[1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Re: [1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Beitrag von Seresa » So 31. Dez 2017, 12:35

Als sich Seresa ihrer Verärgerung und ihrer verschränkten Arme vor der Ravnos gewahr wurde, wandte sie sich von ihr mit einem fast entnervten Fauchen ab. Ihre Schritte führten sie zum Fenster, aus welchem sie dann einige Zeit schweigend hinausblickte. Zusah wie die Schneeflocken fielen, während sie bewusst einige Male zu atmete. Zumindest schien es so, senkte und hob sich ihr schmaler Brustkorb schließlich sichtbar. Nach einer Weile sanken ihre Schultern ein, während ihr Blick noch immer nach draußen ging. Als sie sprach war ihre Stimme gedämpft und weich, fast mochte man meinen sogar ein wenig gequält.

„Ich kann das nicht, wohlwerte Sousanna.“

Seresa wandte sich um und blickte in Richtung der Ravnos.

„Was in der Via Karina geschehen ist in jener Nacht war schrecklich. Für mich, wie auch für Euch. Ich hatte noch nie zuvor wegen einer solchen Kleinigkeit die Kontrolle verloren und ich kann mir bis heute nicht erklären, wie es dazu überhaupt kam. Bitte glaubt mir, mir ist bewusst, dass ich das was geschehen ist nicht rückgängig machen kann, sosehr ich es auch redlich wünsche. Mein Tier ist wahrlich so kurz davor gewesen, Euch für immer zu vernichten.“

Die Brujah wandte ihren Blick von Sousanna ab.

„Wäre der wohlwerte Gaius nicht wie ein rettender Engel in jener Nacht erschienen.“

Sie blickte auf die Schneeflocken vor dem Fenster, bevor sie den Kopf schüttelte.

„Ich hatte mich vor Euch gekniet und um Eure Vergebung gebeten, denn es war das Einzige, was ich auf Grund meiner schweren Schuld Euch gegenüber tun konnte.“

Dann blickte sie wieder zur Ravnos.

„Mir ist bewusst, dass Ihr mir das worum ich Euch gebeten habe, nicht gewähren könnt, jedoch bitte ich Euch aufrichtig, wohlwerte Sousanna, zwingt mich nicht Dinge zu tun, welche ich wahrlich nicht zu leisten vermag. Mir ist durchaus bewusst, dass Euer Groll auf mich zurecht ist. Dass Eure verehrte Freundin recht hatte, wenn sie mich aufforderte darüber nachzudenken, wie ich Euch gegenüber Abbitte leisten kann. Dass meine Abbitte, die ich Euch bereits geleistet hatte, zu wenig und zu gering sein würde.“

Seresa schwieg und seufzte leise.

„Ich möchte ehrlich mit Euch sein, wohlwerte Sousanna, ich würde gerne länger in Genua verweilen. Unabhängig von meiner Suche, da ich das Gefühl habe, dass jene schrecklichen Dinge, welche in jener Nacht geschehen sind, mich erkennen ließen, dass ich auf dem falschen Wege wandere. Mein Wunsch hierzubleiben ist so stark, dass ich gewillt gewesen wäre, alles für Euch zu tun, nur damit Ihr mir eines Tages vergeben mögt und ich hier in Frieden leben kann. Selbst etwas, was so stark gegen mein eigenes Gewissen und meine Menschlichkeit geht, wie das von Euch verlangte. Womöglich ist dies hier jedoch die gänzlich falsche Art und Weise.“

Die Brujah schüttelte leicht den Kopf, blickte zur Tür und dann wieder zu Sousanna.

