[1003] Erblühende Wüsten [Sousanna/Amalia]

[Oktober '17, November '17, Dezember '17]

Moderatoren: Toma Ianos Navodeanu, Acacia

Benutzeravatar
Amalia
Salubri
Beiträge: 505
Registriert: Fr 18. Aug 2017, 00:03

[1003] Erblühende Wüsten [Sousanna/Amalia]

Beitrag von Amalia » Mi 13. Dez 2017, 01:58

Amalias Gesicht sprach von leichter Besorgnis und der herbstliche Wind umgarnte ihre Züge. Ging sie sonst ruhig, bedacht und mit nachdenklich gesengtem Haupt … so blickte sie nun nach vorne und ihr Blick huschte nach rechts und links. So huschte der dunkle Schatten durch die nächtlichen Straßen Raveccas.

Sie sah anders aus. War sie doch geschminkt und ihr langes Haar wurde von einem einfachen, doch recht passenden Zopf zurückgehalten. Ihre Schritte lagen schwer und gekleidet war sie in einem recht anmutigen Kleid, welches sie öfter trug, wenn sich der Abend als angenehmer herausstellen sollte. Etwas, was meist abhängig war, von den Kindern der Nacht, mit welchen sie sprach. Jenes Kainskind, welches heute Abend von der Zweigesichtigen aufgesucht wurde, sollte einen mehr als angenehmen Abend versprechen. So ging sie weiter und weiter, bis sie zu einer Taverne kam. Sie lächelte aufgeregt, als sie die Tür öffnete. Die Gespräche waren verstummt und alle Augen auf jene Bestie gerichtet, welche den Schankraum betrat*. Ihr einzelnes saphirblaues Auge wanderte durch den Raum, suchend ob sein Ziel bereits vor Ort war. Langsam näherte sie sich dem Manne, welche gerade einem der Gäste ein Getränk hinstellte. Ihr Lächeln wurde größer, spürte sie doch unter dem einfachen Dorfvolk eine Angst, welcher dicker war, als jeder Rauch von einem lodernden Feuer. Süße Stille – Süße Angst. Sie sog sie in sich auf, als wäre es ihr Lebenssaft.

Amalia setzte sich an die Theke und blickte gezielt auf den Schankwirt. Durchbohrte in mit einem Blick, aus welchem nur die Kälte sprach. Jene Kälte, welcher langsam ihre gierigen Finger nach der Seele ausfuhr um langsam die Kerze des Lebens auszulöschen. Es dauerte einen Moment, welcher wie ein Äon wirkte als Amalia das Wort erhob. Ihr sanften albanischer Akzent, stand in einem starken Gegensatz zu ihrer bedrohlichen und düsteren Erscheinung „Eine wundervolle Nacht, guter Mann. Seht ich bin auf der Suche nach einer Frau, welche hier verweilen soll. Sagt könnt ihr mir verraten, wo ich die Blüte Byzanz‘ finde? Jene Herrin, welche auf den Namen Sousanna hört?“ Mit ihrer Stimme verflog auch langsam die pure Angst. Sie war zwar immer noch bedrohlich … und … man tat gut daran, wenn man ihr aus dem Weg ging. Hier und da blieben einzelne, besorgt Blicke auf ihr ruhen … in der stillen Hoffnung, dass jene dunkle Herrin bald gehen würde. Amalia lächelte weiter und ließ den Wirt nicht aus den Augen. So wirkte sie auf viele Wesen. Menschen, Tiere, Ghule und sie schloss auch nicht aus, dass vielleicht der ein oder andere Kainit Unbehagen verspürte, wenn er in die entstellte Fratze blickte. Doch war dies, alles nichts mehr, als Äußerlichkeit. In ihrem Inneren war Amalia verändert, zumindest in jener Nacht. Sorge umklammerte das verkümmerte etwas, was der Christ wohl im Allgemeinen als Seele bezeichnete. Sorge, was wohl aus einer der wenigen Personen wurde, welche sie Freundin nennen konnte. Jener Person, welche ihr das Gefühl des Vertrauens schenkte. Hatte sie den Krieg überstanden? War sie verletzt – oder gar Schlimmeres? Das alles fragte sie sich. Doch nichts von dem sollte nach draußen gelangen. Die jahrelange Maskerade, welche sie mühsam und mit Unmengen von Blut erschaffen hatte, würde nicht so einfach bröckeln. Schon gar nicht, wenn sie umgeben von Menschen – von Männern - von Beute war.


