Wie wird man Ancilla - und bleibt es auch?

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Il Canzoniere
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Wie wird man Ancilla - und bleibt es auch?

Beitrag von Il Canzoniere » Sa 10. Feb 2018, 18:49

Da wir mittlerweile eine Chronikstruktur erreicht haben wo diese Frage auch für SCs relevanter wird (und sei es um die richtigen Schritte zu gehen oder um richtig mit Ancilla umzugehen) habe ich mal einen kleinen Katalog bzgl. der Ancilla-Werdung und dem was diesen Status ausmacht getextet. Denn wie unter Menschen mit einem anderen Status (Bauer vs. Ritter) gibt es unter Kainiten ebenfalls bestimmte Anforderungen an jeden Status.

Wie wird man Ancilla?
Zuerst und das ist wohl der wichtigste Punkt: es ist keine Sache des Alters. Zunehmendes Alter mag helfen, da man viele der notwendingen Erfahrungen gemacht und Erkenntnisse gewonnen hat, die Zugangsvorraussetzung sind um auf dem Parkett mithalten zu können, aber es gibt keine Ober- oder Untergrenze an der man sagt: so jetzt muss ich aber mal Ancilla werden. Die meisten Ancilla bewegen sich zwar zwischen den (kainitischen) Altersstufen von 150-250 Jahren, es gibt jedoch auch jüngere und ältere unter ihnen. Vielmehr kommt es darauf an wie "weit" jemand ist. Schaut man sich Teenager an sind einige vernünftige, nachdenkliche, bereits sehr erwachsene Wesen und andere wiederrum Kinder mit Stoppelbart die über infantile Witze gröhlen. Diese Schwelle aber der sich das Verhalten ändert, an der man anders zu denken beginnt ist ein schönes Beispiel dafür wie sich die Schwelle vom Neugeborenen zum Ancilla überschreiten lässt. Man schätzt den Stellenwert vieler Dinge neu ein, betrachtet Angelegenheiten von einem anderen Blickwinkel und - vielleicht am wichtigsten - verhält sich anders.
Dieser schleichende Prozess verwandelt Neugeborene, ganz langsam (und für jeden in seinem eigenen Tempo) in Ancilla.

Nun ist "Ancilla" kein dankbarer Status. Im Gegenteil. Im Vergleich zu den gelegentlichen Intrigen, dem ein oder anderen Mordversuch oder der gelegentlichen öffentlichen Demütigung als Neugeborener, ist das Unleben als Ancilla ungleich gefährlicher. Die Ahnen, selbst einmal Ancilla gewesen, wissen sehr genau wer ihnen nach dem Leben trachtet um ihren Platz einzunehmen - und sorgen daher dafür das die Nachzügler es nicht leicht haben. Währenddessen gieren ehrgeizige Neugeborene nach dem Platz der Ancilla in der Gesellschaft. Gleichzeitig konsolidieren sich die Ancilla untereinander. Selten vergeht ein Ahn in Staub, Trägheit oder unvorhergesehenen Ereignissen. Den Wettlauf um diese raren Gelegenheiten, in die Fußstapfen eines Ahnen zu treten, führt man gegen die seinen. Für ein miteinander reicht der Platz nicht. Kurzum: der Ancilla ist allein. Unfähig mehr als mittelfristige Bündnisse aufzubauen, alle bestehenden positiven Beziehungen nach und nach abfallend, endet die Straße der Ancilla erst dort wo sie gänzlich allein sind: im Tod...oder im Ahnenstatus.

Um Ancilla zu werden muss daher vorgesorgt werden, denn gerade die ersten Jahre wird der Druck und die Versuche sie auszuschalten besonders hoch zu sein - schon allein weil dort die Chance am höchsten ist. Daher ist der Neugeborene der die Statusgrenze unvorbereitet übertritt nur eine kurzzeitige Erscheinung. Wer nicht mit einer Sammlung von Gefallen, physischer und/oder mystischer Macht und einem gewissen Gespür für Politik, Etikette und Wissen daherkommt, kann sich meist nicht lange halten. Wird unter den gnadenlosen Stiefeln seiner Mit-Ancilla, den gierigen Händen der Neugeborenen oder unter den stechenden Blicken der Alten im Staub zergehen.

