Lektionen der Jagd [Alerio]

[Juni '16]

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Lektionen der Jagd [Alerio]

Beitrag von Brimir » Do 5. Mai 2016, 11:34

Lange hatte Brimir sich nicht gemeldet, wenn man vom gelegentlichen Training an der Waffe absah. Er hatte Alerio immer wieder gesagt, dass es fundamental ist, erst das handwerkzeug zu beherrschen, bevor man sich tiefer mit der Jagd auseinander setzt und da er sein erster Schüler sei, müsse sich Brimir noch etwas einfallen lassen, wie er ihn an die Riten heran führte. Doch beim letzten Mal hatte Brimir ihm gegenüber gesagt, dass sie sich heute nicht am üblichen Ort trafen. Ihr Treffpunkt war direkt vor den Toren der Stadt, innerhalb der Mauern. Das Nordtor war als Ziel auserkoren und der Nordmann saß am Rande des Weges und wartete auf den kleinen Lassombra.
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Re: Lektionen der Jagd [Alerio]

Beitrag von Alerio » Do 5. Mai 2016, 13:34

Und Alerio kam zum Nordtor. Er kannte die Gegend gut und fragte sich, was sein Mentor wohl vor hatte. Innerhalb der Mauern der Stadt. Er war neugierig und gespannt.
Alerio kam allein, wie immer. Anders als früher nahm er Pietro nur noch selten irgendwo mit hin. Außer er brauchte ihn. Aber das war heute nicht der Fall.

Der kleine Lasombra begrüßte den Gangrel. "Guten Abend, Brimir."
"Mir scheint du hast heute etwas anderes vor, als das übliche Training?"

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Re: Lektionen der Jagd [Alerio]

Beitrag von Brimir » Do 5. Mai 2016, 13:49

Brimir lehnte sich da ganz entspannt gegen einen kleinen Zaun und hatte die Hände hinter dem Kopf verschränkt. Eigentlich fehlte nur ein Grashalm und der Gangrel würde ziemlich friedlich wirken. Scheinbar war er gut gelaunt.

"Hallo Alerio."

Er nickte seinem Schüler und Freund, sofern man unter Kainiten von Freunden sprechen konnte, freundlich zu.

"Ja... ... ich denke wir sind soweit endlich den ersten Schritt zu machen. Dafür würde ich mir gerne ansehen, wie du jagst. Jeder Jäger... und wir sind Alle welche, auch, wenn die meisten diese Natur verbergen wollen... hat seine eigene Technik entwickelt. Dannach will ich dir die ersten Geheimnisse des Weges anvertrauen."
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Re: Lektionen der Jagd [Alerio]

Beitrag von Alerio » Sa 7. Mai 2016, 12:57

Er schien nicht so begeistert, wie er es vielleicht hätte sein sollen. Natürlich wollte er Brimirs Weg besser kennen lernen, aber erneut musste er sich beobachten und bewerten lassen. Aber das war ja leider das Los eines Schülers.

Ja, jeder von ihnen hatte eine andere Technik und mitunter auch mehrere, er hatte es bei Angelique gesehen und auch Alerio hatte verschiedene Wege an Blut zu kommen. Doch Brimir wollte eine Jagd sehen, also würde er die einfacheren Möglichkeiten nicht in Betracht ziehen.

Der kleine Lasombra schaute sich um. Das Viertel war gut, hier traf man immer mal Arbeiter vom Hafen, die auf dem Weg nach Hause waren oder Trunkene, die aus einer Schenke kamen.

"Gut. Dann werde ich dir das zeigen." sagte er an Brimir gewandt. "Meine Vorgehensweise unterscheidet sich da vermutlich nicht sehr von anderen. Beobachten, warten und nicht gesehen werden." Er grinste leicht, dann
zog er sich die Kapuze tiefer ins Gesicht und huschte in eine Gasse auf der anderen Straßenseite, wo er sich in den dunklen Schatten verbarg.
Er überließ es Brimir sich Gedanken zu machen, wie dieser seine Jagdmethode begutachten wollte ohne bei der Jagd zu stören.

