Das kainitische Rechtssystem

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Il Canzoniere
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Das kainitische Rechtssystem

Beitrag von Il Canzoniere » Sa 18. Mär 2017, 02:41

Verglichen mit unserem menschlichen Rechtssystem, all den Ausnahmen, Richtlinien, Durchführungsverordnungen, Sondererlassen und Urteilen ist das kainitische Rechtssystem ein einfaches, spartanisch gehaltenes System das auf sechs Regel basiert. Den Traditionen: http://www.genua-bei-nacht.de/viewtopic.php?f=4&t=2

Pepp bekommt es dadurch das es (häufig) nur eine einzige Person gibt die diese (recht vage gehaltenen) Regeln interpretieren, lesen und Recht sprechen darf: der Prinz der jeweiligen Domäne. Es kommt also sehr stark auf den Charakter, den Weg der Erleuchtung und den Clan des Prinzen an wie genau eine Regelverletzung behandelt bzw. bestraft wird. Was soviel heißt wie: was bei euch zu Hause geduldet wurde ist in Genua noch lange nicht erlaubt und anders herum.
Diese Regelung soll zum einen helfen das alle, egal wie Vampire-erfahren sie auch sein mögen, sich darauf einstellen müssen und nicht von ihren Vorkenntnissen zehren können ohne das sie diese verwerfen müssen. Der Kommentar "Aber in Domäne X war das erlaubt!" ist eine gute Erklärung für Fehltritte (dennoch:Unwissenheit schützt vor Strafe nicht).

Kainiten haben sich ein sehr hartes System erdacht, welches sich im Mittelalter jedoch kaum von Sterblicher Härte unterscheidet. Es gibt vielerlei brutale Strafen für Vergehen und auch der Tod durch das Richterschwert ist eine der Optionen. Zur Einschätzung der Gesamtsituation möchte ich euch eine kleine Übersicht über die Traditionen und die Bestrafungen die für diese üblich sind geben. Auch weil das eine Sache ist die eure Kainiten viel besser einschätzen können als ihre Spieler - da sie ja in ihrer Kindheit eine Ausbildung genossen haben die soetwas umfasst.

Strafen mit denen man in Genua rechnen kann: Loswerden der sterblichen Altlasten + Übertragung einer (undankbaren) Pflicht, Verlust von Ämter/Vorteilen/Rechten/Jagdgebieten, Verlust von Gefolgsleuten/Ghulen, Verlust von Besitz, Verlust von Körperteilen, Folter, Gottesurteil, erzwungenes Blutsband, Starre, Verbannung, Vernichtung

Ingame dürft ihr dieses Wissen nutzen, solange euer Wert in Gesetzeskenntnis das hergibt ;-)
Die erste Tradition - Der Bund
Durch dein Blut wirst du zu meinem Nachkommen, geschaffen nach meinem Bilde.
Mein Fluch sei dein Fluch, meine Erlösung deine Erlösung.
Ich stehe vor dir und über dir als Regent Gottes. Ich bin der Weg, meine Traditionen sind der Bund.
Verleugne mich und du verleugnest alle Hoffnung.
So sprach Kain.
Diese Tradition soll - je nach Auslegung - sicherstellen das Kainiten sich von ihrer alten Existenz abwenden und in die neue Welt, die sich ihnen eröffnet, übergehen. Sie soll vermeiden das geliebte Menschen wie Ehepartner, Kinder oder Eltern ebenfalls mit dem unsterblichen "Geschenk" bedacht werden, das Rache an sterblichen Feinden genommen wird oder weiter nach Zielen in der sterblichen Welt (Erlangung des Bischofsamtes/Grafenwürde) gestrebt wird. Die sterbliche und die kainitische Gesellschaft sind zwei getrennte Welten die nur zufällig am gleichen Ort stattfinden. So wie der Blick einer Katze auf die Welt eine völlig andere ist als die eines Menschen. Sicher, da stehen die gleichen Häuser. Und man kann interagieren. Aber eigentlich ist viel wichtiger welcher miese Streuner durch den eigenen Garten gelaufen ist, wo dieses verdammte Mauseloch ist und welche Nachbarskatze rollig ist. Nicht die Steuern des Landesherren oder der Ehepartner fürs Kind.
Natürlich gibt es anderswo auch Prinzen die sie wortwörtlich auslegen und Kain als kainitischen Jesus darstellen oder solche die die erste Tradition weitgehend ignorieren und sie eher als Ansatz "wie die Welt eben ist" verstehen, dass es Clansflüche gibt (was Caitiff bspw. automatisch zu Traditionsbrechern macht) usw. oder solche die damit Kainiten mit anderer Weltsicht jagen (Jünger des Seth, nordische Kainiten, Sekten).
Ein Bruch kann daher bspw. das Zeugen von Familienangehörigen, das Erlangen eines sterblichen Amtes oder der zu enge Kontakt mit alten, menschlichen Freunden sein.

