[1003] Fastnachtsspiel [Livia, Angelique)

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Re: [1003] Fastnachtsspiel [Livia, Angelique)

Beitrag von Angelique » Sa 30. Dez 2017, 11:40

"Alte Vorstellungen aus dem Osten, einst so verbreitet und wichtig wie die Köhlerreligion für dumme Schafe, die der Bischof von Rom und der Patriarch von Konstantinopel zur einzig wahren Auslegung machen wollen.
Sehr stark in meiner Heimat, die ja von den drei Mariae bekehrt wurde und nicht von böswilligen alten Klerikalpolitikern, die nur Roms weltliche Macht unter neuem Aberglauben bewahren wollten.

Grob gesagt, waren alle Menschen einst Engel, die zur Strafe für ihre Hybris sterblich wurden. Die materielle Welt gehört nämlich dem Widersacher, dem Demiurgen. Er trennte das Reine, Spirituelle vom schmutzigen Irdischen. Er äffte die Schöpfung nach, brachte aber nur Leid und einen ewigen Kreislauf aus Sünde und Tod.

Wir, die Perfecti, haben diesen Kreislauf durchbrochen. Wir ernähren uns nur noch von Vita, von Seele, reinem Manna. Wir verseuchen die Luft nicht mit Atem, die Erde und das Wasser nicht mehr mit Exkrementen. Unseren Lenden entsprießt keine neue Erbsünde mehr. Selbst Männer können nun gebären. Wir altern nicht länger, noch werden wir krank.

Wir haben von den Früchten des zweiten Baums gegessen. Wir sind wieder Engel."

Angelique war eine mitreißende Rednerin und in der feurigen Klimax ihrer Rede stand sie breitbeinig und mit Armen zum Himmel erhoben da. Das Gesicht glücklich den Sternen zugewandt.
Aber sie fiel genauso eindrucksvoll in sich zusammen, als sie einschränkend fortfuhr:
"Aber die Versuchungen aus Macht und Weltlichem umgibt uns immer noch. Und viele folgen ihrem Sirenengesang. Aber alles ist GOttes unergründlicher Plan. So sehr wir uns bemühen, verstehen können wir ihn nicht. Und deshalb können wir nicht gegen unsere Geschwister vorgehen, solange sie sich bewusst sind, GOttes Plan zu verfolgen. Erst wenn sie abfallen, Götzen sein wollen oder GOtt entsagen, dann ist es unsere Pflicht, sie aufzufangen oder in den Kreislauf zurückzuschicken."
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Re: [1003] Fastnachtsspiel [Livia, Angelique)

Beitrag von Livia » So 31. Dez 2017, 12:40

Livias Augen öffneten sich fragend, zweifelnd, Erkenntnis verarbeitend. An sich ein ganz süßer Anblick, sie hatte von alle dem sicherlich noch nichts gehört.
"Und wie nennt man diese Auslegung der Lehre Gottes, auch der Gesetze und Lore Kains?"

Dann dachte sie noch etwas über die praktische Ebene nach.
"Das heißt... wenn ein Kainit überzeugt ist Gottes Willen zu tun, dann kann er noch so ketzerisch sein? Noch so streng auf den alten Gesetzen der Kirche reiten? Dann müsst ihr sein tun dulden... erst wenn er offen abfällt, dann werdet ihr gegen ihn vorgehen und schlimmstenfalls... vernichten?" Sie hob etwas fragend die Braue. Angst war keine zu spüren, aber naja... Verwunderung. Die zweite Kainitin in Genua die 'Ungläubige' vernichten wollte.

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Re: [1003] Fastnachtsspiel [Livia, Angelique)

Beitrag von Angelique » So 31. Dez 2017, 14:16

"Ich vernichte keine ,Ungläubigen'. Nirgends steht in der Schrift, dass Unglauben alleine todeswürdig ist. Und wenn einer überzeugt ist, GOttes Willen zu tun, vermag ich nicht zu entscheiden, ob es Heräsie ist.
Ich strafe nur Sünder und schütze die Unschuldigen, in dem ich die Schuldigen strafe.

