[1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

[Oktober '17, November '17, Dezember '17]

Moderatoren: Toma Ianos Navodeanu, Acacia

Benutzeravatar
Sousanna
Ravnos
Beiträge: 1732
Registriert: Mo 14. Nov 2016, 21:12

Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Sousanna » Sa 9. Dez 2017, 15:32

Sousannas Miene hellte sich noch einmal auf. Ihr freudvolles Lächeln verriet, dass es sie in keinster Weise störte, sich ihre Kunst vielleicht nicht ganz so frei aussuchen zu können, wie es vielleicht eine Dame vom Clan der Könige gekonnt hätte. "Sagen wir unsere Künste sind dadurch noch freier", gab sie ihre Meinung zu diesem Umstand ab. "Welcher Ventrue Erzeuger hätte mir wohl guten Gewissens, meine Leidenschaft für den Handel mit Waren unbekannten Ursprungs erlaubt, ja sie sogar gefördert und zur Perfektion gebracht? Welcher Lasombra oder Toreador könnte sich hier seine kleine Räuberhöhle unterhalten ohne auf große Politik oder standesgemäßes Verhalten achten zu müssen." Ein Grinsen verriet, dass die Ravnos ihre schlanken Finger wohl dennoch in den Fäden der Politik und hohen Stände verwoben hatte. "Ich kann so viel freier den Fluss meiner Waren verfolgen, ihn lenken und am Leben halten. Ich bin nicht gezwungen aus falschem Stolz zu zerstören, sondern kann ihn mit guten Impulsen steuern."

Die Frage nach der Wasserpfeife ließ die Schöne kichern und geschwind wie ein Reh war sie wieder auf den Beinen. "Ja das ist sie", verkündete sie begeistert und sah Livia mit einem füchsischen Grinsen an. "Wünscht ihr sie zu testen?"
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
Die dem lieben Griechenlande rann,
Lasst, o Parzen, lasst die Schere tönen,
Denn mein Herz gehört den Todten an!
Friedrich Hölderlin

Benutzeravatar
Livia
Jünger des Seth
Beiträge: 406
Registriert: Do 23. Nov 2017, 22:04

Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Livia » So 10. Dez 2017, 17:51

Livia nickte eifrig - sowohl auf die Freiheit der Ehrlosen, als auch auf das Angebot der Pfeife. "Ich finde es ist geradezu... frevelhaft... für unsereins, dass wir die Wasserpfeife weiterhin zu meistern vermögen. Aber ich muss zugeben. Ich fürchte mich bei jeder Nutzung." Sie lächelte. "Nicht, dass ich in den letzten Jahren in diesen Genuss gekommen bin... doch es ist doch ein wenig, als würden wir unseren sonst so allgegenwärtigen Fluch austricksen!" Sie übernahm Sousannas füchsisches Grinsen. Ein wenig verspielter Trotz gegen ihr Schicksal lag in diesen Worten - lag in einigen Gedanken der jungen Kainitin.

"Ihr habt schon so viel Erfahrung und Erfolg in jenen Bereichen auf... eurer Rechnung." Lächelte sie verlegen zu Boden blickend. "Ich bin sehr erfreut, dass eine Kainitin, die das Leben dennoch zu schätzen weiß und nicht aus den hohen Clanen stammt, zu derartigem Erfolg hier in der Domäne kommen konnte..." Ein Funken der Hoffnung. "Fleiß, Klugheit, Schönheit und die List der Übersehenen?" Sie fragte neugierig mit einem Funken in den Augen, die wenig später ebenso lustvoll wie gierig der Wasserpfeife folgten...

Benutzeravatar
Sousanna
Ravnos
Beiträge: 1732
Registriert: Mo 14. Nov 2016, 21:12

Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Sousanna » So 10. Dez 2017, 18:32

Die Ravnos lachte beim Wort frevelhaft. Hell und sonnig und wunderschön menschlich klang dieses Lachen. Voller Übermut und Freude an der Tatsache, dass eine Sache ihnen geblieben war. "Die List ist es doch, welche uns zu erfolgreichen Kindern der Nacht macht.", erwiderte sie mit einem verschmitzten Grinsen, das jedem Bedauern über ihren Zustand zu höhen schien. Offensichtlich gab es zumindest heute Nacht kaum etwas, dass sie daran störte untot zu sein. "Also, wieso sollten wir nicht auch unser Sein selbst überlisten?"
Mit einem bedeutungsschweren und doch geheimnisvollen Grinsen dann wandte sie sich um und begann mit geschickten Fingern die Wasserpfeife vorzubereiten. Ihre Bewegungen verrieten, dass sie diesem einen Genuss von den wenigen, die ihr geblieben waren, wohl noch oft frönte.
Schließlich wandte sie sich kurz zu ihrer neu gefundenen Kumpanin um und grinste verlegen. "Ich werde kurz einen meiner Begleiter bitten, uns die Pfeife auch anzuzünden. Ich mag zwar listig sein, aber das Feuer kann mich dennoch beißen.", erklärte Sousanna, ehe sie von dannen huschte und nach einer kurzen Weile mit eben jenem Mann zurückkam, der ihr zuvor auch ihre Nahrung ... präsentiert hatte. Während er unter ihren Blicken nun die Kohlen entzündete, hielt sie sich allerdings sehr im Abseits und ihr Schoßhund sorgte dafür, dass sofort nachdem seine Arbeit erledigt war, jede unnötige Feuerquelle in seinen Händen erlosch. Einen Augenblick lang schien es, als wolle er bleiben, doch es blieb bei einem kurzen Blick in Livias und ihre Richtung, ehe seine Herrin ihn wieder mit einem Kuss entließ. "Danke mein Lieber", hauchte sie ihm zu und da der Schläger auch mit einem respektvollen Nicken an den Gast verschwunden war, lächelte sie der Rothaarigen zu: "Man kann auch an diesen kulturlosen Orten und an den seltsamsten Orten, Sterbliche finden, die zumindest bestimmten Teilen der Kultur nicht abgeneigt sind."

Schließlich würde sie Platz nehmen und die Setitin einladen, den ersten Zug zu nehmen. Erst nachdem auch sie den Rauch tief eingeatmet hatte und ihn schließlich mit einem sehr zufriedenen Ausdruck auf den feinen Zügen ausstieß, ging sie auf die restlichen Worte ihrer Besucherin ein: "Ich würde sagen, dass es hauptsächlich Schönheit, Gerissenheit und die Fähigkeit, sich unscheinbar zu machen, waren, die mir hier geholfen haben." Die Byzantinerin schmunzelte amüsiert in sich hinein. "Und natürlich, ein Talent dafür, die richtigen Freunde zu gewinnen - aber so wie ich euch kennen gelernt habe, scheint es euch an keiner dieser Eigenschaften zu mangeln."
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
Die dem lieben Griechenlande rann,
Lasst, o Parzen, lasst die Schere tönen,
Denn mein Herz gehört den Todten an!
Friedrich Hölderlin

Benutzeravatar
Livia
Jünger des Seth
Beiträge: 406
Registriert: Do 23. Nov 2017, 22:04

Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Livia » So 10. Dez 2017, 18:48

Livia nahm vorsichtig die ersten Züge, bis die Wasserpfeife angeraucht war, setzte kurz ab, nickte ihrer Gastherrin noch einmal dankbar zu und nahm einen tiefen und genussvollen Zug - behielt die warme Luft in ihren toten kalten Lungen, spürte die Ausdehnung ihres Brustkorbes - so selten, so bezaubernd. Dann atmete sie aus, ließ all den Rauch aufs Mal in einer großen Wolke entsteigen.
Sie reichte bereits nach dem ersten Zug, wie rituell, die Wasserpfeife weiter - später wäre Zeit für mehr und ließ Sousanna ebenso die meditative Ruhe des blubbernden Gefäßes.

Danach blickte die junge Setitin ihr schönes Gegenüber an. "Danke..." Hauchte sie einfach und kurz.

Nachdem die Wasserpfeife ein zwei Runden in relativer Stille gewandert war, nahm sie wieder das Wort auf. "Ich hoffe es auch." Sie lächelte sanft. "Euer Diener ist ein recht imposanter Mann und er scheint euch mehr als nur durch Blut zu lieben? Wie schön... Sind sie euch alle so? Wie... Geliebte?
Kainiten scheinen die sonderbarsten aber auch nähesten Beziehungen zu ihren engen Blutsdienern zu haben. Manche sehen sie als Kinder, andere als Partner, weitere bloß als Vasallen oder gar Werkzeuge... viele natürlich mischen Ersteres und Letzteres." Ihr Blick ruhte fragend - ein Urteil steckte in diesen Worten nicht.

Benutzeravatar
Sousanna
Ravnos
Beiträge: 1732
Registriert: Mo 14. Nov 2016, 21:12

Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Sousanna » So 10. Dez 2017, 19:13

Auch für Sousanna schien es ein Ritual zu sein. Der warme Dampf, der ihren Körper von innen zu wärmen schien. Das Gefühl, dass ihre Atmung tatsächlich einen Sinn hatte. Das Rauchen der Wasserpfeife war für sie der Moment, indem sie vollauf vergessen konnte, dass sie tot war und dass ihr die größte Erfüllung ihres Daseins durch einen bösen Scherz des Schicksals verwehrt blieb.
Ruhig und so genüsslich, wie es sonst nur eine schnurrend Katze vermochte, lehnte sie sich in den Kissen zurück, präsentierte dadurch ihren beinahe makellosen Leib noch mehr und genoss diesen Augenblick. Die Beine gekreuzt wie ein Schneider und ein so zufriedenes Lächeln auf dem Gesicht rauchte sie in stiller Eintracht mit jener Fremden als wären sie schon seit Ewigkeiten Schwestern.

Ihr Kommentar dann ließ die Schöne träge über die Rauchwölkchen, die sie im Versuch kleine Ringe zu bilden ausstieß, hinweg an. "Ja, das ist er.", bestätigte sie ruhig und reichte die Pfeife gelassen weiter. "Wir haben uns kennengelernt, da war ich lange Zeit für ihn seine Geliebte ... oder besser seine Hure." Ihr Blick schweifte an die Decke offenbar in Erinnerungen gefangen. Ein seliges Grinsen lag auf ihren Zügen. "Er hat nicht vergessen, dass ich ihn trotz der Dinge, die er mir damals angetan hat, weil er mich für eine gewöhnliche Frau und seinen Besitz hielt, gut behandle. Besser als so manch anderes Kind der Nacht es tun würde, dem sein Blutsdiener nicht zuvor die Geduld abverlangt hat, die er mir abverlangte."
Nachdenkliches Schweigen umfing die beiden Frauen einige Zeit. Dann neigte sich die Ravnos wieder etwas nach vorne und lächelte lakonisch. "Aber das beantwortet eure Frage nicht. Ja, er ist mir ein Geliebter und er ist mir in Liebe verbunden - alle meiner Diener sind das. Ich würde niemandem mein süßes Blut zu kosten geben, in das Band zwingen, der mir nicht schon davor verbunden ist. So ist die Verbindung nicht nur durch Blut sondern auch und vor allem durch etwas Tieferes bestärkt."
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
Die dem lieben Griechenlande rann,
Lasst, o Parzen, lasst die Schere tönen,
Denn mein Herz gehört den Todten an!
Friedrich Hölderlin

Benutzeravatar
Livia
Jünger des Seth
Beiträge: 406
Registriert: Do 23. Nov 2017, 22:04

Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Livia » So 10. Dez 2017, 19:34

Sie lächelte. "Wenn ich einmal Blutsdiener hier habe, hätte ich auch gerne ein solch inniges Verhältnis. Auch wenn euer Weg zu diesem Verhältnis unangenehm klingt... manches Mal erleiden wir wohl viel, für unsere Ziele." Auch sie blickte kurz zur Decke, wie um zu sehen, ob es dort etwas zu finden gäbe, ehe sie die Pfeife wieder annahm und erfolglos versuchte Kreisel und Kringel in die Luft zu rauchen. Es war einfach zu lange her...

"Ausgewählte Blutsbünde scheinen mir auch der Bedeutung dieser angemessener... zu viele Diener sind schwer zu kontrollieren, man kann ihnen nicht die Bedeutung zukommen lassen, welche sie verdienen, es generiert unangeehme Aufmerksamkeit." Sie schüttelte sanft den Kopf.

"Ihr wirkt... etwas... zwiegespalten." Begann sie dann etwas füchsischer Lächelnd zu fragen. "Fühlt euch in solcher Gesellschaft, an solchen Orten, heimischer... aber sehnt euch nach denen, die die teuren Waren wünschen, die exklusivität und Luxus zu schätzen wissen? Die sterbliche Oberschicht? Nur aus Gründen des Profites - wo viel Reichtum ist, ist viel zu holen - oder auch aus Gründen der persönlichen Affinität? Schätzt ihr jene Menschen und ihre oft etwas kultiviertere Gesellschaft?"

Benutzeravatar
Sousanna
Ravnos
Beiträge: 1732
Registriert: Mo 14. Nov 2016, 21:12

Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Sousanna » So 10. Dez 2017, 20:00

Leise nickte sie. "Leidfähigkeit ist etwas, das wir in unserer Lage ohnehin beherrschen sollten.", philosophierte sie und fügte mit funkelnden Augen hinzu: "Immerhin ist es kein Vergnügen tot zu sein. Zumindest hatte ich am Sterben nur kurz Freude." In ihrem letzten Satz stand eine hintergründige Frage. Natürlich würde sie sich nie erdreisten, eine solche Frage laut zu stellen, doch nachdem Livia sie ja bereits ausfragte, konnte man durchaus erwarten, dass sie etwas von sich preisgeben würde.

"Aber ja", seufzte sie. "Würde ich mich um mehr Blutsdiener kümmern müssen, wie ich es um die meinen tue - hätte ich wohl keinen Tag im Jahr mehr frei, um meinen Geschäften nachzugehen." Leicht zuckten Sousannas Schultern. "Ich hab lieber weniger, die mir dafür jeden Wunsch von den Augen ablesen - und das nicht nur, weil ihr Blut sie dazu zwingt."

Das füchsische Lächeln der Setitin erwiderte sie ebenso füchsisch. Allerdings blieb eine Antwort erst einmal aus. Stattdessen flogen einige Kringel aus warmen Dampf in ihre Richtung und die Byzantinerin grinste voller Genugtuung. Solche Kunststücke waren früher eines ihrer Lieblingsspiele gewesen und dass sie es jetzt noch zu Stande brachte, erfüllte sie mit albernen Stolz.
"Nun ja", begann sie dann schmunzelnd ihre ein wenig gemeine Frage: "Was denkt ihr denn, in welcher der Welten ich aufgewachsen bin? Bin ich Fürstentochter oder Gossenkind?"

--------------------------
Zum Rauchringe pusten: Geschick + Vortrag @Sousanna (Veronika): 5d10 = (9+7+9+5+2) = 32
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
Die dem lieben Griechenlande rann,
Lasst, o Parzen, lasst die Schere tönen,
Denn mein Herz gehört den Todten an!
Friedrich Hölderlin

Benutzeravatar
Livia
Jünger des Seth
Beiträge: 406
Registriert: Do 23. Nov 2017, 22:04

Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Livia » Mo 11. Dez 2017, 00:02

"Keine Freude?" Livia lächelte bitter. "Wer hat Freude daran?" Fragte sie zynisch. Ein bitteres Thema. Keines für einen schönen Abend. Ohne nicht mindestens ein oder zwei Trinker zwischen den Zähnen gehabt zu haben, zumindest.

"Ich finde euer Umgang mit euren Dienern... er klingt schön. Ich kann mir vorstellen, dass ihr sie nicht hängen lasst und nicht unnötig opfert. Das ist viel Wert. Es zeigt auch den Wert eines Kainiten als... in anderen Verbindungen."

