der zitternde Arm des Mannes führte ein Messer, welches er ihr tief in den Magen gerammt hatte – Dummer Sterblicher – dachte sie, wäre sei kein Kinde Kains, hätte dieser Stich sie wahrscheinlich verletzt doch so, war es nicht mehr als ein weiteres Makel auf ihrer Haut. Sie lachte, ein kaltes und zermürbendes Lachen, als sie sein Handgelenk packte und ein weiteres Knacken zusammen mit einem Schrei den Griff an der Klinge löste. Sie stieß den Mann weg und mit Tränen der Verzweiflung musste er mit ansehen, wie Amalia die Klinge packte und mühelos aus ihrem Leib zog. Unter der dunklen Robe war die Wunde schon wieder verschlossen und nur einer Narbe, zeugte von seinem feigen Angriff. Sie warf die Klinge weg und ging nun auf den Mann zu. „Ti e di pse unë jam këtu, padenjë?“ („Du weißt weshalb ich hier bin, Unwürdiger?“), wieder erfüllte diese beängstigende Ruhe die Stimme der Königin des Schmerzes. Der Mann zitterte und trotz allem war ein gewisser Stolz in seiner Stimme zu hören – wusste er denn nicht, dass dies nur ein Spielen mit der Beute war? Wie ein Katze, die erst noch mit der Maus spielt, ehe sie sie tötet. - „Po, magjistare dërgon gjakqen e saj, sepse ajo vetë është shumë e mirë. Ju jeni këtu sepse unë dua për të mbrojtur familjen time nga ju.“ („Ja, die Hexe schickt ihren Bluthund, weil sie sich selbst zu fein ist. Ihr seid hier, weil ich meine Familie vor euch schützen will.“) Tatsächlich überraschte Amalia der Trotz in seiner Stimme, doch sein Schicksal war besiegelt. Amalia näherte sich dem Mann und stand nun vor ihm. Sie lächelte und der Mann traute seinen Augen nicht. Auf der Stirn der Frau öffnete sich ein drittes Auge. „Përbindësh!“ („Monster!“) kam es aus den Mann hervor. Er wollte zurückweichen, doch noch bevor er die Gelegenheit bekam, spürte er die sanfte Hand der Schmerzbringerin auf seiner linken Wange.

Schreie erfüllten das Haus. Schreie des Schmerzes und als Amalia sie vernahm schloss sie ihre Augen. Sie genoss dieses wundervolle Lied, welches der Mann ihr sang und summte sanft mit. Die Höhen, die Tiefen sogar die Pausen, welche er machen musste übernahm sie ihn ihren Gesang. Die eine Hand an seiner Wange glitt die Andere nun sanft zu seinem Hals. Die Schreie wurden lauter, als sie ihn mühelos hochhob. „Vdesin me njohuritë që keni vrarë familjen tuaj.“ („Stirb mit dem Wissen, dass du deine Familie getötet hast.“) Sie lachte erfreut und sein Schreien klang verzweifelter. - Süße Verzweiflung - und noch bevor er Luft holen konnte ertönte ein weiteres, letztes Knacken und Stille ummantelte den Gutshof. Amalia lächelte glücklich. Er hatte den Tod erfahren, welchen er verdient hatte. Er war es nicht würdig ihre Göttlichkeit zu erhalten. - Wo sind denn die anderen? - Dachte sie sich, während sie sich umsah. Ihr drittes Auge war wieder verschlossen, als sie eine verschlossene Tür sah. Lächelnd näherte sie sich der Tür. „Në emër të nënës së madhe hap derën dhe për të marrë hirin e tyre dashamirëse.Ju nuk jeni objekt i zemërimit të tyre.“ („Im Namen der großen Mutter öffnet die Tür und empfangt ihre gütige Gnade. Ihr seid nicht Ziel ihres Zornes.“)

