[1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

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Ilario
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Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Ilario » Mo 4. Dez 2017, 18:42

Schweigend lauschte der Lasombra Seresas Ausführungen, ab und zu neigte er bestätigend den Kopf. Als sie schließlich geendet hatte schüttelte er verneinend denselben. Mehr in diesen Details wollte Ilario sich nicht verlieren, am besten spräche er baldestmöglich selbst mit seinem Clansbruder.

"Nein, derzeit reicht mir das vollkommen. Es wäre nun eigentlich an euch eine Frage zu stellen und ich bitte euch dies auch sogleich zu tun... doch gestattet mir die meine schon einmal vorweg zu nehmen: Gedenkt ihr hier in Genua sesshaft zu werden?"

Vielleicht würden Antworten und Angebote ganz anders ausfallen je nach Art ihrer Antwort. Ilarios hinergründiges Lächeln jedenfalls lies entsprechendes erahnen.
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Seresa
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Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Seresa » Di 5. Dez 2017, 16:37

Seresa nickte ihrem Gegenüber zu. Es schien sie nicht zu stören, dass er bereits seine Frage geäußert hatte. Statt jedoch zuerst ihre Frage zu stellen, machte sie eine öffnende Bewegung mit ihren Händen.

„So Ihr es gestattet, werter Ilario, würde es mir zur Ehre gereichen, zuerst auf Eure gestellte Frage antworten zu dürfen. Ich gestehe, werter Ilario, meine nächsten Fragen würden einander ergänzen. Für wahr, hege ich keinen Zweifel daran, dass Ihr ein Ehrenmann seid und sie beantworten werdet, sofern es Euch möglich ist.“

Die Brujah neigte ihr Haupt vor ihrem Gegenüber. Wartete dann kurz auf seine Bestätigung, bevor sie fortfuhr.

„Hättet Ihr mich vor einem Jahr gefragt, werter Ilario, so wäre meine Antwort ein eindeutiges ´Nein´ gewesen.“

Seresa schwieg für einen Moment und betrachtete den Lasombra. Nach mehr als einem Jahr innerhalb von Genua, schien Keiner mehr ernsthaft danach zu fragen, weshalb sie eigentlich hierhergekommen war. Vielleicht hatten die Menschen gar nicht so unrecht mit ihren Gesetzen. Dass wer ein Jahr und einen Tag in einer Stadt lebte und arbeitete, ein Bürger von ihr wurde. Sich dadurch bewiesen hatte. Nun ein Teil von ihr war.

„Ich war nach Genua gekommen mit einer Suche. Ich hoffte, dass ich sie bald beendet haben würde. Dass ich danach wieder weiterziehen könne. Dass ich nie darauf angewiesen sein würde, mir innerhalb von fünf Jahren zwei Fürsprecher zu suchen.“

Die Brujah seufzte leise.

„Jedoch fragtet Ihr nicht nach der Vergangenheit, sondern der Gegenwart und so muss ich Euch zu meinem Bedauern gestehen, dass ich Euch keine redliche Antwort geben kann, werter Ilario.“

Seresa blickte zum Lasombra.

„Ich gestehe, ich hadere sehr mit der Respektlosigkeit, Unhöflichkeit und gar Unfähigkeit, welche manche unserer Art hier in Genua an den Tag legen. Sie sind nicht gewillt zuzuhören. Sie sind nicht gewillt zu fragen. Sie versteh nicht, dass manche Dinge Zeit oder gar Vertrauen benötigen. Sie sehen nur sich selbst und ihren eigenen Nutzen. Vergessen den Wert ihres Gegenübers. Sie versuchen stattdessen lieber auf dummdreiste Art und Weise vergiftete Gefallen aufzuhalsen.“

Die Brujah schüttelte erneut den Kopf. Schenkte dann jedoch dem Schatten ein kleines Lächeln.

„Ich gestehe jedoch, dass ich durchaus erfreut darüber bin, dass die Mitglieder des Clan Lasombra hier eine erfreuliche Ausnahme bilden.

Seresa nickte ihrem Gegenüber kurz und respektvoll zu.

„Um Eure Frage jedoch zu beantworten. Ich gestehe, werter Ilario, mir missfällt die Vorstellung zwei Fürsprecher finden zu müssen, um länger in Genua verweilen zu dürfen. Ich verstehe durchaus, dass ihre höchst verehrte Majestät sich sicher sein will, wer in ihrer Domäne verweilt. Verurteile ich dies auch nicht, sondern erachte es als eine durchaus weise und kluge Entscheidung ihrer höchst verehrten Majestät. Jedoch fürchte ich davor, dass die Unfähigen erneut versuchen werden, sich wie Aasfresser auf mich zu stürzen, so es bekannt würde, dass ich gedenke sesshaft zu werden.“

Sie schüttelte erneut leicht den Kopf. Bestätigte damit, dass ihr dieses Verhalten mehr als zu wider war.

„Bitte versteht mich nicht falsch, werter Ilario, sehe ich es nicht als Böswilligkeit ihrerseits an. Sie sehen womöglich schlicht eine Chance für sich. Ein gutes Geschäft. Schließlich wissen sie wohl, ob der Regelungen in Genua. Wissen, was es bedeutet, nicht in der Stadt jagen zu dürfen. Bestimmte Gebiete nicht einmal betreten zu dürfen. Die Wahl treffen zu müssen, ob man sicher sein möchte oder satt. Wäre es wirklich verwerflich einen Handel einzugehen, der einem so viel Nutzen würde?!“

Seresa zuckte leicht mit den Schultern. Dann schüttelte sie den Kopf. Signalisierte, dass sie es tatsächlich als verwerflich ansähe.

