[1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

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Sousanna
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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Sousanna » So 7. Jan 2018, 17:21

Kurz regte sich das Tier in der Blutsaugerin, wollte doch nicht so gern teilen - auch wenn es helfen mochte, doch die plötzliche Anspannung und das leise Knurren ließen nach, da ihr Mund mit einem Mal zur Quelle der Lust geführt wurde, das Blut in greifbare Nähe gebracht wurde. Da sie verstand, was ihre Jagdgefährtin von ihr wollte, zeigte sich die volle Lüsternheit einer Sünderin in ihrem dunklen Blick.
Heftig war der Kuss. Voll unaussprechlicher Leidenschaft und Gier, die einen verzehren mochte - und zugleich von verzaubernder Zärtlichkeit, die einem den Verstand rauben mochte.

Diese Umarmung dreier Körper war für Sousanna das Paradies der Sünde. Jeder ihrer Gedanken war gestorben. Da waren nur noch Hunger und Lust. Das wilde Verlangen nach Blut und Stillung der Begierde.
Sie trank und nahm die blutigen Küsse entgegen. Liebkoste ihrer beider Opfer ebenso wie ihre Gefährtin und war schlicht jene blutrünstige Göttin, die der Fluch sie hätte sein lassen, wäre er nur vollständig gewesen. War jene grausamschöne Bestie, die ihr Vater im Blute gewollt hatte. War eins mit den im trüben Alltag nur schmerzlich unterdrückten Begierden.
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
Die dem lieben Griechenlande rann,
Lasst, o Parzen, lasst die Schere tönen,
Denn mein Herz gehört den Todten an!
Friedrich Hölderlin

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Livia
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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Livia » So 7. Jan 2018, 23:56

Auch Livia ließ sich ganz in dieser sündigen Umarmung gehen. Sie war derartige Lust nicht gewöhnt, auch die körperlichen Seiten die Sousanna aufgezogen hatten, waren ihr zwar nicht fremd, aber doch fremder... für die Theatralik, die sündhafte Aufgeladenheit dieser Situation, die Frivolität und diese perfektion der menschlich angepassten Jagd... dafür hatte sie nicht nur Augen, sondern alle Sinne. Alle überbordenden aufgeladenen und gereizten Sinne.
Tief nahm sie Sousannas Duft, gemischt mit dem Lebenssaft, auf. Schmeckte all die Sehnsucht ihrer Spielpartnerin und genoss es sichtlich in dieser Situation zu geben...
Doch es war kein zartes, kein weibliches Geben, es war aktiv, es war verwöhnend, es war auch fordernd; doch weniger für sich selbst forderte sie, sie forderte von ihrem Gegenüber für ihr Gegenüber.

Doch Livia verlor nicht allen Sinn in diesem Spiel, sie war eine Jägerin, keine Sünderin, keine Mörderin. - Zumindest sie nicht. - Sie nahm ihrem Opfer und schenkte ihm dann doch das Leben - legte ihn ab, wie ein ein verschmutztes Hemd und brachte ihrer... in diesem Moment... Geliebten das andere Opfer dar.

Der junge Mann hatte sich gerade wieder langsam gesammelt, war verwundert über seinen Rausch, während er seine Kleidung doch fast noch gänzlich trug... doch da umfloss ihn die gelenkige Setitin förmlich, wandt sich um ihn und zog ihre beinahe rasende Gespielin mit lose aneinander gehaltenen Armen zu sich nach.
Es konnte nur noch Augenblicke gehen, in der sie Sousanna den verwirrten Mann eine Sekunde ihrer Aufmerksamkeit schenken sollte - wie ein Ritual mit der eigenen Beute für Livia - und dann riss die Setitin seine leichte Halsverletzung wirklich auf, machte ihn zum kleinsten roten Brunnen weit und breit und bereitete der Ravnos ein Festmahl der Versuchung...

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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Sousanna » Mo 8. Jan 2018, 11:33

Auch die Ravnos hatte beinahe alles von ihrer Lieblichkeit abgelegt. Dieser Augenblick ließ klar werden, dass sie zwar das perfekte Abbild eines Menschen bot, aber doch im tiefsten Inneren ihres Herzens ein verdorbenes, blutsaufendes Monster war, das wohl nur deshalb nicht alles Leben von ihren Opfern stahl, weil ihre Gefährtin darum gebeten hatte.
Einer schrecklich schönen Göttin gleich genoss sie den Augenblick. Suhlte sich in diesem Überfluss an Blut und Sünde. Es war als atmete sie die Frivolität des Augenblicks. Hatte sie ihre Sinne verloren? Man konnte sich kaum sicher sein, ob ihr trancehaftes Handeln nun dem blutigroten Rausch oder einer ruhigen Berechnung entsprang. Es war wohl von beidem etwas. Himmel und Hölle waren vereint in ihrer Gestalt.

