[1003] Der erste Schritt [Seresa, Titus]

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Seresa
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[1003] Der erste Schritt [Seresa, Titus]

Beitrag von Seresa » Do 14. Dez 2017, 23:36

Mit einem leichten Seufzen legte Seresa ihr Arbeitsmaterial bei Seite. Ihre Hände zitterten und sie konnte nicht sagen, ob es der sechste oder bereits siebte Versuch war, den sie unternommen hatte. Ihre Hände vergruben sich in ihrem Haar, während sie mit ihnen den nach vorne gebeugten Kopf stützte. Seresa spürte, wie sich eine warme Hand auf ihre Schulter legte und eine vertraute, sanfte Stimme hinter ihr mit ihr sprach.

Männliche Stimme: „Möchtest du, dass ich stattdessen die Nachricht überbringe?“

Seresa nahm eine ihrer Hände von ihrem Kopf, umgriff die warme Hand auf ihrer Schulter und schüttelte leicht den Kopf. Dann führte sie die Hand zu ihrer kalten Wange. Drückte sie sanft dagegen. Schloss die Augen.

Seresa: „Weißt du, ich dachte, ich hätte es überstanden. Ich dachte, es wäre ein für alle Mal vorbei. Ich dachte, ich würde niemals wieder an diesen Punkt zurückkehren.“

Ihre Finger spielten sanft, fast zärtlich mit den Seinen.

Seresa: „Du warst damals nicht dabei, als es schlimm wurde.“

Sie schwieg für einen Moment und korrigierte dann ihre Aussage.

Seresa: „Als ich schlimm wurde.“

Seresa betrachtete die viereckige Tafel vor sich. Löste den Griff von der Hand und strich stattdessen sanft mit ihren Fingern über den schmucklosen, einfachen Rand des Wachstäfelchens. Seresa schüttelte den Kopf und schlug die Augen nieder. Zwei dünne Arme umschlangen ihren kalten Körper. Versuchten ihn mit seiner Wärme und seinen Worten zu erwärmen.

Männliche Stimme: „te et dixi tibi servus meus es tu elegi te et non abieci te. ne timeas quia tecum sum ego ne declines quia ego Deus tuus confortavi te et auxiliatus sum tui et suscepi te dextera iusti mei. ecce confundentur et erubescent omnes qui pugnant adversum te erunt quasi non sint et peribunt viri qui contradicunt tibi. quaeres eos et non invenies viros rebelles tuos erunt quasi non sint et veluti consumptio homines bellantes adversum te. quia ego Dominus Deus tuus adprehendens manum tuam dicensque tibi ne timeas ego adiuvi te. noli timere vermis.“

Seresa berührte derweil mit ihren Händen seine dünnen Oberarme, bevor sie am Ende seiner Worte einen zaghaften Kuss auf ihrem Kopf spürte. Sie lächelte, seufzte leise und öffnete die Augen. Dann blickte sie auf die Wachstafel vor sich.

Seresa: „Wenn ich…“

Die Brujah atmete tief ein und schwieg für einen Moment.

Seresa: „Falls ich dem Tier auf ewig anheimfalle.“

Sie unterbrach für einen Augenblick.

Seresa: „Sobald du mich nicht mehr spürst, wie du mich jetzt spürst, dann versprich mir, dass du zu Uta gehen wirst. Sag ihr, ich…“

Seresa schwieg und dachte nach.

Seresa: „Sag ihr, dass es mir leid tut. Sag ihr, dass es meine eigene und freie Entscheidung war. Sag ihr, dass sie niemanden dafür zur Rechenschaft ziehen soll.“

Die Brujah blickte sich zu dem Mann um, der hinter ihr stand.

Seresa: „Gib mir dein Wort.“
Männliche Stimme: „Ich gebe dir mein Wort.“

Seresa nickte zufrieden, griff nach seinen Händen und löste die Umarmung, jedoch nicht bevor sie einen Kuss auf beide seiner Handflächen gehaucht hatte.

Seresa: „Leg dich schlafen.“

Die Brujah blickte auf ihr Schriftwerk vor sich.

~*~


Am selben Abend näherte sich Seresa der Martinsfeste. Obwohl sie mit dem Ort alles andere als positive Erinnerungen verband zögerte sie nicht, als sie sich dem Tor näherte. Den Wachen dort übergab sie ein kleines Päckchen. Eine Nachricht von Seresa an den wohlwerten Titus, mit der Anweisung, diese sei einzig von ihm zu öffnen und zu lesen.

Die Nachricht selbst war flach und quadratisch. Umwickelt von einem fingerdicken, ausgefransten Leinenstoff, auf dessen Knoten sich zwei daumendicke, dunkelrote Linien kreuzen. Ganz offensichtlich wollte die Brujah sichergehen, dass sollte jemand anders als der Liktor selbst diese Nachricht lesen wollen, er wahrlich seine Mühe hätte, dieses Muster nach dem Öffnen der Nachricht wiederherzustellen. Das Rot auf der Nachricht verströmte den schwachen Geruch ihrer eigenen Vitae mit dem das Kreuz auf den Leinenstoff gezeichnet war.

