[1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Seresa
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Re: [1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Beitrag von Seresa » So 7. Jan 2018, 16:06

Seresa verneigte ihr Haupt vor Sousanna, während ihre Hände noch immer aufeinandergelegt vor ihrem Körper ruhten. Ihre Haltung war aufrecht und erinnerte an die einer wartenden Dienerin. Die Brujah schüttelte leicht den Kopf.

„Wer sich mir und meinem Handwerk anvertraut, wohlwerte Sousanna, erwartet Loyalität und Stillschweigen von mir. Eine Gewissenhaftigkeit in die Erfüllung der Aufgabe und eine Beständigkeit in meiner Empfehlung und Beratung. Ein Vertrauen in mich und mein Tun ist unerlässlich, gerade wenn es zu Punkten kommt, an welchen der Auftraggeber oder die Auftraggeberin keine Möglichkeit der Kontrolle besitzt.“

Sie schwieg für einen kurzen Moment.

„Bei allem gebotenen Respekt Euch und Eurer Tätigkeit gegenüber wären dunkle Geschäfte nichts, was meinem Ruf förderlich wäre und Vertrauen in mich oder gar mein Handwerk schaffen würden.“

Seresas Hände beschrieben eine sich öffnende, gar entschuldigende Geste.

„Ich sehe mich und mein Tun als Werkzeug, wohlwerte Sousanna. Nicht ich entscheide, sondern der Herr oder die Herrin in dessen oder deren Dienste ich stehe. Verstehen sie das Werkzeug weise zu nutzen, wird es ihnen gute Dienste leisten.“

Sosehr man es ihr auch vorwerfen oder gar zur Last legen wollte, sah Seresa sich in ihrem Tun wohl als eine Art Söldnerin. Wie Sousanna gedachte ihr neues Werkzeug nutzen zu wollen, lag somit schließlich einzig und alleinig bei ihr. Sie hatte 13 Jahre lang Zeit.

„Bitte seid versichert, wohlwerte Sousanna, dass ich mich geschmeichelt ob Eurer Aussage bezüglich der Karriere und meiner möglichen Qualifikation hierfür fühle. Dennoch ist dies mit allem gebotenen Respekt Euch gegenüber wahrlich nicht mein Ziel.“

Sie verneigte sich erneut vor der neuernannten Mondsenatorin.

„Auf Eure Frage bezüglich des verehrten Benedettos lautet meine Antwort: bedauerlicherweise nein. Mir war es noch nicht vergönnt seine Bekanntschaft zu schließen.“

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Re: [1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Beitrag von Sousanna » So 7. Jan 2018, 16:52

So diese Antwort die Ravnos überraschte, ließ sie sich nichts davon anmerken. Viel mehr schmunzelte sie etwas amüsiert über diese Erklärung und hörte sie sich ruhig an, ehe sie leicht nickte. War das nun Respekt oder nur stumme Erfüllung einer erwarteten Geste? Es blieb schwer zu sagen. Die Miene der Schönen war wohl schon Jahrzehnte eine bloße Maske, wenn sie auch dem lebendem Objekt sehr glich, so war es kaum möglich die wirklichen Empfindungen dieses Wesens zu erahnen.
"Gewiss tut ihr das.", bestätigte sie leise, wie nachdenklich. Dann spitzten sich ihre Lippen eindrucksvoll. Eine Geste, deren Ästhetik man kaum abstreiten konnte.

Schließlich fragte sie überraschend ruhig: "Wisst ihr, was ich an euch beinahe schon bewundernswert finde?" Eine kleine Pause entstand, ehe sie sich selbst antwortete: "Dass ihr es schafft mir bei allem gebotenen Respekt mit und meiner Tätigkeit gegenüber - in reiner Dienstbeflissenheit zu erklären, dass ihr mich für töricht und mein Handwerk für rufschädigend empfindet."
Die schmalen Schultern zuckten als empfände sie das tatsächlich als Wunder. "Und das faszinierende ist, dass ich diese Eigenschaft zwar im ersten Moment immer als ... nun sagen wir ... recht unhöflich empfinde, aber sie dennoch bewundere. Vielleicht kann ich in diesen dreizehn Jahren noch etwas von euch lernen." Jenes kühle Lächeln zierte wieder ihre Mundwinkel, das einer gewissen amüsierten Gleichgültigkeit ausgehen ließ.