Langsam öffnete sich die Türe und eine verängstigte Frau war zu sehen, welche schützend vor zwei kleinen Mädchen stand. - 10 und 8. Ein gutes Alter – dachte Amalia. Sie blickte ruhig auf den Rest der Familie, welche sich bei ihrem Anblick sofort niederkniete. „Mësuese Amalia, ju lutemi na i fal mosbindje, por, kur dëgjoi nga mrekullitë që ai na ka detyruar të largohen. Ne kurrë nuk do ta tradhtonte nënën.“ („Herrin Amalia, bitte verzeiht uns den Ungehorsam, doch als er von dem Wunder hörte hat er uns gezwungen zu fliehen. Wir würden die Mutter nie hintergehen.“) Amalia beugte sich langsam nach unten, damit sie der Frau in ihr Antlitz blicken konnte. Sie würde es merken, wenn sie belogen wurde. „Një mrekulli? Çfarë një mrekulli, flasin shpejt dhe guxon nichrt atë të gënjejë. Saj unë do të mbani mend atë e di.“ („Ein Wunder? Was für ein Wunder, sprecht geschwind und wagt es nichrt zu lügen. Ihr wisst das ich es merken werde.“) Nun blickte die Unbekannte den Arm in ihr blaues Auge. „Mësuese. Nëna e ka bekuar Jetmira time të vogël. Ajo e pa mirësinë e tyre dhe dritën e tyre në një ëndërr.“ („Herrin. Die Mutter hat meine kleine Jetmira gesegnet. Sie hat ihre Güte und ihr Licht im Traum gesehen.“) Amalias Augen weiteten sich – Was? Konnte es möglich sein? Sofia musste sofort davon erfahren und mit dem Mädchen reden. -

Amalia zögerte nicht lange und so kam es, dass, nachdem ihre Hunde den leblosen Körper des Mannes nach draußen geschleift hatten, Amalia seinen Körper in Brand steckte und zusammen mit dem Rest der Familie zurück zu Sofia ging. Sie weinten und trauerten nicht, denn sie wussten, dass sein Tod gerecht war. Der Glaube war stark in ihnen – sehr gut – dachte Amalia, als sie ohne Umschweife die Treppen empor schritt. Glück und pure Euphorie durchströmten ihren Körper und erfüllten jede Faser. Mehr als erregt vor Freude warf sie sich vor Sofia auf den Boden und die Geräusche neben ihr sagten ihr, dass ihre Begleiter es ihr nach taten. Sofia blickte mehr als überrascht und ihre sanfte Stimme erfüllte den Raum „Amalia çfarë është marrë në ju? Çohu dhe më tregoni se çfarë ka ndodhur.“ („Amalia was ist denn in dich gefahren? Erhebe dich und berichte mir, was geschehen ist.“) Amalia tat wie ihr geheißen und blickte ihre Schwester an. Ihr saphirblaues Auge war geweitet und ein freundliches Grinsen entstellte ihre Gesicht zu einer grausamen Fratze. „Motra. Nëna hirshëm e ne të gjithëve ka bekuar këtë familje. Mirësia juaj u dha atyre një vajzë, i cili ka aftësinë për të parë. Sot është një natë e vërtetë e madhe“ („Schwester. Die Gnade unser aller Mutter hat diese Familie gesegnet. Ihre Güte schenkte ihnen eine Tochter, welche die Fähigkeit des Sehens hat. Heute ist eine wahrlich große Nacht.“)

Als Sofia hörte, was ihre Schwester ihr sagte, eilte sie zu dem jungen Mädchen, welches sie hoch hob und in ihre Arme schloss. Ihr Gesicht sprach von purer Freude und wahrhaftigem Glück. Sie blickte das Mädchen an und sagte dann „Sonte është më shumë se bekuar. Ju tani do të ketë një jetë më të mirë se kurrë më parë. Dario do t'ju çojë në lagjet tuaj të re. Nesër fillojnë arsimimin tuaj. Nesër natën ju do të më tregoni se si keni mësuar aftësinë tuaj. Por tani kam nevojë për të folur privatisht me motër Amalia.“ („Die heutige Nacht ist mehr als gesegnet. Ihr werdet nun ein besseres Leben haben, als je zuvor. Dario wird euch zu euren neuen Gemächern führen. Morgen beginnt deine Ausbildung. Morgen Abend wirst du mir berichten, wie du von deiner Fähigkeit erfuhrst. Nun muss ich aber mit Schwester Amalia unter vier Augen sprechen.“) Wie ihm geheißen, brachte Dario die gesegnete und glückliche Familie in eine neue und wesentlich luxuriösere Unterkunft, als die, in der sie zuvor beherbergt waren.

