[1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Sousanna » So 25. Mär 2018, 12:06

Sousanna fand es immer wieder überraschend, wie blass Menschen zu werden vermochten und vor allem, wie sehr der Schreck sie einer Leiche ähnlich sehen ließ. Ob es wohl auch möglich war, an Schreck zu sterben? So sie einmal sehr viel Zeit hatte, würde sie das vielleicht einmal austesten. Es wäre so viel einfacher einen Mord auf diese Weise zu begehen... Denn wer sollte so etwas nachweisen?
Während dieser Überlegungen hatte sich ganz sacht eine ihrer Hände auf Alfredos Schulter gestohlen, der wohl viel zu starr war, um sich gegen eine solche Übergriffigkeit von gleich zwei Frauen zu wehren. Er hatte sich sogar nur recht halbherzig dagegen gewehrt, dass ihm sein eigenes Buch "entrissen" wurde.
Leicht hatte sich ihr Haupt dabei zur anderen Seite geneigt, so dass die großen Rehaugen weiter in ihrer todverheißenden Unschuld zu ihm empor flackern konnten und alle Regeln brachen, die man sich über Unbescholtenheit erdacht hatte. "Um Verzeihung kann man bitten, wenn man etwas getan hat, ohne dass man jemandem schaden wollte.", zitierte sie irgendeinen gelehrten Mann, den ihr Vater einst beherbergt hatte, um ihm prächtige Kreuze zu verkaufen, und der ihnen zum Dank einen Vortrag über Moral gehalten hatte.

Noch ehe er etwas erwidern konnte, hatte sie aufgeseufzt und sich von dem Hehler gelöst, um ihren Platz neben Seresa einzunehmen. "Aber ja, ich glaube, er wird es uns erklären müssen. Wahrscheinlich ist unser armer Frauenkopf einfach überfordert..." "Was wollt ihr, damit das Buch hierbleibt?" Das Grollen in seiner Stimme schien wie ein letztes Aufbäumen. Ein letzter Versuch, wenigstens ein bisschen Stolz zu zeigen.
Die vollen Lippen der Ravnos verzogen sich zu einem breiten Grinsen, da so gar nicht zu ihrer Anmut oder ihrer hohen Abstammung passen wollte. Es war das Grinsen eines Haifischs. "Dann müsstest du schon einen guten Grund nennen - und natürlich hat alles seinen Preis. Immerhin könnte man auf die Idee kommen, du wolltest etwas verbergen, wenn du uns am Lernen hindern willst.", begann sie ihr Netz zu spinnen.
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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Seresa » So 25. Mär 2018, 23:31

„Glaubst du wirklich, werte Freundin, Alfredo würde dir vorsätzlich Wissen vorenthalten?!“

Noch immer ruhte ihre Hand auf dem Buch, während sie zuerst fragend auf Souanna blickte und leicht den Kopf schüttelte.

„Ich mag mir gar nicht vorstellen, was Tiziano dazu sagen würde!“

Dann ging ihr Blick weiter zu Alfredo.

„Soetwas überaus Leichtsinniges und Dummes würde ein so kluger und weitgereister Mann wie du doch nie tun, Alfredo, nicht wahr?!“

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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Sousanna » Mo 26. Mär 2018, 20:57

Während Alfredo recht frustriert und wohl ohne es zu bemerken die Zähne fletschte, weiteten sich Sousannas Augen vor Schreck.
"Oh nein", hauchte sie und schüttelte den Kopf, als wolle sie unangenehme Gedanken loswerden. Tatsächlich wurde sie sogar etwas blasser. "Das letzte Mal war so schrecklich. Ich hab noch nie so viel Blut gesehen... Nein, sicher würde unser lieber Freund das nicht riskieren. Ricardos Schicksal war uns doch allen eine Lehre."

Der Hehler unterdessen brummte einmal mehr etwas davon, dass er nie etwas derartiges tun würde. Er wisse immerhin, dass das dumm sei. Aber das Buch müsse trotzdem hierbleiben - es sei doch zu wichtig für ... seine Geschäfte.
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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Seresa » Di 27. Mär 2018, 19:38

„Dieses Buch hier?!“

Seresas Augen wanderten zu dem Einband, während ihr Zeigefinger sanft darauf tippte. Ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen, während sie fragend zu Sousanna blickte.

„Wie kommt dein lieber Freund nur darauf, dass wir es mitnehmen würden?!“

Ihr Blick wanderte zurück zu Alfredo und ihr Kopf legte sich leicht schief.