Euer Haus sollte am besten wissen, dass die Märchen über Kains Gesetze von Ventrue und Lasombra geschrieben wurden, um deren Herrschaft zu festigen, nicht wahr? Ich glaube kaum, dass Kain Ventrue mehr oder weniger gemocht hat als die anderen Stammväter.

Für mich kommt erst das Wort des HErrn in all seiner verzeihenden Güte, dann eine ganze Weile gar nichts und erst danach die Macho-Märchenstunde des Lillith-Schänders und brudermörderischen Bauerns, auf den sogenannte adlige Häuser sich berufen. Und das auch nur, damit eine fadenscheinige Parodie der Ordung unter Vampiren geheuchelt werden kann, die alleine sie begünstigt anstelle der Weisen oder Befähigten."

Das schockierende satirische Gift träufelte ätzend mit honigsüßem Stimmchen aus der Teufelsmaske hervor.
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Re: [1003] Fastnachtsspiel [Livia, Angelique)

Beitrag von Livia » So 31. Dez 2017, 19:34

Livia atmete erleichtert aus. Weniger, weil sie sich in irgend einer Gefahr gesehen hatte, sondern weil sie sich fürchtete, die Traditionen könnten in dieser Stadt nicht sonderlich hochgehalten sein.
"Was tut ihr, wenn ein Sündner überzeugt ist, Gottes WIllen zu tun?" Fragte sie fast etwas simpel. Aber waren nicht auch die Strafen stets Sünde, von der sich rein zu waschen galt.

"Ich muss gestehen, weise Angelique, ich kenne die Lore meines Hauses nur begrenzt. Beziehungsweise ich kenne die Lore des Hauses Merkurs natürlich, unsere Ptolemäischen Wurzeln. Doch die des Clans der Schlangen am Nil nur in gewissen Grenzen..." Sie lächelte entschuldigend. "Was wisst ihr darüber? Ihr scheint einiges an Einblicken in eurem sicherlich nicht kurzen Unleben erhalten zu haben, auch weit über das Übliche hinaus!
Um selbst etwas beisteuern zu können: Auch die Alten meines Clanes in Ägypten sehen unseren Erstgeborenen als göttergleiches Kind des ersten Verfluchten... auch wenn in unseren alten Quellen selbstverständlich Set als das liebste Kind Kains und Hüter der alten Väter genannt wird, soweit ich mich erinnern kann... ob es aber die gleiche Gründungsgeschichte ist, phu?"

"Was euren Groll angeht... die Hohen Clane von Kain ausersehen, in der Tat, fraglich." Sie nickte. "Ich sehe in ihnen aber oft den Willen zur Herrschaft und zur Verantwortung, und alle paar Generationen ergeben sich so wahre Anführer, die auch die Verantwortung, nicht nur die Herrschaft auf sich nehmen. In diesem Sinne mögen sie sich sehr wohl als von adliger Art sehen, wie die Sethskinder jedoch gilt es Adel zu erweisen, ihn nur im Blut zu haben reicht nicht." Sie schüttelte langsam den Kopf. "Ich habe auch eine Ahnenlinie, die bis Kain zurückzuverfolgen ist, große Namen zieren sie, wie der weitbekannte Gaius Maecenas." Verkündete sie, merklich stolz diesen römischen Namen nennen zu können. "Aber dies alte und freie Blut, das edle und reine Blut, es alleine reicht eben nicht... ganz gleich was der dunkle Vater oder die Anderen sagten."
Sie wog den Kopf noch etwas hin und her. "Wie bringt ihr die Worte Gottes in Einklang mit der Saga Kains, wenn ihr uns als gefallene Engel anseht, dann müsst ihr die Lore des dunklen Vaters doch zur Gänze ablehnen, nicht als Teil des Ganzen sehen? Und verzeiht, wenn ich erneut unwissend wirke, was meint ich mich Macho und Lilith? Wer sind diese beiden Figuren?" Sie lächelte etwas unsicher. Verlegen, relativ wenig selbst beisteuern zu können, außer ehrlichen Wissensdurst.

