[1002] Über Wachen und Schafe [Ajax]

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Sousanna
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Re: [1002] Über Wachen und Schafe [Ajax]

Beitrag von Sousanna » Fr 11. Aug 2017, 10:58

Mancher Kainit wäre, hätte jemand so über seinen Clan gesprochen vermutlich sehr wütend oder zumindest pikiert geworden, doch Sousanna musste über seine Ausführung ein wenig schmunzeln. Besonders die verräterische Diebin schien sie sehr zu amüsieren. Schelm blitzte in den dunklen Augen auf, ehe sie immer noch grinsend den Kopf schüttelte.
"Schön wie ihr diese Vorurteile beschreibt und sagt, dass ihr mich nicht unbedingt für die vertrauenswürdigste Person haltet. Aber seid beruhigt, ich bin nicht zu euch gekommen, um von euch zu hören, dass ich eure Freundin wäre.", erwiderte sie und zuckte grinsend die Schultern. "Wir haben uns einmal gesehen - und dieses eine Mal hätte ich euch wissentlich dazu gebracht, von mir zu trinken. Also nein, wir sind keine Freunde und ich erwarte von euch weder Vertrauen noch Zuneigung. Was ich mit dieser Frage bezwecken wollte, war zu erfahren, ob euer Clan sich offen gegen unsere Verbindung stellen wird."
Ernst umfing sie wie dunkle Wolken und man sah ihr an, dass die nächsten Worte sehr ehrlich waren. "Ich denke auch, dass eine Verbindung mit mir Ramon nicht schaden wird - ebenso wenig wie sie euch schaden wird. Genau so will ich offen sein, dass auch ich meine Vorteile daraus ziehen kann und werde.", erklärte sie schlicht - auch wenn offenblieb, welche Vorteile das sein mochten.

Seine "Ausführungen" zum Thema Krieg ließen sie schließlich etwas erröten - wenn auch nur kurz, ehe sie ihn offen anlächelte. "Und genau deswegen bin ich zu euch gekommen... Ihr schafft es wie ein Gelehrter der Universität zu sprechen und zwingt mich zu konkreten Aussagen. Es ging mir um die Hintermänner dieses Stellvertreterkrieges. Vielleicht auch deren Hintergründe - gerne auch im Bezug auf die Goldene."

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Re: [1002] Über Wachen und Schafe [Ajax]

Beitrag von Ajax » Sa 12. Aug 2017, 11:12

Ajax stellte sich wieder an den Tisch an dem er gerade noch gestanden hatte und bedeutete Sousanna näher zu kommen. Er nahm einige geschnitzte Holzfiguren aus einer Schatulle und stelle sie auf, es waren aus Holz geschnittene Kämpfer. Diese stellte er auf den Tisch, dann sah er Sousanna an.

"Nein der Clan als Ganzes wird sich sicher nicht gegen eure Verbindung stellen. Dazu habe ich kein Recht und auch kein Verlangen und ich denke ich spreche ebenso für die anderen. Das ihr eure Vorteile daraus ziehen werdet, davon gehe ich aus. Tun wir das nicht alle in der einen oder andere Weise. Wie diese Verbindung mir jedoch zum Vorteil gereichen soll, sehe ich bisher noch nicht, doch ich lasse mich gerne von euch eines Bessere belehren. Genauso kann ich euch jedoch auch sagen, dass sollte ich das Gefühl haben, dass mein Clansbruder übervorteilt wird..." den letzten Satz überließ er ihrer Vorstellungskraft. Doch seine Präsenz legte die Schritte nahe die er einleiten würde.