Es empfiehlt sich daher den aktuellen Stand der Domäne einer genauen Analyse zu unterziehen: ist überhaupt noch Platz für einen weiteren Ancilla? Oder muss erst Platz geschaffen werden? Mit wieviel Widerstand aus den Reihen der Ancilla ist zu rechnen? Und aus den Reihen der Neugeborenen? Bietet man selbst irgendwo (physische Form, politisches Verständnis, übernatürliches Wissen, kainitische Etikette) Angriffsfläche? Dies wird stets der Punkt sein an dem der Feind zuschlägt.
Im Endeffekt entscheiden die anderen Ancilla ob du so stark bist das sie dich nicht zertrümmern können - und sie daher wohl oder übel mit dir Leben müssen. Möchte man Ancilla werden, sollte man hier die Grenzen austesten, die bereits in der Domäne vorhandenen Ancilla bezahlen, würdig erscheinen und/oder klar machen das sie nichts dagegen tun können - man jedoch lieber mit ihnen spielen würde als gegen sie. Man sollte sich hier jedoch keine Illusionen machen: zeigt man Schwäche, offenbart einen wunden Punkt oder macht man einen Fehltritt wird dieser gnadenlos ausgenutzt werden. Der zeremonielle Schritt zum Ancilla ist keine Versicherung für die Zeit als dieser. Sie gleicht eher eine Teilnehmer-Eintrittskarte in eine Gladiatorenarena.


Was wird von einem Ancilla erwartet?
Kainiten erwarten von einem Ancilla andere Dinge als von Neugeborenen. Wer den Schritt zum Ancilla wagen möchte, sollte diese daher idealerweise bereits im vorhinein liefern können - da man sonst (bildlich gesprochen) zu einem Test zugelassen wird durch den man augenblicklich durchfällt.
Man muss nicht auf allen diesen Gebieten hervorstechen, jedoch sollte ein Ancilla zumindest auf einem, besseren mehreren Gebieten stärker glänzen als jeder andere innerhalb der Domäne. Sei es pure Macht die man durch geschickte Positionierung seiner Diener durchsetzen kann, Informationen an die sonst niemand herankommt, tiefes, mystisches Wissen für das die Neugeborenen alles bereit zu geben wären, einer messerscharfen Analyefähigkeit oder auch eine simple, brutale Unbezwingbarkeit in körperlichen Auseinandersetzungen.
Daneben wird ein Kainit stets an seinen Worten gemessen. Jede Frechheit, jede Beleidigung muss gesühnt werden können. Lässt man den Neugeborenen soetwas durchgehen, ist man bald wieder einer von ihnen. Eine spürbare Barriere zwischen denen und euch muss existieren. Trifft man eine Aussage, dann sollte diese besser auch eintreten. Andernfalls sind eure Aussagen bald nichts mehr wert. Der Ancilla muss daher jederzeit dazu bereit sein drastisch durchzugreifen.


Unterschiedliche Typen von Ancilla
Jeder Mensch, jeder Kainit und jeder Ancilla sind Individuen. Jeder ist anders als der nächste. Jeder ist einzigartig. Natürlich gibt es daher unzählige verschiedene "Typen" unter den Ancilla. Grob aufgeteilt kann man jedoch einige wenige "Strömungen" identifizieren mit denen man - falls man muß - diejenigen in diesem Status gruppieren kann. So gibt es jene die sich zurückziehen und aus der kainitischen Gesellschaft separieren um weniger Angriffsfläche zu bieten und ihren eigenen Plänen nachzugehen, jene welche sich dazu entscheiden die kainitische Gesellschaft ihrer Domäne zu dominieren um gar nicht erst Gedanken an Usurpation aufkommen zu lassen sowie jene die bemerken das die kainitische Welt nicht an der Grenzlinie der Domäne endet - und ihren Blick auf das überregionale wenden um hier liegende Chancen und Gefahren besser im Auge behalten zu können.
Die erhöhte Freiheit, die mit dem neuen Status einhergeht nutzen weitere für ihre ureigenen Ziele - wie auch immer diese gelagert sein mögen.


