[1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

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Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Ilario » So 31. Dez 2017, 00:12

"Dann verzeiht bitte meine Fehlannahme. Auch wenn ich widersprechen muss. Sicher wäre auch jemand mit eurem äußeren Erscheinungsbild fähig Leute zu kommandieren oder sie einzuschüchtern. Es ist weniger eine Frage des Äußeren, sondern vielmehr des Auftretens und der inneren EInstellung, der eigenen Entschlossenheit."

Nachdem er seine eigene Überzeugung in dieser Sache kundgetan hatte, lächelte er überaus erfreut.

"Ah, diese Art nichtkörperlichen Konflikt meint ihr. Das tödliche Spiel der Politik. Ich kann euch helfen euch ein wenig besser zurechtzufinden. Erste Schritte auf diesem schlüpfrigen Parkett wagen zu können, ja. Allerdings bin ich selbst weit davon entfernt ein wahrer Meister darin zu sein. Es könnte mit sogar gefallen, denn dadurch komme ich nicht aus der Übung. Also ja, ich werde euch anleiten wenn ihr dies wünscht."
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Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Seresa » So 31. Dez 2017, 00:33

„Nun sicherlich habt Ihr recht, vermag schließlich selbst eine wahrlich zierliche Erscheinung wie Eure verehrte Älteste mit allem gebotenen Respekt und dies sei wahrlich keine Beleidung, sondern eine durchaus anerkennende Aussage ihr gegenüber, einem wie ein Racheengel erscheinen.“

Seresa schwieg für einen kurzen Moment.

„Wie Ihr jedoch sagtet, ist es eine Frage der inneren Einstellung. Ich befürchte jedoch, mit allem gebotenen Respekt, ist eine derartige Einstellung derzeit schlicht kein erstrebenswertes Ziel für mich.“

Dann schenkte sie ihrem Gegenüber ein aufrichtiges Lächeln.

„Jedoch freut es mich zu hören, dass Ihr gewillt wärt, mir eben jene andere Art des nichtkörperlichen Konflikts näher beizubringen. Wie ich bereits sagte, bin ich selbst kein wahrer Meister im körperlichen Konflikt. Ich denke jedoch, dass beides ein durchaus angemessener Tausch unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit sein könnte.“

Auch wenn es keine direkte Frage war, schien sie sich doch mit ihrem letzten Satz über die Gedanken des Lasombra hierzu rückversichern zu wollen.

„Ich glaube es ist an Euch, werter Ilario, die nächste Frage zu stellen, sofern es noch etwas gibt, was ich Euch zu beantworten vermag.“

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Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Ilario » Di 2. Jan 2018, 16:34

Ein zustimmendes Nicken und der Handel zwischen den beiden Kainten war besiegelt. Sie würden einander zu gegebener Zeit in verschiedenen Dingen unterweisen. Wenn sie bis nach dem Hoftag warten würde könnte Ilario Seresa wohl an anschaulichen Beispielen erläutern wie die Politik so lief. Näher am Unleben wäre es allemal.
Dann dachte er kurz nach und stellte seinerseits eine Frage:


"Werte Seresa, ihr sagtet eure Geschwister sahen euch als Verschwendung im Blut an. Warum, was steckt dahinter? Ich kann es mir nicht erklären, seid ihr doch mehr Gelehrte als jeder andere Brujah den ich in Genua traf."

Dabei war das durchaus nicht als Schmeichelei gedacht, sondern entsprach Ilarios Wahrnehmung. De intellektuelle Seite ihres Clans repräsentierte Seresa sehr gut, über die körperliche, wilde Seite von Clan Brujah konnte er sich bei ihr noch kein Urteil erlauben.
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Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Seresa » Di 2. Jan 2018, 21:12

Seresa hatte Ilarios Nicken selbst noch einmal mit einem Nicken erwidert. Ein abgeschlossener Handel, welcher wohl Beiden auf ihre ganz eigene Art und Weise von Nutzen sein würde. Dann jedoch hatte sie verlegen Ihren Blick gesenkt, ob der charmanten Äußerung des Schattens. Als ihr Blick zurück zu seinen Augen fand, spiegelte sich in ihnen ein ferner Schimmer einer gequälten Erinnerung wieder.

