[1004] I principi di Genova [Alle, Versammlung]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Lorenzo
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Re: [1004] I principi di Genova [Alle, Versammlung]

Beitrag von Lorenzo » So 21. Jan 2018, 22:27

Lorenzo blieb in seiner Ecke stehen, nickte den Neuankömmlingen kurz zu oder verneigte sich entsprechend, um Ihnen Respekt zu erweisen und wartete ab, was Ihn hier noch alles erwarten wird.
Er versuchte die Nervosität, mit welcher er kämpfte, vor den anderen Kainiten zu verbergen. Immerhin ging es für Ihn um nicht weniger als seine ganze Zukunft, es war seine Chance Abstand zwischen sich und Adriano, seinem sadistischen von Hass zerfressenen Erzeuger zu bringen, weil Lorenzo es wagte seinen eigenen Kopf zu haben.
Er weinte Tränen, Tränen aus Blut
Die Wangen entlang bahnten sie sich Ihren Weg
Liefen das Kinn entlang um dann das Oberhemd mit Blut zu benetzen
Und ein Lachen so kalt wie Eis umrandete sein Gesicht
Es füllte den Raum wie ein Chor schaurigster Stimmen

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Acacia
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Re: [1004] I principi di Genova [Alle, Versammlung]

Beitrag von Acacia » Mo 22. Jan 2018, 00:35

Denn die letzten würden die ersten sein. Hieß es nicht so? Wenn das wahr war so stand der Lasombra eine große Zukunft voraus. Denn ganz im Gegensatz zu ihren früheren Angewohnheiten kam sie in dieser eisigen Nacht nicht als die erste oder eine der ersten, sondern als die letzte. Aber natürlich war sie nicht allein. Wie immer begleitete sie der große Nordmann, ohne den sie schon beinah unvollständig wirkte. Zudem zwei Diener, die jeweils eine Kiste trugen. Die eine schlicht und elegant, die andere prunkvoll verziert und mit Gold belegt.
Dennoch war es wie immer die schlanke, hochgewachsene Frau, die die Aufmerksamkeit auf sich zog. Es war beinah so als würde ihre Düsternis die Blicke magisch anziehen. In diesem Falle vielleicht noch mehr als zuvor, denn der Krieg hatte seine Spuren an ihr hinterlassen. Vielleicht hatte sie zu tief in die Schatten ihres Clans geblickt, vielleicht hatten ihre Augen Grauen gesehen, die selbst ihre gnadenlose Seele erschütterten, vielleicht hatte der Jäger an ihrer Seite sie auch nur von seinen Wegen überzeugt. Was auch immer es war, es war etwas wildes, gefährliches, was nun direkt unter der porzellanblassen Haut lauerte. Etwas, das man nicht herausfordern wollte. Der sehr viel offensichtlichere Beweis war jedoch ihr Kleid … wenn es denn eins war. Denn das Schwarz war so tief, so kalt und so … unnatürlich, dass es selbst das blasse Licht der Nacht zu trinken schien. Sich in sanften Wellen an ihren Leib schmiegend, wirkte es beinah als würde es atmen, wahrnehmen und … abwarten. Ebenso düster war der Schleier, der ihr Haar komplette verdeckte, so dass nur Hände und Gesicht in perfekter weißer Blässe in dem See der Schatten hervorstachen. Wie einsame Inseln der Menschlichkeit… Aber vielleicht war das die Schwäche der Lasombra? Sie näherten sich immer mehr ihrer widernatürlichen Macht an? War nicht auch Lydiadas seltsam flackernd erschienen? Hatte der Botschafter Mailands nicht sein Augenlicht den Schatten geopfert und konnte er nicht nur mühsam seine menschliche Hülle zusammen halten?