Ein schlichtes Wachstäfelchen befand sich unter den Leinen. Dessen eigentliche Nachricht wurde verborgen von einer dünnen Holzplatte, die auf dem Rahmen des Wachstäfelchens auflag.

Sofern Titus die Nachricht öffnete, würde er folgendes Lesen können:
~*~
dicebat autem ad omnes si quis vult post me venire abneget se ipsum et tollat crucem suam cotidie
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Aus freiem Willen und aus freien Stücken

will ich den ersten Schritt

auf der Via Caeli beschreiten


Seresa

Neonate vom Clan der Gelehrten


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~*~

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Re: [1003] Der erste Schritt [Seresa, Titus]

Beitrag von Titus » Fr 15. Dez 2017, 22:47

Es dauerte eine ganze Weile, bis die Wache ans Tor zurück kehrte und Seresa bat ihm in die Feste zu folgen. Die Wach führte Seresa durch die Feste, in der Nachts nicht mehr all zu viel Leben herrschte. Die Soldaten, die keine Wache hatten lagen in ihren Betten, nur vereinzelt saßen zwei drei Soldaten um ein Feuer herum und sangen das ein oder andere Lied oder erzählten sich Geschichten vom vergangenen Krieg.

Die Wache, die Seresa führte brachte sie zu der Kapelle und öffnete ihr die Tür. Selbst betrat er aber die Kapelle nicht und schloss die Tür, nachdem Seresa eingetreten war. Die Kapelle war düster. Bis auf ein paar Kerzen vorne am Altar fiel kein Licht in den Raum. Eine große und kräftige Gestalt, die unzweifel haft Titus sein musste, kniete vor dem Altar in ein Gebet vertieft. Das Großeschwert lag neben ihm auf dem Boden. TItus trug eine einfache graue Tunika über schwarze Beinkleider. Keine Rüstung, kein Schmuck und keine Kapuze. Die totenblasse Haut schimmerte leicht in dem flackernden Kerzenlicht. Scheinbar schien er Seresa nicht zu bemerken, oder reagierte einfach nicht auf ihre Anwesenheit.
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Re: [1003] Der erste Schritt [Seresa, Titus]

Beitrag von Seresa » Fr 15. Dez 2017, 23:23

Seresa hatte nicht damit gerechnet, dass der Liktor sie noch am selben Abend empfangen würde. Das letzte Mal, als sie durch die Feste gegangen war, waren ihre Hände auf dem Rücken gelegen. Freiwillig. In der heutigen Nacht hingen sie entspannt an ihrer Seite. Sie konnte nicht verleugnen, dass dieser Ort ungute Erinnerungen in ihr weckte. Dennoch war sie hierher zurückgekommen. Freiwillig.

Als die Wache die Tür zur Kapelle geöffnet hatte, hatte sie ihr stumm dankend zugenickt, war eingetreten und hatte sich dann stumm bekreuzigt. Ihr Körper hatte sich kurz versteift in dem Moment, als die Tür hinter ihr geschlossen wurde und sie Teil der Dunkelheit wurde. Für ein Moment betrachtete sie den Knienden vor sich.

Vertrauen war ein wahrlich seltenes Gut. Gerade in einer Gesellschaft wie der Ihrigen. Sie musste ihm vertrauen, dass er keine falschen Absichten hegte und sie wahrlich auf die Via Caeli führen würde. Er musste ihr vertrauen, dass sie keine falschen Absichten hegte und sie wahrlich auf die Via Caeli geführt werden wollte.

Seresas Blick wanderte zu seinem Großschwert. Sie mussten beide auf den Herrn vertrauen, dass er ihm die Stärke geben würde, sollte sie trotz ihrem redlichen Wunsch zu schwach sein und scheitern.

Seresa senkte ihren Blick und Kopf. Legte die Hände mit den Handflächen aufeinander und würde an der Tür stehen bleiben, bis ihr anders geheißen oder ihr ein anderes Zeichen gegeben werden würde.

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Re: [1003] Der erste Schritt [Seresa, Titus]

Beitrag von Titus » Fr 15. Dez 2017, 23:41

Es dauerte eine Weile, bis er sich schließlich bekreuzigte, das silbernen Kreuz an seinem Rosenkranz küsste und sich erhob. Er wandte sich Seresa zu und musterte sie eine quälend lange Weile bis er ihr endlich mit einer Handbewegung bedeutete näher zu kommen.

"Komm näher, Seresa. Komm näher und erzähle mir von Deine Gedanken. Warum willst Du den Weg des Himmels beschreiten? Du behauptest es aus freiem Willen und aus freien Stücken zu tun. Was hat Dich letztendlich zu dieser Entscheidung bewogen?."

