Fische auf dem Trockenen [Fabrizio]

[März - Mai '16]

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Melissa
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Re: Fische auf dem Trockenen [Fabrizio]

Beitrag von Melissa » So 5. Jun 2016, 13:45

Die Drachin lachte. Ein glockenhelles Geräusch, bei dem sie die Kiefer öffnete, ohne die Lippen von den Zähnen zu ziehen, und den Kopf in den Nacken warf.
Ein ehrliches Geräusch, das sie rasch hinter ihrem Handrücken verbarg.

"Ich dachte mehr an euren Erfolg in diesen Zwisten, nach allem, was ich so an Klagen höre. Aber gut gespielt."
Ihr Lachen versiegte wieder, nur der Hauch eines Lächelns blieb auf dem hübschen Gesicht zurück, übertönte ihre Abneigung gegen die zur Schau gestellten Fänge.
"Ich würde wohl lügen, wenn ich diesen Hunger leugne, den euer Leben als Händler nicht stillen konnte. Tatsächlich kenne ich ihn gut. Mich gelüstet lediglich nach anderen Dingen als Geld und Ruhm. Mich dürstet nach Leben, Liebe."
Melissa zuckte mit den Schultern.
"Auf eine Art der selbe Hunger, der mich früher umgetrieben hat. Heute finde ich ihn aber leichter zu stillen."
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Fabrizio
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Re: Fische auf dem Trockenen [Fabrizio]

Beitrag von Fabrizio » So 5. Jun 2016, 21:01

Während die Drachin lachte, machte der Schatten kaum merklich einen weiteren kleinen Schritt auf sie zu.
Nun standen sie nicht mehr wie flüchtige Bekannte, sondern deutlich vertrauter.

Und so wurde auch Fabrizios Stimme leiser. Sein venezianischer Dialekt machte sich nun im Gesprochenen deutlich bemerkbar, und gab dem ganzen eine gewisse süßliche Tiefe.

"Um was wollen wir dann also die Geister der See für dich bitten? Um mehr Leben und Liebe? Womit kann die schwarze See der Dame dienen?"

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Melissa
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Re: Fische auf dem Trockenen [Fabrizio]

Beitrag von Melissa » Mo 6. Jun 2016, 02:08

"Oooh", machte Melissa und biss sich auf die vollen Lippen. Ihr Blick glitt einen Moment an dem Kapitän herunter, sie trat ebenfalls einen Schritt weiter auf ihn zu. Nah genug, dass er ihren Duft riechen konnte - frische, feuchte Erde und Blumen, nur ein Hauch von Salz.
"Ricardo kann etwas von euch lernen", hauchte sie, blickte ihm in die Augen.

...nur um mit einem raschen Schritt wieder einen Abstand zu gewinnen, der wieder "Bekannte" sagte.
"Sie beschmutzen sich, Fabrizio", sagte sie in einem überaus theatralischen Tonfall und barg die zarten Hände vor ihrem Busen, wie um ihr Herz zu schützen. Sie wandte ihm das Profil zu und hob das hübsche Näschen in den Nachthimmel, um verträumt in die Ferne des Golfes zu blicken.
"Ich weiß nicht, um was ich irgendwelche Geister bitten sollte. Ruhe womöglich. Dass es meinem Gatten und seinen Geschäften gut geht und dass die Verwirrungen der letzten Jahre sich legen mögen. Der ganze Verrat und die Hinterhälterei bei einigen großen Familien, die sich sogar selbst zerfleischen, wie es...
Nun, das ist ein anderes Thema."
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Re: Fische auf dem Trockenen [Fabrizio]

Beitrag von Fabrizio » Mo 6. Jun 2016, 21:34

Fabrizio genoss einen Moment den Duft. Es roch so natürlich, sehr angenehm, man könnte es fast für echt halten wenn man nicht wusste wer sie war.

Stumm verschränkte er nach ihrem gekonnten Rückzug die Arme hinter dem Rücken und bewunderte ihr Schauspiel.
"Als Seeräuber bin ich es gewohnt mich zu beschmutzen." Er grinste nur schief.

"Aber von großen Familien verstehe ich nichts, gibt nur einen Begado hier. - Was macht euer Gatte denn für Geschäfte?" Der Lasombra hatte nun ebenso souverän wieder die Distanz eingenommen.

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Re: Fische auf dem Trockenen [Fabrizio]

Beitrag von Melissa » Mo 6. Jun 2016, 22:48

"Oh dies und das und jenes. Was die Flut so anspült an Arbeit. Immer öfter aber gerät er dabei in einen unruhigen Wellengang, die ersten Boten oder letzten Zeugen eines Sturms. Das Schiff seiner Geschäfte schaukelt dabei und ächzt in den Wellen, dass mir Angst und Bange wird um seinen süßen Leib."

