Schlammige Pfade [offen]

[Januar '16]

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Melissa
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Re: Schlammige Pfade [offen]

Beitrag von Melissa » Di 26. Jan 2016, 14:41

Die Tzimisce schien es mit Sauberkeit nicht ganz so besessen zu treiben, wie die Malkavianerin, kämmte sie sich doch zunächst lediglich, auf dem Brunnenrand sitzend, die Haare. Gute zehn Minuten fuhr sie mit schlanken, schmalen Fingern immer und immer wieder hindurch, benässte sie nur unregelmäßig mit frischem Wasser und trug Sorge, allen Dreck und Laub und Schmutz au dem Haar zu kämmen. Dann wusch sie sich, das Wasser in den hohlen Händen aufschöpfend, das Gesicht, den Hals, das aufblitzende Dekollete. Die feuchten Haare warf sie nach hinten über den Nacken und im Mondschein kam unter allem Staub der Straße eine hübsche, ansehnliche Frau zum Vorschein, die zwar keinesfalls als eine atemberaubende Schönheit gelten konnte, deren Anblick aber doch das Herz erfreute.
Sie fuhr darauf hin fort, die Schultern, Arme und den Oberkörper zu säubern- äußerst umständlich, denn um sich nicht zu entblößen, zog sie das Kleid nie vollständig aus. Nur je einen Arm zog sie zur jeder Zeit aus dem Stoff hervor, mit dem sie sich auch zugleich bemühte, ihre Blöße zu bedecken und nur jene Stellen mit Wasser in Berührung kommen zu lassen, die man ohnehin sah.
Die Mitte ihres Körpers blieb die ganze Zeit über verhüllt. Ein ebenso geheimnisvolles wie schmutzstarrendes Mysterium. Erst zuletzt die Füße und Waden, die wohl auf dem Weg wieder schmutzig werden würden.
Nach getaner Arbeit stand sie auf, rückte das Kleidchen und die Haare an sich zurecht und klopfte den letzten Dreck aus der Kleidung, die ihre Farbe bemerkenswerterweise von Schlammbraun zu Zeder geändert hatte.

Melissa blickte dann nachdenklich in den Nachthimmel, dann - wie um ihren Hunger zu überdenken - auf ihren Bauch. Ihre Stirn legte sich in Falten. Unendlich langsam schüttelte sie schließlich den Kopf.
"Ich weiß nichts von diesen Liktoren", sagte sie, zaghaft wie bereits gewöhnt, "Aber ich möchte nicht...nicht speisen. Es gehörte sich nicht, ohne Einladung des Prinzen. Wenn er es erlaubt, werde ich mich an seiner Herde gütlich tun - nicht vorher. Nach der alten Sitte wird er mir wohl mindest drei Tage zugestehen, ehe er mich fort jagt. Bis dahin werde ich durchhalten."
Gegen Ende ihrer kleinen Erklärung hin war Melissens Stimme fester geworden, überzeugter von sich und den Regeln, die ihr eingebleut worden waren.
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Re: Schlammige Pfade [offen]

Beitrag von Angelique » Di 26. Jan 2016, 14:54

"Wenn du sofort eine Nachricht zur Prinzeps schicken willst, könnte ich sie bringen. Aber ich glaube, wenn Alerio, " Angelique konnte nicht ihre Stimme neutral klingen lassen, beim Gedanken an den Schattenengel, "sie bringen würde, würde sie vielleicht wohlgestimmter sein."
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Re: Schlammige Pfade [offen]

Beitrag von Melissa » Di 26. Jan 2016, 15:10

"Wer ist dieser Alerio? Einer dieser Lick...ein Littore?", fragte sie und blickte wieder zu dem Kind. "Sind sie für die Begrüßung und Prüfung des Gastrechtes zuständig? Ich möchte keine Umstände bereiten, bitte."
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Re: Schlammige Pfade [offen]

Beitrag von Angelique » Di 26. Jan 2016, 15:33

Angelique war immer noch leicht verwirrt von Genua Sitten. "Nein, die Ädile glaub ich. Aber ich würde einfach mal beim obersten Vasallen der Göttin," das letzte Wort betonte sie merkwürdig, "einem blutgefesselten Menschen, den alle ,den Allesfresser' heißen, vorstellig werden und um eine Audienz nachfragen."
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Re: Schlammige Pfade [offen]

Beitrag von Melissa » Di 26. Jan 2016, 16:08

Die helle Stirn unter dem rabenschwarzen Haar legte sich erneut in Falten.
"Schaden wird es nicht, sich der Dienerschaft der Majestät bekannt zu machen. Ich kann dir selbst etwas erzählen, wenn du mir auf dem Weg etwas über...über...nennt sie sich wirklich eine Göttin, maßt sich an, die Ketten des Fleisches abgelegt zu haben?", platzte es schließlich aus der Tzimisce heraus.
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Re: Schlammige Pfade [offen]

