Aequat omnes cinis [Maria, Alerio, Angelique, Melissa, Rennard]

[Juni '16]

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Il Canzoniere
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Aequat omnes cinis [Maria, Alerio, Angelique, Melissa, Rennard]

Beitrag von Il Canzoniere » Fr 20. Mai 2016, 23:51

Nach und nach erreichte sie Citus. Auch wenn es hier und da länger dauerte schaffte er es doch immer wieder seine kurze Nachricht an die richtige Adresse zu überbringen.

Benedetto lud zu einer nächtlichen Messe in die Kirche des heiligen Pancratius in Burgus. Einer wirklich recht beschaulichen kleinen Kirche, kaum größer als so manche Kappelle. Mit dem nahen Kloster und dem Dom stand sie kaum im Fokus. So mancher fragte sich weshalb es sie überhaupt gab. Und natürlich bot sie eine hervorragende Möglichkeit in kleiner Gruppe einen Gottesdienst abzuhalten. Auch wenn Citus so wirkte als stecke mehr dahinter.

Aufgrund der nicht unproblematischen Kontaktierungsmöglichkeiten mancher, war der Termin in weiser Vorraussicht auf knapp zwei Monate in die Zukunft gelegt worden. Citus bat die Eingeladenen außerdem eine kurze Mitteilung an San Marcellino zu schicken ob sie kommen wollten. Dann würde Benedetto ihnen für diese Nacht die Aufenthaltsrechte für Burgus gewähren.

In der besagten Nacht lag das Dorf verschlafen wie eh und je da. Am Tor standen handverlesene Wächter die offenbar Bescheid wussten wer heute Nacht passieren durfte und wer nicht. Den Gästen Benedettos machte jedoch niemand Scherereien.

Der Ort des Treffens, die Kirche des heiligen Pancratius, lag direkt gegenüber der Basilica di San Siro. Sie war deutlich kleiner und bescheidener als der Dom und um diese Uhrzeit normalerweise längst geschlossen. Insgesamt machte sie einen leicht zu übersehenden Eindruck. Wer klopfte dem öffnete Titus, ein hochgewachsener, breitschultriger Mann mit verwegenem Gesicht, dass von Sorgen, harter Arbeit an der Sonne und dem kappadozianischen Fluch gezeichnet war. Ernst, aber freundlich begrüßte er jeden der sich dazu entschieden hatte zu kommen. Auch Benedetto war bereits da. Er war jedoch noch vor einem an der hinteren Wand aufgehängten Holzkreuz ins stille Gebet vertieft.

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Maria Penthesilea
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Re: Aequat omnes cinis [Maria, Alerio, Angelique, Melissa, Rennard]

Beitrag von Maria Penthesilea » Sa 21. Mai 2016, 08:06

Citus traf die Nonnen an, als sie sich gerade anschickten, in die Stadt aufzubrechen. Maria Penthesilea hielt kurz Rücksprache mit den ihren, dann konnte der Novize direkt mit einer Antwort zu Benedetto zurückkehren. "Wir kommen. Aus Respekt für Jäger Titus." Es war kein beleidigender Tonfall gewesen und vielleicht würde Benedetto verstehen. Vielleicht auch nicht. Die Jagd kümmerte es wenig.

---

Fünf weißgekleidete Nonnen passierten die Tore von Burgus am besagten Abend, in einer Formation, die wie eine Prozession gewirkt hätte, wenn der Gang demütig und sittsam gewesen wäre. Tatsächlich aber blickten die Schwestern interessiert um sich, ihre Bewegungen geschmeidig und kontrolliert, teilweise grinsend, teilweise miteinander sprechend. Sie waren schließlich nicht in der Stadt.

Die Wachen wurden eher abschätzig beäugt, dann trat die Gemeinschaft auf die Kirche zu, wo ihre Mitglieder Titus freundlich begrüßten. Danach würden sie sich in der Kirche verteilen, strategische Positionen einnehmen, von denen sie den Raum und die Geschehnisse beobachten konnten. Unauffällig werden.

Nur Maria Penthesilea blieb in der Mitte des Raumes stehen, um gegebenenfalls mit Benedetto oder anderen Neuankömmlingen zu sprechen. Bis dahin waren ihre Augen nachdenklich auf den dicken Leib des Betenden gerichtet und sie verzog leicht den Mund.

