[1003] Fürsten, Schattenhexer und liebreizende Herzoginnen[Ilario, Caspar (SL)]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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[1003] Fürsten, Schattenhexer und liebreizende Herzoginnen[Ilario, Caspar (SL)]

Beitrag von Sousanna » Fr 29. Dez 2017, 11:22

Dicke schwere Schneeflocken fielen und bedeckten den Schmutz der Stadt. Eine weiße Decke legte sich wie die Stille auf Straßen und Häuser und es schien als nähme sie alle Hässlichkeit von Genua. Anfangs hatte Sousanna jeden Winter noch ärger verabscheut als die Nähe von Gangrel. Doch inzwischen war auch der Schnee der Ravnos etwas ans Herz gewachsen. So musste die Anwesenheit ihres Blutsvater noch nicht einmal ihre Laune aufheitern.
Entspannt wartete sie also auf ihren Gast in jener Schenke, in der sie sich einst kennen gelernt hatten. Bis Ilario kam, sprach sie sanft mit den Gästen, war wie eh und je die hübsche Schankmaid, die einst die Geschichte von Werwölfen erzählt hatte, und brachte Wein unters Volk. Die Stimmung im Gastraum steigerte sich bald wieder in jenen bunten Trubel, den sie bereits kannten, und immer wieder flogen die Blicke der Elster zu dem Mann, der an einem der Tische in den Schatten saß und scheinbar immer wieder etwas Wein aus einem Krug trank. Und sollte er ihr Lächeln erwidern, schien ein sanftes Strahlen von der Schönen auszugehen.

Die beiden wurden - für eine Taverne, in der hauptsächlich der Abschaum Raveccas verkehrte - mit ausnehmenden Respekt behandelt. Niemand pöbelte den Fremden an, viel eher schien man seiner seltsamen Erscheinung wenn überhaupt mit Neugier und Bewunderung zu begegnen. Und auch die unschuldige Byzantinerin wurde zwar wie immer begehrt und bewundert - ja von Zeit zu Zeit auch in kleinere Intermezzos verwickelt, die bedrohlich hätten enden können, doch insgesamt schien auch hier nichts zu geschehen, dass wirklich gegen ihren Willen war.
Das Alla Murra war friedlich. Beinahe gemütlich heute Abend. Hätte die Hehlerin nicht noch einen Gast erwartet, wäre sie heute vollends entspannt gewesen. So entspannt, dass sie den Abend vielleicht sogar mit einem Raubzug beendet hätte, doch Politk forderte ihren Preis - und dieser Preis war meistens Spaß und Seelenruhe. Wenigstens war Caspar dabei. Wenn ihr Blutsvater in der Nähe war, war beinahe alles Spaß und Freude. Zumindest litt sie dann nicht unter jener ständigen Sehnsucht. Und vielleicht war er ja sogar auch stolz auf sie. Dann konnte die Nacht nur grandios enden.
Mit einem warmen Gefühl im toten Herzen, lehnte sie sich in einem ruhigen Moment an die Theke, präsentierte dadurch in jener zufälligen Anmut, die ihr so sehr zu eigen war, den wohlgeformten Leib, und blickte mit einem erwartungsvollen Lächeln zur Tür.
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Re: [1003] Fürsten, Schattenhexer und liebreizende Herzoginnen[Ilario, Caspar (SL)]

Beitrag von Ilario » Di 2. Jan 2018, 16:35

Die Tür ihres Etablissements öffnete sich just in diesem Augenblick und die weiße hölle dort draußen spuckte zwei eingeschneite Gestalten ins Alla Mura. Eine der beiden entpuppte sich sogleich als der Erwartete. Ilario öffnete die silberne Fibel die seinen Mantel hielt und reichte diesen dem jungen Mann der ihn begleitete. Dieser, dem Kurzschwert an seiner Seite nach ein Wächter, schüttelte den Schnee von dem gereichten, wie auch dem eigenen Mantel. Dann nahm er auf einen Wink Ilarios an einem Tisch Platz wo dem Würfelgott gehuldigt wurde.