Titus legte mit einer ruhigen und kontrollierten Bewegung seine Hände hinter seinem Rücken ineinander. Seine Augen hielten Seresas Blick fest, so sie denn wagte ihm direkt in die Augen zu schauen.
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Re: [1003] Der erste Schritt [Seresa, Titus]

Beitrag von Seresa » Sa 16. Dez 2017, 03:20

Seresa hob sowohl Blick, wie auch Kopf, als sie von Titus angesprochen wurde. Sie nickte ihm dankend zu, bevor sie sich ihm dann langsam näherte. In angemessenem Abstand blieb sie vor ihm stehen.

„Ich danke Euch, wohlwerter Titus, dass Ihr mich heute Nacht empfangen habt.“

Eine tiefe Verneigung ihres Hauptes folgte. Ihre Stimme war gedämpft und leise. Wohl des Ortes an dem sie sich befanden geschuldet. Dennoch sprach sie klar und deutlich. Seresa legte ihre Hände mit den Handflächen nach oben vor ihrem Körper ineinander. Dann blickte sie erneut zu ihm auf. Als sie realisierte, dass er ihren Blick suchte, gestattete sie es ihm. Wandte ihren Blick nicht ab von ihm. Ließ zu, dass er in ihre Seele blickte, während sie mit ihm sprach.

„Bitte gestattet mir, dass ich zuerst meine Gedanken offen mit Euch teile. Ich gestehe, ich habe seit dem Gespräch mit Euch viel nachgedacht über das was Ihr sagtet, wohlwerter Titus. Sowohl über die hellen, wie auch die dunklen Seiten des Weges. Habe viel über das nachgedacht, was Ihr nicht sagtet. Darüber was es für mich bedeuten würde. Welche Folgen es für mich womöglich hätte.“

Seresa schwieg für einen Moment.

„Ich will Euch glauben, wenn Ihr sagt, dass wir auserwählt wurden und nicht verdammt. Dass es unsere Aufgabe sei, die Schwachen und Hilflosen gegen den Teufel und seine Dämonen zu schützen. Dass wir Teil vom Plan des Herrn sind. Dass er mir ein Licht der Hoffnung geschenkt hatte, als ich durch die Dunkelheit wandelte. Dass wir noch immer hoffen dürfen, Erlösung zu finden“

Sie schwieg erneut für einen Augenblick, wandte ihre braunen Augen jedoch nicht von den seinigen ab.

„Aber ihr sagtet auch, dass der Weg nicht einfach sei. Dass er entbehrungsreich, steinig und manchmal verworren sei. Das es bedeutet Leid und Schmerz zu ertragen.“

Seresa schwieg erneut für einen kurzen Moment, hielt derweil jedoch weiter seinen Blick. Ihre Augen ruhten weiter auf ihm. Ruhten in ihm.

„Was Ihr damals nicht sagtet ist, wohlwerter Titus, dass ich Euch vertrauen muss. Vertrauen darauf, dass Ihr keine falschen Absichten hegt. Dass Ihr meinen redlichen Wunsch nicht missbraucht für Eure eigene Zwecke. Dass Ihr wahrlich und redlich gewillt seid, mich zu unterstützen und mich auf die Via Caeli zu führen.“

Ihre Stimme war frei von jedweder Beschuldigung oder Anklage. Sie schien nur auszusprechen, was ihnen beiden durchaus bewusst war oder bewusst sein dürfte. Jedoch hatte er nach ihren Gedanken gefragt und Seresa war bereit sie mit ihm zu teilen.

„So wie auch Ihr mir vertrauen müsst, dass ich keine falschen Absichten hege. Dass meine Wahl tatsächlich aus freiem Willen und aus freien Stücken geschieht und nicht um mir Euren Schutz zu erschleichen, Eure Fürsprache oder ähnliche Dinge.“

Seresas Gesichtsausdruck wurde für einen Moment bitter. Sie wusste, dass dies Dinge waren, die man ihr in der Folge vorwerfen würde. Deswegen zuckte sie nicht unter seinem Blick weg. Ließ weiter zu, dass er in ihre Seele blickte.

„Ich bin mir bewusst, ob der Bürde, welche ich Euch womöglich auferlege, wohlwerter Titus, denn es wird womöglich Eure Hand sein, die mein Dasein beenden muss, sollte ich zu schwach sein und dem Tier auf ewig anheimfallen.“

Das erste Mal seit dem sie begonnen hatte zu sprechen, schloss Seresa für einen Moment die Augen. Dann öffnete sie sie erneut. Blickte für einen Moment auf sein silbernes Kreuz, nur um dann wieder seinen Blick zu suchen.

„Deshalb verstehe ich Eure redliche Frage, warum ich den Weg des Himmels beschreiten will. Jedoch gab ich Euch bereits die Antwort.“

Seresa schwieg für einen Moment, bevor sie fließend ins Lateinische wechselte.

