Von Licht und Dunkelheit [Seresa, Fluff]

Fluff und Briefe

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Seresa
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Re: Von Licht und Dunkelheit [Seresa, Fluff]

Beitrag von Seresa » Mi 15. Nov 2017, 16:19

984 AD: Grenoble (heutiges Frankreich)

Seresa hatte einige Stunden gewartet, bis die Gruppe erneut vor den Toren aufgetaucht war. Vorsichtig schlich sie ihnen hinterher. Als Seresa feststellte, dass die Gruppe sich nur nachts fortbewegte, erlaubte sie sich am Tag einige Stunden zu Schlafen. Immer wieder ängstlich aufwachend, dass sie ihren Engel verloren haben könnte, bevor sie beruhigt wieder einschlief, da die Gruppe sich nicht weiterbewegt hatte. Ein knappes Duzend an Tagen vergingen, in denen sie so der Gruppe unauffällig gefolgt war.

Seresa schief, als sie einen kurzen, aber heftigen Schlag auf ihren Kopf bekam. Als sie aufwachte war es später Abend. Fast Nacht. Neben ihr saß auf einem niederen Baumstumpf ihr Engel, der sie mit einer Mischung aus Unglauben und Belustigung ansah. Seresa wollte sich aufsetzen und sich erklären, strauchelte aber bei dem Versuch und landete mit dem Gesicht auf dem Boden. Erst jetzt bemerkte sie, dass sie an Händen und Füßen gefesselt war. Sie rollte sich auf die Seite um ihren Blick wieder ihrem Engel zuwenden zu können. Als Seresa merkte, dass sie nur stotterte und keines ihrer Worte Sinn ergeben zu schienen, senkte sie beschämt den Blick, bevor sie ihn wieder auf die Frau warf. Sie war einfach zu schön, als dass man sie nicht hätte ansehen wollen. Ihr Engel schien sie lange nachdenklich und intensiv zu beobachten. Dann nickte sie, als schien sie mit ihrer Überlegung zufrieden zu sein.

Engel: „Noch heute wird dein Blut die Erde tränken und du wirst auf ewig in ihr verrotten.“

Seresa hatte die Luft angehalten, als sie den engelsgleichen und warmen Klang ihrer Stimme vernommen hatte. Trotz der Drohung oder des Versprechens fühlte Seresa keine Angst. Keinen Wunsch zu fliehen. Keinen Wunsch zu kämpfen. Der Engel erhob sich, nickte jemandem den Seresa nicht sah zu und wandte sich von ihr ab. Fast flehend erhob Seresa ihre Stimme erneut.

Seresa: „Bitte.“

Unsanft wurde Seresa hochgerissen, doch kein Laut des Schmerzes oder der Klage kam über ihre Lippen. Stattdessen bat sie weiter. Bat lauter als zuvor.

Seresa: „Bitte wendet Euer Antlitz nicht von mir ab.“

Der Engel war stehen geblieben und hatte ihre Hand erhoben. Seresa spürte wie die Bewegung hinter ihr erstarb. Sie war in eine knieende Haltung gebracht worden. Ein Arm hielt ihren schmalen Körper in einem festen Griff. Seresa verweilte ruhig auf den Knien.

Seresa: „Bitte verlasst mich nicht.“

Sie spürte den warmen Atem des Mannes hinter und die kalte Klinge an ihrem Hals. Seresa schluckte schwer. Den Blick noch immer auf ihren zu entschwindenden Engel gerichtet.

Seresa: „Bitte lass mich nicht alleine in der Dunkelheit zurück.“

Ihr Engel wandte sich langsam zu ihr um und blickte sie fast fragend an. Langsam kam sie zurück zu ihr. Beugte sich zu Seresa herab. Die Klinge an ihrem Hals verschwand. Stattdessen berührte der Engel Seresa unter ihrem Hals. Zwang sie ihren Kopf zu heben. Ein eisiger Schauer durchfuhr Seresas Körper, als sich die kalten Finger des Engels auf ihre warme Haut legten. Ihr jeden Funken Wärme herauszuziehen schienen und sie Seresa stattdessen mit ihrer Kälte überflutete. Wieder und wieder wanderte der Blick des Engels über Seresas Körper, bevor diese schließlich Seresas Kopf zur Seite neigte. Langsam. Behutsam. Unheimlich sanft. Seresa spürte wie der Engel sich ihrem Hals näherte. Seresa spürte keine Angst. Keine Furcht. Alles war gut. Auch dann noch, als sie einen kurzen Schmerz in ihrem Hals spürte und ein leises Seufzen ihre Lippen verließ.

Was folgte, dafür besaß Seresa keine Worte, noch würde sie sich später daran erinnern können. Die Dunkelheit war verschwunden. Für diesen kurzen Moment war nur Friede. Friede und Glückseligkeit. Wärme und Geborgenheit. All die Qualen waren Vergangenheit. All das Leid. All die Dunkelheit. Da war nur sie. Sie und ihr Engel. Dann jedoch brach das Gefühl. Zersplitterte wie ein fallengelassener Tonkrug. Unbarmherzig wurde sie zurück in ihr Leben gerissen.

Der Engel stand vor ihr. Sie hatte Seresa losgelassen und starrte sie für eine lange Zeit einfach nur an. Dann berührte die Hand des Engels fast zärtlich Seresa Wange. Streichelte sie. Strich die Tränen der Verzweiflung, die sich in Seresas Augen gebildet hatten, als der Engel gedrohte hatte sie alleine zu lassen, sanft zur Seite. Das Lächeln auf den Lippen des Engels war milde. Ihre Stimme warm.

