[1006]Dampf und heißes Wasser [offen]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Titus
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Re: [1006]Dampf und heißes Wasser [offen]

Beitrag von Titus » Di 10. Apr 2018, 23:51

Seine Stimme bekam wieder einen Klang, Bitterkeit, die das erlebte wiederspiegelte und zu einem ständigen Gefühl seiner weiteren Geschichte wurde.

"Als ich erwachte lag ich im Lager eines Söldnerhaufens...sie haben mich gefunden und meine Wunde notdürftig behandelt. Ich schloss mich ihnen an, lernte kämpfen, töten...nahm Rache an dem, was meiner Familie angetan wurde...die Söldner waren keine große Bedrohung für die Sarazenen, doch gelang es uns sie hin und wieder zu überfallen. Ich tat unvorstellbares in dieser Zeit... doch als die Söldner einer ernstzunehmenden Gruppe von sarazenischen Kriegern gegenüber stand, wurden sie alle abgeschlachtet...ich allein entkam...verletzt schleppte ich mich in ein Kloster...wo ich auf meinen ehrwürdigen Erzeuger Gaius traf...oder viel mehr...er fand mich..."

Er überlegte einen Augenblick, doch beschloss er offensichtlich, dass an dieser Stelle seine Geschichte ein Ende gefunden hatte.

"Doch das ist eine Geschichte, für die ihr nicht bezahlen könnt..."
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Livia
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Re: [1006]Dampf und heißes Wasser [offen]

Beitrag von Livia » Mi 11. Apr 2018, 00:13

Livia hatte auch diesen letzten Teil der Geschichte aufgesogen, wortlos und mit versiegenden Tränen - doch ohne ebenjene wegzuwischen.

Sie hatte keine Worte für den Kappadozianer - ungewöhnlich, er sprach so viel und sie schwieg.

Einige Momente atmete sie nur tief durch.
"Danke... an den Mann, der ihr wart, und an das Wesen, das ihr seid..."
Sie lächelte traurig und nickte. Es, er, war nun verständlicher.
Damit hatte sie nicht gerechnet... und doch, es war so intensiv. Unerwartet.

Weiterhin tief berührt versuchte sie sich langsam auf dem Niveau zu fassen, wie auch der Kappadozianer es bereits tat. Seine Emotion war immens, überraschend immens und lebendig.

"Eines Nachts habe ich womöglich den Wert, den Preis, es zu zahlen..." Versuchte sie aufmunternd zu lächeln, doch wahrlich locker war es noch lange nicht.
"Ihr jedenfalls habt euer Wort mehr als nur gehalten... und eure Geschichte..." Sie lächelte noch einmal von tiefer Traurigkeit.
Weiterhin ließ sich etwas nicht abschütteln, etwas, das die Geschichte des Kappadozianers in ihr ausgelöst hatte - aber zeigen, wollte sie es auch nicht einfach so. Von sich selbst zu erzählen, wäre auch mehr als Pietätslos in diesem Augenblick. Wohin des Kappadozianers Frage jedoch zielen würde, konnte Livia nicht erahnen...
doch noch ging ihr Titus menschliches Leben - und jener seltsame Bezug zu ihr selbst - nicht aus dem Sinn.

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Titus
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Re: [1006]Dampf und heißes Wasser [offen]

Beitrag von Titus » Mi 11. Apr 2018, 11:59

"Der Mann, der ich war existiert nicht mehr..."

Die emotionslose Kälte in seiner Stimme war nun vollends zurück gekehrt, gestärkt durch den kürzlich erfolgen Ausbruch. So als wäre es eine kurze Nachlässigkeit gewesen und er würde es nicht noch einmal so schnell dazu kommen lassen.

"Das was ich jetzt bin, ist ein Werkzeug Gottes, geschaffen, um sein Werk auf Erden zu tun..."

Titus schien damit nicht weiter über sich und seine Vergangenheit reden zu wollen.