Ohne nach links und rechts zu blicken schritt die düstere Herrin durch die Reihen der Anwesenden. Niemand wurde von ihr beachtet oder bekam gar einen Gruß. Lediglich vor Godeoc neigte sie anmutig grüßend den Kopf, während Benedetto und Caspar ein schon fast kühles Nicken erhielten und während alldem schien unterdrückte Unmut auf ihren Zügen zu liegen. So als würde es aus irgendeiner Ecke stinken, aber sie zu gut erzogen um einen Ausdruck des angewidert seins wirklich zu zeigen.
Wir sind wie Eisblumen, wir blühen in der Nacht. Wir sind wie Eisblumen viel zu schön für den Tag.
Wir sind wie Eisblumen, kalt und schwarz ist unsere Macht.
Eisblumen blühen in der Nacht.

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Aelisea
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Re: [1004] I principi di Genova [Alle, Versammlung]

Beitrag von Aelisea » Mo 22. Jan 2018, 10:42

Aelisea mochte den Dezember. Die Kälte und die Starre der Natur ließ die Menschen schwermütig werden und brachte sie dazu in sich zu kehren und nachzudenken, so wie sie es viel in ihren sterblichen Tagen getan hatte. Der Dezember war die Zeit der Klausur und für sie auch der Veränderung und kaum das sie zu einer Kaintin geworden war, erkannte sie schnell das ihre Vorliebe für den Winter sich nicht verändert hatte. Nicht nur das er ein Vorbote war für den Neuanfang des künftigen Jahres, nicht nur weil die Tage kürzer und die Nächte länger waren, was jedem Kainskind zu Gute kam, sondern weil sie erkannte, dass es auch in ihrem neuen Leben die Zeit war, in der man am besten in Abgeschiedenheit nachdenken konnte.

Heute jedoch war keine Zeit zum Nachdenken, denn der veränderte Hof Genuas hielt eine Versammlung ab und Anwesenheit wurde erwartet. Aelisea war nicht gerne auf großen Veranstaltungen oder Feierlichkeiten zugegen, aber dies hier war anders und so war sie neugierig auf die heutige Nacht. Aus diesem Grund und auch weil sie den Ort in früheren Zeiten, Glanz und Pracht nicht kannte, war Aelisea unvoreingenommen und offen dem gegenüber, was sie erwartetet und diejenigen, die sie nun treffen würde. Wie für ihren Clan typisch, verbarg sie sich weitestgehend auf ihrem Weg zur Villa, nahm jedoch alles auf, was sich ihr an Neuem präsentierte und beobachtete die Kainiten und ihr Gefolge wertfrei.
Kurz vor der gutaussenden, schlanken Frau schlüpfte Aelisea in den Raum, ließ ihr Verdunklung fallen um nicht den Vorwurf des sich verstecken wollens auf sich zu ziehen und suchte sich einen ruhigen Platz, an dem sie augenscheinlich niemandem im Weg war. Höflich nickte sie denjenigen zu, die ihren Weg kreutzten, aber Unruhe stieg in ihr auf. Hier waren so viel mehr Fremde als sie erwartet hatte und ihre eigenen Makel wurden ihr wieder bewusst.
Ihre unrunden Bewegungen, die von Schmerzen zeugten, ihr verbranntes Gesicht, das noch immer wirkte als wären die Wunden frisch und der leichte Geruch von verbranntem Fleisch der an ihr hing, so als wäre sie erst gestern der Flammenhölle entkommen, der sie ihr neues Leben zu verdanken hatte.

Für einen Moment geht sie in sich, läßt ihren Blick über die Versammelten schweifen und bleibt dann an dem Nosfertau und seinem Kind hängen, bevor sie tief durchatmet. Diese Nacht würde viel Neues bringen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und dein Stab trösten mich (Psalm 23,4)

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Ajax
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Re: [1004] I principi di Genova [Alle, Versammlung]

Beitrag von Ajax » Mo 22. Jan 2018, 11:51

Ajax grüßte seinen Clansältesten mit einem respektvollen Nicken und ließ etwas länger seinen Blick auf Seresa nachdem sie sich zu ihren beiden Clansbrüdern gesellt hatte. Er nahm ihr Nicken auf und man sah eine kurze Freundlichkeit seinerseits. Dem Nosferatu ließ er die Ehre zukommen die ihm gebührte, es würde sich wohl zeigen ob er in die Spitze der Pyramide ihrer Gemeinschaft aufgenommen wurde.