--------------------------------------------------------------------------
*Bruiser: Your appearance is sufficiently thug-like to inspire fear or at least disquiet in those who see you. While you’re not necessarily ugly per se, you do radiate a sort of quiet menace, to the point where people cross the street to avoid passing near you.
"Ich kann deine Angst fühlen Mensch. Sie ist spürbar gegenwärtig. Ich kann mit den Fingern darüberstreichen und ihr krankes Aroma schmecken. Ist dieses Entsetzen Nährboden für Hass, dann lass mich daran laben und dich dabei völlig auslöschen."

Benutzeravatar
Sousanna
Ravnos
Beiträge: 1990
Registriert: Mo 14. Nov 2016, 21:12

Re: [1003] Erblühende Wüsten [Sousanna/Amalia]

Beitrag von Sousanna » Mi 13. Dez 2017, 08:57

Jene Blüte der goldenen Stadt war gerade im Stockwerk mit ihren nicht sonderlich blütenhaften Geschäften zu Gange. Der Krieg mochte einiges zerstört haben, doch für jenes Gesindel, das sein Gold mit dem Leid der Menschen verdiente, waren es goldene Zeiten. Im Augenblick konnte Sousanna sich in keinster Weise beschweren - und wenn dann nur darüber, dass sie im Augenblick sehr beschäftigt war. So ging sie oben ihren kleinen unheiligen Handeln nach und ließ ihre Ravnosseele fröhlich mit jeder Münze springen, die in ihre schmalen, sanften Hände wanderte.
Dementsprechend war ihre Laune nicht gerade sonderlich gut, als sie einer ihrer Diener schließlich störte. Eine seltsame Erscheinung sei unten im Schankraum und frage nach der Herrin Sousanna. Dunkel und bedrohlich wirke sie, aber nicht aggressiv, auch wenn ihre Anwesenheit sicher nicht gut für die Geschäfte war.

Mit einem Seufzen erhob sich die Schöne, übergab die "Verhandlungen" an Tiziano, was für ihre Verhandlungspartner gewiss die unangenehmere Alternative war, und nahm sich einen Moment Zeit ihr freundliches Strahlen wiederherzustellen. Erst dann schritt sie die Treppe hinab in die Schankstube.
Ihr Auftreten war das komplette Gegenteil der düsteren Dame. Blicke wandten sich ihr zu und automatisch verzogen sich Münder zu einem Lächeln. Die faszinierende Kraft der Unschuld wirkte auch bei jenen hartgesottenen Gesellen, die hier verkehrten. Sousanna betrat einen Raum und beinahe augenblicklich schien nur noch sie zu zählen. Wer wollte sich an einem solchen Wesen vergreifen? Wer wollte sie nicht lieber sacht in den Armen wiegen und erleben wie die Unschuld an Unschuld verlor?

Schließlich fiel der Blick der Ravnos auf ihren Gast und das freundliche Lächeln vertiefte sich zu einem herzlichen Strahlen. "Guten Abend, meine Liebe", begrüßte sie sie und öffnete die Arme zu einer Umarmung. "Es ist schön, dass du die schweren Zeiten ebenso überstanden hast. - Und du siehst sehr gut aus."
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
Die dem lieben Griechenlande rann,
Lasst, o Parzen, lasst die Schere tönen,
Denn mein Herz gehört den Todten an!
Friedrich Hölderlin

Benutzeravatar
Amalia
Salubri
Beiträge: 505
Registriert: Fr 18. Aug 2017, 00:03

Re: [1003] Erblühende Wüsten [Sousanna/Amalia]

Beitrag von Amalia » Mi 13. Dez 2017, 11:03

Nicht nur die Gäste des Schankraums drehten sich um und versuchten einen Blick zu erhaschen. Amalias, saphirblaues Auge blickte instinktiv zu der Quelle der Ablenkung. Als sie ihre Freundin sah, viel auch ihre Maske und freudestrahlend ging sie auf Sousanna zu und schloss sie sanft in ihre Arme.