Engel: „Du wirst mir vertrauen und ich werde dich nicht alleine lassen. Du wirst mir folgen und ich werde dein Licht sein. Du wirst mir loyal sein und du wirst mein Kind sein.“

Seresa nickte und schmiegte sich an die kalte Hand ihres Engels, während ihr erneut Tränen in ihre Augen stiegen. Tränen des Glücks und der Freude. Seresa nickte. Wieder und wieder nickte sie. Sie war durch die Dunkelheit gegangen und hatte das Licht gesehen. Hatte es gefunden.

Seresa wollte ihm folgen.
Seresa wollte ihr folgen.
Für immerdar.

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Re: Von Licht und Dunkelheit [Seresa, Fluff]

Beitrag von Seresa » So 19. Nov 2017, 23:50

985 AD: Grenoble (heutiges Frankreich) -> Saragossa (heutiges Spanien)

Es war Winter geworden und der Schnee lag schwer auf dem großen Reisezelt. Viele Kerzen im Inneren spendeten helles Licht und wohlige Wärme. An einem kleinen Tisch kniete Seresa. Vor ihr lag eine Schriftrolle, aus welcher sie versuchte zu lesen. Ihre Worte klangen noch immer steif und stark von ihrer Muttersprache geprägt.

Seresa: „… é facta es lux.“
Stimme: „dixitque Deus fiat lux et facta est lux… Und Gott sprach: Es werde Licht und es ward Licht.“

Seresa nickte und wiederholte die Worte. Danach blickte sie auf. Nur wenige Schritte entfernt saß ihr Engel auf einem Ballen Heu, welcher mit einem Tuch bedeckt war. Sie trug eine lange, weiße Robe und einen Schleier auf dem braunen Haar, welcher von einem Goldreif gehalten wurde. Trotz der Kerzen und des dicken Umhangs kroch die Kälte in Seresas Knochen. Ihr Engel schien trotz der leichtern Kleidung nicht zu frieren. Geduldig wiederholte sie bereits seit einigen Stunden mit Seresa die Schrift auf der Schriftrolle. Es war eine jener Zeiten, in denen sie warten mussten. Worauf und weshalb, das wusste Seresa nicht. Jedoch genoss sie die Zeiten, in denen ihr Engel ganz für sie da war.

Seresa hatte gerade zum nächsten Satz angesetzt, als sich die Zeltplane öffnete und nach einer kurzen Begrüßungsszene einer der Diener des Engels eintrat. Sie hatte den Blick gesenkt und wartete, bevor sie die Worte ihres Engels vernahm, welche sie aufforderten weiterzulesen. Seresa nickte und gehorchte. Der Engel deutete dem Diener an zu sitzen, während sie weiter auf Seresa blickte.

Engel: „Sprich.“
Diener: „Der höchst verehrte Prinz….“

Es folgte eine Abhandlung darüber, unter welchen Bedingungen die Gruppe weiterreisen durfte, wie lange sie verweilen durfte, was sie zu beachten hatten und so weiter. Der Engel schien seinen Blick nicht von Seresa abzuwenden, die weiter stoisch Zeile um Zeile las. Als der Diener endete nickte der Engel.

Engel: „Veranlasse alles was nötig ist.“

Der Diener erhob sich, verneigte sich und blickte noch einmal auf Seresa.

Diener: „Wie lange soll das noch so weiter gehen, Herrin?“

Der Blick des Engels wurde kalt, während sie aufstand und zum Diener trat. Dieser senkte hastig den Blick und den Kopf.

Engel: „Es ist meine Entscheidung.“
Diener: „Natürlich, Herrin, das ist es. Bedenkt jedoch sie ist eine Gefahr. Eine Gefahr für uns alle. Falls sie…“

Sie machte eine schneidende Bewegung mit ihrer Hand und der Diener verstummte. Der Engel sah zu dem Mädchen, dass langsam zur Frau heranreifte. Noch immer waren ihre Züge und ihre Statur kindlich.

Engel: „Es ist noch zu früh. Du sorgst dafür, dass ihr nichts geschieht.“
Diener: „Ja, Herrin. Natürlich werde ich das. Es ist nur...“

Fast angewidert betrachtete der Diener die Lesende, die nur Augen für die Schrift hatte.

Diener: „Wen Ihr ruht ist sie nicht wie jetzt. Sie ist wild und ungezügelt. Ein Freigeist. Sie hört nicht auf das was man ihr sagt. Sie hat ihren eigenen Kopf. Sie tut was sie will. Sie wird unser aller Verderben sein. Was seht Ihr nur in Ihr, dass Ihr bereit seid Euer und unser aller Leben für sie zu riskieren?!“

Der Diener zuckte zusammen, als der Engel näher auf ihn zu schritt. Doch anstatt ihm etwas anzutun, griff sie nach der Karaffe und schenkte langsam daraus in einen der Becher ein. Dann nahm sie einen zweiten Becher. Füllte ihn jedoch zuerst mit einigen Kräutern, bevor sie die klare Flüssigkeit darauf goss. Die Gesichtszüge des Dieners entgleisten, schien er nur all zu genau zu wissen, um was für Kräuter es sich dabei handelte. Die Züge auf dem Gesicht des Engels waren hingegen zu einer undurchsichtigen Maske erstarrt, während sie dem Diener den ersten Becher reichte. Mit dem Zweiten ging sie zu Seresa.