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Re: Lektionen der Jagd [Alerio]

Beitrag von Brimir » Mo 30. Mai 2016, 12:50

"Ich bin gespannt", erklärte der Gangrel und nickte dann. Er folgte Alerio mit seinem Blick und als der kleine Schatten in die Gasse verschwand, mochte es nicht lange dauern, bis sich ein Rabe auf das Dach eines der Gebäude setzte und den Blick auf Alerio warf. Immer wieder erhob sich der Vogen und landete dann auf der anderen Seite der Gasse, um einen neuen Blickwinkel zu erhalten.
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Re: Lektionen der Jagd [Alerio]

Beitrag von Alerio » Mi 1. Jun 2016, 20:40

Alerio ging weiter, blieb nicht in der Gasse, suchte sich eine etwas größere Straße.

Ein normaler guter Bürger der bei Verstand war, würde niemals des nachts durch eine dunkle enge Gasse gehen, wo er sich sicher sein konnte überfallen zu werden.
Nein, das normale Volk, das sich von dem Abschaum, den Dieben und Mördern und Vergewaltigern abhob, hielt sich auf den Straßen, wenn es denn zu so später Stund noch unterwegs sein musste.

Doch das war für ihn kein Problem. Auch eine Straße, die bei Tage stark belebt sein konnte, war nachts einfach nur ein dunkler Streifen. Nur das Mondlicht beschien Teile des Bodens, doch die angrenzenden Häuser warfen harte dunkle Schatten.

Wer glaubte dies könne ein sicherer Weg sein als die vielen kleinen Gassen, der irrte sich. Nachts war man nirgendwo sicher, selbst wenn es die Vampire nicht gegeben hätte.

Alerio hockte hinter einem abgestellten Karren, der leer und nutzlos an der Wand lehnte, und beobachtete die Straße. Und wartete.

Zu erst kam eine Gruppe von Menschen vorbei. Lachend, schwatzend. Vermutlich trunken von einem lustigen gemeinsamen Abend in einer Kneipe. Zu viele um sich mit ihnen anzulegen.
Also wartete er weiter.

Wenn es zu lange gedauert hätte, dann wäre er woanders hingegangen, hätte eine andere Taktik versucht, doch er hatte Glück. Nicht sehr lange später, kam ein einzelner Mann die Straße hoch. Er schaute sich um, vorsichtig, ängstlich. Nicht dumm. So wie er die Hände hielt, versuchte er wohl seinen Geldbeutel zu beschützen und vielleicht trug er auch eine Waffe. Doch das würde ihm nichts nützen.
Der kleine Schatten wartete, verschmolzen mit den Schatten um sich herum, lauschte den näher kommenden Schritten.
Er formte die Dunkelheit zu unwirklicher materieller Form, am Rande der Straße. Hielt sie ruhig, unbeweglich, wartend...lauernd.

Und als der Mann an ihm vorbei kam, ohne ihn zu bemerken, unbeirrt weiter ging, schlängelte sich die Dunkelheit aus dem Randschatten vor die Füße des Menschen. Schnell, nah...er hatte es nicht kommen sehen und stolperte darüber. Ein überraschter Schrei entfuhr seiner Kehle. Er wackelte, ein Bein fand noch Stand, doch da zog das Etwas an seinem anderen Fuß und er verlor die Balance wieder. Kippte nach vor und schlug auf den Boden auf.

Der kleine Vampir hatte sich schon bereit gemacht und als der Mensch lag, sprang er auf dessen Rücken.
Der Mann keuchte auf, doch bevor er seine Überraschung abgeschütteln konnte und sich hätte wehren können, hatte der Lasombra schon seine Zähne in den Hals des Unglücklichen geschlagen.

Nachdem er gesättigt war und die Wunde verschlossen hatte, stahl er dem Mann noch sein Geld. So würde dieser annehmen, wenn er wieder zu sich kam, dass er einfach nur ausgeraubt wurde.

Alerio verließ die Straße, ließ den Tatort einige Meter hinter sich, bevor er wartend stehen blieb. Auf Brimir wartend. Er wusste nicht, ob der Gangrel irgendetwas mitbekommen hatte, er hatte ihn zumindest nicht gesehen.