Was tun Ancilla?
Häufig überschneidet sich das Alter eine Ancilla früher oder später mit der Phase eines Kainiten in der er sich von der sterblichen Welt ganz und gar zurückzieht bzw. den Bezug zu dieser verliert. Sprache, Glaube und Gewohnheiten der Sterblichen ändern sich binnen Generationen derartig schnell, dass für jemanden der zu ewiger Stasis verdammt ist, ein Mithalten kaum möglich ist. Und da aus der Parallegesellschaft der Kainiten jederzeit Gefahr lauert der man nicht den Rücken zudrehen darf, verliert die Welt unter der Sonne immer mehr an Fokus, bis sie nur noch eine Erinnerung ist die nicht mehr wahr werden kann.
Stattdessen taucht der Ancilla voll in jene nächtliche Parallegesellschaft ein. Er sucht und erkennt die unsichtbaren Fäden die die Gesellschaft zusammenhalten, erkennt das es nicht in jeder Domäne ein Netz voller Abhängigkeiten, Gefallen, Neid und Missgunst gibt sondern das alle Netze jeder Domäne zu einem einzigen, gigantischen Netz verwoben sind. Das die Ahnen die Spinnen sind die in ihm jagen. Und das man einen besseren Blickwinkel benötigt um nicht selbst zur Beute zu werden. Wie frisch in eine Domäne stoßende Neugeborene muss das neue Terrain erkundet werden - in Gesprächen mit Ancilla naher Domänen, Austausch von Informationen mit diesen, dem schaffen von Allianzen und Feindschaften.


Zeitgefühl
All diese neuen Variablen, die zu den bereits bestehenden hinzu kommen, sorgen dafür das Ancilla in der Regel noch viel beschäftigter sind als Neugeborene. Verbringen sie Nächte mit dem Verhör ihrer Spione aus fremden Domänen, dem verfassen von Briefen, dem sammeln von Gefallen und dem erfüllen fremder Gefallen, dem auftreiben besonderer Geschenke, dem empfangen von Bittstellern (bspw. den örtlichen Neugeborenen) und dem verfolgen der eigenen Ambitionen. Wie auch bei Menschen ist die zeitliche Wahrnehmung eine relative. Das fünfte Lebensjahr fühlt sich lang an - da es ein fünftel des gesamten Lebens umfasst. Das hundertset Lebensjahr, welches ebenfalls 365 Tage hat, ist jedoch nur noch ein hundertstel des gesamten Lebens und fühlt sich daher (erwiesenermaßen) unglaublich viel kürzer an. Folgt man dieser Logik, wird klar weshalb so mancher Ahn (und sogar der ein oder andere Ancilla) aus diesem schwindelerregenden Karussel der Zeit aussteigt und sich in die Ruhe der freiwilligen Starre begibt.


Angemessenes Verhalten
Ist niemand gleich- oder höherrangiges anwesend ist es der Ancilla der kainitische Begegnungen führt. Er entscheidet wer mitreden darf, wann ein Gespräch beendet ist und wo es stattfindet. Außerdem kommt der Kuchen niemals zum Krümel, es begeht sich immer andersherum. Sprich: der Ancilla lädt ein oder gewährt Audienz - was jedoch eher eine evolutionär verursachte Tatsache ist als eine wirkliche Regel (so mancher Ancilla ist bereits in einen Hinterhalt gelaufen). Außerdem sorgt er dafür das er stets den Respekt bekommt den er verdient - er verzeiht nicht leichtfertig Fehler anderer, denn ihm wird dies ebenfalls nicht verziehen - früher oder später kommt alles zu ihm zurück. So kann eine hastig ausgesprochene, falsche Betitelung mindestens dazu genutzt werden den anderen Kriechen zu lassen, denn: wer dies nicht so schwer nimmt sagt das es nicht so schwer wiegt. Womit es nicht so schwer wiegt. Womit er nicht so schwer wiegt.
Man muß Abstand zwischen sich und die Neugeborenen bringen - sonst wird man immer ein solcher bleiben. Man setzt sich nicht der Gefahr eines Ancilla-Statusses aus um dann jedem zu suggerieren das sich nichts geändert hat. Denn dann hat sich nichts geändert. Und man bleibt Neugeborener. Egal was man proklamiert und wen man besticht.