Seresa blickte auf, als sie den Engel neben sich stehen sah und unterbrach das Lesen. Ihr Engel reichte ihr den Becher und Seresa nahm ihn mit beiden Händen entgegen. Statt etwas zu sagen, nickte sie Seresa nur zu, die das Nicken erwiderte und den Becher ansetzte, um daraus zu trinken. Hätte Seresa den Blick zum Diener gewandt, so hätte sie gesehen, wie dieser zu einer bleichen Säule erstarrt war, während der Engel ihm begutachtete. Gerade als die Flüssigkeit Seresas Lippen benetzen wollte, berührte ihr Engel den Becher und zwang sie ihn abzusetzen. Verwirrt blickte Seresa nach oben. Doch statt einer Antwort wurde ihr der Becher von dem Engel weggenommen, welcher langsam und erhaben zurück zum Diener schritt und ihn stattdessen ihm reichte. Zitternd hielt er den zweiten Becher, während Seresa ihn fragend anblickte und die Situation nicht zu verstehen schien.

Engel: „Trink.“

Der Diener schüttelte den Kopf und wurde noch bleicher.

Diener: „Herrin… ich bitte Euch… das ist… das ist… Gift.“

Seine Stimme brach und klang verzweifelt. Der Engel machte eine winkende Geste zu Seresa und das Mädchen kam zu den Beiden. Stellte sich neben sie und blickte zu ihrem Engel auf.

Engel: „Weißt du was Gift ist, Seresa?“

Seresa schien einen Moment zu überlegen, schüttelte dann aber den Kopf.

Seresa: „Nein, Uta.“
Uta: „Es tötet Menschen. Sie sterben daran.“

Das Mädchen nickte verstehend. Ihr Engel deutete auf den inzwischen auf die Knie gesunkenen und zitternden Diener.

Uta: „Weißt du warum er Angst hat?“
Seresa: „Nein, Uta.“

Uta nahm einen der Becher aus den zitternden Händen des Dieners, der erleichtert in sich zusammen zu sinken schien.

Uta: „Er vertraut mir und meinen Entscheidungen nicht. Er glaubt, dass ich ihm Gift zu trinken geben würde.“

Seresa betrachtete den Diener, dann Uta und schwieg. Uta reichte Seresa den Becher und winkte dem Diener sich zu erheben.

Uta: „Was glaubst du, Seresa? Befindet sich in dem Becher Gift?“

Das Mädchen betrachte Uta, dann den Diener und schüttelte schließlich leicht den Kopf.

Seresa: „Ich gestehe, ich weiß es nicht, Uta.“
Uta: „Wenn ich sagen würde, du sollst ihn leertrinken, Seresa, würdest du es tun? Trotz seiner Angst? Trotz des Wissens, dass sich drin Gift befinden könnte?“
Seresa: „Ja, Uta.“

Uta nickte Seresa zu.

Uta: „Dann trink.“

Ohne zu zögern führte Seresa den Becher an ihre Lippen und leerte ihn, bevor sie ihn Uta zurückgab. Der Diener betrachtete derweil Seresa eindringlich. Schien eine Reaktion zu erwarteten. Stattdessen nahm Uta ihm den zweiten Becher aus seinen Händen ab.

Uta: „Willst du ihm erklären, weshalb du getrunken hast, Seresa?“

Seresa blickte Uta an. Dann sah sie zu dem Diener. Als sie sprach, war ihre Stimme fest und überzeugt.

Seresa: „Uta würde nicht zulassen, dass ich Gift trinke.“
Uta: „Und wenn ich es doch tun würde?“

Das Mädchen blickte zu ihrem Engel. Eine leichte Verwirrtheit spiegelte sich darin wieder, als würde sie die Frage nicht ganz verstehen.

Seresa: „Dann wäre es dein Wille?“

Die kalte Hand des Engels streichelte sanft über Seresas Haare, bevor Uta ihr andeutete an den Tisch zurückzukehren.

Uta: „Was ich in ihr sehe, fragst du mich?!“

Uta blickte auf den Becher in ihrer Hand, bevor sie ihren Diener erneut ansah.

Uta: „Loyalität.“

Uta drehte den Becher um.

Uta: „Grenzenloses Vertrauen.“

Auf der Erde sammelte sich die Flüssigkeit, in welcher vereinzelte kleine Blätter zu schwimmen schienen. Der Blick des Dieners erstarrte, als er seinen eigenen Fehler bemerkte.

Uta: „Wachen.“

Die Zeltplane öffnete sich und der Diener wurde umgehend von den Wachen gefangen genommen.

Uta: „15.“

Utas Stimme war kühl und distanziert, während sie sich von der Gruppe abwandte und sich zu Seresa begab, die bereits wieder an dem kleinen Tischchen kniete. Langsam schritt sie zu Seresa, das Wimmern und Flehen des Mannes in ihrem Rücken ignorierend. Seresa sah zu, wie der Diener gewaltsam aus dem Zelt entfernt wurde, während sie die kühlen Finger Utas auf ihrem Körper spürte. Uta schob und drückte Seresa solange, bis sie sie in eine wohlgefällige Haltung gebracht hatte. Dann nickte sie Seresa zu.

Uta: „Weiter.“

Seresa nickte und las weiter von der Schriftrolle vor, während Uta zurückging und sich niederließ.

Seresa: „viditque Deus cuncta quae fecit et erant valde bona…“

Aufmerksam hörte der Engel Seresa zu. Korrigierte sie und übersetzte ihr wieder und wieder das Gelesene, während sich im Hintergrund schmerzverzehrte Bitten um Gnade und das Knallen einer Peitsche abwechselten.

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Re: Von Licht und Dunkelheit [Seresa, Fluff]

Beitrag von Seresa » So 26. Nov 2017, 16:36

987 AD: Saragossa (heutiges Spanien)

Ärger. Zorn. Wut.
Trauer. Verzweiflung. Angst.