"Vielleicht ... sollten wir uns innerhalb der nächsten Jahre, doch etwas besser verstehen, kann ich euch gerne einmal zu ihm mitnehmen.", schlug Sousanna schließlich ruhig vor. Ein winziges Friedensangebot möglicherweise. "Seine Schreibkunst übertrifft alles, was ich je gesehen habe - und ich denke, euch könnten sowohl seine Werke als auch seine Klugheit durchaus gefallen. Ich ihm während des Krieges ohnehin versprochen, ihn einmal in ruhigeren Zeiten zu besuchen."

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Re: [1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Beitrag von Seresa » So 7. Jan 2018, 18:00

„Euer großzügiges Angebot ehrt Euch wahrlich, wohlwerte Sousanna.“

Seresa verneigte das Haupt vor Sousanna.

„Mir ist durchaus bewusst, dass unser Verhältnis nie das in freudiger Erwartung einer alten Freundin sein wird. Zu sehr hat mein Verhalten Euch und Euer Vertrauen in mich beschädigt. Dennoch bin ich gekommen, als Ihr gerufen habt.“

Die Brujah öffnete fast versöhnlich ihre Hände. Zeigte Sousanna ihre bloßen und waffenlosen Handinnenflächen.

„Dennoch bin ich hier und habe mich in Euren Dienst gestellt.“

Das Warum ließ Seresa offen, doch ihre zurückhaltende Körperhaltung und ihre wenig aggressiven Worte im Vergleich zum Beginn des Gespräches spiegelten wieder, dass sich scheinbar etwas geändert hatte, was offensichtlich mit dem Wechsel des Gefallens zur Besänftigung von Sousannas Groll zusammenhing.

„Denn wahrlich, wohlwerte Sousanna, einerlei ob Ihr gewillt seid, dies mir zu glauben oder nicht, es ist und bleibt mein aufrichtiger und redlicher Wunsch, Eure Vergebung für meine tiefe Schuld zu erlangen. Ich hoffe, dass Ihr dies eines Nachts erkennen werdet.“

Sie verneigte sich tief und respektsvoll vor Sousanna.

„Was meine Aussage Euch gegenüber angeht, so habt Ihr mich, bei allem gebotenen Respekt, womöglich falsch verstanden. Ich empfinde Euch wahrlich nicht als töricht, wohlwerte Sousanna, habt Ihr schließlich mir gegenüber eine überaus umsichtige Entscheidung gefällt.“

Die Brujah schwieg für einen kurzen Moment.

„Bitte verzeiht meine offenen und direkten Worte Euch gegenüber, jedoch müsste ich - so ich dunkle Geschäfte in Genua anstreben würde - über kurz oder lang versuchen, Euch Euren verdienten Ruf als Prinzessin der Unterwelt strittig zu machen.“

Seresa schüttelte kurz, aber bestimmt den Kopf.

„Das ist wahrlich nicht mein Ziel in Genua.“

Sie schwieg für einen kurzen Augenblick, bevor sie weitersprach.

„Zumal eine Prinzessin etwas ausstrahlen sollte, was ich bei Leibe nicht ausstrahlen kann. Ich besitze wahrlich nicht die erforderlichen Reize. Ich besitze weder eine charmante Art, noch eine Art, welche andere vor mir erzittern lässt. Ich bin und bleibe in meiner Art schlicht und gewöhnlich. Ich bin eine Gelehrte im besten und ein Monster im schlimmsten Fall.“

Erneut ein kurzes Schweigen, bevor sie fortfuhr.