Ilario selbst richtete derweil kurz seine edle Tunika aus schwarzem Stoff, die in den Saum eingearbeiteten Silberfäden ließen auch den letzten Zweifel verstummen, ob dieser Mann hierher gehören würde. Und obwohl er dies eindeutig nicht tat bewegte der Schatten sich voller Selbstvertrauen durch die Schenke sobald er Sousanna erblickt hatte. Zwei Schritte vor der Byzantinerin blieb Ilario stehen und nickte der Hausherrin mit dem ihr gebührenden Respekt zu.


"Seid mir gegrüßt werte Sousanna, es is mir eine Freude Gast sein zu dürfen in eurem Haus."

Caspar schien er weder bemerkt zu haben, noch wusste Ilario ja überhaupt wie dieser aussah. Warum er den Ancilla vom Blut der Wanderer hatte treffen wollen hatte er Sousanna nicht gesagt, dennoch ahnte sie vielleicht, dass es mit einem Namen den sie beide gehört hatten zusammenhängen mochte... Und einem Namen den Ilario herauszufinden gedachte, herausfinden musste.
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Re: [1003] Fürsten, Schattenhexer und liebreizende Herzoginnen[Ilario, Caspar (SL)]

Beitrag von Sousanna » Do 4. Jan 2018, 12:16

Der so völlig deplaziert wirkende Fremde bekam ein strahlendes Lächeln zugeworfen und sogar einen ehrerbietigen Knicks, der wie er wusste, zu jenem gerissenen Spiel gehörte, das die Fürstin der Täuschungen in der Öffentlichkeit beinahe in Perfektion zu spielen pflegte. Schließlich neigte sich ihr Haupt noch in dem gebührenden Respekt und ehrlicher Anerkennung.
"Und seid mir gegrüßt und herzlich willkommen, werter Ilario.", lächelte sie ihn ruhig an. Übergangslos war sie ins sacht wogende Griechisch gewechselt. "Mir ist es eine Freude euch wohlbehalten zu sehen."

Kurz wanderte ihr Blick über die Menge im Alla Murra, verriet jedoch nicht, wo sich ihr Vater im Blute sich befand. Er würde zu ihnen stoßen, sobald er es für richtig hielt. Wanderer waren frei und kamen und gingen wie es ihnen beliebte. Noch mehr wenn sie so mächtig waren, wie Caspar.
"Mein Vater wird bald zu uns stoßen", erklärte sie schließlich ihrem Gast und lächelte etwas entschuldigend, als wäre es ihr unangenehm ihn warten lassen zu müssen. "Habt ihr denn die letzte Zeit angenehm verbringen können, nun, da die ersten Schrecken des Krieges hinter uns liegen?"
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Re: [1003] Fürsten, Schattenhexer und liebreizende Herzoginnen[Ilario, Caspar (SL)]

Beitrag von Ilario » Fr 5. Jan 2018, 14:36

Ilario war lange genug untot um fleischliche Gelüste nur noch als das Werkzeug der Jagd zu sehen das sie waren, doch war er nicht so tot. Sein Blick wanderte über die wohlgeformte Gestalt der Byzantinerin. Ja, Ramon hätte ein glücklicher Mann werden können. Dann schob Ilario solch oberflächliche Gedanken beiseite und erwiderte:

"Es wird mir eine Ehre sein den weitgereisten Fürsten der thrakischen Lande zu treffen.
Angenehm? Nun ja, irgendwie ruhiger zumindest. Glücklicherweise scheint sich im Bischofskastell derzeit auch nicht wichtiges zu regen. Leider habe ich seit der Befreiung der Stadt auch nichts mehr von Schatten und Wolf gehört. ich hoffe das ändert sich spätestens bei Hofe. Wie ist es euch ergangen werte Sousanna?"


