Ein Gespräch unter Brüdern [Gaius]

Wenn die Sonne hinter das Appenningebirge sinkt, kriechen die Verdammten aus ihren Löchern. Dies sind ihre Geschichten.

Moderatoren: Toma Ianos Navodeanu, Acacia

Benutzeravatar
Titus
Kappadozianer
Beiträge: 421
Registriert: Do 10. Nov 2016, 22:35

Ein Gespräch unter Brüdern [Gaius]

Beitrag von Titus » Di 7. Nov 2017, 00:41

Das Licht in der kleinen und fensterlosen Kammer kam von einem gusseisernen Kerzenständer, auf dem drei schwere Kerzen standen. Titus stand vor einer steinernen Pritsche, auf dem ein wenig Stroh und alte Laken verteilt waren. Offenbar war das ein sehr ungemütliches un kaltes Bett. Der Kappadozianer trug eine schmutzige graue Kutte mit einer Kapuze, die er über den Kopf gezogen hatte. Das Gesicht, das im Kerzenschein zu sehen war, schien etwas mehr eingefallen zu sein und die bleiche Haut verstärkte noch ein wenig mehr den Eindruck, dass Titus eine wandelnde Leiche war.

Als Gaius eintrat, straffte sich die Gestalt des Kappadozianers ein wenig und sah dem Salubri in die Augen. Titus nickte seinem Kampfgefährten zu zur Begrüßung.


"Gott mit Dir, Gaius. Ich hoffe Dir ist es gut ergangen."

Seine tiefe Stimme wirkte getragen und ein wenig bedächtig. Außer sein Äußeres schien sich nicht viel verändert zu haben.

Benutzeravatar
Gaius Marcellus
Salubri
Beiträge: 1565
Registriert: Mo 29. Aug 2016, 23:46

Re: Ein Gespräch unter Brüdern [Gaius]

Beitrag von Gaius Marcellus » Di 7. Nov 2017, 00:58

Gaius war voller Neugierde und Anspannung in das Domizil der Kappadozianer gekommen. Sie waren eine verschworene Sippe, aber es löste stets Misstrauen in ihm aus, wenn Benedetto seine geliebte Seinfreda oder nun auch Titus ihn selbst in das tiefe Innere ihrer Domäne kommen ließ - statt sich in offeneren Gefilden zu treffen.
Doch zugleich waren sie immer deutlicher eine Interessensgemeinschaft, war seine Loyalität - noch unbekannterweise - immer näher an jene der Kappadozianer gewandert und sie alle hatten mittlerweile einen gemeinsamen Feind.

Titus hatte sich im letzten Jahr wirklich seltsam verhalten, andererseits - es hatte keinen Weltuntergang gegeben, und darauf hatte der Kappadozianer wohl sehnlichst gehofft... Sollte man ihn dafür trösten? Trösten, nicht vernichtet worden zu sein? Nun... gleichwohl.
Gaius bestaunte die düstere klamme Aura des Klosters, es war im Vergleich zu Pointiers oder gar den Kirchen Konstantinopels nicht der Rede wert... aber Gaius wusste so viel mehr und zugleich so wenig über diesen Ort, er war... persönlicher. Unbekannt persönlich, kurzum unheimlich.

"Möge die Heilige Jungfer deine Wege geleiten, Titus. Es ist schön, dein Heim nun auch einmal zu sehen und dein Gast zu sein." Er lächelte und blickte sich in dem ungastlichen Raum um. Nickte seinem Gefährten dann zu. "Mir ist es gut ergangen, doch bin ich noch untröstlich und in tiefster Unruhe, wegem dem Schicksal unserer höchst verehrten und geliebten Herrin... es verfolgt mich sogar bis in die Tage." Er schüttelte den Kopf vergrämt, wirkte übernächtigt. Der Tag war grässlich gewesen und das Bild der geschändeten Schönheit verfolgte ihn immer noch... meist konnte er es aus seinen Gedanken wischen, doch im Gefühl war es stehts zu spüren.
Ob sie wohl um Rettung hoffte? Ob sie dabei gar an die Kainskinder Genuas denken würde? Gar an Ihn? Ach... wie trist auch dieser Gedanke, er war nicht bestimmt, sie zu finden... Schon wieder hatten die Erinnerungen ihn kurz in ihrem Bann, doch dann strich er sie aus seinem Geiste und konzentrierte sich ganz auf seinen Schwertbruder.
Wenn das Gefühl für Recht und Sitte schwindet, wenn der Schrecken die Sinne trübt, dann sind die Kräfte bald versiegt. In dem alten Blute lebt die Kenntnis des wahren Maßes, und aus ihm brechen die neuen Sprossen der Gerechtigkeit hervor.