„dicebat autem ad omnes si quis vult post me venire abneget se ipsum et tollat crucem suam cotidie et sequatur me. qui enim voluerit animam suam salvam facere perdet illam nam qui perdiderit animam suam propter me salvam faciet illam.*“

Dann wechselte sie scheinbar mühelos in die Landessprache zurück.

„Meine Schrift und mein Blut als Zeuge für meinen eigenen redlichen Wunsch. Mein Wort jetzt und hier Euch gegenüber, wohlwerter Titus.“

Für einen Moment schwieg sie, dann wiederholte sie die Worte, die bereits auf dem Wachstäfelchen standen.

„Aus freiem Willen und aus freien Stücken will ich den ersten Schritt auf der Via Caeli beschreiten.“

Ihre Stimme war fest und überzeugt. Sie schien in keinem Moment mit diesem Worten und der damit verbundenen Entscheidung zu hadern.

„Um Eure letzte Frage, was mich letztendlich zu dieser Entscheidung bewogen hat, redlich zu beantworten, wohlwerter Titus, es waren die bleibenden und wiederkehrenden Erinnerungen an die Geschehnisse während des Krieges innerhalb der Stadt.“

Seresa schwieg für einen Moment. Haderte mit sich selbst und der bitteren Wahrheit.

„Ich war den Todsünden anheimgefallen, wohlwerter Titus. Gulas. Acedia. Doch darauf angesprochen, verleugnete ich es. Stritt es ab. Zürnte gar. Doch der Herr wandte sich dennoch nicht ab von mir. Er glaubte an mich, mehr als ich es in diesem Moment selbst tat, war mein Herz wahrlich von tiefen Zweifeln geplagt. Doch er verließ mich nicht. Er zeigte mir den Weg durch die Dunkelheit. Führte meine Hand. Lenkte meine Schritte. Ließ mich erkennen, was es bedeutet wahrhaft großherzig zu sein. Zwang mich zu erkennen, dass es an mir ist, freiwillig das Kreuz auf mich zu nehmen. Dass es an mir ist, mich selbst zu verleugnen. Einzugestehen, dass es nicht mein Wille ist, der geschehe, sondern der Seinige.“

Die Brujah blickte den Kappadozianer weiter an.

„Es bedurfte der Erkenntnis meiner eigenen Schwäche, dem reumütigem Gebet um Vergebung, des redlichen Gebets um Führung und Jemandem, der mich erneut daran erinnerte, dass Gott uns womöglich nicht verlassen hat, sondern wir ein Teil seines Plans sind. Dass unsere Verwandlung sein Befehl ist - ihm und seinem Plan - zu dienen und unsere eigenen Wünsche unterzuordnen.“

Seresa schwieg erneut für einen Moment.

„Aus freiem Willen und aus freien Stücken, bitte ich Euch deshalb, wohlwerter Titus, den ersten Schritt auf der Via Caeli beschreiten zur dürfen. Ich bitte Euch, meinen Wunsch zu unterstützen. Ich bitte, Euch mich anzunehmen. Ich bitte Euch, mich den Weg des Himmels zu lehren. Ich bitte Euch, mir zu vertrauen, wie auch ich gewillt sein werde Euch zu vertrauen. Ich bitte Euch, sollte ich am Ende dem Tier auf ewig anheimfallen, weil der Herr sein Antlitz von mir abgewendet hat, weil er mich für unwürdig empfindet oder gar mein Glaube am Ende an Ihn zu schwach ist…“

Die Brujah schwieg für einen Moment. Ihr Blick wanderte zu dem Schwert ab, verweilte dort für einen Moment. Sie schloss für einen kurzen Moment die Augen, bevor sie sie erneut öffnete und Titus Blick erneut suchte.

„Sollte dies geschehen, bitte ich Euch, wohlwerter Titus, mit aller gegebenen Demut und bei allem gegebenen Respekt, mich zu erschlagen.“

Seresa schwieg und blickte weiterhin Titus offen und ehrlich an. Ihre Augen spiegelten wieder, dass sie sich ganz offensichtlich lange Gedanken darübergemacht hatte, ob die Via Caeli tatsächlich das sei, was sie wollte. Sie schien sich sicher, denn die einzigen Male, als sie seinem Blick für einige Momente auswich, war es, als es darum ging, dem Tier auf ewig anheim zu fallen. Trotz all ihrem Glauben, schien sie sich tatsächlich davor zu fürchten. Ihre Worte selbst hingegen waren redlich und keine Lüge verbarg sich in ihnen.

---
* Evangelium nach Lukas - Kapitel 9 - Vers 23+24
Da sprach er zu ihnen allen: Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's erhalten.

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Re: [1003] Der erste Schritt [Seresa, Titus]

Beitrag von Titus » Di 19. Dez 2017, 00:18

Titus hörte den Ausführungen und den Erzählungen der jungen Brujah geduldig und aufmerksam zu. In seinem Gesicht war kaum eine Reaktion zu lesen, ob er erfreut oder enttäuscht war von dem, was er hörte. Er betrachtete sie, ruhig, prüfend und so eindringlich, als wolle er durch ihre Augen direkt in ihre Seele blicken.

