[1007] Gedenke [offen]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Livia
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Re: [1007] Gedenke [offen]

Beitrag von Livia » Do 12. Apr 2018, 23:23

Livia zuckte kurz zusammen, als Seresa so erzürnt auf ihre zugegebenermaßen etwas provokanten Spielereien reagierte.... Sie ließ sich etwas zur Seite fallen und danach das Käuzchen in einer Position zwischen ihnen aufschließen, ehe sie sich entschuldigte.

"Verzeiht, ich wollte euch nicht als Jägerin einstufen, werte Seresa." Entschuldigte sie sich mit einer leichten Verneigung.
"Ihr fand nur die Wortwahl von Interesse...
Sie hatte mich verwundert... neugierig gemacht, es wollte nicht ganz ins Bild passen. Es war nicht als Angriff, Vermutung oder Stellungnahme intendiert..."
Reumütig blickte sie gen Boden, dann wieder zu Seresa.

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Seresa
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Re: [1007] Gedenke [offen]

Beitrag von Seresa » Fr 13. Apr 2018, 23:15

Seresa schüttelte leicht den Kopf, während ihr Blick schweigend in Richtung Meer ging.

„Womöglich hätte ich das Wort Diebesgut verwenden sollen, um etwaige entstandene Unklarheiten in den Begrifflichkeiten zu vermeiden.“

Dann schwieg sie für einen kurzen Moment.

„Jedoch gestehe ich, wäre ich bei allem gebotenen Respekt gespannt zu erfahren, welches Bild Ihr von mir hattet, wenn das Wort Euch verwundert oder Euch gar neugierig gemacht hatte.“
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Angelique
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Re: [1007] Gedenke [offen]

Beitrag von Angelique » Sa 14. Apr 2018, 08:23

Wachsam behielt "das Käuzchen" die Umgebung im Auge, während ihre Schützlinge neben ihm gingen und über Feinheit der Semantik plapperten und sich in Höflichkeiten ergingen.

Die Brujah hatte ihre barsche Ehrlichkeit von vorhin wieder in falsche Etikette gehüllt, als trüge sie eine Maske. Schlangenmädchen dagegen wand sich und ihre Worte wie ein Rechtsverdreher, was aber irgendwie passend war.

Stumm begleitete die Heldin die beiden ungleichen und doch so ähnlich langweilig um den Brei herumschleichenden Frauen.
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Livia
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Re: [1007] Gedenke [offen]

Beitrag von Livia » Sa 14. Apr 2018, 18:18

"Ein Bild von euch..." Livia überlegte, während sie schlendernd den Weg weiter schritt und ihren Blick gelöst schweifen ließ.
"Ihr wirkt wie eine bedachte Kainitin, die großen Wert auf das Wort legt und es zumeist sehr gezielt verwendet." Sie grinste verspielt. "Und dem Geist ebenso..." Fügte sie, wohl mit einem größeren Hauch Ehrlichkeit, hinzu.

"Ihr habt ausgesprochen stolze Bande und innige Verhältnisse - schätzt Loyalität... nicht wahr?" Kurz zögerte Livia, ehe sie weiter schlussfolgerte.

"Und... bis vor kurzem zählten ihr euch noch zu der kleinen Fraktion dieser Domäne... der immer kleiner werdenden, einsamen Fraktion..." Sie schauderte kurz. "Welche ihre Menschlichkeit erhalten hatten..." Dabei sah sie Seresa an.
"Und von einem Menschen in diesem Sinne weniger als Beute oder Vieh oder Dienerkreatur sprechen würde, wie Jäger, Könige oder was auch immer unsere Domäne bevölkert... sondern eher als... kleine Brüder und Schwestern? Als Menschen - auch als Sünder, aber doch? Als Gottes Kinder?" Sie hob die Schultern - es gab so viele Eindrücke.

"Was meint ihr, trifft diese Beschreibung?"