Benutzeravatar
Titus
Kappadozianer
Beiträge: 421
Registriert: Do 10. Nov 2016, 22:35

Re: Ein Gespräch unter Brüdern [Gaius]

Beitrag von Titus » Di 7. Nov 2017, 01:09

Titus lächelte bei den warmen Worten des Gaius ein wenig gequält und deutete mit einer einladenden Geste auf einen kleinen hölzernen Schemel, der neben der steinernen Pritsche stand. Er selbst setzte sich auf das steinerne Bett und striff die Kapuze von seinem Kopf.

"Verzeih bitte, dass es hier so ungastlich ist. Ich habe hier bisher noch keinen Besuch empfangen."

Er schien die Blicke des Salubri bemerkt zu haben, die sich in dem Raum umsahen um festzustellen, dass diese Kammer völlig ungeeignet war, um Gäste zu empfangen.

"Worüber möchtest Du reden, Gaius?"

Benutzeravatar
Gaius Marcellus
Salubri
Beiträge: 1565
Registriert: Mo 29. Aug 2016, 23:46

Re: Ein Gespräch unter Brüdern [Gaius]

Beitrag von Gaius Marcellus » Di 7. Nov 2017, 14:12

Gaius nahm Platz und lächelte sanft. "Luxus hat mich auch im letzten Leben schon nicht reizen können... dein Geschmack hier ist wahrhaftig sehr spartanisch.. doch, es klärt sicherlich den Geist."

Dann blickte er den Krieger erst eine Weile an, schloss kurz die Augen, fasste sich. "Ich bin aus zwei Gründen hier...
Einerseits... nun, dein Heim, es zeigt auf, du verstehst dich wahrlich darauf, dich auf das Nötigste zu konzentrieren... und deinen Geist damit rein von weltlichem und all zu persönlichem zu halten, nicht wahr?
Ich, eh... ich suche einen alten dunklen Gedanken los zu werden. Ein Gedanke der mich quält, doch eigentlich keinen Bezug mehr in dieses Leben führt, doch er ist schwer abzuschütteln. Aber er lenkt mich von meiner Pflicht ab." Gaius wog den Kopf hin und her.

"Du bist kein Seelsorger, zumindest nicht im klassischen Sinne... aber doch bist du ein Kainit, der dieserart Probleme scheinbar nicht hegt? Und zugleich ein Mann, den ich wahrlich respektieren kann - dessen Worte mir womöglich ebenso neue Wahrheiten aufzeigen könnten." Begann er dieses erste echte Gespräch seit langer Zeit.
Wenn das Gefühl für Recht und Sitte schwindet, wenn der Schrecken die Sinne trübt, dann sind die Kräfte bald versiegt. In dem alten Blute lebt die Kenntnis des wahren Maßes, und aus ihm brechen die neuen Sprossen der Gerechtigkeit hervor.

Benutzeravatar
Titus
Kappadozianer
Beiträge: 421
Registriert: Do 10. Nov 2016, 22:35

Re: Ein Gespräch unter Brüdern [Gaius]

Beitrag von Titus » Di 7. Nov 2017, 14:28

Mit seiner so typischen ernsten Miene betrachtete er sein Gegenüber. Auch dem Titus schien die Zeit zuzusetzen. Seine Wangen wirkten ein wenig eingefallen und die Haut auf seinem Gesicht spannte sich etwas mehr um Schädel, so dass die Kanten ein wenig deutlicher hervortraten.

"Wenn ich Dir mit meinem Rat helfen kann, will ich es gerne versuchen."

Mit diesen Worten fing er an den Worten des Gaius zu lauschen.

Benutzeravatar
Gaius Marcellus
Salubri
Beiträge: 1565
Registriert: Mo 29. Aug 2016, 23:46

Re: Ein Gespräch unter Brüdern [Gaius]

Beitrag von Gaius Marcellus » Di 7. Nov 2017, 14:46

Gaius blickte dankbar.
"Es handelt sich um eine alte Geschichte... meinen Tod."
Doch gerade als er beginnen wollte zu erzählen stockte Gaius kurz.
"Danke, dass du mir dabei helfen willst.
Doch ich würde gerne noch den zweiten Punkt meiner Anwesenheit klären, ehe ich mich ganz dieser Schilderung hingeben kann... es geht mir einfach nicht aus dem Kopf.

