[1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

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Sousanna
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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Sousanna » Mo 1. Jan 2018, 21:03

So sich ihre Blicke kreuzten, lächelte die Ravnos ihre neugefundene Spielkameradin voll ruhiger List an. Die Geste einer erfahrenen Jägerin, die ihrer Beute spielerisch aushorchte, sich loben ließ und mit sanften Pfoten, deren Krallen man kaum erahnen konnte, alles in die Richtungen schob, die ihr am besten gefielen.

Doch sie schien nicht sonderlich verärgert darüber, dass ihr die Gardisten gerade das Spiel ein wenig kaputt machten. Viel eher flackerte in ihrem Blick eine Lust am Abenteuer auf, die der Unschuld in den großen, braunen Augen ein wenig widersprechen wollte. Kurz entschlossen hielt sie ihren Begleiter, der die Ehre seiner Beute sofort verteidigen wollte, zurück und trat dem Anführer mit einem mehr als nur charmanten Lächeln entgegen. Sofort war die Unschuld wieder voll und ganz da. Wer konnte diesem so völlig unbescholtenen Wesen auch nur einen ungehörigen Gedanken zutrauen?
"Eine wunderschöne, gute Nacht euch, werte Herren", begrüßte sie sie mit einem formvollendeten Knicks. War ganz die Tochter eines Handelsreisenden aus fernen Landen. "Uns ist natürlich bewusst, dass diese Stunde eine sehr ungewöhnliche ist, um spazieren zu gehen, aber seid gewiss, dass die Herren nur meine liebe Freundin und mich zurück zu meinem Vater begleiten, damit wir sicher durch die Nacht kommen. Er ist Handelsreisender." Eine Reihe von griechischer Namen und Titel folgte, die nur ein wahrer Kenner der Sprache im byzantinischen Dialekt, als Namen aus Kinderlieder erkennen würde, aber unendlich wichtig klangen. In die beeindruckten Gesichter wurde die interessiert, von sich selbst überzeugte Frage gestellt: "Habt ihr bereits von ihm gehört?"

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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Livia » Mo 1. Jan 2018, 23:28

Der Wachmann schnaubte und blickte verächtlich die beiden Männer an, die sich von einer Frau vertreten ließen. "Nein, hörte ich nicht. Kling ausländisch." Stellte er fest. Dann, nachdem klar war, dass von den zwei Händlerssöhnen keine Gefahr ausging, musterte er Sousanna recht unverhohlen von oben bis unten.

"Dann seid ihr wohl zu spät auf dem Heimweg. Werte Herren." Zischte er die Männer etwas spöttisch an. Einer der Wachsoldaten lachte hämisch, einer unbeteiligt, der letzte verunsichert - war es klug? "

"Das Sestiereübergreifende Lustwandeln ist zum Hafen so spät nciht mehr gestattet... man weiß ja nicht so recht, ob ihr nicht übles und diebisch vorhabt." Er musterte sie. "Auch wenn ihr ausseht, als habet ihr Diebstahl nicht nötig..." Das Lob war offensichtlich vergiftet. "Aber auch nur so ausseht... ist es denn wirklich so?" Seine Absicht war schwer zu übersehen, als er Sousanna fixiert anblickte.

Livia ließ Sousanna gänzlich agieren, sie blickte sich nur etwas vorsichtig um - man wusste ja nie, ob noch etwas mehr im Gange war - sonst blieb ihr Blick aber gespannt, womöglich etwas schwärmend, auf Sousanna.

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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Sousanna » Do 4. Jan 2018, 12:04

Man mochte die Ravnos für naiv halten, doch ihr war klar, dass sie ihr Spiel nicht lange würde fortführen können. Sie spürte in ihrem Rücken, dass der Nordmann hinter ihr bereits unruhig wurde. Die Schmach von einer Frau vertreten zu werden, nicht lange dulden würde. Auch nicht, die Unverschämtheit, dass sein Mädchen hier von so widerwärtigen Kerlen auf derart unmanierliche Weise gemustert wurde.