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Re: Lektionen der Jagd [Alerio]

Beitrag von Brimir » Do 2. Jun 2016, 18:02

Der Vogel verfolgte den Jungen durch die Gassen udn Straßen, bis der kleine Schatten einen scheinbar geeigneten Platz gefunden hatte. Und dann warteten sie, gemeinsam und doch alleine, jeder für sich. Immer wieder legte der Vogel den Kopf schief zu einer Seite und musterte, was Alerio dort unten tat. Und auch, als sich dort endlich Aktion zeigte, schwieg der Rabe. Kein Laut kam über seine Lippen, während er auf seinem Dach saß.

Das Geld wechselte den Besitzer und das war der Moment in dem sich das Tier erhob. Er flog noch zwei oder drei Runden, um zu sehen, wohin Alerio ging und flog dann ein Stückchen weiter in eine Nebengasse aus der kurze Zeit später der gangrel hinaus kam. Suchend blickte Brimir sich um und steuerte dann Alerio an.

"Effektiv... rasch... listig... ... das gefällt mir", gab der Nordmann dann von sich und klopfte seinem Schüler auf die Schulter.

"Ich entschuldige mich dafür, dass ich dich bei der Eröffnung so habe auflaufen lassen, Alerio. Ich musste wissen, wie du reagierst... ob du wirklich bereit bist... ... und trotz Allem, was passiert ist, weiß ich nun, dass du es bist. Es ging nie darum, ob du es schaffst den Kopf abzuschlagen, sondern nur darum, ob du es versuchst."

Brimir lächelte väterlich und nahm dann die Hand zurück.

"Der Jagd selbst... ist es gleich, wer die Beute ist.... oder der Jäger. Jeder Jäger kann zur Beute werden und jede Beute zum Jäger. Fehler... Überlebenswillen... ... Fähigkeiten... Gehorsam... Pech oder auch Glück. All diese Faktoren beeinflussen die Jagd. Und auch, wenn die Nonnen die Jagd als solche praktizieren und akzeptieren, dass sie auch Beute sind... ... sehe ich nur den Jäger in uns. Natürlich kann auch ich Beute werden... aber es ist meine Pflicht als Jäger wieder die Oberhand zu gewinnen. Der Jäger ins uns ist es, den wir stärken müssen... jeder sollte die Jäger fürchten und niemand in ihnen Beute sehen. Das war Allocers Fehler... er hat gedacht, dass meine Jugend mich zur Beute macht."

Dann blieb Brimir stehen und schaute Alerio tief in die Augen. Seine Stimme bekam etwas Feierliches, als würde er ihm die tiefsten Geheimnisse seines Glaubens erzählen.

"Das was ich dir jetzt sage, solltest du verinnerlichen, denn davon hängt es später ab, ob dein Tier obsiegt und du der letzten Raserei anheimfällst... oder ob du ein würdiger Jäger sein wirst: Du bist ein Raubtier und alle Anderen sind deine Beute. Das Tier existiert, um dir bei der Jagd zu helfen; Beherrsche es so, wie du einen Jagdhund beherrschst. Es liegt keine Schande beim Abbruch einer erfolglosen Jagd; so lange du mit dem Rudel heimkehrst.

Wenn du Hunger hast, nähre dich, gleich von welchem Ziel. Ein Jäger der hungrig auf die Jagt geht, wird scheitern, denn das Tier nimmt sich am Ende was es will.

Es gibt Rituale für die Jagd. Ich kann dir meine Lehren, die Nonnen dir ihre... am Ende, wenn du kein Schüler mehr bist, wirst du deine eigenen haben. Das ist gut so, denn so verschieden die Rituale auch sind, so verschieden sind wir Jäger. Doch gehe niemals auf die Jagd, ohne dein Ritual vollzogen zu haben.

Was dein ist ist dein und wird von dir beschützt... um jeden Preis. Wenn dir jemand etwas rauben will, schlage ihn zurück. Wenn dir jemand etwas genommen hat, hole es dir doppelt und dreifach wieder. Wer in dein Revier eindringt, den verjagst du. Du hast dir deine Beute erlangt, die darf dir niemand streitig machen.