„Womöglich liegt es daran, dass ich Worten einen anderen Wert zuweise. Fürsprache darf in meinen Augen kein leeres Wort sein, werter Ilario, welches auf der Basis von vergifteten Gefallen ruht. Es soll das tun, was es beinhaltet. Für mich sprechen. Mich wahrlich und redlich empfehlen.“

Sie blickte noch immer zu dem Lasombra auf. Sah ihm offen in die Augen.

„Ich gestehe, es gäbe durchaus Gründe, weshalb ich gedenke hier sesshaft zu werden. Jedoch gestehe ich ebenso, dass ich nicht gewillt bin, blind jeden Preis dafür zu zahlen.“

Dann blickte sie für einen Moment gerade aus und wirkte nachdenklich. Sie hatte andere Fragen im Sinn gehabt, bevor sie über ihre Sesshaftigkeit so offen mit ihm gesprochen hatte. Die Frage, die nun in ihr aufgekeimt war, wirkte unhöflich und zu persönlich. Fast verlegen blickte sie auf den Boden vor sich, während sie begann, vorsichtig ihre Frage zu formulieren.

„Bitte verzeiht, meine offenen Worte, werter Ilario. Ich gestehe, ich hatte etwas gänzlich anderes im Sinn Euch zu fragen, bevor ich Euch geantwortet hatte.

Seresa zwang sich den Lasombra anzublicken, auch wenn es ihr sichtlich schwer fiel ihren Blick zu halten.

„Bitte seid versichert, es ist nicht meine Absicht unhöflich zu sein, noch will ich erkunden, was womöglich geheim ist. Es würde mir zu Ehre gereichen, so Ihr mir erlaubt Euch eben jene Fragen zu stellen, welche nun meinen Geist umtreiben.“

Sie wartete einen kurzen Moment. Schien um ein Zeichen der Erlaubnis zu bitten, bevor sie fortfahren würde.

„Was sind die Gründe, weshalb Ihr in Genua sesshaft wurdet? Weshalb legtet Ihr sogar den Vasallenschwur ihrer höchst verehren Majestät Aurore gegenüber ab?“

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Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Ilario » Do 7. Dez 2017, 18:24

"Noch vor einem Jahr, so so.."

Sinnierte Ilario während er Seresas Antwort lauschte. Ihre Höflichkeit empfand er als recht erfrischen, auch wenn erstaunlich war wie oft sie um Verzeihung bat. Rhetorisches Mittel oder Überbleibsel harter Jahre unter der Knute eines Erzeugers der schnell und hart strafte? Als die junge Gelehrte von den mangelnden Umgangsformen mancher Genuesen sprach musste der Schattenmystiker bedauernd zustimmen.

"In der Tat, ungeschliffene Manieren und grobe Unhöflichkeit begegnen einem des Öfteren in Genua. Meine Wenigkeit und andere, Gleichgesinnte, haben bereits erste Schritte in die Wege geleitet um diese Missstände zu beheben. Es mag wohl daran liegen, dass Genua eine verhältnismäßig junge Domäne ist. Ich bedaure, dass der zuvor erwähnte Gangrel, Alessandro, nicht mehr ist. Er hätte ein gutes, mahnendes Beispiel abgeben können warum ein Mindestmaß an Höflichkeit unabdingbar ist.

Vergiftete Gefallen wollte man euch aufbürden? Um als euer Fürsprecher aufzutreten? Hm, eure Worte ehren euch. Mir gefällt wie ihr über die Fürsprache denkt. Wenn es ein bedeutungsloser Akt wird, ein Geschacher um Gefälligkeiten nur, dann ist die Fürsprache witzlos. Dass eine solche Fürsprache irgendwie erwidert werden muss, sollte einem verständigen Kainiten klar sein... aber über Gebühr sollte man weder darauf heraumreiten noch diese Schuld beanspruchen. Das rechte Maß, darauf kommt es an. So wie Mäßigung überhaupt eine Tugend ist.
Den wahren Wert des Gegenübers zu erkennen und die Fürsprache daran auszurichten... eure Ansicht gefällt mir und ich werde sie mir zu eigen machen. Solltet ihr euch entschließen nach Fürsprechern zu suchen, und sollte sich meine Einschätzung eurer Person nicht revidieren, bräuchtet ihr keinen Vasallen mehr zu suchen. Auch nicht blind um jeden Preis, ich würde nicht mehr erbitten als ebenfalls eine Art der Fürsprache die auf eurer Einschätzung meiner Person beruht."


Ihre eigentliche Frage, beantwortete Ilario zunächst mit einem lesen Lächeln und einer Geste die Seresa bat  offen und frei zu sprechen. Schon erstaunlich wie wenige ihn dies gefragt hatten. Vermutlich empfanden viele solche Frage als sehr gefährlich und ergingen sich lieber in Vermutungen. Dieses überaus höfliche Exemplar einer Brujah jedoch hatte durchaus Aufrichtigkeit verdient. Oder Schweigen, ganz nach seinem Wort.

"Warum Genua? Fangen wir zunächst damit an warum ich Venedig verließ: Es war der Wunsch des hochverehrten Lucius Valerius Galba, meines Erzeugers, dass ich fortgehe. Wie so viele der jungeren Kainiten der Lagunenstadt die keine Verpflichtungen haben de sie dort binden, war ich froh die Domäne zu verlassen. Mein hochverehrter Erzeuger wollte mich außer Gefahr wissen, denn Etwas geht um in Venedig. Kainiten... verschwinden einfach. Völlig spurlos. Selbst ältere. Keiner weiß wieso... nur des etwas geschieht.