"Du benötigst meine Erlaubnis nicht, die Via Caeli zu betreten und ihr zu folgen. Gott wird derjenige sein, der entscheidet, ob Du würdig bist den Weg zu seiner Erlösung zu beginnen. Ich bin ein Lehrer, Mentor und Führer, der Dich anleiten kann."

Er stellte dies richtig, ohne tadelnd zu klingen.

"Ich bin bereit diese Aufgabe zu übernehmen und Gott und Dir diesen Dienst zu erweisen. Doch das Vertrauen, dass Du erbittest wirst Du Dir verdienen müssen. Genau wie ich mir Dein Vertrauen verdienen muss. Ich habe in den fast zwei Jahrhunderten meiner Existenz gelernt, dass Vertrauen ein hohes Gut ist und ich werde es nicht leichtfertig verschenken und das solltest Du auch nicht."

Titus ging zu einer hölzernen Bank am Rand des Kapellenraumes und öffnete dort ein kleines Kästchen. Heraus holter er einen kleinen ledernen Beutel und kehrte dann zu Seresa zurück.

"Ich werde Dir hier in der Martinsfeste eine Zuflucht herrichten lassen. Wenn Du möchtest kannst Du dort den Tag verbringen, aber unter der Bedingung, dass Du Dich nicht von den Menschen die hier leben und arbeiten nährst und nicht versuchts sie für Dich und Deine Pläne zu benutzen. Dies ist der Vertrauensvorschuss, den ich Dir bereit bin zu gewähren auf dem wir aufbauen können."

Schließlich reichte er der Brujah das Lederbeutelchen. Es war klein und an einem Lederband befestigt, so dass man es um den Hals tragen konnte.

"Dies hier habe ich für Dich angefertigt, denn so etwas war auch für mich ein Anker und ein Trost in dunklen und unsicheren Zeiten."
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Re: [1003] Der erste Schritt [Seresa, Titus]

Beitrag von Seresa » Di 19. Dez 2017, 03:07

„Ich…“

Seresa blickte unsicher auf das Lederbeutelchen in ihren dünnen, langen Fingern. Sie strich vorsichtig mit ihrem Daumen darüber, fast so als hätte sie Angst davor das Beutelchen oder dessen möglichen Inhalt zu zerstören, würde sie es gar zu fest anfassen.

„Ich weiß nicht, was sagen.“

Verlegen blickte sie zu Titus auf. Dann sah sie wieder auf das Beutelchen. Schließlich schlossen sich ihre Finger sanft darum. Seresa führte das Beutelchen mit ihren Händen zur ihrer Brust und blickte erneut von unten zu Titus auf.

„Danke.“

Ihre Worte klangen aufrichtig und sehr berührt, ob des Geschenkes. Der Kappadozianer hatte es mit seiner schlichten Geste geschafft, dass Seresa, die für gewöhnlich viel zu viel redete und viel zu viele Worte benutzte, in diesem Moment ganz offensichtlich die Worte fehlten. Schweigend stand sie für einige Momente nur da, den Blick erneut auf das Lederbeutelchen gerichtet. Dann wurde ihr langsam bewusst, wie seltsam die Situation auf ihr Gegenüber wohl wirken musste. Sie nickte etwas schwerfällig ihrem Gegenüber langsam zu.

„Ich… ich bin mir der Vertrauensproblematik durchaus bewusst...“

Seresa blickte erneut zu Titus auf.

„Und ich danke Euch aufrichtig für Euren Vertrauensvorschuss, wohlwerter Titus.“

Ihr Blick wanderte für einen Moment erneut zu Boden. Sie schien hin und her gerissen zu sein, zwischen dem Angebot und dem was ihr auf dem Herzen lag. Dann zwang sie sich zu ihm aufzusehen.

„Ich möchte keinesfalls als undankbar oder gar dreist erscheinen, wohlwerter Titus, noch Euren Vertrauensvorschuss mit Füßen treten, denn ich weiß Euer überaus großzügiges Angebot der Zuflucht sehr zu schätzen.“

Erneut wanderte ihr Blick verlegen zu Boden. Seresa seufzte leise, bevor sie Mut schöpfte und Titus erneut anblickte, um sich ihm zu öffnen.

„Ich kam nicht alleine nach Genua.“

Seresa begann ihr womöglich seltsames Verhalten zu erklären.