„Ich will mich wahrlich nicht gegen Euch, Eure verehrte Freundin oder ihre höchst verehrte Majestät Aurore selbst stellen, doch ich kann Euch wahrlich den Gefallen nicht erweisen, um welchen Ihr mich bittet. Denn selbst wenn es mir gelänge, alle Widrigkeiten zu beseitigen und ich eine Lösung gefunden hätte für etwas wahrlich Unerkennbares, wie wessen Blut womöglich in den Menschen fließt oder wer bereits Anspruch auf sie erhoben hätte, bliebe am Ende immer noch eine Sache, welche ich wahrlich nie zu lösen vermag, nämlich dass unser aller Leben, sei es sterblich oder unsterblich, unter dem Schutze der Hände ihrer höchst verehrten Majestät Aurore und ihrer Obhut liegt.“

Ihr Körper spannte sich an, während eine unbekannte Überzeugtheit zu Tage trat.

„Ich werde Euch den Gefallen nicht tun, welchen Ihr mir offeriert.“

Seresa schwieg erneut für einen kurzen Moment und ließ ihre Worte nachwirken.

„Ich gestehe, ich weiß nicht, was Ihr meintet in jener Nacht in der Gasse in mir gesehen zu haben, doch der Dieb den Ihr womöglich saht, bin ich wahrlich nicht. Das Einzige was ich stehle ist das Blut der Menschen oder Tiere außerhalb der Stadtmauern. Ich bin und bleibe nicht mehr als eine einfache Schreiberin, welche gut klettern kann. Sofern Ihr also weder Verwendung für das eine.“

Die Brujah beschrieb eine öffnende Bewegung mit der linken Hand.

„In Form, dass ich Euch Euer süßes, entlaufenes Kätzchen vom Eurem Dach hole. Einen hübschen Wasserspeier auf die Zinnen Eures werten Heims stelle.“

Die andere leere Hand öffnete sich.

„Oder aber in der anderen Form, dass Ihr unter meiner Verschwiegenheit von meinen Fähigkeiten in der Schriftkunde und Übersetzung Nutzen für Euch ziehen könnt.“

Seresa zögerte einen Moment, führte dann jedoch ihre Hände vor ihrem Körper zusammen und blickte Sousanna ernst an, wobei sie ihr Zittern nicht gänzlich verheimlichen konnte vor der Ravnos.

„Ist da nichts, was ich jemals tun könnte, um wahrlich Eure Vergebung zu erlangen.“

Die Brujah versteifte sich, als sie erneut auf die Tür blickte und langsam, aber bewusst einatmete.

„Vielleicht ist dies mein Schicksal, wohlwerte Sousanna.“

Ihr Blick wanderte fragend zurück zu Sousanna. Seresa signalisierte, dass sie Sousannas Antwort abwarten und nicht einfach gehen würde.

„Dass meine Schuld Euch gegenüber so schwer wiegt, dass ich sie niemals aufwiegen kann. Womöglich verdiene ich, dass mein Unleben zur Hölle gemacht wird. Denn wahrlich, wohlwerte Sousanna, wenn meine Fähigkeiten Euch nichts nützen, gibt es keinen anderen Weg für mich, um wahrhaft Abbitte Euch gegenüber leisten zu können, als mein Knie vor Euch und ihrer höchst verehrten Majestät Aurore demütig zu beugen und den gerechten Zorn wahrhaft über mich ergehen zu lassen.“

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Re: [1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Beitrag von Sousanna » Do 4. Jan 2018, 12:38

Einen Augenblick lang schien die Ravnos die Fassung zu verlieren. Kurz verloren ihre Finger die entspannte Haltung, schienen sich in den schwarzen Stoff zu krallen. Hätte die Tochter der Nacht Fänge besessen, wären sie wohl hervorgeschossen, hätten zähnefletschend ihrem Ärger kund getan, doch so blieb es bei einem kurzen schließen der Augen und einem tiefen, unnützen Atemzug, ehe sie Seresa anblickte.
In den dunklen Augen lag eine seltsame Mischung der Gefühle. Befriedigung und tiefe Entnervtheit waren diejenigen, die man wohl am deutlichsten Ausmachen konnte. Und doch zeigte sie ein Lächeln - auch wenn es das bedrohlichste war, das die Brujah jemals an ihr gesehen hatte. Eines, das offen darlegte, dass die Frau vor ihr damals nicht gelogen hatte, als sie erwähnte, dass sie ohne zu zögern ihre eigenen Kinder ermordet hätte.

