[1007] Eisige Tiefen [offen]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Toma Ianos Navodeanu
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[1007] Eisige Tiefen [offen]

Beitrag von Toma Ianos Navodeanu » So 8. Apr 2018, 21:31

Eine Frau saß auf der Hafenmauer, sah auf das kalte schwarze Meer hinaus und ließ die Beine spielerisch baumeln. Betrachtete die kleinen Spiegelungen des Mondes auf den winzigen Wellenbergen.
Eine plötzliche Bö ließ ihren Umhang flattern und hätte das Tuch da sie trug von ihrem Kopf gefegt, wenn sie es nicht noch festgehalten hätte und auf ihren Kopf presste.
Es war kalt. Es war kein Winter mehr, doch ein kalter Regen begann auf die junge Frau nieder zu gehen und frischer Wind wehte vom Meer her.
Sie presste die Arme fester um sich und sah auf die schwarze Fläche zu ihren Füßen, die sich bis zum Horizont spannte.
Wie es wohl war darin unterzugehen? In dem eisigen Wasser? Zu versinken und nie wieder aufzutauchen? Das schwarz über sich schließen zu sehen? Zu sterben?
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Re: [1007] Eisige Tiefen [offen]

Beitrag von Angelique » Mo 9. Apr 2018, 21:00

"Was machst du da?", erklang hell eine Kinderstimme.

Ein großäugiges kleines Mädchen stand da barfuß im Nieselregen. Obwohl es blaß und unterernährt aussah, schien ihm die Kälte wenig auszumachen. Dunkle Locken wehten im Wind und das fadenscheinige Hemdchen flatterte. Darunter trug das magere Mädchen nichts. Nur ein T-Kreuz baumelte an einer Halskette auf der schmalen Brust.

Neugierig wie eine Katze legte das Kind den Kopf schief und die enigmatischen Augen schienen zu starren ohne zu blinzeln.

Ein aufmunterndes Lächeln umspielte die blassen Lippen.
"Schaust du auch in die Spiegelwelt? Zu den hundert kleinen Wellenmonden? Da wo die Narren Könige sind und die Könige Narren? Wo der Hase den Wolf jagt und die Schneckenkatzen Wettrennen halten?"
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Re: [1007] Eisige Tiefen [offen]

Beitrag von Toma Ianos Navodeanu » Mo 9. Apr 2018, 23:46

Es war ein düsterer Gedanke gewesen und sie wollte ja nicht sterben, aber es war ihr einfach so durch den Kopf gegangen. In der Tiefe zu versinken...brr...das wäre furchtbar...und doch irgendwie...
Es war ein Nervenkitzel, zu wissen, dass unter ihr der Tod lauern könnte.
Als dann plötzlich die Stimme hinter ihr erklang, fuhr ihr jedoch ein solcher Schreck durch die Glieder, dass die Angst echt und fühlbar wurde. Panisch krallte sie sich an die Hafenmauer, um nicht abzurutschen.

Mit großen Augen drehte sie sich herum.
Ein Kind?!
Was sagte es da für wirres Zeug? Und oh je wie furchtbar leidig es aussah.
Langsam kletterte Martha von der Mauer und stand dem Kindchen etwas unschlüssig gegenüber.

"W...Wer bist du? und was machst du hier? Allein? Hast du kein Zuhause?" Eine Waise?
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Re: [1007] Eisige Tiefen [offen]

Beitrag von Angelique » Di 10. Apr 2018, 20:06

Das Mädchen balancierte am alten Kai, deren wohl noch römische Steine glitschig und abgerundet waren.
Doch die Gefahr, ins eisige Wasser zu stürzen, störte es wohl nicht.
"Angelique heiße ich. Ich balanciere am Kairand. Ganz allein und ohne Hilfe! Guck! Doch habe ich, aber heute ist eine so schöne Nacht, um drinnen zu versauern."

Sie schlug ein Rad und machte Kopfstand. Ihr Hemdchen rutschte bis zu den Achseln und sie war dadurch fast nackig.Aus dieser ungewöhnlichen Perspektive schaute sie zur Frau hoch und fragte neugierig: "Und du? Wer bist du? Wasmachst du hier? Allein? Hast du kein Zuhause?"
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Re: [1007] Eisige Tiefen [offen]

Beitrag von Toma Ianos Navodeanu » Di 10. Apr 2018, 22:49

"Ich warte" antwortete sie und sah irritert zu wie das Mädchen auf der Mauer turnte und sich dabei so entblößte. "Ich habe mir das Meer angesehen. Es ist so schön...und unheimlich." sagte sie und hauchte die letzten Worte.
"Aber auch faszinierend. WIe tief es wohl ist? Wie weit?"
Unsicher schaute sie sich am Hafen um und zu den etwas entfernt stehenden Häusern. "Eine schöne Nacht? Es ist kalt und es hat angefangen zu regnen..." erwidert sie mit einem fragenden Unterton. Das Mädchen war seltsam.
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Re: [1007] Eisige Tiefen [offen]

