Ein gefordertes Leben (Melissa)

[Juli & August '16]

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Alerio
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Re: Ein gefordertes Leben (Melissa)

Beitrag von Alerio » Mi 3. Aug 2016, 20:03

Er lächelte erfreut als sie die Kinder erwähnte, die zu seinem Teil ihres Abkommen gehört hatten.
"Das freut mich. Ich hoffe, für uns alle, dass eure Pläne Früchte tragen."

Dann folgte er schweigend der kurzen Diskussion von Melissa und ihrem Ghul.
"Antonio Trucca also." stellte er fest und schaute nachdenklich.
"Ich habe leider nicht so viel Einblick in die ganzen Familien von Genua wie ihr, würdet ihr mir daher etwas über die Trucca erzählen? Womit machen sie ihr Vermögen beispielsweise und wie ist so ihr Ruf?"

Ein junger Mann aus einem guten reichen Hause, der lesen und rechnen konnte. Sehr passend. Er hoffte nur, dass der Familienhintergrund keine Probleme verursachen würde. Aber so oder so konnte für solch einen Menschen noch andere Verwendung gefunden werden.

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Melissa
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Re: Ein gefordertes Leben (Melissa)

Beitrag von Melissa » Mi 3. Aug 2016, 20:25

Die Tzimisce kniff die Augen leicht zusammen, wieder als dachte sie nach.
"Lasst mich überlegen...", sagte sie. "Ihr Vater und dessen Väter hatten ein Transportgeschäft. Sie hatten einst ein Monopol auf den Handel ins Land hinein. Wenn ich mich nicht irre auch ein Grund, weshalb die Embriaci und die Mailänder mit ihnen vermählt sind. Einige krumme Abmachungen zwischen den Fieschi, den Brigori und den Bianchi aber drängt diese recht kleine Familie langsam aus dem Geschäft. Dass der alte Herr weiter Geld verprasst, als wären sie der Kaiser selbst, macht die Sache nicht besser. Ein glücklicher Umstand, dass er bald abdanken und die Geschäfte übergeben wird.
Insgesamt ist ihr Ruf aber gut, denke ich. Valentino war mit einer Embriaci vermählt, ein junges Ding, seine Beziehung mit mir ist vollständig geheim und ich denke auch sein Bruder benimmt sich so anständig, wie es erwartet werden kann. Mir jedenfalls ist nicht bekannt, dass ihnen ein Skandal anlastig wäre."


Melissa senkte ihren Blick wieder zu Alerio, hob die Augenbrauen nun. Fragend.
"Ihr wisst, dass die Trucca, ihr Name, ihre Geschäfte und Besitzungen Teil des Sestieri Broglio sind, um den ich Sorge trage, so wie ihr euch um Ravecca sorgt? Und dass ich euch ein Leben versprach, nicht den Besitz der Familie. Was immer die Trucca besitzen, es wird an Valentino gehen. Der wiederum bald Melissid genannt werden wird, so wie die Fieschi, die Spinola und die Brigori von Broglio ebenfalls."

Etwas versöhnlicher fügte sie nach einer kurzen Pause hinzu:
"Wenn der Besitz eures gewünschten Verwalters also eine Rolle spielt, so kann ich ohne Schwierigkeiten jemand anderen auftun. Es wird sich ein Ritter auf dem Land finden oder ein Zweig einer anderen städtischen Familie, der seinen Schatten nicht über meinen Garten wirft."
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Re: Ein gefordertes Leben (Melissa)

Beitrag von Alerio » Do 4. Aug 2016, 22:05

Alerio schwieg eine Weile, nachdem Melissa geendet hatte. Dachte über das gehörte nach.

"Ich danke euch für eure Einschätzung und Rat. Ich habe keineswegs Interesse an den Besitztümern der Trucca. Jedoch, an einem anderen Vermögen, dass dem ausgewählten Menschen zufallen könnte."
Und noch etwas viel wichtigeres...
"Und dieses bin ich nicht geneigt zu verschenken."

"Wenn ihr also eure Hand auch auf Antonios Erträge legt, so würde ich doch einen unabhängigeren Kandidaten vorziehen."

