[1007] Quo Vadis [Seresa]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Titus
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[1007] Quo Vadis [Seresa]

Beitrag von Titus » Di 3. Apr 2018, 16:44

Sie hatten ihr monatliches Gebet beendet. Es war wie immer und stehts. Seite an Seite hatten sie vor dem Altar der Kathedrale San Siro gebetet...es war sonst niemand hier. Nur sie beide...und Gott. Doch in dieser Nach twar etwas anders als sonst. Wenn sie gebetet hatten, war es stehts Seresa, die sich erhob und die Kirche alleine verließ, um getreu den Anwesungen des Kappadozianers auf direktem Wege Burgus wieder zu verlassen. Stehts hatte sie Titus alleine zurück gelassen, der schweigend auf dem harten Steinboden knien blieb.

Doch nun erhob er sich mit Seresa, verließ die Kathedrale und im Vorhof beim Brunnen durchbrach er das Schweigen.


"Ist es immernoch Dein Wunsch und Dein Wille, die Via Caeli zu betreten?"

Mit diesen Worten legte er seinen Rosenkranz, den er stehts und immer bei sich führte, um seinen Hals. Er trug wie immer einfach Kleidung, ohne Rüstung und ohne Waffen. Seine Worte waren von getragener Ernsthaftigkeit, so als würde von diesem Gespräch einiges abhängen...das Schicksal einer Seele...oder auch mehrerer Seelen.
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Seresa
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Re: [1007] Quo Vadis [Seresa]

Beitrag von Seresa » Di 3. Apr 2018, 21:12

Drei lange Jahre waren vergangen seit ihrem Bekenntnis für die Via Caeli. Titus hatte sich angeboten ihr Mentor zu sein, doch es hatte andere Pläne für Seresa gegeben. Pläne von Mächten, die so stark gewesen waren, dass die Brujah sich ihnen nicht langfristig erwehren konnte, sosehr sie es auch versucht hatte. Sie war alleine zurückgeblieben in ihrem Gefängnis, denn das Vertrauen der beiden Kainiten zueinander war zu schwach gewesen, um eine Situation wie diese zu überwinden. Womöglich war es nicht vorherbestimmt, dass sie überwunden werden sollte. Titus konnte und wollte keine Risiken eingehen. Das wussten sie beide und Seresa akzeptierte dies. Obwohl so vieles dagegensprach, war sie dennoch nicht gewillt gewesen aufzugeben. Beharrlich war sie gekommen. Am ersten Sonntag im Monat. Eineinhalb Jahre lang. Unbewaffnet und allein. Sie hatten nie viel mit einander geredet, außer den Höflichkeiten, welche die Etikette vorgaben und verlangten.

Seresa hatte sich gewundert, weshalb der Kappadozianer sich in jener Nacht mit ihr erhoben hatte, jedoch hatte sie ihn nicht darauf angesprochen. Es stand ihr schlicht nicht zu, ihn danach zu fragen. Womöglich war auch ihm bewusst, dass ihre gemeinsame Zeit verstrich und die der Brujah gewährten fünf Jahre sich dem Ende zuneigten. Als er sie angesprochen hatte, war sie stehen geblieben. Sie hatte sich ihm bei seiner Frage nicht zugewandt. Für einen Moment blickte sie starr in Richtung Ausgang. Dann schloss sie die Augen, senkte den Kopf und drehte sich langsam zu ihm um. Seresa öffnete die braunen Augen und blickte Titus ruhig an. Die Wärme und Menschlichkeit, die einst in ihnen lagen, als sie sich nach dem Krieg kennengelernt hatten, war verschwunden. Was mit ihrem Aufenthalt in Genua gekommen war, war eine kalte Distanziertheit, die sich freiwillig oder unfreiwillig über ihr Herz und ihre Augen gelegt hatte.

„Es ist unerheblich was mein Wunsch und mein Wille ist, wohlwerter Titus.“

Der Blick der Brujah wanderte zu ihren Händen und betrachtete das kleine Lederbeutelchen, welches darin lag.

„Dominus pascit me.“

Ihre Finger schlossen sich darum, bevor sie die Lederbändchen in ihrem Nacken verknotete.