"Bevor wir dazu kommen was hier in Genua gerade passiert erlaubt mir jedoch zwei Fragen. Erstens, warum sucht ihr dieses Wissen bei mir und nicht bei einer der anderen Personen die euch nahe stehen, euer Verlobter zum Beispiel? Ich weiß nicht viel über eure Verbindungen, aber ich denke es gibt Kainiten die euch weit bessere Informationen über die genauen Vorgänge geben können. Zweitens, ich werde dieses Wissen nicht einfach so preis geben, Beizeiten werde ich von euch einen Gefallen oder eine Information von ähnlicher größe fordern. Seid ihr damit einverstanden ?" da standen die Holzfiguren auf dem Tisch, nur darauf wartend von den Händen des Gelehrten verteilt zu werden und Aufschlüsse darüber zu geben was für Dinge im Verborgenen wohl stattfanden. Wie eine Versuchung bei der sie nur zugreifen musste. Hatte der Brujah diesen Schritt geplant? War diese Situation gewollt gewesen?

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Re: [1002] Über Wachen und Schafe [Ajax]

Beitrag von Sousanna » Fr 25. Aug 2017, 11:29

Wieder lächelte Sousanna ihr charmantes, unschuldiges Lächeln. Dennoch schaffte sie es, sehr ernst zu erklären: "Wohlwerter Ajax, ich verspreche euch hiermit feierlich, dass ich nicht vorhabe Ramon zu schaden. - Viele mögen mich für unbedarft halten und daraus profitiere ich oft, doch ich bin nicht dumm. Und mich allein mit euch anzulegen wäre mehr als dumm. Geschweige denn mit dem Clan der Brujah, selbst wenn es nur die aus Genua wären. Ich hänge an meiner Existenz."

Leicht schüttelte sie den Kopf und lehnte sich nun ihrerseits etwas an den Tisch. "Ihr, der ihr das Blut des Clans der Gelehrten in euch tragt, solltet am besten wissen, dass es oft gut ist, eben jene um Rat zu fragen, die einem nicht in Sympathie zugetan sind oder Antipathie entgegenstehen. Das ergibt die neutralsten Antworten. Und jene Kinder Kains mit besseren Informationen haben bereits derartige Beziehungen zu mir - zumindest diejenigen, die ich erreichen kann.", erwiderte die Ravnos ruhig und blickte Ajax direkt in die Augen, ehe sie zum zweiten Teil seiner Aussage nickte. "Ich werde euch natürlich alles zurückzahlen, was ihr mir heute erweist. Ich will keine Geschenke und schätze den Tausch von Waren ebenso wie den von Gefallen."

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Re: [1002] Über Wachen und Schafe [Ajax]

Beitrag von Ajax » Sa 26. Aug 2017, 15:25

Er nickte kurz " Gut dann haben wir einen Handel. Ich kann euch zwar ein bischen doch nichts allzu genaues über die Reiseverhältnisse sagen die wir gleich besprechen werden, doch ich werde versuchen es euch begreifbar zu machen." während er dies sagte gin er ein paar Schritte in Ricthung eines Holztischchens und holte dort ein Stück Kohle heraus und fing an auf dem großen Tisch auf dem eben noch die Karte lag grobe Umrisse zu zeichnen. Es war nicht allzu schön, doch man konnte die Proportionen erahnen. Hier und da fügte er ins Innere des Umrisses oder an den Rand Kreise ein. Anschließend fing er an die Holzfigürchen zu verteilen.