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Re: Ein gefordertes Leben (Melissa)

Beitrag von Melissa » Do 4. Aug 2016, 22:37

Melissa schüttelte den Kopf, ein Mundwinkel verzogen. Einen Augenblick lang zögerte sie, blickte in das Nichts. Dann sah sie Alerio in die Augen.
Wenn er aufmerksam war, könnte er die Bleiche in ihrem Gesicht entdecken, die noch betonter war als sonst. Dass ihre Augen klar und hell waren, schnee weiß fast, weil kein einziges der Äderchen darin zu sehen war. Dass selbst ihre Lippen mehr blau wirkten als rot.

"Solange Antonios Erträge nicht diejenigen der meinen beschneiden - das heißt: Solange seine Erträge von euch kommen und nicht aus Broglio - soll er auf euch hören. Die Wahrheit ist: Es käme mir gelegen. Valentino erbt und ich habe zu viele Jungen. Antonio mit einer Abfindung aus dem Geschäft und bei euch unterbringen käme mir gerade recht und ist deutlich unkomplizierter, als den ohnehin kleinen Kuchen mit ihm zu teilen."

"Wenn ich fragen darf: Welche Erträge gedenkt Ihr ihm zu kommen zu lassen? Nicht, dass es mich etwas anginge, natürlich. Aber wie ihr euch sorgt, wofür ihr Leben hergebt, so frage ich mich natürlich auch."
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Re: Ein gefordertes Leben (Melissa)

Beitrag von Alerio » Fr 5. Aug 2016, 22:12

Natürlich war er aufmerksam, beobachtete jede Regung ihres Gesichtes, jede Gestik und kleinste Bewegung. Auch wenn er sie nicht immer deuten konnte. Warum hatte sie den Kopf geschüttelt? Ablehnung? Unverständnis? Oder bloße Verneinung?

Und hatte sie schon immer so ausgesehen? Natürlich sahen sie alle sehr tot aus, aber Melissa schient noch bleicher als er sie in Erinnerung hatte.

Er blinzelte einmal und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf ihre Worte. Wie unhöflich das nun wieder geworden wäre, wenn er ihr nicht zugehört hätte.
Er neigte leicht den Kopf und zögerte einen Moment, bevor er ihr antwortete.

"Ich habe vor Antonio an eine Tochter eines vermögenden Mannes aus einem Zweig einer großen Familie zu verheiraten. Auf dass dessen Erbe an ihn übergehen mögen. Er ist etwas...exzentrisch und hat keinen Erben, den er für würdig hält" erklärte der kindliche Lasombra und lächelte dann selbstgefällig:
"Und ich hoffe dies nun zu ändern."

Eine vage, aber wahre Erklärung. Nähere Details war er nicht bereit einfach so preis zugeben.

"Andere Pläne habe ich bisher nicht für ihn und besagter Herr stammt nicht aus Broglio, ich versichere euch also, dass ich mich in eure Geschicke und Besitz in diesem Siesteri nicht einmischen werde."


__________
Aufmerksamkeit + Wahrnehmung
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Re: Ein gefordertes Leben (Melissa)

Beitrag von Melissa » Sa 6. Aug 2016, 09:20

"Aaaaah, ich verstehe. Gut, dann sollte es wirklich keine Probleme von meiner Seite geben. Gebt mir nur einige Wochen, damit ich sichergehen kann, er steht unter keinen Blutsbanden. Dann wird Valentino ohnehin die Geschäfte übernehmen, wir inszenieren einen kleinen Erbstreit zwischen den Geschwistern und so behält ein jeder sein Gesicht."

Melissa hatte die Worte mit sanfter, zufriedener Stimme gesprochen. Ganz so, als käme ihr Alerios Bitte tatsächlich sehr recht.
"Wo soll ich ihn hinschicken, wenn es euch genehm ist?"
Sie hatte aber auch zur Seite geblickt, wiederholt die Augen durch den Raum huschen lassen. Unruhig. Ihre Kiefer mahlten, als versuche sie, sich von etwas abzulenken. Als ihr Blick sich gegen Ende ihrer Frage wieder auf den Lasombra richtete, erkannte er endgültig, was sie plagte.
Sie war nicht nur bleich, sondern blutarm. Ihr Gesicht, das wächsern wirkte trotz ihrer Bewegungen, trotz ihrer mahlenden Kiefer, dem nachdenklichen Kauen auf der Lippe, den umher huschenden Augen - ihr Gesicht hatte alle Farbe verloren seit ihrem letzten Gespräch. Alles Blut war aus Unnötigkeiten wie der Erscheinung, dem Anschein von Menschlichkeit, geschwunden.
In ihren Augen das Glühen, das ein Feuer ankündigt: Hunger.
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Re: Ein gefordertes Leben (Melissa)

