Maden im Speckmantel [offen]

[September '16]

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Melissa
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Re: Maden im Speckmantel [offen]

Beitrag von Melissa » Sa 17. Sep 2016, 11:17

"Ein fairer Tausch", sagte die Tzimisce und nickte.
Sie sah den Toreador an, erwartungsvoll.
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Matteo
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Re: Maden im Speckmantel [offen]

Beitrag von Matteo » Sa 17. Sep 2016, 19:46

"Ich folge der Via Regalis." Vor nicht allzu langer Zeit hätte er noch dem Via gesagt, doch langsam begann sich der Unterricht des Mönchs auszuzahlen.

"Was jedoch viele Uneingeweihte nicht wissen und auch manche auf dem Weg der Könige vergessen, ist, dass Dienen, Ehre und Pflicht genauso Teil des Weges und genauso bedeutsam für einen der Unsrigen sind wie das Herrschen."

Zwar hatte die Tzimisce nicht danach gefragt, doch schien es Matteo Angesichts der Missgunst die beispielsweise Maximinianus bei manchem entgegenschlug angeraten seine persönliche Interpretation des Weges zu erläutern.

"Und wie haltet Ihr es Melissa, auf welchem der Wege wandelt Ihr?" Dies war auf viele Weise bedeutsam, zeigte es doch viel des zugrunde liegenden Selbstbildes eines Kainiten.
Zuletzt geändert von Matteo am Sa 17. Sep 2016, 21:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Melissa
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Re: Maden im Speckmantel [offen]

Beitrag von Melissa » Sa 17. Sep 2016, 21:25

"Ich folge dem Weg der Menschlichkeit", sagte sie, ohne auch nur darüber nachzudenken, "Dem Weg der Gemeinschaft, genau genommen. Wie mein Vater vor mir und wohl auch sein Vater vor ihm.
Diese Nächte sind einsam und sie sind kalt. Sie sind bedeutungslos, wenn wir uns in uns zurückziehen, wenn wir dem Tier den Platz einräumen, den es verlangt,
Ich denke, dass wir in dieser Hinsicht nicht so verschieden sein mögen. Auch mein Weg kennt Pflicht und Ehre und Dienerschaft. Doch die Idee des Herrschens ist uns fremd. Vielmehr...es ist eine Art der Symbiose, wenn ihr versteht?"


Melissa wandte ihren Kopf zu dem Toreador. Ihr Blick war ernst, aber mit einer Spur von Vorfreude verbunden, als käme sie nicht oft dazu, über diese Dinge zu reden. Sie suchte in seinem Gesicht, ob er das Wort verstand, das sie wahrscheinlich vor Jahrzehnten selbst gelernt hatte, ohne es ganz zu verstehen.
Sie fuhr dann mit einer Erklärung fort:

"Das Land, das die Tzimisce als ihr eigenes betrachten, ernährt die Sterblichen, die wir alle benötigen. Als Nahrung, als Unterhaltung. Als Freunde, Diener, Liebhaber, Spielzeuge - was auch immer. Ohne die Sterblichen muss der Vampir verkümmern und zugrunde gehen. Er hungert oder fällt an das Tier, verliert alles, was ihn zu einem denkenden Wesen macht und wird eine wilde Kreatur.
Die Pflicht des Vampires ist es darum, seine Herde zu beschützen und wohl genährt zu halten. Er muss sie beschützen und das Land pflegen, auf der sie lebt. Er muss eins werden mit seiner Domäne und ebenso sehr ein Teil von ihr, wie die Pflanzen, die Tiere, die Sterblichen. Er muss sich unter sie mischen und sie verstehen, wenn er sie weise lenken und unterstützen will.
Ein natürlicher Kreislauf, von dem die Sterblichen ebenso sehr ein Teil wie der Vampir ist. Der eine braucht den anderen."
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Matteo
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Re: Maden im Speckmantel [offen]

Beitrag von Matteo » Mo 19. Sep 2016, 08:17

Symbiose? Dieses Wort war ihm fremd, des griechischen war Matteo nun wirklich nicht mächtig, mühte er sich doch gerade mit Latein um es zu lernen. Aber der Toreador erschloss sich die Bedeutung aus dem Zusammenhang der Worte Melissas.

