[1006] Die schönste aller Nächte [offen]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Alain le Beau
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[1006] Die schönste aller Nächte [offen]

Beitrag von Alain le Beau » Sa 3. Mär 2018, 22:41

Es ist schon nach Mitternacht, als sich die Tür des Gasthauses öffnet, und zwei betrunkene Gestalten herausstolpern. "Chi lo beve allo boccale", singen sie lauthals, "Bevilo tutto, bevilo tutto!" Der eine Mann, ein dicklicher Mitt-Vierziger mit beeindruckendem Schnauzbart, trifft immerhin jeden zweiten Ton. Der andere, ein rothaariger Jüngling, kontrastiert dessen Bass mit einem samtenen Bariton. Langsam schwanken sie um die Ecke. In eine dunkle Gasse. Nur ein wahrlich aufmerksamer Beobachter würde den kurzen Blick bemerken, den der junge Mann über seine Schulter wirft, ganz ohne das Singen zu unterbrechen. Dann endet das Lied.

Nicht lange darauf tritt der Rothaarige wieder aus der Gasse heraus, nun offenbar etwas weniger betrunken. Er wischt sich den Mund mit einem kleinen Seidentuch ab und lächelt versonnen. "Bevilo tutto", murmelt er leise und steckt das Tuch mit Zeigefinger, Mittelfinger und Daumen wieder in seine Tasche, die roten Flecken sorgfältig in das Innere gefaltet.

Mit leicht unsicherem Schritt bewegt sich der junge Mann durch das nächtliche Genua, wobei er interessierte Blicke auf die geschlossenen Fenster und Türen wirft. Trotzdem vermeidet er, wie durch göttliche Fügung, all die tiefen Pfützen, die Haufen von Unrat und andere Hindernisse auf seinem Weg. "Oh, Bianca", seufzt er. "Bianca, Bianca, Bianca..." Ein Tanzschrittchen. "Ta-lalala, Bianca, seulement toi..." Er hält inne und schließt die Augen, die Hände auf die Brust gelegt. Dann stiehlt sich ein Lächeln auf sein Gesicht. Mit beschwingtem Gang setzt er seine Wanderung fort.

Geradewegs auf den Hafen zu.
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Livia
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Re: Die schönste aller Nächte [offen]

Beitrag von Livia » Sa 3. Mär 2018, 22:52

Der Hafen auf den er zusteuerte lag wunderschön in all seiner perversen Pracht da. Die Not merkte man hier am meisten und am wenigsten zugleich. Huren, mehr oder weniger schön, Bettler, mehr oder weniger sichtbar, Veteranen, mehr oder weniger Verstümmelt - meist mehr, aber auch einige normale Nachtschwärmer hatten sich in den kalten ersten Frühlingsnächten wieder an den Hafen verschlagen, man wollte ihn wieder... die eigene Stadt wollte man wieder.

Das Meer lag jetzt ruhig da, es war nicht mehr aufgewühlt von dutzenden Schiffen. Doch die böse Erinnerung an die schwarzen Teufel... die blieb. Seefahrervölker waren der Lebenssaft aber auch der Todesstoß für jede Hafenstadt. In Genua konnte man Freund und Feind dabei zum Glück leicht durch die Hautfarbe unterscheiden! Die Guten, die sahen so aus wie Alain.

An einem der inneren Piere, etwas abseits vom allerschlimmsten Volk, da saß eine junge Bardin. Sie spielte freudige Weisen von der Ferne, der Hoffnung, dem Vertrauen. Eine junge Frau in schöner und doch schlichter Kleidung, fast freizügig für den Frühling... Ein paar Zuhörer waren in der Nähe, ein paar mehr etwas entfernter. So fügte sich der Lautenklang ruhig in das Schweigen des nächtlichen Hafens und übertönte manch ein gemurmeltes 'eine kleine Gabe bitte', welches sonst jeden noch so schönen Abend ruinieren konnte!