Die zweite Tradition - Domäne
Wie ich Herr über Nod bin, so ist deine Domäne deine eigene Angelegenheit.
Du bist ihr Herr und alle werden dies achten oder deinen Zorn auf sich ziehen.
Wer deine Domäne betritt, der soll sich dir zeigen und du wirst ihn schützen.
Wer in deiner Domäne lebt, dessen Blut steht dir zu.
Nimm diese Verantwortung an und erweise ihr Respekt.
Wer achtlos mit ihr umgeht, der bricht den Bund mit mir.
So sprach Kain.
Die Tradition der Domäne wird von den allermeisten Prinzen (in typischem Egozentrismus) so interpretiert, dass sie die einzigen sind die irgendwelche Gewalt innerhalb ihrer Domäne anwenden dürfen (die sie meist durch schiere Gewalt gewonnen haben). Alle Regeln, alle Schiedssprüche und alle Entscheidungen gehen vom Sonnenkönig...ähm vom Prinzen aus. Natürlich haben viele Prinzen keine Lust flüchtigen Verbrechern hinterherzulaufen, auf ein Elysium aufzupassen oder sich um die Verwaltung von Jagdterritorien zu kümmern und erlauben daher einzelnen Kainiten (den Amtsträgern) dies an ihrer Stelle zu tun. Die zweite Tradition soll vermeiden, dass Anarchie herrscht und ermöglicht erst eine kainitische Gesellschaft. Ohne sie wären keine Elysien, keine Erstgeborenenräte und keine Domänenstruktur denkbar.
Ein Bruch kann daher das illegales Eindringen, jagen, wohnen oder den Mund aufmachen in einem bestimmten Machtbereich, Nichtachtung prinzlicher Authoritäten (auch die von Amtsträgern in Pflichtausübung) oder Amtsmissbrauch sein.

Die dritte Tradition - Nachkommenschaft
Zeuge andere nur mit dem Segen deiner Ahnen.
Zeugung liegt in der Gewalt derer, die mir am nächsten sind. Denn sie werden von mir gerichtet.
Wer sich hiergegen wendet, bricht den Bund mit mir.
So sprach Kain.
In der Regel bezieht sich dies darauf, dass niemand ohne Erlaubnis des Prinzen (und meist auch seiner eigenen Ahnen) weitere Kainiten in die Welt setzt. Zwar gibt es einige fanatische Prinzen die diese Regel auch auf die Zeugung von Ghulen ausdehnen, einige Domänen mit schwachen Prinzen und starken Erstgeborenen die auch anderen Ahnen solche Erlaubnisrechte gewähren sowie weitere die die Rechte nicht vom Alter sondern von der Generation abhängig machen, aber diese sind nicht unbedingt die Mehrzahl. Im Grunde soll die Tradition davor bewahren, dass Massen an unsterblichen Wesen (die nicht sonderlich zimperlich mit ihrer Beute umgeht) gezeugt werden, die die Geheimhaltung ad absurdum führen (was zu täglichen Fackelmobangriffen auf ALLE Kainiten führend würde), sich Gegenseitig alle Nahrung wegfressen (und damit weniger für die Alten übrig lässt) und den Aufbau von Machtbasen die dem regierenden Prinzen gefährlich werden könnte ermöglichen würde.
Ein Bruch wäre die illegale Zeugung eines oder mehrerer Kinder - ganz gleich ob das Kind die Zeugung überlebt oder nicht.