Ein ebenso repektvolles Nicken ging an die Schattenhexe und ihrern tierischen Begleiter. Es war lange her seit sie sich das letzte mal gesehen hatte, doch Vieles war passiert und Einiges würde noch besprochen werden müssen. Ein kurzer Blick des Interesses lag auf dem Neuankömmling der sich zu ihrem Clan gesellt hatte, eine kurze Begrüßung folgte. In Ermanngelung genauerer Informationen grüßte er ihn als einen Ancilla, ein Kainit von geringerem Stand hätte wohl kaum den Schneid gehabt sich zu einem Clan zu stellen der aller Wahrscheinlichkeit nicht der seine war, kannte ihn Mattia ausgehend von seiner Reaktion wohl nicht.

Einen kurzen Moment der Überraschung sah man schlussendlich doch in Ajax Blick als sich der Mann in Lumpen seinen Weg durch die Anwesenden bahnte. Der wahnhafte Malkavianer passte nicht ins Bild, er war wie ein Fehler im System. Ein kurzes Kopfschütteln Ajax's folgte und er wandte sich dann wieder dem Hoftag zu.

Zu guter Letzt sah man wie ein leichtes dunkles Lächeln kurz über seine Züge huschte. Irgendetwas würde heute passieren....

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Sousanna
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Re: [1004] I principi di Genova [Alle, Versammlung]

Beitrag von Sousanna » Mo 22. Jan 2018, 16:07

Die neu Angekommenen wurden von der Ravnos gemäß der Etikette mit eben jenem Respekt begrüßt, der ihnen gebürte oder besser von dem sie dachten, dass er ihnen gebührte. Sie blieb jene zurückhaltende, aber ausnehmend höfliche Schönheit, die man von ihr erwarten konnte.
Sogar jene, von denen man hätte erwarten können, dass sie sie mit einer gewissen Abscheu behandeln würde, wurden voller Anerkennung begrüßt - selbst wenn eine gewisse Kühle in dem ein oder anderen Lächeln war.
Die Ranghöheren würden noch einige freundliche, aber in keinster Weise aufdringliche Worte abbekommen, in denen zumindest offensichtlich wurde, dass sie sie kannte und sehr schätzte.

Das Verhalten ihres Vaters im Blute, schien sie wenig zu überraschen. Zumindest reagierte sie kaum auf diese durchaus interessante Wahl des Platzes. Auffällig blieb nur jenes Lächeln, dass er bei der Begrüßung zugeworfen bekam. Zutrauen und eine Spur der Beruhigung lag darin. Etwas das unwillkürlich an das Heimkehren eines Wanderers an jenen Ort erinnerte, den er Familie nannte.

Schließlich trieb ihr das Erscheinen Feruccios eisige Schauer über den Rücken. Sie hatte ihn sie gesehen, lediglich die Beschreibungen ihrer Leute gehört - und das reichte aus, um zu wissen, dass sie sich nun wirklich nicht mit ihm anlegen wollte. Mit einem mulmigen Gefühl behielt sie ihn im Auge und zeigte zumindest eine Geste, die man als Gruß deuten konnte, wenn man es wollte - oder als bloßen Zufall, wenn man es nicht wollte.
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
Die dem lieben Griechenlande rann,
Lasst, o Parzen, lasst die Schere tönen,
Denn mein Herz gehört den Todten an!
Friedrich Hölderlin

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Amalia
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Re: [1004] I principi di Genova [Alle, Versammlung]

Beitrag von Amalia » Mo 22. Jan 2018, 18:52

Nach dem Gespräch mit Ilario gesellte sich die Zweigesichtige zu ihrem Bruder im Blute, mit welchem sie ein paar freundliche Worte wechselte. Da sie nun wusste mit wem sie es zu tun hatte, grüßte sie die anderen, welche mit ihrem Bruder den Saal betraten, höflich und entsprechend ihres Ranges.