„Raffaele begleitete mich. Er ist mir seit einigen Jahren ein treuer Begleiter in jenen dunklen Nächten. Er ist eingeweiht. Ist an mich gebunden. Er mag nur ein Sterblicher sein, jedoch bedeutet er mir wahrlich sehr viel, wohlwerter Titus. So Ihr es erlaubt, würde ich Ihn sehr gerne bei mir wissen.“

Ihr Blick verweilte auf dem Kappadozianer, auch wenn die Brujah ihren Blick lieber gesenkt hätte, betrachtete man, was sie sich da gerade eigentlich erdreistete. Raffaele schien ihr so wichtig zu sein, dass sie gewillt war wissentlich gegen jedes bessere Wissen und Gewissen gegen jede Etikette und Anstand zu verstoßen. Das geschenkte Vertrauen ihres Gegenübers auf eine durchaus harte Probe zu stellen. Seresa schwieg für einen kurzen Moment, bevor sie weitersprach.

„Einerlei, wie Eure Entscheidung, ob meiner Bitte, letztlich lauten wird, wohlwerter Titus, gebe ich Euch hiermit mein Wort, dass ich mich nicht von den Menschen, die hier leben und arbeiten nähre und nicht versuche sie für mich oder meine Pläne zu benutzen.“

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Re: [1003] Der erste Schritt [Seresa, Titus]

Beitrag von Titus » Mi 20. Dez 2017, 23:34

Titus runzelte ein wenig die Stirn, als Seresa ihre Bitte vortrug und hüllte sich zunächst in Schweigen, als er die Vor- und Nachteile in seinen Gedanken gegeneinander abwägte.

"Nun, ich kann Dir diesen Gefallen tun. Doch dafür erwarte ich, dass Raffaele und Du Euch in den Dienst des Ordens des heiligen Martins stellt. Der Orden hat durch den Krieg viele Verluste erlitten, die nach und nach wieder aufgebaut werden müssen. Außerdem gibt es das ein oder andere Projekt des Ordens, dass Unterstützung benötigt, um die ich mich nicht alle kümmern kann. Doch davon später mehr. Für den Augenblick soll mir Dein Versprechen genügen, dass Du und Dein Blutsdiener den Orden unterstützt. Wenn das der Fall ist, dann darf Rafaele hier auf der Feste wohnen und arbeiten."

Titus blickte Seresa eindringlich und musterte ihre Statur und ihrren ganzen Körper prüfend und abschätzend.

"Erzähle mir von Deinen Erlebnissen im Krieg. Hast Du auch, wie andere Neugeborene, dem Prinzen von Mailand einen Eid geschworen?"
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Re: [1003] Der erste Schritt [Seresa, Titus]

Beitrag von Seresa » Do 21. Dez 2017, 07:34

„Nein.“

Seresas Antwort war schlicht und doch spiegelte eben jene Schlichtheit eine womöglich unerwartete Entschlossenheit und Gradlinigkeit der Brujah wieder.

„Ich habe dem Prinzen von Mailand keinen Eid geschworen.“

Die Frage, ob Titus wohl sein Knie vor Mailand gebeugt hatte, wie die anderen Krieger, tauchte in ihrem Kopf auf, doch sie stellte sie nicht.

„Loyalität, Treue und die damit verbundenen Schwüre sollten wohlüberlegt sein, binden sie uns an etwas weitaus Größeres als wir selbst. So wie auch ein Wort oder ein Versprechen niemals leichtfertig gegeben werden sollte. Ihr jedoch hattet mich gerade, um ein solchiges Versprechen gebeten und ich bin Euch eine Antwort schuldig, wohlwerter Titus.“

Seresa blickte ihrem Gegenüber weiter in die Augen.

„Bitte gestattet, dass ich Euch mit allem gegebenen Respekt darauf hinweise, dass Raffaele nicht mein Blutsdiener ist. Die Begrifflichkeit Ghul, spiegelt es wohl am besten wieder. Jedoch missfällt mir dieses Wort. Ich bevorzuge die Bezeichnung Begleiter.“

Die Brujah nickte dem Kappadozianer höflich zu.

„Davon abgesehen, bin ich mir sicher, dass Raffaele versteht, dass das was Ihr von ihm und mir erwartet, durchaus der Situation angemessen ist. Raffaele ist überaus klug. Er ist ein talentierter Schreiberling. Ein ausgezeichneter Übersetzer aus dem Lateinischen und Griechischen.“

Die fast verliebte Art, wie die Brujah über ihren Ghul sprach, legte nahe, dass er tatsächlich ihr Begleiter war, weil sie ihn schätzte, nicht weil er ihr etwas nutzte.