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Angelique
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Re: Aequat omnes cinis [Maria, Alerio, Angelique, Melissa, Rennard]

Beitrag von Angelique » Sa 21. Mai 2016, 09:01

Citus erreichte Angelique über Roger, dessen Besuche als christlicher Miles beim heidnischen Normannenhändler nicht unbeobachtet geblieben waren und Grund für manch Klatsch boten.

Und obwohl Roger Misstrauen gegen ein Treffen seines wundervollen, kleinen Engels mit anderen wiederauferstandenen Dämonen hegte, sprach sein Mündel, seine Minne, seine Meisterin nur gut von Benedetto. Und trotz der Stiche der Eifersucht, wenn sie Zeit mit Alerio verbrachte und danach von ihm plapperte, war es doch Roger, in dessen Armen sie Trost ob ihrer unerfüllten Liebe fand.

Also überbrachte er ihr die Botschaft und ergötze sich an ihrem Anblick, als sie sich wie ein Kind auf die Messe freute.

In besagter Nacht erschien sie schließlich mit fast klopfendem Herzen und mit weißem Erstkommunionskleid unter der Pilgertracht im Burgus und hielt auf die Kirche zu.
Roger und sie liebten den heiligen Pancratius und gingen gern in ihm geweihte Kirchen und Kapellen. Angelique, weil er sehr jung zum Märtyrer geworden war, und Roger, weil der "Allesbeherrschende" adlig und mit Schwert dargestellt wurde.

Im Inneren waren schon die Jagdnonnen versammelt und Benedetto war im stillen Gebete. Erst begrüßte Angelique Altar und Heilgenbilder, dann die Nonnen und schließlich kniete auch sie im Gebet vor dem Kreuz nieder.



Jaja, ich weiß, der kirchenrechtlich Gebildetete wird einwerfen, dass Erstkommunion im Mittelalter nach Augustinus Vorgaben mit der Taufe eines Babies einhergeht und erst im Hochmittelalter das Alter heraufgesetzt wird, aber schon in der Zeit ist der Laienkelch hoch umstritten und ketzerische Bewegungen wie Angeliques werden geistige Mündigkeit zum Kommunionsempfang voraussetzen.
"I'm a mighty thesaurus! Rawr!"

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Melissa
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Re: Aequat omnes cinis [Maria, Alerio, Angelique, Melissa, Rennard]

Beitrag von Melissa » Sa 21. Mai 2016, 12:34

Melissa erhielt die Nachricht nicht sogleich. Ihr Geliebter-Handlanger überbrachte sie erst einige Stunden nach Sonnenuntergang, als er sie in einer gnädigen Stimmung über dem Haushaltsgeld sitzen fand.
Wieder ungebetene Nachrichten und Gäste. Sie verzog säuerlich den Mund, vergaß den Stich ihrer schlechten Laune aber angesichts des Status' des Einladenden. Sie hatte aus gewissen Mündern Gutes über den Mönch vernommen. Und das unausweichliche Gezänk der vielgläubigen und verschrobenen Vampire wäre doch immer amüsant zu beobachten.
Entsprechend schickte sie ihren Geliebten-Handlanger direkt nach Burgus, um fest zuzusagen.

Am Abend des Treffens benötigte sie eine Weile länger für ihre Vorbereitungen, als sie gedacht hatte.
Sie fand sich unsicher, welche Kleidung wohl die angemessene wäre. Sie liebte ihr hübsches, neues Kleid, sie liebte ihren silbernen Schmuck und all die kleinen Tricks und Kniffe, die sie sich in den letzten Jahren abgeschaut hatte, um zu einer hübschen und ansehnlichen Dame zu werden. Aber in ihren Ohren klingelten noch die Damen der Geladenen.
Schweren Herzens entschloss sie sich zu einem züchtigen Kleid, das zwar ihre Rundungen betonte, aber keine Haut zeigte. Es war bis zum Hals geschlossen, von schlichter, brauner Farbe und endete erst an ihren Knöcheln. Sie verzichtete auch auf allen Schmuck - bis auf ein silbernes Kreuz, das über ihrem Busen lag, und den Ehering, der seit Jahrzehnten keinen Moment von ihrer Haut gewichen war.