„Dies ist der Grund, wohlwerte Sousanna, weshalb ich sagte, dass dunkle Geschäfte nicht meinem Ruf förderlich wären und Vertrauen schaffen würden. Denn wahrlich, wohlwerte Sousanna, ich würde mich bei dem Versuch, Prinzessin der Unterwelt zu werden, schlich und ergreifend lächerlich machen.“

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Re: [1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Beitrag von Sousanna » So 7. Jan 2018, 19:46

Tatsächlich wirkte die Ravnos einen Moment etwas weicher, allerdings auf ehrlichere Weise, als je zuvor. „Gewiss – es ist als wolle man einen zerbrochenen Krug wieder kitten.“, attestierte sie gelassen und seufzte ein wenig. Vielleicht sogar als bedauerte sie etwas daran ein kleines bisschen. „Allerdings kann man versuchen, die Nacht nicht zu verschwenden und etwas neues aus den Bruchstücken entstehen zu lassen.“
„Ich weiß, dass es nicht einfach für euch ist. Dass ich nicht die einfachste Herrin bin. Nicht nach unserer Vorgeschichte.“ Sie lächelte ein halbes Lächeln. Ein Versuch von etwas Freundlichkeit ihrer neuen Schreiberin gegenüber wohl. „Aber ich will ehrlich sein, ich respektiere euch sehr für eure Entscheidung, euch in meinen Dienst zu stellen. Sie zeugt von Mut und Intelligenz.“

Kurz biss sie sich auf die Lippen, dann verkreuzten sich ihre Arme gelassen. „Dann bitte ich euch um Verzeihung für meinen Fehler und danke euch für diese Komplimente.“, bat sie und blickte der Brujah fest in die Augen. „Ich habe nur eine Bitte. Lasst dieses bei allem gebotenen Respekt, lasst die wohlwerte Sousanna und all diese Floskeln. Sie sind an diesem Ort deplatziert und sorgen dafür, dass man zwar alles unendlich höflich klingen lassen kann, aber schaffen auch eine Distanz, die ein Vertrauen, das vielleicht jemals zwischen uns wachsen könnte, erstickt wie plötzliche Kälte eine Frühjahrsblüte.“

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Re: [1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Beitrag von Seresa » Mo 8. Jan 2018, 01:23

Seresa nickte verstehend.

„Wie Ihr wünscht.“

Ganz floskelfrei schien es Seresa noch nicht zu gelingen, aber wie auch der verehren Ältesten der Lasombra gegenüber, würde die Brujah versuchen so schnell wie möglich zu erlernen direkter zu sprechen. Seresa schwieg für einen kurzen Moment.

„Ich weiß, auch für Euch ist es nicht einfach, Sousanna. Ich danke Euch dafür, überhaupt den Versuch wagen zu wollen, etwas Neues aus den Bruchstücken entstehen zu lassen.“

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Re: [1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Beitrag von Sousanna » Mo 8. Jan 2018, 12:14

Das Nicken brachte tatsächlich ein ehrliches Lächeln auf Sousannas Gesicht zum Erblühen, indem man vielleicht sogar eine davor verborgene Leichtigkeit erahnen konnte. "So können wir zumindest beide versuchen einmal einen normalen Umgang zu pflegen.", erklärte sie ruhig und wanderte zum Bett, um sich dort mit elegant überschlagenen Beinen zu setzen.
Eine kleine Handbewegung lud dazu ein, neben ihr Platz zu nehmen.

"Nein", erwiderte sie gelassen. "Leicht ist es gewiss nicht. Aber was ist im Leben schon leicht? Noch mehr im Unleben. Ich bin der festen Überzeugung, dass Trümmer dazu da sind, aus ihnen neues zu bauen. So sehe ich mein Handwerk und so handle ich auch in meinen Nächten. Wir beide können mehr davon profitieren, wenn wir versuchen uns zusammenzuraufen, als wenn wir beide unsere Energien darauf verwenden, der anderen den Tod zur Hölle zu machen." Sousanna schüttelte gleichgültig den Kopf. "Wir haben zwar viel Zeit durch unseren Fluch gewonnen, aber man muss sie auch nicht vollends sinnlos verschleudern."

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Re: [1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Beitrag von Seresa » Mo 8. Jan 2018, 15:03

Seresa folgte der einladenden Geste der Ravnos und setzte sich neben sie in ausreichendem Abstand auf das Bett. Entgegen Sousanna überschlug Seresa ihre Beine jedoch nicht. Stattdessen hielt sie sie geschlossen und parallel, während sie ihren Körper leicht in Richtung Sousanna eindrehte.

