Gegeißelt [Rennard]

[Juni '16]

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Gegeißelt [Rennard]

Beitrag von Brimir » Do 5. Mai 2016, 10:21

Er mochte es schon öfters gehabt haben in jener Zeit, seitdem er in Genua angekommen ist: Dieses Gefühl beobachtet zu werden. Und heute irgendwo in Ravecca wurde im fahlen Mondschein Rennard auch bewusst, woher dieses Gefühl kam. Oben auf dem Dach eines Gebäudes saß eine Eule, die ihn neugierig musterte. Das war seltsam, denn flohen die meisten Tiere nicht vor dem Biest in dem Kainiten, wenn er in der Nähe war? Dieses Tier jedoch war Anders. Die Eule legte den Kopf schief, dann auf die andere Seite. Und, als Rennard hinauf blickte, erhob sie sich und flog in Richtung Brogglio davon. Keine Augen mehr, die ihn beobachteten. Die angenehme Stille der Nacht.

Es mochte gute 30 Minuten dauern, bis das Gefühl dann aber zurückkehrte. Die Eule hatte den Vampir wieder gefunden und sich auf ein anderes Dach nieder gesetzt. Und neben dem nachtaktiven Tier, war eines, dass normalerweise nur am Tage jagte: Ein Rabe. Und nachdem die Eule ihren typischen Laut abgegeben hatte, krächtzte der schwarze Vogel. Dann verließ die Eule die Szenerie und nun war es der Rabe, der den Vampir im Blick hatte.
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Re: Gegeißelt [Rennard]

Beitrag von Rennard » Mi 11. Mai 2016, 19:20

Rennard beobachtete dieses Schauspiel mit gleichen Teilen aus Faszination und Beunruhigung. Er konnte wohl kaum hoffen, einen Vogel zu Fuß verfolgen zu können und seinen treuen Jagdfalken hatte er in der Kindheitsfantasie zurückgelassen, in der er ein reicher Fürst gewesen war. So blieb ihm vorerst nichts anderes übrig, als hilflos zuzusehen, wie die beiden Tiere sich darin abwechselten, ihn zu begaffen. Er warf dem Raben einen verächtlichen Blick zu. Ob er wohl jeden beobachtete, der hier entlang lief, oder handelte es sich um einen dieser Zufälle, die darauf hinausliefen, dass etwas es auf ihn persönlich abgesehen hatte? Der alte Mann machte sich eine geistige Notiz, bückte sich um einen Stein aufzuheben und schleppte sich dann weiter den Weg entlang. Es war eine unscheinbare Route zwischen den Wohnhäusern. Derweil behielt er die Dächer und Gassen im Auge.

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Re: Gegeißelt [Rennard]

Beitrag von Brimir » Mi 11. Mai 2016, 21:57

Nein. Ein Zufall mochte es nicht sein. Als die Eule den Raben verlassen hatte, schickte dieser sich an, den Unbekannten zu mustern. Ganz offen, ganz ohne Scheu. Und vor Allem: ohne furcht vor dem Raubtier im inneren der Malkavianerseele. Jeder andere Vogel wäre schon längst verstummt und verschwunden, doch dieser Rabe tänzelte auf dem Dach neben Rennard her und blieb dran, als er sich in die Gasse bewegte.

Dann plötzlich stemmte das stolze Tier sich in die Lüfte und seegelte über dem Mann her, drehte eine Runde und setzte zum Sturzflug an. Ganz so graziel wirkte der Flug jedoch nicht, mehr so, wie ein frisch geschlüpftes Junges nach den ersten Flugstunden. Der Rabe verschwand vor Rennard in einer Nebengasse, wenige Meter vor seiner Nase.
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Re: Gegeißelt [Rennard]

Beitrag von Rennard » Fr 13. Mai 2016, 17:24

Der Untote dachte darüber nach, ob es sich nicht doch um ein krankes Tier handelte. Sein Flugverhalten war merkwürdig und passte somit zu seinem Verhalten. Das rückte das Verhalten der Eule einige Zeit zuvor in ein neues Licht. Ob sie ungewöhnlich geflogen war, das konnte er jetzt nicht mehr sagen. Vielleicht ging aber eine Seuche unter den gefiederten Kreaturen der Stadt um.

