[1005] Männer mit Bärten [Livia]

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Sousanna
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Re: [1005] Männer mit Bärten [Livia]

Beitrag von Sousanna » Do 29. Mär 2018, 22:46

Megalions Haupt legte sich in einem winzigen Lächeln zur Seite. "Wie alles ist es ein Glücksspiel. Man kann es zwar erahnen, aber wissen können wir es nie. Man muss schnell lernen, wo man steht - und wie man am Besten das erreicht, was wir wollen. Es muss bei einem Gefühl bleiben, aber wissen können wir es nicht. Da gilt es wagen und unseren Erfahrungswert zu nutzen.", erwiderte er beinahe schon liebenswürdig geduldig. "Aber auch hier kann uns Mut, ja Tollkühnheit weiterhelfen."

Eine Weile lang schwieg der Fremde. Wieder hob und senkte sich seine Brust, ehe er leicht den Kopf schüttelte. "Keines, Bruder, außer das der Gier und des Blutes. Die Verwandschaft oder Wahlverwandschaft - aber alles andere ist ohne Belang."
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
Die dem lieben Griechenlande rann,
Lasst, o Parzen, lasst die Schere tönen,
Denn mein Herz gehört den Todten an!
Friedrich Hölderlin

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Re: [1005] Männer mit Bärten [Livia]

Beitrag von Livia » Fr 30. Mär 2018, 02:49

"Ein Glücksspiel!" Er jauchzte und klatschte, wie der Pöbel es so gern tat.
"Tollkühn wolln wir schreiten, tollkühn streiten, voran voran voraus!" Trällerte er sein Liedchen.

Er nahm Megalions Worte verstehend mit einem Nicken an. "Gier treibt zu Verwandtschaft - ist aber nicht nur ein Augenblick... ach Bruder, nicht Liebchen, ich will dir ein Liebeslied singen doch fürcht ich, werden sie uns hochkant herausschmeißen, diese Genuesen!" Er grinste lästerlich.
"Ein Fest wo ich dies dürfte und könnte und wagte, ein Stück zu summen, dass eine Herausforderung an eure Präsenz wäre! Scheitern müssts, Herr, sicherlich, aber wagen wollt ichs!" Er grinste breit aber nicht mehr so dümmlich... nein, etwas sehr schönes und bannendes - faszinierendes - lag in diesen Augen und ihrem herausfordernden Glitzern - trotz ihres niederen Trägers...

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Re: [1005] Männer mit Bärten [Livia]

Beitrag von Sousanna » So 1. Apr 2018, 20:57

Das Liedchen hatte dem Edelmann ein Lächeln abgerungen. Er hatte sich inzwischen betont gelassen an den Tisch gelehnt und bot das Bild perfekter, die Welt mit eleganter Nichtachtung trotzender Lässigkeit.
Er erwiderte das Grinsen schließlich in provokanter Lästerlichkeit. "Oh, Brüderlein, dann sing es trotzdem.", raunte er leise und neigte sich etwas vor, um ihm rau ins Ohr zu hauchen. "Sing es nur für mich. In den geheimen Ecken unserer wunderschönen Stadt. Sing es und bring mein Herz und meine Hüllen zum Schmelzen."
Ein frivoles Lächeln garnierte seine Worte, ehe er sich mit verschränkten Armen wieder zurück zu lehnen.

"Fürcht dich nicht, Bruder aus dem Norden", grinste er weiter. Seine Brauen zuckten lustig. "Es wird noch der Tag kommen, da ein solches Fest kommen wird. Das Sonnenkind hält seine Versprechen." Die letzten Worte schienen beinahe die Einleitung einer Verschwörung.
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Re: [1005] Männer mit Bärten [Livia]

Beitrag von Livia » So 1. Apr 2018, 22:25

Kurz schwelte die Brust des Nördlings, dann machte er sich in rascher Bewegung die Haare etwas schöner und beendete das alberne Grinsen... nein, einen Moment ließ er seine femininere Schönheit durchblicken, einen langen, einen fesselnden Blick. Mit jenem fesselnd fiebrigen Blick auf des Gegenübers Augen, zauberte er ein verliebtes Stück von großer Konzentration... und mitgefühl, fast wurden seine Worte spürbar in jedem Glied. Erst leise raunend, dann rauschend wie das heilige Blut in ihren Adern.

"Mir ist ein schön zouzannen,
so nahen durch die ougen min
gebrochen in daz herze.
nu merket, welch ein strazen
si ir hat erkorn!
Des muz min lip
von schulden ir gefangen sin.
Dannoch so wil der smerze
im nicht genügen lazen,
des bin ich verlorn.
Der hat mir brende
so behende
an mins herzen pin gebrant,
des hat ein siuche sich erhaben:
swaz ich von brenden ie bevant,
daz ist an sender arebeit
gein solchen brenden wol begraben."

Der fesselnde Blick ließ Megalion nicht fort, die Lippen kreisten voll und weich und diese Worte... ließen erschaudern - jeden auf seine Art. Doch eins war deutlich, sie waren nur für ein Gegenüber bestimmt...

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Re: [1005] Männer mit Bärten [Livia]

Beitrag von Sousanna » So 1. Apr 2018, 23:23

Megalions Blick wurde verträumt, ja sogar abwesend. Der Kopf legte sich zur Seite. Ein irritierend weibliches Seufzen drang aus seiner Brust. Bereitwillig ließ er sich fesseln. Lieferte sich willfährig den schönen Worten aus.
Wären sie etwas weniger in der Öffentlichkeit gewesen, hätte er sich gewiss an den Sänger geschmiegt, ihm noch näher zu sein, die Vibration auf der Haut zu spüren, die Weise atmen zu können.