Sie verharrte die Frauen einen Moment, ehe Amalia die Verbindung löste und die Byzantinerin anlächelte „Es tut sehr gut dich zu sehen meine Liebe. Ich hoffe ich störe dich nicht zur späten Stunde? Ursprünglich wollte ich auch wesentlich früher kommen, doch leider kam immer etwas dazwischen.“ Sie strahlte förmlich und der albanische Akzent gab ihrer Stimme etwas Besonderes. Als sie dann noch das Kompliment der Schönheit bekam, blickte sie wieder gewohnt schüchtern zu Boden „Vielen Dank Sousanna. Ich wusste nicht ob es mir stehen würde, doch dachte ich “që guxon asgjë, asgjë e fituar – Wer nichts wagt, der nichts gewinnt“ Doch bin ich nur halb so schön wie du. Sag mir wie ist es dir ergangen? Ich hoffe du konntest den Krieg einigermaßen unversehrt überstehen?“ dann blickte sie sich um – Vorsichtig, kühl, abschätzend – „Vielleicht sollten wir darüber auch reden, wenn wir unter uns sind?“ Nun blickte sie wieder freundlich zu der jungen Frau. Man sah ihr deutlich an, wie erleichtert und froh sie war sie wiederzusehen.
"Ich kann deine Angst fühlen Mensch. Sie ist spürbar gegenwärtig. Ich kann mit den Fingern darüberstreichen und ihr krankes Aroma schmecken. Ist dieses Entsetzen Nährboden für Hass, dann lass mich daran laben und dich dabei völlig auslöschen."

Benutzeravatar
Sousanna
Ravnos
Beiträge: 1990
Registriert: Mo 14. Nov 2016, 21:12

Re: [1003] Erblühende Wüsten [Sousanna/Amalia]

Beitrag von Sousanna » Mi 13. Dez 2017, 16:07

Besorgnis schien die großen Rehaugen zu erfüllten, als hätte sie Angst, ihre Freundin verletzt zu sehen. Dann aber lächelte auch sie und der sachte Duft nach würzigen Ölen und verführerischen Gewürzen stieg in Amalias Nase, umschmeichelte sie sacht wie ein Kompliment, das man nur erfühlen aber nicht in Worten verstehen konnte.
"Du störst nie.", versicherte sie mit einem bestärkenden Lächeln, ehe sich ihre Stirn in sachte Falten legte und sie dieses dunkle Geschöpf mit einem weichen Herzen besorgt musterte. "Ich hoffe nur, es war nichts allzu unangenehmes, das dich aufgehallten hat."

Und dann lachte sie freudig auf. Legte sacht eine Hand an Amalias Wange, die zerstörte Seite wohl gemerkt und streichelte mit dem Daumen zärtlich die geschundene Haut. "Es steht dir ganz wundervoll. Lässt deine Schönheit wirklich erblühen, so wie die wunderschöne Nachtblüte, die du bist. Wenn du möchtest, kann ich dir einmal ein bisschen von den byzantinischen Künsten der Schönheit zeigen, die mir meine Mutter und Freundinnen damals gezeigt haben."

"Aber ja, es ist klug, wenn wir zu zweit sprechen.", nickte Sousanna schließlich, hakte sich kurzerhand bei der Salubri unter und führte sie freudig hinauf in eins der Zimmer. Wie ein aufgeregtes Mädchen setzte sie sich aufs Bett und grinste zu ihrer Begleiterin empor. "Ich habe es tatsächlich überlebt - und kann weiter munter meine Geschäfte treiben. Aber was hast du erlebt? Weißt du etwas über Gaius Verbleib? Ich habe ihn seit unserem ersten Treffen nicht gesehen."
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
Die dem lieben Griechenlande rann,
Lasst, o Parzen, lasst die Schere tönen,
Denn mein Herz gehört den Todten an!
Friedrich Hölderlin

Benutzeravatar
Amalia
Salubri
Beiträge: 505
Registriert: Fr 18. Aug 2017, 00:03

Re: [1003] Erblühende Wüsten [Sousanna/Amalia]