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Re: [1007] Gedenke [offen]

Beitrag von Seresa » Sa 14. Apr 2018, 20:54

Auf Livias Betonung ´zumeist´ schmunzelte die Brujah sichtlich amüsiert. Den Rest des Bildes hörte die Gelehrte sich ohne größere Regung an, bis die Setitin schließlich geendet hatte. Seresa schien nachzudenken, bevor sie in Richtung Livia nickte.

„Ich danke Euch für Euer gezeichnetes Bild, werte Livia.“

Schließlich erreichten die drei ewigjungen Frauen die Wasserkante. Seresa blieb stehen und betrachtete einige Momente stumm das Meer, bevor sie leicht den Kopf schüttelte und aus kalten Augen die Setitin betrachtete.

„Ich schreite noch immer auf der Via Humanitatis, auch wenn Euch dies nicht so erscheinen mag.“

Seresa löste den Leinenbeutel von ihrem Gürtel und kniete sich auf den Boden. Ihre geschmeidigen Bewegungen schienen ihre Worte Lügen zu strafen, bewegte sich ihr Körper anmutig wie eine Raubkatze. Eine dunkle Jägerin der Nacht. Ihre Hände schlugen den Stoff vorsichtig zurück. Auf dem Tuch lag, was Angelique zuvor schon in Seresas Erinnerung gesehen hatte. Eine zu einem Blatt geformte, gebogene dunkle Baumrinde, in deren Bauch grünes Moos lag. Auf dem Moos lag eine weiße, kurzstielige, getrocknete Rose, um deren Stiel mehrere Zweige blauen, getrockneten Lavendels gebunden waren. Das Ganze war mit Efeu umwickelt und befestigt worden, so dass es die Form hielt und nicht auseinanderfiel. Seresa atmete bewusst ein, doch der Duft von Lavendel und Rose vermischte sich zu schnell mit dem Gestank der Stadt. Ihr Blick wurde bitter.

„Die Nächte sind finster in Genua und was man meint zu sehen, ist oftmals von Dämonen und Teufeln verzerrt. Erkennen zu können was wahr ist, ist selten möglich und gute Seelen sind in dunklen Nächten wie diesen wahrlich zu selten geworden.“

Ihr Blick ging kurz zu Angelique und sie nickte ihr respektvoll zu. Dann blickte die Brujah auf das Gebinde und ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen. Ihre Fingerspitze strich für einen Moment sanft über den Rosenkopf. Dann wurde ihr Blick ernst, als sie zu Livia aufsah.

„Ihr hattet mich einst gefragt, ob es Gottesdienste in Genua gibt für jene unserer Art.“

Seresa schwieg und schüttelte leicht den Kopf.

„Inzwischen habe ich verstanden, weshalb so etwas in Genua nie mehr als ein wahrlich frommer, jedoch bedauerlich naiver Wunsch sein kann.“

Verbitterung lag in ihrem Blick und die Brujah nahm das Blatt vorsichtig in ihre Hände, bevor sie es zu Wasser ließ. Einen Moment betrachtete sie es stumm. Ihr Blick wurde nachdenklicher und sanfter. Dann schob sie es von sich weg. Seresa ließ sich an der Wasserkante nieder und sah zu, wie ihr Gebinde langsam ins offene Meer getragen wurde.

„Aber es liegt an Euch, wie Ihr die Menschen sehen wollt oder als was, werte Livia. Meiner Meinung nach ist jedes Leben kostbar und keines davon sollte geopfert werden, für die Animositäten zwischen jener unserer Art. Auf Grund ihrer selbstsüchtigen Spiele der Nacht.“

Ein bedrohliches Knurren hatte sich bei ihren letzten Worten in ihre Stimme gemischt, doch schien sie nicht dem Tier anheim zu fallen. Die Brujah wirkte schlicht verärgert. Dann holte Seresa tief Luft und schüttelte den Kopf. Der Blick auf das sich entfernende Blatt schien ihre Leidenschaft ruhig zu halten. Dann wechselte die Gelehrte unerwartet das Thema.