Als das nächste Kind der Verborgenen kam zierte ein kurzes Lächeln ihre Lippen, scheinbar war sie nicht die einzige, welche dem Feuer näher war als gewünscht, mehr tat sie jedoch auch nicht. Acacia und Brimir wurden ebenfalls und gemäß der Etikette gegrüßt und bekamen sogar ein freundliches Lächeln geschenkt.

Als die Neuen begrüßt waren wandte sie sich wieder Furfur zu, um noch ein paar Worte zu wechseln. Im Gegensatz zu ihrem verschollenen Bruder, wollte sie ihren Clansbruder nicht so vernachlässigen.
"Ich kann deine Angst fühlen Mensch. Sie ist spürbar gegenwärtig. Ich kann mit den Fingern darüberstreichen und ihr krankes Aroma schmecken. Ist dieses Entsetzen Nährboden für Hass, dann lass mich daran laben und dich dabei völlig auslöschen."

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Fabrizio
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Re: [1004] I principi di Genova [Alle, Versammlung]

Beitrag von Fabrizio » Mo 22. Jan 2018, 20:51

Fabrizio Aurelio Sizilianus Begado, Pirat und Freibeuter, Gast Genuas und Botschafter Siziliens, Mitglied des Zirkels der Könige, Freund und Feind des Clans der Schatten, Held und Verräter, Brudermörder, Brandschatzer und Menschenretter, Eunuch und Verführer.
Einige kannten ihn, andere kannten ihn nicht - und die meisten würden ihn niemals erkennen.

Sein junges Aussehen schadete seiner Verkleidung nicht. Im hastigen Laufschritt war er alleine den Weg hinauf zur Villa geeilt, vorbei an all den Wachposten und augenscheinlich viel zu spät.
Die armselig gepflegten Sachen hatte er einem Botenjungen ähnlicher Statur erst kurz nach Sonnenuntergang abgekauft, sein ekelhaft menschlicher Geruch haftete noch daran. Eine grobe Kapuze gegen den zu erwartenden aber dann doch ausbleibenden Schnee hatte er indess einem seiner Männer abgenommen bevor er aufbrach und sich nun tief ins Gesicht gezogen.
Eifersüchtig und Pflichtbeflissen klammerte er sich an eine deutlich edlere Ledertasche. Seine Tracht und sein Gebaren kennzeichnete ihn recht eindeutig als Boten wichtigerer Herrschaften.

Erst im Atrium riss er sich die Kapuze vom Haupt und steckte sie sich gedankenverloren an die Kordel. Ein Blick in den nächtlichen Himmel. Ja, er hatte noch etwas Zeit. Noch war er zu früh.
Zeit um einen langen Moment die Veränderung des Atriums in sich aufzunehmen. Er lächelte, geradezu direkt aus dem Grunde seiner pervertiert schwarzen Augen heraus. Die Welt begann zu verblassen. Ein dezentes Klopfen gegen die verputzten Säulen, ein Kratzen mit dem Fuß über den dunklen Schiefer. Sorgsam kniete er sich vor das leere klare Wasserbecken und starrte in sein nicht vorhandenes Spiegelbild, zu der anderen Seite nichteinmal der Hauch eines schwachen Schattens. War er überhaupt real? Eine wirklich existierende Gestalt oder doch nur ein seltsames Trugbild?
Sein Finger berührte ebenfalls sehr sorgsam bedacht ganz leicht die Wasseroberfläche und seine finsteren Augen verfolgten mit seltsam ernsthafter Aufmerksamkeit die kaum wahrnehmbaren kreisrunden Wellenbewegungen, die nur einen Moment später von einem Windhauch zerstoben und gekräuselt wurden. Ein weiterer Prüfender Blick in die Schwärze des Nachthimmeles, dann erhob der Lasombra sich und wanderte mit aller Ruhe weiter in Richtung des Versammlungssaales.