Die vierte Tradition - Rechenschaft
Die du zeugst sind dein eigen Blut. Ihre Sünden sind die deinen.
Ihr Blut und ihre Strafen gehören dir.
Bis du sie entlässt.
Wer dies verweigert, bricht den Bund mit mir.
So sprach Kain.
Die vierte Tradition wird in der Regel auf kainitische Kinder angewandt, kann jedoch unter bestimmten Umständen auch für Ghule, Blutsgebundene oder freigesprochene Neugeborene gelten die ausschließlich auf Befehl ihrer Erzeuger handeln (können). Sie stellt sicher das mit neu in die kainitische Gesellschaft aufgenommene Kainiten verantwortungsbewusst umgegangen wird. Nicht weil "Jugendschutz" ein Begirff ist der im Repertoire der unsterblichen Blutsauger häufig vorkäme sondern um Missbrauch vorzubeugen. Andernfalls gäbe es unzählige, nicht freigesprochene Kinder die versuchen würden feindliche Kainiten - entgegen aller traditionen - abzuschlachten (und im Gegegnzug dafür selbst hingerichtet werden, ein kleiner Preis für die Vernichtung eines Feindes). Weiterhin ermöglicht die Tradition die Sicherstellung der Loyalität. Kinder die sich als Ungehorsam herausstellen können kurzerhand von ihrem Erzeuger vernichtet werden, falls er bemerkt das sie seinen Zielen oder denen seiner Linie zuwiderhandeln oder einfach nicht mit ihrer neuen Existenz klarkommen (und somit jede Menge Probleme verursachen würden). Die Tradition setzt außerdem Standards. Dank ihr gibt es Dinge die man von einem Neugeborenen erwarten kann und über die man sich daher weniger Gedanken machen müsste als andernfalls.
Ein Bruch wäre beispielsweise ein Traditionsbruch durch das eigene Kind.

Die fünfte Tradition - Vernichtung
Es ist dir verboten das Blut eines anderen zu vergießen, der älter ist als du.
Dieses Recht steht nur denen zu, die mir nahe sind.
Wer sich gegen seine Ahnen erhebt, bricht den Bund mit mir.
So sprach Kain.
Du sollst nicht töten. Dieses Gebot gilt auch unter Kainiten. Wobei damit meist nur andere Kainiten gemeint sind. Viele Prinzen legen diese Tradition außerdem sehr scharf aus. Die "Ahnen" das sind in der Regel nur sie selbst (und evtl. ihre Amtsträger) auch wenn unter gewissen Umständen auch den Ahnen der einzelnen Linien ein solches Entscheidungsrecht eingeräumt werden kann. Diese Tradition soll die (wenigen) Ahnen und die Alten vor den (vielen) Nachgeborenen schützen. Denn die Ahnen fürchten die Zahl und die Gier ihrer Nachfahren. Haben doch auch sie einst nur durch Verrat und Vatermord ihre jetztige Stellung erreicht. Rebellionen werden so im Keim erstickt. Aufrührer einzeln ausfindig gemacht und ausgeschaltet. Sollte diese Tradition einmal wanken, die Auswirkungen auf die kainitische Gesellschaft könnten nicht größer sein.
Ein Neugeborener würde sich eines Bruches der Tradition der Vernichtung durch die Vernichtung eines anderen Kainiten schuldig machen. Ganz gleich wie alt die beiden wären.

Die sechste Tradition - Die Stille des Blutes
Nie sollst du dich denen zu erkennen geben, die nicht von meinem Blut sind.
Wer so handelt, bricht den Bund mit mir.
So sprach Kain.
Diese mit einem hohen Blutzoll erkaufte Tradition ist die unsichtbare Barriere zwischen Sterblicher und Unsterblicher Welt. Kein Mensch darf jemals erfahren welche Monster unter ihnen leben, sich von ihnen nähren und sie manipulieren. Denn ein einzelner Mann reicht manchmal aus um einen Flächenbrand mit dutzenden, wenn nicht hunderten, vernichteten Kainiten nach sich zu ziehen die bei Tag aus ihren Unterschlüpfen gezogen werden. Umso penibler wird auf die Einhaltung der Stille geachtet. So stark das sie ganze Clans, wie die Nosferatu, viele verwilderte Gangrel oder alte Kappadozianer völlig aus der sterblichen Gesellschaft separieren.
Die Breite der Auslegung schwankt stark. Wo einige Prinzen kein Problem mit dutzenden von eingeweihten Ghulen oder gar einzelnen, sterblichen Geheimnisträgern haben, lehnen andere sogar die Einweihung von Blutsdienern oder gar Ghulen rigoros ab. In diesen Fällen treten Lügenkonstruke, Ausreden und Täuschungen an die Stelle der Wahrheit.
Der Bruch der sechsten Tradition ist auf vielfältige Art und Weise möglich: Das demonstrieren von Blutskräften, Fangzähnen, dem Tier, durch Worte, medizinische Untersuchungen, den Blick eines heiligen Mannes oder gänzlich andere Umstände. Alle haben sie gemein das sie den Sterblichen einen Blick hinter den Schleier der NAcht ermöglichen. Und das gilt es um jeden Preis zu verhindern.

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