„Natürlich bleibt es hier, Alfredo. Ich würde doch nichts stehlen oder gegen deinen Willen etwas von dir ausleihen.“

Seresas Hand lag noch immer flach auf dem Einband, während sich ihre freie Hand nun auf Alfredos entferntere Schulter legte. Sie näherte sich seinem Kopf mit ihrem. Mit ruhiger Stimme sprach sie zu ihm. Schaffte eine falsche und doch verlockende Vertrautheit, während sie gleichzeitig ihn daran hinderte aufzustehen und wegzurennen.

„Tatsächlich wollte ich meine werte Freundin hier fragen, ob sie zu Tiziano gehen wollen würde, um ihn zu uns zu holen.“

Ihr Daumen strich leicht, fast beruhigend, über seine Schulter.

„Aber ich glaube, das wird nicht nötig sein, werte Freundin, nicht wahr?!“

Ihre Augen wanderten fragend zu Sousanna.

„Womöglich gäbe es eine andere Möglichkeit. Was denkst du, werte Freundin, ein solch weitgereister und ehrlicher Mann wie Alfredo weiß doch ohne jedweden Zweifel ein Gläschen Wein zu schätzen. Ich weiß jedoch nicht, ob du noch etwas von dem köstlichen Saft bei dir hast, welchen du zu besonderen Anlässen reichst.“

Aufmerksam musterte Seresa Sousanna. Sie schien herausfinden zu wollen, ob die Ravnos verstand, was die Brujah eigentlich gerade in diesem Moment sagte. Was sie vorschlug und was Sousanna von der Idee hielt.

„Ich meine, schließlich heißt es nicht um sonst ´in vino veritas´. Im Wein liegt die Wahrheit. Und Wahrheit ist schließlich nichts anderes als Erkenntnis. Bestimmt würde Alfredo den wahren Wert eines solch edlen Tropfens mehr als zu schätzen wissen. Er könnte sich etwas entspannen und würde sicherlich danach uns armen, einfältigen, jungen Frauen noch einmal versuchen zu erklären, was wir scheinbar nicht verstehen können. Ich meine…“

Die Brujah schwieg für einen kurzen Moment.

„Tiziano wäre sicherlich nicht amüsiert, wenn wir ihn wegen einem solchen…“

Seresas Finger tippelten auf dem Buch.

Missverständnis belästigen würden.“

Dann schien sie erneut für einen Moment nachzudenken.

„Aber womöglich hat Alfredo auf seinen beeindruckenden weiten Reisen auch schon zu viel geschmeckt und gespürt.“

Ihr Blick wanderte zu dem jungen Mann.

„Ich bin sicher du hast auf deinen Reisen schon viel erfahren, Alfredo, nicht wahr?! Ich hörte die Franken frönen dem Körperlichen nicht nur um Gott zu gefallen, sondern auch um ihrer Selbst und ihrer Lust willen.“

Ihre Finger strichen von der Schulter über seinen Oberarm. Sanft, fast zärtlich. Wie ein kleiner, verirrter, gewichtloser Schmetterling.

„Man sagt sie genießen die Lust gänzlich unbekleidet, beim Schein der Fackeln und ihre Frauen würden nicht nur unten liegen, sondern selbst die Dinge in die Hand nehmen und ihre Männer würden dies genießen.“

Ihr Blick senkte sich und wäre sie ein Mensch gewesen, so hätte man wohl ohne Zweifel die Röte in ihrem Gesicht aufsteigen sehen, denn ihre Stimme wurde verlegen. Sie schwieg für einen kurzen Moment, bevor sie leise, fast flüsternd fortfuhr.

„Man sagt, die Frauen dort vermögen es mit ihrer Art, dass über die Lippen der Männer die gar schönsten und herzzerreißendsten Bitten um Gnade wandern, während diese sich lustvoll stöhnend zwischen ihren für sie geöffneten Armen und ihren gespreizten Schenkeln winden.“

Seresa, deren Augen kurz nach oben gewandert waren, senkten sich erneut und ihre Stimme war noch immer weich und ungewohnt lockend, als sie weitersprach.

„Man spricht über ihre von Sehnsucht erfüllten Küsse, die einen immer wieder zu ihnen zurückkehren lassen. Man erzählt davon, wie sich auch die hartnäckigsten, verschwiegensten Zungen willig lockerten, während ihre verschwitzen Körper lustvoll die Erlösung von ihrer bittersüßen Qual erflehen. Wie die Männer auf Knien darum bettelten endlich gänzlich alles loswerden zu dürfen, was sie so sehr beengt und bedrückte. Wie sie ihre salzigen, dankbaren Tränen genießen, wenn sie endlich alles geben dürfen. Ihr Gefühl von Stolz, wenn sie sich der Frau hingeben dürfen, weil sie erkennen, dass es keine Pflicht, sondern eine Ehre ist, ihr zu dienen. Weil sie verstanden haben, dass sie nur ihr Bestes will.“

Ihre braunen Augen wanderten zu Sousanna, bevor sie zurückwanderten zu Alfredo.

„Ist es das, was du dir erneut sehnlich wünscht, Alfredo?!“

Ihre Hand wanderte auf seine Schulter zurück und blieb sanft über seinem Schlüsselbein ruhen, als sie sich ihm erneut zuwandte.

„Oder was ist es, was du tief in deinem Inneren wirklich begehren würdest? Das dich gewillt machen würde, deine Aufschriebe noch einmal mit uns durchzugehen und sie uns tatsächlich in jedem kleinsten Detail zu erklären, damit wir es verstehen und wir gemeinsam einen Weg zur Lösung dieses Missverständnisses finden können.“

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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Sousanna » Di 27. Mär 2018, 20:54

Sousannas Augenbraue schien ein My nach oben zu wandern. Doch wenn ihr Blut eins konnte, dann sich an jede Situation anpassen. Sogar an jene, mit denen sie nie in zehn Jahrhunderten gerechnet hätten, doch immerhin nahm dieser Abend eine interessante Wendung.

Sofort lächelte sie eines ihrer verführerischten Lächeln, während sie näher kam. Ihre Schritte waren die einer geschmeidigen Katze. Ohne sonderlich viel Schwierigkeiten, lehnte sie sich so gegen den Tisch, dass sie gewissermaßen zwischen ihm und der Tischkante eingeklemmt war. "Oh, ich würde nie so etwas scheußliches von einem Mann denken, den ich so sehr bewundere.", erwiderte sie mit niedergeschlagenen Augen. Seresa und ihn würde ihr Duft nach den Schätzen des Orients umfangen wie sanfte Bänder aus Seide.

Etwas Lockendes lag in ihrer Stimme, als sie weiter sprach. Etwas, dessen Anziehungskraft nur ein Mann mit sehr starken Nerven widerstehen konnte. "Mit dir würde ich sogar den byzantinischen Wein teilen, der mir die Freuden meiner Heimat wieder in Erinnerung ruft."
Eine zarte Hand hatte sich an Alfredos Arm gelegt. Sacht wie eine Feder war die Berührung und doch - die andere Tochter der Nacht würde erahnen können, wie viel Kunstfertigkeit, wie viel Bewusstsein über die eigene Schönheit in einer solchen einfachen Berührung lag.

Ihr Blick hielt den des Hehlers gefangen. "Und" Ihr Blick wanderte kurz zur Seite, ehe er glühend wieder zu ihm empor wanderte. "Ich mag zwar keine Frau der Franken sein, aber Seresa ist es. Und die Künste der goldenen Stadt sind auch nicht von der Hand zu weisen." Zufällig verirrte sich ihre Hand an seine Brust. Ihre Finger zogen sachte Kreise.
Gerade da er etwas erwidern wollte, stellte sie sich auf die Zehenspitzen, ihm etwas ins Ohr zu flüstern. Noch bevor sie wieder in ihre ehemalige Position sinken konnte, hatte er geraunt: "Ich würde euch dafür alles erklären - und wenn es die Welt wäre."
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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Seresa » Do 29. Mär 2018, 15:01

„Welch verlockendes Angebot.“

Die Brujah zog sich etwas hinter den Mann zurück und verhinderte damit, dass er ihr Gesicht sah. Die Kälte und Abgeklärtheit, welche darin lag, konnte Sousanna dagegen deutlich darin sehen und straften die freudigen Worte der Brujah üble Lügen. Seresa schien Alfredo wenig zuzutrauen, schließlich schien er noch immer nicht zu realisieren, in welcher Gefahr er sich tatsächlich befand.

„Doch die Welt ist ein weites Feld und würde uns junge Frauen womöglich überfordern.“

Seresas Stimme kam von hinter Alfredo und war nahe an seinem anderen Ohr. Warm und säuselnd, redeten die beiden Raubtiere auf ihre auserkorene Beute ein. Weshalb die Schafe aufschrecken?! Es machte die Jagd nur unnötig grausam.

„Wir sollten langsam anfangen, meinst du nicht auch, Alfredo?“

Ihre Finger strichen in einer ruhigen und dennoch verspielten Bewegung langsam über seine Haare. Von seiner Schläfe, um sein Ohr herum, entlang seines Haaransatzes hin in Richtung Nacken, ohne seine Haut tatsächlich dabei zu berühren. Wie ein sanfter Windhauch, der wellenförmig durch seine Haare blies.

„Uns völlig dem hier und jetzt widmen.“

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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Sousanna » Do 29. Mär 2018, 22:03

Sousannas Worte und Berührungen blieben Federn auf gereizter Haut. Linderung und Reizung zugleich. Sie schien Honig auf seiner Seele zu sein und ihm zugleich kleine Stiche zu versetzen.
Und so redete er. Vermutlich ohne es zu merken, denn ihre Lippen und Hände waren überall und brachten Freude und Qual zugleich. Jedes seiner Worte wurde belohnt und jede schlechte Lüge fand auf ihre Weise eine Bestrafung. Seine Worte flossen und ihre Liebkosungen ebenfalls.
Zwar ließ sich die Ravnos scheinbar als bloßes Objekt gebrauchen, doch sie führte dieses Gespräch. Das zarte Wesen mit den sanften Augen war die unbarmherzige Herrscherin dieser Szene. In all ihrer Unschuld blieb sie der Succubus - eine Dämonin, die sich nahm, wonach ihr war, selbst wenn es so aussah als gäbe sie ohne Geiz.

Bald hatte er alles ausgeplaudert, das beide Frauen brauchten.

Am Ende würde er einen letzten Kuss auf die Lippen bekommen, dessen Lächeln allerdings bereits nach Gift schmeckte. Sacht und in einer beinahe liebevollen Geste strich sie ihm noch einmal mit dem Handrücken sacht über die Wange.
"Siehst du", hauchte sie leise und lehnte sich wieder elegant zurück. Wie sie sich nun genüsslich räkelte, war die Schönheit aus der Goldenen voll und ganz zu erkennen. "So schwer war die Erklärung doch gar nicht. Zumindest ich glaube, es jetzt wirklich verstanden zu haben. Mehr als ich dachte... Wie ist es bei dir liebste Freundin?"
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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Seresa » Mi 4. Apr 2018, 12:50

Seresa nickte und ein Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie sich hinter Alfredo hervor bewegte. Ihre Finger strichen sanft und wohlwollend über seinen Rücken kurz unterhalb seines Nackens entlang. Wenn er erhofft hatte auch von der Fränkin einen Kuss zu erhaschen, so blieben seine Wünsche in jener Nacht jedoch unerfüllt, denn Seresas Haut war im Gegensatz zu Sousannas blass und kalt und sie hatte nicht vor, dies ohne einen berechtigten Grund zu verändern.

„Durchaus, liebste Freundin. Ich bin sehr froh, dass wir dieses Missverständnis auflösen konnten.“

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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Sousanna » Fr 6. Apr 2018, 13:59

Der Hehler wirkte noch nicht ganz so gefasst, als dass er die Bedeutung dieses Gesprächs tatsächlich begreifen konnte. Er schien viel eher noch mit Atmen und verträumten in die Luft Starren beschäftigt zu sein.
Mit einem mysteriösen Lächeln begann die Tochter der Nacht erneut ihr Mieder zu schließen und beschäftigte sich einige lange Augenblicke damit, ihr Haar zu richten. Jede ihrer Bewegungen blieb Schönheit und Verführung, allerdings viel beiläufiger als eben noch.

"So können wir schließlich erleuchtet von dir scheiden.", grinste sie ihn schließlich an und würde sich tatsächlich zum Gegen wenden, ehe ihm offensichtlich noch ein halbwegs kluger Gedanke kam und er sich noch ein letztes Mal an die beiden Frauen wandte: "Wird Tiziano hiervon erfahren?" Offensichtlich hatte er sich daran erinnert, dass der Schläger nicht gerade für seine Freude am Teilen bekannt war.
Mit Sousannas Lächeln hätte man ohne Schwierigkeiten durch Stahl schneiden können. "Wo denkst du hin? Ihre Stimme war sanft, doch wieder spürte man die eisige Klinge, die sich unter dem Samt verbarg deutlich. "Einen guten Mann, der ihm seine Abgaben stets ehrlich zahlt, würde ich doch nie verraten. Es geht ja schließlich um Vertrauen."
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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Seresa » So 8. Apr 2018, 10:36

Seresa war Sousanna gefolgt, als sie sich zum Gehen gewandt hatte. Als diese stehen geblieben war, um noch einmal mit dem Mann zu sprechen, war auch die Brujah stehen geblieben. Ihre Hände lagen ruhig mit geöffneten Handflächen nach oben aufeinander. Wie zur Bestätigung der Worte der Ravnos nickte Seresa.

„Nein, das würde sie nicht.“

Ein geübtes Lächeln umspielte Seresas Lippen.

„Und ich - als ihre liebe Freundin - auch nicht. Es geht ja schließlich um Vertrauen.“

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