Uta lief im Zelt auf und ab. Blickte gelegentlich zu Seresa herab. Stumm saß diese auf dem Boden. Der rechte Unterarm war fest mit weißen Leinen umwickelt. Rot war die Linie an der das Blut durch den Verband drückte. Seresa zitterte. Tränen rannen wieder und wieder aus ihren braunen Augen. Liefen über ihre Wange. Tropften nach unten. Versickerten auf der weiten, weißen Tunika, die mit roten Blutspritzern überzogen und deren rechter Ärmel abgerissen war.

Uta: „Elendiger Eselficker!“

Unsicher und mit einem angewiderten Gesicht, tippte Seresa auf dem behelfsmäßigen Verband herum. Verzog dann vor Schmerzen jedoch das Gesicht. Unbewusst hörte sie, wie die Zeltplane vorsichtig zurückgeschoben wurde und einer der Diener ins Innere des Zeltes blickte.

Diener: „Herrin?“

Eine Schüssel flog in Richtung Zelteingang, welcher daraufhin sofort wieder verschlossen wurde.

Uta: „Nicht jetzt!“

Utas zorniger Blick wanderte von der Zeltplane zurück auf Seresa, die noch immer geschockt auf dem Boden saß. Seresa blickte zu Uta auf. Durch den Schleier ihrer Tränen sah sie Utas ausgefahrene Fangzähne. Sah was Uta wahrlich war. Sah keinen strahlend weißen, wunderschönen und gütigen Engel mehr. Angst spiegelte sich auf Seresas Gesichtszügen wieder, als sie den wütenden Racheengel vor sich sah.


~*~
Einige Stunden zuvor in einem Haus in Saragossa…

Uta: „Habt Dank, verehrter Fabrizio für Eure freundliche Einladung.“
Fabrizio: „Schön, dass du Zeit hast, Uta. Tritt ein. Sei mein Gast.“

Fabrizio deutete einladend in den von Kerzen erhellten Raum. In zwei der Ecken wachten jeweils ein bewaffneter Mann. In der Mitte stand ein Tisch, um den einige Hocker standen. Der Gastgeber deutete Uta an sich zu setzen. Die zwei Wachen von Uta positionierten sich in den Ecken hinter ihr. Der Mann würdigte Seresa nur eines kurzen Blickes, welchen das Mädchen mit einer tiefen Verbeugung erwiderte, bevor sie sich an der langen Seitenwand zwischen den Wachen zu Boden ließ. Uta und Fabrizio unterhielten sich derweil am Tisch sitzend weiter auf Arabisch.

Uta hatte zwar ihr Bestes gegeben, dass Seresa so schnell wie möglich die Sprache lernte. Jedoch war die Sprache so weit entfernt von allem was Seresa kannte, dass sie sich noch immer schwer tat mit der Übersetzung und nur Bruchteile des Gespräches tatsächlich verstand. Uta nickte viel und sprach in schwierig verständlichen Sätzen, während Fabrizio für ihr Empfinden deutlich öfter das Wort nein verwendete, jedoch klarer und direkter mit Uta sprach. Nachdem die Beiden sich eine lange Zeit unterhalten hatten, wandte der Mann seinen Blick Seresa zu.

Fabrizio: „Wen hast du da eigentlich dabei, Uta?“

Fabrizio machte eine winkende Geste zu Seresa, die nun ihrerseits versuchte in der breiten und langen Tunika elegant aufzustehen und zügig zu dem Mann am Tisch zu gehen. Sie verbeugte sich tief vor ihm. Eingehend betrachtete er ihre Augen, bevor er seitlich an ihren Kopf griff und den Schleier vor ihrem Gesicht entfernte.

Fabrizio: „Ein Mädchen?!“

Der Mann lachte vergnügt, während sich die kalten und rauen Finger Fabrizios um ihren Kiefer schlossen. Seresa erschauderte, während ihr Kopf hin und her gedreht wurde. Fabrizio warf seinen Blick abwechselnd auf Seresa und Uta.

Fabrizio: „Das ist ungewöhnlich. Selbst für jemanden wie dich, Uta.“

Sein Lachen klang rau und trocken, während Uta nach dem Becher vor ihr griff. Ihre Knöchel waren deutlich zu sehen, während sie einen Schluck nahm.

Fabrizio: „Ich hätte nicht erwartet, dass du Gefallen an… sowas findest.“

Er nahm seine Hand von ihrem Gesicht. Strich langsam über ihren Körper. Seresa war zu einer lebendigen Salzsäule erstarrt.

Fabrizio: „Zumal sie noch so jung ist.“

Der Kopf des Mannes wandte sich Seresa zu. Seine braunen Augen blickten in ihre.

Fabrizio: „Wie heißt du?“

Ehe Seresa antworten konnte, ergriff Uta das Wort.

Uta: „Ihr Name ist Seresa, verehrter Fabrizio.“
Fabrizio: „Und woher kommt Seresa?“

Neugierig blickte er nun Uta an.

Uta: „Aus dem Reich der Franken. Grenoble.“
Fabrizio: „Weit weg von zu Hause.“

Fabrizio lächelte breit. Seresa fielen erst jetzt die ungewöhnlich langen Eckzähne des Mannes auf.

Fabrizio: „Sag, Seresa, bist du hungrig?“
Seresa: „Nein, Señor.“
Fabrizio: „Bedauerlich. Aber nun gut.“

Seresa senkte den Blick, während sie nun den eisigen und festen Griff des Mannes um ihr Handgelenk spürte. Spürte, wie ihr Arm in seine Richtung gezogen wurde.