"Erzählt mir Eure Geschichte."
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Re: [1006]Dampf und heißes Wasser [offen]

Beitrag von Livia » Do 12. Apr 2018, 16:25

Livia sah die schweren Lippen zu den harten Worten des finsteren Kappadozianers mitfühlend an, sie konnte nur ebenso finster nicken. Sein Schluss war wohl stark und wahr und... richtig.
Er war dieser Mann nicht mehr - aber seine Spuren zogen sich überdeutlich, nicht nur über den Leib, des Kappadozianers.

Sie selbst haderte kurz. Blickte erneut ins Wasser, zu Titus, überlegte wohl. Am liebsten hätte sie ihn nie gefragt, der Preis für ihre Neugierde war groß... nicht teuer, doch schmerzhaft.

Dann setzte sie an zu sprechen - völlig authentisch und kunstlos, ohne Cantierung, ohne Reim, mit gewöhnlicher Betonung - nun, ein wenig unsicherer noch als sonst und mit etwas anderer Art von Gefühl: Angstvoll? Leidend? Fürchtete sie sich vor der Verurteilung durch die Geißel? Oder vor etwas anderem?

"Ich bin ein Kind, im Vergleich zu euch, wohlwerter Herr...
als Sethskind hieß ich Livia und stamme von einem stolzen Panzerreiter und einer Edeldame aus Bari ab, meine wenigen Erinnerungen an die früheste Jugend... sie waren glücklich, hell, voller blendender Sonnenpunkte, einer Klippe direkt an unserer Villa, dem Strand, dem warmen Sand, den Küssen einer schönen jungen Frau mit Locken wie die meinen..." Sie lächelte schwelgend und hielt sich ihre Tränen noch zurück.

"Und dann werden sie schwer, bleiern, eisern eher... im Blick und im Geschmack. Ich sah und schmeckte Blut, roch und fühlte Feuer... Bari und sein Umland wurde verwüstet - wie Genua - und meine Familia...
sie..." Sie schluckte.
"Erlebte das gleiche Schicksal, wie die eure..." Sie sah Titus kurz an, hielt die Tränen zurück.
"Ihr könnt es mir sicherlich kaum glauben... doch ich schwöre es euch, ich lüge nicht!" Sie zuckte kurz, als sei sie es gewöhnt, dass so manches Wort eines niederen Clanes in Frage gestellt wurde, doch sie wollte ihre Geschichte jetzt nicht ändern, nur um nicht aufzufallen, sich nicht zu öffnen, sie wollte es erzählen!

"Einzig... ich war das Kind, die jüngste Tochter, nicht der Vater...
Mein Vater ergriff wie auch ihr es tatet die Waffe, die Lanze, doch er hielt nicht stand... meine kindliche Erinnerung gibt mir nicht preis, was genau geschah. Blutend ging er zu Boden, anders als ihr, erhob er sich nie wieder...
Meine Mutter..." Sie schluckte und brach ab.

"Ich selbst war keine Hand voll Sommer alt, dies war wohl mein einziges Glück, denn ich landete unverletzt und unberührt in einem Sack der Angreifer. Meine geliebte Schwester überlebte die Nacht auch, doch ihr war weniger Gnade zuteil..." Jetzt stahl sich die erste düsterrote Träne über ihre eigene Geschichte über ihre Wangen.
"Wir waren gehalten, mit vielen anderen Kindern großer, reicher oder wichtiger Familien und nur mein Kindlichkeit schonte meinen Verstand und meinen Leib von der vollen Wucht der Erlebnisse..."
Sie schluckte.

"Die reiche Beute die wir waren... wenig später wäre mir sicher das finsterste Schicksal in den Haremskerkern eines feisten Emirs zuteil geworden... doch diese reiche Beute lockte andere an und so wurden wir von einer Flotte der Pentapolis - den ärgsten Feinden Sizilias - gerettet... und ich kam nach Rimini." Sie schluckte, wischte sich nun selbst rasch die einzelnen Tränen von den Wangen, zwei mal im selben Zuber Blut zu vergießen...
"Mein wahres Schicksal begann erst dann... doch es liegt im Blute meiner menschlichen Familie, dass ich ihnen zur Aufmerksamkeit wurde und ebenso im Blute... nun... wie bei euch... der Heiden, der Sizilianer, der Sarazenen... deren verdammtes Blut als Strafe floss." Grimmig blickte sie ins Wasser. "Doch ich war das Kind und wurde eine Frau und konnte nicht einen Tropfen dieses Blutes selbst vergießen..."

