[1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

Moderatoren: Toma Ianos Navodeanu, Acacia

Benutzeravatar
Ilario
Lasombra
Beiträge: 706
Registriert: Di 28. Feb 2017, 09:41

Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Ilario » Mo 20. Nov 2017, 18:26

"Die Politik ist eine verschlungene Straße mit vielerlei Abzweigungen bei denen es oft unklar bleibt wohin sie einen führen... Hinter den Worten mag Verrat lauern, Klingen, Lüge und manchmal sogar Wahrheit. Und gar nicht so selten auch Dummheit."

Bei der letzten Äußerung verengten sich die grauen Augen des Magisters und sein Blick glitt in die Ferne. Er gedachte wohl jemandem bestimmten, Seresa war offenkundig jedoch nicht gemeint. Jemand würde für Lüge, Verrat und Dummheit zahlen... Vielleicht sogar für die Wahrheit.
Dann verlagerte sich der Fokus seiner Aufmerksamkeit wieder vollständig auf Seresa. Ilario lächelte sacht und nickte.


"Gut, einverstanden. Wir haben also einen guten Handel zu gleichen Bedingungen. Euch führte eure Suche nach Wissen hierher. Eine solche Suche nach Wissen, und sei es noch so allgemeine oder speziell, ist in meinen Augen ebenso klug wie ehren voll. Daher sei die erste Frage euer werte Seresa. " Erwartungsvoll sah der Schatten die Suchende an.
Die Nächte lehren viel, was die Tage niemals wissen.
- persisches Sprichwort

Benutzeravatar
Seresa
Brujah
Beiträge: 526
Registriert: Sa 29. Jul 2017, 23:49

Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Seresa » Mo 20. Nov 2017, 22:46

Seresa lächelte. Sie schien angetan davon zu sein, dass ihr Gegenüber ihr die erste Frage gestattete. Fast verlegen schaute sie für einen Augenblick zu Boden.

„Habt Dank für Eure Großzügigkeit, werter Ilario.“

Sie verneigte dankend ihr Haupt.

„Bevor wir uns besser kennenlernen, gestattet mir mit allem gebührendem Respekt etwas zu erwähnen, werter Ilario. Was Euren Einwand betrifft, so habt Ihr natürlich recht. Wir wissen nicht, was uns hinter den Worten erwarten mag.“

Seresa schwieg für einen kurzen Augenblick und sah dem Schatten dabei in die Augen.

„Aber es ist unsere Entscheidung, ob wir es herausfinden wollen oder nicht. Ob wir uns davor fürchten oder nicht. Ja, vielleicht werden wir verraten. Vielleicht warten Klingen auf uns. Vielleicht sogar Speere.“

Die Brujah klang bei dem Wort Speere deutlich angewidert.

„Vielleicht sogar die Sonne. Vielleicht werden wir angelogen. Vielleicht spielt man uns Dummheit vor. Vielleicht sogar Unbedarftheit. Schlussendlich ist und bleibt es unsere Entscheidung, ob wir uns der Gefahr stellen. Es ist und bleibt die einzige Möglichkeit, um die Wahrheit zu finden und wahre Erkenntnis zu erlangen. Die Welt kümmert es nicht, ob wir uns der Gefahr stellen wollen oder nicht. Sie lässt uns gewähren. Lässt uns frei wählen. Lässt zu, dass wir verzweifelt die Hände auf die Ohren pressen und unsere Augen verschließen. Uns gänzlich abschotten von ihr, der Politik und von allen Anderen.“

Seresa schüttelte leicht den Kopf, als würde das nicht das sein, was sie tun wollte.

„Sie lässt jedoch ebenfalls zu, dass wir fragen und uns Wissen aneignen. Denn wenn wir eines Tages gezwungen werden eine Entscheidung zu treffen, werden wir es womöglich bereuen nicht gefragt zu haben. Wenn wir nichts wissen, können wir nicht weise entscheiden. Dann können wir nur raten, hoffen oder beten, dass wir die richtige Entscheidung treffen mögen. Oder gestatten, dass Andere über uns und unser Schicksal entschieden.“

Sie blickte den Schatten eingehend und mit einer gewissen Neugierde an.