"Um alles in seiner Gänze zu verstehen ist es wichtig das ihr Fragen stellt falls ihr Probleme mit den Verbindungen habt. Fangen wir also bei den unterschiedlichen Parteien an die alle eine Rolle in diesem Krieg spielen. Erstens gibt es den Etruskischen Bund, eine Gemeinschaft aus Ventruedominierten Kainiten aus der Toskana, diese werden in Genua von dem sehr verehrten Seneschall Maximinianus verkörpert. Die Etrusker haben ein großes Interesse an Genua, da sie der Überzeugung sind, dass sie ein Anrecht darauf haben." Er deutete auf eine Figur, Rechts unterhalb von Genua am Anfang des Stiefels, während er sprach.
"Das ganze Interesse und nun sogar der Wille für einen offenen Krieg hat jedoch noch eine weitere Komponente. Die Etrusker wollen indirekt die deutschen Ventrue unterstützen, denen sie sich in Blutsverwandschaft verbunden sehen." er hob eine weitere Figur deutlich nördlicher innerhalb der Schraffur nach oben und stelle sie wieder hin. "Dies würden sie mit der Übernahme von Genua erreichen, da sie so die Versorgungsroute der Mailänder kappen könnten. Diese haben ein noch stärkeres Interesse an Genua, wegen ebenjener Nachschubroute, die in Ermangelung einer besseren Alternative über Genua führen soll. Diese Versorgung wird von Süditalien und der See der Schatten kommen. Da Mailand eine Lasombradomäne ist, sind die Szilianer und die Mailäner sich ebenso in Blutsverwandschaft zugetan. Genua wird in diesem Fall also zum Schauplatz eines Stellvertreterkrieges desser Ausmaße wir uns nur schwer vorstellen können. In diese Gleichung fließt auch ein, dass Genua, sollte es Mailand untersützen auch gleichzeitig indirekt die Höfe der Liebe entlastet. Diese werden ebenso wie Mailand von den Deutschen Ventrue und ihrem Heerführer Hardestadt bedrängt. Alles was also den Druck an anderer Stelle auf die deutschen Truppen erhöht kommt indirekt den Höfen zugute. Wichtig ist in diesem Fall zu wissen, dass die höchst verehrte Aurore über ihren Großerzeuger mit den Höfen verbandelt ist, dieser ist eine der Zentralen Figuren in ihren Entscheidungen. Warum die Höfe diesen Krieg nicht für sich selbst schlagen liegt daran, dass die Araber immer noch nicht aus Iberien vertrieben wurden und ihre Ressourcen dort weiterhin gebunden sind." Er machte eine kurze Pause um der Ravnos die Möglichkeit zu geben das erzählte zu verarbeiten und es sich bildlich vorzustellen.

"Die schwarze Perle hat mit der ganzen Sache so gut wie gar nichts zu tun. Am äußersten Rand Europas gelegen interessiert die Ahnen der Äonen nur wenig was in den Kerlanden passiert und da Michael über die Stadt wacht wird sie zurecht "die Unbezwingbare" genannt. Nicht einmal die mächtigsten der Ahnen der anderen Clans würden es auch nur in Erwägung ziehen seinen Zorn auf sich zu laden und gleichzeitig den der Trinität."

"Habt ihr noch Fragen oder soll ich bestimmte Punkte noch weiter ausühren ?"

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Re: [1002] Über Wachen und Schafe [Ajax]

Beitrag von Sousanna » Fr 1. Sep 2017, 19:43

Sousanna hatte kurz genickt und war dann neben den Brujah getreten, um besser zu sehen und das Wissen so besser aufsaugen zu können. Dann hatten die Blicke der großen Rehaugen auf seinen Figuren gelegen und jede einzelne Regung seiner Finger zu beobachten, während er erklärte.
Es war überraschend mit welcher Aufmerksamkeit und Intensität diese sonst so heitere Frau den politischen Erläuterungen ihres Gegenübers lauschte und wie viel Ernst in ihrem sonst so strahlenden Gesicht lag.
Nachdenklich hatte sie nach seiner Erklärung geschwiegen und für einen Moment gedankenverloren auf ihrer vollen Lippe herum gebissen. Dann nickte sie einmal mehr, ehe sie hochblickte und schließlich erwiderte: "Es liegt bestimmt nur an mir, aber es erscheint mir als wäre Genua recht zufällig Ort dieses Stellvertreterkriegers geworden. Zumindest verstehe ich den genauen Grund noch nicht, weshalb sich all diese Parteien so für Genua interessieren. Gibt es hierfür einen Grund?" Fragend legte die Ravnos den Kopf leicht schief und schien auch nach der Formulierung ihrer Frage noch zu versuchen, es sich selbst zu erklären.