„Gelehrte. Das ist wahrlich einer der Namen, welchen sie den Nachkömmlingen vom Clan Brujah geben. Kriegsphilosophen ist der Andere. Doch um über etwas wahrhaft philosophieren zu können, sollte man es zuerst begriffen haben. Erlebt haben. Gekämpft haben. Sich bewiesen haben. So war zumindest ihre Ansicht.“

Die Brujah schüttelte leicht den Kopf.

„Ich war vor meiner Verwandlung die Schülerin einer Ventrue. Das Konfliktpotenzial jener Tatsache, muss ich Euch vermutlich nicht weitererläutern, werter Ilario. So verwandelte mein Erzeuger nicht nur eine ganz offensichtlich junge, kleine, hagere, zierliche und schwache Frau, sondern zudem jemanden, der einst die Dienerin einer Ventrue war. Eine Frau, die nie im Krieg gekämpft hatte, sondern durch ihr Handwerk dafür gesorgt hatte, dass die Blutjagd auf eine Brujah ausgerufen worden war. Auf eine ihrer eigenen, späteren Blutsschwestern. Durch mein Tun, durch meine Entdeckung, durch mein Wissen, durch meine Schuld. Und nun war ich für immer eine der Ihren.“

Seresa wandte den Blick von dem Lasombra ab, während sie kurz in die Sterne blickte. Die Brujah hatte ihm nichts erzählt, was nicht ohnehin bekannt war und nichts was niemand der dabei gewesen war nicht ohnehin wusste. Er hatte sie offen danach gefragt und sie hatte ihm dem Handel von Antwort um Antwort zugestimmt. Obwohl sie wusste, dass sie ihm mit dieser Antwort Einblick auf die dunkle Seite ihrer Medaille geben würde, hatte sie nicht zurückgeschreckt und es dennoch zu getan. Sie hatte ihn Kennenlernen wollen. Wollte wissen, ob sie gewillt war, in Zukunft mit ihm zu arbeiten. Da blieb es nicht aus, dass unangenehme Wahrheiten an die Oberfläche gezerrt wurden. Seresa ging einige Schritte und schüttelte dann den Kopf als verscheuchte sie Gedanken die gekommen waren. Die Brujah blickte wieder zu Ilario und ihr Körper straffte sich instinktiv, als würde sie von ihm einen verurteilenden Blick erwarten.

„Wie Ihr seht, werter Ilario. Sie hatten mehr als nur einen Grund, mich als Verschwendung ihres Blutes anzusehen. Mehr als nur einen Grund mich zu hassen und es mich die darauffolgenden Jahre niemals vergessen zu lassen. Sie haben mich spüren lassen, dass sie mich lieber tot gewusst hätten, als dass ich ihre Schwester war. Sie haben mich wieder und wieder daran erinnert, dass ich lieber in der Nacht meiner Verwandlung akzeptieren hätte sollen zu sterben, als nun unter ihnen zu leben.“

Sie zuckte schließlich mit den Schultern.

„Heute sehen sie es anders, habe ich mir ihren Respekt hart verdient und erarbeitet. Was jedoch meine Brüder hier in Genua angeht, so sehen sie in mir nur das, was sie gewillt sind zu sehen. Ein naives Kind, dass ihren eigenen Clansbruder verraten würde, nur um selbst der Strafe zu entgehen. Dabei übersehen sie eine entscheidende Sache, werter Ilario. Eine, welche Euch wohl ohne Weiteres aufgefallen sein mag. Wenn drei Leute von einer Sache wissen, so vermag man sie untereinander zu klären und eine Lösung zu finden, die allen Beteiligten nutzt. Wenn jedoch neun oder mehr Leute davon wissen, welchen Grund sollte man dann noch haben, die einzige Person weiter zu verärgern, die wahrhaft die Geschehnisse jener Nacht zu ihren Gunsten drehen könnte. Die aus einem schrecklichen Unfall, während des Burgfriedens von dem ich nichts wusste, bis der wohlwerte Gaius nach meinem Kontrollverlust mich darüber informierte, eine Anklage gegen mich wegen versuchter Vernichtung, wissentlichem Bruch des Burgfriedens, Bruch der Stille und Verzögerung oder gar bewusster Verheimlichung der Tat vor dem verehrten Seneschall machen könnte.“

Seresa betrachtete Ilario schweigend, bevor sie leise seufzte.