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Re: [1003] Fastnachtsspiel [Livia, Angelique)

Beitrag von Angelique » Mo 1. Jan 2018, 13:11

Das Mädchen nahm überrascht die Maske ab. Das großäugige Gesichtchen wirkte verlegen. Auch die Stimmlage war anders, schüchterner, als es antwortete:

"Ach nein, Macho ist nur ein Wort aus Ramons Heimat, das ihn vortrefflich beschreibt. Es heißt eigentlich Machismo und beschreibt die stolze Männlichkeit. Manchmal schleichen sich mir Worte anderer Sprachen in die Rede, da ich viele kenne.

Lillith dagegen ist die erste Frau Adams, gleichwertig von GOtt geschaffen. Aber Adam fand sie zu gescheit, selbstbestimmt und außerdem wollte sie beim Erkennen oben sein. Deshalb bat er den HErrn um eine unterwürfigere Frau, der dann Eva aus Adams Brust gebar.
Lillith ging in ihren eigenen Garten und nahm später Kain zum Geliebten, lehrte ihn alle magischen Künste und wurde natürlich genauso schlecht behandelt wie von seinem Vater.

Manche sagen, wir seien der beiden Nachkommen und der Fluch des Engels sei in Wirklichkeit IHr Geschenk."

Ein leises Lächeln stahl sich auf die Miene Angeliques bei diesen Worten.

Dann schaute sie zum Himmel zu den Sternen. "Alt, ach ja, so fühl ich mich in der Tat. Obwohl hundert Jahre nichts für Unsereins sein sollten. Aber das ist wohl der Fluch, ein Orakel zu sein. Die Jahre zu sehen, die kommen würden und die Jahrhunderte, die vergangen waren, läßt einen wohl vor der Zeit altern, was?"

Sie grinste wieder weniger schwermütig. "Aber alles intensiver aufzunehmen, ist auch sehr belohnend. Und es beantwortet Eure Frage nach dem Urteil über Sünder. Je mehr man weiß und wahrnimmt, desto sicherer wird man. Von den alten Weisen dagegen stammt das Wort: Im Zweifel für den Angeklagten.
Und zweifeln tue ich viel in den letzten Jahren."

Sie setzte die Maske wieder auf. Und da war wieder das Spöttische in der Stimme. "Ja, vielleicht sollte ich das Urteilen und Richten lieber Selbstverliebten oder -gerechten wie Amalia aus dem Bulgarenland des oströmischen Reichs überlassen."
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Re: [1003] Fastnachtsspiel [Livia, Angelique)

Beitrag von Livia » Mo 1. Jan 2018, 17:06

Livia dankte der Erläuterung mit einem freundlichen Nicken. "Aber ihr glaubt all dies nicht? Also die gesamte Geschichte Kains und von der Vereinigung mit jener Lilith? Und Flüchen eines Engels?"

"Eure Weisung gefällt mir allerdings. Zweifel... glaubt ihr Zweifel sind eine Sünde? Ein Problem?"

Dann schritt sie etwas weiter. "Aber das sind schwermütige Themen. Lasst uns etwas schönes Denken, wir nähern uns immerhin einem Haus der Freude.
Was zum Beispiel, ist euer liebstes Spiel?
Euer liebstes Instrument?
Ja eure liebste Beschäftigung?

Ich selbst." Nahm sie dann zuerst das Wort an sich. "Liebe Brettspiele aller Art, bin aber keine sonderliche Größe, die karten hingegen, hier neige ich zu mehr Erfolg, aber weniger Freude.
Am liebsten spiele ich eine Laute, aber ich höre gerne Gesang..." Sie lächelte zart. "Mancher Gesang, wie man ihn in Kirchen hört, hat geradezu magische Wirkung... aber es gibt so viele wunderbare Gesänge auf der Welt..."

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Re: [1003] Fastnachtsspiel [Livia, Angelique)

Beitrag von Angelique » Mo 1. Jan 2018, 20:01

Sie lachte schallend. "Ich dachte schon, Ihr bezieht es auf das Haus der Freude. Im Sinne von Mönch-Kapuze, Flöte und Reiterspiel."