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Re: [1002] Über Wachen und Schafe [Ajax]

Beitrag von Ajax » Mo 4. Sep 2017, 22:48

"Zufällig kann man es wohl nicht nennen. Es ist mehr eine Verkettung von vielem verschiedenen politischen Faktoren. Allen voran, die Lage Genuas, wegen ihr ist Genua momentan die einzige Möglichkeit für Mailand eine Nachschubroute zu garantieren. Diese wollen die Ventrue kappen. Deswegen haben sich beide Parteien Genua auserkoren. Sizilien spielt hierbei erstmal eine untergeordnete Rolle, diese sind vor allem durch ihre Blutsverwandschaft mit Mailand und aufgrund der offenen Rechung mit Genua in diesen Konflikt eingestiegen. Habt ihr sonst noch Fragen ?" erwartend schaute er zu ihr hinunter. Möglicherweise, brachten ihn ihre Fragen auch auf neue Einsichten. Der Blickwinkel des Untergrundes war bestimmt ein Interessanter.

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Re: [1002] Über Wachen und Schafe [Ajax]

Beitrag von Sousanna » Fr 8. Sep 2017, 13:07

Leicht und äußerst anmutig nickte Sousanna über diese weiteren Erklärungen und fuhr sich dann mit der Hand über das Gesicht. In nachdenkliches und düsteres Schweigen gehüllt, starrte sie auf die Karte. Schien ihr nur durch langes Anblicken Fragen entlocken zu wollen, die sich ihr nun stellten.
Auf seine Frage allerdings, biss sie allerdings die Lippen aufeinander und seufzte schließlich schwer. "Eine Frage beantwortet sich", murmelte sie und zog wie nachdenklich einen Kreis mit dem zarten Finger um ihre momentane Heimatstadt. Erst nach einem weiteren Augenblick des Schweigens blickte sie zu ihrem Landsmann auf, ehe sie scheinbar etwas frustriert die Schultern zuckte. "Und tausend andere stürmen auf mich ein. Das, was ich zu wissen glaubte, passt wenig zu euren Worten. Aber ich bin ehrlich: Ich habe mich nie zuvor so intensiv mit Politik beschäftigt, als dass ich die sicher bestehenden Verbindungen so schnell erkennen könnte."

Kurz schweifte ihr Blick durch den Raum, als suche sie dort die Antwort, auf jene Fragen, die sich ihr im Augenblick zu stellen schienen. "Darf ich euch - nur zum besseren Verständnis, vielleicht darum bitten, mir die Höfe der Liebe noch einmal zu erklären. Wie gesagt, ich habe mich bisher mit Freuden von politischen Gesprächen ferngehalten und mir sagt der Name zwar etwas, doch ich fürchte, nicht viel genug, um alles durchdenken zu können.", bat sie dann sacht, da sich ihr offensichtlich keine tiefe Erkenntnis in der Betrachtung der Wände auftat.

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Re: [1002] Über Wachen und Schafe [Ajax]

Beitrag von Ajax » Fr 15. Sep 2017, 11:40

Ajax schwieg einige Momente um der Ravnos die Zeit zu geben die sie sicherlich brauchen würde um die Informationen zu verarbeiten. Das Wissen schien er aufgesogen zu haben und es musste viele Male gebraucht haben bis er auch jede noch so kleine Ungereimtheit verstanden hatte. Er erwartete nicht von jedem, dass er die Zeit in ebenjenes Wissen investiert hatte wie er. Und so begann er, möglichst pragmatisch, den Exkurs.

"Die Höfe der Liebe sind ein Zusammenschluss aus den mächtigsten Alten Frankreichs. Sie stehen in direkter Konkurrenz mit den deutschen Ventrue und haben einen brüchigen Frieden mit den Italienischen Lasombra. Momentan sind sie gerade dabei Iberien gegen den Einfall der Sarazenen zu schützen und können deswegen nicht direkt in unseren Konflikt eingreifen. Ihre höchsten Positionen sind vor allem durch Ventrue und Toreador besetzt. Innerhalb der Höfe der Liebe existieren vier Königstümer die jeweils von einem der Ahnen, und mächtigsten Kainiten Frankreichs, besetzt sind. So wie die Zusammenhänge liegen, könnte ich mir vorstellen, dass der höchst verehrte Großerzeuger der höchst verehrten Principessa einen dieser Monarchenstühle besetzt. Sie halten Hof und treffen großflächige Entscheidungen für die Kainiten ihrer Domäne." für mehr Informationen hätte er sich besser vorbereiten müssen, doch das war, was er aus dem Stehgreif der Ravnos erzählen konnte.