Auf Genua fiel die Wahl, da es sich um eine aufstrebende und junge Domäne handelt. Eine, in der auch Neugeborene etwas erreichen können. Nicht jede Nische hier ist oder war schon von älteren besetzt. Außerdem hoffte der hochverehrte Lucius Valerius Galba, dass ich hier Verbündete finde, welche nützlich wären, sollten die Dinge in Venedig weiter aus dem Ruder laufen.

Nun zu eurer zweiten Frage werte Seresa. Vieleicht impliziert ihr, dass es ungewöhnlich sei, dass ein Lasombra einem Ventrue-Prinzen dient? So ungewöhnlich ist das nicht, denn wir Lasombra schätzen Talent und Befähigung äußerst hoch. Dies ist es, was einen Kainiten zu einem guten Prinzen macht, nicht die Abstammung. Wiewohl diese natürlich auch ihre Rolle spielt. Aber zurück zur eigentlichen Frage und deren Antwort: Ich schwor ihrer höchstverehrten Majestät die Treue, weil sie eine gute und fähige Herrscherin ist, weil ich Genua zu meiner neuen Heimat erkor und weil mein Weg durch die Nacht es mir gebot. Ohne Bande und ohne unser Wort sind wir nichts."

Schließlich wartete Ilario ob sein Gegenüber Nachfragen hätte oder Unklarheiten beseitigt wissen wollte. Sobald dies geschehen war stellte er nun seinerseits eine Frage die sich aus dem bisherigen Verlauf ergab:

"Ihr sagtet, dass vor einem Jahr noch alles anders gewesen sei. Etwas muss sich an eurer Suche also verändert haben... Nach wem oder was Sucht ihr überhaupt? Wenn es euch möglich erscheint dies überhaupt zu enthüllen..."
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Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Seresa » Fr 8. Dez 2017, 16:37

Seresa schwieg für einen Moment, während sie zu Boden blickte. Sie schien zu überlegen, nur um letzten Endes den Kopf zu schütteln.

„Ich bedaure aufrichtig, werter Ilario, jedoch handelt es sich bei meiner Suche um ein Ding von höherer Bedeutung für mich. Ich kann Euch keine bedingungslose Wahrheit zusichern. Es würde bedeuten, dass ich Dinge offenlegen müsste, welche meine Suche verfälschen würden. So sehr ich geneigt bin, Euch zu vertrauen, werter Ilario, so sehr bitte ich Euch darum, mein Nein in dieser Angelegenheit zu respektieren. So sehr bitte ich Euch darum, es Euch nicht mit Gewalt zu nehmen, obgleich Ihr es vermutlich ohne große Mühe könntet.“

Die Brujah verneigte um Entschuldigung bittend ihr Haupt.

„Ich werde Euch gerne erzählen, was ich den Anderen - welche ebenfalls danach gefragt hatten - erzählt habe. Ich bitte Euch eine andere Frage am Ende meiner Ausführung zu stellen. Mir bedeutet dieses Gespräch und Eure Redlichkeit zu viel.“

Erneut schwieg sie für einen Moment, bevor sie fortfuhr.

„Ich sagte jenen Anderen unserer Art, dass mich die Kunde erreichte, wonach Hinweise bezüglich meiner Abstammung hier in Genua zu fänden seien. Es ist mein Wunsch diese Spuren zu verfolgen und das Wissen über meine Ahnen zu vervollständigen.“

Seresa beschrieb eine öffnende Geste mit ihren Händen.

„Dies ist, was sie wissen über meine Suche. Bitte erlaubt, dass ich weiter offen und redlich zu Euch spreche, auch wenn Ihr keine konkrete Frage diesbezüglich gestellt hattet.“

Die Brujah wartete auf ein zustimmendes Zeichen des Lasombra, bevor sie weitersprechen würde.

„Ich bedaure Euch mitteilen zu müssen, dass Euer Rückschluss, dass meine Suche etwas mit meiner veränderten Meinung bezüglich Genua zu tun hat, nicht korrekt ist.“

Ihr Blick war entschuldigend auf Ilario gerichtet. Sie schien zu bedauern, dass sie ihn zu diesem Rückschluss gebracht hatte, obwohl sie selbst keinen Einfluss darauf hatte, was er dachte.

„Ich gestehe, ich hatte hier in Genua mit Einigen unserer Art, einige durchaus interessante Gespräche über die Wege der Nacht. Ich selbst folgte nie bewusst einem Weg der Nacht. Um der Wahrheit die Ehre zu erweisen, habe ich mir auch nie große Gedanken darübergemacht, welche Wege es wohl gäbe und wer von unserer Art welchen Weg zu eigenen Erlösung beschreitet. Dies ist was sich änderte, werter Ilario. Dies ist, weshalb ich redlich überlege dem Wunsch meines eigenen Herzens zu folgen. Hier zu lernen. Hier länger zu verweilen.“

Seresa verfolgte aufmerksam die Reaktion ihres Gegenübers. Wie er diesen seltsamen Wunsch selbst finden würde. Ob er ihn gar als unangemessen Empfinden würde. Dann sprach sie weiter.