"Ja, so verschieden sind unsere Asichten nicht. Das ist auch ein Aspekt dessen was ich meine, ein wahrer Herrscher muss auch dienen können, sei es seinem König oder, auch wenn er selbst keinen Herrn hat, seinen Untertanen. Adel verpflichtet und das Verhältnis zwischen Herrscher und Untertan ist ein beidseitiges. Jeder Fürst, und sei er noch so klein und unbedeutend, hat die Pflicht für seine Diener und Vasallen zu sorgen, sie zu schützen."

Der Blickwinkel war ein anderer sicher, aber so weit lagen ihre jeweiligen Interpretationen der Wege nicht auseinander.
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Re: Maden im Speckmantel [offen]

Beitrag von Melissa » Mo 19. Sep 2016, 10:25

Die Tzimisce nickte zufrieden. Offenbar hatte sie das Wort doch richtig verstanden und sogar erklärt.

"Ich kümmere mich daher seit Jahrzehnten um das Volk von Broglio, seit meiner Ankunft. Ich säubere ihre Straßen, errichte Häuser. Ich hindere die Mächtigen daran, im Streit alles zu zerreißen und stattdessen für Feste zu sorgen, ihren Wohlstand mit Almosen zu nutzen statt für dekadente Feste und Geschenke an reiche Patriarchen zu verschwenden. Dank mir arbeiten sie Hand in Hand mit der Kirche, mit den kleinen Leuten der Gegend und tun ihr möglichstes, Wohlstand und Frieden zu wahren.
Ich halte das Volk von Broglio gesund und zahlreich.
So sehr tatsächlich, dass kürzlich der Seneschall auf mich zu kam und um einen Gefallen bat."
"Die Kundgebung im Elysium geschah auf seine Anregung hin.", erklärte sie stolz.
Was immer man von Maximinianus halten mochte: Er war ein direkter Vertretet ihrer Majestät und verstand zweifellos die Politik.

Nach dieser kurzen, erfreulichen Botschaft verfinsterte sich ihr Gesicht aber wieder.
"Dennoch gibt es...Ich liege Brimir seit Jahren in den Ohren. Sein Ghoul kontrollierte die Miliz bis vor kurzem, müsst ihr wissen, und aus Respekt vor einem Liktor ihrer Majestät wandte ich mich einige Zeit bei Problemen stets an ihn, anstatt die Dinge eigenmächtig in die Hand zu nehmen. Ich hätte es von anfang an tun sollen, denn Brimir erwies sich als unfähig oder unwillig, die wachsende Kriminalität in den Griff zu bekommen. Ihr habt es auf eurem Weg vielleicht gesehen: Bettler, hunderte von ihnen, überschwemmen den Ostteil der Stadt. Darunter Diebe, Dutzende, aus Clavicula. Sie stehlen, rauben, morden. Auch von mir und den meinen.
Selbst Ghoule geheimer Herren, die nie auch nur einen vernünftigen Namen nennen können, vergehen sich an meinen Dienern, an meinem Besitz und meiner Zuflucht. Ohne dass ich ihnen je etwas getan hätte. Wie könnte ich auch, ich weiß ja nicht einmal wer derjenige ist, der ihnen sein Blut schenkt.
All das ohne, dass der Liktor einen Finger darum rührt, dass ein Gast ihrer Majestät und ein Vampir Gerechtigkeit erhält. Tatsächlich habe ich ihn nicht einmal mehr gesehen, seit er einen anderen Gast der Domäne zerrissen hat."


Einen Augenblick lang schwieg sie düster, ohne ein Wort zu sagen.
Es waren schwere Anschuldigungen, die sie vor die Füße des Gangrel warf. Anschuldigungen, in denen die Spitze mit dem vernichteten Lasombra fast unterging.

"Was würdet ihr nun an meiner Stelle tun?"
Sie kannte die Antwort wohl bereits. Oder dachte jedenfalls sie zu kennen, denn in den Nächten zuvor hatte sie einige Könige getroffen. Und selbst, wenn ihr Verständnis des Wegs der Könige rudimentär war, kaum über den einfachen Vergleich von beidseitiger Pflicht hinaus ging, so hatte sie doch eine Ahnung.
Denn von Acacia, von Fabrizio, von Maximinianus hatte sie stets die gleiche Antwort erhalten.
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Re: Maden im Speckmantel [offen]

Beitrag von Matteo » Di 20. Sep 2016, 14:02

Wie gebannt lauschte er den Worten der Tzimisce, von den Vorgängen in Broglio hatte Matteo bisher nicht viel mitbekommen und hier konnte er aus erster Hand von solchen hören. Es warf sicherlich auch ein neues Licht auf Brimir, den er seit Ihrer ersten und einzigen Begegnung ganz anders eingeschätzt hatte.