Und dann jene zweite Versuchung. Diese Quelle des neuen, frischen Lebenssafts. Nur schwer hielt jener letzte Funken der Menschlichkeit sie davon ab, im warmen, roten Saft zu baden. Nicht nur zu trinken, sondern den schönen Leib damit zu benetzen, sondern zu fühlen, wie das gestohlene Leben ihren eigenen toten Leib wärmte. Wie es langsam abkühlte. Sich ihres Todes zu erinnern und des Lebens.
Wieder trank sie und wieder fuhren die wilden Schauer der Lust wie Blitze durch ihren Körper. Sie war lebendig, mächtig... göttlich.
Da sich ihr Haupt wieder hob, zeichnete ein irres und zugleich wunderschönes Grinsen des Triumphes ihre Züge, verlieh ihr Exotik, die Wildheit des Anderen. Der Rausch war vollkommen.
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
Die dem lieben Griechenlande rann,
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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Livia » Mo 8. Jan 2018, 18:59

Livia konnte jeden Augenblick, jeden Schluck, jeden dufteinsaugenden Atemzug und jeden Blickkontakt intensiv genießen - und genau dies tat sie.
Wortlos machten sich die beiden Frauen über ihre Beute her, nicht wie die Hyänen oder Geier, eher wie Römer oder Karthager... dekadent, verspielt, katzengleich.

Als die Grenze des zweiten Mannes erreicht war, legte Livia auch diesen sanft ab und verschloss seine Wunden mit einem fürsorglichen Kuss.
Dann leckte sie sich das Blut - zu großen Teilen - von den Lippen und blickte Sousanna mit glühenden, leicht tierischen Augen an.
"Schwester..." Hauchte sie ein wenig noch neben der Spur.

Generell wirkte die Setitin im Verlauf an einigen, besonders intensiven und rituellen, Stellen wie gebannt.

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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Sousanna » Di 9. Jan 2018, 19:54

Schwer atmend erwiderte die Sünderin den Blick. Langsam, als erblühe gerade ein schüchternes Blümchen aus dem Schnee erwuchs ein Lächeln auf den schönen Zügen dem hübschen Gesicht. Doch es war nicht schüchtern, kaum zärtlich. Viel eher war ihr Lächeln wild auf seine grausame Weise voller Schönheit. Eine leichte Schliere des eben noch geflossenen Blutes verunstaltete noch ihre Wange, doch sie schien es nicht zu bemerken.
Auch in ihren Augen stand noch der Rest des Tieres, das sich gerade noch so voller Lust am Blut eines Menschen gelabt hatte, während sie sich zurücklehnte und breit in den Nachthimmel grinste. Wilder, irrationaler Triumph lag in ihrem Blick, ehe sie sich ihrer Schwester wieder zu wandte. "Schwester, das war ... grandios. Lieder sollten über jenen Abend geschrieben werden.", stellte sie dunkler als sonst fest.
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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Livia » Di 9. Jan 2018, 20:21

Livias begehrender Blick blief auf Sousannas Lippen gebannt, ein intensives Nciken brachte ihr leicht blutig verklebtes Haar zum wehen, langsam lehnte sie sich zurück, ließ ihr gesättigtes Haupt auf dem Bauch eines ihrer Opfer ruhen und begann unvermittelt, leise zuerst, dann durchdringend und melodisch, zu singen.

"Roter Mond über weiter See, all dies Herzensblut wärmt uns kalte Seel.
Hoffnungsschein, in der Nacht, und noch ist kein neuer Tag hier erwacht!

Sterne stehn, hell am Firmament! Solche Nacht, find in uns nie ein End!
Dieser Ort, rauh und schön, und wir dürfen all unsere Herrlichkeit sehn.

Diese Nacht, so wild und schön, und ich darf all deine Herrlichkeit sehn.

Weißer Fels, Blut, Lavendelkraut, weit entfernt erst der Morgen graut.
Wind er weht, wir ganz in rot, das Meer es schimmert. Nichts bleibt tot.

Osten ist unser Glück, in uns bleibt nur die Erinnerung zurück,
Osten ist unser Glück, doch wir holens uns ein Stück davon zurück..."

Sanft verschmolzen die Worte mit der Brandung, mit dem Säuseln des Windes, mit dem Geruch des Blutes...
Sousanna kannte die Melodie, das Original, dass man dieser Nächte so oft in Genua hörte... doch diese Version war anders.
War so anders... es war ihr gemeinsames Lied.
Als gäbe es wenig schöneres, als ihr die Wünsche zu erfüllen... und ganz in jenen Momenten zu lächeln.