„Dies würde allerdings bedeuten, dass ich ein anerkannter Gast in der Domäne werden müsste. Bitte missversteht meine Worte bezüglich den Gefallen nicht falsch, werter Ilario. Fürwahr, niemand bot mir einen Handel an, um als mein Fürsprecher aufzutreten. Wer jedoch bereits für weit aus weniger beginnt, mit aller Härte Gefallen aufzuzwingen oder gar vergiftete Gefallen verlockend zu gestalten, wird auch nicht vor größeren Schandtaten zurückschrecken.“

Die Brujah schüttelte leicht den Kopf.

„Redlichkeit und Angemessenheit sind wahrlich seltene Dinge in unserer Gesellschaft. Deshalb danke ich Euch aufrichtig für Euer großzügiges Angebot. Sollte es mir nach meiner Vorstellung bei ihrer höchst verehrten Majestät Aurore noch immer gestattet sein in Genua zu verweilen und um Fürsprecher zu suchen, werde ich Euer Angebot, so Ihr Eure Einschätzung meiner Person nicht revidiert habt, überaus wohlwollend in Erwägung ziehen. Eine Art der Fürsprache, die auf meiner Einschätzung Eurer Person beruht, erscheint als durchaus angemessen, auch wenn ich mir bewusst bin, dass diese Formulierung durchaus vieles bedeuten könnte.“

Seresa betrachtete ihr Gegenüber einschätzend, bevor sie leicht mit den Schultern zuckte.

„Wir werden sehen, werter Ilario, meine Zukunft in diesem Punkt liegt vorerst in den Händen ihrer höchst verehrten Majestät Aurore. Was die Frage nach Eurem Vasallentum ihrer höchst verehrten Majestät Aurore gegenüber angeht, so muss ich Euch bedauerlicherweise erneut korrigieren. Ich impliziere nicht, dass es ungewöhnlich sei, dass ein Lasombra einem Ventrue-Prinzen dient. Wir alle haben unsere eigenen Gründe und Motive, weshalb wir tun, was wir für Richtig erachten. Ich gestehe, Ihr machtet auf mich schlicht nicht den Eindruck, als würdet ihr leichtfällig oder unüberlegt handeln. Ein Vasall jedoch zu sein, beinhaltet immer Verpflichtungen und ist gerade in Nächten wie diesen, nicht immer nur ein Segen. Jedoch kann ich Eure Überlegungen verstehen, die Euch zu Eurer Entscheidung geführt haben. Bedauerlicherweise habe ich selbst noch nicht viel von dem Glanz ihrer höchst verehrten Majestät Aurore mitbekommen, seit ich in der Stadt verweile. Der Krieg hatte bedauerlicherweise zu sehr seine dunklen Schatten über Genua geworfen.“

Die Brujah schwieg für einen kurzen Moment und blickte auf die Strecke vor sich. Sie war sich nicht sicher, wohin der Lasombra sie tatsächlich führen würde. Jedoch schien sie keine Falle zu vermuten und folgte ihm weiter durch die Nacht. Wandte ihren Blick zurück zu ihm, um ihm weiter zuzuhören und auf seine alternative Frage zu warten.

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Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Ilario » Mi 13. Dez 2017, 21:28

Verständig nickte Ilario. Mit ihrer Art der Antwort hatte er kein Problem, entsprach sie doch ihrer Vereinbarung.

"Natürlich, ich verstehe. Keinesfalls würde ich euch dieses Wissen mit Gewalt rauben. Warum auch? Die Suche nach der eigenen Herkunft steht jedem gut an. Aus welchen Motiven auch immer. Ich selbst bin seit jüngstem ebenfalls auf einer ähnlichen Queste. Unsere Ahnen haben Anteil daran wer wir sind, wir solltensie also kennen."

Merkwürdigerweise berührten Seresas folgende Worte das dunkle tote Herz des Schattens. So sprach er denn voller Bitterkeit über die Wege der Nacht und die Vor- und Nachteile des Vasallendaseins.

"Die Wege die uns durch die ewige Nacht geleiten... die eigene Erlösung... So habt ihr schon einen bestimmten Weg im Sinn, wollt nach Erlösung streben? Oder ist euch daran gelegen zuerst möglichst viele der Wege kennenzulernen?

Abseits davon habt ihr recht, es bleibt der Hoftag abzuwarten und eure Zukunft hier liegt in Händen meiner höchstverehrten Herrin. Dennoch bleibt mein Angebot bestehen.

Leichtfertig wurde ich damals nicht Vasall, auch wenn es rückblickend so erscheinen mag. Es hatte seinen Preis, damals und auch in den letzten Monaten. Sich der Illusion der Freiheit hinzugeben hat sicher Vorteile, doch auch als Vasall hat man neben seinen Pflichten auch Rechte. Etwas das viele Kainiten Genuas noch nicht begriffen haben. Doch dies wird sich ändern. Jedoch habt ihr recht, meine Vasallenpflicht im Krieg war eine bittere."


Fast wäre er daran zerbrochen, hatte einen Teil von sich verloren. Die Aegis war gebröckelt und erst SIE hatte ihm wieder Halt geben können gegen die Bestie. Das Tier das darauf lauerte einen jeden Kainiten ins Verderben zu stürzen, sich auf immer in ihm zu verlieren.

Seine alternative Frage war dann doch ziemlich gewöhnlich und vermutlich auch rasch zu beantworten
: "Sagt werte Seresa, solltet ihr den Gaststatus erlangen und bleiben... Wo würdet ihr euch ansiedeln wollen? Innerhalb oder außerhalb der Mauern, in einem bestimmten Stadtteil?"
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Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Seresa » Mi 13. Dez 2017, 23:59

Ilarios Frage nach dem ´Warum auch´, hatte Seresa nur leicht mit einem Schulterzucken quittiert, nachdem sie ihm zuvor dankend zugenickt hatte. Scheinbar empfand sie es als nichts Unübliches, dass jemand sich mit Gewalt sich Dinge nahm, die ihm nicht zustanden. Ein Nein nicht akzeptierte. Dennoch respektierte sie den Schatten dafür, dass er ihr Nein annahm. Als er sein Angebot wiederholt hatte, hatte Seresa ihm respektvoll und dankend zugenickt. Nachdem Ilario schwieg, antwortete Seresa ihm zuerst allgemein.