Die ersten Menschen lachten - noch weinte die Stadt - doch die ersten Menschen hatten damit aufgehört, hier und überall.

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Sousanna
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Re: Die schönste aller Nächte [offen]

Beitrag von Sousanna » Sa 3. Mär 2018, 23:16

Welch schöne, glorreiche Nacht war es, in der die Laute ihre Klänge süß über die Gassen ausgoss wie Honig. Leicht flirrten die Töne durch die Luft - trockneten auf seltsame Weise die Tränen und erschufen eine Leichtigkeit im Herzen, die nur beim Anblick von Frühlingswiesen, blauen Himmeln und Schmetterlingen zu entstehen vermochte. Diese Laute befreite Menschen und Tote von ihren Lasten, trocknete Tränen und ließ Blumen erblühen.
War es also verwunderlich, dass dort neben der Bardin eine Blume erblüht war?

Neben der Rothaarigen tanzte eine Frau. Eine, die man mit Fug und Recht als Blüte der Ferne bezeichnen konnte. War die Lautenspielerin etwas freizügig gekleidet, so war sie es in jedem Fall.
Ohne Scham zeigte sich ihre honigfarbene Haut, ließ erahnen, wie rein, wie weich sie sein musste. Das offene, duftende Haar wogte in sanften Locken in der Farbe von Mahagoni um ihre Schultern. Ein verzaubertes Lächeln lag auf ihren vollen Lippen. Die dunklen, langbewimperten Augen waren geschlossen, als zeigten sich hinter ihren Lidern die schönsten Traumbilder.
Dennoch bewegte sie sich voller Sicherheit. Schwerelos drehte sie sich um sich selbst. Schien mehr zu schweben als die Beine zu bewegen. Etwas Elfengleiches haftete ihr an. Etwas, dass den Blick an ihr haften ließ und verzauberte.
Sie schien eins zu sein mit der Musik, schaffte es sich trotz ihrer Schönheit nicht in den Vordergrund zu drängen. Wer sie sah, schien eine Verkörperung der Weise zu sehen, die ihre Freundin spielte.
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
Die dem lieben Griechenlande rann,
Lasst, o Parzen, lasst die Schere tönen,
Denn mein Herz gehört den Todten an!
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Amalia
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Re: Die schönste aller Nächte [offen]

Beitrag von Amalia » Sa 3. Mär 2018, 23:19

Gedankenverloren wanderten die Schatten durch die Nacht, jene Schatten welche ihr folgten. Die Bestie Krujas wanderte durch die dunkeln Gassen hier und da waren ein paar Menschen, welche sich bei ihrem Anblick abwandten, ihre Gesichter, verzehrt von der Angst, welche sie vor der Zweigesichtigen Kriegerin hatten. Vielleicht lag es aber auch nur an den beiden großen Hunden, welche ihrer Herrin auf Schritt und Tritt folgten. Die Dienerin des Hasses hatte kein spezifisches Ziel, wie gewohnt lies sie sich von ihren Füßen treiben … und jene Füße führten sie zu direkt zum Hafen.

Als sie dort ankam durchzugte ein Lächeln die entstellte Fratze. Sie freute sich, erneut den schönen Gesang der Schlange zu vernehmen, freute sich, dass sie nicht ganz so alleine war. So dauerte es nicht lange, bis Amalia und ihre Hunde zu der Setitin kamen. Sie lauschte gerne … es beruhigte sie … brachte sie auf andere Gedanken. Doch da war auch noch jemand anderes … mit einem kurzen Lächeln erkannte die Bestie, dass Livia nicht alleine war, dass noch jemand da war … eine angenehme Überraschung. Geduldig wartete die Albanierin bis der Gesang endete, jener Gesang, welcher durch so einen schönen Tanz begleitet wurde.

Was für eine schöne Abwechslung … wäre der Abend nur angenehmer … und nicht vom Tod beseelt.
"Ich kann deine Angst fühlen Mensch. Sie ist spürbar gegenwärtig. Ich kann mit den Fingern darüberstreichen und ihr krankes Aroma schmecken. Ist dieses Entsetzen Nährboden für Hass, dann lass mich daran laben und dich dabei völlig auslöschen."