"Das was Ihr in Broglio tut ist gut in meinen Augen, natürlich ist es auch zu Eurem Vorteil, aber vor allem profitiert die Domäne davon, wenn es den Sterblichen verhältnismäßig gut geht und die Ordnung gewahrt wird.
Diese Ghoule die sich an eurem Besitz und euren Dienern vergehen... ich an eurer Stelle würde versuchen herauszufinden warum sie dies tun...und sie wenn möglich vernichten. Zwar verärgert Ihr damit ohne Zweifel Ihren Herrn, aber dieser scheint Euch ohnehin nicht wohlgesonnen. Außerdem ist es nicht zu tolerieren dass sich solch niedere Geschöpfe gegen euch wenden. Setzt wenn möglich ein Zeichen. Verteidigt Euer Gebiet und Eure Leute mit der nötigen Entschlossenheit.

Was dagegen den Gangrel angeht, kann ich mir solches Pflichtversäumnis kaum erklären, er wirkte auf mich bei unserem Treffen gar nicht so... Es sei denn natürlich Ihm sind durch Befehle von Oben die Hände gebunden. Vielleicht muss er sich auch ruhig verhalten, da er demnächst wohl vor Gericht steht. Wisst Ihr davon?"


Matteos Gedankenspiele waren so ziemlich genau das was ihm gerade durch den Kopf ging. Eine Spur Zweifel an der sicherlich einseitigen Ausführung der Drachin blieb, wusste Sie wirklich nicht wer da gegen sie vorging? Merkwürdig.
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Re: Maden im Speckmantel [offen]

Beitrag von Melissa » Di 20. Sep 2016, 15:44

Die Tzimisce spuckte aus. Ein Bröckchen Blut flog in den Fluß unter ihren Füßen, klatschte feucht in das Wasser.
"Da seht ihr, was ich vom Herren der Nonnen halte. Dieser erbärmliche, verlauste Mann, der sich in ihrer Nähe stets in den Schatten drückt. Der nicht den Anstand besitzt denjenigen ins Gesicht zu sehen, denen er seine Verrückten auf den Hals hetzt."

Ihre Kiefer pressten sich aufeinander, es knackte hörbar. Sie schüttelte den Kopf.
"Es missfällt mir, wisst ihr das? Gewalt. Sie ist...so primitiv. So überaus unzivilisiert. Es braucht nichts, um gut mit ihr umgehen zu können. Dort draußen in der Welt gibt es tausende Schlächter und sie alle mussten nichts weiter tun, als geboren werden. Zu diesem Mittel zu greifen, um mich zu verteidigen..."
Sie schüttelte den Kopf, blickte dem verächtlich ausgespuckten Blutklumpen hinterher, das in der Strömung verschwunden war.
"Ich danke euch für euren Ratschlag. Ihr habt wohl Recht, ich weiß es ja tief in meinem Herzen. Aber es widerstrebt mir so. Leben ist etwas heiliges und es so weggeworfen zu sehen, für das perverse Spiel einiger Feiglinge..."
Sie seufzte, verschränkte die Arme unter der Brust. Als wäre ihr kalt in ihrem unsterblichen Körper. Trauer wallte in ihr auf, die sie mühsam schluckte.

Ihre Stimme war belegt, als sie fortfuhr.
"Ich bezweifle, dass ihre Majestät Brimir aufgetragen hat, sein Amt nicht länger auszuführen. Seine Verteidigung in diesem Prozess wird wohl darauf hinauslaufen, dass es eben dieses Amt war, in dessen Ausführung er den Gast ihrer Majestät zerriss.
Abgesehen davon ergibt dies zeitlich keinen Sinn. Ich habe mich das erste Mal...oh, sicherlich vor fünf Jahren bereits bei ihm persönlich über die Zustände beschwert. Die Bitte des Ahns Lydiadas, seinem Anverwandten Gerechtigkeit zukommen zu lassen, erreichte mich erst vor drei Jahren."