An der Kapelle angekommen verhielt sie sich stumm. Sie nickte Angelique und Maria zu - in dieser Reihenfolge - und wartete ein Stückchen abseits, dass der Ancilla sein Gebet beendete.
Möglichen Gesprächen ging sie stumm mit einem Kopfschütteln und einem Nicken in Richtung des Nekromanten aus dem Weg.
La famiglia é il nido dell'uomo.
- Giovanni Faldella

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Re: Aequat omnes cinis [Maria, Alerio, Angelique, Melissa, Rennard]

Beitrag von Rennard » Sa 21. Mai 2016, 15:58

Der Mönch konnte das jüngst in Genua angekommene Kainskind in einem Gasthaus in Ravecca finden um seine Nachricht zu überbringen, welche dort auf faszinierte Ohren stieß. Rennard gab dem Bruder sogleich mit auf den Weg, dass er sich für die Einladung bedanke und sie gern annähme.

Wie üblich waren es Schritte ohne Eile, die ihn an den Ort des Treffens führten. Denn Eile konnte er sich nicht leisten. Das Mondkind trug recht ansehnliche, bürgerliche Kleidung. Hellbraune Beinlinge verschwanden unter einer dunkelbraunen Tunika mit rechteckigem Halsausschnitt. Eine Brettchenborte mit schlichtem Muster zierte die Hals- und Armöffnungen, sowie die Unterkante des Gewandes. Auf dem Kopf trug Rennard eine graue Filzkappe.

Am Eingang des Dorfes entdeckte er einige Wächter, denen er nachdenklich zunickte. Er erwartete keine großen Gespräche, aber wusste ihre Anwesenheit zu schätzen. Gelegentliches Klapppern des Gehstocks auf dem Weg begleitete ihn zur Kirche des heiligen Pancratius. Neugierig betrachtete er die Basilica di San Siro gegenüber, welche ihn baulich deutlich mehr beeindruckte. Aber er konnte verstehen, dass sie nicht die erste Wahl für so eine Versammlung gewesen war.
Er klopfte in einem Anflug von Furcht an die Pforte der kleinen Kirche und begrüßte Titus nach einem Augenblick mit einem höflichen Nicken. Niemand hatte bisher Anstalten gemacht, seine Identität zu prüfen und er legte es nicht darauf an, womöglich dem Falschen zu enthüllen, was er war. Jetzt musste er sich zusammenreißen. Wer wusste schon, wieviele Vampire noch hierher eingeladen wurden? Er warf einen Blick zur hinteren Wand des Gebäudes und bekreuzigte sich gegenüber dem heiligen Symbol, das dort aufgehängt war. Schnell ließ er den Blick durch den Innenraum schweifen.
Die Nonnen. Er wischte sich gepeinigt über die Stirn und rieb den dünnen Blutfilm von seinem Handrücken am Gesäß der Tunika ab. Dann nickte er ihnen allen kurz zu. Ähnlich verfuhr er mit Melissa und Angelique, welche ihm noch unbekannt waren. Schließlich entdeckte er, dass Benedetto vor demselben Kreuz kniete, das er bereits zuvor erblickt hatte. Ein innerliches Fluchen hallte durch seinen Schädel und wallte zu dämonischer Intensität an. Rennard schloss die Augen und atmete durch.
Der Ancilla war noch beschäftigt, also würde er auch noch abwarten. Mit steifem rechtem Bein schleifte der Alte sich ein Stück von der Tür weg und aus der allgemeinen Aufmerksamkeit hinaus um von dort aus weiterhin die anderen Personen zu studieren, sich zu sammeln.

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Re: Aequat omnes cinis [Maria, Alerio, Angelique, Melissa, Rennard]

Beitrag von Alerio » So 22. Mai 2016, 21:58

Alerio erhielt die Einladung wie immer über Pietro. Er freute sich von Benedetto zu hören, hatte sie doch stets ein gutes Verhältnis geführt. Auch wenn er dessen Methoden nicht immer gut geheißen hatte.
Er bedauerte es, dass sie in den letzten Jahren gar keinen Kontakt mehr gehabt hatten. Was hatte sein alter Freund, der ja nun sogar Ancilla war, nun wohl plötzlich im Sinn?
Eine Messe klang doch sehr nach einer größeren Veranstaltung mit anderen Gästen.