Beitrag von Angelique » Mi 11. Apr 2018, 06:47

Das Mädchen setzte sich auf den Rand und schaute ins dunkle Wasser. Es ließ die Beine baumeln und lächelte verträumt.
"Niemand weiß, wie tief das Meer ist. Die Alten sagten, irgendwo da unten wird es zum Fluß der Unterwelt und fließt ins Wasser, das die Welt umgibt und hat kein Ende.

Aber das ist Unsinn, denn die Welt ist eine Kugel und Erosthenes von Kyrene hat ihre Größe anhand der Entfernung der Städte Alexandria und Syene auf einen Umfang von 250 000 olympische Stadien berechnet. Das ist zwar immer noch gaaanz schön viel, aber doch endlich."

Sie wechselte sprunghaft das Thema. "Oh, auf wen wartest du? Einen Liebhaber?"
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Re: [1007] Eisige Tiefen [offen]

Beitrag von Toma Ianos Navodeanu » Mi 11. Apr 2018, 18:41

Die junge Frau machte große Augen als Angelique von Wasser sprach dass in die Unterwelt fließe. Das konnte sie sich nicht vorstellen, auch das was das Kind danach von sich gab, verwirrte sie nur noch mehr. Eros-wer? Und Syene und Stadien…

Martha wollte sie danach fragen, was das für seltsames zeug war, und woher sie das wusste…aber da überrumpelte Angelique sie mit der Frage und überforderte haspelte sie einige Wortanfänge heraus und wenn das Licht besser gewesen wäre, hätte Angelique sicher gesehen dass sie rot wurde.

„eh…was…äh…Lieb…nein…“ sie presste ihre Lippen zusammen und blickte sich nervös um.
Liebhaber. Wenn es nur so wäre…wenn er sie nur lieben könnte…aber das war ein sinnloser Traum.

„Du hast einen ungewöhnlichen Namen, für hier und redest seltsames Zeug. Woher kommst du? Ist dein Vater Gelehrter?“ Fragte sie dann schnell das Mädchen um ihrerseits das Thema zu wechseln.
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Re: [1007] Eisige Tiefen [offen]

Beitrag von Angelique » Mi 11. Apr 2018, 21:01

"Nein, mein Vater war Müller", meinte das Kind, "oder der Lehnsherr. Wahrschenlich der letztere. Damals war das noch üblich, dass der Fürst sich nahm, was dem Bräutigam in der Hochzeitsnacht zustand."

Das Mädchen überlegte. "Ja, es ist ein okzitanisch Name und lautet hier Angela. Vielleicht sollte ich mich so nennen, was? Mein Akzent ist inzwischen vollkommen verschwunden. Ich kann fluchen wie ein Einheimischer.
Oh, und ich lerne hier und da, wo ich nur kann. Das meiste aber hat mir meine Geliebte in der Heimat beigebracht."
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Re: [1007] Eisige Tiefen [offen]

Beitrag von Toma Ianos Navodeanu » Fr 13. Apr 2018, 22:48

Martha blinzelte verwirrt. Nicht nur dass da schon wieder ein Wort war dass sie nicht verstand, dann auch noch..."Geliebte?!"
Wie alt war dieses Kind? zehn..elf? Das war doch alles Unsinn. War das, das Nachgeplapper von Kindern, was sie irgendwo aufgeschnappt hatten oder dachte sie sich wilde Geschichten aus?

Auf jeden Fall begann Martha sich noch unwohler zu fühlen. Was sollte sie jetzt mit diesem Kind machen? Unsicher schaute sie sich auf dem nahezu leeren Hafen um. In der Ferne hielten sich ein paar Menschen auf.
Doch wohin sollte sie jetzt gehen? Sie sollte doch hier warten. Ach, hätte sie nur nicht darauf bestanden einmal ein paar Minuten für sich sein zu können.
Sie mussten sicher bald wieder kommen...
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Re: [1007] Eisige Tiefen [offen]

Beitrag von Angelique » Sa 14. Apr 2018, 08:12

"Ich störe dich, nicht wahr?", meinte das Kind namens Angelique traurig, "ich sehe das an deiner Art. Viele reagieren so auf mich. Soll ich dich wieder allein lassen?"

Die kleine Gestalt hüpfte wieder auf die nackten Füsse und schickte sich an, wieder zu gehen, wenn Martha dies wünschen würde.
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