Wenn jemand dein Leben bedroht, sei bereit ihn zu töten. Wenn dein Leben davon abhängt, dass jemand stirbt, vernichte ihn. Gnade zum falschen Zeitpunkt, kostet dem Jäger das Leben.

Das Tier ist selbstsüchtig und Barmherzigkeit nährt es nicht. Wenn jemand etwas von dir will, hat das immer seinen Preis.

Grausamkeit ist verschwendete Energie. Kein Jäger, der aus Vergnügen unnötig grausam ist, wird je ein guter Jäger sein. Richte deinen Fokus darauf effizient zu sein, wie das Tier es wäre. Folter ohne Grund ist uns Jägern fremd. Jemanden aus Spaß zu schänden bringt uns Nichts... außer vielleicht falsche Genugtuung. Jemanden zu foltern, um an Wissen für die Jagd zu kommen, kann jedoch sehr wohl ein Mittel sein. Und selbst Yasir hat einen schnellen Tod gefunden, auch, wenn er nicht sauber war.

Ein Jäger, der unvorsichtig vorgeht wird immer scheitern, wenn sein Opfer vorbereitet ist. Ein Plan gehört dazu, auch, wenn das Tier manchmal dem Instinkt nachgeben will. Aber mann muss einen Plan auch nicht bis ins letzte Detail vorbereiten... die Jagd ist flexibel und ändert sich oft von einem Moment auf den Nächsten.

Wer dir ein Halsband anlegen will, greift in deine Jagd ein. Sei stehts frei und schalte jede Gefahr für deine Jagd aus. Wer deine Jagd einschränken will ist dein Feind.

Wer wirklich Jäger sein will, muss alleine zurecht kommen. Die Jagd respektiert keine Anführer, die auf einem Thron sitzen. Die Ordnung unter den Jägern beruht einzig und allein auf Stärke. Kraft wird akzeptiert... ein Anführer nicht. Am Ende gibt es nur dich und kein uns, wenn es drauf ankommt.

Und der größte Jäger ist der, der es schafft seine Beute zu fangen, ohne sein Leben zu riskieren. Das Überleben ist das höchste Gut und dafür ist jedes Mittel recht.

Merke dir meine Worte, Alerio. Und beherzige sie. Sie werden dein Leben sein, sobald du dich deinem Tier gestellt hast. Bis dahin löse dich davon, was deine Moral bislang verlangt hat. Dies ist die Ethik der Jagd und sie wird dein Tier zu deinem Freund machen. Und dich zum Jäger."
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Re: Lektionen der Jagd [Alerio]

Beitrag von Alerio » Sa 4. Jun 2016, 22:20

Alerio lächelte erfreut. Ein Lob. Wann hatte ihn zuletzt jemals jemand gelobt? Er fand es selbst lächerlich, dass er sich über so etwas freute, und blickte etwas beschämt zur Seite.

"Schon gut." sagte der kleine Vampir als Brimir sich entschuldigte. "Es war überraschend und nicht gerade angenehm, aber ich kann es verstehen."

Als der Gangrel seine Erläuterungen zu den Wesenszügen seines Pfades begann, nickte Alerio verstehend.
Ja er war ein Jäger. Er hatte sich lange nicht als solcher gesehen, doch auch die Nonnen hatten Recht damit. Ein jeder von ihnen war ein Raubtier in Menschengestalt.

Da waren so viele Informationen die auf ihn einprasselten. Dinge, die sein zukünftiges Leben verändern und bestimmen sollten.

'Wie du einen Jagdhund beherrschst' Er hatte keine Ahnung wie man ein Tier beherrschte. Er konnte Menschen beherrschen, aber das war was anderes. Wie sollte er diese wilde Kraft im Zaum halten?
Das war wohl der Punkt der ihm noch am meisten Probleme bereitete. Er konnte die Furcht davor die Kontrolle zu verlieren noch nicht abschalten.

Nähren wenn man Hunger hat. Damit hatte er kein Problem. Er war nur wählerisch bei seinen Opfern, wenn es darum ging, wie er sie fangen sollte. Man musste es sich ja nicht schwerer machen als nötig.