Doch das naive Spiel musste zunächst weiter gehen. So weiteten sich die braunen Augen höchst erschrocken, als hätte sie damit nie gerechnet, einen solchen Frevel zu begehen. Als wäre es das Schrecklichste, das ihr geschehen konnte, ein Gesetz zu brechen. Sie schaffte es sogar etwas zu erröten, während die verdorbene Tochter von Händlerfürsten innerlich in wildes Gelächter ausbrach.
"Bitte verzeiht mir, werter Herr, das war uns nicht bewusst, wir sind noch nicht lange hier.", verkündete sie und warf dem Hauptmann einen Blick zu, der von großem Respekt und Bewunderung kündete. Und von purer unverdorbener Unschuld."Bitte verratet mir doch, wie ich unsere Unschuld beweisen kann. Wisst ihr, wir sind nur wegen mir noch so spät unterwges. Ich wollte unbedingt eure Stadt erkunden und habe die Zeit vergessen. Meine Freunde sollen nicht darunter leiden müssen."

In scheinbarer Verzweiflung trat sie noch näher, stand nun direkt vor dem Hauptmann und bat leise: "Bitte, werter Herr, können wir diese Angelegenheit nicht einfach diskret lösen?" Ein Blick, nur für ihn verriet, dass die junge Schönheit wohl einiges unternehmen würde, um ihre Gefährten zu retten.

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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Livia » Do 4. Jan 2018, 12:56

Der Wachhauptmann nahm das Angebot sehr überrascht an. Er kicherte tief und etwas hähmisch. Der Zögerliche seiner Mannen tapste nun eher aufgeregt umher, das war alles nicht gut... "Ihr solltet eure Gelüste besser im Griff haben, werteteste, Curiositas ist eine Sünde." Schmunzelte er dann ironisch. "Männer." Die Stimme wurde lauter. "Durchsucht die Anwesenden nach verbotenen Gütern, aber mit Respekt, wenn ich bitten darf, das sind hohe Herrschaften.. wir sind nur eben ans Gesetz gebunden, und so." Lächelte er dann wieder breiter. "Ihr kommt am besten mit mir, dort drüben" Er deutete auf eine Seitengasse "Könnt ihr mir ja nochmal genau erklären, was los war... eventuell kann man dann Nachsicht walten lassen."

Die beiden jungen Männer grollten, protestierten, einer nahm ein paar Münzen zur Hand, der andere krempelte die Ärmel hoch, doch Livia legte sich rasch angsterfüllt an seinen Arm. "Was geschieht hier? Ist alles in Ordnung?" Hauchte sie ihm zu, so dass der stramme Nordmann nicht umhin kam, das unschuldige Wesen zu beruhigen und seinen Zorn erst einmal hinten an stellen musste. Aber Sie waren angespannt, der dienstälteste der Wachen wartete breit grinsend auf Sousannas Reaktion.

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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Sousanna » Do 4. Jan 2018, 14:08

Das raue Kichern ließ die Unschuld noch etwas röter werden. Verlegen über die Schelte, nestelte sie an ihrem Kleid herum, als zupfe sie es noch einmal züchtig zurecht. "Ihr habt Recht, werter Herr.", murmelte sie kleinlaut und nickte so zustimmend, als wäre er ihr weiser Onkel, der ihr einen sehr guten Rat gegeben hatte. "Ich sollte der Curiositas wirklich entsagen."
Dann weiteten sich bei seinem "Angebot" rasch ihre Augen und voller seinbar so naivem Eifer nickte sie erneut. Diesmal heftiger. "Oh ihr wärt so gütig, lieber Herr, wenn ihr es mich erklären ließet. Gern komm ich mit euch. Ich bin sicher, dass ihr als so weiser Hauptmann eine Möglichkeit findet, nicht allzu hart mit einem dummen Mädchen wie mir umzuspringen, wenn ich euch verspreche, dass es nie mehr vorkommen soll."
Mit einem letzten Blick an Livia, der diese anwies, um jeden Preis die Männer von Dummheiten abzuhalten, würde sie dem Dienstältesten dann so bereitwillig folgen, als glaube sie wirklich, dass es mit einer Erklärung abgetan und sein breites Grinsen ein wohlwollendes Lächeln wäre.