Fabrizio: „Weißt du Seresa. Ich bin hungrig. Sehr sogar.“

Das Mädchen hörte, wie Uta den Becher lautstark auf dem Tisch absetzt. Sah wie sich Uta erheben wollte, während Fabrizio sie demonstrativ angrinste.

Fabrizio: „Aber, aber. Wer wird denn gleich.“

Fabrizio hatte derweil die Hand gehoben gehabt und die Bewegung der Wachen hinter ihm erstarben.

Fabrizio: „Sie bedeutet dir also etwas. Das ist… interessant.“

Uta ließ sich zurück auf den Hocker sinken, griff nach dem Becher und nahm erneut einen Schluck. Derweil waren die Wachen zurückgetreten und hatten ihre gezogenen Waffen wieder verstaut.

Fabrizio: „Keine Angst.“

Langsam begann Fabrizio Seresas Ärmel der rechten Hand nach oben zu schlagen. Stück für Stück. Geduldig und gemächlich, als läge etwas Heiliges in dieser Handlung. Schließlich war ihr Unterarm komplett frei. Die eine Hand drückte Seresas Unterarm fest auf den Tisch, während er mit der Anderen genüsslich langsam über den Arm strich. Seresa spürte, wie sich eine Gänsehaut auf ihrem Unterarm bildete. Fabrizio lachte erneut rau auf, als er ihre Reaktion sah. Unsicher blickte Seresa zu Uta, die ihren Arm aufgestützt hatte und eine geballte Faust vor ihren Mund hielt. Sie sagte nichts. Gab kein Zeichen. Starrte Fabrizio nur eisig an.

Fabrizio: „So jung. So unschuldig.“

Sie sah, wie Fabrizio Uta weiter anlächelte. Breit und offen angrinste mit diesen unnatürlich langen und spitzen Zähnen.

Fabrizio: „Du hast doch nichts dagegen, oder?!“

Uta starrte ihn an. Für Seresa schien die Zeit still zu stehen. Sie war gefangen in einem Alptraum. Dann öffnete Uta ihre Faust und beschrieb eine wegwerfende Geste. Es war ihr scheinbar egal. Seresa blickte Uta ungläubig an. Dann spürte sie bereits die Kälte und den Schmerz, als die Klinge über ihren Unterarm gezogen wurde. Panisch blickte sie auf ihren Arm und dann wieder zu Fabrizio. Verzweifelt versuchte sie ihren Arm weg zu reißen, doch sie hatte keine Chance. Er war zu stark. Viel zu stark. Mit ihrer freien Hand zog sie an ihrer festgehaltenen. Immer kräftiger. Immer verzweifelter. Doch sie kam nicht frei.

Seresa sah sich hilfesuchend um, doch niemand reagierte. Sie sah zu, wie ihr Arm rot wurde. Wie kleine rote Tropfen aus der feinen Linie hervorkamen. Sie sah zu, wie der Mann begann ihren Unterarm zu seinen Lippen zu führen. Während Fabrizio Uta anblickte, leckte er langsam die Flüssigkeit vom Arm. Seresas Blick wanderte zwischen Verzweiflung und Ekel zwischen Uta und Fabrizio hin und her. Uta saß einfach nur da und tat weiterhin nichts. Beobachtete das Ganze, als wäre es nichts Besonderes. Als wäre es normal. Wäre Seresa nicht so sehr geschockt gewesen, hätte sie geweint. Als Fabrizio schließlich ihr Handgelenk losließ, winkte Uta Seresa zu sich. Wie in Trance bewegte sich Seresa. Verstört näherte sie sich ihrem Engel. Mit einer schnellen Bewegung riss Uta ihr den rechten Ärmel von der Tunika und umwickelte fest Seresas Unterarm. Langsam erhob sich Uta, lächelte ihren Gastgeber freundlich an und nickte ihm zu.

Uta: „Ich hoffe, ihr habt bekommen was ihr wolltet, verehrter Fabrizio. Es ist früh geworden. Habt vielen Dank für eure Gastfreundschaft. Bedauerlicherweise muss ich nun aufbrechen. Habt Dank für den überaus aufschlussreichen Abend.“
Fabrizio: „Natürlich musst du das. Du hast noch einen langen Weg vor dir.“

Fabrizio grinste Uta breit an.

Fabrizio: „Es hat mir gefallen, Uta. Ich hoffe, ich sehe dich bald mal wieder. Dich und deine Kleine… Seresa.“

Der Mann leckte sich grinsend über die Lippen. Uta hatte Seresa am Arm gepackt und sie in Richtung der Tür geschleift.

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Re: Von Licht und Dunkelheit [Seresa, Fluff]

Beitrag von Seresa » Mo 27. Nov 2017, 15:00

987 AD: Saragossa (heutiges Spanien)

In derselben Nacht…
Einige Stunden später in einem Zelt vor Saragossa…

Seresa blickte auf den Racheengel über ihr, in welchen sich Uta verwandelt hatte. In dieses eisige, wütende Monster mit ihren langen Eckzähnen. Sie war wie er. Wie er, der ihren Arm aufgeschnitten hatte und ihr Blut von dem Arm geleckt hatte. So etwas war nicht richtig. So etwas war Gotteslästerei. Sünde. Das war nicht normal. Menschen taten so etwas nicht. Seresa erschauderte bei der Erinnerung daran. Erschauderte als sie sich an den eisigen und unnachgiebigen Griff auf ihrem Arm erinnerte. Und Uta. Ihr Engel. Sie hatte nichts getan.