"Ihr seid kurz davor eben jenes Schicksal zu besiegeln.", verkündete sie und die eisige Kälte in ihrer Stimme zog sich durch den Raum, so dass ihre Worte trotz des beinahe geflüsterten Tonfalls so präsent waren, als hätte sie sie geschrien. Vielleicht sogar präsenter. Kalte Feuer loderten in den sonst so warmen, sanften Augen. "Ich hatte euch für klüger gehalten. Doch offensichtlich spielt ihr die Weisheit ebenso gut, wie ich die Unschuld."
Ihre Hand hob sich, zeigte einen Finger. "Ich gebe euch nun eine letzte Chance, euch zu retten, wenn ihr eure hübschen Finger nicht erneut mit dem Blut Unbescholtener besudeln wollt. Eure tadellose Moral habt ihr ja bereits oft genug bewiesen." Die so schönen, zum Küssen so einladenden Mundwinkel kräuselten sich leicht zu einem unschönen Ausdruck.
"Dreizehn Jahre des Dienstes als Schreiberin. Keine Fragen. Kein Weiterplappern von irgendetwas. Nehmt an oder geht." Die noch immer erhobene Hand wies zur Tür. "Mehr Geduld habe ich nicht für euch."

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Re: [1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Beitrag von Seresa » Do 4. Jan 2018, 19:22

Seresas Augen und Stirn hatte sich für einen kurzen, minimalen Augenblick gekräuselt, als Sousanna davon sprach erneut ihre Finger mit dem Blut Unbescholtener zu besudeln. Unbescholtener?! Blut an ihren Fingern?! Tadellose Moral?! Oft genug bewiesen?! Die Brujah schien in diesem Moment als Sousanna davon sprach tatsächlich nicht zu verstehen, was diese eigentlich damit meinte.

Doch das war in diesem Moment nicht wichtig. Sie streckte ihre Hand der Ravnos entgegen, bereit den Handel zu besiegeln. Nur diese die Kleinigkeit des Ortes fügte sie dem Handel hinzu. Sie wollte hier bleiben. Mit dem Rest war sie völlig einverstanden.

„Dreizehn Jahre des Dienstes als Schreiberin hier in Genua. Keine Fragen. Kein Weiterplappern von irgendetwas.“

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Re: [1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Beitrag von Sousanna » Do 4. Jan 2018, 19:40

Als würde Sousanna die Brujah fortschicken. Es war bedeutend sicherer einen Feind dicht bei sich zu haben. Es war bedeutend amüsanter sie immer wieder ein kleines Stück zu verderben. Und der kleinen Schlange zu zeigen, dass das Leben als Tochter der Nacht früher oder später immer Dreck auf der weißen Weste hinterließ. Die Ravnos hatte immerhin noch eine ganz eigene Rechnung mit ihr offen. Eine, die sich um ein Boot voller Münzen und einen liebenden Ehegatten drehte.
"Sagen wir, wenn ihr vorhättet, die Stadt zu verlassen, wäre ich äußerst ungehalten.", nickte sie also und schlug in der Geste einer Händlerin ein. Man spürte in der Berührung, dass sie diese Geste schon oft vollführt hatte. "Aber gut, lassen wir die belanglosen Drohungen. So ich mich auf euch verlassen kann, könnt ihr euch ebenfalls auf mich verlassen. Das ist das ungeschriebene Gesetz dieser Welt ohne Gesetze. Ich hoffe für euch ihr respektiert es." Sie sprach im Plauderton. Doch einer Frau von Seresas Intellekt würde klar sein, dass sie hier eine der wichtigsten Regeln der nächsten dreizehn Jahre erläutert bekam.

Dann sah sich Sousanna im Raum um, als gäbe es dort etwas das sie suchte. "Also, seid ihr in der Lage, Griechisch zu schreiben? Es gibt Freunde in Byzanz, die auf einige Nachrichten von mir warten würden.", ging sie dann nahtlos ins Geschäftliche über.