Als Sousanna geendet hatte, nickte Seresa zustimmend.

„Das ist wohl wahr, Sousanna. Die Zeit ist wahrlich kostbar.“

Dann schwieg sie für einen Moment. Sie schien nicht wirklich zu wissen, worüber sie mit der Ravnos sprechen sollte, waren schließlich die Gespräche mit ihr immer letzten Endes in eine Richtung verlaufen, die für sie beide nicht gut endete. Dennoch war viel Zeit vergangen seit ihrem letzten Treffen. Unsicher spielten ihre Finger mit dem Saum ihres Umhangs. Da stand noch immer etwas Unausgesprochenes zwischen ihnen.

„Ich hatte Euch nie gesagt, dass ich es aufrichtig bedauere, dass die verehrte Acacia Euren werten Verlobten und meinen werten Clansbruder Ramon damals aus Genua verbannt hatte.“

Seresa schwieg für einen kurzen Moment.

„Ich wusste wahrlich nicht um die Begebenheiten und es war das Letzte, was ich wissentlich tun wollte.“

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Re: [1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Beitrag von Sousanna » Mo 8. Jan 2018, 15:34

Die Ravnos hatte ehrlicherweise nicht erwartet, dass Seresa ihrer Einladung zu einer solch persönlichen Nähe einging, doch auch sie wandte sich ihr zu. Im Gegensatz zu ihrem Gegenüber zeigte sie eine ruhige Gelassenheit, während sie den Worten lauschte.
Als sie aber geendet hatte, pressten sich ihre vollen Lippen etwas zusammen und leise Trauer spiegelte sich in ihrem Blick wieder. Kurz vermochte man sogar einen rötlichen Schleier im Rehbraun der Seelenspiegel erahnen. Eine lange Weile herrschte Schweigen, dann schluckte Sousanna schwer und atmete tief aus. Für einen Augenblick hatten sich ihre Finger in den schwarzen Stoff gekrallt, als suche sie Halt.

"Ihr ... seid nicht Schuld an dem, was mein Verlobter ... getan hat.", brachte sie etwas angestrengt hervor. Ihr Blick haftete an der gegenüberliegenden Wand. Man konnte erahnen, dass sie wieder in jenem Raum war. In Gedanken wieder mit Ramon sprach. Wieder jenen Verrat heiß und kalt in ihren Adern spürte. "Er ... scheint sich so sicher gewesen zu sein im Zusammenhalt des Blutes, das er ... alles riskiert hat. Das Unleben der anderen Verschwörer, seines ... meines." Schmerz war in ihrer Stimme zu hören, ehe sie sich zu Seresa wand und ihr ein bitteres Lächeln schenkte.
"Ich wünschte, ihr hättet nicht mit den verehrten Anchillae darüber gesprochen - und ich bin mir noch nicht sicher, ob ich euch jemals dafür verzeihen kann, dass ihr der Anstoßstein jener Lawine wart, mir meinen Ehemann entrissen hat. Doch letztendlich wart ihr nur ebenjener Anstoßstein, der seinen Stolz offenbart hat." Sie sprach leise und da sie geendet hatte, war es einige Augenblicke wieder völlig still.
Dann folgte das wohl bitterste Geständnis der heutigen Nacht: "Seit dem Beginn des Kriegers weder gesehen, noch von ihm gehört. Ich weiß nicht einmal, ob er noch auf dieser Erde wandelt."

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Re: [1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Beitrag von Seresa » Mo 8. Jan 2018, 16:55

Seresa blickte auf die verkrallte Hand Sousannas und instinktiv hatte sie sich auf einen Angriff gefasst gemacht. Das Thema war offensichtlich mehr als ein wunder Punkt und zum ersten Mal war Seresa ihr nah genug, um Sousannas Kampf zu sehen. Als sie sich entspannte, blickte Seresa betrübt zu Boden.