Rennard entschloss sich also, da er diese herausstechende Seltsamkeit der Nacht nicht einfach ignorieren konnte, dem Tier in die Gasse zu folgen. Ob er es noch vorfinden würde, wenn er dort ankam, war unklar. Kaum eleganter als der Rabenflug war die betonte Steifheit seines rechten Beines und seine bedächtige, aber zielgerichtete Gangart. Er schärfte seine Sinne um eine mögliche Spur des Geschnäbelten ausfindig machen zu können, als er sich näherte.

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Re: Gegeißelt [Rennard]

Beitrag von Brimir » Fr 13. Mai 2016, 17:59

Doch von dem Raben war Nichts mehr zu sehen. Entweder war er von einer Katze erwischt worden oder war in gleicher Geschwindigkeit weiter geflogen und wieder abgehoben. So oder so, blieb das Tier spurlos verschwunden. Aber vielleicht war der Vogel auch nur Ablenkung gewesen.

Ablenkung von dem neuen Paar Augen auf dem Dach, die bernsteinfarben, wie die Augen eines Wolfes, auf dem Malkavianer ruhten. Dann ging es schnell. Der Gangrel machte einen Satz nach vorne, als Rennard um die Ecke bog und versuchte ihn im Sprung umzuwerfen und sich auf ihn zu hocken, falls sein Vorhaben gelinge. Dabei hielt er einen Holzpflock als Waffe in der Hand.

"Hab ich dich endlich, Assamit!"

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Re: Gegeißelt [Rennard]

Beitrag von Rennard » Mi 18. Mai 2016, 17:52

Im letzten Moment war so etwas wie Erkenntnis in den Augen des Angegriffenen zu sehen und sein Körper zeigte das Zucken einer Ausweichbewegung. Doch die gebrechliche Gestalt des alten Mannes hielt, was sie versprach und er ging mit dem Gangrel krachend zu Boden, weil er zu langsam war. Mit einem Keuchen entwich die Luft aus seiner Lunge und der Gehstock flog durch die Gasse um einige Schritt von ihm entfernt zu landen.
Es dauerte einen Moment, bis er sich von dem Aufprall erholt und die Situation überblickt hatte. "Gott im Himmel!" fluchte er empört und zappelte protestierend unter dem Wegelagerer. Was hatte er da gesagt? Assamit? Das Zappeln setzte wieder aus und ein kontrolliertes Einatmen war zu hören, während Rennard die Augen schloss und einen Moment nachdachte.
"Warum haltet Ihr mich für einen Assamiten?" fragte er dann bemüht ruhig. Es fiel ihm sichtlich nicht leicht, in dieser Situation ein Gespräch zu führen, aber mehr als Worte konnte er dem Pflock gerade nicht entgegen setzen.

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Re: Gegeißelt [Rennard]

Beitrag von Brimir » Mo 30. Mai 2016, 13:59

Es war kein Blickkontakt, den Brimir da zwischen sich und seinem Opfer herstellte. Und doch lagen die Augen permanent auf dem Gegenüber. Noch immer erhoben drohte der Pflock bei einer falschen Bewegung nieder zu fahren. Doch diese Bewegung seitens Brimir blieb aus.

"Entweder du bist einer der Assamit, die Genua aktuell bedrohen, oder naiv genug, dich schon so lange in der Domäne aufzuhalten, ohne vorstellig zu werden, dass die Geißel der Feinde Genuas auf dich aufmerksam wurde."

Die holzfreie Hand des Gangrel hielt den Malkavianer feste im Griff, während er sprach. Dann folgte ein resignierendes Seufzen.