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Re: [1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Beitrag von Seresa » Do 4. Jan 2018, 21:52

Seresa betrachtete ruhig das Gebaren der Ravnos und nickte nur stumm auf die Aussage der ungeschriebenen Gesetze der Welt ohne Gesetze. Sie wusste durchaus, auf welchen Handel sie sich da eingelassen hatte. Wobei Handel hierfür ganz offensichtlich das wahrlich falsche Wort war.

Auf Sousannas letzte Frage nickte Seresa.

„Ja, wohlwerte Sousanna, ich beherrsche das Griechische, Arabische, Lateinische, die Sprache der Franken, sowie die hiesige Sprache in Wort und Schrift.“

Die Brujah legte ihre Hände mit der Handfläche nach oben ineinander und blickte stumm die Ravnos an. Das Wohlwerte hatte nun zum ersten Mal durchaus anerkennend und redlich geklungen.

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Re: [1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Beitrag von Sousanna » Fr 5. Jan 2018, 14:21

Sousanna nickte und eine gewisse Zufriedenheit war in ihren Zügen abzulesen. Sie schloss einige Momente die Augen. Vielleicht eine Geste, die davon zeugte, dass sie ihr Gegenüber nicht für so bedrohlich hielt, dass sie es ständig im Blick halten musste. Vielleicht auch ein Zeichen des zumindest kurzzeitig herrschenden Friedens.
Da sich ihre Seelenspiegel wieder zeigten, war da ein recht distanziertes, aber sogar freundliches Lächeln zu sehen. "Das trifft sich durchaus, werte Seresa.", erwiderte sie und spitzte die Lippen, als wolle sie noch etwas abwarten, ehe sie ihre Pläne offenlegte. "Und wie sieht es mit Urkunden aus? Habt ihr einmal eine ausgestellt? Oder besser, seid ihr im Stande, welche zu kopieren?"

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Re: [1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Beitrag von Seresa » Fr 5. Jan 2018, 15:21

„Nein, wohlwerte Sousanna, ich habe noch nie Urkunden ausgestellt, fehlt mir hierfür wahrlich das Wissen um die Gesetze. Was das Erschaffen einer Kopie angeht.“

Seresa schien einen Moment zu überlegen und nickte schließlich.

„Ich kann Kopien anfertigen, jedoch ist hierbei sicherlich die Frage, welche Qualität Ihr erwartet und ersucht. Einfache Schriftstücke - ohne oder mit einem sehr einfachen Siegel -, welche nur einem flüchtigen Blick standhalten müssen, sind nicht weiter schwierig zu kopieren. Wenn Ihr jedoch vorhättet jemand geübten zu täuschen oder Ihr nicht nur vom reinen kopieren sprechen würdet, sondern von Änderungen im Wortlaut...“

Die Brujah betrachtete die Ravnos wertfrei. Scheinbar hatte Seresa durchaus ihre eigene Meinung über Sousanna und eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was ihr Gegenüber gedachte eigentlich zu tun, wenn diese nach Urkunden fragte. Schließlich befanden sie sich in der Unterwelt mit ihren ganz eigenen Regeln und Gesetzen. Davon schien Seresa nicht weiter abgeschreckt zu sein. Entweder war sie gerade eine überaus gute Schauspielerin oder sie hatte bereits ähnliches getan und es kümmerte sie und ihr Gewissen schlicht nicht. Stattdessen erläuterte sie sachlich weiter.

„... so benötigte so etwas durchaus mehr Vorbereitung und mehr Zeit. Eine Untersuchung ähnlicher Schriftstücke, um Unregelmäßigkeiten oder Gleichheiten der Schriften zu erkennen. Eine Untersuchung der Tinte und ihrer Zusammensetzung. Eine Untersuchung des verwendeten Pergaments. Vor allem, wenn die Urkunde besiegelt wäre mit einem komplexen Siegel, wäre es fast gänzlich unmöglich eine Kopie ohne das entsprechende Siegel und Wachs herzustellen. Vor allem wenn sie einem geübten Blick standhalten müsste.“

Seresa schwieg für einen kurzen Moment.