Als sich Uta nun näherte bewegte Seresa ihre Hände nach hinten. Sie wollte weg. Nur weg von dem Racheengel. Sie wollte nicht in ihrer Nähe sein. Nicht jetzt. Nicht mit all den Erinnerungen. Nicht mit dem Gedanken seiner trockenen Zunge auf ihrer Haut. Dunkelheit. Soviel Dunkelheit brach auf einmal wieder in ihr auf. Sie hatte Angst. Sie war allein. Und da war nur Schwärze. Soviel Schwarz. So viele Erinnerungen.


Seresa durchfuhr der Schmerz der Wunde wie einen Blitzschlag, als sie den Arm belastete. Riss sie für einen kurzen Moment gewaltsam aus ihren Gedanken. Seresa knickte ein und hielt sich den verletzten Arm. Lag auf dem Boden und versuchte weiter robbend von Uta wegzukommen. Doch das lange Gewand verhinderte jeden Fluchtversuch. Seresa versuchte sich wegzuschieben, doch verhedderte sich wieder und wieder im Stoff, während Uta ihr immer näherkam.

Uta: „Husch. Es ist alles gut, Seresa. Husch.“

Seresa zog panisch ihre Hände dicht an ihren Körper. Rollte sich ein. Machte sich klein. Schützte ihren Kopf. Schützte ihren Körper. Die Erinnerungen bahnten sich erneut ihren Weg. Dunkelheit. Soviel Dunkelheit.

Uta: „Seresa.“

Das Mädchen presste ihre Augen zusammen.

Uta: „Sieh mich an, Seresa. Du bist in Sicherheit.“

Wieder und wieder schüttelte die Angesprochene den Kopf.

Uta: „Bitte… Seresa... Sieh mich an.“

Erneut schüttelte sie den Kopf. Uta war wie er. Genau wie er. Sie würde ihr weh tun. Seresa hörte das Rascheln von Stoff, als sich Uta neben sie setzte. Panisch zuckte Seresa zusammen. Ihr Atem ging schnell und stoßweise, während sie sich widerwillig auf eine Berührung einstellte. Doch nichts dergleichen geschah. Zeit verging. Viel Zeit. Doch es geschah: Nichts. Ihr Atem verlangsamte sich wieder. Wurde ruhiger. Vorsichtig, noch immer zitternd, blickte Seresa durch die geöffneten Finger. Uta saß neben ihr. Ihre Haltung aufrecht und anmutig. Ihr Gesicht engelsgleich. Ein wunderschöner, weißer Engel. Ihr wunderschöner, weißer Engel. Ihr Licht, das gerade die Arme für sie öffnete.

Seresa starrte sie an. Dann brachen alle Dämme. Sie drückte sich vom Boden ab, nur um einen Moment später ihren Kopf in Utas Schoss zu legen. Tränen rannen über das Gesicht des Mädchens, während Utas kalte Finger über Seresas lange Haare streichelten.

Uta: „Ich weiß... Ich weiß.“

Wimmernd blieb Seresa einige Momente einfach nur liegen. Genoss Utas schützende Nähe. Ihr Licht. Dann spürte Seresa, wie Utas Finger über den Verband strichen und sie erschauderte.

Uta: „Du weißt noch, was ich zu dir in der Nacht gesagt hatte, als meine Wachen dich aufgegriffen hatten?“

Seresa nickte stumm. Wischte sich mühsam die Augen an dem noch vorhanden Ärmel der Tunika ab.

Uta: „Du wirst mir vertrauen und ich werde dich nicht alleine lassen.“

Uta richtete Seresa sanft etwas auf.

Uta: „Ich hätte das früher tun müssen, aber du warst so rein. So jung. So unschuldig... So wahrhaftig.“

Der Engel schüttelte leicht den Kopf und seufzte schwer.

Uta: „Ich sagte, du wirst mir folgen und ich werde dein Licht sein.“

Uta schwieg für einen Moment, während Seresa nickte.

Uta: „Ich wollte, dass es deine Entscheidung ist. Deine Entscheidung, ob du mir in die Dunkelheit folgst oder nicht.“

Der Engel strich sanft über Seresas Wange.

Uta: „Du wirst mir loyal sein und du wirst mein Kind sein. Das habe ich dir versprochen. Momentan kann ich dich nicht zu meinem wirklichen Kind machen. Wir werden hierbleiben müssen, Seresa. Für einige Jahre. Ich muss hier etwas erledigen. Aber nach diesen Jahren, wirst du mein Kind sein. Bis dahin allerdings...“

Der Engel strich eine Strähne aus Seresas Gesicht.

Uta: „Bis dahin allerdings werden Leute versuchen dir weh zu tun. So wie dir heute weh getan wurde. Sie werden dir wehtun, weil sie mir wehtun wollen. Sie werden dich beleidigen, weil sie mich beleidigen wollen. Sie werden dich erniedrigen, weil sie mich erniedrigen wollen. Ich kann dich nicht davor schützen. Aber ich werde bei dir bleiben. Ich werde dich nicht alleine lassen. Ich werde dein Licht sein und du… du wirst eines Tages mein Kind sein.“

Seresa richtete sich etwas weiter auf und nickte Uta zu.

Uta: „Ich will dir etwas zeigen, Seresa.“

Uta nahm ein Messer und schnitt sich in den Unterarm. Noch ehe Seresa sie aufhalten konnte oder etwas sagen konnte, sah sie, wie die offene Schnittwunde, sich vor ihren Augen wieder verschloss. Seresa griff nach Utas Arm. Drehte ihn hin und her. Betrachtete das Messer, an dem noch rote Reste klebten. Ihre Augen spiegelten deutlich ihre Frage wieder.