Dann fixierte sie Titus wieder, weiterhin mit zitternden Augen, verletzlich aber doch auch sicherer als zuvor... sie hatte wahr gesprochen... sie war das Kind gewesen, die Tochter gewesen.

Die Tochter, von der Titus aus der Geschichte, wohl über ein Jahrhundert zuvor, gesprochen hatte...

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Re: [1006]Dampf und heißes Wasser [offen]

Beitrag von Titus » Mo 16. Apr 2018, 21:11

Titus hörte ihrer Geschichte mit unbewegter Miene zu. Anders als die rothaarige Kainitin bei seiner Geschichte schien er keinerlei Anteil an dem Leid zu nehmen, welches sie in ihrer Erzählung vortrug. Entweder hatte er jede Form von Mitleid in dem Jahrhundert seiner Existenz vergessen, oder er hatte bei seiner Geschichte das Maß an Emotionen was er im Stande war zu zeigen verbraucht. Er beobachtete ihr Gesicht, die Muskeln, die diesem einen gewissen Ausdruck verliehen. Abschließend, als sie ihre Erzählung zunächst beendet hatte, nickte er.

"Mir scheint, als gäbe es etwas, was wir gemeinsam haben..."

Ob er es bedauerlich fand oder erfreulich, konnte man nicht genau sagen. Es war eine bloße Feststellung und konnte in die eine oder andere Richtung gedeutet werden.

"Was empfindet Ihr, wenn Ihr einen Sarazenen seht?"
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Re: [1006]Dampf und heißes Wasser [offen]

Beitrag von Livia » Mo 16. Apr 2018, 21:41

Livia zuckte erst noch ein paar Mal still, dann verharrte sie einen sehr langen Augenblick.
"Regt sich nichts mehr in euch?" Fragte sie, mit einem traurigen Lächeln, die letzten roten Spuren noch in ihrem Gesicht.
"Ihr seid... der Erste, dem ich meine so gewöhnliche wie auch hilflose Vergangenheit erzählt habe, hier in Genua.
Wer hätte gedacht, dass ich so jung bin, dass nicht einmal mein Leid mehr einzigartig ist?" Gluckste sie in einer leicht verzweifelten Art schnaubend.
"Aber ja... wir tragen wohl eine gemeinsame... Erinnerung." Fügte sie dann bitter hinzu.

"Was ich empfinde?" Hauchte sie nun eiskalt - Titus war wohl auch der erste Kainit in Genua, der Livia auch nur im Ansatz in Wut erlebt hatte.
"Hass..." Dann blickte sie beschämt ins Becken - die Flut der Wut hatte sich eben so rasch gelegt, wie sie aufgekommen war.

"Aber Hass ist eine Sünde..." Fügte sie dann langsamer hinzu, flüsterte es fast.
"Aber wenn ich sie sehe und höre und.... rieche..."

Ihr Blick wandte sich wieder zu Titus, flackernd erneut auf.
"Kennt ihr diesen Geruch, den sie haben?" Offensichtlich wollte die Merkurianerin gerne ausspucken, aber hatte sich schon soweit wieder beruhigt, dass sie es unterließ. "Nach Kümmel und Schweiß und ihren widerlichen Reitchimären...
Er ist widerlich.. man will ihr Blut nicht trinken, man will ihre Sprache nicht sprechen, man will nicht einmal ihre Waren annehmen..."
Livia schüttelte den Kopf, sie hatte mehr gezischt, als gesprochen. "Alles was sie bringen, ist Zerstörung... von der großen Blibliothek in ihrer Geburtsstunde zum blühenden Genua... und jeden Tag unermessliches Leid an anderer Stelle durch ihre verfluchten und gierigen Hände." So kotzte sich die Merkurianerin zumindest verbal aus - fast unstatthaft, aber noch war sie sich dessen nicht ganz bewusst.