Rituale. "Warum ist ein Ritual wichtig?" Das verstand er nicht so richtig. Wozu sollte man so etwas abhalten?

Was mein ist, wird beschützt. Er lächelte. Das war ein Ansatz der ihm gefiel. Ja er hatte Beute gemacht in der Vergangenheit und er hatte Untergebene, die es zu schützen galt. Er würde nichts wieder hergeben oder zulassen, dass jemand seinen Leuten Schaden zufügte.

Das Töten. Hinterlies immer noch ein schlechtes Gefühl in ihm. Doch Brimir hatte recht, wenn es am Ende hieß er oder die anderen, würde er alles tun um seine Haut zu retten. Das wusste er. So ehrenhaft war er nicht, dass er sich für jemanden opfern würde. So wie vermutlich jeder Mensch und Kainit.

Barmherzigkeit...Warum sollte er diese ablegen? Gnade war nicht immer angebracht oder konnte töricht sein. Doch allem zu entsagen was gut und richtig war? War das richtig?

Grausamkeit. Da waren sie sich einig. Grausamkeit hatte in seiner Welt keinen Platz. Manchmal mussten Dinge getan werden um einen Zweck zu erfüllen, doch nie aus Freude.

Vorsichtig. Das war er. Bemühte sich immer keine Aufmerksamkeit zu erregen.

"Wer die Jagd behindert ist ein Feind? Was wenn es ein Freund oder verbündeter ist? Sollte ich denjenigen dann angreifen?" Er konnte sich vorstellen, wenn es für ihn wichtig war, dann würde er es vielleicht tun, doch das würde auf die Situation ankommen und die jeweilige Person.

Nur dich, kein uns...wieder eine solche Distanziertheit. War das nicht einsam? Nicht dass er permanent die Gegenwart anderer brauchte, aber er war noch nie gänzlich allein gewesen. Herde, Pietro, Angelique...
"Muss man als Jäger unbedingt allein sein? Was ist mit einem Rudel?"


Nachdem Brimir alles gesagt hatte und Alerio sich all diese Dinge noch einmal durch den Kopf hatte gehen lassen, kam er zu einem Fazit:

"Ich kann viele deiner Worte nachvollziehen und merke immer mehr, dass ich bereits einen anderen Weg eingeschlagen habe, nicht mehr derselbe bin, wie an dem Tag als ich nach Genua kam. Dass es die richtige Entscheidung war dein Schüler zu werden. Dennoch behagt mir nicht alles. Das Leben des Jägers scheint einsam und hart zu sein."

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Re: Lektionen der Jagd [Alerio]

Beitrag von Brimir » Mo 6. Jun 2016, 15:35

Brimir lauschte den Fragen, die Alerio hatte doch er warte mit einer Geduld, die der Jäger nur selten an den Tag gelegt hatte. Erst als Alerio seine rstes Fazit gezogen hatte, nickte Brimir und lächelte aufbauend. Anscheinend war er erleichtert, dass Alerio sich endlich damit abgefunden hatte, dass der Jäger in ihm stark war und dieser Weg seine Zukunft sein könnte. Doch das Nicken hatte auch etwas Ernstes und Bestätigendes an sich.

"In erster Linie ist der Jäger einsam und alleine. Das stimmt. Jeder Jäger muss stark genug sein, auch alleine in der Wildniss oder der Zivilisation zurecht zu kommen.... muss stark genug sein sich auch mächtigen Feinden alleine zu stellen. Du hast bei Allocer gesehen... ... oder eben nicht... dass sich die Situation aus einer Überzahl schnell in einen Kampf Mann gegen Mann ändern kann. Und dann ist dein Vorteil deine List und deine Schnelligkeit... nicht, wie bei mir die Muskelkraft."

Doch das Lächeln wurde wieder sanfter, gemeinsam mit ihm auch das Funkeln der Augen.