Sie blieb auch fröhlich, ja, kindlich, als sie antwortete: "Versteckspiel mag ich sehr und eigentlich alle Spiele wie Nüsse Kullern, Meilenspiel, Hopse, Moberle. Aber auch Schach und Alquerque, Mühle und Hnefatafl."

Angelique hüpfte spielerisch umher. Schließlich hielt sie inne und anstatt einer Antwort erschall gar lieblicher Gesang mit klarer, glockensüßer Kinderstimme durch die Gassen. Es war wunderschön und von unheimlicher Kraft in dunkler Nacht.


Olol rolled 38. (3 + 6 + 9 + 4 + 7 + 9 = 38)
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Re: [1003] Fastnachtsspiel [Livia, Angelique)

Beitrag von Livia » Mo 1. Jan 2018, 20:39

Livia nickte zuerst nur eifrig. Sie kannte wohl die allermeisten dieser Spiele und nur bei sehr wenigen war sie anderer Meile. Die all zu körperlichen Kinderspiele waren der jungen Kainitin wohl fremd geworden. Oder man spielte sie mit erwachsenen Frauenkörpern einfach nicht mehr?

Als Angelique ihr ihren Kindergesang zeigte blieb Livia erfreut an einer Hauswand stehen - in der dunklen Gasse stoppten die Drei seltsamen Gestalten und engelsgleicher Kindergesang erfüllte die Nacht.

Livias Augen gingen über in Begeisterung. Ihr Mund wandelte sich in seliges Lächeln. Kleine rote Tränen kullterten, wie verwischte Schminke einer Prostituierten, über ihre Wangen.
Und sie erstarrte...

Komplett... Als habe der Torpor sie in dieser Pose der Begeisterung geholt.

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Re: [1003] Fastnachtsspiel [Livia, Angelique)

Beitrag von Angelique » Mo 1. Jan 2018, 22:57

Angelique selbstvergessen in ihrem Gesang - nicht perfekt genug ihren eigenen Anspruch - brauchte eine Weile, bis sie bemerkte, was mit ihrer neuen Bekanntschaft vorging.

"So schlecht?", meinte sie spöttisch, als sie die Tränen bemerkte.
Dann aber, als keine Reaktion erfolgte, schaute sie sich besorgt um, entdeckte aber keine Sterblichen.
Behutsam tupfte sie die verräterischen Tränen fort und widerstand den tief in ihr brodelnden Drang nach malkavianischen Schabernack, den man hätte treiben können.

Sacht tätschelte sie die Wange der Erstarrten.

"Vielleicht hilft ein Kuß wie im Märchen", brummte Etienné.
Nun, schaden konnte es nicht. So ließ Angelique sich aufheben und küsste Livia, so hoffte sie wach.

Zumindest Etienné bekam für die Verdammnis, einem Vampir zu dienen, in dieser Nacht einiges geboten.
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Re: [1003] Fastnachtsspiel [Livia, Angelique)

Beitrag von Livia » Mo 1. Jan 2018, 23:16

Livia schreckte hoch, als die kalten und feuchten Lippen des kindlichen Engels ihre Lippen berührten, als sie - dem Märchenprinzen gleich und sicherlich doch von ihrem perversen Spieltrieb angehalten - sich ihren Kuss raubte.

Die Setitin schrak zusammen und stolperte nach hinten gegen die Hauswand, sie stütze sich instinktiv ab und rutschte langsam in den Dreck der Straße hinab.

Die geweiteten Augen verharrten auf Angelique, ihren Recken hatte sie ausgeblendet, die Tränen flossen noch einmal weiter und der erstarrte Mund wurde zu einem bebend verzückten Lächeln. Fast malkaviansch.

"Du... du... du bist wunderschön." Hauchte die im Dreck liegende Schönheit das Kind sphärisch entgegen. "Deine Stimme, sie ist wahrlich die eines Engels... nun verstehe ich deine Worte von zuvor erst richtig. Ihre Schönheit und Weisheit." Livia seufzte.

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