Sein Auftreten dann kaum bemerkenswert und eher dem eines Ghules würdig.
Fabrizio blieb direkt am Eingang stehen, musterte den Allesfresser und quittierte ihn mit einer seltsamen eher geflüsterten Begrüßung. "Wir sind beide noch da, seltsam, nicht wahr?"
Und machte dann einfach nur ein paar Schritte zur Seite um direkt an der Wand neben der Tür zu verweilen wie ein schlichter Diener. Sein Aufzug und diese Botenmappe machten ihr übriges dazu. Nur diese verfluchten schwarzen Augen! Es wirkte beinahe höhnisch so zu tun als wäre er noch so eine Art Mensch.
Kein Nicken, kein Augenkontakt. Fabrizio tat so, als wäre er überhauptnicht anwesend oder überhaupt von Belang. Zumindest bis irgendjemand den Mut oder die Dreistigkeit hätte sich direkt und nicht nur subtil mit ihm zu beschäftigen.

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Il Canzoniere
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Re: [1004] I principi di Genova [Alle, Versammlung]

Beitrag von Il Canzoniere » Mo 22. Jan 2018, 23:46

Es hörte nicht auf.

Wie die Motten wurden die Nächtlichen heute Abend von der alten Villa angezogen. Von denen die dort bereits parlierten, nervös warteten oder letzte Abmachungen trafen. Von den Ereignissen die noch in der Luft schwebten. Vom Tanz der Ewigkeit, der heute Abend einen neuen Schritt einlegen müsste. Sollte. Würde.

Zu recht später Stunde erschien ein weiteres Kader derer die man hier nicht unbedingt erwartet hätte. Alle waren gekommen. Alle.

Der mit raschem, festen Schritt und ausdrucksloser Miene vorwegschreitende Mann in einer dunklen Mönchskutte des benediktinischen Ordens mochte bereits überraschte Gesichter zurücklassen. Das Kreuz aus Kirscholz wie eine Verhöhnung auf der Brust tragend, glaubte man dem was die Heiligen flüsterten, die dunklen, ledernen Stiefeln in gutem Zustand hart den Klang seiner Schritte in die Halle tragend, hielt einen Moment inne und sah sich mit einer langsamen Drehbewegung des Kopfes um. Er verneigte sich vor Godeoc... und sonst vor niemandem. Den anwesenden Ancilla warf er jedoch ein knappes Nicken zu, ehe er seinen Weg durch die Halle fortsetzte.

Flankiert wurde er von zwei Gestalten deren Anwesenheit noch überraschender sein mochte als die seine. Der Mann der links von ihm Schritt mochte den wenigsten der Anwesenden bekannt sein. Er trug erkennbar erst vor kurzem gefertigte Kleidung. Das Leder der Stiefel war gerade eingetragen und selbst in der Dunkelheit des Abends war die unverwässerte Färbung des Tuchs gut zu erkennen. Der schmale Schnitt zur Hüfte betonte den beinah schon ans dürre gemahnenden Körperbau. Und doch war es nicht bloß eine täuschende Andeutung des Schnitts und der lose gelegten Tuche um die Schulterpartie die den Mann als nicht sehr schwächlich darstellten. Am Gesicht hätte man wohl die eine oder andere Spur eines Lebens mit Entbehrungen sehen können, wenn nicht die dunkle Geburt viele kleine Details kaschiert, geglättet und zu einem jungen, etwas ungestümen aber charmantem Antlitz geformt hätten.

