[1002] Weh, weh mein Herz ist schwer [Vergonzo]

[August + September '17]

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Sousanna
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[1002] Weh, weh mein Herz ist schwer [Vergonzo]

Beitrag von Sousanna » Do 10. Aug 2017, 16:16

Eines Nachts im frühen noch sehr kühlen Frühling, der noch wenig Vorahnung eines Sommers in sich trug, würde sich ein Zettel unter einem gewissen Stein finden.
Die Handschrift war krakelig und kaum lesbar. Es sah aus als hätte die Notiz ein Knabe geschrieben, der völlig ungeübt in dem Umgang mit Buchstaben war. Obwohl das Pergament billig und oft abgeschabt wirkte, lag ein verführerischer Duft nach fremden Märkten des Orients darüber.
Mein liber Beichtfatter,
Ich brahce DeInen Rad. Kann ich dih die nechsten Nächte an einem ruigen Ort trefen? Ich weiss niht, wen ich sonst in diseR Anglegenheit um hilfe bietten kann.
Mit Gruß und Kus,
S
Ein grausames Stückchen Schrift, bei dem jeder Gelehrte wohl zu weinen begonnen hätte, doch jene S, die diesen Buchstaben auch noch seitenverkehrt geschrieben hatte, empfand einen gewissen Stolz, als sie das Pergament versteckt hatte und hoffte, dass die Antwort ähnlich schön und verständlich geschrieben sein würde wie die ihre.

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Vergonzo Faro
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Re: [1002] Weh, weh mein Herz ist schwer [Vergonzo]

Beitrag von Vergonzo Faro » Do 10. Aug 2017, 16:31

In der nächsten Nacht würde besagte verkehrt herum geschriebene S eine Nachricht erhalten.
Allerliebste Sünderin,

mit Freuden fand ich deine Nachricht, wohlduftend wie auch wohltuend von dir zu hören.
Gerne möchte ich dich treffen, am Orte der ersten Beichte, dort wo wir einst die Sünden nahmen und tief verbargen, zu Mitternacht der kommenden Nacht.

Allerliebst und entzückt der Vorfreude,
dein Vergonzo
Nach all dem Erlebten, war es eine Freude vertraute Gesichter zu sehen, Getreue auf die Verlass war. So konnte er das Treffen kaum erwarten.
Man soll bauen, als wollt man ewig leben, und leben, als sollt man morgen sterben.

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Re: [1002] Weh, weh mein Herz ist schwer [Vergonzo]

Beitrag von Sousanna » Do 10. Aug 2017, 19:11

Die Briefschreiberin hatte sehr glücklich und erleichtert aufgeseufzt, nachdem sie in Schwerstarbeit die Nachricht entziffert hatten. Auch ihre Diener hatten sich gefreut, das strahlende Lächeln auf dem schönen Gesicht zu erblicken, das in diesen Tagen so selten geworden war. Diese Nacht würde eine Gute werden...

So war Sousanna beschwingten Schrittes in jene zerfurchte Landschaft gewandert, - nein getänzelt. Sie war erfreut über jenes Treffen. Immerhin war sie sich fast sicher, dass der kleine Sohn der Nacht mit dem verunstalteten Leib die Zwickmühlen verstand, in die sie sich mit großer Kunstfertigkeit hineinmanövriert hatte. - Und vielleicht sogar Rat wusste.

Dieses Mal allerdings tauchte sie nicht geknickt und gedemütigt auf, sondern rief seinen Namen sacht und mit einem Lächeln auf den Lippen und hüpfte fast schon von einem Hügel zum anderen wie ein sehr übermütiges Rehlein, das nach den besten Grasbüscheln zum Naschen suchte.

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Re: [1002] Weh, weh mein Herz ist schwer [Vergonzo]

Beitrag von Vergonzo Faro » Do 10. Aug 2017, 20:48

Vergonzo war lange vor der vereinbarten Zeit vor Ort gewesen, hatte vorher die Umgebung erkundet um sicher zu gehen das sie allein sein würden und wartete nun in einiger Entfernung verdunkelt im Schatten des fahlen Mondlichtes.

Als er das hüpfen und die Geräusche des Lebens näher kommen hörte schaute er hoch und vergewisserte sich, ob seine Sousanna es tatsächlich war.
Und für wahr, es könnte nur die echte Sousanna sein, kein weiteres vermaledeites Trugbild, das spürte er innerlich.

So trat er aus dem Schatten und der Verdunklung auf sie zu und lächelte sanft.
Er sah noch immer mitgenommen aus, doch schon viel besser als zuvor und seine Augen hatten ihr helles blaues Strahlen wieder erlangt als er sie anblickte und begrüßte.
Dennoch gelang es ihm nicht, seinen Instinkt zu unterdrücken sich dennoch ein erneutes mal umzusehen.
Man soll bauen, als wollt man ewig leben, und leben, als sollt man morgen sterben.