„Er ist nicht sonderlich stark oder gar geschickt. Ich bin mir jedoch sicher, dass er redlich bemüht sein würde, den Aufgaben nachzugehen, welche Ihr ihm zuweisen würdet. Sofern Ihr Euch nicht an der Begrifflichkeit stört, dass Raffaele nicht mein Blutsdiener ist, sondern mein Begleiter, würde es mir zu Ehre gereichen, wenn ich Euch nicht nur mein Versprechen geben dürfte, sondern mein Wort. Ich bin bereit Euch mein Wort geben, dass sowohl Raffaele, wie auch ich selbst, den Orden des heiligen Martins nach bestem Wissen und mit besten Gewissen unterstützen werden, sofern dies nicht durch Dinge von höherer Bedeutung ausgeschlossen wird. Ich bin ferner bereit Euch mein Wort zu geben, dass sollte jemals dieser Fall eintreten, ich Euch umgehend darüber informieren und Euch um eine andere Aufgabe innerhalb des Ordens bitten werde. Ich weise Euch hiermit ausdrücklich darauf hin, wohlwerter Titus, dass mein gegebenes Wort zu diesem Zeitpunkt ausschließlich die Unterstützung des Ordens des heiligen Martins, nicht jedoch ein sich in den Dienst des Ordens des heiligen Martins stellen beinhalten würde.“

Die Brujah machte nicht den Eindruck, als würde sie um den Preis feilschen wollen, den Titus genannt hatte. Sie schien nur fast unangenehm ehrlich zu sein. Schien ihrem Gegenüber klar und eindeutig verstehen geben zu wollen, womit er rechnen konnte und womit nicht. Sie schien eine Grundlage bauen zu wollen, die stabil war. Schien ihr dabei selbst die Unterscheidung der Begrifflichkeiten wichtig. Unterstützung schien Seresa tatsächlich gewillt sein zu leisten. Ein in den Dienst stellen, schien jedoch etwas zu sein, wozu Seresa an diesem Punkt definitiv noch nicht bereit war, kannte sie dafür den Orden schlicht zu wenig.

„Verzeiht, sollten meine Worte Euch gegenüber zu direkt und zu offen sein, wohlwerter Titus, doch ich will und werde Euch nichts versprechen, was ich nicht gewillt bin zu halten oder tatsächlich halten kann.“

Seresa verneigte fast entschuldigend ihren Kopf vor dem Kappadozianer. Es war nun an ihm zu entscheiden, ob das was sie ihm redlich geben konnte, ausreichend genug für ihn war.

„Was Eure Aufforderung betrifft, Euch von meinen Erlebnissen im Krieg zu berichten, wohlwerter Titus.“

Ihr Daumen strich sanft über das Lederbeutelchen, welches sie noch immer über ihrem Herzen hielt.

„Vertrauen ist ein hohes Gut.“

Seresa schwieg und schien zu überlegen. Schien sich unsicher, wieviel Vertrauen sie dem Kappadozianer schenken wollte. Schien abzuwägen. Dann jedoch nickte Seresa schließlich.

„Ihr hattet mir einen Vertrauensvorschuss gewährt, wohlwerter Titus. Ich möchte ihn erwidern. Ich will und werde Euch in der heutigen Nacht nicht alles erzählen, denn wie ihr selbst sagtet, Vertrauen sollte nicht leichtfertig verschenkt werden. Was ich jedoch heute gewillt bin mit Euch aus freien Stücken zu teilen wird redlich sein. Darauf gebe ich Euch mein Wort.“

Die Brujah schien eine Bestätigung ihres Gegenübers abzuwarten, bevor sie beginnen würde, ihm zu berichten.

„Es war zwei oder drei Nächte nach Assumptio Mariae. Ich hatte außerhalb der Mauern getagt, da in der Nacht zuvor ein Feuer im Osten der Stadt ausgebrochen war und die Sarazenen im Hafen gelandet waren. In der Nacht wollte ich zurück in die Stadt. Beim Klettern über die Mauer fiel ich von ihr. Verletzte mich schwer. Ich raste nicht, doch ich wollte Jagen gehen. Wollte vergessen, was nachts zuvor passiert war. Wollte vergessen, dass ich den Tag ängstlich in einem notdürftigen Versteck vor den Mauern der Stadt verbracht hatte. Wollte vergessen, dass ich daran gescheitert war, eine Mauer zu erklimmen. Wollte vergessen, dass mich meine Suche in einen Krieg gebracht hatte, der nicht der Meinige war. Wollte vergessen, dass mich niemand vor den Sarazenen gewarnt hatte. Wollte vergessen, dass ich die Stadt und ihre Einwohner ihrem eigenen Schicksal überlassen hatte.“

Seresa schwieg für einen kurzen Augenblick.

„Alles in mir gierte in jenem Moment nach Erlösung. Nach dem süßen Moment des Vergessens. Ich weiß nicht, was mich davon abgehalten hatte, den Wanderer auf dem Weg einfach anzuspringen.“

Die Brujah zuckte leicht mit den Schultern.

„Statt mich von ihm zu nähren, warnte ich ihn. Er solle nicht alleine reisen. Die Straßen wären des Nächtens nicht sicher.“

Ein leichtes Schnauben, gefolgt von einem kurzen kehligen Lachen erklang, während sie leicht den Kopf schüttelte.