„Ich hoffe wahrlich, ihre höchst verehrte Majestät Aurore ist das, was ihr nachgesagt wird zu sein. Eine weise, glanzvolle und gnädige Herrscherin. Denn wahrlich, werter Ilario, so sehr ich unser Gespräch genieße, sollte sowohl Euch, wie auch mir eines klar sein: Mein Kopf liegt auf dem Henkersklotz. Ich besitze wahrlich keinen einzigen Beweis, den ich gegen die schlimmste Verleugnung vorbringen könnte, außer der Tatsache, dass ich noch immer hier bin. Dass ich mich ohne Fesseln durch Genua bewege und mich dennoch an die Regeln halte. Dass ich seit mehr als einem Jahr nicht geflohen bin, trotz des Krieges, trotz dem Hass meiner Anklägerin, trotz der Gefahr meiner drohenden Vernichtung und trotz dem Hass meiner Geschwister. Trotz allem bin ich hier. Bin hier mit meinem verdorbenen Blut, dass viele Ventrue wahrlich lieber vergossen sähen und stehe zu meinen Verfehlungen. Bin willentlich, wie auch wissentlich lieber bereit mich dem Urteil ihrer höchst verehrten Majestät zu unterwerfen, als mich in Gefälligkeiten und Abhängigkeiten zu verstricken, nur um mein eigenes Unleben dadurch zu verschonen oder gar zu retten.“

Die Brujah zuckte mit den Schultern.

„Wenn Ihr also fragt, weshalb meine Geschwister mich als eine Verschwendung des Blutes erachten, dann lautete die beste und redlichste Antwort wohl noch immer: Ich bin schlicht nicht das, was sie eigentlich haben wollten.“

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Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Ilario » Do 4. Jan 2018, 16:32

Schweigend lauschte Ilario ihren Worten, erwies sich als guter Zuhörer, als Seresa die düstereren Kapitel ihrer Vergangenheit beleuchtete. Aber hatte nicht die Dunkelheit Ilario stets fasziniert? Lagen nicht in der Finsternis die größten Geheimnisse verborgen?

"Schülerin einer Ventrue, interessant. Und eine Blutjagd auf eine Brujah habt ihr ausgelöst? Eine gerechtfertigte? In jedem Fall halte ich eure Blutgeschwister für ziemlich merkwürdig wenn sie euch dafür verachten, dass ihr nicht das seid was sie wollten... und ich dachte immer Konformismus wäre wenig verbreitet im Blut der Brujah.

Zudem habt ihr eigentlich Recht, doch möchte ich ergänzen: Ob drei Personen oder Neun, ein Geheimnis in das mehr als Zwei eingeweiht sind wird früher oder später offenbar werden. Immer."


Ihren Fall und die Möglichkeit einer Anklage noch einmal überdenkend schwieg der Lasombra für einige Schritte. Dann kommentierte er schulterzuckend:

"Die höchstverehrte Prinzessin ist weise, glanzvoll und gnädig. Doch glaube ich, dass ein Fall wie der eure ein Ärgerniss darstellt. Eine Ablenkung die sie derzeit kaum gebrauchen kann. Nun ich hoffe, sollte es zu einer Anklage kommen, dass ihr ein schnelles und mildes Urteil findet. Eine mildtätige Aufgabe vielleicht... Zu normalen Zeiten würde ich dies vermuten, dazu vielleicht noch ein symbolische Strafe. Andererseits mag es auch sein, dass ihre höchstverehrte Majestät durch die Anwesenheit der mailänder Elemente gezwungen ist Härte zu zeigen. Das hoffe ich natürlich nicht, doch bedenkt: Egal was euch bei Hofe ereilen mag, es wird nicht annähernd so schlimm sein wie das was meine höchstverehrte Herrin zu erdulden haben wird."