„Verzeiht, es war nicht meine Absicht Euch zu verärgern. Doch war es etwas, was noch immer wie eine bittere Wahrheit zwischen uns stand.“

Die Brujah schwieg für einen Moment, bevor sie wieder zu Sousanna aufsah.

„Wenn wir wahrhaft daran interessiert sind, etwas Neues zu schaffen, müssen wir uns zwingen die Scherben anzublicken und sie anzufassen. Bitte verzeiht, sollte ich in diesem Punkt zu wenig Einfühlungsvermögen Euch gegenüber bewiesen haben.“

Seresa verneigte nur kurz entschuldigend ihr Haupt vor Sousanna.

„Ich weiß bedauerlicherweise selbst nicht mehr über den Verbleib des werten Ramon. Die werte Amalia erzählte, dass er den Vasallenschwur an Mailand geleistet hätte und sich der Rückeroberung Genuas angeschlossen hätte. Danach hätte sie ihn nicht mehr gesehen.“

Sie schüttelte leicht den Kopf.

„Ich gestehe, ich weiß nicht, ob dies der Wahrheit entspricht. Sollte es jedoch stimmen, so habe ich wahrlich die stille Hoffnung, dass er noch unter uns weilt. Was sein Verhalten und seine Entscheidung zuvor jedoch angeht.“

Seresa schwieg erneut für einen Moment.

„Unser Blut brennt hell, wenn wir für unsere Überzeugungen kämpfen, Sousanna. Wir versuchen um jeden Preis das Richtige zu tun und andere von unseren Ansichten zu überzeugen. Sie davon zu begeistern. Bedauerlicherweise vergessen wir dabei jedoch nur allzu leicht jede gesunde Vorsicht und jedes angemessene Misstrauen. Vergessen wer uns wahrlich nahe steht und wer uns fremd ist.“

Die Brujah schüttelte leicht den Kopf, während ihr Gesicht aufrichtiges Bedauern wiederspiegelte. Sie schien die Verbannung Ramons offensichtlich tatsächlich zu bereuen.

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Re: [1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Beitrag von Sousanna » Di 9. Jan 2018, 11:23

Wieder schüttelte Sousanna das Haupt und ihr Seufzen klang, als lastete das Gewicht von unzähligen schweren Steinen auf den schmalen Schultern. Ja, es wirkte sogar, als würden eben jene Schultern tatsächlich von der Last unzähliger Felsbrocken hinabgedrückt.
"Ich weiß, dass es nicht eure Absicht war, mich zu verärgern.", erklärte sie sehr leise. Noch immer war ihr Blick an die Wand geheftet. Noch immer schienen ihre Gedanken in jener Nacht zu verharren. "Und das habt ihr auch nicht. Ich ... ich habe nur lange versucht nicht darüber nachzudenken. Den letzten Brief von ihm an mich habe ich bewahrt wie einen Schatz und habe es doch nicht gewagt, ihn erneut zu lesen."

Ruckartig wandte sich ihr Blick der Brujah zu und ein bitteres Lächeln verzog ihre Lippen. "Natürlich werden wir darüber sprechen müssen. ", erwiderte sie und bemühte sich offensichtlich darum, ihre Gedanken vom Schreckensbild des sie verratenden Verlobten wegzureißen. "Nur bitte verzeiht mir, dass mich sein Verlust noch immer schmerzt. Dass auch eine Tochter der Nacht, die der Menschlichkeit schon lange abgeschworen hat und sie lediglich als Maske trägt, manchen Schmerz nicht ganz verdrängen kann." In ihrer Stimme lag unendliche Regung. Etwas an Ramons Verlust und Verrat schienen sie stärker aufgewühlt zu haben als alles andere. War dieses Monster mit den Unschuldsaugen tatsächlich zur Liebe fähig gewesen?

Vorsichtig, zögerlich würde sich eine der warmen, schlanken Hände auf eine von Seresas Händen legen. Keine beherrschende, viel eher eine bittende Geste. "Seresa, so ihr ihn sehen oder Kunde von ihm erhalten solltet, flehe ich euch an, mir davon zu berichten.", bat sie mit gesenktem Kopf.

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