Obwohl es unmöglich war kam es Amalia so vor, als würde ihr Herz rasen vor Freude. Sie war ausgewählt und es war wieder an der Zeit. Ein Sünder starb und sie erfuhr die Ehre ihr Blut zu geben, ihre Verbundenheit zu der großen Mutter in ihr weißes Fleisch zu schneiden. Niemandem außer ihr wurde diese Ehre zuteil und Amalia würde jeden einzelnen Schnitt mit Wonnen - Nein - mit Euphorie und Begierde nehmen und führen. Sofia und Amalia gingen zusammen nach draußen. Zu einem kleinen See, welcher etwas abgelegen war. Auf dem Weg erzählte Amalia ihrer Schwester und Führerin im Glauben von den Geschehnissen in dem kleinen Gehöft. Sie quittierte die Erzählung mit einem Nicken und beide betraten das Ufer. Sofia nickte Amalia noch einmal zu und küsste sie auf die Stirn, ehe sie anfing das höchste aller Gebete zu sprechen, in einer Sprache, welche nur sie und die Mutter teilten. Amalia entkleidete sich und stand vor Sofia, welche an ihren Bund griff und eine elegant geschwungene Klinge zog. Amalia kniete sich vor ihr hin und nahm das Messer mit einer Verneigung entgegen. Ihre Augen waren geschlossen und sie handelte wie im Trance. Sie neigte und bewegte sich im Takt des Gebets, welches in ihren Ohren nach einen wundervollen Lied klang. Sofia erreichte den Höhepunkt des Liedes und Amalia setzte die Klinge über ihren Busen an und schnitt sich die Sünde ins Fleisch. Sie hatte Blut vergossen und so musste sie auch das ihre geben. Kein Zucken, kein Zögern. Amalia sank zu Boden und betete nun ihrereseits ein stilles Gebet.

ENDE
"Ich kann deine Angst fühlen Mensch. Sie ist spürbar gegenwärtig. Ich kann mit den Fingern darüberstreichen und ihr krankes Aroma schmecken. Ist dieses Entsetzen Nährboden für Hass, dann lass mich daran laben und dich dabei völlig auslöschen."

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Re: Geschichten von Blut und Dunkelheit

Beitrag von Amalia » Mo 6. Nov 2017, 20:26

Die lauernde Furcht

Irgendwo in Albanien lebte ein Mann namens Luan. Er war ein Jäger, welcher glücklich und zufrieden mit seiner Familie im Wald lebte. Leonora war ihm eine gute und gütige Frau, welche mit enormer Schönheit gesegnet war. Zusammen hatten sie zwei ganz bezaubernde Kinderlein. Ein Junge, alt und kräftig genug um Luan bei der Jagd zu helfen. Der Junge war schon sehr gut und aus ihm sollte ein großer Jäger werden. Sein Töchterchen Ariana wurde ihm erst vor 2 Jahren geboren und jedes Mal wenn er sie ansah musste er lächeln, war sie doch schon fast so hübsch wie seine Frau und wenn die Tochter erst mal Älter war, würde sie bestimmt genauso schön sein. Sie hatten nicht viel Geld, doch genug um glücklich in dem Haus im Wald leben zu können, welches Luans Großvater einst erbaute. Es war etwas größer als üblich hatte es doch neben dem normalen Aufenthaltsraum noch zwei weitere Zimmer und sogar einen Dachstuhl, welcher mit einer Leiter erklommen werden musste. Dort oben lagerten sie die Felle und einige Jagdtrophäen wie Geweihe und Hauer.

Leonora kümmerte sich um den Haushalt. Sie entfachte das Feuer und kochte das Essen, damit ihr Mann nicht lange warten musste, wenn er abends von der Jagd kam. Sie hackte das Holz und kümmerte sich gar liebevoll um die Kleine, während Luan dem Sohn das Jagen beibrachte, damit dieser bald, wenn Luan zu alt geworden ist, die Familie ernähren konnte.