„Meine redliche Antwort hängt also davon ab, wohlwerte Sousanna, wonach Ihr genau fragt, wenn Ihr mich fragt, ob ich im Stande bin, eine Urkunde zu kopieren.“

Die Brujah verneigte ihr Haupt vor Sousanna, bevor Seresa weiter aufrecht und ruhig im Raum stand. In ihrer Haltung und Körpersprache spiegelte sich wieder, dass sie gerade keinen Widerstand gegen Sousanna leistete, sondern scheinbar mühelos in die Rolle einer dienenden Schreiberin übergegangen war. In eben solcher antwortete sie ihrer neuen Herrin aufrichtig.

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Re: [1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Beitrag von Sousanna » Sa 6. Jan 2018, 12:25

Jenes listige Lächeln, das den Ravnos so zu eigen war, wie keinem anderen Blute, zeigte sich auf den ebenmäßigen Zügen. Erzählte davon, dass Sousanna wohl einen sehr genauen Plan in dieser Sache hatte.
Mit hinter den Rücken verschränkten Armen spitzte sie die Lippen, schien noch einmal kurz nachzudenken und konnte dann anscheinend das Grinsen doch nicht unterdrücken, das ihre Freude an solchen Gaunereien verriet. "Originale kann ich euch beschaffen. Damit könnt ihr dann üben. Die Urkunden dieser Stadt, die ich bisher gesehen habe, sind ... nunja, nicht sonderlich fälschungssicher. Vor allem nicht die, um die es gehen soll. Passierscheine und dergleichen - die Wachen würden es noch nicht einmal erkennen, wenn jemand darauf Beleidigungen geschrieben hätte. Vor allem nicht, wenn ich einen solchen Schein vorzeige."

"Was die Urkunden aus Konstantinopel angeht, werdet ihr euch wohl etwas mehr anstrengen müssen - auch wenn ich hier kaum jemanden kenne, der eine solche Urkunde je gesehen hätte, oder wüsste, wie eine solche aussieht." Bedauernd über solche Kulturlosigkeit zuckte sie die Schultern. "Wenn ihr etwas besonderes braucht, dann wendet euch an Tiziano, sollte ich nicht da sein. Allerdings empfehle ich euch jetzt schon, dass ihr euch für eure Besuche in diesem Haus ein dickes Fell zulegt. Es ist raues Volk und dennoch wird in diesem Haus nur dann Blut vergossen, wenn er oder ich das zulassen." Eine rasende Brujah wäre katastrophal für das Geschäft - und neue Räuber zu rekrutieren eine schrecklich enervierende Angelegenheit...

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Re: [1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Beitrag von Seresa » Sa 6. Jan 2018, 16:38

Seresas verkniffene Lippen spiegelten den Missmut über die Aussage der Ravnos deutlich wieder, sowie ihre Augen die Sousanna anfunkeln. Es störte sie ganz offensichtlich, was ihr Gegenüber in ihr sah. Dennoch verneigte sie ihr Haupt.

„Ich werde mich in Acht nehmen, wohlwerte Sousanna. Es liegt mir fern weitere Schwierigkeiten zu verursachen.“

Dann schwieg sie einen kurzen Moment.

„Ohne jegliche Vorlage von Urkunden aus Konstantinopel wird das Erstellen eine Kopie schwierig. Je mehr Ihr zur Verfügung stellen könnt, umso besser wird sie. Mit allem gebotenen Respekt, wohlwerte Sousanna, möchte ich Euch jedoch darauf hinweisen dürfen, dass mein werter Bruder im Blute Ajax aus Konstantinopel stammt. Ihr solltet diesen Punkt bei Eurer Überlegung wahrlich nicht außer Acht lassen. Ich bin mir sicher, dass er bereits Urkunden gesehen hat und durchaus beurteilen könnte, ob dieses das sind, was sie vorgeben zu sein.“

Seresa verneigte sich leicht vor Sousanna. Ganz offensichtlich nahm die Brujah ihre Tätigkeit für ihre neue Auftraggeberin durchaus ernst. Sah ihre Aufgabe in mehr als nur dem stumpfen Erfüllen einer Aufgabe. Sah sich in einer beratenden Funktion. Eine Tatsache, an welche sich die Ravnos vermutlich erst gewöhnen oder schleunigst unterbinden musste, so sie dieses offensichtliche Selbstverständnis der Gelehrten nicht wünschte.