Das schien Ilario wahrhaft Kopfzerbrechen zu bereiten. Es wurde Zeit, dass er Aurore um Audienz ersuchte. Dann wandte er sich wieder Seresa zu und bat sie mit aufmunternder Geste ihrerseits eine Frage zu stellen.
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Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Seresa » Do 4. Jan 2018, 20:43

Seresa nahm die Geste mit einem dankenden Nicken zur Kenntnis. Bevor Seresa jedoch eine weitere Frage stellte, beantwortete sie seine offenstehenden.

„Ja, ich war Schülerin der verehrten Uta. Jene, welche mich auf die Straße der Gelehrsamkeit führte.“

Sie verwebte damit noch einmal die Informationen, die sie ihm bereits zuvor gegeben hatte. Dann jedoch schwieg sie für einige Momente.

„Jedoch nein, ich habe die Blutjagd nicht ausgelöst. Nicht direkt zumindest und nicht wissentlich. Ich stieß bei meinen Übersetzungen auf brisantes Wissen. Verfolgte es weiter. Doch es gibt Wissen, welches man besser nicht ersuchen sollte, werter Ilario. Nicht, wenn man nicht bereit ist, die Konsequenzen zu tragen. Ich gestehe, ich weiß nicht, ob die Blutjagd damals gerechtfertigt war, doch war sie legitimiert durch den höchst verehrten Prinzen selbst. Dennoch klebten der Makel und der Vorwurf des Verrates nach meiner Verwandlung an mir.“

Seresas Blick senkte sich für einen Moment unsicher, bevor sie ihn wieder ansah.

„Konformismus mag wenig verbreitet sein im Clan der Gelehrten, jedoch hängen viele noch immer der Vergangenheit nach. Karthago ist und bleibt für viele ein rotes Tuch. Der Clan des Mondes, jedoch vor allem der Clan der Könige sind für viele noch immer das ewige Bild des Feindes. Sie können oder wollen nicht vergeben oder vergessen.“

Dann schüttelte sie leicht den Kopf, als sei Karthago nichts, worüber sie in diesem Moment mit Ilario philosophieren wollte. Auch wenn sie sich sicher war, dass eine Unterhaltung mit ihm über solch ein Thema durchaus interessant wäre.

„Was jedoch Geheimnisse angeht.“

Seresa blickte dem Lasombra in die Augen. Schwieg lange und lächelte schließlich. Wobei ihr Lächeln eine gewisse Bitterkeit nicht verbergen konnte.

„Ich fürchte, es gilt sogar noch mehr. Denn solange es Jene gibt, die uns unsere tiefsten Geheimnisse entlocken können, über welche wir niemandem erzählen wollen und von denen nur wir selbst wissen, wird kein Geheimnis jemals sicher sein, werter Ilario.“

Die Brujah verneigte fast ehrfürchtig ihr Haupt vor dem Lasombra, führte jenes Thema jedoch nicht weiter aus.

„Was ihre höchst verehrte Majestät Aurore angeht, so bin ich gewillt Euch zu glauben. Dennoch bitte ich Euch mit allem gebotenen Respekt darauf hinweisen zu dürfen, dass ein Bruch der Stille durchaus meine Vernichtung bedeuten könnte, werter Ilario.“

Seresas Worte klangen ungewohnt ruhig, ob dieser Tatsache. Schien es ein Ende ihres Lebens zu sein, um welches sie wusste. Dann wandte sie jedoch ihren Blick ab von dem Lasombra. Seresa zog ihren Umhang enger um die Schultern. Sie war nicht hier um sich über ihr Los zu beschweren, sondern um ihn kennenzulernen und die Zeit zu nutzen, die ihr blieb. Sie blickte wieder zu Ilario auf.

„Jedoch gestehe ich, verstehe ich bedauerlicherweise nicht, was Ihr meint, werter Ilario, wenn Ihr davon sprecht, was ihre höchst verehrte Majestät Aurore bei Hofe erdulden muss. Ich…“

Die Brujah schwieg für einen Moment und schien sich unsicher.