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Re: [1006]Dampf und heißes Wasser [offen]

Beitrag von Titus » Fr 20. Apr 2018, 13:40

"Das was Ihr verspührt ist kein Hass...es ist ein gerechter Zorn. Diese...Teufel...glauben nicht an Gott...nicht an Jesus Christus...nicht an die Auferstehung und nicht an das ewige Leben. Sie dienen dem Teufel und wissen es vermutlich auch noch nicht mal. Aber es ist eine gute Tat, sie zu bekämpfen...ihnen das Wort Gttes zu bringen und sie zu töten, wenn sie es nich tannehmen."

Titus hob die Schultern ein wenig.

"Ich hatte noch nicht das zweifelhaft vergnügen, an ihnen zu riechen..."
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Re: [1006]Dampf und heißes Wasser [offen]

Beitrag von Livia » Fr 20. Apr 2018, 16:07

Livias Blick ruhte noch eine Zeit zornig auf den Wassern, dann sah sich hinauf zu Titus. "Gerechter Zorn..." Eine gewisse Stärke war in ihrem Blick zu finden, doch auch... Zweifel?
"Das Wort des Herren bringen oder den Tod..." Flüsterte sie. Fixierte seine Augen.
"Aber wie sollte ich?" Fragte sie betrübt.

"Im Körper einer Frau kann ich keinem das Worte Gottes bringen, kann ich keine Truppen gegen die Heiden führen. Als Kainit bin ich nicht einmal mehr eine Frau, die auf dieser Art dienen kann und könnte entsprechend ehelichen." Zischte sie irgendwie gedemütigt...

"Ich bin Händlerin, ich kann Austausch verweigern, aber gerechten Zorn bringen..." Sie schüttelte betrübt den Kopf. "Ich sollte die Sache wohl vergessen und mich dem Schicksal fügen, so wurde es mir stets geheißen... doch Unrast verhinderte dies stets..." Ihr Blick wanderte wieder zur Seite des Beckens.
"In Genua kann zumindest der Schaden, den die Heiden anrichten, ausgeglichen werden und damit ihr Schreckenswerk reduziert werden.
Eine echte Handlung des gerechten Zorns jedoch... dazu hätte man wohl nach Spanien müssen. Zumindest für diese kurzen Zeitabstände, in denen ich noch zu rechnen gezwungen bin..." Fügte sie traurig grinsend an. "Aber Spanisch spreche ich nicht einmal."

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Re: [1006]Dampf und heißes Wasser [offen]

Beitrag von Titus » Mo 23. Apr 2018, 17:53

"Ja ihr seid eine Frau. Doch auch ich musste lernen, dass die Unterschiede der Geschlechter in der Gesellschaft der Nacht nicht so gravierend sind wie es bei den sterblichen der Fall ist."

Titus schien damit nicht sonderlich einverstanden zu sein...aber er schien sich damit abgefunden zu haben.

"Des weiteren seid ihr eine fähige Händlerin...wenn es stimmt, was Ihr von Euch behauptet. Einen Feldzug eggen die Sarazenen auf Sardinien wird es früher oder später geben und dieser wird Geld kosten und viel Diplomatie erfordern. Wenn ihr auch nicht an vorderster Front kämpfen könnt, so könnte ihr doch auch im Hintergrund und in der Vorbereitung dazu beitragen, dass diese gottlosen Teufel ins Meer zurück geworfen werden können."

Er pausierte kurz.

"Vielleicht kann Euch dieser Gedanke trösten."
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Re: [1006]Dampf und heißes Wasser [offen]

Beitrag von Livia » Mo 23. Apr 2018, 18:31

Livia verharrte eine kurze Zeit erneut. Kurz sah sie in Titus tote Augen, dann wieder in das Wasser, zuletzt wieder zu ihm.