Beitrag von Alerio » So 7. Aug 2016, 20:29

Der kleine Vampir lächelte erfreut. "Ich danke euch. Dass dies alles so reibungslos geklappt hat. Nehmt euch die Zeit die ihr braucht. Solange Antonios Ruf nicht geschädigt wird, bin ich mit nahezu allem einverstanden. Wenn er so weit ist, gebt mir bitte kurz Bescheid. Für den Anfang wird er bei den Arduinici in Mascharana untergebracht." Alerio wollte nicht prahlen, doch sie hätte dies so oder so herausbekommen, sobald der Trucca dort verweilen würde.

Während er sprach hatte er Melissa und ihre Reaktionen beobachtet und furchte nun besorgt die Stirn, als er merkte, dass sie wohl hungrig war. Darüber war er nicht gerade begeistert. Sie kam hungrig in sein Heim, das voll war mit wehrlosen kleinen Menschen?
Andererseits wäre es an ihm gewesen ihr Blut anzubieten? Er war in diesen Höflichkeitsdingen nicht sehr bewandert. Aber es missfiel ihm auch einfach seine Menschen mit jemanden teilen zu müssen. Sie anzubieten wie ein Stück Brot.

"Ihr seht hungrig aus. Habt Ihr noch nichts zu euch genommen heute?" sprach er das Thema an und beäugte sie kritisch und mit Missfallen. Würde es jetzt überhaupt noch was bringen ihr Blut anzubieten, wo die Angelegenheit wegen der sie hier war nun bereits erledigt war?

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Re: Ein gefordertes Leben (Melissa)

Beitrag von Melissa » So 7. Aug 2016, 20:47

"So soll es geschehen", sagte sie und nickte lediglich.
Damit war für sie der Pakt besiegelt.
Auf ihren Hunger angesprochen, zuckte Melissa zusammen. Ihr Blick huschte zu dem Liktor, erwiderte ihn mit Misstrauen zu der sich ankündigenden Demütigung nach schlechter Jagd. Die Demütigung als unfähig oder idiotisch dazustehen.
Sie lachte, affektiert aber höflich, und winkte ab.
"Habt Dank für eure Sorge, aber ja: Ich habe bereits gespeist. Meine Familie, wisst ihr? Sie verlangt viel von mir - gerade jetzt, wo sie wachsen muss. Viel Blut und Liebe. Manchmal gebe ich ihnen zu freigiebig und zu reichlich, das weiß ich ja. Gott, ich weiß, aber ich kann mir nicht helfen."
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Re: Ein gefordertes Leben (Melissa)

Beitrag von Alerio » So 7. Aug 2016, 21:45

"Ah..." augenblicklich entspannte er sich etwas, als sie sich erklärt hatte. Sie schien also viele Blutsdiener zu haben. Aber war das nun beruhigender? So viel Einfluss wie sie sich in den hohen Kreisen der menschlichen Gesellschaft erarbeitete, musste man vielleicht auch bei ihr vorsichtig sein.

"Ja, man bekommt eben leider nichts geschenkt. Dafür, dass wir sie versklaven, sollten wir auch einen Preis bezahlen." sagte er dazu, überzeugt, dass die Welt in ihren Grundzügen einfach schlecht war.

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Re: Ein gefordertes Leben (Melissa)

Beitrag von Melissa » So 7. Aug 2016, 22:41

Die Tzimisce wirkte, als hätte sie glühendes Eisen in die Hand genommen. Die Hände hatte sie vor die Brust gepresst, ihr Blick war geweitet. Die Empörung war ihr ins Gesicht geschrieben.
"Ich versklave niemanden", stellte sie richtig. "Ich teile eine Pflicht, die mir auferlegt worden ist, mit denen, die sie tragen können.
Ich gebe ihnen von meinem Blut, auf dass sie das Land pflegen, das uns nährt. Damit Zwist und Mord keinen Platz unter ihnen haben und sie wie Brüder handeln. Damit unter ihrer Herrschaft das Volk und das Land gleichermaßen gedeiht und Friede und Einheit unter ihnen herrscht. Ein jeder, der von meinem Blut trinkt, schwört einer Gemeinschaft die Treue.
Das ist keine Sklaverei, sondern die heilige Verbindung zwischen Mutter und Kind, zwischen Land, Fleisch und Blut."
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