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Re: [1002] Weh, weh mein Herz ist schwer [Vergonzo]

Beitrag von Sousanna » Fr 11. Aug 2017, 11:10

Und seine Sousanna war es. Echt, in Farbe und ebenso duftend wie das Pergament. Als sie ihren Beichtvater voller Sünden erblickte, blitzte ein strahlendes Lächeln auf und schien ihn gewissermaßen mit ihrer Freude über das Wiedersehen zu blenden.
Rasch eilte sie auf ihn zu und fiel ihm um den Hals - was in diesem Augenblick ein wirkliches Fallen war, da sie dafür wirklich auf die Knie fallen musste. Sie scherte sich dabei in keinster Weise um sein Aussehen, ja hauchte ihm sogar ein Küsschen auf die hässliche Wange.

"Es tut gut euch zu sehen.", flüsterte sie und wollte noch etwas sagen, ehe sie verstummte und ihn kritisch musterte. Er wirkte anders. Noch derangierter und das besorgte Umblicken war ihr nicht entgangen. So fügte sie besorgt hinzu: "Ich hätte gern gesagt, dass ich mich noch mehr freue, dass ihr wohlbehalten seid, aber es scheint mir, als hätten die letzten Eregnisse euch übel mitgespielt."

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Re: [1002] Weh, weh mein Herz ist schwer [Vergonzo]

Beitrag von Vergonzo Faro » Fr 11. Aug 2017, 13:27

Als Sousanna ihm um den Hals fiel, war er wie immer überrascht, dennoch wagte er es sie kurz zu drücken. Als sie ihm den Kuß gab, juchzte er kurz auf und kurz darauf von ihr gelöst, schaute er verlegen zu Boden.
Ihre Worte taten gut.

"Ja für wahr, es ist ein wohliges Gefühl euch nach all der Zeit wieder so nahe zu sein." er lächelte sanft und seine Augen strahlten die hübsche Ravnos an.
"Dich so nah zu spüren und die Berührung stärken mich,Sousanna."

"Nun, seid den Geschehnissen in Kreuzdorf und allem was danach passierte, wäre es dumm von mir nicht vorsichtig zu sein. Die hohen Herren," sprach er spöttig,"jagten die Nosferatu, zählten mich zu ihnen, Gaius hielt mich gefangen,...es ist für uns gefährlich geworden. Und nun, ich gehöre nicht zu ihnen, somit finde ich dort keinen Schutz. Ich gehöre aber auch nicht mehr zu den anderen Kainiten Genuas, da ich in ihren Augen ja zu den anderen Nosferatu gehöre. Nun Vertraute haben sich als nicht vertrauenswürdig erwiesen und da ich nun so gesehen alleine stehe, ist Vorsicht das oberste Kredo. Ich treffe so gut wie keinen, nur Ausgewählte, und dann auch nur wenn ich mir sicher bin und ich mich vorher versichert habe, bei einem Treffen in keine Falle zu laufen...." er seufzte aber lächelte trotzdem.

"Aber sag, wie ist es dir ergangen und wie kann ich dir helfen? Deine Nachricht hat mich natürlich sehr neugierig gemacht."
Man soll bauen, als wollt man ewig leben, und leben, als sollt man morgen sterben.

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Re: [1002] Weh, weh mein Herz ist schwer [Vergonzo]

Beitrag von Sousanna » Fr 11. Aug 2017, 14:20

Seine Worte ließen die Ravnos zunächst fröhlich strahlen, dann aber verblasste das Lächeln und Entsetzen, ja tiefste Bestürzung lösten das freudige Blitzen in den dunklen Augen ab. Ungläubig weiteten sie sich, ließen sie zu großen Spiegeln der Tatsache werden, dass sie mit allem gerechnet hatte - nur nicht damit. Sogar ihr Mund stand fassungslos offen.
"Gaius hat... Was?!", brachte sie mit vor Empörung bebender Stimme hervor. "Der, der sich sonst immer mit seinen Wohltaten brüstet, hat dich?! Ein Wolfs im Schafspelz ist er. Ich hoffe er hat dir nichts angetan. Auch für ihn. Wenn ich ihn das nächste Mal sehe..."
Die schlanke Faust ballte sich wütend. Dann aber atmete sie tief durch, zwang sich zu etwas Beherrschung. Es half nichts, sich jetzt zu echauffieren. Bestimmt würde er ihr erzählen, es wäre völlig richtig und wichtig gewesen.
So zwang sie sich zu einem bitteren Lächeln. "Ja, so ergeht es den Außenseitern in diesen unglückseligen Tagen. Hat er dich freigelassen, nachdem er deine Unschuld daran erkannt hat oder musstest du fliehen? In jedem Fall ehrt es mich, dass du mich trotzdem treffen wolltest."