Er lies wieder ein bischen Zeit verstreichen und setzte dann selber zu einer Frage an die Ravnos an.
"Ich habe eine mehr persönliche Frage an euch werte Sousanna. Ihr müsst sie nicht beantworten wenn ihr nicht wollt. Doch eine ehrliche Antwort eurerseits würde mir eine Einschätzung von euch erleichtern und mögliche Bündnisse in Zukunft ebnen. Ich erwarte keine moralisch korrekte Antwort von euch, lediglich eine ehrliche. Dies ist sehr wichtig, ich weiß gerne mit was ich arbeite." dem schnellen Themenwechsel folgte wieder eine Pause. Er wollte das sie sich der Rahmenbedingungen für ihre Antwort klar war.

"Wem gelten eure Loyalitäten, außer euch selbst ? Ich höre dass ihr auch mit Kainiten verkehrt die euch in der Vergangenheit Dinge in schlechtem Licht darstehen ließen, so zum Beispiel dem wohlwerten Liktor Gaius Marcellus, dies tut ihr bestimmt nicht aus reiner Freundlichkeit. Wie viel der geplanten Hochzeit mit meinem Clansbruder ist eiskalte Berechnung und wieviel wahre Liebe ? Wie viel von eurer Freundlichkeit und eurem Charme sind eine Darstellung und wie viel echt ? Und vergesst nicht, es gibt keine falschen Antworten!" er schaute sie abschätzig an, etwas an ihm hatte sich veräbndert seit sie ihn das letzte Mal gesehen hatte. Es war schon vorher klar geworden, doch jetzt in dieser Frage wurde es noch offensichtlicher. Er hatte einiges an Moral hinter sich gelassen. Wo und warum, diese Fragen blieben wohl erst einmal im Verborgenen.

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Re: [1002] Über Wachen und Schafe [Ajax]

Beitrag von Sousanna » So 17. Sep 2017, 14:15

Sie nickte wieder aufmerksam. Insgeheim bewunderte die Ravnos es, dass er ihr all diese komplizierten Details so ohne jede Vorbereitung erzählen konnte. Es verriet ihr, dass sie noch viel würde lernen müssen. Ein leicht ehrfürchtiges Lächeln war sein Lohn dafür, das aber rasch in Überraschung abglitt. Sie hatte nicht mit solchen Fragen gerechnet, doch anstatt empört zu zetern, nickte sie nur ruhig und dachte einen Moment nach.