„Wir sind niemals wirklich frei, werter Ilario. Jemand, der dies glaubt, muss wahrlich ein Narr sein. Wir sind immer gebunden, in der einen oder der anderen Form. Sofern es uns vergönnt ist, wählen wir jedoch selbst was uns bindet. Vor allem unsere Treue und der damit verbundene Schwur sollte wohl überlegt sein, bindet er uns an etwas weitaus Größeres als wir selbst. Erfordert er Opfer von uns. Gibt uns jedoch auch Privilegien.“

Seresa schwieg einen Moment, während sie auf den Weg vor ihnen blickte. Dann nickte sie kurz zustimmend.

„Ich denke, die Anderen unserer Art werden dies eines Tages ebenso begreifen. Auf die eine oder die andere Art und Weise.“

Die Brujah blickte erneut zu Ilario auf.

„So Ihr erlaubt, werde ich interessiert verfolgen, in welcher Form diese Lektionen in Genua in Erscheinung treten werden.“

Seresa nickte dem Lasombra respektvoll zu. Sie schien nicht zu bezweifeln, dass es Veränderungen in der Stadt geben würde nach dem Krieg. Vor allem nicht nachdem wie er sich gerade geäußert hatte. Jedoch schien sie in diesem Punkt gerade nicht weiter von sich aus nachforschen zu wollen. Seine Antwort wäre womöglich eine gewesen, welche ihr nicht gefallen hätte.

„Was jedoch Eure Frage bezüglich einer möglichen Ansiedelung angeht, werter Ilario, wäre Domus wahrlich unsere erste Wahl. Sowohl mein Begleiter, wie auch ich, gehen dem Schreibertum nach. Das Handwerkerviertel wäre der bevorzugte Ort einer dauerhafteren Bleibe. Jedoch gibt es dort bedauerlicherweise keine Leerstände. Selbst nach dem Angriff nicht.“

Seresa wirkte für einen Moment betrübt, dann zuckte sie jedoch mit den Schultern.

„Mascharana würde wahrlich die besseren Kunden und Aufträge bieten, allerdings sind unsere Verhältnisse dafür zu bescheiden. Als Frau erhalte ich bedauerlicherweise keine Aufträge und so kann ich nur meinen Begleiter unterstützen bei seinen Arbeiten. Zumal mein Begleiter nicht aus Genua stammt und somit es ihm schwerfällt, genug Aufträge selbst zu finden. Platea Longa würde sich auf Grund der Hafennähe eignen. Borgo Incrociati für den Schriftwechsel ins Landesinnere.“

Die Brujah blickte einige Meter gerade aus. Befanden sie sich schließlich gerade in Borgo Incrociati. Ob sie hier jedoch eine sichere Unterkunft finden würde, war fraglich. Zumindest sofern sie nicht selbst eine bauen wollte.

„Ich gestehe, werter Ilario, wir haben uns noch nicht endgültig entschieden. Wir werden sehen, was die Zukunft bringen mag. Gerade bezüglich des Hoftages. Bitte gestattet die Frage, ob es für Euch einen besonderen Anlass für Eure Frage gab, werter Ilario.“

Seresa nickte ihrem Gegenüber höflich zu. Die Frage nach der Wahl ihres bevorzugten Wohnsitzes, die Anmerkung über Rechte, das Aufrechterhalten seines Angebotes. Seresas Blick wirkte interessiert. Es war nicht abzustreiten, dass ihr Gegenüber klug war und ihr gefiel die Art und Weise, wie er seine Fäden wob. Dann fiel ihr auf, dass ihr Gegenüber noch weitere Fragen gestellt hatte. Das Angebot hatte gelautet: Eine Antwort für eine Antwort. Für den Bruchteil eines Momentes schien sie zu zögern. Zu überlegen. Dann sprach sie jedoch weiter. Sie schien Gefallen an ihrem Gegenüber zu finden und die Tatsache, dass ihr Frage- und Antwortspiel mehr und mehr in ein entspannteres Gespräch überdriftete, schien sie in diesem Moment nicht weiter zu stören. Deshalb beantwortete sie ebenfalls seine anderen Fragen.

„Was Eure Fragen nach den Wegen der Nacht angeht, so lautet meine Antwort ja. Ich gestehe, ich habe nach dem Krieg sehr viel Zeit damit verbracht zu überlegen, welcher Weg wohl der Richtige für mich wäre. Alle drei Liktoren hatten mir jeweils ihren eigenen Weg ans Herz gelegt. Ich muss jedoch gestehen, dass Derjenige, der wahrhaft mein größtes Interesse an seinem Weg geweckt hatte, Euer werter Bruder im Blute war. Dies geschah jedoch bereits weit vor dem Zeitpunkt, als die Überlegung aufkam, dass ein anderer Pfad womöglich besser für mich geeignet wäre.“

Die Brujah blickte zu dem Lasombra weiterhin auf.