Rechts des Benediktiners schritt eine flachsblonde Frau mit langen, seidig schimmernden Haaren, ebenmäßiger Haut in einem cappuccinofarbenen Ton, dunkel umrahmten Augen und rot hervorgehobenen Lippen. Ihr erkennbar trainierter, leicht muskulöser Körperbau und ihre recht große Körpergröße trug sie mit einer leichten und unbeschwerten Eleganz. Sie schien beseelt von einem geschulten Körperbewusstsein. Ihre festen Lederstiefel und die lange, grau-weiße, schlichte Tunika aus festen Leinen betonte ihre Sanduhrenfigur und bedeckten kaum die Schultern. Eine silberne Fibel hielt die Tunika dabei dezent auf ihrer Position.

Und zeigte sich mit dem Eintreffen der letzten Reihe von Gästen wer noch alles unter dem Anlitz des Mondes wandelte, offenbarte es vor allem eins: Genua war erwachsen geworden. Von den so naiven ersten Nächten, in denen der schlimmste Streit innerhalb der Domäne ein Wettbewerb zur Auszählung der Sterblichen war, war nichts geblieben. Offene Feindschaft, Fehde, Hass, Racheschwüre, Vasalleneide, Blutsbänder, stille Abkommen, Abhängigkeiten, Gefälligkeiten und offenkundige Absprachen waren in einer Dichte quer durch den Raum gespannt die jeder anderen Domäne in nichts nachstanden. Das tödliche Spinnennetz das unter Kainiten "Gesellschaft" genannt wurde, hatte sich schleichend auch in dieser Domäne etabliert. Ein halbes Dutzend Fraktionen waren dem Ruf der weißen Prinzessin gefolgt, hatten beschlossen die heutige Nacht mit ihren Feinden zu begehen.

Kurz darauf erschienen, wie um diese Begebenheit noch einmal zu unterstreichen, die hohen Herrschaften. Aurore von Genua. Die marmorne Prinzessin, in einer Stola mit Palla ganz in weiß gekleidet, lächelte entgegen ihrer Gewohnheiten nicht. Ihr verschlossener Ausdruck mochte denen die sie liebten bereits einen Stich versetzen. Der Blick der eisblauen Augen in ihrem Gesicht jedoch ließ auch das herzlichste Lächeln in Sekunden schmelzen. Von ihrer Jugendhaftigkeit war weniger geblieben als hätte sein dürfen. Ihre junge Gestalt wirkte wie ein hübscher Käfig für ein tollwütiges Tier.
Kühl und abweisend schritt sie hinein, Arm in Arm mit ihrem Widerpart.

Die düstere Gestalt an der Seite Aurore trug, wie das Yin zum Yang der weißen Prinzessin, schwarz. Die unnachgiebige Gestalt in archaischer, mit der Asche seiner Feinde gebleichten, Rüstung und einem wallenden Mantel aus Rabenfedern bestach durch seine... Monochromität. Es schien als ob sein Körper, neben den beiläufig präsentierten Reißzähnen und den übel anzusehenden Verletzungen am Hals (auch dort) jede Farbe und jedes Haar verloren hätte. Kein rotes Zahnfleisch. Kein blutiger Schorf am Hals. Keine farbige Iris. Keine bläulichen, durch die Haut hindurchschimmernden Adern. Keine Wimpern oder Augenbrauen. Die Glatze war so glatt das sich Fackelschein darin widerspiegelte.

Wortlos schritten die beiden zu den drei Thronen. Aurore ließ sich auf dem genuesischen Löwenthron nieder. Der zweite... wählte den Aschethron Mailands.