„Was die Passierscheine angeht. Wenn sie wahrlich das sind, was Ihr sagt, sollte es nicht weiter schwierig sein. Jedoch gebe ich Euch zu bedenken, solltet Ihr sie in größerer Anzahl wünschen, dass Ihr durchaus ein Augenmerk darauf halten solltet, ob es künftig zu Limitierungen kommt oder ob die Besitzer solcher Passierscheine im Rathaus oder an anderer Stelle niedergeschrieben oder vermerkt werden.“

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Re: [1003] Bleibende Erinnerungen [Seresa]

Beitrag von Sousanna » So 7. Jan 2018, 11:34

Hätte Seresa sich andere Worte von ihr gewünscht, hätte sie sich von Anfang an anders verhalten müssen, befand die Ravnos und quittierte das Funkeln in deren Augen nur mit einem Blick, der auf kühle Weise dazu herausforderte doch zu sagen, dass sie sich ungerecht behandelt fühlte. Sie hatte absolut nichts dagegen, es auf eine solche Diskussion ankommen zu lassen - und ein kleiner, bösartiger Teil in ihrem verdorrten Herzen wünschte sich sogar, dass der Handel doch noch platzen würde.
Doch noch nickte sie nur über jene Zusage und verzichtete auf eine weitere Provokation.

Stattdessen lächelte sie leicht über die Einwände der Brujah. Wieder jenes kühle Lächeln, dem jede Menschlichkeit abhanden gekommen war. Das einer Despotin in ihrem Reich. "Wie gesagt, ich bin im Besitz solcher Urkunden - und die komplizierten stelle ich selbst her, werte Seresa, seid also unbesorgt. Ihr kennt den verehrten Benedetto?" Kurz wartete sie eine Reaktion ihres Gegenübers ab. "Selbst er, ein Schreiber seit Jahrhunderten wohl, ein Kappadozianer, war von der Qualität meiner Kopien begeistert." Dass der Mönch noch von ganz anderen Dingen, ihre Person betreffend angetan gewesen war, brauchte die junge Kainitin nicht zu wissen. Sie würde es ohnehin nicht zu schätzen wissen.
"Aber seid unbesorgt, den werten Ajax, euren Bruder im Blute, kenne ich bereits und da ihr mir offensichtlich eine solche Torheit zutraut: Sollte ich jemals vorhaben, einen Sohn oder eine Tochter der Nacht in solchen Dingen übers Ohr hauen wollen, dann hoffe ich, dass man mir dafür gepflockt in einem Kloster als Statue aufstellt, denn dann habe ich offensichtlich den Verstand verloren." Sie sprach sehr sachlich, mehr als wäre das tatsächlich schon eine abgemachte Sache - und als wäre jene selbst auferlegte Strafe das Schlimmste, das man ihr antun konnte.

Dann aber lachte sie leise und lehnte sich etwas entspannter an einen Kasten, der im hinteren Teil des Zimmers stand. "Mit einem solchen Scharfsinn, solltet ihr selbst eine Karriere in den dunkleren Geschäften anstreben.", attestierte sie und ihr Tonfall ließ nicht klar werden, ob sie nun scherzte oder eine Art Kompliment machte. "Wer würde einen Markt überschwemmen wollen, wenn Knappheit doch die Preise in die Höhe treibt? Wer würde in Passierscheinen baden wollen, wenn zwei oder drei für jede Schandtat ausreichen?"

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