„Mir ist durchaus bewusst, dass es nicht von Gott gewollt ist, dass eine Frau nach Wissen sucht und ihre eigene Entscheidungen treffen will. Dass es verpönt und geächtet ist. Jedoch gestattet mir die Frage, werter Illario: Was würdet Ihr an meiner Stelle tun?“

Benutzeravatar
Ilario
Lasombra
Beiträge: 706
Registriert: Di 28. Feb 2017, 09:41

Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Ilario » Di 21. Nov 2017, 08:41

Den Worten der scheinbar jungen Frau lauschen, nickte Ilario zustimmend. Einmal mehr verlor er sich ein wenig in Gedanken, lächelte sogar ein seltenes Lächeln. Konnte es sein? Könnte diese junge Kainitin vom Clan der Gelehrte eine Gleichgesinnte sein?
Ein weiterer Stern in der dunklen Nacht der Barbarei unter den Neugeborenen Genuas, wenn man einmal von Angelique absah?
Noch einmal nickte der hochgewachsene Mann bekräftigend, dann sprach er leise und dennoch tragend.

"Ihr habt recht. Es ist stets besser zu wissen, den Dingen auf den Grund zu gehen,
egal wie schrecklich die Wahrheit auch sein mag. Alles ist besser als Unwissenheit. Zufrieden durch den Nebel des Nichtwissens zu stolpern und nicht einmal den Versuch zu machen zu verstehen... ist gefährlich und dumm. Es ist der Weg der geistig Schwachen."

Verpönt, geächtet, Frauen... Männer... Ilario lachte trocken auf.
"Frau oder Mann, denkt ihr das schert mich? Verpönt oder geächtet... Schon lange bevor mein hochverehrter Erzeuger mich in die ewige Nacht holte widmete ich mich Schriften die weit über das hinausgingen was einem frommen jungen Mann des Klerus angemessen war. Ich halte die Menschen sogar für dumm ihren Müttern, Ehefrauen und Töchtern Wissen vorzuenthalten. So viel verschenktes Potential... " Der Schatten seufzte bedauernd. "Und unter Unseresgleichen spielt das Geschlecht doch eine sehr... untergeordnete Rolle. Immerhin, ich diene einer Dame.
Wo wir gerade bei diesem Thema sind: Sagt werte Seresa, wer führte euch auf die Straße der Gelehrsamkeit?"
Die Nächte lehren viel, was die Tage niemals wissen.
- persisches Sprichwort

Benutzeravatar
Seresa
Brujah
Beiträge: 526
Registriert: Sa 29. Jul 2017, 23:49

Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Seresa » Di 21. Nov 2017, 11:34

Seresa hatte mit vielen Antworten gerechnet. Die Antwort, welche sie jedoch tatsächlich erhielt, überraschte sie durchaus. Mit einem respektvollen Nicken quittiere sie die Aussage des Lasombra und antworte dann selbst auf dessen Frage ohne einen Moment des Zögerns.

„Die verehrte Uta, Ancilla des Clan Ventrue.“

Die Art und Weise wie respektvoll Seresa den Namen der Ventrue aussprach, ließ darauf schließen, dass sie wohl durchaus in der Lage gewesen wäre, die komplette Ahnenreihe Utas fehlerfrei vortragen, so sie es gewollt hätte.

„Uta nahm sich meiner an, als ich jung war. Sie lehrte mich das Lesen und Schreiben. Brachte mir neben dieser Sprache, ebenso Latein, Griechisch und Arabisch bei.“

Das Italienisch nicht ihre Muttersprache war, war bei ihrer Aussprache nicht zu bemerken. Einzig die Wörter welche sie verwendete zeigten gelegentlich, dass sie eine Mundart sprach, die in Genua selbst nicht gesprochen wurde.

„Sie war es die meine Neugierde forderte und förderte. Sie war es, die mir Schriften zu lesen gab, welche sich einer jungen Dame wahrlich nicht geziemten zu lesen.“

Seresa schmunzelte bei der Erinnerung daran. Dann schloss sie für einen Moment die Augen, bevor sie die Erinnerung mit einem kurzen Schütteln des Kopfes verwarf. Die Brujah sah Ilario erneut an.

„Wahrlich, ich verdanke Ihr sehr viel, werter Ilario. Ohne sie, wäre ich heute gewiss nicht hier und würde ein Gespräch mit einem aufmerksamen Kainiten wie Euch führen.“

Sie neigte ihr Haupt vor dem Schatten.

„Ihr sagtet, Ihr widmetet Euch bereits vor Eurer Verwandlung Schriften, die weit über das hinausgingen, was einem frommen jungen Mann des Klerus angemessen war. Sofern die Frage gestattet ist: Welchen Schriften hattet Ihr Euch gewidmet, werter Ilario?“

Benutzeravatar
Ilario
Lasombra
Beiträge: 706
Registriert: Di 28. Feb 2017, 09:41

Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Ilario » Di 28. Nov 2017, 17:40

"Eine Neugeborene vom Clan der Gelehrten deren Wissensdurst von einer Ventrue geweckt wurde... Faszinierend. Geschah dies bevor oder nachdem ihr in die ewige Dunkelheit geholt wurdet? Oh, und bitte missversteht mich nicht. Es ist natürlich ungewöhnlich, aber wer wenn nicht ein Lasombra der einer Princeps vom Clan der Könige dient verstünde solch verschlungene Pfade besser?"

Verworren waren die letzten Jahre gewesen, eine verschwundene Herrin, Feinde von seinem Blut, Verbündete die zu Feinden und dann wieder zu widerwillig angenommenen Alliierten wurden und dann war da immer noch Venedig... Lucius, der seine völlig eigenen Vorstellungen und Pläne hegte. Aber endlich war Aurore zurückgekehrt und bot ihm Halt, dennoch wurde es wohl auch bald Zeit nach langen Kriegsjahren wieder in Kontakt mit seinem Erzeuger zu treten. Solche Gedanken schwirrten durch Ilarios Kopf während er über diese Uta nachdachte. Womöglich hatten Seresa und er einiges gemeinsam...

"Wiewohl ich ein gläubiger Mann war und bin, war die Neugier stets meine größte Sünde." Gab der Lasombra unumwunden zu, überlegte einen Moment und offenbarte der jungen Brujah schließlich sein apokryphes Wissen. Ganz nebensächlich, als sei nichts dabei oder als hätte er weit finsterere Schrecken geblickt als in diesen Werken beschrieben."Obschon ich nichts davon ahnte, leitete mich bereits jemand in meinen Tagen als junger Kleriker und so studierte ich beispielweise das Testament Salomos und die papyri graecae magicae."

Sicherlich hatte Ilario in den folgenden Jahren, als er selbst schon gestorben war, auch Schriften studiert die weit weniger sterblichen Ursprungs waren. Abschriften aus der Feder seines Erzeugers, doch dies waren Geheimnisse die zu teilen er nicht bereit war.
Die Nächte lehren viel, was die Tage niemals wissen.
- persisches Sprichwort

Benutzeravatar
Seresa
Brujah
Beiträge: 526
Registriert: Sa 29. Jul 2017, 23:49

Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Seresa » Di 28. Nov 2017, 21:41

Ihr Gegenüber war gut. Er stellte die richtigen Fragen und schloss dabei nicht von vorne herein unwahrscheinliche Antworten aus. Versuchte jedoch gleichzeitig sie charmant um den Finger zu wickeln. Es war paradox. Sie hätte nie erwartet, dass der Kontakt den Brimir ihr vermittelt hatte, ihr tatsächlich so zusagen würde.

„Die Könige benötigen Wissen.“

Seresa nickte.

„Ich vermute nicht ohne Grund hat deshalb ihre höchst verehrte Majestät einen solch begabten Mann wie Euch in den Vasallenstand erhoben.“

Die Brujah verneigte ihr Haupt anerkennend vor ihm. Lächelte ihn an.

„Um Eure Frage jedoch hinreichend zu beantworten. Ich war nahezu sieben Jahre lang die Schülerin der verehrten Uta, bevor ich in die ewige Dunkelheit gestoßen wurde. Es ist kein Geheimnis, dass sie mich zu ihrem Kind hätte machen wollen.“

Die Brujah zuckte mit den Schultern, als würde sie nicht länger um etwas trauern, was sie nicht verändern konnte. Hatte sie schließlich auch ihren Erzeuger bei ihrer Vorstellung genannt. Hatte dies in einer durchaus respektsbekundenden Art und Weise getan.

„Wie dem auch sei. Die Neigung Wissen zu suchen und die Neugierde sind geblieben. Wahrlich eine Sünde, welche wohl auf unser beider Seelen lastet.“

Die Brujah blickte dem Lasombra weiter offen in die Augen und neigte erneut ihr Haupt.

„Was die von Euch genannten Schriften angeht, so muss ich zu meiner Schande gestehen, dass sie mir nicht bekannt sind. Sofern sie noch in Eurem Besitz sind, würde es mir zur Ehre gereichen, wenn ich sie eines Nächtens lesen dürfte. Selbstverständlich nur sofern Ihr es erlauben würdet.“

Seresa schwieg für einen kurzen Moment und fügte dann weitere Worte hinzu.

„Es sei denn, es handelt sich hierbei um Schriften, welche Eurem Blut vorbehalten sind. In diesem Fall verzeiht bitte meine Unwissenheit und meine Direktheit.“

Die Brujah senkte entschuldigend den Kopf, ob ihrer Unwissenheit, bevor sie wieder aufblickte.

„Sofern ihr erlaubt, werter Ilario, würde ich Euch gerne eine Frage stellen, die einen Eures Bluts betrifft. Ich hörte einige nichtcharmante Aussagen bezüglich Eures Clansbruders dem werten Fabrizio. Sofern die Frage kein Ding von höherer Bedeutung ist, welches die Beantwortung der Frage ausschließen würde, würde ich gerne wissen: Wie ist Eure werte Meinung über Euren Clansbruder dem werten Fabrizio Aurelio Sizilianus ehemals bekannt unter dem Namen Fabrizio Begado, Kind der Madgalena Castelucci Corcellino aus Venedig und Botschafter der See der Schatten?“

Ob Seresa tatsächlich interessiert war, an Ilarios Meinung über Fabrizio, ließ die Brujah offen. Sie erläuterte die Frage nicht weiter, weshalb sie gerade nach ihm fragte. Ob sie gar etwas von seinem Clansbruder wollte. Vielleicht wollte Seresa auch einfach nur testen, wir Ilario mit einer Frage über ein durchaus kontroverses Thema umging. Ein Thema bei dem so vieles mit hineinspielte. Clanzugehörigkeit, Abstammung beider Erzeuger aus Venedig, Vasallentum gegenüber Aurore, Ansichten anderer, angebliche Morde, angeblicher Verrat, Piraterie. Testen wie er sich verhalten würde. Er hatte es bereits einmal geschafft sie zu überraschen mit seiner Antwort. Sie bezweifelte nicht, dass es ihm erneut gelingen würde.

Benutzeravatar
Ilario
Lasombra
Beiträge: 706
Registriert: Di 28. Feb 2017, 09:41

Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Ilario » Do 30. Nov 2017, 23:48

Zu all dem was Seresa sagte neigte Ilario zustimmend oder verstehend das Haupt, lediglich bei ihrer offenen Schmeichelei verzog er kurz das Gesicht. Das wurde weder ihm noch ihr gerecht. Dennoch hielt er die junge Brujah inzwischen für recht aufgeweckt und schüttelte schließlich an anderer Stelle verneinend den Kopf.

"Nein, jene Schriften finden sich nicht in meinem Besitz. Solltet ihr euch aber je in Venedig aufhalten könnte ich es vielleicht ermöglichen... dass ihr sie lesen dürft."

Als sie Fabrizio ansprach wurde Ilario sehr still und nachdenklich, überlegte lange Augenblicke ehe er nickte und sich in Bewegung setzte.

"Gehen wir doch ein Stück, schlagen einen Bogen um Kreuzdorf herum. Wie ich zu Fabrizio Aurelio Sizilianus beziehungsweise Fabrizio Begado, meinem venezianischen Clansbruder stehe? Nun, zum einen hat er die Tradition der Vernichtung gebrochen, wenn ich auch glaube aus sehr nachvollziehbaren Gründen die zu einer Verkettung unglücklicher Umstände führten und zudem war es ebenfalls ein Lasombra dem er den endgültigen Tod brachte. Verdammenswert womöglich, andererseits hat ihn sein Clan noch nicht dafür gerichtet." Ilario zuckte mit den Schultern. "Zudem dient er dem Feind als Botschafter... Andererseits habe ich persönlich einen ganz guten Eindruck seiner Person und er hat für das Ableben eines besonders unwerten Tieres gesorgt. Insgesamt halte ich ihn für einen Schurken, allerdings einen mit dem man Handeln und gute Abkommen treffen kann. Und immerhin ist er ein Clansbruder...
Allerdings wird es schwer für ihn werden die nächsten Jahre zu überdauern. Viele die ich kenne, und teilweise sogar schätze, wollen seine Vernichtung."


So wanderten sie wohl weiter wenn Seresa sich nicht entschloss zu verweilen und der Lasombra stellte ihr nun seinerseits eine Frage: "Warum fragt ihr mich nach ihm, was verbindet euch mit meinem Bruder im Blute?"
Die Nächte lehren viel, was die Tage niemals wissen.
- persisches Sprichwort

Benutzeravatar
Seresa
Brujah
Beiträge: 526
Registriert: Sa 29. Jul 2017, 23:49

Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Seresa » Fr 1. Dez 2017, 05:05

Als der Lasombra sich in Bewegung gesetzt hatte, war Seresa seinem Vorschlag gefolgt und ging neben ihm, während sie ihm zugehört hatte und seine Reaktionen weiter beobachtete. Die Brujah würde sich weiter mit ihm bewegen oder stehen bleiben, sofern er stehen blieb. Sie schien sich in diesem Punkt bereitwillig Ilario anzupassen.

„Habt Dank für Eure Redlichkeit, werter Ilario. Sollten mich meine Wege jemals nach Venedig führen, wäre es mir eine überaus große Ehre, wenn Ihr es mir ermöglichen könntet, diese Schriften zu lesen.“

Seresa nickte dankend in seine Richtung. Sowohl für das Angebot über das Lesen der Schriften, dass er ihr gemacht hatte, wie auch für die offenen Worte über seinen Clansbruder. Sie blickte offen zu Ilario auf, während sie neben ihm herging.

„Um Eure Frage jedoch zu beantworten: Ich fragte Euch nach dem werten Fabrizio, weil Ihr als sein Clansbruder womöglich eine andere Sicht auf ihn habt. Eine andere Sicht, als die Anderen unserer Art. Zumal Eure hoch verehrten Erzeuger aus derselben Domäne stammen.“

Dann zuckte sie leicht mit den Schultern.

„Die Meisten vergessen allzu leicht, dass jede Münze mehr als nur eine Seite besitzt. Sehen nur das, was sie sehen wollen. Von Jenen, welche über ihn sprachen, wurde mir ausschließlich die Hässliche, die Unansehnliche, die Verdorbene, die Verräterische gezeigt. Ich gestehe, ich war neugierig zu sehen, was Ihr auf eben jener Seite seht. Ob Ihr die andere Seite an ihm steht und ob Ihr gewillt wärt, sie mir zu zeigen. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, war ich ebenso daran interessiert, wie Ihr von und über Ihn sprechen würdet. Trotz oder gerade wegen der nichtcharmanten Äußerungen, die andere unserer Art über ihn getroffen haben.“

Seresa nickte ihm anerkennend zu.

„Ihr gestehe, ich weiß Eure Worte sehr zu schätzen. Was jedoch Eure erweiterte Frage bezüglich Eures Bruders im Blute angeht, so gestehe ich, bin ich mir unsicher, was Ihr genau unter dem Ausdruck ´was verbindet euch´ versteht. Sofern Ihr die Güte hättet, mir die Frage näher zu erläutern, will ich sie Euch gerne redlich beantworten. Bitte verwendet gerne mehrere Fragen, sofern Ihr sie benötigt, um meine Unklarheit zu beseitigen. Es soll nicht zu Eurem Nachteil sein.“

Die Brujah nickte Ilario auffordern zu. War schließlich sie es, die sich nicht sicher war, worauf der Lasombra hinauswollte. Nach einer kurzen Pause fügte sie hin.

„Ich gestehe, es würde mir zur Ehre reichen, würdet Ihr ebenfalls erläutern, wen oder was Ihr genauer gemeint hattet, als Ihr vom ´Ableben eines besonders unwerten Tieres´ gesprochen hattet.“

Seresa blickte ihn fragend an, als sei sie sich gerade nicht sicher, von wem oder was der Lasombra gerade tatsächlich gesprochen hatte.

„Anderenfalls würde ich meine Bitte um Erläuterung zurückhalten, bis ich Eure Frage zu Eurer Zufriedenheit beantwortet habe, um sie dann als Frage an Euch zu formulieren.“

Die Brujah nickte ihm höflich zu und wartete auf seine Antwort.