Der junge Mann, den die Rothaarige gerade so um Beruhigung anflehte, warf den Wachen einen warnenden Blick zu, ehe er seinen Zorn fürs erste herunterschluckte. Schützend legte er einen Arm um sie und murmelte: "Es wird alles gut gehen. Das sind anständige Männer, die nur tun, was das Gesetz will. Und da wir nichts böses getan haben, wird weder uns noch unserer Freundin ein Haar gekrümmt werden." Sonst würde er dafür sorgen, dass sie das allesamt bereuten.

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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Livia » Do 4. Jan 2018, 17:02

Livia nickte dem stolzen Jüngling bestätigend zu und während der andere mutigere Wächter sich doch zögerlich den drei reichen Jugendlichen näherte, trat sie mit ihrer Tasche zuerst hervor. Er solle einen Blick hineinwerfen, so er nichts berunruhigendes fände, wäre sicherlich auch keine weitere Nötigkeit der Suche. Und als der Mann dort zufällig eine offene Hand mit einigen kleinen aber feinen Münzen vorfand, war diese Suche rasch beendet und der mögliche Zorn der Männer reduziert.
Sousanna jedoch würde sich nun beeilen müssen - denn die Ungeduld würde sich so nicht in Zaum halten lassen, außer Livia nähme sich diesem Problem auch an. Man konnte es nur hoffen...

Der Wachmann hingegen wanderte mit Sousanna in die Gasse und blieb knapp außer Sicht stehen. "Nun mein Täubchen. Du bekommst natürlich eine Chance mich zu überzeugen. Ihr edlen Damen aus dem fernen Osten seid an besonderen Genuesischen Waren arg interessiert, nicht wahr? Nur zu." Lächelte er von seinen eigenen Worten geschmeichelt.

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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Sousanna » Do 4. Jan 2018, 19:05

Besondere genuesische Waren... Sousanna hätte ihn mit Freuden ausgelacht und ihm seine eigene Hässlichkeit und vor allem die Dummheit vor Augen geführt. Aber was tat man nicht alles für eine fröhliche Gesellschaft?
So lächelte sie höflich und ein wenig beeindruckt über die genuesischen Waren, ehe sie scheinbar hilflos die Schultern zuckte und ganz täubchenhaft dreinblickte. "Da habt ihr wohl ganz richtig gehört.", lächelte sie etwas von seiner List oder seiner Klugheit beeindruckt. "Diese Stadt ist wirklich voller Wunder. Noch nie habe ich solch beeindruckende Größe wie in Italien gesehen." Ein schmeichlerisches Lächeln umfing ihre Lippen, machte sie noch etwas verführerischer. "Sagt mir doch, werter Herr, was kann ich tun, um uns aus dieser misslichen Lage zu befreien? Wünscht ihr, dass ich eine Strafe zahle?" Die zarte Hand streckte ihm einige, dicke schwere Münzen aus Gold hin, wie man sie in der goldenen Stadt benutzte.*

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* Chimären 2: -1BP, -1WK

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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Livia » Do 4. Jan 2018, 19:32

Der Mann hielt in der einen Hand seinen mittelgroßen Prügel, in der anderen wenig später das große Goldstück. Die Augen gingen ihm fast über vor Staunen.
"Nun dann, schönes Fräulein, eine schöne Nacht wünsch ich noch." Da schritt er auch schon prahlendes Gesichtes zu seinen Mannen, rasch waren die Genuesischen Waren wieder in der Auslage verschwunden undfast subtil ließ er die Münze verschwinden - doch nur fast subtil, es war auch ein großer Stolz in seinem Sinne zu sehen. Sollten seine Männer das Gold oder die Hose sehen? Oder Beides? "Männer, die sind sauber." Verkündete er zufrieden und die demotivierte Truppe machte sich auf den Abmarsch.

Die zwei Männer schauten sie irritiert an. Sie hatten für dne Mann gar keine Augen gehabt, nur für Sousanna. Ihr verehrter Nordmann blickte skeptisch und zog die Braue hoch. Da erwartete jemand eine Erklärung.