Der zweite Punkt betrifft uns. Das Ereignis um die Verhaftung von Il Ghiotto, die Suche nach unserer höchst verehrten Herrin...ach, deine ganze Distanz seit diesem Moment.
Ich bitte dich, mir zu berichten, was damals geschah - wer die Integrität unserer Feste überwinden konnte. Wohin die zwei Mannen verschwunden sind und wie um alles in der Welt Il Ghiotto unbemerkt davongeschafft werden konnte... diese Kräfte müssen unvorstellbar und diabolisch gewesen sein."
Der Feldherr wirkte gequält bei dem Gedanken an ihre gemeinsame Feste.
Wenn das Gefühl für Recht und Sitte schwindet, wenn der Schrecken die Sinne trübt, dann sind die Kräfte bald versiegt. In dem alten Blute lebt die Kenntnis des wahren Maßes, und aus ihm brechen die neuen Sprossen der Gerechtigkeit hervor.

Benutzeravatar
Titus
Kappadozianer
Beiträge: 421
Registriert: Do 10. Nov 2016, 22:35

Re: Ein Gespräch unter Brüdern [Gaius]

Beitrag von Titus » Di 7. Nov 2017, 23:27

Titus betrachtete Gaius ein wenig überrascht, als dieser von seinem Tod erzählen wollte. Als die Sprache auf die Geschehnisse in der Martinsfeste verlagert wurde und Titus Rückzug von der sterblichen und kainitischen Welt senkte er seinen Blick.

"Ach Gaius, auch wenn ich in den vielen Dekaden meiner Existenz immer unerschütterlich war, hat mich in den letzen Jahren der Zweifel am Glauben fast gebrochen. Die Verheißungen und Prophezeihungen haben sich nicht erfüllt und das Reich Christi ist nicht gekommen. All das, worauf mein Weg fußte, die Hoffnung auf Erlösung, drohte vor meinem Geiste zu Staub und Asche zu verfallen. Ich war für einige Zeit versucht meiner elenden und verfluchten Existenz ein Ende zu setzen und dem Sonnenaufgang zu begegnen. Es hat mich viele Gebete und eine Menge Kraft gekostet, diesem Drang zu widerstehen. Alles schien ohne Sinn und ohne Ziel zu sein."

Der Schmerz und die Zerbrechlichkeit des einstigen Felsens von Genua war in gewisser Weise erschreckend und bedrückend zu gleich. Er nutzte diese kurze Pause, um sich ein wenig zu sammeln und seinem Kampfgefährten in die Augen zu blicken. Auch jetzt noch waren einige Zweifel in seinen Augen zu sehen, die jetzt so viel gealteter schienen als vor wenigen Jahren.

"Mein Erzeuger hatte recht...nicht jeder ist für die Ewigkeit geschaffen. Irgendwann beginnt jeder die Sinnhaftigkeit seiner Existenz zu hinterfragen und daran zu verzweifeln, so auch ich. Ich habe die Lebenserwartung eines Mannes meiner Herkunft schon viele Male übertroffen...doch Gott hat noch eine Aufgabe für mich und ich habe viel Zeit gebraucht diese zu erkennen."

Er seufzte.

"Was damals in der Martinsfeste geschehn ist kann ich Dir nicht genau sagen. Auch ich, genau wie die Männer habe vom Verschwinden des Il Ghiotto nichts mitbekommen. Ich vermute Godeoc dahinter. Diesem alten Teufel traue ich zu, dass er uns auch die ganze Martisfeste vor unseren Augen stielt. Verzeih, dass ich in meiner Aufgabe diesbezüglich versagt habe, ich werde das nicht noch einmal zulassen."

Benutzeravatar
Gaius Marcellus
Salubri
Beiträge: 1565
Registriert: Mo 29. Aug 2016, 23:46

Re: Ein Gespräch unter Brüdern [Gaius]

Beitrag von Gaius Marcellus » Di 7. Nov 2017, 23:47

Gaius Augen weiteten sich bei den Worten seines Schwertbruders. Was hörte er da? Zweifel? Beim Eisbrocken Genuas... Gaius war einen Moment berührt. Verdammt seltsames Gefühl wirklich auf die Gefühle der Gegenüber zu reagieren, sie zu erkennen, seine Umgebung noch einmal so neu kennen zu lernen... hatte er all dies die letzten Jahre verpasst und erst nun erlernt, seit er seine Augen wirklich für Andere, nicht nur für Bilder Anderer in seinem Geiste, geöffnet hatte?
Nein... hier ging es um Titus, das war seine Wandlung, er hatte sich verändert, es war nicht mehr gänzlich der gleiche Kainit, der letztes Jahr - damit auch letztes Jahrtausend - vor Gaius gestanden hatte...
Eine Welt war untergegangen, zumindest für Titus.