Benutzeravatar
Ilario
Lasombra
Beiträge: 706
Registriert: Di 28. Feb 2017, 09:41

Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Ilario » Fr 1. Dez 2017, 16:30

Eine wegwischende Handbewegung machte deutlich, dass Ilario nicht kleinlich sein wollte und ihr die nachgefragten Dinge ohne zusätzliche Gegenleistung erläutern würde. Er hatte sich ja auch recht krypthisch formuliert. Schulterzuckend präzisierte der Lasombra:

"Nun, ich meine damit ob euch Freundschaft oder Feindschaft mit meinem Clansbruder verbindet, ob ihr vielleicht sogar Verbündete seid oder denselben Herren dient. Solche Dinge eben."


Verächtlich verzog sich sien Mund als er dann erklärte was es mit dem besonders unwerten Tier auf sich hatte. Irgendwie bedauerte Ilario aber die Vernichtung des Gangrel. Er wäre ihm so gerne ein Lehrer gewesen, hätte ihm so gern nahegebracht welche Nachwirkungen fehlende Umgangsformen und Respektlosigkeit gegenüber Höhergestellten haben konnten.


"Aus sicherer Quelle weiß ich, dass Fabrizio Begado einen Neugeborenen der Gangrel, Alessandro mit Namen, an Sizilien auslieferte, der dort den endgültigen Tod fand. Unwert deshalb, weil diese ungehobelte Kreatur nicht nur sehr unhöflich und dreist war, sondern auch noch wagte mich zu bedrohen. Anstand und Ehre gingen ihm völlig ab, ebenso wie die einfachsten Regeln des kainitischen Zusammenlebens. Nur meinem Einlenken ist es zu verdanken, dass wir nicht aufeinander losgingen. Klauen waren bereits gewachsen und die Schatten gerufen..."
Die Nächte lehren viel, was die Tage niemals wissen.
- persisches Sprichwort

Benutzeravatar
Seresa
Brujah
Beiträge: 526
Registriert: Sa 29. Jul 2017, 23:49

Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Seresa » Sa 2. Dez 2017, 15:05

Seresa hatte aufmerksam der Ausführung des Lasombra gelauscht, als dieser ihr erläutert hatte, was er unter der Begrifflichkeit ´was verbindet euch´ und ´Ableben eines besonders unwerten Tieres´ verstand. Als Ilario schließlich geendet hatte, blickte sie für einen Moment nachdenklich, bevor sie zu ihm sprach.

„Habt Dank für Eure Ausführung, werter Ilario. Fehlende Höflichkeit und Anstand sind fürwahr ein Gräuel.“

Sie nickte ihrem Gegenüber mit einer langsamen Bewegung des Kopfes zu.

„Ich stimme Euch zu, werter Ilario. Die einfachsten Regeln unseres Zusammenlebens sollten ein Jeder von uns beherrschen und beherzigen. Zu seinem eigenen und dem Schutz unser aller.“

Seresa führte nicht weiter aus, was sie über die Auslieferung des Gangrels dachte. Vermutlich hatte sie dazu einfach keine Meinung oder es interessierte sie schlicht nicht weiter, welche Gründe die Lasombra für ihr jeweiliges Handeln hatten. Wissen zu besitzen war gefährlich. Genauso gefährlich wie Wissen zu erlangen. Zu leicht war es, die falschen Fragen zu stellen und damit Aufmerksamkeit auf Themen zu lenken, über die man nicht sprechen wollte. Nicht sprechen konnte. Zumindest nicht, sofern man tatsächlich gedachte sein gegebenes Wort zu halten.

„Was Eure Frage jedoch bezüglich Eures Bruders im Blute angeht.“

Die Brujah suchte erneut den Blick des Lasombra. Sie war ihm mit ihrem Oberkörper zugewandt. Machte weiterhin einen offenen und aufrichtigen Eindruck. Sie schien ganz offensichtlich weiterhin nicht zu lügen. War ehrlich dem Lasombra gegenüber, auch wenn sie nicht mehr als ein gegebenes Wort davon abhielt, ihn tatsächlich anzulügen.

„Ich nenne den werten Fabrizio weder Freund noch Feind.“

Seresa zuckte leicht mit den Schultern.

„Ich gestehe, ich weiß nicht, als was er mich sieht. Habe ich Euren werten Clansbruder nie dazu befragt. Das Schicksal wollte, dass sich unsere Wege vor dem Krieg kreuzten. Also ja, ich gestehe, der werte Fabrizio ist mir nicht unbekannt. Hatte ich bereits das Vergnügen mit ihm.“

In der Art und Weise wie Seresa das Wort Vergnügen aussprach, schien sie es tatsächlich so zu meinen, wie sie es sagte. Es schwang keine Ironie mit. Sie schien tatsächlich ein angenehmes Gespräch mit ihm gehabt zu haben.

„Er machte auf mich einen höflichen, geduldigen, aufmerksamen und überaus klugen Eindruck. Dinge, welche ich an meinem Gegenüber sehr zu schätzen weiß.“

Seresa nickte dem Lasombra zu, während sie ihren Blick kurz über den Schatten wandern ließ, der neben ihr lief. Dann schwieg sie für einen Augenblick. Hätte sie nicht zuvor erwähnt, dass sie über Fabrizio sprach, hätte man wohl auch annehmen können, dass sie Ilario damit meinte. Hätte Seresa wohl ähnliche Worte verwendet, um den Lasombra zu beschreiben. Ihr Blick wanderte für einen Moment auf den Weg vor ihnen.

„Ich gestehe jedoch, ich weiß nicht, welchem Herren er wahrlich dient und wem seine Loyalität tatsächlich gilt.“

Seresa blickte zum Lasombra zurück.

„Ich bedaure aufrichtig Euch hierzu keine redliche Antwort geben zu können, werter Ilario. Die Welt mag uns groß erscheinen, doch gelegentlich ist sie durchaus kleiner als uns lieb sein könnte. Es könnte durchaus sein, dass wir dem selben Herren dienen. Ich will und werde dies nicht verneinen.“

Sie zuckte mit den Schultern. Blickte Ilario weiterhin offen an.

„Sofern es jedoch so wäre, wüsste ich nichts davon. Wie ich Euch bereits sagte, werter Ilario, ich verstehe selbst wenig von der Politik. Kreuze ihre Wege nur, sofern es sich nicht vermeiden lässt. Umgehe sie, sofern es mir möglich ist. Verzeiht mir also bitte, wenn ich Euch die Antwort, welche ihr von mir ersucht nicht geben kann. Ich gestehe, ich wollte Euren Bruder im Blute vor dem Krieg in einer privaten Angelegenheit aufsuchen. Jedoch traf ich ihn zu meinem Bedauern nicht mehr an. Inzwischen hat sich das Anliegen - welches ich an ihn gehabt hätte - bereits auf andere Art und Weise ergeben.“

Seresa schwieg für einen kurzen Moment.

„Bitte versteht meine Worte nicht falsch, werter Ilario. Nichts liegt mir ferner, als Euren werten Bruder im Blute zu beleidigen oder gar zu verunglimpfen. Wie ich Euch bereits sagte, werter Ilario, schätze ich ihn überaus. Jedoch bedaure ich sagen zu müssen, dass sich das Gewicht auf der unansehnlichen Seite der Münze weiter gehäuft hat nach dem Krieg. Gehäuft durch weitere uncharmante Äußerungen über Euren Bruders im Blute. Ich gestehe, ich bin mir nicht sicher, ob es eine weise Entscheidung wäre, ihn tatsächlich als Verbündeten gewinnen zu wollen. Würde ein solches Vorgehen schließlich mir mitunter mehr Schaden zufügen, als es mir tatsächlich nützen würde. Zumal ich gestehen muss, ich wüsste nicht, wie er mir bei meiner Suche tatsächlich helfen könnte.“

Ihr anschließendes Schulterzucken unterstrich ihre Ausführung und ihren Gedanken, dass sie tatsächlich nicht wusste, welchen Vorteil es ihr bringen würde, Fabrizio einen Verbündeten zu nennen. Erneut schwieg sie einen Augenblick. Schien zu überlegen. Blickte Ilario schließlich leicht fragend an.

„Bitte gestattet meine Nachfrage, ob ich Eure Frage warum ich nach Eurem Bruder im Blute gefragt hatte und was mich mit ihm verbindet zu Euer Zufriedenheit und ausreichend beantwortet habe. Ob es noch etwas gibt, was Ihr diesbezüglich wissen möchtet, werter Ilario.“

Antworten