„Ich gestehe, ich weiß nicht, ob ich Euch diese Frage stellen möchte, denn fürwahr bin ich hier um Euch kennenzulernen. Jedoch wirkt Ihr wahrlich besorgt. So Ihr also die Frage erlaubt, werter Ilario, was meint Ihr, wenn Ihr sagt: es wird nicht annähernd so schlimm sein, wie das was eure höchstverehrte Herrin zu erdulden haben wird?“

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Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Ilario » Fr 5. Jan 2018, 08:43

"Ah, Karthago. Eines Nachts wäre es mir ein Vergnügen,, würdet ihr mich mich über die Legenden die sich darum ranken in Kenntnis setzen.
Was nun Geheimnisse angeht habt ihr natürlich recht. Es gibt genug Fähigkeiten,
natürlich oder mystischer Natur, sie aufzudecken oder zu entreißen. Dennoch kann jede davon fehlgehen und dann Glaubt man nur etwas zu wissen. Ohne auch nur zu ahnen, dass man einem gewaltigen Irrtum aufgesessen ist."


Vernichtung gab Seresa zu bedenken. Nicht völlig auszuschließen, aber in Ilarios Augen unwahrscheinlich. Zumindest soweit er von seiner Quelle wusste hatte sie die Stille nicht wirklich gebrochen. Ihre Frage jedoch war zu erwarten gewesen und verständlich. Seresa schien mindestens ebenso neugierig zu sein wie er selbst.

"Vernichtung erscheint mir unwahrscheinlich, soweit mir bekannt habt ihr keine Tradition wirklich unwiderlegbar gebrochen. Vermutlich ist es für das Urteil bedeutender ob ihr in Mailand Freunde oder Feinde habt.
Mit erdulden meine ich, dass den sogenannten Hoftag sicher jemand aus Mailand beehren wird. Jemand hochrangiges und man wird klarmachen wollen wer nun das Sagen hat. Vermutlich wird es in gewisser Weise demütigend für meinen hochverehrte Lehnsherrin werden.
Das sähe diesen Mailänder... Kainiten ähnlich. Ihre Vorgehensweise ist oft weniger diskret als die ihrer venezianischen Verwandten."


Affen. Fast wäre es Ilario rausgerutscht, fast hätte er die Worte seines Mentor genutzt. Erstaunlich wie man in Gedanken manche Begrifflichkeiten einfach übernahm. Dabei wusste Ilario es besser. Totila und Himerius waren nicht nur machtvoll sondern auch durchtrieben. Sie waren wichtig für den Clan im Norden und Ilario würde es nie an Respekt für seine Ahnen mangeln. Vielleicht wäre es bald an der Zeit für eine Reise nach Mailand. Sich ein Bild verschaffen...

"Leider weiss auch ich noch nicht genauer was uns bei der Versammlung alles erwartet. Ich hätte aber eine Frage an euch die verehrte Uta betreffend. Könnt ihr mir sagen welcher Domäne, welchem Fürsten sie zugehörig ist?"
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Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Seresa » Fr 5. Jan 2018, 17:29

Seresa blickte lange schweigend in die meergrauen Augen von Ilario. Der Schatten war gut und das Spiel welches er spielte, beherrschte er durchaus.

„Ihr seid wahrlich ein überaus beeindruckender Mann, werter Ilario.“

Die Brujah verneigte anerkennend langsam ihr Haupt vor dem Lasombra.

„Doch begeht Ihr - mit allem gebotenen Respekt Euch gegenüber - einen Fehler bei der Art, wie Ihr die Fragen stellt. Denn meine redliche Antwort, wäre mir daran gelegen Euch zu hintergehen, würde lauten: Nein, ich kann Euch nicht sagen, welcher Domäne oder welchem Fürsten sie zugehörig ist.“

Seresa hielt noch immer seinen Blick.

„Die Antwort entspräche der Wahrheit und würde unsere Vereinbarung nicht in Frage stellen. Doch glaube ich, mit allem gebotenen Respekt Euch gegenüber, dass Ihr eigentlich etwas anderes über die verehrte Uta wissen wolltet.“

Die Brujah schwieg für einen kurzen Moment, während sie ihn und seine Reaktion aufmerksam beobachtete.