Auf Sousannas Frage, legte Livia den Kopf kurz schräg und lehnte sich zurück. Merklich musterte sie noch einmal, durchaus verzückt, die Gestalt vor sich - an irgendetwas musste Sousanna diese Art des Blickes und Beobachtens auch erinnern.... "Ihr... ihr seid aus guten Hause. Kein Königshaus oder derartiges. Aber ein gutes Haus. Ihr kennt die Gosse womöglich Freiwillig? Liebhaber, Abenteuer, Geschäfte? Aber nicht wirklich durch Not... und die Fürstenhallen? Ich weiß nicht." Erinnerte und schloss sie zugleich.
"Mir geht es ebenso, sterblich stamme ich aus angesehener Familia.
Dieses Prestige lässt sich nur leider nicht in die nächste Welt übernehmen." Sie hob die Schultern.

Dann beobachtete Livia erst einmal die Rauchkringel amüsiert. Heute wollte ihr einiges nicht gelingen, dass Sousanna spielend gelang... aber.
"Was sagt das über unsereins aus? Egal wie niedrig die Clane angesehen werden... oft sind es die Menschen der oberen Schichten, die unser Interesse erwecken. Doch wir wissen selbst, dass hoch und nieder keine Messlatten für Erfolg und Wert und Fähigkeit sind. Ein Paradox!" Ging es ihr nach und nach im Spaße auf.
"Habt ihr schon einmal... über Kinder nachgedacht?" Fragte sie dann wieder recht direkt. Wohl noch ganz bei jenen Menschen in Gedanken.

Benutzeravatar
Sousanna
Ravnos
Beiträge: 1732
Registriert: Mo 14. Nov 2016, 21:12

Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Sousanna » Mo 11. Dez 2017, 14:41

Die Ravnos lachte - und es war deutlich, dass es dieses Mal ein Lachen war, das ihre Bitterkeit und vielleicht sogar Frustration überspielen sollte. "War es bei euch nicht auch so, dass euch die ersten Augenblicke des Bisses ein Rausch durchströmt hat, wie der beste Rausch eures Lebens?", fragte sie leise. Etwas an ihrer Stimme war rauer geworden, als läge da in ihr eine tiefe Sehnsucht danach diesen Moment noch einmal zu erleben. "Zumindest war es bei mir so, bis ich verstanden habe, dass ich sterben werde."

Über Livias Kommentar zu ihren Dienern schmunzelte die Schöne. So sie es als Tugend sehen wollte, würde sie ihr dieses Bild lassen. Es brauchte ja nicht jeder wissen, dass sie mehr als andere auf ihre Blutbänder angewiesen war... Dass sie zwar vom Prinzip her ein Raubtier war, aber doch nicht ohne ihre Sterblichen überleben konnte.

"Ihr habt gar nicht so schlecht geraten.", grinste sie dann voller Anerkennung, ehe sie offensichtlich von einem Entschluss erfasst wurde. Flink neigte sie sich hinüber und verriet der Tochter des Clanes Merkur schließlich ein Geheimnis, dass bisher noch niemand hier in Genua von ihr wusste. Das Geheimnis ihrer Abstammung. Nie hätte sie gedacht, dass jener Name ihrer Familie jemals wieder ihre Lippen verlassen würde, doch es schien ihr wie ein Band, das zwischen den niederen Clanen geknüpft werden musste.
Schließlich wollte sie leise von ihrem Gegenüber wissen: "Sagt, verratet ihr mir auch, wer die Euren waren?"

Kichernd bildete sie noch ein paar Rauchkringel und erfreute sich an der Leichtigkeit, die darin lag. Wieder dauerte es eine Weile, ehe sie antwortete: "Nein, ich sehe es nicht als Paradox. Denn diejenigen, die wir aus den oberen Schichten auswählen, haben etwas, das uns nützt. Ebenso die Sterblichen aus den niederen Ständen. Wir haben nur gelernt unsere Zeit nicht zu verschwenden. Wir haben gelernt, es auszunutzen, dass es in unserem Blut diese Grenzen verschwimmen."