„Es birgt wohl einer gewissen Ironie, warnte auch er mich im Gegenzug. Warnte mich, dass mein Egoismus der direkteste Weg hinab in die Hölle wäre. Warnte mich, dass mein einsamer Weg mich in die Finsternis führen würde. Er riet mir, umzukehren und denen zu helfen, die meinen Schutz bedürften.“

Seresa schien einen Moment nachzudenken.

„Er hatte mir Gulas und Acedia vorgeworfen, doch ich zürnte und sagte ihm damals, dass einzig und alleinig die Liebe, die Ordnung und die Geduld mich von Genua wegtrieb. Im Nachhinein weiß ich, wie recht er doch hatte.“

Der Blick der jungen Brujah ging kurz zum Altar in der kleinen Kapelle.

„Ich gestehe, ich weiß nicht, ob es der Plan des Herren war, was in jener Nacht alles geschehen war.“

Sie blickte erneut zu Titus.

„Vielleicht war alles nur eine Verkettung von Zufällen.“

Seresa zuckte unsicher mit den Schultern. Sie schien selbst irgendwie nicht so recht daran glauben zu wollen. Einen wirklichen Plan des Herren schien sie jedoch ebenfalls nicht zu sehen.

„Was ich jedoch weiß ist, dass ich in jener Nacht sehr oft gebetet hatte.“

Noch immer hielt sie den Blick des Kappadozianers, auch wenn man merkte, dass es ihr immer schwerer fiel bei den nachfolgenden Worten.

„Im Nachhinein betrachtet, wünschte ich, ich wäre nicht so feige gewesen und hätte früher das Richtige getan. Ich hätte wahrlich so viele Menschen mehr beschützen können. Die Wenigen, welche ich tatsächlich in Sicherheit bringen konnte, wirken dagegen wie ein schlechter Scherz. Ein verlorener Tropfen Wasser auf einen heißen Stein.“

Seresa senkte ihren Kopf und blickte auf das Lederbeutelchen über ihrem Herzen. Langsam ließ sie ihre Hände sinken und seufzte schwer.

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Re: [1003] Der erste Schritt [Seresa, Titus]

Beitrag von Titus » Fr 22. Dez 2017, 00:30

Titus runzelte seine Stirn, als Seresa ihm so offen und ehrlich antwortete. Er schien von der Ehrlichkeit, die ihm die Brujah zu Teil werden ließ, ein wenig überrascht zu sein, doch stellte er sich gedanklich recht schnell darauf ein. Seine Stimme war etwas strenger geworden, als er ihr antwortete...fordernder.

"Wie Du Deinen...Gefährten...nennst ist mir einerlei. Doch das was Du sagst besorgt mich und lässt mich an Deinem Willen, wahrhaftig den Via Caeli zu betreten, zweifeln. Dem Weg des Himmels und dem Weg Gottes zu folgen heißt zu dienen...sich dem Willen Gottes zu unterwerfen und auf Gott zu vertrauen. Was Du sagst und tust zeichnet ein anderes Bild. Du lässt Dir eine Möglichkeit zur Flucht offen. Du sagts Du willst dem Orden nicht dienen, sondern für ihn arbeiten...ihn unterstützen. Eine Arbeit oder eine Unterstützung kann man beenden, wenn Du eines Nachts Zweifel hegst und umkehren möchtest, oder es für Dich zu unangenehm wird. Und doch stehst Du nun vor mir und versicherst mir, dass Du den Via Caeli folgen willst. Was also soll ich nun glauben? Wie weit ist es mit Deinem ehrlichen Wunsch bestellt? Fliehst Du bei den ersten Schwierigkeiten und strafst all Deinen Beteuerungen lügen? Du sagtest Du wünschtest, dass Du nicht so feige gewesen. Dass Du mehr Menschen gerettet hättest, wenn Du das richtige getan hättest. Und nun tust Du es doch schon wieder. Du lässt Dir Freiheiten, die Dich später dazu verführen auf dem Weg des Himmels fehl zu gehen. Und wenn das die Wahrheit ist, was Du mir erzählt hast, dann bist Du zu schwach, dieser Versuchung zu widerstehen."

Titus trat näher an Seresa heran, blickte auf sie herab...prüfend, unangenehm.

"Gott verlangt keine Unterstützung oder Mitarbeit, er verlangt Unterwerfung und Vertrauen. Also frage ich Dich erneut, Seresa, möchtest Du Dich Gott unterwerfen? Oder möchtest Du erneut davonlaufen?"

Die Härte seiner Worte mochten treffen oder nicht. Sie waren dazu bestimmt Seresa zu treffen, um sich ihrem bisherigen Weltbild und Moralvorstellungen zu stellen. Er beobachtete sie genau, hatte sie doch schon gezeigt, dass Provokation sie schnell in Raserei versetzte. Er blieb wachsam und unwillkührlich spannte sich der kräftige Körper des Kappadozianers an.
Todesqualen, Gott, jedem Ketzer, den ich sehe
Denn dein Wille geschehe
und ungebeugt, bis zum jüngsten Gericht
tu ich gottergeben meine Pflicht

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