„Schließlich ist die Herkunft ihres Namens durchaus eindeutig und sowohl Euch wie auch mir dürfte klar sein, wessen Heer vom Norden her auf Mailand marschiert war. Erlaubt mir also bitte eine erweiterte Antwort auf Eure Frage zu geben. Im Gegensatz zu anderen Kainiten hegt die verehrte Uta kein Interesse daran politische Positionen in einer Domäne einzunehmen. Sie reist stattdessen viel und weit, selbst über Grenzen der Länder und Sprachen hinaus. Dass gerade sie es war, die mich zur Gelehrsamkeit brachte, ist somit wenig verwunderlich. Wissen will schließlich gefunden werden und kommt wahrlich selten freiwillig auf einen zu.“

Seresa nickte dem Lasombra höflich zu.

„Ich selbst weiß jedoch nicht, ob Mailand mich als ihren Feind sehen würde. Ich habe mich nicht auf ihre Seite gestellt. Man könnte dies durchaus als eine feindschaftliche Geste werten, sofern man es wollen würde.“

Ihre Hände beschrieben eine sich öffnende Geste.

„Jedoch kannte und kenne ich wahrlich nicht den Willen ihrer höchst verehrten Majestät Aurore. Es wäre mir überaus unhöflich und undankbar erschienen, hätte ich Mailand in einem Krieg unterstützt, der wahrlich nicht der Meinige ist. Vor allem, ohne zu wissen, ob dies im Interesse ihrer höchst verehrten Majestät Aurore wäre, welche mir großzügiger Weise über den verehrten Seneschall, die Einreise in ihre Domäne gewährt hatte, so dass ich meiner Suche nachgehen kann. Da Ihr, werter Ilario, jedoch davon sprecht, dass sich ihre höchst verehrte Majestät Aurore von Mailand am Hoftag demütigen lassen muss, nehme ich an, dass es wahrlich nicht in ihrem Interesse gewesen wäre, eine Verbindung mit Mailand einzugehen.“

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Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Ilario » Mo 8. Jan 2018, 16:29

"Interessant. Vor allem habt ihr recht was meine Fragestellung angeht, sehr zuvorkommend von euch daruf hinzuweisen und meine Frage dennoch in ihrer Intention richtig zu verstehen. Tatsächlich glaube ich auch nicht, dass euch die Tatsache dass eben jene verehrte Uta einst eure Lehrerin war zu einem Feind Mailands macht. Täuscht euch indes nicht, selbst wenn eure Mentorin dieser Tage kein Interesse am politischen Geschehen hat, jene denen sie vermutlich Rechenschaft schuldet tun dies ganz gewiss. Hütet euch davor euch aus dieser Richtung gegen Mailand, gegen Genua benutzen zu lassen."

Kein bedrohlicher Unterton, eher Resignation, war herauszuhören. Ilario wusste aus eigener bitterer Erfahrung, dass die Dinge oft nicht so liefen wie gedacht. Insgesamt war er ja von Seresas Art recht angetan und würde sehr bedauern wenn sie in diesem Spiel Schaden nähme. Insbesondere da ihre beiden Brüder im Blute Mailands Vasallen waren.

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Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Seresa » Mo 8. Jan 2018, 19:39

„Wir alle müssen Rechenschaft ablegen, werter Ilario. Egal, ob wir nun Vasall des Prinzen einer Domäne sind oder nicht mehr als ein Geduldeter in ihr. Wir müssen für unser Tun und unser Unterlassen geradestehen und dafür Verantwortung tragen.“

Seresa verneigte ihr Haupt vor Ilario.

„Habt jedoch aufrichtigen Dank für Euren Hinweis bezüglich Mailand. Ich werde mich davor hüten mich benutzen zu lassen.“

Die Brujah nickte ihm erneut zu, bevor ihre Hände eine öffnende Geste beschrieben.

„Jedoch bitte, werter Ilario, meine Antwort auf Eure gestellte Frage war lediglich eine Erläuterung. Sie war der Frage, welche ihr gestellt hattet, wahrlich kaum angemessen. Ich bitte Euch darum, selbst eine weitere Frage zu stellen, welche ich Euch zu Eurer Zufriedenheit beantworten darf.“

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