So lebte diese kleine Familie glücklich und zufrieden. Langsam wurden die Blätter braun und fielen hinab zum Boden. Es wurde kälter und kälter und so hielt der Winter Einzug in den Wald, wo die Hütte stand. Die Aufregung stieg langsam und während die Männer die Vorräte aufstockten guckte die kleine Ariana mit großen Augen ihrer Mutter zu, wie diese sich um das Feuerholz kümmerte. Jeder der konnte arbeitete mit und so machten sie es sich langsam aber sicher bequem in ihrer kleinen Hütte. Es war ein schöner beschaulicher Wintermorgen, als Luan das Haus verließ. Er hatte gestern einen prächtigen Hirsch gesehen, welchen er noch vor dem ersten Schnee erlegen wollte. Er küsste seine Liebste zärtlich zum Abschied und machte sich auf den Weg.

„Mutter wo ist Vater hin?“ „Wo is Baba?“, fragten die Kinder die Mutter, welche hinausschaute in den Wald, in welchem ihr Mann langsam verschwand. Die junge Familie guckte dem Vater lange nach, ehe sie zurück in das Haus gingen um das Feuer zu entfachen. Es dauerte nicht lange und der Wind wurde stärker, als es anfing zu schneien.

Bumm – Bumm – Bumm. Es klopfte an der Tür und die Familie schrak zusammen. Langsam öffnete Leonora die Türe und blickte in das freundliche und einladende Gesicht eines dicken Priesters. „Guten Tag werte Dame. Wärt ihr so gütig und freundlich einem armen Mann Gottes zu helfen, welcher vom Schnee überrascht wurde?“ Leonora blickte mehr als überrascht in das freundliche Lächeln. „Ähh natürlich. Kommt rein Vater. Ich habe gerade einen großen Topf mit Suppe gekocht. Ihr seid herzlich eingeladen.“ Leonora ging zur Seite und ließ den Priester ein, welcher sich mehr als einmal bei der Frau bedankte. Die Gastfreundschaft der Familie war mehr als gütig und der Priester bekam mehr, als er gebraucht hätte. Es wurde gelacht und die Stimmung war sehr herzlich. Der Priester erzählte den Kindern Geschichten über Geschichten, konnte er die Gastfreundschaft der Mutter zumindest so ein wenig vergelten. Der Abend näherte sich als der Priester sich an die Mutter wand „Gute Leonora ich danke euch sehr für eure Güte und eure Freundlichkeit. Doch es wird nun langsam spät und ich möchte noch vor Einbruch der Nacht das Dorf erreichen.“ Er verneigte sich und Leonora begleitete ihn zu der Tür. „Ach dafür doch nicht. Gastfreundschaft ist eines der höchsten Güter. Ihr könnt auch gerne die Nacht hier verbringen. Mein Mann wird nichts dagegen haben.“ Der Priester überlegte kurz und blickte dann zu der untergehenden Sonne. Die Freundlichkeit wich kurz aus seinem Gesicht ehe sie wiederkam. „Nein … man erwartet mich bereits. Aber ich werde darauf zurückkommen. Möge Gott euch in der Nacht beistehen.“ Er seufzte kurz und verließ dann die nette Familie. Ging hinaus in den Schnee und ward nicht mehr gesehen.

Es war schon dunkel, als Luan zurück zum Haus ging. er hatte einen großen Hirsch dabei, welchen er hinter sich herzog. Er strahlte im Gesicht, als er durch die Tür schritt. "Schatz, Kinder, wo seid? Gott war mir holt und so habe ich einen großen Hirsch erlegt. Heute Abend gibt es ein Festmahl. - Stille - "Hallo? Wo seid ihr?" - Stille. Grausame, kalte Stille – Luan war mehr als verwundert und ging in den nächsten Raum und was er dort sah trieb ihm die Tränen ihn die Augen. War er doch als Jäger den Tod gewohnt und recht standfest, beim ausnehmen der Tiere. Doch was er in diesem Raum erblickte war zu viel. Keine Stimmen, kein freudiges Lachen erfüllte das Haus nur das Schluchzen des Mannes welcher langsam auf die Knie sank und verzweifelt den Tränen freien lauf ließ. Und gerade als er auf die Knie sinkt, in tiefer Trauer hört er es. Knarren. Lautes Knarren. Direkt über ihm. Ihm stockte der Atem denn aus dem Knarren hörte er etwas anderes. Schritte. Schwere Schritte, welche sich langsam der Leiter näherten, der Leiter, welche direkt zu ihm führt. Raus – nur noch raus – er musste fliehen hatte er doch alles verloren wollte er wenigstens entkommen um seinen Liebsten später die letzte Ehre zu erweisen.