"Ja... eine wirkliche Frau bin ich nicht mehr, ein Monstrum wie wir alle - nur mit schwachen Armen." Sie wirkte frustriert - aber es war eine andere Art Frust, als der, der bei mädchenhafteren Kainitinnen wie der Herrin der Sünde oder dem kleinen Orakel zu erkennen war, er gemahnte mehr an Seinfredas Melancholie.
"Aber ihr habt auch recht, meine Fänge könnten aus Gold sein...
Ein weiser Römer, ich glaube es war Cicero, sagte einst 'Keine Festung ist so stark, dass Geld sie nicht einnehmen kann.' womöglich hat er recht damit..."
Erneut fixierte Livia Titus.

"Ihr meint also, wenn ich meine Talente aktiv dazu nutze, die dämonischen Sarazenen ins Meer zurück zu werfen... dann ist das auch ein verlängerter Arm des gerechten Zornes? Eigenständig - wenn auch nicht alleine - vollbracht...
Ich... bräuchte einen großen Feldherren der die Mannen für mich..." Sie hob die Brauen, schüttelte den Kopf.
"Einen großen Feldherren, dem meine Gaben dienstbar sein können..." Hauchte sie dann wieder in ihrer leiseren Stimme, in einem Moment demütiger Selbsterkenntnis. Als Mensch mochte sie eine Prinzessin gewesen sein, doch im Tod war sie eine Dienerin...

Festerer Stimme sprach sie weiter:
"Wohlwerter Herr Titus, wenn ihr eure Mission antretet - jene, die ihr der Prinzessin gegenüber bekundet habt, dann nehmt mich mit!
Oder besser wohl zuvor..." Kam ihr dann die Erkenntnis.
"Lasst mich eure Bänkerin sein, wohlwerter Titus... nicht nur am Rande, ganz... ich bin bereit nicht nur ein finanzielles Risiko zu tragen..."
Sie pausierte kaum, ein wenig des zornigen Glühens war in ihre Augen zurückgekehrt, doch nun als fiebriges Glimmen der Aktivität. War Titus gerade zu einer pervertierten Art der Hoffnungsschimmer geworden?

"Ihr habt gesehen, mein Kontor an eurer Feste, er wird binnen Jahresfrist fertig gestellt sein... so rasch bauen ihn die Mannen.
Im Jahr der Hungersnot spendete ich nicht Überschüsse, sondern ganze Vermögen, welche ihr und eure wohlwerte Schwester im Blute verteilen konntet und die euch wohl zu einem der aktivsten Spender machten...
Auch jetzt habe ich mich bereit erklärt, große Teile des Baus des Domus Medicorum beizusteuern, des Traums eurer wohlwerten Blutsschwester..." Listete sie die Erfolge ihrer Unterstützung in dem kurzen Jahr ihrer Kooperation auf.

"Lasst mich Teil eures gerechten Zornes werden, nicht euer Geldbeutel - nein, euer merkantiler und fiskaler Verstand... und ihr lasst mich dafür teilhaben, an dem Tod und der Gerechtigkeit, den euer schrecklicher Schwertarm und eure Mannen unter die Teufel bringen...
Wir beide führen ein Schwert, welches der Andere nicht anzuheben vermag... Ich bin keine gewöhnliche Waffenschwester, mit der man Rücken an Rücken in der Schlacht stehen kann." Fast drängte sich wieder etwas Trübnis in ihren Eifer, doch die Trübnis wurde hinweggeschwemmt.
"Doch wir sind keine Menschen mehr... Und in unserer Welt, da stehen Rücken an Rücken ganz andere Fertigkeiten und Wesen..."
Die Augen der bebenden Merkurianerin fixierten Titus, brennend ob ihre Erfolge, mehr aber wohl noch ihr schierer Wille des Hasses und ihre gewissermaßen 'gemeinsame' Vergangenheit des Leids auch in ihm einen Kampfeswillen wecken konnten... oder zumindest genug Risikobereitschaft, ein stärkeres Bündnis mit der Merkurianerin einzugehen und ihr seinen Segen zu geben.

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