Uta: „Nein, ich weiß nicht, warum es funktioniert. Aber solange du ein Teil von mir in dir trägst, kannst du das auch tun.“

Der Engel schwieg für einen langen Moment. Blickte Seresa in die Augen.

Uta: „Der Preis dafür ist hoch. Du würdest nicht altern. Du würdest niemals Kinder gebären. Du würdest ein Stück deiner Selbst verlieren. Ein Stück deiner Unschuld. Deiner Redlichkeit.“

Zärtlich wurden einige Haare hinter Seresas Ohr geschoben.

Uta: „Du würdest anders zu mir empfinden. Du würdest dich an mich binden. Aber ich werde dich nicht dazu zwingen, Seresa. Wenn du bei mir bleiben willst, wirst du in meinem Namen Dinge ertragen müssen. Fürchterliche Dinge. Dinge, die kein Mensch ertragen sollte. Du wirst womöglich durch die schrecklichste Dunkelheit gehen müssen, Seresa. Alleine. Aber wenn du dich dafür entscheidest, werde ich für dich Dasein. Für immer. Ich werde dich nicht verlassen. Ich werde dein Licht sein.“

Uta schwieg erneut für einen Augenblick.

Uta: „Du hast heute Nacht gesehen, was wir wirklich sind. Was in uns wohnt. Du hast einen kurzen Blick auf die Wahrheit geworfen. Hast nicht nur das gesehen, was du sehen wolltest. Hast das gesehen, was wirklich wahr ist. Ich wollte abwarten, bis du älter bist, Seresa. Bis du dein Leben ausgekostet hast. Es sollte immer deine Entscheidung sein, ob du gewillt bist mir in die Ewigkeit zu folgen. Trotz des Wissens. Ich wollte dich nicht dazu zwingen. Ich wollte, dass es dein eigener freier Wille ist. Dass du den Schritt tust aus freien Stücken.“

Dann strich Uta mit einem traurigen Lächeln auf den Lippen über Seresas Wange.

Uta: „Denk gut darüber nach, Seresa, denn es gibt kein Zurück.“

Gerade als der Engel sich erheben wollte, griff Seresa nach Uta. Blickte ihr in die Augen. Hielt ihren Engel fest. Seresa kannte die Antwort. Sie kannte sie schon immer. Kannte sie, obwohl sie das wahre Antlitz ihres Engels gesehen hatte.

Seresa: „Ich will dir folgen, Uta.“

Langsam aber bestimmt, machte ihr Kopf eine nickende Bewegung.

Seresa: „Für immer.“

Uta nickte und wandte sich an Seresa.

Uta: „Schließ die Augen, Seresa.“

Seresa nickte und tat wie ihr geheißen. Seresa sah nicht, wie Utas Zähne wuchsen. Wie sie lang und spitz wurden. Seresa sah auch nicht, wie Uta sich ins Handgelenk biss. Sah die zwei kreisförmigen Löcher nicht. Sie spürte nur Utas Körper. Spürte wie sie sanft von hinten umarmt wurde. Gestützt wurde. Gehalten wurde.

Uta: „Öffne deinen Mund.“

Seresa öffnete ihre Lippen und spürte einen Moment später, wie ihr Kopf nach hinten auf Utas Schulter überstreckt wurde. Utas Stimme war leise und sanft an Seresas Ohr.

Uta: „Trink.“

Bevor Seresa fragen konnte was Uta damit meinte, schmeckte sie bereits den eisenhaltigen Geschmack in ihrem Mund. Sie spürte, wie der Engel seinen Unterarm gegen ihre Lippen presste. Spürte, wie Ekel und Widerwille in ihr aufkeimten. Die Erinnerung an den heutigen Abend. Verzweifelt griffen ihre Hände nach Utas Unterarm. Seresa wollte ihn von ihren Lippen wegdrücken, denn sie spürte, wie sich die Flüssigkeit immer mehr in ihrem Mund ansammelte. Sie würde sie schlucken müssen oder sie würde ersticken. Seresa wurde panisch. Riss die Augen auf. Blickte sich verzweifelt um. Dann hörte sie Utas warme Stimme. Die zärtliche Stimme, die sie erneut sanft dazu aufforderte zu trinken. Seresa blickte ihren Engel aus den Augenwinkeln an. Dann schloss sie ihre Augen. Schmeckte das Blut auf ihrer Zunge. Spürte den Druck an ihrem Rachen. Fühlte das Verlangen zu Schlucken. Schließlich gab sie ihm nach. Schluckte. Wieder und wieder. Gab sich voll und ganz dem Moment hin. Gab sich Uta hin. Gab sich ihrem Licht hin. Ihrer Glückseligkeit.

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Re: Von Licht und Dunkelheit [Seresa, Fluff]

Beitrag von Seresa » Mi 6. Dez 2017, 13:50

988 AD: Saragossa (heutiges Spanien)

Uta: „Besser.“

Uta nickte Seresa zufrieden zu.

Uta: „Ich will ihn sehen am nächsten Sonntag.“

Dann machte sie eine auffordernde Geste in Richtung Seresa. Das Mädchen überlegte für einen Moment, bevor sie ihre Haltung korrigierte, einige Schritte auf Uta zuging und sich dann tief verbeugte. Seresa sprach langsam und mit deutlicher, klarer Stimme. Ihr arabisch hatte sich in den letzten Jahren deutlich verbessert.

Seresa: „Mein Name ist Seresa, Dienerin der höchst verehrten Uta. Meine höchst verehrte Herrin hatte mich zu Euch geschickt und mir aufgetragen Euch Ihre aufrichtigen Worte des Dankes zu überbringen.“

Seresa zögerte für einen Moment, während Uta ihr eine auffordernde Geste machte weiterzusprechen.