Er lies sein Kommen mitteilen und fand sich dann auch zwei Monate später auf dem Weg nach Burgus. Er war nicht oft in dem kleinen Dorf gewesen und die kleine Kirche hatte er daher noch nie betreten, geschweige denn wirklich zur Kenntnis genommen.

Titus, der ihm öffnete, als er klopfte, hatte er auch noch nie gesehen.
Er hatte von dem kriegerischen Kappadozianer gehört, aber ihn tatsächlich in all den Jahren noch nie getroffen. Bei gesellschaftlichen Anlässen war meist auch nicht zugegen gewesen.
Er begrüßte ihn angemessen und trat dann ein.

Der kleine Lasombra blickte sich einen Moment um, sah das Benedetto ins Gebet vertieft war und nickte den anderen Gästen ledeglich grüßend zu.
Die Nonnen wurden auch immer mehr...
und dieser alte Mann? Er hatte das Gefühl ihn schon mal gesehen zu haben...

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Il Canzoniere
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Re: Aequat omnes cinis [Maria, Alerio, Angelique, Melissa, Rennard]

Beitrag von Il Canzoniere » Di 24. Mai 2016, 23:15

Es blieb nicht bei diesen sieben.

Kurz vor Alerio erreichte Antigonos, der Grieche, die kleine Kirche. Entschuldigend blickte er Titus an und warf einen Blick auf seine Klinge die er direkt am Eingang abschnallte und beiseite legte. Er bekreuzigte sich und nickte den bekannten Anwesenden zu. Den anderen warf er einen neugierigen Blick zu, schwieg jedoch.

Nach Alerio kam Ferrucio 'Vates' Erminio, barfuss und in Lumpen gehüllt, mit stechend hellen Augen und einem Blick der jeden der Anwesenden bis auf den Grund ihrer Seele nach Sünden abzutasten schien. Denen die er kannte nickte er leicht zu. Melissa schenkte er ein dünnes Lächeln. Die Nonnen wurden sehr intensiv, aber nicht unfreundlich gemustert während er Titus zur Begrüßung eine Hand auf den Arm legte, ihn dabei jedoch nicht anblickte.

Interessant war auch sein Begleiter. Keinem von ihnen kam er bekannt vor. Der höher als Ferrucio gewachsene Mann trug eine schlichte braune Robe über einem Schuppenpanzer, einer Lorica Squamata, und hatte dunkle, mittellange Haare, ein schlankes Gesicht mit einem harten Ausdruck in den ursprünglich wohl einmal weichen Zügen. Er blickte niemanden hier an. Sein Blick lag ausschließlich auf dem Rücken des Kappadozianers. Als ob er diesen durch den ganzen Raum und dessen Robe einzuschätzen versuchte.

Ob dieser den Blick gespürt hatte oder ob er das öffnen und schließen der Tür gezählt hatte oder gar tatsächlich in diesem Moment fertig wurde, wuchtete sich der fette Mönch auf die Füße und drehte sich langsam um. Er warf einen Blick in die Runde und nickte. Offenbar zufrieden das sie alle hier waren. Zehn auf die es ankam. Hätte man den Verräter absichtlich nicht eingeladen, dann würde nur noch einer fehlen, dann hätten sie einen von ihnen für jeden der Apostel. Aber vielleicht fehlte ja auch noch jemand?

Gemessen und offenbar nicht ganz einverstanden mit der Rolle die er heute Abend einnahm nickte Benedetto leicht, straffte sich dann etwas und blickte abermals in die Runde.

"Ich bedanke mich das ihr so vielzählig erschienen seid...Freunde. Ich werde heute Nacht die Predigt führen, bitte verzeiht mir wenn es noch nicht ganz flüssig ist. Es ist das erste Mal für mich." ein vorwurfsvoller Blick glitt durch den Raum und blieb an Ferrucio hängen. Dieser nickte nur, sich offenbar bedankend.