Die Drachin wandte sich dem Piraten wieder zu, ihr Ausdruck ruhig, neugierig. Ein Funkeln in ihren Augen verriet, dass sie - natürlich - nicht bloß über ein paar Tauschgeschäfte im dämmrigen Zwielicht einer Kneipe redete.
"Nur ein Name fällt immer wieder dabei und ich kann mir nicht helfen: Ich habe ihn gehört, aber ich kenne ihn doch nicht. Wer sind sie wohl, diese Stürmischen? Wer sind nur diese Bianchi?"
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Re: Fische auf dem Trockenen [Fabrizio]

Beitrag von Fabrizio » Di 7. Jun 2016, 21:03

"Dann hoffen wir mal, dass er noch rechtzeitig die Segel eingeholt hat und nicht zwischen zwei Wellen zerquetscht wird." Blieb Fabrizio noch einen Moment in der maritimen Metapher und bekreuzigte sich beiläufig zur See.

"Bi-an-chi." Zog er dann den magischen Namen seltsam betont in die Länge.
"Habe tatsächlich auch noch keinen getroffen der so heißt. Aber ich kenne immerhin ein paar der Ratten die sich rechtzeitig eingekauft haben. - Vermutlich ist einer der unsrigen ihr Patron, nicht wahr? Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nicht weiß wer." Der Pirat zuckte unzufrieden mit der Schulter, da hatten sie wohl das gleiche Problem?

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Re: Fische auf dem Trockenen [Fabrizio]

Beitrag von Melissa » Di 7. Jun 2016, 23:17

"Ein seltsamer Fall, nicht?", sagte Melissa und schürzte die Lippen. "Die Vermutung liegt nahe, da habt ihr Recht. Es gibt auch sicherlich ein, zwei Dutzend Kandidaten die in Frage kommen für diesen rasanten Aufstieg."

"Ihr wisst es also auch nicht...Ich wüsste es doch zu gern, wer dahinter steckt."
Mit einem kecken Seitenblick und einem verschwörerischen Ton fügte sie an: "Man will ja niemandem auf die Füße treten."
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Re: Fische auf dem Trockenen [Fabrizio]

Beitrag von Fabrizio » Mo 13. Jun 2016, 23:46

Der Lasombra schwieg und blickte sich einen langen Moment deutlich aufmerksam und gründlich um, ob sie auch niemand beobachtete oder gar belauschte.
Dann erst als er sich einigermaßen sicher schien, blickte er wieder hin zum Drachen neben sich, um recht leise wieder das Gespräch aufzunehmen.

"Ja, ich wüsste doch auch zu gern wer dahinter steckt." Da hatte er das Verschwörerische wohl aufgenommen.

"Wir helfen uns gegenseitig: Ich erzähle euch was ich bereits weiß. Dafür versucht ihr herauszufinden, wer und was dahinter steckt, und teilt dann eben euer Wissen darüber wiederum mit mir."

Er zögerte kurz und entschied sich dann wohl noch etwas erklärend hinterher zu schieben.
"Ich würde selber weiter nachforschen, aber wie ihr schon sagtet, man will ja niemandem auf die Füße treten. Und meine Position wäre für dieses Tänzchen derzeit einfach viel zu ungeeignet. - Ihr hingegen seit neu und erscheint mir recht geschickt." Untermalt von einem dezenten Lächeln.

"Also zur Sache. - Wie man weiß, haben die Bianchi ihre Macht sowohl aus dem Erbe der Brigori, als aber auch aus dem Erbe der Spinola. Eben unter diesen wurde im Vorfeld der Übernahme ganz kräftig aufgeräumt. Über Nacht wurde die gesamte alte Garde um den Patriarchen ausgelöscht. Wurden alle auf einer Versammlung abgeschlachtet durch eine Söldnerabteilung. Danach hat den Bianchi das Erbe keiner mehr streitig gemacht. Die Söldnerabteilung steht übrigens im Dienste unseres jetzigen Seneschalls."
Er stoppte kurz gewichtig.

"Aber ganz so einfach ist es dann wohl auch nicht. Ich habe im Rat das Abstimmungsverhalten beobachtet. Es gibt einen Block aus den Abgeordneten im Dienste Claviculas zusammen mit jenen der Fiechi, der Hausmacht des Seneschalls. Zusammen haben die Könige damit meist etwas mehr als die Hälfte der Stimmen. Manchmal reihen sich die Bianchi in diese Meinung mit ein, doch oft genug stimmen sie auch für das Gegenteil. Vielleicht nur ein Trick zur Ablenkung bei sicher geglaubten Abstimmungen, aber vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass ihr Bündnis mit den Königen eher locker ist."
Beiläufig zuckte Fabrizio dabei mit den Schultern.