"Das tut mir leid... nun gut, es ist bedauerlich. Ich hoffe wir werden uns eines Tages gegen diese Schattenfrevel wehren können..." Auch Gaius wirkte von dieser Machtlosigkeit bedrückt. "Wir beide haben uns in diesen Missionen keinen Ruhm geerntet... aber es wird neue Chancen geben.
Ich weiß nicht, was mit den beiden geschehen ist... doch wir sollten sie weiter in unsere Gebete einschließen und bei den Nosferatu anfragen. Auch wenn die Aussichten düster sind..."

Er erwiederte den Blick seines Kameraden. "Deine Krise klingt einnehmend und verzehrend. Du hast mein Mitgefühl dafür... Aber es freut mich, dich weiterhin deinen Dienst tun zu sehen und in der Nacht gemeinsam mit uns zu wandeln. Es gibt nicht viele unserer... deiner Art." Gerne hätte er Titus umarmt, oder ihm zumindest den Arm gereicht. Aber das war für sie beide nicht angemessen, oder doch?
"In der Tat.. neben den monströsen Ereignissen in Kreuzdorf und unserer verdammten Politik scheint wenig geschehen zu sein... wobei ich aus anderen Teilen der Welta uch andere Gerüchte von Reisenden hörte. Jedoch scheint nirgends die Welt wahrhaftig untergegangen zu sein oder die Reiter des letzten Gerichts gesehen worden..." Gaius war auch heilfroh darüber... er war noch Jahrhunderte von der Erlösung entfernt.

"Deine Pflichten bleiben die gleichen? Wir sind Miles Christianes. Wir dienen Gott mit unserem Schwert und unserem Herzen. Wohl nicht genau auf die gleiche Art und Weise... aber im Kern ist der Gedanken der selbe. Und an deiner Integrität und Rechtschaffenheit als Ritter gibt es nichts zu zweifeln... Ich hoffe du findest eine Erfüllung in der Erfüllung deiner ritterlichen Pflichten unserem Erlöser gegenüber..." Gaius lächelte mild, eine sich stärkende Gemeinsamkeit - schön.
Wenn das Gefühl für Recht und Sitte schwindet, wenn der Schrecken die Sinne trübt, dann sind die Kräfte bald versiegt. In dem alten Blute lebt die Kenntnis des wahren Maßes, und aus ihm brechen die neuen Sprossen der Gerechtigkeit hervor.

Benutzeravatar
Titus
Kappadozianer
Beiträge: 421
Registriert: Do 10. Nov 2016, 22:35

Re: Ein Gespräch unter Brüdern [Gaius]

Beitrag von Titus » Mi 8. Nov 2017, 12:05

Titus lächelte...er schien in der Tat ein wenig erleichtert zu sein..

"Belaste Dich nicht mit meinen Zweifeln, Gaius. Das Werk Gottes stellt für uns alle die Erlösung in Aussicht und offenbar waren wir noch nicht bereit oder würdig genug in das Reich unseres Herren einzutreten. Es ist an uns, die große Macht besitzen, das Licht welches Glauben und Kirche heißt zu verteidigen gegen den ewigen Ansturm des Bösen. Und vielleicht waren wir in der Vergangenheit ein wenig zu zögerlich damit..."

Da war es wieder, ein kleiner Funke der alten Entschlossenheit des Kappadozianers. Auch wenn er anscheinend noch einige Zweifel in sich trug, die Ihn beschäftigen, hatte er doch zumindest einen Entschluss gefasst und ein Ziel vor Augen.

Benutzeravatar
Gaius Marcellus
Salubri
Beiträge: 1565
Registriert: Mo 29. Aug 2016, 23:46

Re: Ein Gespräch unter Brüdern [Gaius]

Beitrag von Gaius Marcellus » Do 9. Nov 2017, 17:47

Gaius hob fragend die Braue "Wie meinst du, zu zögerlich? Zur Verteidigung des Glaubens und der Kirche? Meinst du die Heiligen? Die menschlichen Institutionen? Oder wahrhaftig den Glauben?" Er lächelte sanft aber verwirrt. Mit den Heiligen hatte man seit Angeliques Austritt, seinem Konflikt mit Melissa und nun Ferrucios Ende nicht mehr gerechnet...
Wenn das Gefühl für Recht und Sitte schwindet, wenn der Schrecken die Sinne trübt, dann sind die Kräfte bald versiegt. In dem alten Blute lebt die Kenntnis des wahren Maßes, und aus ihm brechen die neuen Sprossen der Gerechtigkeit hervor.

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast