[1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Sousanna
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[1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Sousanna » So 11. Mär 2018, 17:35

Das Knacken von Knochen unter einem Schlag war stets ein seltsames, unangenehmes Geräusch. Noch seltsamer aber war es, wenn keiner der Anwesenden auf den darauffolgenden Schrei und Fluch auch nur in irgendeiner Form reagierte. In einer erschreckenden Lässigkeit wischte sich Tiziano das Blut eines anderen Mannes von der Hand und Sousanna, die in unpassender Eleganz im Türstock lehnte, zeigte ihr kühles Winzlächeln. Die anderen drei Bandenmitglieder blickten so unbeeindruckt drein, als hätten sie gerade etwas völlig alltägliches betrachtet. Wobei vermutlich war es für sie alle ein absolut alltägliches Geschäft.
"Also", grinste Tiziano den Tagedieb gönnerhaft an, der gerade seine gebrochene Nase hielt und sich geradeso zusammenriss, nicht noch unverschämter zu werden, als bisher. Sie alle wussten, dass es sonst noch schlimmer werden würde. "Wir setzen jetzt den Vertrag auf, wie es die hohen Leute tun würden und schon sind wir wieder weg. Niemand kommt zu Schaden. Vorteile für beide Seiten."
Die recht unwillige Antwort, dass er ja ohnehin keine Wahl hatte, ignorierten alle der kriminellen Gesellschaften.

Nun löste sich die Schöne von der Wand und würde Seresa, die sie zu diesem "Hausbesuch" verdonnert hatte, ruhig annicken, ehe sie das Ruder übernahm. Es war Sousanna, die hinter der Fassade von Tizianos Liebchen wirklichen Geschicke der Bande führte, das hatte die Brujah inzwischen schon bemerkt. - Und da es sich im heutigen Verhandlungspartner um einen fremden Edelmann mit sehr viel Pech handelte, hatte man sich entschieden, dass er die Ehre eines Treffens mit ihr und vor allem eines richtigen Vertrags bekommen würde.
So würde sie gelassen mit den Verhandlungen beginnen, nachdem ihre Schreiberin den Platz eingenommen hatten, wobei durch die bloße Übermacht an roher Gewalttätigkeit klar war, dass dies hier ein reines Diktieren von Bedingungen war.
Ebenfalls zeigte sich, dass die Ravnos es gewohnt war, Verträge direkt im Diktat zu verhandeln. Das Erbe ihrer Familie schlug wohl doch immer wieder durch. Hin und wieder suchte sie den Blick der Anderen, um bestätigt zu bekommen, dass die wichtigsten Eckpunkte aufgenommen waren.
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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Seresa » So 11. Mär 2018, 19:06

Seresas Blick war auf den fremden Edelmann gefallen, als sie den Raum betreten hatte. Der kurzfristige Hoffnungsschimmer in seinen Augen erstarb, als sich im Blick der Brujah kein Mitleid für ihn und seine Situation wiederspiegelte. Trotz allem schien etwas den Blick der Gelehrten länger auf der gebrochenen Nase gehalten zu haben. Schließlich hatte sie sich davon losgerissen, gesetzt und geschrieben was ihr diktiert wurde.

Als Sousanna schließlich geendet hatte wartete Seresa einen kurzen Moment. Dann las sie laut, deutlich und langsam vor, was sie geschrieben hatte. Danach erhob sie sich, ging zu dem Mann und reichte ihm das Schreibgerät. Ihr Blick verweilte auf seiner Nase, während sie auf eine Stelle auf dem Vertrag deutete.

„Drei Kreuze hier oder eine Unterschrift, so Ihr schreiben könnt.“

Widerwillig, jedoch ohne weiteren Widerstand unterzeichnete der Mann, was Seresa ihm hingehalten hatte. Dann nahm die Brujah ihm das Schreibgerät ab und zeichnete ihrerseits etwas auf das Pergament. Der Mann wollte sich gerade lautstark beschweren, als Seresa seine Hand, welche noch immer die blutende Nase hielt, am Handgelenk packte und sie auf den Vertrag drückte, so dass sich frisches Blut und frische Tinte zu einem eindeutigen Abdruck vermischten, der sowohl an seinem Finger, wie auch auf dem Vertrag zurückblieb. Trotz seines kurzen Widerstandes, schien die schwächlich aussehende Frau keine Mühe damit gehabt zu haben, seine Hand ihrem Willen untertan zu machen. Auch schien sie keinerlei Sorge oder Angst zu haben, dass Tiziano und seine Männer sich um den Ehrenmann gekümmert hätten, hätte er sich gegen die Behandlung durch die Gelehrte aufgelehnt. Schweigend blickte Seresa auf ihre Finger, an welchen sich Reste von seinem Blut befanden. Sie zerrieb das Blut nachdenklich auf ihren Fingern, bevor sie schließlich die Finger zur Faust ballte und mit einem fast bedauernden Gesichtsausdruck das Blut am Umhang abwischte. Mit ruhigen Händen nahm sie den Vertrag dann auf, ging zu Sousanna und ließ zu, dass die Ravnos die Arbeit ihrer persönlichen Schreiberin beurteilte.

„Durch Zeichen und Blut besiegelt.“

Eben jene Worte befanden sich unter der Unterschrift des Mannes, hinter welcher sich das Schwarz der Tinte und das Rot seines Blutes zu einem braunen Symbol aus breiten Balken und feinen Linien vermischt hatte.
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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Sousanna » So 11. Mär 2018, 20:00

Die Hehlerin und ihre Gesellen hatten ruhig zugesehen. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, hatten sie die kurze Szene beobachtet. Nur Tiziano hatte seine Herrin einen Augenblick lang angesehen und seine rechte Augenbraue war einen Millimeter nach oben gewandert, doch ein leichtes Zucken ihrer Schultern ließ auch ihn mit den breiten Schultern zucken. Solange der Kerl sich fürchtete, würde er alles zulassen. Immerhin überzeugte ihn das eher seine Schulden zu zahlen.

Elegant nahm Sousanna unterdessen das Blatt entgegen und studierte ihn noch einmal nachdenklich. Dann erhellte ein gemeines Grinsen ihr Gesicht, stand im krassen Gegenstand zu ihrer Unschuld. "Gut, gut", urteilte sie und reichte Tiziano das Pergament, der es annahm - nicht ohne demonstrativ den Arm ungebührlich tief um sie zu legen. Ein Spiel zwischen den beiden, das Seresa nun schon häufiger gesehen hatte. In der Öffentlichkeit blieb die Ravnos sein Mädchen, die private Hure des Anführers der Bande, die wohl einiges im Kopf hatte und deshalb mitmischen durfte.

Dann wandte die junge Frau sich wieder zu ihrem Opfer und lächelte es wieder mit einer Bösartigkeit an, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen konnte. "Damit wäre das wohl geklärt.", hauchte sie und würde die Hand in einer fast schon liebevollen Geste an die Wange legen, während sich ihre Gesichter noch näher kamen. Die Intensität ihres Blicks hätte darauf schließen können, dass sie sich bald küssten - wäre da nicht die Furcht ihres Gegenübers gewesen. Er hatte nicht vergessen, weshalb seine Nase gebrochen worden war. "Und wenn du noch einmal auch nur darüber nachdenkst, ob du mich eine griechische Ziege nennen willst, sorg ich dafür, dass dein kleines Töchterlein eine meiner Freundinnen im Alla Murra wird, ja?" Während er erbleichte, wurde ihr Lächeln noch zuckersüßer.

Mit einem letzten Tätscheln seiner Wange würde sie schließlich wortlos den Raum verlassen und der Brujah mit einem Wink der Hand bedeuten, ihr zu folgen.
Gelassen stieg sie die schmale Stiege hinunter und würde auf dem Weg noch zu Seresa hinübergrinsen als wäre dieser ein großartiger Streich gelungen. "Ich muss sagen, ich bin beeindruckt, meine Liebe.", erklärte sie vergnügt, während man von oben noch hören konnte, dass Tizianos Leute den Vertragsabschluss noch auf ihre Weise besiegelten. Es hätte beinahe noch gefehlt, dass sie fröhlich vor sich hingesummt hätte. "Es scheint fast, als hättet ihr Übung darin Geständnisse und Vertragsschlüsse durchzusetzen. Tut ihr sowas öfter?"
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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Seresa » Mo 12. Mär 2018, 03:35

Seresa hatte ruhig ihre Sachen zusammengepackt, während Sousannas mit dem Vertragspartner geflüstert hatte. Die Erwähnung eines Töchterleins hatte dafür gesorgt, dass ihr Blick kurz zu den Beiden gewandt war, jedoch ohne, dass sie den Kopf tatsächlich in die Richtung gedreht hätte. Doch der Blick währte nicht lange und stumm folgte sie der Ravnos nach draußen. Auf Sousannas Geständnis, dass sie beeindruckt war, hatte Seresa respektvoll ihr Haupt gesenkt. Als die Ravnos geendet hatte, antwortete Seresa.

„Wie ich Euch bereits sagte, sehe ich mich und mein Tun als Werkzeug. Nicht ich entscheide, sondern der Herr oder die Herrin in dessen oder deren Dienste ich stehe. Verstehen sie das Werkzeug weise zu nutzen, wird es ihnen gute Dienste leisten.“

Die Laute von oben hatten kurz Seresas Blick dorthin gezogen, bevor er zu Sousanna zurückgewandert war. Tatsächlich stören schienen sie die Geräusche nicht.

„Ich bin Schreiberin, Sousanna. Von mir wird neben Diskretion und Verschwiegenheit erwartet, dass Verträge verbindlich unterzeichnet werden. Durch Zeichen und Blut besiegelte Verträge sind in manchen Kreisen nichts weiter Ungewöhnliches. Eine Erinnerungshilfe, wenn man es so nennen möchte.“

Seresa zuckte leicht mit den Schultern.

„Ich empfand es der Situation angemessen und dem Vertrag zuträglich.“

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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Sousanna » Mo 12. Mär 2018, 11:52

Ein amüsiertes Lächeln flackerte zu Seresa hinüber. "Nun stellt euer Licht doch nicht unter den Scheffel.", mahnte sie offensichtlich grandios gelaunt. Besaß die Ravnos tatsächlich eine unter Unschuld und hübschem Aussehen verborgene Freude an Gewalt? Vor allem an solcher, die von ihr und ihren Schergen ausging?
"Das war ein guter Einfall für jemanden, der für gewöhnlich wenig mit den Niederungen der Gossen zu tun hat. - Zumindest habe ich bisher vermutet, dass euch das Geschäft mit dem Verbrechen eher weniger liegt. Ich bestehe meist eher bei wichtigeren Partnern auf so etwas - aber diese Leute sind abergläubisch." Ihr Lächeln wurde zu einem schadenfrohen Grinsen. "Sie erzählen sich dann, dass Dämonen kommen und ihnen ihr gesamtes Blut aussaugen, wenn sie sich nicht an die Abmachungen halten. Irgendwie prophetisch nicht?"

Beschwingt trat Sousanna hinaus in die warme Sommernacht und streckte sich genüsslich. "Man könnte eine Geschäftsmasche daraus entwickeln. Gold gegen Blut...", witzelte sie leise. "Die Leute würden den Teufel tun, ihre Schulden nicht genau dann zu begleichen, wenn man es sagt. Ihr könntet euch daran beteiligen." Im schelmischen Zwinkern wurde nicht offenbar, wie ernst Sousanna das tatsächlich meinte.
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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Seresa » Mo 12. Mär 2018, 19:38

„Euer Ruf ist wichtig, Sousanna. Jemanden zu erlauben Euch eine griechische Ziege zu nennen würde weiteren Schmähungen Tür und Tor öffnen. Was würde man Euch als nächstes nennen? Eine babylonische Hure?!“

Seresa schüttelte den Kopf.

„Nun, wie ich bereits sagte. Ich empfand es der Situation angemessen.“

Die Brujah nickte der Ravnos zu.

„Was Eure Meinung über mich angeht, so mag dies wohl ohne Zweifel darin begründet liegen, dass unser Kennenlernen…“

Sie schwieg für einen kurzen Moment.

„Nun ja. Zumal ich dann Euer erstes großzügiges Angebot bedauerlicherweise ablehnen musste, da es sich - wenn auch indirekt - gegen ihre höchst verehrte Majestät gewandt hätte. Eine Tatsache, welche ich nicht riskieren durfte, war und ist meine Situation in Genua bekanntermaßen wahrlich kompliziert genug. Was Euren Einwand jedoch angeht, Sousanna, so vergesst bitte nicht, dass auch ich ein Leben vor Genua hatte. Meine Dienste stehen und standen Jedem offen, der bereit ist oder war, dafür auf die eine oder andere Art und Weise zu zahlen.“

Die Brujah verneigte sich respektszollend vor der Ravnos.

„Was Genua angeht, so hatte es mit Teufeln und Dämonen im Krieg zu kämpfen und leidet seither am Hunger.“

Seresa zuckte leicht mit den Schultern.

„Wer sollte es ihnen da verübeln, in jenen leidvollen Tagen und dunklen Nächten ohne einen Hoffnungsschimmer am Horizont, um das eigene Leben zu fürchten. Davon ab, dass die Teufel sich scheinbar auch nach dem Krieg noch in Genua versteckt gehalten hatten. Die Geschichte mit Pater Christiano. Ihr hörtet davon?! Schreckliche Geschichte! Bis zur heutigen Nacht wurde dieser Teufel scheinbar noch nicht gefasst.“

Sie schüttelte leicht den Kopf.

„So verlockend Eure neue Geschäftsmasche auch sein mag, ist sie womöglich derzeit etwas...“

Die Brujah schien nach dem richtigen Wort zu suchen.

„Unangebracht. Die Herde ist schwach, ausgedünnt und nervös. Keine guten Voraussetzungen für ein einträgliches Geschäft denke ich.“

Seresa zuckte leicht mit den Schultern.

„Aber Ihr seid von uns beiden die erfahrene Geschäftsfrau. Ich verstehe mich nur auf das Verfassen von Verträgen.“

Dann ging ihr Blick nachdenklich zurück auf das Haus, in welchem die vier Männer noch immer zu Gange waren. Für einige Momente schwieg sie.

„Jedoch gestehe ich, hätte ich womöglich tatsächlich etwas, woran Ihr Euch beteiligen könntet. Unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit und so weiter und so fort.“

Seresa machte eine wegwerfende Geste, als sei diese Formalität im Moment nicht so wichtig. Ihr Blick wanderte ruhig zurück zu Sousanna.

„Sofern Ihr tatsächliches, redliches und längerfristiges Interesse daran hegen würdet mit mir zusammenzuarbeiten.“

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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Sousanna » Mo 12. Mär 2018, 20:24

Sousannas Grinsen wurde noch breiter und verspielter, als läge darin ein Witz, den die Brujah bisher noch nicht erkannt hatte. "Dann wiederum hätte er einen Kuss und keine gebrochene Nase bekommen.", meinte sie mit einem lässigen Blick. "Immerhin wäre das beinahe ein Kompliment gewesen."

Leicht zuckte sie dann die Schultern und ging weiter. Etwas an der guten Laune in ihrem Blick war verschwunden. "Ihr sprecht nicht viel über eure Vergangenheit.", gab sie etwas kühler zurück. Ihr waren die wenn auch noch so geschickt verpackten Vorwürfe nicht entgangen. - Zumindest konnte man ihre Worte so interpretieren. "Aber um das klar zu stellen: Ich würde nie der Herde ihrer Majestät schaden oder mich gegen die höchst verehrte weiße Prinzessin stellen. Ich folge nur ihrem Auftrag an mich."
Dann aber drang das listige Lächeln wieder auf ihre Lippen und man konnte sie erneut als perfekte Tochter der Wanderer erkennen, während sie sich wie gemalt an eine der Mauern in der Nähe lehnte, um auf ihre Leute zu warten. "Aber was unangebrachte Geschäfte angeht - die sind das Privileg der Reisenden und Meister der Illusionen. Sagen wir das ist unser Spezialgebiet."

Langsam hob sich schließlich eine der eindrucksvollen Augenbrauen, während sich ihr Blick auf Seresa legte. "Was für ein Angebot hättet ihr mir zu machen?", fragte sie in jenem Ernst, den die Ravnos nur an den Tag legte, wenn ein Handel bevorstand.
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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Seresa » Mo 12. Mär 2018, 22:28

Seresa hatte sich den Schritten Sousannas angeschlossen. Einen halben Schritt ging sie hinter der Ravnos. Eine selbstgewählte Position. Als Sousanna endete, antwortete die Brujah.

„Verzeiht, Sousanna. Ihr habt mich missverstanden. Ich würde einer Vasallin ihrer höchst verehrten Majestät Aurore niemals unterstellen, dass sie wissentlich oder willentlich gegen sie handeln würde.“

Die Brujah senkte tief ihr Haupt und hätte gewartet, bis die Ravnos ihre Entschuldigung angenommen hätte. Dann erst hätte sie weitergesprochen.

„Was das Angebot angeht, so ist noch nichts in Stein gemeißelt. Es wäre eine langfristige Planung, so es mir tatsächlich durch ihre höchst verehrte Majestät gestattet werden würde, länger in Genua zu verweilen. Regelmäßige Einnahmen in einem kleinen, überschaubaren Rahmen. Keine großen Summen, aber ein solider Ertrag, um ein einfaches Leben in Genua aufzubauen.“

Sie schwieg für einen kurzen Moment, während ihre Augen noch immer in jenen der Ravnos lagen.

„Ich würde jemanden benötigen, der hierfür einen guten Handel abschließt und dafür eine regelmäßige Beteiligung an den Gewinnen erhält. Jemanden, der gelegentliche Nachkorrekturen durchführt, wenn sich die Einnahmen stark verändern würden. Keine interessante Herausforderung für eine Frau mit Euren Möglichkeiten, jedoch nichts, worin ich mich selbst verstehen würde.“

Die Brujah nickte Sousanna höflich zu.

„Zumal ich wahrlich kein Interesse daran hätte, mich mit mehreren Schuldeintreibern herumschlagen zu müssen, die letzten Endes Unruhe in mein Vorhaben bringen würden. Es würde womöglich schnell für alle Seiten ungesund werden, wenn ich meine Geduld verliere. Meine Absicht ist - wie ich bereits sagte - in Genua zu verweilen. Weshalb also nicht die lästigen Zwischenhändler überspringen und mich direkt damit an Jemanden wenden, die selbst davon profitieren würde, wenn ich ihr eine größere Summe zahlen kann? Die den Wert meine Arbeit zu schätzen weiß und die gewillt war mich meine Schuld redlich abzahlen zu lassen.“

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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Sousanna » Di 13. Mär 2018, 18:27

Eine lässige Geste zeigte, dass der kleine Tadel bereits vergessen war. Seresa würde bereits erlebt haben, dass die Hehlerin schnell dazu neigte, kurz heftige Wellen aufzuwirbeln, die sich jedoch rasch wieder legten. Ihre Wutausbrüche waren selbst unter den rauesten Gesellen von Tizianos Bande legendär und gefürchtet. - Doch ebenso schnell wie ein Messer durch den Schankraum des Alla Murra flog wurde sie wieder der Charme in Person.

Das Angebot ließ sie sich über die vollen Lippen lecken und etwas trat in ihren Blick, das die Brujah dort noch nie gesehen hatte. War es ... Hunger? Nein, noch viel düsterer als die Gier nach Blut. Noch tieferlegender. Sie würde bereits bemerkt haben, dass Sousanna überraschend beherrscht war, was Blut anging, doch diesem Drang, der gerade in ihr aufflammte, schien sie weit weniger widerstehen können.
"Worum geht es ... genau?" Selbst ihre Stimme hatte den Sanftmut verloren. War hungrig, lauernd. Ihr Blick schien auf die Schreiberin fixiert, als könne sie sie damit auf die Stelle bannen, an der sie stand.
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Re: [1006] Das tägliche Gesindel [Seresa]

Beitrag von Seresa » Di 13. Mär 2018, 19:46

„Nun, wie ich Euch bereits sagte, Sousanna, ist dies nichts was ich angehen würde, ohne wahrlich sicher zu sein, dass ich in Genua verweilen darf.“

Seresa schwieg für einen kurzen Moment.

„Nichts, was ich wagen würde anzugehen, ohne Euch und Eure wohlwollende und helfende Hand.“

Sie nickte der Ravnos höflich zu.

„Ich würde Euch die Überlegung vermachen, sofern ich Genua verlassen müsste, um meinen erneuten Verzug bei Euch angemessen zu begleichen, bis ich von anderswo jemanden gefunden hätte, der oder die bereit wäre, für mich zu bürgen bei ihrer höchst verehrten Majestät. Die kann jedoch womöglich dauern.“

Erneut schwieg die Brujah für einen kurzen Augenblick.

„Ich gestehe, es würde mir zur Ehre gereichen, wenn ich diese Unannehmlichkeiten zu umgehen wüsste und ich stattdessen in Genua ohne Unterbrechung verweilen dürfte, um weiterhin und noch stärker für Euch zu arbeiten, sofern dies Euch zur Ehre gereichen würde, Sousanna.“

Seresas Blick war fragend auf die Ravnos gerichtet.

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