Zuletzt vielleicht der wichtigste Punkt: Ahnensprache.
Sind sich viele Neugeborene nicht einmal bewusst das es diese überhaupt gibt, muss sie einem Ancilla unbedingt gewahr sein. Auf dem Weg ins Ahnentum ist die Zeit die Kainiten als Ancilla verbringen eben jene in der man diese erlernt, so sollte zum Eintritt in den Ancilla-Status immerhin bewusst sein das es sie gibt. Ohne das Verständnis wie die Kommunikation zwischen den Ahnen stattfindet, kann man die Gesamtheit der kainitischen Welt unmöglich begreifen.

Wie ich (etwa) einmal einem Spieler schrieb:
Die Alten kommunizieren auf einem deutlich komplexeren Niveau als jeder andere, da sie viel mehr Beziehungen und Details in ihre Handlungen mit einbeziehen. Sie sprechen nicht nur mit Worten, sondern mit allem. Ob das Einladungspergament vom Gehilfen des Pergamentsmachers aus einem an einer Krankheit verstorbenen Schwein oder dem Stolz des Schweinezüchters von einem Meister der Pergamentkunst angefertigt wurde. Ob das Schiff mit dem der Gast anreist vor zwei Dekaden ein anderes versenkt hat oder aus dem Holz eines abgefangenen Holzkahns gefertigt wurde, wie man die Vokale beim sprechen schleife und wie man jemanden anblicke. Alles was gesagt und alles was nicht gesagt wird. Das sind die Dinge die beherrscht werden müssen, sollte man sich zum elitären Club der Ahnen rechnen wollen. Andernfalls wirke man wie der letzte Bauer, weil man freudig ein Vertrag unterschreibe und dabei Tinte nutze die mit den Knochen der eigenen, sterblichen Nachfahren versetzt wurde. Über soetwas kichern Ahnen Jahrhunderte. Und das hat auch durchaus substantielle Auswirkungen. Denn wenn allen Prinzen Aquitaniens bekannt ist das man dich mit soetwas hinters Licht führen kann... nun es spricht nicht für deinen Intellekt und kann sie auf die Idee bringen dich auszunutzen, weil du es ohnehin nicht merkst wenn sie es intelligent genug kaschieren.
Die Möglichkeiten über die viele Ahnen zum erkennen und verstecken solcher Details verfügen (über 5er-Werte, Clansdisziplinen, Spione, düstere Geheimnisse) müssen nicht besessen oder gar völlig verstanden werden, jedoch sollte jedem Ancilla bewusst sein das man einem Ahnen (und auch einigen Ancilla) nicht einfach nur einen Brief schreiben kann dessen Pergament der eigene Ghul vom Markt geholt hat. Es muss besonderes Pergament sein welches zweifelsfrei jede unabsichtliche Beleidigung vermeidet oder genau das unterstreicht was unterstrichen werden soll. Nur so vermeidet man den Zorn der Ahnen (und einiger Ancilla) auf sich zu ziehen - im Besten Fall sogar ohne zu wissen warum. Es erklärt außerdem auch weshalb Ancilla (und Ahnen) so unglaublich viel Zeit damit verbringen Briefe zu schreiben, Geschenke auszuwählen und mit den richtigen Leuten auf die richtige Art und Weise zu kommunizieren. Weil ihr Leben davon abhängt.