Der Jägersmann floh, rannte hinaus in den dunklen Wald und sah aus einiger Entfernung durch ein Fenster in das Haus. Was er sah war eine Gestalt sieht eine Frau von bloßer Schönheit, welche sich gerade über die Leiber seiner Kinder beugte. Sie kam wieder nach oben und Luan kämpfte mit seinem Magen. Ihr Mund war rot vom Blut. Er weiß sie kann ihn nicht hören, doch trotzdem hält er sich die Hand vor dem Mund. Ein Geräusch hinter ihm lässt ihn kurz wegblicken – Schwärze – und als er wieder zum Haus sah, stockte ihm der Atem – sah er doch wie sich langsam ihr Kopf drehte – in seine Richtung – hatte sie ihn gesehen? Er wusste es nicht und er wollte nicht warten, bis er es herauffindet. Weiter immer tiefer rein in den Wald, dessen Schwärze ihn nun vollends umgab. Er fror und zitterte am ganzen Leib.

Tiefer, Immer Tiefer. Immer weiter weg von den Bildern des Todes. Doch dann hörte er es. Eine vertraute stimme leise aber doch klar "Hilfe, Luan hilf mir." - Was? War es möglich? Hatte seine geliebte Leonora überlebt? Er konnte nicht anders er musste zu ihr. Der Mut kehrte zurück in sein Herz war da doch der kleine funke Hoffnung in der tiefsten Schwärze der Nacht in der Finsternis des Waldes. Die stimme wurde lauter und Luan fasste jeden Mut zusammen und ging zu ihr. Da war sie tief gebückt in einem Mantel gehüllt. Seine geliebte Leonara lebte, Freude umfasste sein gebrochenes Herz als er zu ihr rannte und sie fest in seine arme schloss. Er küsste sie innig und Minuten vergingen. Minuten in denen sich die beiden verliebten in den armen lagen und leise trauerten hatten sie doch ihr ein und alles verloren. Und nach einiger zeit blickten sie sich in die Augen "wir müssen hier weg. Wir müssen überleben. Für unsere Kinder" sagte Luan mit tränen in den Augen. Seine Frau nickte nur und umschloss fest seine Hand damit er sie führte. Es dauerte nicht lange und die beiden kamen zu einer Lichtung, welche Luan wiedererkannte. Sie waren nicht mehr weit vom Dorf entfernt nur noch ein paar Meter Dunkelheit und sie würden leben. NEIN. Luans Nackenhaare richteten sich auf. Hatte er etwas gehört? Stille. Alles gut – sie liefen weiter und weiter, doch der Wald wollte sich nicht lichten. Hatte er sich geirrt? plötzlich merkte er, wie seine Frau hinfiel "Leonora steh auf, wir haben es fast geschafft" er drehte sich um blickte zu seiner Frau und schrie als er sie sah. Da lag sie tot – was war passiert? Wie konnte sein? Er sank erneut zu Boden. Fliehen war sinnlos der letzte Funken war erloschen und mit ihm sein Kampfgeist. Seine Kinder. Seine Frau. Dann hörte er sie wieder. Schwere Schritte stapften durch den Schnee und hielten plötzlich inne. Neben Leonoras Körper stand eine Gestalt und langsam glitten seine Augen ihren Körper hinauf und starten in eine blutverschmierte Fratze. Einäugig und zur Hälfte verbrannt. Was er sah war sein Gesicht, welches sich in dem blinden weißen Augapfel spiegelte, welcher ihm immer näher kam.

Ende.
"Ich kann deine Angst fühlen Mensch. Sie ist spürbar gegenwärtig. Ich kann mit den Fingern darüberstreichen und ihr krankes Aroma schmecken. Ist dieses Entsetzen Nährboden für Hass, dann lass mich daran laben und dich dabei völlig auslöschen."

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