„Ich gestehe, ich habe mich noch nicht endgültig entschieden, welchem Weg ich schlussendlich folgen möchte. Bedeutet eine solche Entscheidung immer, freiwillig an einen Punkt zurückzukehren, an welchen ich nie wieder zurückkehren wollte.“

Seresa zog bei diesen Worten den Umhang enger um ihre Schultern, als fröstelte sie. Sie schwieg für einen Moment, bevor sie ihn fragend ansah.

„Würdet Ihr die Frage gestatten, werter Ilario, ob Ihr wie Eure Geschwister im Blute auf der Via Regalis wandelt?“

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Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Ilario » Mo 18. Dez 2017, 18:09

"Den einen binden Schwur und Wort, den anderen Bande des Blutes, der Verwandtschaft oder gar der Freundschaft. Jemand der sich völlig frei davon machen würde und könnte... wäre einsam und doch nicht frei. Selbst dann würde seine Freiheit beschränkt... durch die eigenen dunklen Begierden, das Tier. Wenn wir Glück haben können wir wählen an welche Werte, welche Personen oder Sachen wir uns binden. Darin sehen die Unwissenden, die die Bürde der Verantwortung scheuen, Verlust ihrer Freiheit, ich sehe den Gewinn. Den Halt den man dadurch gewinnen kann. Ein fester Platz im Gefüge der Welt."

Opfer und Privileg, Fluch und Segen. Hand in Hand. Alles eine Frage der Perspektive. Ilario nickte zu Seresas Worten, doch zugleich war da ein leiser Zweifel in jenen Tagen. Würde er die schweren Schritte auf der Via Regalis noch einmal gehen können? Sicher war Ilario sich nicht. Ganz sicher aber musste das Tier wieder in seine Schranken gewiesen werden.

Nachdenklich legte der Magister eine Hand ans Kinn, überlegte ob Seresas Gedanken zu ihrer dauerhafteren Ansiedlung und den Siestri.


"Domus, hm.. Nun nachdem Gaius Marcellus für einige Zeit unpässlich zu sein scheint wäre dort Platz. Die fehlenden Leerstände ließen sich eventuell umgehen. Das Domus Medicorum ist sicher nicht das einzige niedergebrannte Gebäude denke ich. Solltet ihr in Erwägung ziehen Mascharana zu wählen, bitte ich euch zuvor um Rücksprache mit mir. Der Mondsenat hat meine Person vor einiger Zeit nämlich zum Senator für das Siestri erklärt. Auch wenn ich derzeit nicht in Erwägung ziehe dieses Amt offiziell anzunehmen und auszuüben, wird sich das vermutlich sehr bald ändern. Daher auch meine Frage, obwohl es natürlich immer gut zu wissen ist wo sich ein Kainskind niederlässt. Irgendwie sind die meisten von uns doch recht revierorientiert. Was Aufträge angeht, könnte ich eventuell auch dafür sorgen dass euch ein paar zugehen."

Ihre Frage nach der Via Regalis ließ Ilario fragend eine Braue heben. Interessant, er schmunzelte, woher die Brujah nur wusste welchen Wegen die Schatten Genuas folgten? Einen kleinen Moment fragte er sich as wohl aus Adelchis geworden war, dem jüngsten Konvertiten und vermutlichem Vasall Aurores. Dann nickte der hagere Kainit gewichtig.

"Ja, ich wandle auf dem Weg der Könige. Wenn auch auf etwas anderen Pfaden als dies die anderen Lasombra Genuas tun oder taten. Wo manche auf die Macht des Schreckens setzen oder die klingende Münze zum Hebel ihrer Interessen machen, sehe ich Wissen als die Grundlage jeder wichtigen Entscheidung."

Da Seresa noch immer eine Frage im Rückstand war, bat Ilario sie mit einer auffordernden Handbewegung darum eine weitere Frage zu formulieren.
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Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Seresa » Mo 18. Dez 2017, 21:48

Bei Ilarios letztem Satz war ein scheinbar überraschtes Zucken in Seresas Gesicht zu sehen. Wer wohl mit Macht des Schreckens gemeint zu sein schien, war für die Brujah nicht sonderlich schwer zu erahnen. Hätte sie sich selbst bei ihrer ersten Begegnung mit der Aschepriesterin der Via Regalis am liebsten durch die Wand mit bloßen Händen gegraben um ihr zu entfliehen. Dass sein Bruder allerdings klingende Münze bevorzugte, schien Seresa sichtlich überrascht zu haben, hatte sie trotz der Gerüchte über sein Piratentum den Lasombra sichtlich anders eingeschätzt.

„Die verehrte Älteste wurde mir als Aschepriesterin der Via Regalis vorgestellt. Euer werter Bruder im Blute stellte sich selbst als Vasall auf der Via Regalis vor.“

Seresa nickte Ilario höflich zu, nachdem sie freigiebig seine Überraschung und sein Schmunzeln mit ihren Worten quittiert hatte.

„Was Mascharana betrifft, werter Ilario, so würde ich selbstverständlich mit Euch Rücksprache halten. Bitte seid versichert, ich achte und respektiere Revieransprüche. Würde es nicht wagen, wissentlich dagegen zu verstoßen. Bitte verzeiht mir deshalb, werter Ilario, denn mir war nicht bekannt, dass Ihr das Amt des Senators von Mascharana ausübt. Auch wenn es derzeit noch nicht offiziell ist. Ich gratuliere Euch zur dieser Ernennung. Es ehrt Euch, dass Ihr darüber nachdenkt es offiziell anzunehmen und auszuüben.“

Die Brujah neigte erneut ihren Kopf langsam und respektsbekundend. Dann schwieg sie für einen kurzen Moment.