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Alain le Beau
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Re: Die schönste aller Nächte [offen]

Beitrag von Alain le Beau » Sa 3. Mär 2018, 23:41

Wie die Motte zum Licht, so wird auch der verträumte Rothaarige von der Musik angezogen, die da so lieblich durch die Nacht fließt. Die Nase leicht vorangestreckt, wandert er auf die kleine Gruppe zu. Bleibt ein wenig abseits stehen. Mit dem Blick des Connoisseur begutachtet er die wunderschöne Blüte, die sich da in voller Pracht entfaltet hat. Die Augen folgen jeder Bewegung, während er sich langsam zum Klang der Musik wiegt. Dann wandert sein Blick über die Menge, über die Gesichter der Männer, die da auf den Körper starren. Hoffnungslose Fälle. Alain schüttelt den Kopf.

Mit grazilen Schritten tritt er zwischen den Zuschauern hindurch, auf die beiden Künstlerinnen zu. Ein freundliches Nicken zur Lautenspielerin, dann verneigt er sich mit gespieltem Grandeur vor der unbekannten Schönheit. Reicht ihr die Hand zum Tanz. Denn warum sollte man eine Fantasie nicht ausleben?
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Sousanna
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Re: Die schönste aller Nächte [offen]

Beitrag von Sousanna » Sa 3. Mär 2018, 23:57

Welch angenehme Überraschung, dass sich jemand tatsächlich dazu überwand, mit ihr zu tanzen, anstatt wie die Sardinen nur zu glotzen.
So bekam der mutige Recke ein strahlendes Lächeln zugeworfen, in dem so viel mehr lag als nur die Freude über einen hübschen offensichtlich halbwegs anständigen Tanzpartner. In den dunklen Augen lagen Versprechen für alles und nichts, da sich ihre schmale Hand in seine legte, um gemeinsam mit dem schönen Fremden in den Frühling zu tanzen.

Sie schien begabt in ihrer Kunst zu sein, denn auch wenn sich ihr Tanz in dem Augenblick, da sie mit ihm tanzte, grundlegend änderte, blieb es eine Darbietung von überwältigender Schönheit und unbändiger Freude über den Frühling.
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Alain le Beau
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Re: Die schönste aller Nächte [offen]

Beitrag von Alain le Beau » So 4. Mär 2018, 00:17

Was folgt, ist nicht das zögerliche erste Erfühlen zweier unbekannter Partner. Keine vorsichtigen Schrittchen, kein langsames Herantasten. Alain zieht Sousanna an sich heran, wirbelt sie im Kreis, so wie der Frühlingswind durch die jungen Blätter fährt, macht einige kunstvolle Schritte, exakt zum Takt der Musik, führt sie unter seinem Arm hindurch, dann zwei Schritte parallel vor, zwei zurück, sein Gesicht erstaunlich friedlich und entspannt. Der junge Tzimisce gibt sich ganz und gar dem Tanz hin, zelebriert die Wiedergeburt der Natur mit seinem Körper. Dem Raunen der Menge nach zu urteilen ist es ein wunderbares Schauspiel, und es wird noch versüßt durch den offensichtlichen Neid auf den Gesichtern einiger Zuschauer. Alain schenkt ihnen sein breitestes Lächeln.

Doch selbst der schönste Moment muss enden. Als die Musik verstummt, dreht der rothaarige Jüngling seine Partnerin ein letztes Mal herum. Noch immer mit ihrer Hand in der seinigen, verneigen sich die beiden vor der Menge, dann voreinander. Seine Lippen deuten einen Kuss auf ihren Handrücken an, bevor er ihre Finger, diese Kunstwerke der Natur, endlich mit einem bedauernden Blick freigibt. Es folgt eine weitere, dankende Verneigung vor der Musikantin, die dieses Erlebnis möglich gemacht hat.