Dann aber erhellte sich ihr Gesicht wieder. "Ja, die Nachricht - ich hab sie selbst geschrieben." Unbändiger Stolz darüber schwang in ihrer Stimme mit und sie strahlte wie ein kleines Kind darüber. "Naja, ich möchte gerne deine Meinung zu einem Angebot hören, das mir jemand gemacht hat. Eigentlich vertraue ich diesem jemand - aber ich bin mir nicht sicher, ob es mit unseren Überzeugungen zusammenpasst."

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Re: [1002] Weh, weh mein Herz ist schwer [Vergonzo]

Beitrag von Vergonzo Faro » Mo 14. Aug 2017, 11:32

"Nun jeder muss für sich selber entscheiden wie man seine Taten bewertet. Er meinte man müsse es getrennt sehen, Gaius der vertraute und sein Amt als Liktor. Er unterliegt leider zu oft seinen selbstauferlegten Zwängen und Handfesseln. Ein Vertrauter, hätte mich gehen lassen, und mir vertraut, und so für mich gebürgt." er machte eine kurze Pause.

"Nein, er hätte mich, laut seiner Aussage, in der Nacht danach frei gelassen, doch haben mich andere zuvor befreit und im Wald ausserhalb ausgesetzt. Als Zeichen dafür, das ICH kein Wortbrecher bin, kehrte ich sofort zurück und wartete vor dem Tor auf seine Rückkehr. Dort sprachen wir erneut, was allerdings keine Besserung des Geschehenen brachte." er lächelte etwas schief.

"Dein Brief war sehr gut zu lesen, auch für mich der kaum Übung im Lesen hat. Der Grund wieso ich dich und eventuell auch andere alte Vertraute dennoch treffe, ist der das ich die Taten eines Einzelnen, nicht auf andere Übertrage und man kann schließlich erst vertrauen verlieren, wenn man welches gegeben hat.
Nun, da du diesem jemand vertraust, aber dennoch zu mir kommst, muss dieses Angebot wohl sehr brisant sein."
ein Grunzen der Vorfreude entfuhr ihm als er sie grinsend ansah.
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Re: [1002] Weh, weh mein Herz ist schwer [Vergonzo]

Beitrag von Sousanna » Mo 14. Aug 2017, 15:04

Ein bitteres, kaltes Lachen verzog Sousannas Gesicht zu ungewohnter Verachtung.
"Ja, das sagen sie immer. Und dann liegt man als Vertrauter doch auf dem Boden und muss um Gnade flehen vor den ach so vertrauten Kindern Kains", konstatierte sie und ein düsterer Schleier lag über ihrer Gestalt, als hätte sie etwas ähnliches schon einmal erlebt und als wäre ihr Groll nun durch seine Erlebnisse noch verstärkt worden. "Deshalb halte ich mich von den meisten Blutsaugern fern. Sie sind falsch und widerwärtig verlogen - auch wenn es Ausnahmen gibt." Und damit lächelte sie wieder sacht.

"Das freut mich sehr", strahlte sie und ihre Miene war sofort wieder heller, viel jünger und unschuldiger. "Ich bin froh, dass ihr mich nicht mit diesen machthungrigen Bestien über einen Kamm schert, die man sonst hier findet."
Schließlich fuhr sie sich durchs Haar und schien sich eine Weile lang zu fragen, wo sie beginnen sollte. Dann lachte sie auf und es klang seltsam hilflos und vielleicht ein wenig hysterisch. "Ja, das ist es auch.", erklärte die Ravnos schließlich. "Das schlimme ist, dass es sehr interessant wäre, wäre es nicht sogar für uns eine Sünde. Es geht um das Aufbauen eines Blutsbands - um anderen zu widerstehen."

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Re: [1002] Weh, weh mein Herz ist schwer [Vergonzo]

Beitrag von Vergonzo Faro » Mo 14. Aug 2017, 15:22

Er nickte ihr zu, sah er es derzeit sehr ähnlich.
Er beobachtete mit Freude ihr typisches etwas sprunghaftes Verhalten und Präsenz.

"Nun ein Blutsband. Das Binden an einen anderen Kainiten. Würde es dich doch ein deiner Freiheit einschränken, dich so zu verhalten wie es dir gegeben ist. Andererseits würdet ihr zwar anderen dadurch sicher etwas widerstehen können, doch dann nur in eine Richtung wie es eure Verbindung vorgeben würde. Da stellt sich die Frage, welchen Pfad er folgt, welche Ziele und wieso er es mit dir aufbauen möchte. Ja sowas kann ein starkes Bündnis sein, so es denn auf Gegenseitigkeit beruht. Andererseits könnte es sein, das ihr euer Tun und eure Ziele ändern müsstet. So stellt sich die Frage wieso du es in Erwähnung ziehst und was DU davon hast und ob das was du bekommst, es Wert ist das aufzugeben was du dadurch verlieren könntest."
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