Abermals schüttelte sie den Kopf.

"Ich glaube nicht, dass es nur an seinem Prozess liegt. Natürlich ist es möglich, aber...Wisst ihr, dass er ein Tier ist? Ganz und gar, meine ich?"
Der Blick der Tzimisce richtete sich wieder auf den Toreador. Sorge glänzte in ihren Augen, aus ihrer Stimme tropfte eine Mischung aus Verachtung und Ekel, gepaart mit einer Übelkeit, als würde ihr jeden Augenblick schlecht.
"Dass auch er Jagd auf Menschen als Zeitvertreib sieht, als Sport? Dass in Broglio Gerüchte über Werwölfe die Runde machen, dass es schon seit Jahren Schauermärchen über "Notte dei Lupi" gibt, in denen ein schauriges Geheul über dem Viertel liegt und am nächsten Morgen stets Leichen gefunden werden, grausam verstümmelt? Dass die Miliz, deren Hauptmann "Lo Scudo" ein Ghoul Brimirs war, dies "Gerechtigkeit" nennt?
Seit diese Nonnen ihr Unwesen treiben ist es nur noch schlimmer geworden. Jetzt redet das Volk öffentlich von einem Werwolf, der in Häuser einbricht und Dutzende Unschuldige abschlachtet wie Schafe."
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Re: Maden im Speckmantel [offen]

Beitrag von Matteo » Fr 23. Sep 2016, 10:15

"Ein Mann in den Schatten sagt Ihr? Könnt Ihr ihn beschreiben, ist er ein Kainit?" Was nun wirklich interessant wäre, eine Kainit von dem der Seneschall entweder nicht wusste oder den er bewusst verleugnete.

Matteo lächelte als die Tzimisce von Gewalt sprach und schüttelte den Kopf. "Ich muss euch widersprechen, es braucht einiges um mit Gewalt gut umgehen zu können, aber wenig um sie einzusetzen.
Gewalt ist ein Werkzeug wie so viele andere und hat ihren Platz, doch ich stimme euch zu in den meisten Fällen ist sie unnötig, primitiv und eines der schlechtesten Mittel."


Über Brimir, die Wolfsnächte, die Nonnen und mögliche Werwölfe dachte Matteo einige Momente schweigend nach.
"Über die Wolfsnächte bin ich noch nicht gut genug informiert, und um den 'Werwolf' sollte man sich definitiv kümmern. Eigentlich sollte dies schon irgendjemand tun vielleicht ein Liktor oder eben die Geißel, denn solches Gerede kann sehr schnell zu einer Gefahr für die Stille des Blutes werden."

Versonnen betrachtete er der Toreador nächtliche Landschaft und sagte fast schon mehr zu sich selbst: "Das Jagen bereitet mir bisweilen auch Vergnügen, doch ich vermute meine Art mich zu ernähren ist eine andere, sehr viel zivilisiertere. Ich vermeide es auch dabei zu töten... generell bin ich der Meinung, dass jeder der die Jagd auf Menschen als Sport betrachtet, sie dabei möglicherweise zu Tode hetzt, barbarisch und seinem Tier, seiner eigenen Verdammnis sehr nahe ist."
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Re: Maden im Speckmantel [offen]

Beitrag von Melissa » Fr 23. Sep 2016, 17:33

"Der Mann ist kränklich und missgebildet", erklärte Melissa, "Seine Arme passen nicht zu seinem Körper. Haarig und schmutzig, ein wenig klein und stämmig ist er auch. Und er riecht nach Moos, als würde er im Dreck schlafen. Was er wahrscheinlich tut.
Ich denke durchaus, dass er einer von uns sein muss. Die Nonnen müssen von irgendwoher ihr Wissen und ihr Blut beziehen, nicht? Denn ich habe keine von ihnen altern sehen in den letzten Jahren. Außerdem ist die Gestalt...nicht menschlich. Sie ist missgebildet, wie ich sagte, eine Zerrgestalt echter Menschen.
Zweifellos eine Kreatur, die dem Tier immer mehr anheim fällt. Demselben Tier, das seine Spuren in dem Fleisch hinterlässt."