In diesem Moment läutete die kleine Kirchenglocke über ihnen zur ersten Stunde der Nacht. Benedetto nickte abermals, als ob sie zeitlich ordentlich im Plan lägen. Dann war es Ferrucio der zu sprechen begann. Es schien jedoch abgesprochen. Denn der Kappadozianer machte keine überraschte Miene:

" Die Könige der Erde lehnen sich auf, und die Herren ratschlagen miteinander wider den HERRN und seinen Gesalbten:
Lasset uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile!
Aber der im Himmel wohnt, lacht ihrer, und der HERR spottet ihrer.
Er wird einst mit ihnen reden in seinem Zorn, und mit seinem Grimm wird er sie schrecken.
Aber ich habe meinen König eingesetzt auf meinem heiligen Berg Zion.
Ich will von der Weisheit predigen, dass der HERR zu mir gesagt hat: 'Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeuget:
heische von mir, so will ich dir Heiden zum Erbe geben und der Welt Enden zum Eigentum.
Du sollst sie mit einem eisernen Zepter zerschlagen; wie Töpfe sollst du sie zerschmeißen.'
So lasset euch nun weisen, ihr Könige, und lasset euch züchtigen, ihr Richter auf Erden!
Dient dem HERRN mit Furcht und freut euch mit Zittern!
Küsst den Sohn, dass er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Wege; denn sein Zorn wird bald entbrennen. Aber wohl allen, die auf ihn trauen!"
die feste Stimme des Malkavianers war in der kleinen Kirche gut zu vernehmen. Diesen einleitenden Psalm hatte der Vates sicherlich schon hunderte Male vorgetragen und dennoch war seine Stimme von einer solch inbrünstigen Überzeugung das es denjenigen, die sie zum ersten Mal auf diese Art hörten, unvermittelt einen Kloß in den Hals treiben mochte.

Als er geendet hatte ergriff, nach kurzer Pause, Benedetto erneut das Wort. Er war nun hinter das seitliche Lesepult getreten und hatte die das dort liegende Buch - zweifelsohne eine Bibel - aufgeschlagen. Er hatte ins lateinische gewechselt als er die Zeilen aus dem Buch laut vorzulesen begann:

"Ich lese heute aus dem ersten Buch der Könige - Kapitel 20. Ahabs Kriege mit dem König Ben-Hadad.

Und Benhadad, der König von Syrien, versammelte alle seine Macht, und waren zweiunddreißig Könige mit ihm und Roß und Wagen, und zog herauf und belagerte Samaria und stritt dawider und sandte Boten zu Ahab, dem König Israels, in die Stadt und ließ ihm sagen: So spricht Benhadad: Dein Silber und dein Gold ist mein, und deine Weiber und deine besten Kinder sind auch mein. Der König Israels antwortete und sprach: Mein Herr König, wie du geredet hast! Ich bin dein und alles, was ich habe. Und die Boten kamen wieder und sprachen: So spricht Benhadad: Weil ich zu dir gesandt habe und lassen sagen: Dein Silber und dein Gold, deine Weiber und deine Kinder sollst du mir geben, so will ich morgen um diese Zeit meine Knechte zu dir senden, daß sie dein Haus und deiner Untertanen Häuser durchsuchen; und was dir lieblich ist, sollen sie in ihre Hände nehmen und wegtragen.
Da rief der König Israels alle Ältesten des Landes und sprach: Merkt und seht, wie böse er's vornimmt! Er hat zu mir gesandt um meine Weiber und Kinder, Silber und Gold, und ich hab ihm nichts verweigert. Da sprachen zu ihm alle Alten und das Volk: Du sollst nicht gehorchen noch bewilligen. Und er sprach zu den Boten Benhadads: Sagt meinem Herrn, dem König: Alles, was du am ersten entboten hast, will ich tun; aber dies kann ich nicht tun. Und die Boten gingen hin und sagten solches wieder. Da sandte Benhadad zu ihm und ließ ihm sagen: Die Götter tun mir dies und das, wo der Staub Samarias genug sein soll, daß alles Volk unter mir eine Handvoll davon bringe. Aber der König Israels antwortete und sprach: Sagt: Der den Harnisch anlegt, soll sich nicht rühmen wie der, der ihn hat abgelegt. Da das Benhadad hörte und er eben trank mit den Königen in den Gezelten, sprach er zu seinen Knechten: Schickt euch! Und sie schickten sich wider die Stadt. "


Als er geendet hatte schlug er vorsichtig das Buch zu und blickte sorgenvoll in die Runde der kleinen Gemeinde. Offenbar nachforschend ob alle die Anspielung verstanden hatten. Je nachdem schickte er sich an fortzufahren. Er wirkte dabei ernst und entschlossen.