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Livia
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Re: [1004] I principi di Genova [Alle, Versammlung]

Beitrag von Livia » Di 23. Jan 2018, 00:01

Innerlich zitternd, aber in aufrechter Haltung, hatte Livia die Ankünfte beobachtet, sie stand abseits und begab sich auch zu niemandem - obgleich sie mittlerweile schon viele Kainiten hier kannte - musste ja nicht jeder sehen. Jeder Neuankömmling der im Radius ihres Grußes vorbeischritt, wurde so passend gegrüßt, als wüsste sie mittlerweile, bis auf die wenigsten Ausnahmen, von allen. Vor allem Godeoc ließ ihr kurz das Herz in den Rock sinken. Ferrucio hingegen nahm sie ohne negative Emotion in ihr Bewusstsein auf, ein seltsam aussehender Mann, gewiss... aber er war ihr nie beschrieben worden. Die traurige Kappadozianerin genoss einen Moment mehr der Aufmerksamkeit der Neuen, sie hatte so wenig und doch viel von ihr gehört... Angelique und Sousanna konnten eine kurze Wärme, sehnsuchtsvoll und fast ängstlich, im Augenschein ihrer neuen Verbündeten erahnen, wie gerne wäre sie zu ihnen... doch jetzt war dies noch nicht möglich. Dem Rest der Bande musste dieser Anblick verborgen bleiben, andererseits, wer würde sie überhaupt mehrerer Blicke würdigen und wozu?

Als fast zuletzt die schon so vielfach bepriesene Herrin der Schatten den Saal betrat... erschrak Livia fast. Es kostete sie Mühe, ihre Augen nicht auf der Frau zu lassen, nur passenden Gruß und nicht mehr zu offerieren. Warum mussten so viele Kainiten in dieser Stadt so gruselig und machtvoll sein? War das nicht Genuas Stärke... der Mangel an Alten... und nun sammelten sich hier bald so viele Ankilla und Ahnen wie Neugeborene, und die Prinzessin und die Mailänder waren noch gar nicht da!

So gut die Informationen über die aktuellen Kainskinder also waren, dieser Gesamteindruck hatte wohl getäuscht... wie gut, dass man vorbereitet war, dass man die Namen und Ränge und Grüße kannte, von niemandem groß beachtet wurde und sich so also nur von hinten bis vorne überlegen konnte, wie man die eigenen Geschenke präsentieren könnte, ohne dass es negativ aufzufassen wäre... So hieß es also einfach weiterhin eine stille dekorative Puppe in diesem Caspertheater der Hölle zu bleiben...


Und dann begann der Höllentanz wirklich... zuerst kam der infame Seneschall, dann seine verdächtige Begleitung und zuletzt... nun, zumindest wenige Mailänder. Wie auch bei Acacia gelang es Livia nur mit Mühe ihren Blick nicht penetrant auf dieser traurig strahlenden Sonne zu halten... so nahm sie einfach die Stellung ein, die ihrereins zugedacht war, und wartete ab... als stille dekorative Puppe in der stillen Hölle.
Zuletzt geändert von Livia am Di 23. Jan 2018, 00:07, insgesamt 1-mal geändert.

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Titus
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Re: [1004] I principi di Genova [Alle, Versammlung]

Beitrag von Titus » Di 23. Jan 2018, 00:03

Titus bemerkte den Benediktiner, der mit seiner Entourage ankam und folgte ihm mit seinem Blick. Seine Überraschung ließ er sich nicht anmerken...schließlich hatte er schon vermutet, dass er hier auftauchen würde. Den beiden Begleitern schenkt Titus ebenfalls einige Aufmerksamkeit, Gesichter und Gestaten, die er seit langer Zeit nicht mehr gesehen hatte. Ein leicht besorgter Blick ging hin zu Furfur...

Doch als die Herrscherin der Domäne den Saal betrat, gehört ihr allein seine Aufmerksamkeit. Ohne großartig zu zögern sank Titus auf ein Knie und senkte sein Haupt, um als Vasall der Domäne Genua seiner Lehnsherrin den gebührenden Respekt zu zollen. In dieser Position verharrte er geduldig und reglos.
Todesqualen, Gott, jedem Ketzer, den ich sehe
Denn dein Wille geschehe
und ungebeugt, bis zum jüngsten Gericht
tu ich gottergeben meine Pflicht

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