Mein ist die Rache [Fluff - Angelique]

Fluff und Briefe

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Angelique
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Mein ist die Rache [Fluff - Angelique]

Beitrag von Angelique » Di 22. Aug 2017, 09:48

Onofrio schaute sich panisch um. Er glaubte überall Wispern zu hören und dass die Leute ihn beobachteten und über ihn tuschelten. Er war ein einfacher und brutaler Mann. Das Leben in den Slums hatte ihn dazu gemacht. Gewissen konnte man sich dort nicht leisten. Jeder wusste, dass der Teufel über alle dort herrschte und dass man verdammt war, wenn man im Katzenklo Genuas hauste. Aber man lebte gut und genoss des Teufels Segen. Seit der Sache in Kreuzdorf hatte man sogar Satans unbesiegbare Heerscharen in Aktion gesehen. Onofrio gehörte dazu. Es war berauschend wie Wein oder kreischende, sich wehrende Weiber.

Doch in letzter Zeit zahlten manche den Preis für den Erfolg. Ihre sieben guten Jahren schienen abgelaufen. Der Teufel forderte ihre Seele ein. Der einäugige Paolo und Huren-Michele hatten sich im Streit beim Würfelspiel gegenseitig erdolcht, Putanesca-Puccio war ausgeweidet gefunden worden und Schänder-Ercole hockte brabbelnd und kastriert am Kirchplatz in seinen Exkremten und bettelte.

Und nun war scheinbar Onofrio dran. Seine Untaten holten ihn ein und es gab nur einen Ausweg, wollte er nicht ewig brennen. Er lief eher, als das er ging, zur Kapelle. Beichte, Absolution und dann von neuem sündigen. Das war der Trick! Der schlaue Battista hatte ihn das verraten. Der Katzenteufel sah das nicht gern, aber er musste es ja nicht wissen.

Nur noch wenige Meter und Onofrios Seele war gerettet!

Es war still geworden. Die Instinkte des erfahrenen Beutelschneiders, Schänders und Kehlenschlitzers meldeten sich sofort. Es war zu still. Er sah die Glocken zur Abendmesse schlagen, aber er hörte sie nicht! Nichts war zu hören! Keine Rufe, kein Hundegebell, nichts!

Ein Schatten fiel in die Gasse. Der Teufel war gekommen, um ihn zu holen! Er erinnerte sich an die Schauergeschichten, die seine Mutter oder ihre Kolleginnen im Hurenhaus erzählt hatten, als er klein war. Sie wurden wahr!

Ein harmloses kleines Mädchen in abgetragenem Pilgermantel und mit breitem Schlapphut! Wie in den alten Schauermärchen! Augen glommen im Schatten unter der Krempe wie die verfluchten Katzenaugen der Höllentiere.

Eine große Sichel wurde unter dem Mantel von zarter Kinderhand hervorgeholt und schlug lautlos Funken an der Bruchsteinmauer der Gasse.

Onofrio tat, was jeder getan hätte. Ein erprobtes Mittel, gegen welches die Dämonen der Nacht keine Gegenwehr hatten und fliehen mussten: Er begann laut zu beten und die Namen der Heiligen und der Jungfrau Maria dem Unhold in harmloser Gestalt entgegenzurufen. Aber nichts! Seine Lippen bewegten sich, doch keine rettenden und erlösenden Worte kamen hervor.

Der Dämon in Kindergestalt grinste wissend. Weiß glitzerten im Schatten des Huts die messerscharfen Reißzähne auf.
Onofrio schrie und schrie und schrie. Aber Stille lag über der Gasse.
"I'm a mighty thesaurus! Rawr!"

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