Livia war wie zwischen den beiden nicht mehr ganz so stolzen Männern untergegangen, wie ein hübsches Anhängsel stand sie da und musterte Sousanna und den Wachmann genau... schmunzelnd und vergnügt?
Als Sousanna auf dem Weg zu ihnen war, lief sie ihr ein paar Schritt entgegen und nahm sie fest in den Arm. "Meine Liebe, welch ein aufregendes Erlebnis! Was für unmögliche Mannen! Hach!" Wie um die gute Stimmung der - so hilflos gewesenen - Männer anzustacheln. Mehr noch dafür wohl umarmte sie ihre Freundin körperbetont... ehe sie mit ihr zu den Jungs zurückkam.

Ein wenig erfreut über diese Darstellung der Geschichte und Leiber warteten die zwei 'Recken' nun auf ihre Begleitung - noch war der Abend nicht verloren, aber etwas gefährdet. Und des Nordmanns Blick lastete weiterhin angespannt auf Sousanna.

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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Sousanna » Do 4. Jan 2018, 20:00

Es war schon vor Jahrzehnten so gewesen, dass Mannen wie dieser hier ihren Prügel für den größten und schönsten hielten. Selbst wenn es nur ein krüppeliger Schlangenkürbis war, den man zu sehen bekamen. Sie gönnte ihm so gar noch einen beeindruckten, lüsternden Blick und ein laszinves Lecken der vollen Lippen, ehe artig vor ihm knickste, ihm dabei noch einen Blick auf das üppige Dekolleté gewährte, das zufällig etwas verrutscht war. "Es war mir eine Freude euch kennen zu lernen, gütiger Herr.", säuselte sie. "Vielleicht sehen wir uns eines Tages wieder. Unter erfreulicheren Umständen."

Damit schritt sie hinter ihm her, nachdem sie ihren züchtigen Anblick wieder hergestellt hatte, nicht sonderlich begeistert dreinblickend wieder zu der Gruppe, schien sich allerdings durch Livias Umarmung etwas aufmuntern lassen, zeigte in ihr genau das, was Mannen von einer engen Umarmung von Freundinnen erwarteten. Das Lächeln, dass diese junge Setitin abbekam, zeigte, wie sehr es die Byzantinerin amüsiert hatte, was eben geschehen war. "Schrecklich", erklärte sie halb grinsend. "Keine Manieren. Aber ein Abenteuer allemal."

Und als sie endlich bei ihren Freunden angekommen war, stützte sich die Schöne in die Arme des Nordmanns als wäre er eben jener Held, der sie in diesem Augenblick gerettet hatte. "Oh ich hoffe, ihr seid mir nicht böse, dass ich mit diesem Wüstling gegangen bin.", flüsterte sie und sah ehrlich besorgt zu ihm hinauf. Hatte sie am Ende die Gunst ihres wunderschönen, lieben Begleiters verspielt? "Aber ich hatte nicht genug Geld, um alle zu besänftigen. Nur noch eine Münze, die mir mein Vater heute morgen gegeben hat."

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Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Livia » Do 4. Jan 2018, 20:23

Der Nordmann grummelte etwas, von wegen dass er doch auch Geld dabei gehabt hätte und ob es nicht zu 'teuer' war und... schien nicht ganz überzeugt.

Der andere Händlerssohn war nun endlich etwas weniger im Hintertreffen und stellte sich größer hin "Nun denn, nachdem dieses kleine Ärgernis beseitigt wurde. Lasst uns gehen, das Schiff wartet!" Spottete er amüsiert vor sich hin und suchte wieder den Arm seines Mädchens, dass ihn auch ganz erfreut annahm. "Gute Laune und Führung." Verließen verspielt ihre Lippen, dem Händler ein stolzes Nicken abverlangend.

"Meine Liebe?" Fragte daraufhin der Nordmann Sousanna weiterhin etwas grummelig an sich wieder in seinem Arm zu verhaken, ehe die beiden Paare so zum Pier herabwanderten.

"Wie schön und ruhig die See liegt, all die schönen Schiffe, was sie in ihrer unbeständigen Lebenszeit wohl schon alles gesehen hatten?" Fabulierte Livia fast kindlich vor sich hin , den zwei Männern eine Chance zur Überbietung und Sousanna eine zur Favoritenwahl zu lassen... oder sollten sie selbst so kurz vor dem Beiboot beide beibehalten - mehr für beide - mehr Herausforderung?

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