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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Sousanna » Do 11. Jan 2018, 20:57

Sousanna tat es ihr gleich. Lehnte sich zurück und streckte sich voller Genuss an der Seite ihres Opfers aus. Ihr Blick richtete sich auf die Sterne. Verlor sich darin und ging auf stumme Wanderschaft.
Die kaum mehr menschliche Seele schwang sich empor zu höchsten Höhen und ohne, dass die Sünderin es merkte, bewegten sich ihre Lippen mit dem Gesang der Jüngerin des Seths. Rau und mysteriös bildete ihre Stimme die zweite Stimme. Auf unmenschliche unselige Weise verwoben sich die Stimmen, wollten nicht wirklich zueinander passen und die Ravnos war gewiss nicht die geübteste Sängerin, doch es entstand eine düstere Harmonie, die verführerisch war wie die Schwärze des Alls.

Dann herrschte wieder Schweigen. Eines das ebenso einträchtig war, wie der Gesang. Die Magie zweier Frauen, die gerade gemeinsam im tiefsten Glück geschwelgt waren.

"Raschen Flugs auf goldnem Wagen zog dich
Durch die Luft dein Taubengespann und abwärts
Floß von ihm der Fittige Schatten dunkelnd
Über den Erdgrund."

Es war ein Gedicht, das sie vor Ewigkeiten gehört hatte, dessen Poesie sie schon immer fasziniert hatte, das nun von ihren Lippen floss. Mit einem verzauberten Lächeln wandte sie den Kopf zu ihren Schwester im Herzen. "Wie lang hab ich auf einen Augenblick wie diesen gewartet?", hauchte sie und es klang tatsächlich erschöpft. "Seit ich in Byzanz war, habe ich mich nicht mehr so lebendig gefühlt."
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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Livia » Do 11. Jan 2018, 21:38

Livia stimmte ein in die dunkle Harmonie. Lachte danach ein wenig flach in sich hinein, ehe sie sich dem wohligen Schweigen anschloss.
Als Sousanna begann zu dichten lächelte sie nur stumm, ihre Augenlider zuckten kurz und ihr Kopf legte sich auf die Seite, ihre schöne Begleiterin betrachten zu können.
Sie nahm jedes der rätselhaften Worte in sich auf...

Erst schwieg sie auf Sousannas weitere Worte.
Nickte nur stumm.
"Lebendig... deine Lebendigkeit, sie ist nur Illusion - aber doch nicht... sie kann mehr sein als das." Sie lächelte verzückt.
"Geliebte Schwester... dies war und wird sicher auf lange Zeit meine schönste Nacht in dieser Domäne sein - ich danke dir." Hauchte sie ihr - etwas gerührt - entgegen.

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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Sousanna » Fr 12. Jan 2018, 12:40

Die ohnehin schon erröteten Wangen der Ravnos gewannen nun einen Ton, der beinahe an Kirschblüten erinnern mochte. "Du schmeichelst mir, Schwester.", hauchte sie und schien dieser Schmeichelei in keinem Fall abgeneigt zu sein. "Man nennt uns Wanderer und ich scheine eine Wanderin zwischen Leben und Tod zu sein. Ganz tot und doch nicht ganz ... doch dieser Zustand entzückt und erschreckt die unseren. Umso froher bin ich, dass du meine Illusion zu schätzen weißt." Eine leichte Heiserkeit verriet die Rührung, die wohl in ihren Worten verborgen war.

Auch ihr Lächeln sprach noch immer von Verzücktheit, von einer Weltferne, wie sie näher im Leben nicht sein konnte. "Ich habe dir zu danken, schöne Freundin. Meine Nacht begann in Dunkelheit und deine Gesellschaft hat sie mir erhellt.", haucht sie.
Sacht wob sich die warme, schlanke Hand zu der ihrer Begleiterin und umfasste sie, sie zu liebkosen. "Es war ein Segen, dass euer Sang mich angelockt hat."
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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Livia » Fr 12. Jan 2018, 16:14

Livia schwieg eine Weile.

"Nicht alle Sirenen sind von Übel..." Sprach sie dann, verzückt lächelnd, aber doch mehr zu sich.

Sie wartete erneut - nein, wartete nicht, genoss das Rauschen des Meeres, das sanfte Atmen der Männer, den süßen Duft ihres Blutes, die verzaubernde Gewissheit des honigsüßen Monstrums neben sich.

"Alles in unserem Unleben ist Illusion, warum sollte deine schlimmer sein, als die der Anderen?
Hach... was wäre unser Fluch untragbar, wenn wir der Illusion abschwören müssten?
Ist Phantasma und Realität wirklich soweit auseinander? Ist es wichtig, dass es getrennt bleibt..." Sie Philosophierte in den rauhen Sand.

"So schön, wenn wir schon ewig sind, warum dann nicht diese Augenblicke?
Will man sie zum Verweilen einladen, lachen sie einen aus wie die Alten..." Livias Lächeln hatte keine Bitterkeit angenommen, noch immer schwelgte sie...

"In dieser Nacht ist ein so verzaubernder neuer Höhepunkt geschaffen..." Begann sie verspielt...
Und sprach dann versonnen erst einmal einfach nicht weiter. Lächelte den Mond an, Sousanna an, die Nacht an.

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