Die Tzimisce teilte ihr Wissen freiwillig und ohne großes Vergnügen an Ausschmückungen zu finden. Es schien ihr völlig zu genügen, Licht auf ein Wesen zu werfen, das sich seit Jahren mit Vorliebe in den Schatten aufhielt und nicht gesehen werden wollte.

"Die Liktoren...tja. Von Brimir - der sich übrigens nur selber Geißel nennt. Und was für eine glorreiche Geißel!", sie lachte auf. "Einen Gast ihrer Majestät und einen Älteren im Blut hat er zerreißen können, ja. Aber für alles andere ist er nutzlos. Von Brimir, dem Liktor", betonte sie erneut, "habe ich seit Jahren keine Antwort bekommen. Wenn ihr mich fragt, steckt er in dieser Werwolfangelegenheit mit drin. Es ist eine Illusion, die er sicherlich gerne aufrecht erhält: Die der tollwütigen und gefährlichen Bestie. Eine Scharade, die es ihm vielleicht erlaubt, seinen übernatürlichen Gelüsten frei nachzugehen, ohne das Wort Vampir in Umlauf zu bringen?"

Die Tzimisce zuckte mit den Schultern.
"Vielleicht auch nur ein Zufall, dass er gerade sich weigert, die Sache auch nur zu kommentieren.
Alerio weigert sich ebenfalls, die Sache zu untersuchen. Was ich sehr bedauere, denn ich dachte eigentlich ein gutes Verständnis mit dem Knaben gefunden zu haben. Wisst ihr? Unsere Mittel mögen sich unterscheiden, aber wir wollen beide nur Stabilität und Sicherheit. Er scheint Brimir aber zu vergöttern und weigert sich, auch nur eine Untersuchung anzustellen. Wisst ihr, was er gesagt hat, als ich ihm mein Leid geklagt habe? Wegen der Angriffe auf meine Diener, der Überfälle auf meine Geschäfte, des Diebstahls meines Besitzes und der Gewalt gegenüber meiner Zuflucht?
"Die Nonnen sagen, sie waren es nicht und Brimir würde soetwas nie tun."
Das waren seine Worte."


Fast genüßlich ließ sie nun diese Darstellung im Raum stehen, ließ sie sich auf der Zunge umso mehr zergehen, als sie zuvor lediglich nüchtern berichtet hatte.
"Die Liktoren haben kein Interesse daran, diese Sache aufzuklären. Ich rechne ja fast damit, dass sie es mir anhängen werden wollen, da ich mich in Broglio eingerichtet habe."
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Re: Maden im Speckmantel [offen]

Beitrag von Matteo » Mo 26. Sep 2016, 09:20

"Das Zerrbild eines Menschen sagt Ihr? Etwa so wie es die vom Blut der Nosferatu sind? Oder eher anders, die man es den Gangrel nachsagt, welche dem Tier nahestehen?" Nicht dass Matteo bisher allzu regen Kontakt zu Gangrel oder Nosferatu gepflegt hätte, aber dass da ein Unterschied bestand war auch dem Toreador bewusst. "Er, es, verbirgt sich also in den Schatten... nun ich werde wachsam sein falls ich diesen Nonnen begegne."

Wieder überlegte Matteo und sah dabei zum Nachthimmel hinauf, ehe er fragte: "Was genau zählt denn nach den Gesetzen der Domäne Genua und dem Willen ihrer hochverehrten Majestät zu den Aufgaben eines Liktors?" Das interessierte ihn natürlich nicht nur im Bezug auf Brimir, sondern ganz allgemein. Es könnte hilfreich sein dies zu wissen.

"Vielleicht möchte auch ein anderer euch unbekannter oder bekannter Dritter, dass Ihr und diese Nonnen aufeinander losgeht. Warum genau verdächtigt Ihr diese Nonnen denn? Gibt es denn einen Grund für diese mögliche Feindschaft?"Abgesehen vom offensichtlichen Grund, dass auch jemand anderes Broglio beanspruchen könnte natürlich. Wobei das in Matteos Augen schon ziemlich krank und barbarisch wäre, er würde nie die gesamte Dienerschaft beziehungsweise Familie eines anderen auslöschen, nur weil er sich für das gleiche Siestri interessierte.
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