Beitrag von Angelique » Di 26. Jan 2016, 16:29

"Sie wirkte recht fleischlich auf mich, aber ihre diabolischen Geisteskräfte kommen denen von Dämonen gleich. Also kann ich das weder verneinen noch bejahen." Angelique schaute melissa von der Seite her an. Fleischliche Ketten. Glaubte auch sie an die gnostische Sophia, das Überwinden der materiellen Welt?
Dann hätte sie aber ihr Antoniuskreuz erkennen müssen. Vielleicht war das mit den Ketten ja ein Hinweis auf ihren häretischen Glauben.
"Erzähle mir ruhig mehr auf dem Weg," meinte Angelique schließlich.
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Re: Schlammige Pfade [offen]

Beitrag von Melissa » Di 26. Jan 2016, 16:58

"Es ist nur natürlich, dass die Älteren sich noch mehr gelöst haben von Leib und Fleisch und Knochen, nicht?", fragte Melissa, während sie sich auf den Weg zur Villa der Prinzessin machten. Sie bemühte sich, nicht sogleich wieder schmutzig zu werden, und in gewissen Maßen gelang ihr das auch. Geschickt wich sie den größten Pfützen aus, setzte bloß die Zehenspitzen auf und fand sicher Steine, auf denen sie stehen konnte.
"Der Geist, wie mein...mein Haus wohl weiß, ist soviel größer als der Körper. Es macht Sinn, dass sie, die soviel älter sein muss, ungleich größere Meisterschaft in beiden Dingen erreicht hat. Sie gehört wohl nicht zu meinem Blute? Nein? Das ist beruhigend."

Die Frau ließ einen kurzen Seufzer vernehmen, als fiele ihr eine Last von Schultern.
"Im Osten, da wo ich her komme, gibt es viele von uns, viel mehr. Selbst ich und mein Gatte waren Ausnahmen, in gewisser Weise, soweit im Westen wie wir lebten. Dennoch kommt mein Geschlecht nicht immer gut miteinander aus. Trotz aller Höflichkeit und Regeln sind wir oft eifersüchtig und eigensinnig - jaja, eine Sünde, ich weiß, ich weiß. Da ist es eine gute Sache, dass die Prinzessin Genua nicht dazu gehört. Gerade unsere Älteren sind kompliziert."
Zuletzt geändert von Melissa am Di 26. Jan 2016, 17:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Schlammige Pfade [offen]

Beitrag von Angelique » Di 26. Jan 2016, 17:03

"Gatte?" Angelique war überrascht. "Du hast einen Gemahl? Hattest du ihn schon vor der Vervollkommnung? Oder lerntest du ihn erst danach kennen. Und wer hat dich getraut?"
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Re: Schlammige Pfade [offen]

Beitrag von Melissa » Di 26. Jan 2016, 17:23

"Don Raffaelo di San Vitale hat uns getraut. Ihn kannte ich mein ganzes Leben lang, auch wenn ich jünger war damals. Jung. Meinen Gatten traf ich in jener Nacht das erste Mal. Ein schöner Mann, ein starker Mann. Sein Blut und Fleisch waren stark, kräftig und edel. Ein Mann von Geblüt, wie man sagt."
Ein Lächeln huschte über ihre Lippen, so kurz und unscheinbar, dass es wie ein Gespenst wirkte. Einen Augenblick lang zogen sich ihre vollen Lippen eine Spur nach hinten und sie senkte den Blick, als schäme sie sich für eine schöne Erinnerung.
Dann war es schon wieder fort, verlaufen in der Nacht.
"Er starb. Irgendwann. Wie alle. Dann holte mein Geliebter-Vater mich in die Nacht."

"Was ist mit dir? So jung wird bloßem Fleisch selten die Gabe geschenkt. Selbst, wenn mein Blut eine Vorliebe dafür hat, so muss man es sich doch verdienen. Ich weiß, dass ich es mir mit Blut und Schweiß erkämpft habe, verdienter als jeder Krieger."
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Re: Schlammige Pfade [offen]

Beitrag von Angelique » Di 26. Jan 2016, 17:36

Angelique zögerte. Mehr als einmal hatte man sie in Genua verhöhnt, wenn sie ihre Weissagungen sagte, nicht zuletzt die Prinzeps selbst.
Doch dann sagte sie: "Meine Mutter-Geliebte," dieses Wort würde ihr gefallen. In ihrem nächsten Brief würde sie sie so anreden, "hat meine Weissagungen vernommen, die mehrfach mein Dorf vor den Sarazenen und Normannen bewahrt hatten. Und bevor ich auf dem Scheiterhaufen landen würde oder mein Talent in Mutterschaft und Sünde verkümmern konnte, machte sie mich perfekt." Erinnerungen an Schmerz und Angst und Folter, bis ihre Herrin sie nach ihren Vorstellungen geformt hatte, ließen Angelique erschaudern.
"Gelehrt hat sie mich danach das Kämpfen und Lesen und Verstehen."
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