"Du hast die Chance dich jetzt bei mir vorzustellen und dich zu erklären, bevor ich dich, je nachdem, was ich hören werde zum Seneschall oder zur Prinzessin bringen werde."
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Re: Gegeißelt [Rennard]

Beitrag von Rennard » Do 16. Jun 2016, 14:57

Die Geißel der Feinde Genuas, na wunderbar. Er war heute Nacht wirklich in unnachahmlichem Einklang mit dem Fluss der Zeit. Da war immer noch dieser Pflock in der Hand des Angreifers, also verspürte Rennard eine gewisse Dringlichkeit zu antworten. "Mein Name ist Rennard, Neugeborener vom Blut des Mondes. Greift in mein Gewand! Es hat eine Innentasche, darin ist ein Brief an die Prinzessin." Er verkniff sich lieber weitere Erläuterungen und ihm fehlte sowieso die Puste dafür, weil das Gewicht des Gangrel ihn abschnürte.

In der Tasche würde Brimir tatsächlich ein ursprünglich zusammengerolltes und jetzt platt gedrücktes Stück Pergament finden, auf dessen Innenseite sich ordentlich gemalte Schriftzeichen befanden.
Zuletzt geändert von Rennard am Di 21. Jun 2016, 16:58, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Gegeißelt [Rennard]

Beitrag von Brimir » Di 21. Jun 2016, 16:15

Der Gangrel schien zumindest etwas zu entspannen, als er ohne zu zögern der Anweisung der Vorstellung nach kam. Und auch die Tatsache, dass er gleich darauf den Brief erwähnte, sorgte dafür den Jäger milde zu stimmen. Und doch konnte das Alles Vorbereitung sein. Täuschung war das A und O der Assamiten.

Während Brimir ihn mit den Knien weiter fixierte, griff die freie Hand in die besagte Innentasche und er nahm den brief hervor. Doch der Inhalt schien den Gangrel weniger zu interessieren, als der Empfänger. Schließlich nichte er.

"Falls das stimmt... ... hoffe ich, dass du verstehst, dass es als Geißel der Feinde Genuas meine Pflicht ist... besonders in diesen Zeiten, in dennen die Bedrohung so nahe liegt... ... jeder Spur nach zu gehen und zur Not auch mit Härte durch zu greifen. Denn dann ist das hier Nichts persönliches zwischen uns..."

Brimir schob den Brief wieder zurück in die Tasche und ließ den Pflock etwas sinken. Es war ein schönes Stück: kunstvoll gefertigt aus Mahagoni finden. Der Pflock war von Metallbändern umschlungen, welche mit kunstvollen eingeprägten Jagdszenen verziert waren und besaß eine eisenverstärkte, messerscharfe Spitze. Falls man denn Augen für solche Details hatte, wenn man damit bedroht wurde.

"Ich werde jetzt aufstehen und dir die Möglichkeit geben aufzustehen. Anschließend wirst du die Gelegenheit haben deinen Brief persönlich an Maximinianus, Ancilla vom Clan Ventrue und Seneschall der Domäne, zu übergeben. Dort werden wir zusammen hingehen und er wird deine Worte überprüfen."
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Re: Gegeißelt [Rennard]

Beitrag von Rennard » Mo 27. Jun 2016, 17:41

Der Malkavianer nickte gequält und keuchte, als Brimir das weitere Vorgehen erklärte. Er wartete ruhig ab, bis der massige Gangrel sich erhoben hatte und sammelte sich noch einige Augenblicke danach, indem er sich auf den Brustkorb klopfte und scheinbar durchatmete. Endlich rappelte er sich auf die Beine, was wiederum ein überaus erbärmlicher Anblick war, da sein rechtes Knie steif zu sein schien. Er humpelte langsam zu dem Punkt, an dem sein Knotenstab gelandet war und beugte sich umständlich herunter um diesen aufzunehmen. Danach wurde sein Gang flüssiger. Er zupfte seine Kleidung zurecht, das übrige Haupthaar blieb zerzaust und kraus, was es aber vielleicht schon vor dem Zusammenstoß gewesen war.

"Ich verstehe schon, Du hast nur deine Pflicht erfüllt." Er winkte beschwichtigend ab. "Es... ist ja auch gut zu sehen, dass die Erhaltung von Recht und Ordnung hier so ernst genommen wird." vielleicht redete er da genauso mit sich selbst wie mit Brimir. "In Genua sind also tatsächlich Assamiten gewesen. Hast Du sie gefangen genommen, ... ?" bei dieser Frage humpelte er näher heran und fügte hinzu "Verzeihung, wie soll ich dich nennen?"

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