„Ich gestehe, es entzieht sich jedoch meinem Verständnis, was Ihr als stolze Bande und innige Verhältnisse anseht, werte Livia. Ich wäre Euch überaus verbunden, sofern Ihr es mir erläutern würdet.“

Ihr Blick ging fragend über die Schulter nach oben zu Livia.
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Re: [1007] Gedenke [offen]

Beitrag von Angelique » So 15. Apr 2018, 14:57

"Pharisäer und mit Blindheit Geschlagene, Heuchler und Abweichler, Ungebildete und Zeloten. Ja, ein schöner GOttesdienst war das neulich. Meine Freundin Angelique hatte sich dort hingeschlichen. Gut, das ER Humor hat, sonst hätte es Kettenblitze gehagelt, bei all den Blasphemien und arroganter Hybris."

"Das Käuzchen"lachte hell und bewunderte aber zugleich das romatische Kleinod Seresas.
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Re: [1007] Gedenke [offen]

Beitrag von Livia » Mo 16. Apr 2018, 21:03

Livia lächelte erst mild, beim Dank der Brujah. Mit größerem Interesse und leichter Verwunderung beobachtete sie das Paket, welches sich vor ihr eröffnete... ein Gedeck?
Fragend hob sie die Braue Seresa gegenüber. "Habt ihr es gefertigt? Es ist schön... Eine Bedeutung, die ihr teilen wollt?" Sie lächelte sanfter, all zu brisant war es wohl nicht... oder?

Als die Brujah dann jedoch verbitterteren Einklang in ihrer Stimme aufnahm, verschoben sich die Brauen gegeinander. "Wieso sollte es zum Scheitern verurteilt sein? Ihr wart doch gar nicht vor Ort... Ich war enttäuscht, ich dachte ihr stündet hinter der Idee!" Ein wenig verletzte Erwartungen huschte über die Augen der Merkurianerin, Seresa hatte sie damals auf einem kalten Fuß erwischt und dann im Regen stehen lassen - nachdem sie so einen faszinierenden Erfolg verbucht hatte!
Auch das Knurren der Brujah machte dieses Gefühl nicht besser... erneut solch eine dumme Interpretation einer Frage? Diesmal ging Livia gar nicht erst darauf ein - ebenso auf die Gegenfrage der Brujah.
"Wer stets nur fragt, wird wohl keine Antwort erhalten, wenig Spannung liegt im einseitigen Gespräch..." Demonstrativ wandte sie sich der in diesem Moment einsteigenden Malkavianerin zu - hier hatte sie sich ein wenig Halt versprochen - aber ebenso gab es nur Zynismus von ihr.
Kurz zuckten ihre Augen zusammen, dann wandte sie sich ab und blickte auf die Straße - einen Hauch von Betrübnis in Sich tragend.

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Re: [1007] Gedenke [offen]

Beitrag von Seresa » Mo 16. Apr 2018, 22:45

Zuerst blickte Seresa zu Angelique.

„Das klingt wahrlich nach einer interessanten Mischung, wertes Käuzchen. Hatte Euch Eure werte Freundin erzählt, wer alles zu gegen war?“

Dann blickte sie zu Livia auf.

„Nur, weil ich Euch nicht die Antworten liefere, die Ihr erwartet oder gar hören wollt, bedeutet es nicht, dass ich Euch nicht antworte, werte Livia. Zumal ich wahrlich nicht gewillt bin, auf Eure Provokationen einzugehen. Stattdessen möchte ich Euch mit allem gebotenen Respekt daran erinnern, dass der wohlwerte Titus einen Tag wie die Auferstehung unseres Herrn ausgewählt hatte für ein gemeinsames Gebet. Wohlgemerkt eines gemeinsamen Gebetes und nicht eines Gottesdienstes, denn einen solchen haben in jener Nacht mein wohlwerter Bruder im Blute Ajax und meine Wenigkeit besucht.“

Ihre kalten, braunen Augen ruhten auf der Setitin. Seresa hatte keinen Grund sich für ihr nicht erscheinen zu rechtfertigen und dennoch gab sie bereitwillig Livia eine Antwort auf ihre Frage und ihre Anklage. Dann ging ihr Blick auf das Gedeck, welches sich weiter entfernte.