Eine Weile ließ er die Worte nachklingen, schien noch einer leisen Melodie zu lauschen. Erst, da sie verklungen war, zeigte er ein sachtes Lächeln und wagte es die Schönheit mit seiner Stimme zu durchbrechen. "Ach mein Bruder im Geiste, wären es nur andere Zeiten, andere Orte und vor allem wären wir nur noch so frei wie in jenen glücklichen Tagen... ich würde dich umschlingen und nie mehr loslassen.", seufzte er schwermütig.
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Re: [1005] Männer mit Bärten [Livia]

Beitrag von Livia » So 1. Apr 2018, 23:30

Von seinen eigenen gepeinigten Worten gequält - und einigen misstrauischen Blicken bärbeißiger Mannsgestalten beäugt - erhob sich der Dünne. Ein rechtes träumen lag in seinen Bewegungen, als er sich gen des Ausgangs wandte und Megalion mit seinem Blick zum Folgen lud.

Misstrauische Blicke und geraune verfolgte die zwei, wurde sogar lauter. Nicht mehr lange und sie würden hohen Bogens auf der Straße landen - oder anderes. Aber der romantische Niedere hegte keinen Wunsch sich aus der Situation zu winden und sich ihr nicht zu stellen... er wollte einfach den Wunsch seines Herren wahrmachen - frei zu sein wie in glücklicheren Nächten an glücklicheren Orten...

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Re: [1005] Männer mit Bärten [Livia]

Beitrag von Sousanna » Fr 6. Apr 2018, 15:07

Megalion folgte. Draußen legte sich seine Hand an die Schulter des Niederen, um sich führen zu lassen.
Die Nacht war warm und lieblich. Freiheit und Glück lagen in der Luft. Da begannen Worte von seinen Lippen zu fließen. Sachte Worte in lieblichem Griechisch voll von Zuneigung und brüderlicher Liebe.
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Re: [1005] Männer mit Bärten [Livia]

Beitrag von Livia » Sa 7. Apr 2018, 15:13

Der zarte Mann vor Megalion schauderte wohlig, als er seinen Verfolger aufschließen ließ, mit dem Rücken nah an ihm stehend.

Aus dem Fenster der Taverne kam noch ein Ruf, die fremdländischen Sodomisten sollten sich zur Hölle verpissen... doch jetzt wollte sich der junge Mann davon nicht mehr beeindrucken lassen, er spürte nur noch die anziehende und bedrohliche Nähe des größeren Geschöpfes hinter sich.

Das Schaudern mündete in einem kurzen Zucken, dann blickte er Megalion direkt an, ein verzücktes Lächeln auf den Lippen... Sein Blick flog einen Moment Richtung des Nordtores, dann lief er schlendernd los und nahm seinen Herrn an der Hand.

Offensichtlich strebte er gen des Nordtores, des Strandes...
Wortlos aber lauschend.

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Re: [1005] Männer mit Bärten [Livia]

Beitrag von Sousanna » Sa 7. Apr 2018, 16:05

Am Strand dann fielen wortlos Hüllen und eine seltsame Metamorphose fand statt. Aus dem pfauenhaften Jüngling erwuchs ein Wesen, schöner und schrecklicher als ein orientalischer Sohn reicher Eltern es je sein könnte. Sanfter als frische Wiesen im Frühling und kraftvoller als das Meer.
Die Offenbarung blieb doch so geschmeidig und auf seltsame Weise natürlich, so dass es kaum verwunderlich war, als die schöne Frau mit offenem, braunen Haar, das der Wind hier sacht zerzauste, mit nackten Füßen im Strand stand und ihr Gegenüber im Licht der Sterne anlächelte.
"Ein denkwürdiger Abend, nicht?", fragte die Nymphe sanft und mit leicht nachdenklich zur Seite geneigtem Haupt.
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Re: [1005] Männer mit Bärten [Livia]

Beitrag von Livia » Do 12. Apr 2018, 23:38

Als auch die Hüllen des schlichten Mannes fielen und eine fast ebenso schöne und zarte Gestalt darunter hervorkam, war die Nacht aufs letzte verwirrt und verzaubert.

Entspannt, offen und fast hilflos lehnte Livia sich zurück an den Leib der forschen Ravnos. "Selbst in der Maske des Toren überstrahlt deine Würde und Eleganz jeden der wahren Hohen..." Hauchte sie ihr fast verliebt zu.
"Mann und Frau, Herr und Visionär zugleich..."

Wie haltsuchend schmiegte sie sich an, katzenhaft in Duldungsstarre für die grausam schöne Herrin der Nacht verfallend.

"In des Lebens Blütenzeit
Tief verletzt und schwer gebunden,
Und in Fesseln und in Wunden
Weiter in der Ewigkeit?"

Hauchte sie ihr noch einmal zu, ließ ihre Stimme schmeichelnd über ihre Gespielin rollen, umgarnte sie darin, während sie sich selbst in die Nebel der Zweisamkeit weben ließ... hauchte zugleich ein Wort, eine Frage, eine Aussage, eine Aufforderung, eine Hoffnung in die schwere Luft der so wunderschön lauen Nacht.

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