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Re: Aequat omnes cinis [Maria, Alerio, Angelique, Melissa, Rennard]

Beitrag von Maria Penthesilea » Do 26. Mai 2016, 18:55

Die Reaktionen der Nonnen waren ganz unterschiedlich. Die eine gähnte sichtbar, die andere blickte den fetten Mönch mit strenger Miene an, die dritte hörte höflich, aber offenbar nicht wirklich interessiert zu. Nur Maria Penthesilea hatte die Stirn gerunzelt und schien darüber nachzudenken, was Benedetto und der andere, zerlumpte Sprecher mit diesen Worten sagen wollten.

Sie schwieg und beobachtete die Reaktionen der anderen Anwesenden. Vielleicht war ja Angelique in der Lage, dieses Mysterium zu deuten. Oder Alerio konnte sich einen Reim darauf machen. Sie kannten den Mönch ja schon länger.
Zuletzt geändert von Maria Penthesilea am Sa 28. Mai 2016, 16:28, insgesamt 1-mal geändert.

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Alerio
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Re: Aequat omnes cinis [Maria, Alerio, Angelique, Melissa, Rennard]

Beitrag von Alerio » Do 26. Mai 2016, 21:01

Alerio war nicht überrascht, dass auch Ferruccio erschien. Wo eine nächtliche Messe gehalten wurde, durfte der verrückte Prediger ja nicht fehlen. Er hatte den Malkavianer schon eine Weile nicht mehr gesehen und war auch nicht sehr glücklich über die Gerüchte, die man aus seinem Dorf hörte.
Er erwiderte das Nicken höflich, aber mit ernster Mine. Der Begleiter des Mondkindes wurde indes interessiert gemustert.

Als sich Benedetto sodann erhob und das Wort ergriff, richtete er seine Aufmerksamkeit ganz auf den Kappadozianer. Er hatte gehofft nun zu erfahren, weswegen sie alle hier waren, stattdessen wurde hier tatsächlich gepredigt.
Alerio vermied es zu sehr enttäuscht und ungehalten zu schauen, doch er konnte den Worten Ferruccios nichts abgewinnen.
Und verstehen tat er sie auch kaum, genauso wenig die Geschichte, die Benedetto vorlas.

Die Worte in der Bibel hatte er noch nie so ganz verstanden. Warum musste das alles immer so kompliziert geschrieben sein? Doch anhand wie oft das Wort "König" fiel, vermutete er, dass es eine Anspielung auf die Könige ihrer Vampirgesellschaft sein könnte.

Er schaute sich um, was die anderen Gäste davon halten mögen.

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Re: Aequat omnes cinis [Maria, Alerio, Angelique, Melissa, Rennard]

Beitrag von Angelique » Do 26. Mai 2016, 21:24

Als der irre Prediger hinzugekommen war, da ahnte Angelique, dass heute nicht nur eine gemeinsame Messe anstand.
Sie hoffte, der Fanatiker würde nicht auf sie losgehen oder etwas in der Art. Wieso war ausgerechtnet der hier? Und dann kamen auch noch die Jagdnonnen. Der Abend mochte ja noch heiter werden.

Alerio kam hinzu, nicht gerade ein Kirchgänger, eher eine Art leidender Epikureer.

Als der wahnwitzige Papist predigte, wusste Angelique, worauf das alles hier hinaus lief. Aber das Weib hatte ja zu schweigen in der Gemeinde.

Von den anderen Anwesenden war ihr der scheinbar alte Mann unbekannt. Alle weisen Erkenntnisse verpufften angesichts der aufblühenden Neugier auf diesen illustren Gesellen.
"I'm a mighty thesaurus! Rawr!"

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