Schließlich wendet er sich mit einem Seufzen um, bereit dazu, in die Nacht zu entschwinden. Aber in seinem letzten Blick liegt eine eindeutige Aufforderung, gerichtet an die Tänzerin.
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Amalia
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Re: Die schönste aller Nächte [offen]

Beitrag von Amalia » So 4. Mär 2018, 00:46

Amalia betrachtete das Spektakel neugierig. Anders als die Gaffer saß sie auf einem der Fässer am Hafen, wo sie gerade Vrasës am Ohr kraulte. Die ungleichen Augen lagen lauernd auf dem mutigen Schönling … er hatte mit seiner Dreistigkeit die Neugierde der Jägerin geweckt. Es bedarf zwar einiger Konzentration, doch schließlich lächelte sie, als sie eine deutliche blasse Aura wahrnahm … da war aber noch etwas, sie sah noch viel mehr, egal welche Emotion der Drache haben würde … nichts blieb der Bestie verborgen.* Als sich das Stück dem Ende näherte erhob sich die Salubri und ging mit finsterer Miene auf den kleinen Tross zu. Unabsichtlich rempelte sie einen der Männer an, doch bevor dieser auch nur daran dachte sich zu beschweren … bekam er einen Blick des Hasses zugeworfen. Er verstummte zugleich, bekreuzigte sich und wandt den Blick von der Bestie ab.

Gerade als der fremde Kainit sich ihrer Freundin ein letztes Mal zuwandt und ihr einen eindeutigen Blick zuwarf … tauchte hinter ihm die verbrannte und entstellte Fratze auf. Rechts und links von ihm standen jene Hunde, welche ihre Herrin nie verliesen. Ein sanfter albanischer Akzent erfüllte die Nachtluft … das Lächeln war verschwunden.

“Gott mit euch Livia … und auch mit euch Sousanna. Eine wahrlich beeindruckende Vorstellung, welche ihr den Armen geschenkt habt.“

Livia würde die Entstellte erkennen … doch wenig feststellen … lediglich Sousanna würde etwas auffallen … ihre liebe Freundin, welche in der Zweisamkeit so gefühlvoll und schüchtern war … war verändert, war dies die Maske Amalias? Die Maske des Hasses?

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*Wahrnehmung + Aufmerksamkeit: Auspex 2:
SidekickBOT-heute um 23:02 Uhr
@Amalia (Max): 6d10 >=8 f1 = (5 5 5 9 10 2, 2 successes) = 2
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Alain le Beau
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Re: [1006] Die schönste aller Nächte [offen]

Beitrag von Alain le Beau » So 4. Mär 2018, 18:53

Ein kurzer Moment - und doch geschehen in ihm so viele faszinierende Dinge zugleich! Der Köder ist ausgeworfen und Alain wendet den Kopf zurück in die Richtung, die er für seinen grandiosen Abgang gewählt hat. Der blasse Schimmer um seinen Kopf spiegelt seine Haarfarbe wieder: Ein tiefes Rot, ein pochendes Rot, das den Geruch von körperlicher Liebe mit sich bringt. Auf Amalias hässlichem Gesicht ist die Hitze förmlich spürbar, die in diesem Augenblick die Seele des Tzimisce beherrscht.

Dann treffen seine Augen die Ihren - und die Farbe beginnt zu flackern. Rot weicht einem Kaleidoskop aus Orange, dunklem Blau, hellem Grün, erneut dunklem Rot, allesamt kleinen Sprenkeln, welche hin- und herflitzen. Gleichzeitig scheint sich von irgendwo der Gestank eines Kothaufens mit dem Duft von Rosen zu vermischen. Keine angenehme Kombination. Während dieses für alle anderen faszinierende Schauspiel sich vor Amalias Augen entfaltet, schwankt Alain leicht zurück, das Gesicht in Ekel verzogen. "Mon Dieu!" Dann würgt er, die Hand vor dem Mund, und schafft es gerade noch rechtzeitig, den Kopf zur Seite zu werfen. Ein Schwall dunkelroten Erbrochenens verfehlt Amalias Füße und bildet neben ihr auf dem Boden eine Lache. Es stinkt nach vergorenen Trauben und Mageninhalt.