"Werter Ajax, ich werde versuchen, eure Antworten so zu beantworten, wie ihr sie wünscht.", erwiderte sie dann gelassen, doch man hörte, dass sie jedes einzelne Wort genaustens überdachte. "Meine Loyalität gilt ausschließlich mir selbst. Vielleicht noch meinem Erzeuger und der Herrin des Elysiums, da ich beiden viel zu verdanken habe. Was Gaius angeht, so ist er für mein Geschäft von großem Nutzen. Ein Haus der Heilung und die Thermen sind gute Kunden. Einen guten Kunden verärgert man nicht, solange er gut dafür bezahlt." Etwas ungeduldig zuckte sie die Schultern, als wäre das glasklar und benötige eigentlich keine Erwähnung.
"Ramon dann", hier zögerte Sousanna und strich sich eine Strähne aus der Stirn. "Ist eine andere Geschichte. Ich würde ihn nicht so nah an mich heran lassen, würde ich keine Zuneigung verspüren. Eine Hochzeit aber, wäre mir nie in den Sinn gekommen und der Antrag hat mich gelinde gesagt überrascht. Ich habe der Menschlichkeit vor langer Zeit abgeschworen und wandle auf Pfaden, die eine solche Bindung nicht unbedingt gut heißen. Ich nahm den Antrag auf den Rat meines Erzeugers dennoch an, da Ramon mir etwas bieten kann, das mir fehlte: Schutz und bedingungslose Treue. Und wenn es ihn erfreut, dann heirate ich ihn dafür auch. Das alles klingt kalt und grausam, doch gleichzeitig liegt mir nichts daran, ihn ins Unglück zu stürzen. So etwas erfreut mich selbst bei jenen, die ich nicht mag, wenig und ich denke, dass wir uns fürs Erste beide gut tun."
Die letzte Frage dann quittierte sie mit gespitzten Lippen. "Was Freundlichkeit und Charme angeht, so frage ich euch, was sie schaden? Ihr mögt es vermuten, doch ich bin kein Krieger, der sich nimmt, was er möchte. Aber das bedeutet nicht, dass ich nicht weiß, wie ich es bekomme. Wenn ein Lächeln ebenso gefährlich sein kann, wie ein Messer, wieso sollte ich mich dann gefährden, indem ich eine Klinge ziehe? Aber ich wäre wohl nicht so erfolgreich darin, wenn mir beides nicht außergewöhnlich leicht fiele, oder?" Eben jenes charmante, mädchenhafte Lächeln untermalte ihre Worte, während die braunen Augen ihn ernst musterten.

"Aber ich würde euch auch gerne eine Frage stellen, werter Ajax.", erklärte sie dann und der Blick, mit dem sie ihn beobachtete, hatte etwas Durchdringendes. Ihr war diese Veränderung nicht entgangen. "Um meine Offenheit euch gegenüber auszugleichen, gewissermaßen. Es ist auch nur eine einzige und ich beantworte sie euch danach natürlich ebenso freimütig, wie ich gerade geantwortet habe. Auf welchem Pfad wandert ihr in der Nacht?"

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Re: [1002] Über Wachen und Schafe [Ajax]

Beitrag von Ajax » Di 19. Sep 2017, 18:27

Er hatte ihr still zugehört, keine Regung ging durch einen Körper. Nur seine kalten grünen Augen die sie anstarrten. Als sie geendet hatte und die Frage an ihn stellte blieb er noch ein bisschen länger regungslos sitzen. Dann fuhr er sich mit den Fingerspitzen über die Schläfen.

"Mhm... damit kann man arbeiten. Ich nehme an mein Clansbruder sieht diesen Zusammenschluss als etwas gänzlich anderes. Aber das ist nicht Euer und nicht mein Problem. Belasst ihn in dem Glauben." Verrat schien er hier keinen zu sehen. Lediglich einen Kainiten der sich hinters Licht führen hatte lassen.

Ert dachte lange darüber nach ob und wie er antworten sollte doch entschied sich dann die Wahrheit zu sagen.
"Da ihr so direkt fragt, werde ich euch die Wahrheit nicht verheelen. Ich stehe gerade an einem Scheideweg. Bisher wandelte ich auf dem Pfad der Chivalry-der Ritterlichkeit. Doch die Dinge die ich im Krieg sah, die ich getan habe lassen mich an diesen Werten zweifeln. Die Zukunft wird zeigen welche Werte nach diesem Krieg bestand haben und was von dem was die Christen Seele nennen noch übrig ist. Aus dieser Asche werde ich neue Werte formen und dann wird sich zeigen welchen Weg der Nacht ich einschlage. Ich werde, sollte ich bis zu unserem nächsten Treffen eine Antwort haben, euch eure Frage gerne in seiner Gänze beantworten."

"Wisst ihr zufällig wo man Fabrizio Begado finden kann ? Mein Clansbruder meinte ihr hättet eine Begegnung mit ihm gehabt ?" Ajax wirkte interessiert, und so etwas wie Hunger lag in seinen Augen.

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