Beitrag von Amalia » Mi 13. Dez 2017, 21:55

Die Zweigesichtige lächelte und sprach mit sanfter Stimme "Nichts ernstes. Sorge dich nicht. Nur die Nachwehen des Krieges" Als dann jener wundervolle Duft ihre Nase erreichte sog sie die Luft förmlich ein. Ganz bezaubert von den wohligen Geruch und als sie dann noch die Hand der Schönheit, auf dem Monster spürte zuckte sie leicht, ehe sie selbste sehr zaghaft und schüchtern ihre Hand auf Sousannas Wange legte. Sie lächelte bei dem Kompliment und für den Bruchteil einer Sekunde hing ihr Blick an den Lippen der Byzantinerin, ehe sie ihr wieder in die Augen sah. Auf den Vorschlag hin, welchen Sousanna ihr machte nickte sie nur zaghaft.

Sie folgte der Ravnos auf das Zimmer und selbste sich nach einem kurzen Zögern zu ihr aufs Bett, nur um sich kurz darauf zurück zulehnen und die Decke zu betrachten. Langsam fing sie an zu erzählen "Nun meine Liebe ich bin sehr froh, dass du unbeschadet bist. Ich erlebte Krieg an vorderster Front. Zusammen mit Ajax, Ramon und Gaius haben wir gegen die Heere Mailands gekämpft. Haben Blut vergossen und Monster getötet. Es tut mir sehr leid, dir das sagen zu müssen, aber Gaius wurde gefangen genommen. Unser Heer wurde besiegt und musste den Preis zahlen. Gaius wird auf unbestimmte Zeit festgehalten, bis sein Erzeuger den Preis für seine Freilassung zahlt." Amalia seufzte und blickte zu ihrer schönen Freundin. "Was hast du erlebt? Ich hoffe doch angenehmeres als den süßlichen Geruch des Todes?" Das Grinsen auf Amalias Gesicht war verschwunden und eine Mischung aus Bedauern, Traurigkeit und Betrübtheit breitete sich aus.
"Ich kann deine Angst fühlen Mensch. Sie ist spürbar gegenwärtig. Ich kann mit den Fingern darüberstreichen und ihr krankes Aroma schmecken. Ist dieses Entsetzen Nährboden für Hass, dann lass mich daran laben und dich dabei völlig auslöschen."

Benutzeravatar
Sousanna
Ravnos
Beiträge: 1990
Registriert: Mo 14. Nov 2016, 21:12

Re: [1003] Erblühende Wüsten [Sousanna/Amalia]

Beitrag von Sousanna » Mi 13. Dez 2017, 22:23

"Das beruhigt mich ein wenig.", gab die schöne Hehlerin zurück auch wenn die Sorge nicht ganz aus ihren Augen verschwunden war. Dann stahl sich ein sanftes Lächeln auf ihre Lippen, genau in dem Moment, da die Nachtblume darauf blickte. Für einen Moment wurden ihre Blicke intensiver, dann lächelte sie noch breiter.

Im Zimmer dann überschlug Sousanna die Beine und lehnte sich ebenfalls zurück. Da die Kriegerin geendet hatte, war auch in ihrem Gesicht eine Mischung aus Trauer und Sorge abgezeichnet. "Schreckliche Dinge erzählst du da - und zu sagen, dass es mir leid tut, würde nur einen Bruchteil dessen abdecken, was in diesem Fall zu sagen wäre. Und wenn ich alles sagen würde, wäre es doch nicht gut.", erwiderte sie schließlich.
"Ich habe ebenfalls Dinge gesehen, die ich nie sehen wollte. Und Dinge erfahren, die ich nie erfahren wollte. Aber" Hier lächelte sie bitter. "Man hat mir nichts schlimmes getan."
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
Die dem lieben Griechenlande rann,
Lasst, o Parzen, lasst die Schere tönen,
Denn mein Herz gehört den Todten an!
Friedrich Hölderlin

Benutzeravatar
Amalia
Salubri
Beiträge: 505
Registriert: Fr 18. Aug 2017, 00:03

Re: [1003] Erblühende Wüsten [Sousanna/Amalia]

