[1003] Verworrene Wege [Acacia, Seresa]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Seresa
Brujah
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[1003] Verworrene Wege [Acacia, Seresa]

Beitrag von Seresa » Di 12. Dez 2017, 16:48

Seresa stand lange stumm vor der Kirche. Den Kopf in den Nacken gelegt betrachtete sie den kunstvoll verzierten Turm, dessen wahre Pracht man in der Dunkelheit der Nacht nur erahnen konnte. Welch wahrlich herrlichen Blick man wohl über die Stadt von dort oben haben würde?! Seresa schüttelte leicht den Kopf.

Sie war die letzten Tage durch die Stadt gewandert. San Genesio. San Giorgio. San Domiano. San Magaret. Santa Maria. San Ambrosio. Jetzt war sie hier. San Donato. Donatus. Der von Gott Geschenkte. Seresas Nase verließ ein gepresstes Schnauben. Welch Ironie. Die Brujah hatte die Kirche vermieden. Bewusst oder vielleicht auch ein Stückweit unbewusst, wusste sie schließlich um ihre Bedeutung. War sie - zu jedem Zeitpunkt ihres Wissens - das Elysium der Stadt Genua.

Die Brujah näherte sich vom Seitenschiff her langsam der Kirche. Legte ihre Hand fast andächtig auf den grauen Stein. Fuhr darüber. Streichelte ihn sanft, so als hoffte sie, dass er ihr die Antwort auf die Frage geben würde, welche sie noch nicht gestellt hatte. Die Frage, ob sie hier die Erkenntnis finden würde, die ihren Geist schon so lange plagte. Die Frage, was der richtige Weg für sie wohl wäre.

Seresa spürte die Unebenheiten und die Restwärme des Steins unter ihren Fingerspitzen. Ein sanftes Lächeln umspielte ihre Lippen. Ihr war für einen kurzen Augenblick bewusstgeworden, dass sie scheinbar auf ihre ganz eigene Art und Weise die Faszination des Tzimiscen für Stein teilte. Das Lächeln verschwand jedoch, als sie die Ecke der Kirche erreichte. Seresa war stehen geblieben und ihr Blick war ernst auf den schlichten Eingangsbereich gerichtet, der sich ihr nun darbot. Sie versuchte sich zu erinnern, wie wohl der korrekte Weg für ihr Vorgehen und ihre Bitte aussehen müsste. Sie hatte nie einen solchen Ort außerhalb von bekannten Zeiten oder Anlässen aufsuchen wollen. Vor allem nicht, wenn sie ihn in seiner ursprünglich gedachten Funktion hätte besuchen wollen.

Die Brujah näherte sich langsam dem Eingangsbereich. Sie wusste nicht, wie sie die Älteste der Lasombra hätte erreichen sollen, um sie um ihre Erlaubnis zu bitten. Direkt neben der Pforte blieb sie stehen. Für einen Moment zögerte sie, dann jedoch klopfte sie an. Im selben Moment als sie das zweite Mal das dumpfe Geräusch auf dem Holz verursachte fiel ihr auf, dass sie auch Brimir hätte danach fragen können. Schließlich hatte er sich als erster Wächter des Elysiums vorgestellt. Seresa schüttelte leicht ihren Kopf über die Abwesenheit ihrer Gedanken. Jetzt war es eh bereits zu spät, um einfach gehen zu können und so wartete die Brujah, ob ihr jemand zu dieser späten Stunde die Türe öffnen würde.