„Denn wahrlich wer vermag in einer Welt wie der unsrigen, in der wir uns freiwillig binden oder gebunden werden und fremdes Blut unsere Gedanken vernebelt letztlich redlich zu beurteilen, ob das was wir wollen unser eigener Wunsch und Wille ist?“

Seresa blickte den Kappadozianer einige Momente schweigend an, bevor sie mit den Schultern zuckte.

„Ich habe aufgegeben mich zu fragen, was mein Wunsch und mein Wille ist, denn es ist einerlei. So es sein Wunsch ist, wird der Herr mich als seine Dienerin eines Nachts auf die Via Caeli holen.“

Ihr Blick senkte sich einen Moment und ihre schlanken Finger schoben das Lederbeutelchen unter ihre Kleidung. Dann blickte sie wieder zu Titus auf.

„Ich zweifle nicht an meinem Glauben. Ich bezweifle nicht, dass es der Wille des Herrn war, dass ich nach Genua kam. Ich bezweifle nicht, dass er mir im Krieg zur Seite stand und meine Schritte lenkte und ich bezweifle nicht, dass der Herr mich letzten Endes zu Euch geführt hat.“

Seresa senkte den Blick.

„Aber es geht nun einmal nicht um mich und das was ich will.“

Sie richtete ihre Augen auf, doch sie gingen an ihm vorbei auf San Siro.

„In einer Stadt wie Genua, in dem die Todsünden heimisch geworden sind, in dem die Tugendhaften bestraft oder vernichtet werden und in dem das Heiligste aller Sakramente pervertiert wird, kann mein Tier auf der Via Caeli keinen Halt finden.“

Ihre Stimme klang nüchtern, doch die Bitterkeit darin, wollte sich nicht gänzlich verbergen lassen.

„Es würde unentwegt und unkontrolliert wüten. Rasen. Reißen. Strafen.“

Seresa schüttelte leicht den Kopf, während ihrer Augen zurück zu Titus wanderten.

„Womöglich ist es zu früh. Womöglich ist es bereits zu spät. Womöglich bin ich noch zu jung. Womöglich ist mein Glaube noch nicht gefestigt genug. Womöglich sieht der Herr mich auf einem anderen Weg. Womöglich muss ich scheitern, fallen und wieder aufstehen. Womöglich einmal. Womöglich mehrmals. Womöglich sieht der Herr mich niemals als seine Dienerin auf der Via Caeli. Womöglich schon bald.“

Die Brujah zuckte leicht mit den Schultern.

„Ich vermag wahrlich den Willen des Herrn nicht zu erahnen, wohlwerter Titus. So diese Nacht jedoch bestimmt ist zu kommen, so hoffe ich aufrichtig, dass wir Beide noch immer hier sein werden. Dass Ihr nicht länger an mir zweifeln müsst. Dass Ihr seinen Willen erkennt und anerkennt. Dass Ihr dann noch immer oder wieder geneigt sein werdet, mich als Mentor auf dem Weg des Himmels zu begleiten.“

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Re: [1007] Quo Vadis [Seresa]

Beitrag von Titus » Mo 9. Apr 2018, 21:31

Titus schwieg ernst und ein prüfender Seitenblick traf die junge Brujah. Ob er Mitleid mit ihr empfand, konnte man nicht in seinem Gesicht ablesen.

"Das klingt danach, als hättest Du aufgegeben, Seresa."

Ein leicht tadelnder Unterton mischte sich in die sonst ruhige Art zu reden.

"Die Welt ist wie sie ist, und diese Stadt ist keine Ausnahme. Ein Pfuhl der Sünde und des Teufels. Und wenn wir die Hände in den Schoß legten und darüber lamentierten würde die Welt nicht erlöst werden. Beten ist das eine...arbeiten das andere. Jeder von uns kann so viel tun, um die Stadt zu einem besseren Ort zu machen und wir, die wir vom Blute sind, mit Macht ausgestattet haben eine besondere Verantwortung, diese Macht für das richtige zu nutzen."

Titus pausierte kurz.