Beitrag von Amalia » Mi 13. Dez 2017, 22:36

Amalia hatte den Blick stets auf Sousanna gerichtet und als sie geendet hatte und so bitter drein schaute rutschte langsam und zaghaft Amalia näher zu ihr und legte der Schönheit eine Hand auf die Schulter. Erneut war ein sanftes Seufzen zu hören, ehe der sanfte albanische Klang ihrer Stimme das Zimmer erfüllte "Jetzt ist es erstmal vorbei. Das Schlimmste ist überstanden und bis zum nächsten Krieg vergeht hoffentlich genug Zeit. Wir hatten beide Glück im Unglück würde ich sagen. Die Wunden werden heilen und die Stadt erblühen." Hier lächelte Amalia etwas aufmunternder "Aber wenn du möchtest können wir auch gerne über ein angenehmeres Thema reden. WIr finden bestimmt etwas was den Krieg, zumindest für einen Moment vergessen lässt." Die Hand ruhte noch weiter auf der Schulter der Freundin, sie sollte Nähe zeigen, zeigen, das jemand da war, mit dem sie reden konnte.
"Ich kann deine Angst fühlen Mensch. Sie ist spürbar gegenwärtig. Ich kann mit den Fingern darüberstreichen und ihr krankes Aroma schmecken. Ist dieses Entsetzen Nährboden für Hass, dann lass mich daran laben und dich dabei völlig auslöschen."

Benutzeravatar
Sousanna
Ravnos
Beiträge: 1990
Registriert: Mo 14. Nov 2016, 21:12

Re: [1003] Erblühende Wüsten [Sousanna/Amalia]

Beitrag von Sousanna » Fr 15. Dez 2017, 13:21

Sanft schmiegte die Schöne ihre Wange an die kühle Hand der entstellten Tochter der Nacht. Einige Augenblicke verharrte sie so und schließlich schenkte sie ihr einen sanften, dennoch sehr verzweifelt scheinenden Blick. "Ich hoffe es sehr.", seufzte sie dann und die Schwere in ihrer Stimme ließ erahnen, wie viel Schrecken die scheinbar so zarte Seele erlebt haben musste. Wie sehr das Grauen auf diesen schmalen, zerbrechlichen Schultern lastete. "Ein weiterer Krieg würde die Stadt und all ihre Bewohner zerstören - ihnen endgültig die Seele rauben und jeden Mut. Und kaum jemand könnte sie retten. Zumindest ich würde fliehen."

Sousanna schwieg eine Weile, eh sie sich zu einem Lächeln zwang, das ihr nicht unbedingt in seiner Reinform gelingen wollte. "Aber sag mir doch, was ist mit Ramon, meinem Verlobten, geschehen? Seit jenem Streit haben wir nicht mehr miteinander gesprochen und ich habe keine Kunde von seinem Verbleib nach der Rückeroberung der Stadt."
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
Die dem lieben Griechenlande rann,
Lasst, o Parzen, lasst die Schere tönen,
Denn mein Herz gehört den Todten an!
Friedrich Hölderlin

Benutzeravatar
Amalia
Salubri
Beiträge: 505
Registriert: Fr 18. Aug 2017, 00:03

Re: [1003] Erblühende Wüsten [Sousanna/Amalia]