Es war eine harmlose Frage, doch Sousanna schien sie zum Erstarren zu bringen. Mit einem Mal war ihre Bewegung sehr stockend, glich beinahe einem seltsamen Apperat als sie die Pfeife weitergab. "Nein", verkündete sie - doch die warme Stimme schien hölzern und in ihrem Blick lag nun ein Schatten. "Nein, was würde ich schon mit einem Kind anstellen?"
Ach! es sey die letzte meiner Thräne,
Die dem lieben Griechenlande rann,
Lasst, o Parzen, lasst die Schere tönen,
Denn mein Herz gehört den Todten an!
Friedrich Hölderlin

Benutzeravatar
Livia
Jünger des Seth
Beiträge: 406
Registriert: Do 23. Nov 2017, 22:04

Re: [1003] Blut, Freude, Tränen [Livia]

Beitrag von Livia » Mo 11. Dez 2017, 17:03

Livia wog den Kopf hin und her. "Es war ziemlich übel. Ich wusste was auf mich zukommt - also den sterben Teil. Das macht es nicht wirklich besser..." Seufzte sie. "Also ich hätte wohl sowieso nicht überlebt... daher wusste ich." Hob sie die Schulter "Keine Geschichten für einen schönen Abend." Wedelte sie die dunklen Erinnerungen im Geiste und mit den Händen vor ihren Zügen weg. "Ganz und gar nicht."

Als Sousanna ihr einen Namen speiste weiteten sich Livias Augen kurz. Das war eine Überraschung. Nun, wenn es stimmte, aber warum auch nicht?
Sie nahm die Überraschung auf, ebenso Sousannas Begeisterung und gab auch sich einen Ruck des Vertrauens, versuchte das Band aufzunehmen und zu weben und hoffte, dass es nicht nur eine Illusion war. Auch sie hauchte der Ravnos einen Namen entgegen, lächelte verschüchtert und nahm den Blick wieder auf. "So sind wir beide nicht, was wir scheinen, womöglich aber weder aus dem einen, noch dem anderen Grunde gewählt.
Aber so werden wir wohl beide unsere Erzeuger nicht zu rasch verstehen..." Die Alten... "Bei uns ging es wohl nicht nur um das, was wir hatten, und nicht nur das, was wie konnten..." Ihre Augen verloren sich wieder einige Momente in Sousannas, täuschten rasend rasch über das Holz hinweg. Erst die Wasserpfeife weckte sie wieder aus diesem Traummoment und sie imitierte langsam etwas erfolgreicher Sousannas Kreisel. Kurz verspielt kichernd, als es ihr das erste Mal gelang.

Ach wie gern hätte Livia weiter über Geschäfte, Vergangenes und ihre Wesen gesprochen - aber der Moment war zu verspielt, um ihn an Rechnungsbücher zu verlieren. Also lehnte sie sich noch etwas weiter zurück.

Doch dann gab sie diese Hoffnung auf - nein - so war es nun einmal, auch in Konstantinopel - das Bad, die Wasserpfeifen, goldene Schönheiten junger Männer und Frauen - alles war in Geschäfte verwoben - nicht nur Fassarde, es gehörte zusammen. Zumindest für Livia.
"Sousanna, ihr wart sehr großzügig zu mir, sehr vertrauensvoll und ihr seid meine größte Hoffnung auf einen Hauch der Heimat - nein, neue Heimat. Und womöglich auch deutlich steigende Profite, für alle Beteiligten." Sie lächelte mehr freudig als füchsisch. Es war ein Teil des Vergnügens.

So wurde sie wieder klar, nach all ihrer schönen Vorstellung:
"Wie kann ich euch helfen... wohlwerte Freundin?"
Ein Augenblick zuckten ihre Augen, schüchtern wie zum Schutze, zusammen, fixierten dann jedoch wieder die Schöne. Ihr Spiel war nicht eingeübt, noch war viel Jugend zu spüren und die geschäftliche Seite wurde immer wieder von wahrer Hoffnung überdeckt, durchdrungen, korrumpiert... aber auch gestärkt.

Gesperrt