„Auf Eure Frage jedoch, werte Livia, weshalb es zum Scheitern verurteilt sei, ist die Antwort eine wahrlich einfache. Seht Euch einfach nur um. In Genua sprießt an jeder Ecke und aus jeder Öffnung Superbia, Avaritia, Luxuria, Ira, Gula, Invidia und Acedia. Humilitas, Caritas, Castitas, Patientia, Temperantia, Humanitas und Industria sind nichts mehr als inhaltsleere Worthüllen. Öffnet die Augen, werte Livia, und blickt Euch nur selbst um. In dieser Stadt sind die Todsünden heimisch geworden und die Tugendhaften werden bestraft oder vernichtet. Selbst das Heiligste aller Sakramente wurde schonungslos pervertiert. Wahrlich, ich frage Euch, wie soll hier etwas Reines wachsen, ohne dabei verdorben zu gehen?!“

Seresa schüttelte den Kopf, während ihr Blick noch immer auf dem Blatt lag, welches wegtrieb.

„Und ja, werte Livia, ich habe seine Beute selbst gefertigt und wie ich bereits sagte, sie wäre für ihn ohne Wert gewesen. Für mich jedoch war sie von Bedeutung und deshalb konnte ich ihn nicht damit ziehen lassen. Man muss sich erinnern. An jene Nacht, in der das Meer über Genua hereingeschwappt war und großes Unglück über gute Seelen brachte. Man darf nicht vergessen. Ich will nicht vergessen.“

Die Brujah schwieg für einen kurzen Moment.

„Deshalb gedenke ich, auch wenn es sonst Keiner tut.“
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Re: [1007] Gedenke [offen]

Beitrag von Angelique » Di 17. Apr 2018, 21:39

Die Heldin stemmte ihre Fäustchen in die Hüfte. "Ich gedenke nicht, ich handele! Oh, und ich tratsche natürlich nicht weitern, wen meine Freundin da gesehen hat."

Der betrübten Livia aber täschelte sie die Hand. "Falls es dich beruhigt, meine Freundin mag dich sehr. Sie würde dich bei Gelegenheit gerne drücken und herzen und bis zur Besinnungslosigkeit abschlecken." Dabei lächelte sie trotz ihrer Halbmaske fröhlich und aufmunternd.
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Re: [1007] Gedenke [offen]

Beitrag von Livia » Do 19. Apr 2018, 19:16

Livia hob erst nur verwundert oder gar verärgert die Braue, als Seresa ihre seltsame Rechtfertigungstirade von sich gab. Dann winkte sie im Geiste ab, nickte der Brujah zu. "Der wohlwerte Herr Ajax ist sicherlich ein sehr guter Kirchgänger und wird den segnenden Effekt eines Priesters im Vergleich zur Gesellschaft Kains bestimmt sehr genossen haben. Da mögt ihr recht haben."
Wie schlecht sie ihn doch kannte... war sie nicht seine Puppe? Wohl nicht genug wert gewesen...

"Eure Sorge betreff der Stadt ist natürlich gerechtfertigt. Auch wenn mir diese Sorge eher gegenüber der gesamten Welt gerecht vor kommt..." Stimmte sie seufzend zu. "Wieso seht ihr dies in Genua besonders ausgeprägt?" Fragte sie dann doch noch einmal. "Und wieso glaubt ihr, könnte man den reinen Versuch schlicht unterlassen? Nennt mich naiv... aber die Chance alleine muss es doch geben?" Etwas Traurigkeit lag in ihrem Blick.

Auf Angeliques... ah, des Käuzchens Zuspruch hin schenkte Livia dieser ein liebenswürdiges Lächeln, welches zunehmend wuchs und breiter und breiter wurde. Sie beugte sich leicht zu der kindlichen Heldin der Herzen herab und hauchte dieser - fast laizif - ein "Zu gerne..." ins Ohr.

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