Seresa: „Meine Herrin würde sich überaus freuen, Euch höchst verehrter Fabrizio am kommenden Ruhetag des Herrn in ihrer bescheidenen Behausung begrüßen zu dürfen.“

Uta schüttelte unzufrieden den Kopf.

Uta: „Verwende nicht freuen. Nochmal.“
Seresa: „Mein Name ist Seresa, Dienerin der höchst verehrten Uta. Meine höchst verehrte Herrin hatte mich zu Euch geschickt und mir aufgetragen Euch Ihre aufrichtigen Worte des Dankes zu überbringen. Meine Herrin möchte Euch, höchst verehrter Fabrizio, am kommenden Ruhetag des Herrn zu sich in ihrer bescheidene Behausung einladen.“
Uta: „Nein, das ist zu unhöflich.“

Seresa seufzte verzweifelt.

Seresa: „Was soll ich denn sonst sagen, Uta?“
Uta: „Wie wäre es mit: Zur Ehre gereichen?“

Seresa senkte für einen Moment den Kopf und nickte dann. Dann sah sie ihrem Engel in die Augen.

Seresa: „Uta? Warum muss ich das lernen? Es klingt so…“

Das Mädchen versuchte mit den Händen etwas zu greifen, das nicht da war.

Seresa: „So schmeichelnd. So anbiedernd. So falsch, nach allem was er mir angetan hat.“

Uta lächelte Seresa gutmütig an und deutete auf den Platz neben sich auf ihrer Schlafstätte.

Uta: „Setz dich, Seresa. Ich möchte dir etwas erklären.“

Seresa nickte, ließ sich neben ihrem Engel auf dem mit einem Laken bedeckten Heu nieder und blickte sie an.

Uta: „Wir alle haben Stärken und Schwächen, Seresa. Ich möchte, dass du lernst deine Stärken richtig einzusetzen.“

Uta strich fast liebevoll über die Wange Seresas, die für einen kurzen Moment die Augen schloss.

Uta: „Du bist so rein und unschuldig. So redlich und loyal. Im Gegensatz zu mir, wirst du in der Welt niemals auffallen, denn du wirkst gewöhnlich, klein und unscheinbar.“

Seresa hatte bei den letzten Worten ihres Engels den Blick gesenkt. Auf ihrem Gesicht spiegelte sich deutlich Trauer und Enttäuschung wieder. Das Gefühl, dass sie nie ihrem Engel genügen würde. Uta legte ihre Hand sanft unter das Kinn von Seresa. Richtete ihren Kopf damit auf und schenkte ihr ein warmes Lächeln.

Uta: „Nein. Nein, Seresa, nicht. Das ist etwas Gutes.“

Das Mädchen blickte Uta in die Augen, während die zarten, grazilen und eisigen Finger des Engels über ihre Wange strichen.

Uta: „Deine Stärke ist es nicht, mit liebreizenden Worten dein Gegenüber um den Finger zu wickeln. Deine Stärke ist es nicht, andere zu führen und ihnen den Weg zu weißen. Deine Stärke ist es nicht, für andere ein Engel zu sein.“

Utas Blick war sanft auf ihren Ghul gerichtet.

Uta: „Aber gerade, weil du in diesen Dingen nicht gut bist, womöglich auch niemals gut wirst, weil sie deinem liebevollem Wesen wiedersprechen, musst du lernen deine Stärken zu nutzen.“

Der Engel nahm seine Hände von Seresa. Blickte sie ernst an.

Uta: „Wir sind keine Männer, Seresa. Uns ist es nicht gestattet, Waffen oder Rüstung zu tragen. Uns ist es nicht gestattet, uns auf diese Art zu schützen. Uns ist es nicht gestattet, dass wir damit um das kämpfen was uns zusteht. Wir können unseren Wert nicht in offenen Schlachten beweisen. Unser Wert kann nicht bemessen werden an den Feinden, die wir eigenhändig erschlagen haben. Wir müssen andere Wege finden, um unseren Wert zu zeigen. Eine andere Art des Kampfes.“

Uta blickte Seresa eindringlich an.

Uta: „Ich möchte, dass das Wort dein Schwert wird. Die Etikette deine Rüstung. Du wirst noch viele, sehr viele Jahre brauchen, bis du tatsächlich dieses Schwert und dieses Schild nutzen kannst, um damit anzugreifen und dir deinen Platz in der Welt zu sichern.“

Seresa nickte Uta verstehend zu.

Uta: „Für den Moment möchte ich, dass du stärker wirst, Seresa. Dass du lernst dich zu behaupten. Dich zu schützen. Du bist schlau, Seresa. Hartnäckig. Du lässt dich nicht abbringen von deinem Ziel. Du folgst ihm. Koste es was es wolle.“

Uta blickte Seresa fast bemitleidend an.

Uta: „Ja, Fabrizio hat dich geschändet. Hat dir dein Blut wider deinen Willen geraubt. Ja, es war furchtbar. Nicht nur für dich…“

Die Hand des Engels strich liebevoll über Seresas kurze Haare.

Uta: „Sondern auch für mich. Doch du bist noch immer hier, Seresa. Du hattest Angst, doch du hattest auf mich vertraut und ich auf dich. Wir werden es schaffen, Seresa. Gemeinsam. Ja?“

Seresa nickte stumm, während Uta ihr Nicken mit einem sanften Lächeln quittierte.

Uta: „Gut. Dann lass uns weiter üben, ja?“

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