Für einen Moment steht Alain nur da und blinzelt die Fratze an. Dann bricht wieder sein Grinsen hervor. "Madame! Dieses Gesicht!" Ohne jede Scham begutachtet der Fleischformer die Narbe. "Ihr solltet Geld für diesen Anblick verlangen." Alain nimmt das Seidentuch aus seiner Tasche. Wischt sich mit vornehmer Geste den Mund ab. "So nüchtern war ich lange nicht mehr. Hier, nehmt das." Der Schöne greift in seine Börse, um der aufdringlichen Bettlerin eine milde Gabe zukommen zu lassen.

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[Projektilwürgen (Widerstand & Sportlichkeit gg. 6): 3 Erfolge]
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Sousanna
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Re: [1006] Die schönste aller Nächte [offen]

Beitrag von Sousanna » So 4. Mär 2018, 19:27

Sie wirbelte mit ihm. Während des Tanzes würde er ihren Atem spüren. Die Wärme ihres pochenden Herzens jedes Mal wenn sie sich näher kamen. Ihre Wangen röteten sich, doch wohl kaum vor Anstrengung. Zumindest konnte man das erahnen, wenn man in die Augen der schönen Fremden blickte, die sich immer wieder schamhaft hinter ihren Lidern verbargen wenn ihr Tanzpartner sie zu lange ansah.
Doch sie beide wussten wohl, dass das nur ein kleines Schauspiel war. Denn unter den langen, dunklen Wimpern war ein Funkeln zu erkennen, das in keinster Weise etwas mit Zucht oder Tugend zu tun hatte. Tiefe, gefährliche Leidenschaft lag darin. Eine die süßer war als Honig und eine unvorsichtige Seele ebenso verbrennen mochte wie eine flackernde Kerze.

Ihr Lächeln war voller Geheimnisse und da sie sich voneinander lösten und sie vor ihm knickste, würde es sich noch einmal vertiefen. Für einen Moment schien es ein Grinsen zu werden, ehe er sie so schändlich stehen ließ.
Offensichtlich schätzte die Schönheit es nicht sonderlich, nicht noch ein wenig bewundert zu werden.

Kurz traf ihr Blick den Livias und mit einer sachten, beinahe zufälligen Handbewegung erbat sie sich eine ruhige, herzzerreißende Melodie. Doch gerade als sie dem Fremden leichtfüßig folgen wollte, schaltete sich Amalia.
Ein aufmerksamer Beobachter mochte nur ein kurzes, stummes Seufzen in ihrem Blick wahrnehmen.
Zwar war die Bestie aus Kruja für einen Kainiten durchaus herzensgut, doch für den richtigen Augenblick oder die Kunst der Verführung hatte sie kein Gespür. Hätte die Ravnos in diesem Moment Fangzähne besessen, hätten sie sich kurz enttäuscht in die Richtung ihrer Freundin gebleckt. Das war ihre Beute. Was mischte sie sich ein? So erhielt sie nur einen gereizten Blick.

Und dann folgte jener Wort- und Flüssigkeitenwechsel... Nun konnte man die Verärgerung Sousannas in beide Richtungen deutlich sehen. War sie zuvor wie eine Ausgeburt des Frühlings erschienen, sprühten nun eisige Funken aus ihren Augen, während sie angeekelt einige Schritte zurückmachte.
Trotzig verschränkten sich die Arme vor der Brust, während sich das Kinn in der Manier stolzer Frauen hob.

Demonstrativ wand sie sich den anderen Zuschauern zu und begann, die beiden anderen geflissentlich zu ignorierend um Spenden zu bitten und jedem, der etwas gab, das sonnigste Lächeln der Welt zu schenken.
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
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