„Was Euer überaus großzügiges Angebot der Aufträge angeht, so seid Euch meinem tiefsten und aufrichtigstem Dank gewiss, werter Ilario. Es würde meinem Begleiter und mir zur Ehre gereichen, sofern Ihr gewillt wärt und es Euch möglich wäre, uns Aufträge zugehen zu lassen. Sofern mein Vorschlag Euch zur Ehre gereichen würde, würden wir auf eine Entlohnung verzichten, sofern die Materialien für die Arbeit gestellt werden würden. So wäre es Euch oder den gewillten Auftraggebern möglich unverbindlich zu überprüfen, ob unsere Arbeit Euren oder ihren Ansprüchen genügen.“

Seresa beschrieb eine öffnende und einladende Geste, die ihr Angebot begleitete.

„Wir verstehen uns Beide wohl auf die üblichen Arbeiten des Schreibertums. Mein Begleiter ist ferner überaus versiert darin, Schriften möglichst exakt aus oder in das Griechische oder Lateinische zu übersetzen. Ich selbst vermag bedauerlicherweise nicht in vergleichbarer Exaktheit übersetzen, jedoch beherrsche ich neben ebenjenen Sprachen zudem das Fränkische und das Arabische.“

Ein höfliches Nicken folgte, während sie mit der Erwähnung des Fränkischen ihm ihre Muttersprache preisgab.

„Derzeit werden mein Begleiter und ich weiter in der Herberge in Domus verweilen. Sofern Ihr den Wunsch eines erneuten Kontakts hegt, würde es mir zur Ehre gereichen, wenn Ihr dort eine Nachricht für mich hinterlassen würdet.“

Eine erneute höfliche Geste rundete ihr Angebot ab. Dann wurde ihr Gesicht etwas ernster, als sie an Domus und den damit verbundenen Liktor dachte.

„Bitte verzeiht, werter Ilario, doch Ihr hattet Domus und den wohlwerten Liktor erwähnt. Bitte gestattet die Frage: Ist Euch bekannt, weshalb der wohlwerte Liktor Gaius Marcellus für einige Zeit unpässlich ist und wer seine Aufgabe innerhalb der Siestri derweil ausübt?“

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Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Ilario » Do 21. Dez 2017, 17:54

Ihre Fehlannahme bezüglich der Wege die Acacia und Fabrizio beschritten ließ Ilario so stehen. Daraus würde Seresa schon kein Schaden erwachsen und seine Clansgeschwister würden es wohl nicht schätzen würde er genaueres ausplaudern. Das Thema Mascharana brachte ihn dagegen zu einer abwiegelnden Geste, hier gab es noch einiges zu klären.

"Natürlich denke ich darüber nach, der Senat will mich in seinen Reihen wissen und doch wäge ich ab. Der verehrte Maximinianus ist noch nicht völlig rechtskräftig seines Postens enthoben und ohne den Willen meiner höchstverehrten Lehnsherrin zu kennen werde ich mir nicht anmaßen nach dem Amt zu greifen. Was das Revierdenken angeht, so versteht mich nicht falsch... ich hätte lieber jemand höflichen und vor allem gebildeten zum Nachbarn. So ihr euch also in Mascharana niederlassen wollt wäret ihr druchaus willkommen, doch wäre es besser zuvor einige Dinge zu klären. So vermeidet man unnötigen Zwist und fördert mögliche Kooperation.

Was Aufträge als Schreiber angeht, so wäre es nicht in meinem Sinne wenn ihr dies umsonst tätet. Ihr solltet euren Wert und den eurer Tätigkeit nicht unter Wert verkaufen. Den direkten Schriftverkehr meiner Leute kann ich euch selbstverständlich nicht  überlassen, doch gibt es sicherlich einige in Mascharana die indirekt in Kontakt zu mir und den meinen stehen. Ein gutes Wort und Empfehlung eurer Dienste sollte für Aufträge sorgen können. Noch dazu in diesem seltenen und wichtigen Gewerbe."


Interessiert vernahm Ilario welche Sprachen Seresa beherrschte, hier gab es erneut große Übereinstimmungen zwischen ihnen. Vielleicht ergab sich die Möglichkeit ein wenig zu Üben und vor allem könnte man kommunizieren ohne dass potentielle Lauscher alles verstanden. Oder zumindest die Wahrscheinlichkeit minimieren.

"Oh, ihr beherrscht das Fränkische? Beizeiten würd ich mich freuen in dieser Sprache mit euch parlieren zu können. Es freut mich ungemein mit euch eine weitere Kainitin zu treffen die so viele verschiedene Zungen beherrscht.

Der werte Gaius Marcellus ist in Kriegsgefangenschaft Mailands geraten. Soweit mir bekannt gibt man seinem Erzeuger dreizehn Jahre Zeit das Lösegeld zu zahlen. Danach steht dies jedem offen. Eine Schande eigentlich. So wenig sympathisch er auch erschien, Genua könnte in diesen dunklen Stunden einen loyalen Vasallen wie ihn gut gebrauchen. Seine Senatsgeschäfte ruhen derzeit, mehr weiss auch ich nicht.

Am verwunderlichsten erscheint mir, warum man ihn nicht vor dieselbe Wahl stellte wie die anderen Krieger. Sie alle beugten das Knie, hatte Gaius dies getan wüssten wir davon... oder von seiner Weigerung. Da muss also mehr dahinterstecken."
Die Nächte lehren viel, was die Tage niemals wissen.
- persisches Sprichwort

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Seresa
Brujah
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Re: [1003] Am Totenbaum [Seresa,Ilario]

Beitrag von Seresa » Do 21. Dez 2017, 20:43

Seresa schwieg, als Ilario geendet hatte. Ihre Stirn legte sich für einen Moment in Falten. Sie schien nachzudenken, nur um dann erneut den Kopf zu schütteln. Werter Gaius Marcellus. Es war interessant zu sehen, dass gerade jemand wie Ilario auf die korrekte Form verzichtet hatte. Seresa bezweifelte jedoch, dass es ein Versehen war. Trotz allem ging sie nicht weiter darauf ein.

„Vor allem jedoch, welchen Grund hätte Mailand für ein Lösegeld?! Weshalb erlaubt Mailand nur seinem Erzeuger das Lösegeld zu bezahlen?! Weshalb setzen sie dreizehn Jahre an?! Weshalb ist es ihnen danach scheinbar nur recht und billig, dass es irgendwer zahlt?!“

Ihr Blick war fragend auf den Schatten gerichtet. Die Art und Weise, wie sie die Fragen jedoch gestellt hatte, spiegelte wieder, dass sie sie nicht direkt an ihn gerichtet hatte, sondern sie nur laut überlegte. Seresa zuckte schließlich mit den Schultern.

„Ich vermute uns bleibt nichts anderes übrig, als zu beten, dass der wohlwerte Gaius Marcellus seinem Erzeuger, dem sehr verehrten Matthias von Bath, das Lösegeld tatsächlich wert ist. Zu beten, dass Mailand redlich handelt und den wohlwerten Liktor tatsächlich frei gibt. Wie Ihr bereits selbst sagtet, werter Ilario, benötigt ihre höchst verehrte Majestät Aurore, derzeit jeden loyalen Vasallen.“

Seresa nickte Ilario höflich zu. Mehr konnte sie zu diesem Zeitpunkt zu dem Thema nicht sagen, wusste sie nicht mehr darüber. Wusste sie zu diesem Zeitpunkt nicht, wer den Krieg gewonnen hatte. Wusste nicht, wer im Krieg gedient hatte. Wusste nicht, wer tatsächlich alles das Knie gebeugt hatte.

Als sie über loyale Vasallen sprach, kam ihr der Gedanke an Maximinianus wieder. Sie hatte sich bereits Gedanken über den Seneschall gemacht, als Ilario erwähnt hatte, dass er dessen Amt überlegt selbst anzunehmen. Sie war froh darüber, dass Ilario von selbst das Thema erneut aufgegriffen hatte.

„Was Euer mögliches Amt betrifft, so sagte ich bereits, werter Ilario, dass es Euch ehrt, dass Ihr darüber nachdenkt es offiziell anzunehmen und auszuüben. Dass Ihr nicht voreilig und blind danach greift, solang der Wille ihrer höchst verehrten Majestät Aurore nicht eindeutig diesbezüglich bekannt ist. Bitte seid versichert, werter Ilario, dass ungeachtet Eures Amtes oder nicht, mir wahrlich nichts fernerläge, als unnötigen Zwist mit Euch zu beginnen.“

Sie nickte dem Lasombra höflich zu und lächelte freundlich.

„Was den direkten Schriftverkehr Eurer Leute angeht, so verstehe ich natürlich Eure Vorsicht, werter Ilario. Es wäre äußerst unklug Jemandem zu vertrauen, den Ihr nicht kennt. Ich hoffe, Ihr hattet mein Angebot diesbezüglich nicht als aufdringlich oder gar falsch wahrgenommen. Jedoch basiert unser überaus angenehmes Gespräch gerade tatsächlich auch nicht auf mehr als einem gegebenen Wort. Es wäre somit schlicht unhöflich gewesen, Euch diese Option von vorne heraus zu verweigern.“

Sie hatte mit einer solchen Antwort gerechnet und es schien für sie nicht weiter verwunderlich zu sein, dass er es abgelehnt hatte. Verstand sie ihn in diesem Punkt durchaus.

„Sofern es Euch zur Ehre gereichen würde, werter Ilario, würden wir uns über ein gutes Wort und die Empfehlung unserer Dienste Eurerseits freuen. Ohne jeden Zweifel, werdet Ihr etwas entsprechend Angemessenes finden, was ich oder wir für Euch im Gegenzug eines Nachts tun können. Zu ähnlichen Bedingungen wie jenen, welche wir für unser Gespräch gerade nutzen.“

Erneut nickte sie respektvoll dem Schatten zu. Ganz offensichtlich schien die Brujah in diesem Fall gewillt zu sein, einen ihr unbekannten Preis zu akzeptieren für seine Empfehlung. Unter der Bedingung, dass sie den Preis ablehnen konnte, sollte er gegen etwas verstoßen, was von höherer Bedeutung war. Doch damit schien sie durchaus gut leben zu können. Schien sie derzeit tatsächlich nicht zu befürchten, dass der Lasombra sich offensichtlich oder gar unangemessen Übervorteilen würde.

„Was Eure indirekte Frage angeht, so lautet meine Antwort: Ja, das Fränkische ist die Sprache meiner Heimat. Es freut mich zu hören, dass Ihr sie ebenfalls beherrscht. Sehr gerne würde ich beizeiten mit Euch in dieser Sprache parlieren.“

Seresa schenkte ihm ein fast verstehendes Lächeln, während sie sein verwendetes Wort aufgegriffen und ebenfalls verwendet hatte. Dann machte sie eine einladende Geste. Schien es ganz offensichtlich an ihm zu sein, eine erneute Frage zustellen.

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