"Und dann gibt es da noch die Geschichte mit den Brigori. Da hat unsere Hüterin ihre Finger tief drinnen, aber schwer zu sagen wie tief genau, immerhin eine ziemlich große Familie. Jedenfalls sind auch am Hafen einige der Brigori nun bei den Bianchi, heißen zwar selber noch Brigori, aber ihre treue liegt nun bei der Bianchi-Sippe. Vor kurzem dann hat sich die Hüterin persönlich im Hafen blicken lassen und hat ne Razzia bei denen durchgeführt. So oder so hat sie da also immernoch einiges zu sagen."
Dann drehte Fabrizio sich wieder halb zur See hinaus und wartete ersteinmal ab, Melissa aus den Augenwinkeln allerdings durchaus neugierig beobachtend.

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Re: Fische auf dem Trockenen [Fabrizio]

Beitrag von Melissa » Mi 15. Jun 2016, 21:46

Melissa lauschte dem Lasombra, ohne ihn ein einziges Mal zu unterbrechen. Hin und wieder zog sie die Stirn oder die Nase kraus, wie um ihrer Verwirrung Ausdruck zu verleihen, sagte aber nichts.
Als er geendet hatte, herrschte einen Moment lang Schweigen zwischen ihnen. Nur der sanfte Seewind trieb ihnen die Salzluft in die Nasen, vertrieb den Gestank der Stadt für einen kühlen Augenblick, ehe das Miasma wieder über sie schwappte.

"Sehr interessant", sagte sie.
"Ich weiß nicht, wer die Spinola kontrolliert - falls sie momentan noch irgendjemand kontrolliert - aber auch bei Ihnen ist die Sache nicht ganz klar. Mittlerweile wissen sie vielleicht, wer loyal zu wem hält, für einige Jahre war die Sache aber nicht so klar. Jedenfalls nicht bei den bloß angeheirateten Zweigen der Familie in Broglio oder Raveccha. Tatsächlich schien es mir bis eben gar nicht festzustehen, dass die Bianchi überhaupt Einfluß besitzen. Umso mehr wundert mich, dass niemand diesen offenkundigen Bruch des Friedens geahndet hat."
Ihre braunen Augen wandten sich dem Seeräuber wieder zu, eine Braue belustigt empor gezogen.
"Bleibt die Frage, warum ihr mir das alles so bereitwillig erzählt. Ich hätte gedacht ihr wärt mit den Königen im Bunde oder wenigstens mit Witwe Acacia, die in eurer Erzählung nicht besonders gut wegkommt.
Entweder sie selbst musste ihre Familie von fremden Einflüßen säubern - deswegen dieser verachtenswerte Mord - oder aber sie verliert ihn Stück für Stück. Beides nicht sehr schmeichelhaft."
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Re: Fische auf dem Trockenen [Fabrizio]

Beitrag von Fabrizio » Mi 15. Jun 2016, 23:01

"Ja, sehr Interessant." Murmelte der Lasombra und drehte sich dann wieder ganz zu Melissa.

"Ich habe nur erzählt was ich weiß, wer dabei wie wegkommt, das liegt nicht bei mir." Er musste kurz schmunzeln.

"Wenn ihr übrigens denkt, es hätte einen offenkundigen Bruch des Friedens gegeben, dann habt ihr mich falsch verstanden. Die bedauerlichen Mitglieder der Spinola sind natürlich nur überstürzt mit unbekanntem Ziel abgereist oder hatten ganz unglückliche Unfälle versteht sich. Wissen nicht viele was da wirklich passiert ist, und geht auch die wenigsten etwas an." Er schien kurz zu stutzen.

"Also warum erzähle ich euch das? Habt ihr schon richtig erkannt, ich bin weder im Bund mit den Königen noch mit der Hüterin, übrigens aber auch mit sonst niemandem. Ich kann also leider weder zum Seneschall gehen und ihn fragen für wen er die Spinola abgeschlachtet hat, noch kann ich im Elysium darüber plaudern wie es grad so in der Familie steht. Trotzdem will ich wissen was da gespielt wird. Wie gesagt, man will ja niemandem auf die Füße treten." Er versuchte sich in einem Lächeln, das wurde aber etwas verzogen.

"Wir wollen beide wissen was da gespielt wird, für den Moment haben wir also die selben Interessen. Ich erzähle euch bereitwillig, in der Hoffnung dass ihr damit das Bild vervollständigen könnt zu dem mir die Hände gebunden sind. Aber ihr könnt es auch Vertrauensvorschuss nennen, oder meinet wegen Freundschaftsdienst."

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