Beitrag von Amalia » Fr 15. Dez 2017, 14:53

Amalia zitterte am ganzen Leib, als sie sich schüchtern und vorsichtig noch näher zu Sousanna setzte, um nun einen Arm ganz um sie zu legen. Sie wollte ihr Halt und Trost spenden, in ihrer Zeit der Verzweiflung. Ich Blick sprach, dass sie es wahrscheinlich Sousanna gleichtun würde. Einfach fliehen und die Sorgen hinter sich lassen. Was kümmert sie schon das Leben von ein paar Menschen? Sanft strich sie über den Oberarm der Byzantinerin, und legte ihren Kopf schräg an den ihrer Freundin. Sie genoss ihren Duft, doch wollte in erster Linie trösten, ihr Nähe und Sicherheit spenden. Der sanfte Klang ihrer Stimme, welche nun vor allem fürsorglich klang erhellte den Raum „Keine Sorge meine Liebe. Alles wird gut. Ich bin für dich da. Wenn du über das Geschehene reden möchtest, werde ich dir mein Ohr schenken und wenn du über etwas anderes reden willst, um die Schrecken zu vergessen, so werde ich dir auch dann zuhören und mit dir reden.“ Sie seufzte nun ebenfalls und verharrte so an ihrer Freundin, ehe sie weitersprach „Nun was mit deinem Verlobten ist, so muss ich dir leider sagen, dass auch ich ihn, seitdem der Prinz sein Knie beugte, nicht mehr gesehen habe. Aber er wird bestimmt wohl auf sein, was wäre das denn für ein Verlobter, wenn er so eine Schönheit wie dich alleine lassen würde? Ich denke, dass er einfach Abstand brauchte. Die Schrecken der Schlacht verarbeitet jeder anders. Ich habe mich mit den Jahren an den Gestank des Todes gewöhnt.“ Dann blickte sie der Schönheit lange in die Augen und für einen Moment herrschte Stille, als die Albanerin plötzlich ein wenig lächelte „Aber jetzt hast du mir wenigstens den Namen des Glücklichen verraten.“ Sie lächelte etwas breiter und versuchte so die Trübseligkeit etwas aufzuheitern. Den Blick wandte sie nicht ab und die schwesterliche Nähe blieb bestehen. In Momenten wie diesen wurde deutlich, dass Amalia wohl schon des Öfteren für andere da war, wenn es ihnen schlecht ging. Dass sie die Person war, mit der man reden konnte. Das sie die Person war die einem Beistand, ohne etwas zu verlangen. Der die Nähe schon Lohn genug war. Eine Frau, welche auch den Kummer der Liebe mehr als genug kannte, nichts mehr wollte, als das Vergangene zu vergessen. Dann, ganz langsam, zurückhaltend und zitternd näherte sich der Kopf der Zweigesichtigen, dem der Schönen
"Ich kann deine Angst fühlen Mensch. Sie ist spürbar gegenwärtig. Ich kann mit den Fingern darüberstreichen und ihr krankes Aroma schmecken. Ist dieses Entsetzen Nährboden für Hass, dann lass mich daran laben und dich dabei völlig auslöschen."

Benutzeravatar
Sousanna
Ravnos
Beiträge: 1990
Registriert: Mo 14. Nov 2016, 21:12

Re: [1003] Erblühende Wüsten [Sousanna/Amalia]

Beitrag von Sousanna » Fr 15. Dez 2017, 20:26

Und wieder schmiegte sich die so ungewöhnlich warme Untote an ihre Freundin. Auch ihr Arm legte sich um die Schlächterin und einige wundervolle Momente war da nur die Eintracht in der Verzweiflung über das Geschehen. Die Andere würde das Beben ihres zarten Leibs spüren. Das Zittern, das von Trauer und Furcht sprach. - Vielleicht sogar nur über vergangene Geschehnisse und doch so brennend und verzweifelt, als wären sie ebenso geschehen.
"Es gibt keine Worte...", brachte sie dann hervor. "Keine Worte für alles, was geschehen ist." Da sie den Blick hob waren blutige Tränen in ihrem Blick. Legten sich einem tiefroten Schleier über ihre braunen Augen. "Es wird nie wieder so sein, wie es war. Ist es lächerlich, dass ich, eine Unsterbliche, eine schöne Zerstörerin mir nichts mehr wünsche, als dass alles wieder zu dem Zustand zurückkehrt, als ich erst zehn Jahre hier wandelte. Als alles neu und nicht betrübt und einfach war..."

Da sich der Kopf der Zweigesichtigen dem ihren näherte, schlangen sich die zarten Arme um den Leib der Kriegerin und ihr Gesicht barg sich an der Schulter. Sousannas Schluchzen klang herzzerreißend - und wäre sie noch menschlich gewesen, hätte man fürchten müssen, dass das Beben, das den zierlichen Leib zu schütteln begann, ihre Rippen brechen würde. Eine tiefe Trauer, die sich die Salubri so wohl nicht erklären konnte, schien die Schöne innerlich aufzufressen und nun erlebte sie wohl endlich die Reinigung von jenem Gift.
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
Die dem lieben Griechenlande rann,
Lasst, o Parzen, lasst die Schere tönen,
Denn mein Herz gehört den Todten an!
Friedrich Hölderlin

Gesperrt