"Ein Jäger, der die Stärke des Rudels verkennt... wird genauso wenig lange überleben, wie der, der sich nur auf diese Stärke verlässt. Ich hatte ein Rudel, bevor sie hier her kamen. Und es gibt einige wenige, die... hier, wie ein Rudel für mich sind... du zum Beispiel. Ich zeige dir die Geheimnisse des Pfades der Jäger nicht, weil ich unbedingt einen Schüler haben wollte... ... sondern, weil ich dich an meiner Seite wissen will... als Bruder... als Teil des Rudels. Doch... um bei dem Beispiel von Allocer zu bleiben: Hättest du dich dort gegen mich gewandt, weil dein Blut wichtiger erscheint, als das, was uns verbindet... hätte ich auch gegen dich gekämpft. Das beantwortet deine Frage dannach, ob du wirklich jeden angreifen sollst, der deine Jagd behindert: Ja... ohne Ausnahme. Es muss nicht gleich die Kralle oder das Messer sein... aber, wer dir im Weg steht, kann nicht gleichzeitig Freund sein. Genauso würde ich meine Schwester und meine Brüder im Kampf stellen, wenn sie sich gegen mich gestellt haben sollen."

Brimir schien die Anmerkungen Alerios gedanklich in umgekerhter Reihenfolge durchzugehen und so kam er zum nächsten Punkt. Brimir beugte sich hinab, um etwas dreck aus der Straße aufzunehmen.

"Rituale... ... es ist sicher schwierig das zu verstehen, warum es notwendig ist, solche Dinge zu tun... nimm die Christenmenschen... sie gehen jede Woche in diese... Kirchen... um ihrem Gott nahe zu sein... ... und sie nutzen dort auch... Rituale, wenn ich das richtig verstehe. Genauso ist es mit uns Jägern."

Der Dreckt der Straße wurde von Brimir dafür genutzt die Haut mit einigen nordischen Symbolen zu bemalen.

"Wir rufen dabei das Tier näher zu uns... ... stimmen uns gemeinsam auf die Jagd ein. Es hilft uns das Tier nicht in die Ferne zu treiben, während wir mit ihm jagen.... öffnet uns die Augen für die Bestie in uns und hilft uns Akzeptsanz zum Tier aufzubauen... ... es ist... wie gesagt... schwierig... ... aber wir werden es gemeinsam erlernen."

Doch dann hob er einen Finger.

"Um zu lernen... ... werde ich einen Jagdhund für dich finden und binden... ... du wirst ihn ausbilden. Und außerdem... wirst du ein weitere Geschenk von mir bekommen... eine Eule, die mich schneller findet als alle deine Boten. Schick sie zu mir, wenn du mich brauchst..."
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Re: Lektionen der Jagd [Alerio]

Beitrag von Alerio » Di 7. Jun 2016, 21:33

Als Brimir ihn als Teil seines Rudels, nein, sogar als Bruder bezeichnete, war er so gerührt, wie schon sehr lange nicht mehr. Und fühlte sich zeitgleich so schäbig für die ganze Sache mit Allocer. Er hätte nie gedacht, dass er dem Nordmann so wichtig war.
Er nickte verstehend zu Brimirs Worten und schaute betreten zu Boden.
"Hab Dank, Brimir, für dein Vertrauen und deine Freundschaft."
War er das überhaupt wert?

Neugierig schaute er dann zu, wie Brimir die Erde aufnahm und ihm den Sinn eines Rituals erklärte.
Doch als er den Jagdhund erwähnte entglitten ihm die Gesichtszüge.
"Ein Hund...?" Er hatte da eine ganz schlechte Erinnerung an Hunde. Besonders an ihre Zähne, die sich in sein Fleisch geschlagen und seine Haut zerrissen hatten.

Sie hatten ihn gejagt und er hatte sich nicht wehren können.

Doch wenn er so darüber nachdachte, machte das die Lektion für ihn umso sinnvoller.
Damals war er die Beute gewesen, das nächste mal musste er der Jäger sein. Nur war ihm dennoch überhaupt nicht wohl dabei.

Die Eule hingegen nahm er wohlwollender auf. "Und eine Eule. Das ist wirklich großzügig von dir. Wie kümmert man sich um so ein Tier?" Er wusste nicht, wie man mit Tieren umging. Vielleicht war das tatsächlich auch ein Grund, warum er seine eigene Bestie nicht annehmen konnte.

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