"Auf dem Weg des Himmels zu wandeln bedeutet nicht dafür ausersehen zu sein es versuchen zu dürfen...sondern zu handeln und ihn zu beschreiten. Ein Mönch it dazu angehalten zu beten und zu arbeiten...nun beten kannst Du, das weiß ich jetzt. Vielleicht wäre es an der Zeit zu arbeiten?"
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Re: [1007] Quo Vadis [Seresa]

Beitrag von Seresa » Mo 9. Apr 2018, 23:11

Seresa schwieg für einen längeren Moment und blickte dabei in die stahlgrauen Augen des Kappadozianers. Als sie schließlich sprach war ihre Stimme ernst.

„Bei allem gebotenen Respekt, wohlwerter Titus, wie denkt Ihr würde eine solche Arbeit wohl aussehen?“
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Re: [1007] Quo Vadis [Seresa]

Beitrag von Titus » Di 10. Apr 2018, 00:21

Titus blickte einen kurzen Augenblick gen Himmel, dann blieb er stehen und drehte sich zu ihr um.

"Ich bin mir sicher, dass Du klug und fromm genug bis, dass Du Dir diese Frage selbst beantworten kannst, was gottgefällige Arbeit ist. Es sei denn ich habe mich in Dir getäuscht..."
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Re: [1007] Quo Vadis [Seresa]

Beitrag von Seresa » Di 10. Apr 2018, 17:12

„Es geht darum nicht und das wisst Ihr selbst, wohlwerter Titus. Es sei denn, ich missverstehe Euch und Eure Worte.“

Seresa blickte in seine stahlgrauen Augen, bevor sie wortlos zu ihm aufgeschlossen wäre und sich seinen weiteren Bewegungen entsprechend der Etikette angepasst hätte.
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Re: [1007] Quo Vadis [Seresa]

Beitrag von Titus » Di 10. Apr 2018, 20:47

"Hindern Dich Deine Ketten gute Taten zu vollbringen, selbstständig? Du musst nicht Mitglied des Martins-Orden sein, um ein christliches Werk zu tun. Die Schwachen zu beschützen, den Hungernden Essen zu bringen und den Trauernden trost zu spenden? Was ist es, was Dich davon abhält die Dämonen und Sünder in Genua zu finden und zur Stercke zu bringen...oder zumindest die guten Christen vor ihnen zu beschützen?"

Der ruhige Tonfall war nun weniger tadelnd. Mehr schien er ehrlich daran interessiert zu sein, ob sie wirklich gehindert wurde.
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Re: [1007] Quo Vadis [Seresa]

Beitrag von Seresa » Di 10. Apr 2018, 21:21

Seresa schwieg. Ihre Lippen öffneten sich zwar leicht, doch die Worte, schienen nicht über sie wandern zu wollen. Es wären dünne Ausreden gewesen. Hoffnungslose Versuche, sie in ein etwas besseres Licht zu stellen. Schließlich wich sie nur seinem Blick aus, bevor sie den Kopf schüttelte und leise fortfuhr.

„Nein, sie hindern mich nicht, wohlwerter Titus.“
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Re: [1007] Quo Vadis [Seresa]

Beitrag von Titus » Di 10. Apr 2018, 21:58

Titus nickte, offenbar mehr zu sich selbst, als als Reaktion auf das Gesagte der jungen Brujah. Er schwieg eine Weile und kurz bevor die Stille undangnehm wurde, brach er die Stille wieder.

"Aber...?"

Titus blickte Seresa prüfend von der Seite an.
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Re: [1007] Quo Vadis [Seresa]

Beitrag von Seresa » Di 10. Apr 2018, 22:54

„Gerade Ihr, wohlwerter Titus, mit dem ich neben meinem wohlwerten Bruder im Blute Ajax die meisten Zeit hier in Genua verbracht habe, sollte doch wahrlich die redliche Antwort auf die Frage am besten kennen.“

Die Brujah blickte aus ihren braunen, toten Augen den Kappadozianer an. Ihr Blick ruhte kalt und distanziert auf Titus. Die Menschlichkeit, welche die Gelehrte einst umgeben hatte, schien über die Jahre gänzlich aus ihrem Wesen verschwunden zu sein. Ein schleichender Prozess seit sie Genua wider ihren Willen angeblich verlassen hatte. Seresa schwieg, bevor sie schließlich mit den Schultern zuckte.

„Ich falle und sie wurden mir einerlei.“
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