Wohl nicht allzu schlecht, zumindest hier in ihrer natürlichen Umgebung wirkte Sousanna wie ein Fisch im Wasser. Er würde aufpassen müssen, wenn Sousanna schon eine Meisterin der Täuschung war, wie gerissen wäre dann erst ihr Lehrmeister?
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Re: [1003] Fürsten, Schattenhexer und liebreizende Herzoginnen[Ilario, Caspar (SL)]

Beitrag von Sousanna » Sa 6. Jan 2018, 12:09

Wohl hätte Ramon mehr als glücklich werden können, doch die Ravnos hatte seit jener schrecklichen Nacht der Rückeroberung Genuas nichts mehr von ihm gehört - und der Verrat, den er begangen hatte, ließ den Groll gegen ihren Verlobten immer und immer wieder auflodern. Noch nicht einmal jenes anberaumte Treffen mit der anderen Verräterin hatte die Feuer ihres Zorns besänftigt. Viel mehr schienen sie dadurch noch präsenter, noch glühender auf ihrer Seele zu lasten.
Doch davon ließ sich die Herrin dieses Basars der Lüste nichts anmerken. So lächelte sie ruhig über Ilarios Bericht und nickte leicht. "Der Krieg hat viele Wunden hinterlassen.", begann sie leise und sanft zu erzählen. "Die einen gilt es zu verbinden, die anderen noch einmal aufzureißen, um irgendwann Linderung zu haben. Also ja, es sind anstrengende Zeiten, auch wenn zunächst einmal Ruhe eingekehrt sein mag. Bleibt zu hoffen, dass es nicht jene viel beschriebene Ruhe vor einem Sturm ist."

In einer scheinbar gelassenen Geste, strich Sousanna sich durchs Haar, doch Sorge stand in ihrem Blick. "Nein, auch ich habe nichts von ihnen gehört. Es scheint als hätte die Nacht sie fürs Erste verschlungen.", gab sie zu und sah über die Stube hinweg als gäbe es dort irgendwo einen Hinweis, wo die beiden Anchilla stecken mochten. "Aber ich bin mir sicher, dass sie zum Hof wieder zu uns stoßen werden. Immerhin wird dieser für uns alle ein mehr als aufschlussreiches Ereignis."
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Re: [1003] Fürsten, Schattenhexer und liebreizende Herzoginnen[Ilario, Caspar (SL)]

Beitrag von Ilario » Mo 8. Jan 2018, 16:30

"Wie recht ihr habt. Manche dieser Wunden werden nie verheilen beziehungsweise müssen tatsächlich zuerst erneut aufgerissen und ausgebrannt werden. Narben werden wohl aber in jedem Fall zurückbleiben. Ebenso hoffe ich natürlich, dass ihr auch darin recht habt, dass nun ruhigere Zeiten nahen. Sollte wieder erwarten Sturm aufkommen, so sind wir beide nun auch in einer Position die uns erlaubt ihn abzuwettern."

Noch wusste Ilario nicht welche Narben er noch davontragen sollte, welche Kriegsverletzungen wieder aufgerissen und vielfach schmerzen würden. Noch war die Nacht der Audienz nicht gekommen. Sorgenvoll dachte er zudem an Acacia und Brimir, Sousannas Formulierung hate etwas verstörendes an sich. Etwas das Ilario an Geheimnisse in den tiefsten Schatten des Clan Lasombra denken liess...

"Hoffen wir, dass die Nacht sie nicht wortwörtlich verschlungen hat. Der Hof, die Versammlung, wird hoffentlich nicht nur aufschlussreich sondern auch ein Element welches die Stabilität in der Domäne wiederherstellt."

Er hasste es wirklich nicht ohne bewaffnete Begleiter auf Genuas Straßen wandeln zu können, er hasste die Unklarheiten im Senat und er hasste vor allem die unplanbare Ungewissheit des Hoftages.
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Re: [1003] Fürsten, Schattenhexer und liebreizende Herzoginnen[Ilario, Caspar (SL)]

Beitrag von Il Canzoniere » Sa 20. Jan 2018, 14:07

Caspar tauchte einfach zwischen den Leuten auf. Als ob er eben noch Teil der Menge gewesen war. Einer von vielen schmutzigen und bunt zusammengewürfelten Leute die hier lachten, schrien, sangen oder tranken. Eben war er noch jemand gewesen der Tiziano dabei anfeuerte wie er "den perversen Dano" erst im Wetttrinken besiegte und ihm dann eine Kopfnuss gab, dann drehte er sich einfach um und war kein Teil der Menge mehr. Als ob er seine Bedeutsamkeit steuern könne.

Mit kaum zehn, locker gesetzten, Schritten war er bei ihnen. Sein eigenartiges Sammselsurium aus teurer Kleidung und deutlich abgenutztem Schutz vor den Gezeiten war einzigartig, aber nicht besonders auffällig an einem solchen Ort. Irgendwie machte sie ihn interessant. Rote Ärmel mit gelben Strichen endeten in den bereits etwas ausgebleichten Händen des gebürtigen....nun genau konnte man das gar nicht sagen.

Während er zu ihnen hinüberkam griff er sich ins lange, volle, dunkle Haar und band es sich mit einem roten Stirnband nach hinten. Seine dunkle Haut mochte früher noch viel dunkler gewesen sein, der Untod forderte jedoch von ihnen allen einen Preis. Die Klinge an seiner Seite fiel Ilario erst im allerletzten Moment auf, so locker und beiläufig trug er sie.

Umso länger man ihn betrachtete, umso mehr eigenartige, unerwartete oder neue Dinge fielen dem Betrachter an ihm auf. Das Kopftuch? Rot.... mit einem hauchdünnen Muster voller weißer Linien die orientalisch anmuteten, gestickt auf armenischem Stoff, nach Art korsischer Piraten gebunden. Die Waffe? Im iberischen Stil leicht gebogen, jedoch nach nordafrikanische Machart dekoriert und getragen wie von einem fränkischen Edelmann. Die Ringe? All diese Ringe... Goldene, silberne, kupferne, hölzerne, sogar einer aus Onyx, war...dort ein Bischofsring dazwischen?

Locker blieb er neben dem Tisch stehen und schmunzelte Sousanna an. Er bot ihr eine Hand dar um ihre entgegenzunehmen. Gab ihr einen angedeuteten, durchaus ritterlich anmutenden Kuss darauf und steckte ihr drei Ringe auf die Finger eher er sich an Ilario wandte:

"Ihr müsst Signore Contarini sein." erklärte er mit einem ungewöhnlich rauen Akzent. Ungarn? Bulgarien? Thrakien? "Caspar. Es ist mir eine Freude." Er reichte die Hand über den Tisch, schüttelte die des Lasombras und ließ sich dann auf einen leeren Stuhl neben Sousanna fallen. Mit lockerem Blick musterte er Mercurio und las offenbar aus dessen Haltung seine Herkunft heraus. Ehe er sich wieder an Ilario wandte.

"Wie ist das Wetter in Venezia?"

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Re: [1003] Fürsten, Schattenhexer und liebreizende Herzoginnen[Ilario, Caspar (SL)]

Beitrag von Sousanna » Sa 20. Jan 2018, 21:45

In Schwermut gefangen hatte die Schöne genickt. "Ihr habt Recht.", seufzte sie und verschränkte ihre Arme, als wolle sie sich vor dem Schmerz der ausgebrannten Wunde schützen. "Doch es bleibt das Beste zu hoffen."
Offensichtlich bemühte sie sich um ein kleines Lächeln, das ihre Sorge etwas überspielen sollte. Dann strich sie sich durch die dunklen Locken und zuckte die Schultern. "Nun, in jedem Fall wird es ein spannender Sturm werden. Hin und wieder ist auch das von Bedeutung. - Aber ja in jedem Fall wird der Hof unserer Domäne wieder jene Stabilität verleihen, die ihr zu altem Glanz und noch viel schillernderer Größe verhelfen kann..."

Ein Lächeln trat auf ihre Züge und mit einem Mal schien sie etwas abgelenkt, da jener unauffällig auffällige Mann auf sie zutrat. Ganz unwillkürlich röteten sich ihre Wangen und in ihren Blicken lag ein Funkeln. Sousanna schien allein durch seinen Anblick auf ihre Art wohl nach Hause gekommen zu sein, da sie sich anmutig erhob, ihren Blutsvater zu begrüßen.
In einer formvollendeten Bewegung reichte sie dem Fürsten der thrakischen Lande ihre Hand und knickste. Wieder blitzten die dunklen Augen auf, zeigten eine Form des Amüsements, das wohl nur zwischen den beiden verstanden wurde. Schließlich setzte sie sich wieder und würde den beiden Söhnen des Kains ihr Gespräch lassen. Es war klar, dass es in keinem Fall ein gewöhnliches Gespräch werden würde. Zumindest keines das man an Standards zwischen Kindern der Nacht messen konnte.
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Re: [1003] Fürsten, Schattenhexer und liebreizende Herzoginnen[Ilario, Caspar (SL)]

Beitrag von Ilario » Di 23. Jan 2018, 15:00

Ausgesprochen interessiert nahm Ilario all die Details der ungewöhnlichen Erscheinung Caspars zur Kenntnis. Bevor er selbst das Wort an den Ancilla richtete und ihm antwortete verneigte Ilario sich angemessen tief.

"Ilario Contarini, es ist mir ein Vergnügen verehrter Herr. Eure werte Tochter berichtete in den höchsten Tönen von euch und euren Reisen, weshalb ich um dieses Treffen ersuchte. Um eure Frage zu beantworten, das Wetter in Venzia ist derzeit wirklich ungemütlich. Ein Aufenthalt dort ist wirklich nicht zu empfehlen, das einst schillernde Nachtleben erscheint fast gespenstisch. Wie ausgestorben.

Darf ich fragen wie euch Genua bisher gefällt? Was haltet ihr von der derzeitigen Wetterlage hier? "


Die meergrauen Augen wanderten zu Sousanna und dann über die anderen Tavernengäste. An die Gastgeberin gewandt sprach er in leisem Tonfall, einen Fauxpas wollte er in ihrem Domizil dann doch vermeiden.

"Können wir hier frei sprechen oder lieber bedeckt?"

Ilario schien es gleich, ob frei oder in Andeutungen und Doppeldeutigkeiten, die Unterhaltung wäre nur unwesentlich mühseliger. Vielleicht sogar unterhaltsamer wenn weniger direkt, ein Tanz der Worte womöglich...
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Re: [1003] Fürsten, Schattenhexer und liebreizende Herzoginnen[Ilario, Caspar (SL)]

Beitrag von Sousanna » Mo 5. Feb 2018, 15:16

Sie hatte das Gespräch ruhig verfolgt oder besser es verfolgen wollen, zumindest für eine Weile, ehe sie den Umzug vorgeschlagen hätte, doch da der Blick aus Meeresgrün sie traf, zeigte sie ein leichtes Nicken. Mehr die Andeutung einer Bewegung als tatsächlich eine.
"Kaum jemand hier versteht unsere Sprache.", erwiderte sie und einmal mehr ähnelte ihr Griechisch, den sanften Wellen, die träge aber voller Schönheit gegen das Hafenbecken schwappten. Beinahe konnte man sogar die Spiegelungen der Sonne auf der Wasseroberfläche in dieser ihrer Muttersprache fühlen. "Vor den gewöhnlichen Gästen würde ich mich kaum fürchten, was das freie Sprechen angeht. Aber man weiß nie, wer sich wo herumtreibt. Ich habe also ein Zimmer vorbereiten lassen. Wo wir sprechen, liegt in eurer Hand."
Ihr Blick lag unterdessen zwar immer noch auf dem Gesicht des Schattens, doch er huschte immer wieder zu ihrem Vater im Blute hinüber. Es war klar, das am Ende immer noch Caspar entscheiden würde, wo und wie sie sprachen.
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